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Vielleicht ist es mein Alter. Ich bin jetzt über 50 und das wird man ja schon mal weicher, vielleicht gar vergesslicher.

Jedenfalls dachte ich heute, dass die Einfachheit, mit der mir ein Verlag ein vierwöchiges Probe-Abo anbot, tatsächlich eine der Wahrheit verpflichtete Darstellung war.

Ich Naivling.

Nun gut, ich meldete mich also an. Das dauerte. Nicht wegen der Eingabe irgendwelcher Datenmengen, sondern weil die entsprechende Seite einfach ermüdend langsam arbeitete. Zwischen der finalen Dateneingabe und der Bestätigung vergingen sicherlich 60 Sekunden, obwohl ich bei jenem Verlag schon ein Kundenkonto besaß.

Ich hätte auch den täglichen Newsletter des Hauses abonnieren können. Den könne ich jederzeit auch wieder kündigen, wurde mir versprochen – indem ich eine Mail an den Kundendienst schicke. Dass dies nicht mit der Datenschutzgrundverordnung konform geht, scheint sich noch nicht bis zu jenem Medienhaus durchgesprochen zu haben (mal abgesehen davon, dass es natürlich so zeitgemäß ist wie ein Wankelmotor).

In dieser Zeit hätte man mich übrigens ja auch darüber informieren können, wieviel mich jenes Abo später kosten würde. Tut man aber nicht, denn es ist klar, was kommt. Nach dem Auslaufen wird es ein Angebot geben, ich werde es ablehnen, das Angebot wird sofort gesenkt (und ich werde es wieder ablehnen, weil ich das Gefühl habe, Teil einer Kundenveralberung zu sein).

Irgendwann endlich die Begrüßung des Hauses und ein farblich dominierender Balken, der sich als jener Ort identifizierte, den ich klicken müsse, um zu „meinen Inhalten“ zu gelangen.

Ich klickte.

Ergebnis: eine 404-Meldung – „The requested source is not available.“

Vielleicht also ist es wirklich mein Alter dem geschuldet ist, dass ich ein Kundenerlebnis erwartet hatte, das irgendwie dem aktuellen Jahrtausend entspricht, trotz meines Erlebnisses mit der „FAZ“ jüngst. 

Wann immer ich Medien kritisiere, beginnt das große Heulen und recht schnell kommt die Frage, womit man denn Geld verdienen wolle. Zu deren Beantwortung schrieb ich einst eine lange Eloge, auf die ich bisher verwies. 

Vielleicht aber ist dieses Vorgehen schon zu viel. Das letzte Mal, als ich bei Burdas Hausmesse DLD zugegen war, hielt Hubert Burda jene legendäre Kurzklage, nach der man im Internet nur lausige Pennys verdiene. Ich sagte ihm anschließend vor dem Mikro, dass viele Pennys verdammt viel Geld bedeuten, die Verlage aber nicht mal angefangen hätten, diese verdienen zu wollen (woraufhin ich nie wieder zum DLD eingeladen wurde – Majestätsbeleidigung halt).

Nach dem heutigen Erlebnis hoffe ich sogar, dass Verlage kein Geld mit so was wie Digitalangeboten verdienen wollen. Denn die andere Erklärung wäre, dass sie zu deppert dazu sind.


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