Skip to main content

Kürzlich kündigte ich nach rund 15 Jahren, genau kann ich das nicht mehr nachvollziehen, das Abo unseres Haushaltes für die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“

Die Unzufriedenheit über das Blatt schwelte schon länger, immer liebloser wurde es, die Zahl der Fehler häufte sich, gleichzeitig waren zahlreiche Artikel nur noch Besinnungsaufsätze nach dem Motto „Ich habe dies und jenes erlebt“. Selbst Produkttests verliefen nicht anders: Ein Mitglied der Redaktion testete dann mal Handcremes und erstellte eine rein subjektive Bewertung.

Als jüngst „FAZ“-Geschäftsführer Thomas Lindner gegenüber „Horizont“ wieder einmal von „überfinanzierten öffentlich-rechtlichen Gratiswebsites“ schwurbelte, reichte es: Wer Journalismus in diesen Tagen weghaben will, ist kein Anhänger der Demokratie. Und müssten wir mit dem leben, was die „FAS“ noch an Journalismus bietet – wir hätten ein echtes Gesellschaftsproblem.

Nun kritisiere ich Verlage seit Jahren ja auch, weil ich keine andere Branche kenne (und mit kpunktnull beraten wir ja einen bunten Kranz von Unternehmen), in der es in solch einem Ausmaß an Strukturen und Prozessen mangelt. Eine Person, die ich aus dem Studium kenne, bestätigte mir dies auch mal. Sie berät ebenfalls Unternehmen und hatte zum ersten Mal einen Verlagsklienten. Als wir uns dann begegneten, sagte diese Person: „Thomas, ich dache immer, Du übertreibst – aber es ist ja noch viel schlimmer.“

Diese Kündigung brachte wieder einmal eine Bestätigung dieser These der Strukturen und Prozesse. Eigentlich hatte ich mal einen Online-Account. Den aber nutzte ich nur einmal, als eines Sonntags die Zeitung nicht im Briefkasten lag. Sehr schnell und unkompliziert konnte ich die Beschwere vorbringen, ein paar Stunden später wurde nachgeliefert.

Das aber ist etliche Jahre her. Dieser Online-Account war nun nicht mehr zugänglich, besser: Er schien nicht mehr zu existieren. Weder funktionierten die Zugangsdaten, noch war meine E-Mail überhaupt bekannt.

Also musste ich anrufen, um zu kündigen. Das klappte auch sehr gut, der Mitarbeiter wirkte ernsthaft betroffen (oder spielte das sehr gut), und tat das, was Verlage dann immer tun: einen besseren Preis bieten.

Sicherlich wird so mancher Abonnent damit gehalten. Doch was strahlt das aus? Dass ich es eben billiger haben kann und versuchen werde, es immer billiger zu bekommen. Ein gutes Beispiel dafür ist der „Economist“. Der wollte nach einem Einführungsangebot den Preis erhöhen. Daraufhin kündigte ich per Chat und mir wurde jener Einführungspreis für weitere Monate angeboten. Als die abgelaufen waren – das gleiche Spiel.

Der Marke ist das nicht zuträglich. Bei Hermès oder Gucci kann ich eben auch nicht über den Preis verhandeln, wenn ich die aktuelle Kollektion erwerben möchte.

Doch es ging ja noch weiter. Die „FAZ“ schickte mir einen Kündigungsbrief, oder genauer: Sie schickte 2 Briefe in einem Umschlag.

Inhaltlich waren diese Briefe praktisch deckungsgleich. In einem bedauerte der Kundenservice meine Kündigung und kündigte eine Kündigungsbestätigung in den kommenden Tagen an. Außerdem könne ich ein „speziell auf“ mich „abgestimmtes Abo-Angebot vorgestellt“ bekommen. Dazu müsste ich die Abo-Hotline anrufen.

Der zweite Zettel war jene „in einigen Tagen“ angekündigte Kündigungsbestätigung, unterschrieben vom Leiter Kundenservice. Er bedauert die Kündigung, „respektiert“ die Gründe (excuse me?) und bietet mir ein „speziell für“ mich interessantes Angebot, für das ich die Abo-Hotline anrufen könne.

Wie gesagt: Beide Briefe kamen im gleichen Umschlag, obwohl der eine später kommen sollte. Beide sind vollkommen austauschbar – und sie lügen mich an.

Denn natürlich ist das Angebot nicht „speziell auf mich abgestimmt“ oder „speziell für mich interessant“. Wie sollte es das auch sein? Die einzige Kontaktaufnahme der „FAZ“ in den 15 Jahren waren Rechnungen und das unaufgeforderte Zuschicken der „FAZ“ über drei Wochen (was eine ernsthafte Ignoranz gegenüber meinen Wünschen war). 

Der Verlag weiß nichts über mich, er wollte auch nie etwas über mich wissen oder irgendetwas anderes tun, als mir gedrucktes Papier zu verkloppen.

Ginge das auch anders? Klar! Durch das Führen einer Kundendatenbank, Umfragen mit kleiner Belohnung, vielleicht einer Flasche Wein zum 10-jährigen Abo-Jubiläum, exklusiven Veranstaltungen, notfalls auch digital, und ganz langjährigen Abonnenten könnte man ja sogar mal ein exklusives Videotelefonat mit einem Redakteur anbieten – um nur einige Ideen zu nennen.

Stattdessen nun also diese zutiefst uninspirierten Larifari-Anschreiben, die jeden Kündigenden in seiner Entscheidung nur bestätigen können.

Denn was in Verlagen weiter nicht verstanden wird: Eine Zeitung wie die „FAZ“ ist genauso eine Marke wie VW oder Telekom. Und deshalb schlägt das Vorgehen des Vertriebs eben auch in der Wahrnehmung zurück auf die Leistungen der Redaktion. Genauso wie meine Meinung zu VW eben nicht nur durch das Fahrgefühl im Auto beeinflusst wird, sondern genauso durch das Händlererlebnis oder das Agieren des Vorstandes.


Kommentare


Brunowsky 13. August 2021 um 12:14

Lieber Herr Knüwer,
Ich würde so ein wichtiges Medium wie die FAZ nicht kündigen, weil der Vertrieb/Verlag solche Fehler macht. Mir geht es ausschließlich um die Qualität der Inhalte. Und da kann ich Ihre Kritik überhaupt nicht teilen. Nicht alles, aber vieles in der FAZ/FAS ist fundiert und echter Qualitätsjournalismus.
Ich glaube, Ihr Kündigungsgrund ist vorgeschoben – mal ehrlich: Tatsächlich passt Ihnen vermutlich die ganze Richtung der konservativen FAZ/FAS nicht.Sie sind ja ein meinungsstarker Journalist und Kommunikator – mit klarer Linkstendenz, richtig, oder täusche ich mich? Ist ja selbstverständlich Ihr gutes Recht, aber da wundere ich mich, dass Sie die FAZ schon so lange abonniert haben.
Viele Grüße!
RD Brunowsky

Antworten

Dennis P. 16. August 2021 um 9:52

Da steht nirgends, dass gekündigt wurde, weil der Vertrieb/Verlag Fehler macht. Sondern es wurde gekündigt aus verschiedenen Gründen und dann hat der Vertrieb/Verlag solche Fehler gemacht, was die Kündigung bestärkte. Die Gründe für die Kündigung sind auch klar formuliert. Wer jetzt hier vorwirft, dass irgend etwas vorgeschoben ist, sollte evtl. einfach nochmal den Text lesen.

Antworten

con2epa 16. August 2021 um 10:01

Er hat doch gesagt, dass er aufgrund der Qualität der Inhalte und schlussendlich (quasi der letzte Tropfen) nach der Aussage des Geschäftsführers gekündigt hat. (Und welchen Einfluss der Geschäftsführer auf die Strukturen hat, wissen wir alle)

Aber schön, dass Sie ehrlich zugeben, wieso Sie auf den im Text genannten Grund nicht eingehen.
Noch schöner, dass Sie mit Ihrem letzten Satz direkt zeigen, wie lückenhaft der von Ihnen genannte "ehrliche Kündigungsgrund" ist.

Also würde ich Medienberatung brauchen, würde ich Ihr Unternehmen lieber nicht ansprechen. Herr Knüwer formuliert fundierter und respektvoller.

Antworten

Saran 16. August 2021 um 14:31

Die FAZ war schon immer konservativ. Das weiß und wusste auch Herr Knüwer.

Es ist aber richtig, da stimme ich absolut zu, dass die Qualität der Sonntagszeitung in den letzten Jahren extrem nachgelassen hat. Die Zeitung ist ein Schatten ihrer selbst.
Das kann man behaupten, das kann man begründen … und man kann seine Konsequenzen daraus ziehen. Genau das ist passiert.

Wo genau ist jetzt ihr Problem, bzw. warum zweifeln Sie einfach an den vorgetragenen Gründen?

Antworten

Thomas Knüwer 16. August 2021 um 14:37

Lieber Herr Brunowsky,

wie andere Kommentatoren ja anmerken: Ich habe nicht wegen des Vertriebs gekündigt, die Aussagen von Herrn Lindner waren nur der letzte Tipping Point.

Befremdlich finde ich Ihre Einordnung meiner Person. Ich möchte nochmal betonen: Ich bin kein Journalist mehr. Und: Ich verwehre mich gegen eine "klare Linkstendenz". Ich stehe keiner Partei nahe, mehr noch, ich finde mich so wenig in den Parteien wieder, dass ich nicht zur Wahl gehen würde, gäbe es nicht die AFD. Die Partei, die ich in meinem Leben am häufigsten gewählt habe, war die CDU, gefolgt von der FDP. Ich habe öffentlich mehrfach geschrieben, dass ich die CDU in diesem Leben nicht mehr wählen werde. Sie ist moralisch verkommen in einem Ausmaß, dass sich in unserer beider Lebenszeit nicht mehr korrigieren wird lassen. Übrigens komme ich aus einem konservativen Elternhaus und dem konservativen Münsterland, 14 Jahre habe ich für eine klar FDP-nahe Tageszeitung gearbeitet.

Noch befremdlicher finde ich, dass sie der Meinung sind, wer die eine politische Richtung vertrete, der würde nicht Medien einer anderen Ausrichtung konsumieren. Vielleicht schließen Sie da von sich auf andere? Für mich gilt dies definitiv nicht und ich versuche dies mit allen Mitteln zu verhindern, denn ich will nicht in einer Filterblase untergehen.

Vielleicht rührt Ihre Meinung aber auch von meiner Kritik sowohl an CDU/CSU als auch an Axel Springer (und hier der "FAZ") her. Dazu nur kurz: Es sind halt die Alten, Weißen Männer, die derzeit jedwede Ratio in den Orkus schießen. Und CDU/CSU sind halt die Parteien der Alten, Weißen Männer, die genannten Medien sind die Medien jener Klientel. Konservative und christliche Werte haben dort keine Heimat mehr.

Zu den regelmäßigen Inhalten der FAZ kann nichts sagen. Aber zur FAS sehr viel. Grundsätzlich ist es ein komplett desorientiertes Blatt. Themen tauchen auch mal mit den gleichen Informationen an verschiedenen Stellen auf, die Redaktion macht hier die eigenen Probleme (kein Chefredakteur, sondern Herausgeber die ihre individuellen Gärtchen pflegen dürfen) zu dem des Lesers.

Aber nehmen wir doch nur mal das, was mir in dieser einen, aktuellen Ausgabe so vor die Augen gekommen ist:

– Da gibt es eine Grafiksammlung zum Grillmarkt in Deutschland (S.29): Wie so oft fehlt schon bei der ersten Grafik die Achsenbeschriftung. Bei der zweiten wird nicht sauber erklärt, wie die skalierten Preise entstanden sind. Bei einer weiteren fehlt das Jahr der Zahlen. Die Marktkapitalisierung von Weber Grill ist falsch (angesichts des dramatischen Unterschieds im Vergleich zum Konkurrenten Traeger hätte dies beim Korrekturlesen auffallen müssen).

– Der Cum-Ex-Beschuldigte Hanno Berger wird auf S.23 detailliert beschrieben (keine Pomade, kein durchtrainierter Körper, kurzatmig), obwohl die "FAS" ihn seit anderthalb Jahren nicht gesprochen hat.

– Seit einiger Zeit pflegt die "FAS" eine recht unkritische Liebe zu Kryptowährungen. Ich selbst stehe diesem Thema höchst kritisch gegenüber, doch das ist rein subjektiv.

– Einfach wirr ist ein Artikel über den französischen Musiker Joseph d’Anvers (S.35). Denn was der mit einer Debatte über das Design einer Johnny Hallyday-Statue zu tun hat? Nichts. Der Autor versucht das nur irgendwie in einen Artikel zu foltern.

– Auf der gleichen Seite beginnt ein Artikel mit "Kürzlich stand in einer italienischen Zeitschrift…" Dies ist symptomatisch für die "FAS": Quellen werden regelmäßig nicht genannt, aber trotzdem zitiert. Vielleicht sollen LeserInnen sich kein eigenes Bild machen?

– Typisch für das, was ich "Besinnungsaufsatz" nannte der Aufmacher des "Leben"-Segmentes. Ist die Übernahme des Ehemann-Namens durch die Frau feministisch? Keine neue Frage, kann man aber machen. Nur: Die Autorin hatte keine Lust, diese Frage zu klären. Sie hatte ja nicht mal Lust, einen Experten anzumailen oder – ganz vermessen – anzurufen. Der gesamte Artikel besteht aus innerer Meditation und ergoogleten Studien. In der Journalistenschule hätte Prof. Simoneit uns solch einen Text um die Ohren gehauen und uns der Faulheit bezichtigt. Mit was? Mit Recht. Solche "Arbeiten" sind bei der "FAS" ständig zu finden und das mit steigender Tendenz.

– Immerhin hat die gerade genannte Autorin eine Suchmaschine zum Einsatz gebracht. Das kann man von ihrer Kollegin nicht behaupten, die der Frage nachgehen wollte, warum Polka Dots so angesagt sin. Sie fragt sich, warum das Bergtrikot der Tour de France rote Punkte auf weißem Grund zeigt und antwortet: "Möglicherweise weil es am ehesten zu jemandem passt, der unbeirrbar optimistisch 15,6 Kilometer einen Berg bei durchschnittlich 8,7 prozent Steigung hinauffahren und danach immer noch atmen kann." Möglicherweise aber auch, weil der erste Sponsor des Trikots eine Schokoladenmarke war, deren Verpackung rote Punkte auf weißem Hintergrund zeigt. Pardon, nicht möglicherweise – das war der Grund, was sich mit 25 Sekunden googlen herausfinden ließe. Genauso wie die Herkunft der Bezeichnung "Polka Dots" – darüber spekuliert die Autorin nicht mal, sie verschweigt es.

– Ein Artikel startet mit der – natürlich falschen – Behauptung, Kokosöl helfe gegen Covid19. Am Ende des Artikels über das Für und Wider von Kokosöl nimmt die Autorin zwar Bezug auf Viren, Pilze und Bakterien, widerspricht aber nicht dem Covid-Mythos. Ich halte dies für problematisch.

– Marcel Kruse und Gero Pulsinger haben ein Buch über das Fermentieren geschrieben. Ob sie Köche sind oder Profi-Fermentierer – der Leser erfährt es nicht. Auch das ist Alltag.

Dies sind nur die Beispiele des jüngsten Sonntags – und es war nicht der schlechteste in den vergangenen Monaten.

Antworten

Peter Nawal 17. August 2021 um 11:09

Moin moin,

der Provider 1&1 hat bei der letzten Bundestagswahl eine Spende an die CDU gerichtet in Höhe von 500.000€. Habe daraufhin beim Service angerufen und um eine Kündigung gebeten. Ich wurde dann vom Service gefragt, was denn mein Grund für die Kündigung sei und da bin ich dann natürlich gerne kurz darauf eingegangen, dass ich das Staatsversagen der Union seit einem Jahrzehnt nicht als unterstützenswert betrachte und ich deshalb nicht länger Kunde eines Unternehmens sein kann, welches diese Partei und ihre fortwährende Ignoranz in allen wichtigen Themen unterstützt.

Der Service-Mitarbeiter musste mich daraufhin auslachen und als ich ihn darauf ansprach, was er denn so witzig fände, fragte er mich tatsächlich, ob ich auch aus einem Bus aussteigen würde, wenn der Fahrer ein CDU-Wähler wäre. Habe ihm gesagt, dass mich sein dreistes Unverständnis nur in meiner Entscheidung bestätigt. Ich empfinde eine Kündigung um Rückgrat als Selbstzweck zu beweisen als würdevoll, auch wenn 1&1 mir ansonsten nie Probleme bereitet hatte, im Gegenteil, bis zu dieser Spende war ich sehr zufrieden mit 1&1.

Aber an Kommentaren wie dem Herrn Brunowsky kann man erkennen, was das Problem der Ignoranten ist: Einbildungen und Projektionen, die jedem Menschen mit Vernunft eine Linkstendenz unterstellen (selbst wenn er nie links war und als sei links zu sein per se böse), während es der Ignorant an Vernunft, Reflektion und Respekt mangeln lässt. Ich will diese Ignoranten gar nicht als rechts bezeichnen, denn es gibt vernünftige, reflektierte und respektvolle Formulierung rechter Interessen. Ignoranten sind Feinde der Gesellschaft, egal wo sie politisch einzuordnen sind.

Es ist bedauerlich, dass neben der FAZ auch die WELT oder die NZZ an illusorisch geprägter Ignoranz festhalten, als sei sie das Gelbe vom Ei.

Antworten

Moon 17. August 2021 um 23:00

> Ich würde so ein wichtiges Medium wie die FAZ nicht kündigen.

Ernsthaft? Wichtig für wen?

Antworten

Hannes Schleeh 13. August 2021 um 18:36

Hallo Thomas,
hatte in meiner Firma ein ähnliches Erlebnis. Wir haben dort die Lokalzeitung seit über 20 Jahren abonniert. Dann kam diese obwohl wir in deren Kerngebiet liegen mehr als eine Woche nicht an. Wir haben reklamiert und uns dann überlegt auf die digitale Variante umzusteigen. Aber das war derart kompliziert und mein Mitarbeiter wurde zwischen den Abteilungen hin und her geschickt, das wir nun auch beschlossen haben das Abonnement endgültig zu kündigen.
Kundenpflege ist ein Fremdwort für diese Branche, leider!

Antworten

Christoph Berdi 14. August 2021 um 15:07

Hallo Thomas,

hmmmm… hat das etwa Methode? Ich versuche der Rheinischen Post seit Wochen beizubringen, dass ich mich nach einem Probeabo GEGEN ein Regelabonnement entschieden habe. Stattdessen spamt mir der Verlag den Briefkosten zu…. jeden Erscheinungstag aufs Neue. Mails an den Vertriebsservice bleiben derweil unbeantwortet. Die Not, irgendwie doch noch eine relevante Auflage ausweisen zu können, scheint groß zu sein.

Liebe Grüße, Christoph Berdi

Antworten

Calvero 16. August 2021 um 9:26

Kann es sein, dass die Brieftexte auch seit 15 Jahren unverändert sind? Schon bei den Wörtern "selbstverständlich" und "natürlich" bekomme ich Schmerzen. Und echt "Wir bitten um Ihre Rückmeldung!" fett als Überschrift, nachdem man gekündigt hat? "Wir bedanken uns für die gute Zeit mit Ihnen…" ist auch nur zum Fremdschämen.

Antworten

Elke aus Berlin 16. August 2021 um 9:29

Ich bin Programmierer (kenne mich also ein bisschen mit Computern aus) und habe drei Digitalabos (Zeit, Spon, Märkische Allgemeine Zeitung). Bei der Zeit kann ich nichts sagen, aber das Webinterfaces zur Aboverwaltung bei Spon und MAZ haben mit Abstand die schlechteste User Experience, die ich je erlebt habe. Auch technisch sehr schlimm. Die MAZ konnte mir sogar mal bei einem Anruf (den ich machen musste, weil ich mein Passwort vergessen hatte) mein altes Passwort sagen. Die hatte das im Klartext gespeichert.

Antworten

Holzhauer 16. August 2021 um 9:34

Die FAZ hat sich ja ohnehin in den letzten Jahren zu einem unerträglich strunzkonservativen Lügenmedium entwickelt, das insbesondere bei Themen, die sie selbst betreffen, kackendreist Unwahrheiten verbreitet (Beispiele: Leistungsschutzrecht, EU-Urheberrechtsreform) oder auch mal Kommentare aus einem weit rechts liegenden Meinungsspektrum veröffentlicht. Unerträglich. Die Online-Version der FAZ befindet sich seit einiger Zeit in meinem Springer-Blocker-Plugin im Browser (der soll zwar eigentlich Springerpresse blocken, kann das aber auch für andere Seiten tun), damit ich nicht mal aus Versehen mit denen in Berührung komme.

Mir ging es übrigens ganz ähnlich mit dem Heise-Verlag – und die haben eine Kundendatenbank, hat allerdings ebenfalls nicht geholfen, da auch dort die Prozesse offensichtlich unterirdisch sind. Das hat dann nach einer Abfolge unfassbar dummen Verhaltens seitens des Verlags dazu geführt, dass ich mein 20 Jahre altes Zeitschriftenabo gekündigt habe. Das führte dann ebenfalls zu solchen Phrasen, wie oben wiedergegeben, was mich nur noch darin bestätigt hat, das Richtige zu tun.

Antworten

Stefan Fries 16. August 2021 um 11:31

Meine Erfahrung mit dem Kölner DuMont-Verlag und dem Stadt-Anzeiger ist (abgesehen vom Inhalt), dass es offenbar wenig Interesse gibt, die Zeitung sicher zuzustellen. Das liegt zwar in erster Linie an der Zugänglichkeit unseres Briefkastens, aber der Verlag zeigte wochenlang null Interesse daran, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Selbst meine zweitägliche Reklamation fehlender Zeitungen war egal. Erst nach meiner Kündigung, weil mich die Zeitung so selten erreichte, wurde man aktiv – leider zu spät.

Antworten

Axel Berger 16. August 2021 um 12:46

Ich verstehe den Autor nicht. Die Kündigung wirde mündlich am Telephon akzeptiert und rasch bestätigt. Es wurde keine Schriftform verlangt. Die erste, nicht eingeschriebene schriftliche Kündigung ist nicht auf dem Postweg "verloren gegangen" und mußte nicht eingeschrieben wiederholt werden. Aus dem, was ich sonst selbst erlebt habe und mehr noch bei Hilfe im Bekanntenkreis mit Anbietern, von denn ich mich selbst in böser Vorahnung ganz fernhalte, erleben muß, ragt die FAZ nach diesem Bericht leuchtturmartig strahlend hervor. Ich find‘ sie langweilig, aber dieser perfekte und reibungslose Umgang mit Kündigungen ist eine klare Empfehlung.

Antworten

Walter König 16. August 2021 um 20:39

Ich will mal zwei zentrale Punkte herausstellen, die mich jetzt seit der Jahrtausendwende in der Printpresse bei Abos begleiten, einen sprach ja auch Herr Knüwer an.
Man bestellt ein lange laufendes Abo ab, aus vielerlei Gründen, selten aber weil der Preis erhöht wurde, anschließend kommt ein Brief, der einem eine Preisreduzierung anbietet. Teilweise eine ganz erstaunliche. So kündigte ich vor einigen Jahren meine Zweit TV Zeitschrift, schlicht deshalb, weil ich sie nur wegen des redaktionellen Teils abonniert hatte, dann bot man mir einen 30% Rabatt an. Natürlich war der Brief automatisiert, dies geht aus ökonomischen Gründen ja auch gar nicht anders, aber auch in dem Brief wurde der Eindruck erweckt, man hätte meinen begründeten Kündigunggrund ("Kappung des redaktionellen Teils und der ausführlichen TV Kritiken, Qualitätsverlust") ernst genommen und darauf dann reagiert. Tatsächlich gabs diesen Preissenkungsbrief für viele (langjährige) Abonnenten, die man nicht verlieren möchte. Man verramscht also sein Produkt. Auf mich wirkte dies befremdlich, denn diese Zeitschrift im Jahr 2016 hatte nicht mehr viel mit der Zeitschrift zu tun die ich 16 Jahre vorher erstmals abonnierte. Ich hätte lieber wieder 30% mehr Inhalt und Qualität als 30% Rabatt.

Damit möchte ich auf Punkt 2 überleiten, auf irre Aboprämien für neue Abonnenten. Früher gabs da mal Kugelschreiber, Kaffeetassen oder höchstens einen 50 DM IKEA Einkaufsgutschein. Heute gibt es bis zu 500 (!) Euro für ein z.B. 2Jahres Abo DER WELT. Diese hohen Prämioen werden über Abodienstleister ausgezahlt, die natürlich auch wieder Geld dafür bekommen. Deren Verdienste sind ein gut gehütetes Geschäftsgeheimnis. Aber wenn ich von 20% der Aboprämiensumme ausgehen würde, dann grob Druck- und Vertriebskosten kalkuliere, vermute ich, daß der Verlag in den ersten 2 Jahren an Neuabonnenten fast nichts mehr verdient. Erst im 3.Jahr rechnet sich dies, dann hat aber mancher, der sich nur von der Prämie hat anlocken lassen, schon wieder gekündigt.

Kurz zusammengefasst: Kritisiert man als Leser ausgedünnte Inhalte und Qualitätsverlust, kommt als Argument immer: "Kein Geld".
Gleichzeitig wird aber viel Geld für Rabatte und Prämien aufgewendet. Für mich passt dies nicht zusammen.

Die FAS kaufe ich nur noch sehr selten, sie hat stark abgebaut.
Bei der WAMS ist dies nur teilweise so, da gibts immer noch ein paar Lichtblicke und interessante Reportagen. Meist stehen die dann auf der Titelseite, so daß man sich am Kiosk entscheiden kann, ob sich der Kauf lohnt. Abonnieren würde ich die WAMS jetzt aber auch nicht mehr, selbst wenn es ein "City Bike" als Aboprämie gibt.,

Antworten

Frankfurter 16. August 2021 um 21:02

Nicht mehr kaufbar wurde die FAZ für mich seit dieser Nummer:

https://uebermedien.de/38908/faz-innenpolitikchef-zerstoert-sich-im-kampf-gegen-rezo/

War wirklich das Letzte vom Jasper – jetzt macht sein Blatt den letzten Japser 🙂

Antworten

Harry Haferschleim 17. August 2021 um 15:31

Was Herr Knüwer hier schreibt, kann ich nur zu 100% bestätigen. Es entspricht meinen Erfahrungen mit mehreren (Tages- und Wochen-)Zeitungen. Zum einen, was die Inhalte anbetrifft: Ich habe von für mich persönlich herausragenden Tagen (z. B. Hochzeit) Zeitungen aufbewahrt. Wenn ich die mit heutigen Exemplaren derselben Zeitung vergleiche, gruselt es mich jedes Mal.
Zum anderen das nicht vorhandene Zusammenspiel von Vertrieb und Redaktion bzw. selbst innerhalb der Redaktionen: Da bekommt man auf Kritik manchmal „Antworten“ – sagenhaft! Und diese Angebote, die bei einer Kündigung dann kommen! Da hat man plötzlich das Gefühl, jahrelang viel zu viel für das Abo bezahlt zu haben.
Argumentiert wird seitens der Verlage ja häufig mit der Aussage, dass es immer weniger Werbung in Printmedien gäbe, weshalb am Umfang, am Personal etc. gespart werden müsse. Ist da vielleicht was wahres dran? Oder ist da eine Wechselwirkung: Weniger Qualität – weniger Auflage – weniger Werbung – weniger Qualität… usw.

Antworten

Hannes Maier 17. August 2021 um 22:54

Die Printpresse ist an Printabo-Kunden nicht mehr interessiert. Seit vielen Jahren war ich Abonnent des Handelsblattes. In jedem Sommer habe ich das Blatt für eine Zeit ruhen lassen und das Abo unterbrochen. Dies wollte ich auch in diesem Sommer vornehmen, als mir mitgeteilt wurde, dass man das im Verlag nicht mehr möchte. Ich solle mein Abo doch weiterführen. Daraufhin habe ich dem Verlag die Option gegeben, entweder meine Ruhezeit zu akzeptieren oder ich müsse kündigen. Was ist passiert: Nichts; Gar nichts. Daraufhin musste/durfte ich kündigen. Ab diesem Zeitpunkt meinte man mich zu nerven mit einer Vielzahl von Anrufen oder Emails. Auf meinen Hinweis, dass sie es selbst verursacht hätten, kam nur der Hinweis, dass der Verlag das so entschieden habe. Man wolle eher Online-Abos verkaufen.

Antworten

Walter König 24. August 2021 um 12:39

@ Hannes Maier:
Ich kann jetzt nicht für das Handelsblatt sprechen, aber andere Verlage sind schon noch sehr an Printabo Kunden interessiert.
Siehe die schon erwähnten hohen Prämien, aber ständig bekomme ich auch Anrufe von den 2 B. Verlagen, ob ich nicht doch noch mal ein Probeabo der Zeitschrift TV sowieso oder irgendeiner Zeitschrift voll mit Kochrezepten ausprobieren wollte ? Nein, will ich nicht. Ich will auch keine Werbeanrufe mehr, aber dann rufen sie doch wieder an.
Jedenfalls merkt man, wie sehr die Branche unter Druck steht, im wahrsten Sinne des Wortes.
Aber Inhalte fast zu verschenken, dicke Prämien und Gratisbeigaben haben schon viele Branchen erodieren lassen, siehe die Musik- oder Filmbranche.

Antworten

Markus 10. Oktober 2021 um 8:16

Zitat: "Die Unzufriedenheit über das Blatt schwelte schon länger, immer liebloser wurde es, die Zahl der Fehler häufte sich,"

Glashaus? Steine? Bereits das zwanzigste Wort dieses Blogartikels enthält den ersten Tippfehler. Es geht dann noch so weiter. Witzig, dass man aus einer Kündigung einer Zeitschrift so einen Aufriss machen kann.

Und wenn man in einer Zeitung nur Artikel lesen möchte, die der eigenen Meinung entsprechen, dann willkommen in der Filterblase. Dass auch in der FAZ leider immer wieder Artikel kommen, die locker das Niveau der Schüler-schreiben-Artikel unterbieten, z. B. gerade die von Friederike Haupt – naja, those are the days, my friend. In der Redaktion sitzen keine Götter, die alles besser wissen. Aber der journalistische Anspruch ist deutlich höher als da, was z. B. die Funke-Media-Gruppe täglich über die Republik erbricht.

Antworten

Thomas Knüwer 11. Oktober 2021 um 17:33

@Markus: Ich verstehe Ihren Kommentar so gar nicht. Ich erwarte schlicht journalistische Basisqualität. Sie selbst schreiben ja von Schülerzeitungsniveau. Das ist für Sie OK? Was für mich eben nicht OK ist: FAZ mit Funke vergleichen und dann die offensichtlichen Probleme ignorieren, weil es ja immer noch besser ist als die Essener. Wenn das neuerdings der Anspruch des Journalismus ist, dann brauchen wir ihn nicht mehr.

Und wenn Sie ansonsten meinen, dass man kein Blogposting über die Prozessprobleme schreiben sollten ein kleiner Tip: Sie müssen das hier nicht lesen, es gibt so vieles Tolle im Netz.

Antworten

Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*