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Geschichte war in der Schule nie mein Fach. Das lag vielleicht an den Lehrern, denn in dieser Disziplin versammelte unsere Schule die eher fragwürdigen Gestalten des Kollegiums – von den pädagogisch Herausgeforderten bis zu den politisch recht Rechten.

Deshalb liebe ich das Internet, denn hier hole ich vieles nach, was mir in meiner Jugend entgangen ist. Denn im Netz gibt es Menschen, die ihr spezifisches Fachwissen kurz und knapp dem Interessierten überbringen.

So wie Asta Helgadottir. Die ehemalige isländische Parlamentsabgeordnete für die Piraten beschäftigt sich mit der Veränderung des Urheberrechts. In einem langen Twitter-Thread hat sie zusammengetragen, wie deutsche Verlage die Meinungs- und Pressefreiheit attackieren. Und das tun sie nicht nur seit dem Kampf um das Leistungsschutzrecht 2012/13. 

Nein, es ist erschreckender: Seit 1850 wollen deutsche Verlage verhindern, dass ihre Inhalte auch nur zitiert werden. Die Begründung ist schockierend oft deckungsgleich mit dem, was wir heute lesen. Da gibt es eine neue Technik, zum Beispiel Telegraphie, und die würde das ach so wichtige Geschäft des Journalismus ruinieren.

Verhinderung statt Anpassung und Innovation – das ist keine aktuelle Strategie der Medienkonzernen: Es ist in ihrer DNA verankert.

Wenn also das nächste Mal ein Chefredakteur oder Verlagsgeschäftsführer vom bösen Internet jammert oder über Urheberrechtsverletzungen klagt (die im Fall von Nachrichten übrigens vor allem in der Fantasie dieser Personen vorkommen), dann zeigen Sie ihm diesen Thread.


Kommentare


Hollywood-Interviews, RWEs „Sorry“, VDS-Wutbürger und -Witzfiguren – Legaltime 8. März 2019 um 9:31

[…] 5. Der Kampf der deutschen Verlage gegen die Presse- und Meinungsfreiheit im Wandel der Zeit(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)Das Jammern der Verlage über den Medienwandel hat anscheinend eine lange historische Tradition: Bereits 1850 hätten deutsche Presseverleger ein Urheberrecht auf Nachrichten durchsetzen wollen, weil angeblich das Telegramm ihr Geschäftsmodell ruiniere. Die ehemalige isländische Parlamentsabgeordnete Asta Helgadottir hat in einem Twitter-Thread zusammengetragen, welche Argumente über die folgenden Jahrzehnte und Jahrhunderte noch bemüht wurden. Medienexperte Thomas Knüwer empfiehlt: „Wenn also das nächste Mal ein Chefredakteur oder Verlagsgeschäftsführer vom bösen Internet jammert oder über Urheberrechtsverletzungen klagt (die im Fall von Nachrichten übrigens vor allem in der Fantasie dieser Personen vorkommen), dann zeigen Sie ihm diesen Thread.“ […]

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Alex 10. März 2019 um 17:33

Sie habe doch Vollkommen Recht: Verhinderung statt Anpassung und Innovation – ist keine aktuelle Strategie der Medienkonzernen.

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Harald Möller 11. März 2019 um 14:47

Ich finde, derjenige, der Geld mit Musik, Nachrichten usw., die er nicht selber produziert hat, verdient, sollte einen bestimmten Prozentsatz des Umsatzes an den Produzenten zahlen. Leute, die dieses nur aus Spass an der Freude tun, ohne Geld dafür zu erhalten, sollten nichts zahlen.

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Thomas Knüwer 14. März 2019 um 19:43

@Harald Möller: Mit Verlaub – ich würde zu einer tieferen Beschäftigung mit dem Thema raten. Denn es geht hier um das Urheberrecht. Das Urheberrecht aber hat auch bei Nachrichten immer der Autor – nicht der Verlag. Letzter bekommt nur das Nutzungsrecht. Auch weiß ich nicht, was sie mit "Spaß an der Freude" meinen. Menschen haben schon immer Inhalte geteilt, ohne zu zahlen – Mixtapes, zum Beispiel.

Das Thema ist weitaus komplexer.

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Digitalsteuer: Wie Deutschland es wieder einmal verhorstet hat – Euro Journal 13. März 2019 um 14:11

[…] das andere. Gerade die deutschen Verlage aber können das nicht akzeptieren, sie haben eine lange, seit 1850 währende Tradition, sich gegen technische Realitäten zu […]

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Lesenswerte Links – Kalenderwoche 11 in 2019 – Ein Ostwestfale im Rheinland 15. März 2019 um 8:01

[…] Der Kampf der deutschen Verlage gegen die Presse- und Meinungsfreiheit im Wandel der Zeiten von Thomas. […]

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