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Vor meinem Besuch auf der SXSW hatte ich den Namen Steven Rosenbaum nie zuvor gehört. Zufällig war ich in der Samsung Blogger Lounge, als er Gratis-Exemplare seines Buchs signierte. Ein netter Mensch mit ruhiger Stimme ist er, Chef der Videoplattform Magnify.net und außerdem der Produzent der ersten Fernsehshow mit von Zuschauern generierten Inhalten auf MTV. „Unfiltered“ hießt die. Und, was meinen Sie, wann gab es die?

Das Jahr, in dem sie startete, finden Sie hinter diesem Link.

Erstaunlich, oder? Noch erstaunlicher, dass zu den Machern der Sendung damals auch Dina Kaplan zählte, die heute die erfolgreiche Videoplattform Blip.tv betreibt.

Doch Rosenbaum treiben nicht nur Videos um, sondern auch ein Thema, das in Deutschland derzeit auch heiß diskutiert wird: Nachrichtenfilterung und -aggregation. Er nennt es Kuratierung, was nicht nur hübscher klingt, sondern tatsächlich als Begriff auch passender ist. Und er hat dazu jenes Buch geschrieben, das hiermit empfohlen sei: „Curation Nation“.

Rosenbaum arbeitet darin das gesamte Feld der Online-Inhalte und deren Kuratierung ab: Text, Video, Audio, Bild. Die ultimative Lösung, wie welche Inhalte für den jeweiligen Nutzer gefiltert werden, liefert er nicht. Er tut nicht allwissend. Vielmehr lässt er hochkarätige Experten zu Wort kommen, von Clay Shirky über Arianna Huffington bis Mark Cuban, sogar den unsäglichen Andrew Keen.

Eigentlich also kuratiert Rosenbaum in diesem Bauch die Debatten um angeblichen Inhaltediebstahl von Aggregatoren, die Angst, immer nur die gleichen Informationen geliefert zu bekommen und die Frage, ob diese Kuratierung ein Geschäftsmodell sein könnte. Rein vermarktungstechnisch ist das Vorgehen ebenfalls listig: Denn natürlich lobt jeder der Interviewten Rosenbaums Buch in den höchsten Tönen.

Schriftstellerisch greift Rosenbaum zu einem schönen Trick: Er konstruiert Streitgespräche zwischen zwei Experten mit unterschiedlichen Meinungen, zum Beispiel zwischen Jeff Jarvis und Keene. Das macht „Curation Nation“ auch für Menschen zur guten Lektüre, die sich in diesem digitalen Feld sehr gut auskennen. Ganz nebenbei kann der Magnify-Chef aber ohnehin gut schreiben (oder hat einen guten Lektor): Das Werk liest sich unterhaltsam und liefert Mehrwert – hat man ja auch eher selten.

Ich bin mir ziemlich sicher: Der Begriff „Kuratierung“ wird auch in Deutschland noch eifrig diskutiert werden (dazu schreibe ich in den kommenden Tagen nochmal etwas längeres). Wer sich jetzt schon eine Grundlage dafür schaffen möchte, dem sei „Curation Nation“ wärmstens empfohlen. Chefredakteuren, Verlagsmanager und ähnlichen Klassikern aber möge jemand das Buch unbedingt schenken – denn für Einsteiger in die digitale Nachrichtenwelt ist „Curation Nation“ Pflichtlektüre. Mehr zu seinem Buch gibt’s auch auf der Homepage.


Kommentare


robin 2. Mai 2011 um 17:43

Danke – Schon über den affliate-Link gekauft…

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Frank Krings 2. Mai 2011 um 22:16

Kuratierung wird auch in Deutschland in ein paar Jahren ganz normal sein. Und die letzten Kulturkämpfe der Verlage gegen Aggregatoren werden rückblickend belächelt werden. Content Aggregation und Kuration ist doch ein Segen für Medienmacher: So können sie Inhalte, die andere Medien besser & schneller können, einbinden. Und sich gleichzeitig auf ihren USP konzentrieren, z.B. auf eigene Journalisten die besondere Expertise (meinetwegen: ein Branding) haben. Das wird.

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Das Zeitalter der Kuratoren 24. Mai 2011 um 11:07

[…] dieser neuen Welt, von der auch Steven Rosenbaums höchst lesenswertes Buch “Curation Nation” handelt, haben Medienhäuser und ihre angestellten Journalisten nicht mehr viel Zeit, ihren Platz zu […]

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Content Marketing: Die Deutsche Post als Nachrichtendienstleister 21. Oktober 2013 um 17:16

[…] oder -kuratierung. Nicht umsonst hieß das erste Buch, dass Content Marketing thematisierte “Curation Nation” (und ist auch weiterhin […]

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