#roflcopter bittet um Spenden

by Thomas Knüwer on 23. April 2015

Vor rund zwei Jahren begann alles mit diesem Tweet meine Ex-Kollegen und Styleranking-Gründers Roland Schweins:

Roland verlor die Wette und musste Marathon-Staffel mit mir laufen. Daraus wurde eine Bloggerstaffel und dann eine kurzfristig organisierte Spendenaktion. Die machte uns sprachlos: Es kamen dank 61 Spendern 2.400 Euro zusammen für das Kinderhospiz Regenbogenland. Ganz nebenbei hatten wir sauviel Spaß, weshalb der Beschluss zur Wiederholung Formsache war. An diesem Sonntag also hebt #roflcopter zum zweiten Mal ab.

roflcopter D 2014

Unser Spendenzweck: Der Förderkreis krebskranke Kinder e.V. Stuttgart wurde 1982 von Eltern krebskranker Kinder gegründet. Finanziert wird der Verein fast ausschließlich über Spenden. Er hilft betroffenen Familien unbürokratisch und schnell: Mit finanziellen Hilfen, psychosozialen Projekten und ganz pragmatischen Maßnahmen. Mehr über Soforthilfe, Familienhaus, Prima Klima, Psychosoziales und weitere Unterstützung lest ihr in den konkreten Förderprojekten.

Allerdings: #roflcopter läuft diesmal ohne micht.

Denn die beste Ehefrau von allen hat mir zu Weihnachten meinen Traumlauf geschenkt: den London-Marathon. Und der startet ebenfalls am Sonntag. roflcopter

Der Staffel wird dies zeitmäßig sehr, sehr gut tun. Denn einspringen wird mit Thorsten Firlus ein Marathoni und Triathlet, der ungefähr doppelt so schnell läuft wie ich. Und er bloggt über Ausdauersport bei Mein Schweinehund und ich (Twitter: ThorstenFirlus). Thorsten läuft das dritte Teilstück vom Hofgarten bei den beleuchteten Bänken nach Pempelfort und Derendorf, durch das Zooviertel und über die Rethelstraße bis zum Wechselpunkt auf der Jacobistraße.

Eröffnen wird unsere Staffel Stephan Doerner vom Onlinejournalismus Blog (Twitter: Doener). Er läuft vom Rheinufer  Richtung Golzheim und Nordpark. Eine besondere Herausforderung: Die Steigung auf der Oberkasseler Brücke.

Stephan übergibt an Christian Kirchner vom Blog Menschen, Zahlen, Sensationen (Twitter: kirchnerchris), der durch das wunderschöne Oberkassel sprintet.  Erst in einer Nordschleife Richtung Vodafone-Hauptquartier, dann am Rhein entlang bis über die Luegallee und die Oberkasseler Brücke zurück in die Düsseldorfer City.

Nach Hause läuft das Ding wie schon vergangenes Jahr Roland Schweins von Passionpapa.de und styleranking (Twitter: Ornaldo15). Er selbst schreibt: “Bibbern, Zittern, Nägel kauen. Denn ich bin der Untrainierteste und somit im vergangenen Jahr auch zeitlich schwächste Läufer. Aber: Hier geht es um den Spaß – und um die Spendenhöhe! Das ist die Messlatte unserer Bloggerstaffel.”

roland schweins

Verfolgen Sie unseren Lauf unter dem Hashtag #roflcopter.

Außerdem werden wir ein wenig mit der Facebook-App Riff spielen, mit der sich Kettenvideos produzieren lassen. Wer am Sonntag ebenfalls irgendwo auf der Welt läuft, sei es Training, Staffel, Halb- oder ganzer Marathon ist herzliche eingeladen, sich anzuschließen. Irgendwann am Sonntag vormittag wird in der App unser Video auftauchen…

Bitte drücken Sie #rolfcopter die Daumen, dass alle gut ins Ziel gelangen – und spenden Sie (erst recht, weil eine Regenschlacht droht, die den #roflcopter selbstverständlich nicht bremsen wird)!

Danke.



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Die Wahrsager vom “Tagesspiegel”

by Thomas Knüwer on 22. April 2015

Es gehört zu den Unsitten des Onlinejournalismus, zu allem einen Liveticker machen zu wollen. Bei Sportereignissen – kein Thema. Doch bei viel zu vielen Ereignissen werden Ticker geschrieben, die vor allem beschreiben wie wenig bis gar nichts passiert. Dass jedoch wenig bis gar nichts passiert, ist häufig genug vorhersehbar, ohne dass für die Erkenntnis viel Gehirnschmalz nötig wäre.

tagesspiegel ticker

Solch ein Fall ist der heutige Bahnstreik. Reisende interessiert vor allem eines: Fährt mein Zug. Das erfahren sie auf der Seite der Bahn oder der lokalen Verkehrsbetriebe. Welchen Mehrwert könnte ein Liveticker also noch liefern? Der gelangweilte Leser erfährt von Touristen, die um Rat fragen, sieht langweilige Fotos von Ständern, die das Streikinfoplakätchen der Bahn hochhalten, gefolgt von anektdotischen Beobachtungen von Redakteuren auf dem Weg zur Arbeit: Mal ist eine Bahn voll, mal ist eine leer. Mehrwert für den Leser: Null.

Auch scheint es, dass Onlineredakteure selbst genervt sind ob der Tickerei. Zum Beispiel die von Tagesspiegel.de. Sie eröffneten ihre Tickerrei mit:

6.00 Uhr – Der Ring steht: Zunächst die wichtigste Nachricht: Die S-Bahn hat die wichtige Ringbahn eingestellt. Dabei sollte sie eigentlich eine Ersatzstrecke für den wegen Bauarbeiten gesperrte Nord-Süd-Verbindung zwischen Gesundbrunnen und Yorckstraße sein. Zudem fallen die Fahrten der Linien S 45, S 47, S 75, S 8 und S 85 aus… Auf den anderen Strecken versucht die S-Bahn, alle 20 Minuten zu fahren. Aber bei den bisherigen Streiks hat dies auch nicht immer geklappt.”

Der Ring steht – nicht immer hat bisher alles geklappt: Geht es noch spannender? Lesen wir weiter:

6.05 Uhr – Die U2 wird voll: Gerade noch hat Udo Lindenberg hier live den Sonderzug nach Pankow besungen, heute wird nicht mal seine Gitarre in den Waggon passen. Die U2, die normalerweise die gesamte Stadt durchkreuzt, ist sowieso gerade voll wegen des gesperrten Nord-Süd-Tunnels der S-Bahn und auch noch wegen Bauarbeiten zwischen Gleisdreieck und Wittenbergplatz unterbrochen. An diesem Mittwochmorgen nun erlebt sie einen rappalerappelrappelrappelvollen Berufsverkehr – denn auch die BVG fährt längst am Limit. Da fällt gar nicht mehr auf, dass zwischen Potsdamer Platz und Gleisdreieck die Züge nur alle zehn Minuten fahren.”

Ja, solch packenden Texte kann nur schreiben, wer knallhart am Geschehen ist. Wer seine Reporter rausschickt in die untergründige Kälte einer in Beton gegossenen Wirklichkeit.

Oder natürlich der, der Wahrsager beschäftigt.

Denn: Jene Texte waren bereits gestern um 23.20 online, wie mir ein Leser per Screenshot und E-Mail mit jenem Zeitstempel nachwies. Auch Online-Chef Markus Hesselmann bestätigte mir dies gerade via Twitter und entschuldigte sich.

Hören wir also endlich auf, Liveticker zu lesen: Sie sind der an den Haaren herbeigezogene Versuch, Aktualität und Nähe zu Themen zu simulieren, sie sind eine atemlose Journalismus-Simulation.


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Erinnern Sie sich noch an das Jahr 2010?

Manches aus diesem Jahr erinnert uns an das, was fünf Jahre später in Deutschland so los ist. So stellte die EU den griechischen Staatshaushalt unter ihre Kontrolle und spannt später den Rettungsschirm auf, die Demokraten verlieren in den USA die Mehrheit im Repräsentantenhaus und das Verfassungsgericht kippt die Vorratsdatenspeicherung.

Vor allem aber: Google führt Streetview in Deutschland ein. Besser: will es einführen.

Heute ist fast vergessen, was damals los war. Und der Dienst – ist längst Web-Allgemeingut. Doch die Bilder, die wir in Deutschland heute nutzen, sind alt. Das fällt auch in meinem Umfeld immer mehr Menschen auf, die nicht so digital-irre sind wie ich. “Google sollte mal wieder aktuelle Fotos machen”, sagte mir jüngst ein Freund. So sehen das laut einer repräsentativen Studie des Branchenverbandes Bitkom viele Deutsche: 80% der hiesigen Web-Verwender nutzen Google Streetview, zwei Drittel hätten gern aktuelle Bilder.

hofgarten streetview

Verständlich. Die Rampe, von der Google das Bild oben machte, existiert in Düsseldorf nicht mehr. Heute sähe das Bild so aus, wie auf dieser Illustration der Developer, der Firma, die dort den Kö-Bogen baute:

kö-bogen

“w&v” schreibt nun sogar, dass Kommunen vielseitige Einsatzbereiche von Straßenpanoramaaufnahmen erkennen würden, unter anderem bei Feuerwehr, Polizei, Verkehr, Mobilität und Touristik, und zitiert Franz-Reinhard Habbel vom Deutschen Städte- und Gemeindebund: “Wir sehen hier große Potenziale unsere Arbeit effizienter zu machen.”

Nur: Die wird es nicht geben – und ich kann das Google nicht verdenken. [click to continue…]


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Nichtwählen mit und dank Heiko Maas

by Thomas Knüwer on 15. April 2015

Vielleicht gibt es noch immer Bundestagsabgeordnete, die sich fragen, warum Menschen nicht wählen gehen. Es ist zwar kaum vorstellbar, dass es solche MdB gibt, aber man weiß ja nie.

Denn der heutige Tag ist ja wieder einer, der alle Nicht-Wähler bestätigt. Denn Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat heute die Leitlinien zur “Einführung einer Speicherpflicht und Höchstspeicherfristen für Verkehrsdaten” vorgestellt. Oder kurz: Seine Vorstellung der Vorratsdatenspeicherung.

Moment mal… Maas und Vorratsdatenspeicherung? Da war doch was?

Richtig. Noch am 15. Dezember tweetete der gleiche Heiko Maas dies hier:

heiko maas vorratsdatenspeicherung twitter

 

Vier Monate zwischen entschiedener Ablehnung, Verstoß gegen das Recht auf Privatheit, Verstoß gegen das Recht auf Datenschutz und “Och, so stell ich mir das vor”.

Und dabei geht es nicht nur um die gesellschaftliche Frage, ob ein Totalüberwachung der deutschen Bevölkerung angesichts der Geschichte unseres Landes mit dem Geist des Grundgesetzes vereinbar ist. Es geht natürlich auch um die schlichte Tatsache, dass der Beweis, dass Vorratsdatenspeicherung irgendetwas bewirkt, fehlt. Beispiel NSU-Morde: 32 Millionen Vorratsdaten – und kein Fahndungserfolg.

Hinzu kommt – ob solch großer Fragen schnöder – Fakt: Die Vorratsdatenspeicherung wird Internetzugänge für Wirtschaft und Verbraucher verteuern. Denn natürlich findet die Speicherung nicht beim Bund statt, sondern bei den Telekommunikationsdienstleistern. Die Masse der Daten ist erheblich, ebenso die bürokratischen Vorgänge zur Abfrage. All das kostet Geld und natürlich werden diese Kosten abgewälzt auf die Kunden. Die Bundesregierung, die bei jeder Gelegenheit behauptet, den Digitalstandort Deutschland stärken zu wollen, schädigt ihn ein weiteres Mal. Kurz vor Maas Dezember-Äußerung hatte ich gebloggt: “Es wird nicht besser, es wird schlimmer” und seitdem wird es im Wochentakt schlimmer.

Wer Politiker kritisiert, hört häufig ein Klagelied. 80 Stunden Wochen seien Normalität, ihre Arbeit so hart – und dann diese Undankbarkeit. Politik, das sei das Bohren dicke Bretter und man könne sich nicht vorstellen, wie hart das sei.

Ich kann das nicht mehr hören. Niemand hat Maas gezwungen, im Dezember diese Äußerungen zu tätigen. Nun muss er sich an ihnen messen lassen. Doch es ist typisch für die Politikergeneration 2014, dass sie glaubt, mit Wortverschwurbelungen ihre ständigen Richtungswechsel und das Vermissen einer klarer Linie erklären zu können. Merkt keiner, die Leute sind doch blöd, die vergessen schnell.

Und das ist nicht neu. 2010 zum Beispiel stimmten SPD und Grüne dem Jugendmedienstaatsvertrag zu. Nicht, weil sie glaubten, dass dieser richtig sei, sondern aus “parlamentarischen Zwängen”. Gut, dass im Grundgesetz nicht irgendso ein irrationaler Unfug steht, wie dass Abgeordnete allein ihrem Gewissen verpflichtet seien.

“Handelsblatt”-Chefredakteur Gabor Steingart hat vor einigen Jahren in seinem Buch “Die Machtfrage – Ansichten eines Nichtwählers” Toleranz gegenüber jenen gefordern, die nicht wählen gehen. Im Interview mit dem Deutschlandfunk sagte er 2009:

“Es gab bei der letzten Bundestagswahl mehr Nichtwähler als Angela-Merkel-Wähler. Und ich glaube, Nichtwählen ist eine sehr politische Reaktion, die auch vorgesehen ist von unseren Grundgesetzvätern, für den einen Fall nämlich, dass einem das Angebot insgesamt nicht passt, dass einem vor allem die Spielregeln nicht passen, und ich bin bekennender Nichtwähler, weil ich glaube, nur so können wir die derzeit knappste Ware in unserem politischen Betrieb erzeugen, nämlich Nachdenklichkeit über die Spielregeln. Unsere Spielregeln erlauben keine wirklich direkte Demokratie.”

Dass dieses Buch nicht nur aktuell ist, sondern immer aktueller wird – dafür sorgen Personen wie Heiko Maas. Denn warum sollte noch jemand wählen gehen, wenn ein Justizminister innerhalb weniger Wochen seine Meinung um 180 Grad dreht? Richtig: Es gibt keinen Grund mehr. Dank Politikern wie Maas ist Wählen eine Verschwendung von Lebenszeit.

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Germanwings: Der Finanzkrisenmoment der Journalisten

by Thomas Knüwer on 30. März 2015

“Du kannst Dir das nicht vorstellen: Da brechen erfahrene Banker vor mir in Tränen aus.”

Das sagt mir eine Person, mit der ich studiert habe, Ende der Nuller Jahre. Sie ist im Bereich Personalberatung/Coaching tätig und führte damals Seminare für Mitarbeiter einer der deutschen Großbanken durch. Diese baute im Zuge der Finanzkrise Mitarbeiter ab. Doch es ging nicht nur um jene, die nach teils langen Jahren beim immer gleichen Arbeitgeber ihren Job verloren. Die gesamte Belegschaft war erschüttert, einerseits durch das, was auf den Finanzmärkten passiert. Viel wichtiger aber: durch den Absturz des sozialen Status im Privaten.

Jene Mitarbeiter berichteten davon, von Freunden mit einem Mal drangsaliert und zu den Schuldigen der Finanzmarktkrise erklärt worden zu sein. Es habe sogar Ehepartner gegeben, die über Tage kein Wort mehr mit ihnen gewechselt hätten. Das Selbstverständnis des seriösen Geldverwalters war innerhalb kurzer Zeit in Grund und Boden geschossen worden – und das betraf Top-Management wie Schalterpersonal. Hinzu kam die hohe Identifikation mit dem Arbeitgeber: Egal ob Deutsch-, Commerz- oder Dresdner Banker: Viele der Mitarbeiter von Kreditinstituten fühlten eine hohe Verbundenheit mit dem Unternehmen, das nun in der Öffentlichkeit kritisiert, beschimpft und runtergeschrieben wurde.

deutsche bankDiese Phase hat das Klima in Banken verändert. Jene hohe Identifikation ist heute seltener zu finden, Zynismus grassiert, gerade das Privatkundengeschäft wirkt bei vielen Banken heute lethargisch und bürokratisch.

Ich frage mich in diesen Tagen des Germanwings-Absturzes, ob der deutsche Journalismus auf genau solch einen Finanzkrisen-Moment zuläuft, auf einen Tipping Point, der die Medienwelt dauerhaft und maßgeblich verändert.

Noch nie zuvor war Medienkritik so wütend und so heftig wie in der vergangenen Woche. Angefangen von spekulativer Berichterstattung bis zur Drangsalierung von Angehörigen und Trauernden – kaum etwas in den deutschen Medien blieb ohne heftigen Gegenwind. Und das betraf, auch wenn es verallgemeinert, praktisch alle: ARD und N-TV, “Bild” und “Die Zeit”, RP Online und Sueddeutsche.de. Doch nur selten schien diese Kritik auf offene Ohren zu treffen. Einige wenige Online-Sites zogen Teile ihrer Berichterstattung zurück, beispielsweise RP-Online eine Foto-Klickstrecke mit trauernden Angehörigen, N24 erklärte, keine Bilder vom Haus des Co-Piloten mehr zu zeigen.

Doch im Gesamtbild waren dies Ausnahmen, die meisten machten einfach weiter. Begründung: Die anderen machen es auch so, was sollen wir da ändern?

Das ist bequem wie fatal. Denn dieses Vorgehen kollidiert mit zwei Verschiebungen in der Medienwelt: [click to continue…]

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“Die Zeit”: Absturz eines Mythos

by Thomas Knüwer on 26. März 2015

Vielleicht hat Sabine Rückert Flugangst. Man weiß das nicht, aber es wäre eine fast schon sympathische Erklärung für eine bemerkenswerte journalistische Fehlleistung: die aktuelle Titelgeschichte über den Absturz des Germanwings-Fluges in Frankreich.

zeit mythos

“Absturz eines Mythos”, steht da und der Kranich geht in den Sinkflug. Und: “Wenn eines sicher war, dann die Lufthansa. Das furchtbare Unglück der Germanwings rührt am Selbstverständnis des Konzerns – und der Nation.”

Welch donnernde Worte.

Für alle, die diesen Artikel nicht sofort lesen, sei kurz der Sachstand festgehalten in dem Moment, da “Die Zeit” in Druck ging: Es ist an diese Mittwoch Nachmittag vollkommen unklar und geradezu rätselhaft, weshalb die Maschine nach Erreichen des französischen Festlandes in einen kontrollierten Sinkflug ging und dann zerschellte, ohne das ein Notruf abgegeben wurde. Erst am Donnerstag Morgen, “Die Zeit” ist längst im Verkauf, erfahren wir, dass der Co-Pilot den Piloten aus dem Cockpit ausgeschlossen hat und die These eines Selbstmordes die wahrscheinlichste ist.

Schon als das Hamburger Blatt auf Facebook und Twitter am Mittwoch seine Titelseite teilt, hagelt es Kritik. Geschmacklos sei es, derartige Zeilen zu veröffentlichen, nicht einmal 36 Stunden nach dem Absturz. Und dann den Eindruck zu vermitteln, die Lufthansa selbst sei durch Sicherheits-Schludereien Schuld am Unglück. Ähnliche Kritik mussten sich auch andere Medien anhören, doch ist die Stellung der “Zeit” eben eine besondere: Sie geriert sich als das ausgeruhte Wochenblatt, bei dem tief nachgedacht wird.

zeit titel lufthansa

Die Kritik wurde so deutlich, dass die Social Media-Redaktion doch bat, man möge jene Geschichte erst einmal lesen: “…wir möchten anregen, zuerst die Geschichte zu lesen, bevor Sie sich ein Urteil bilden”.

Nun gut, das habe ich gerade gemacht. Allein, besser macht es die Sache nicht – im Gegenteil. [click to continue…]

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Das Tolle am Relaunch von Sueddeutsche.de…

by Thomas Knüwer on 24. März 2015

… ist der Raum, den die Seite den wirklich wichtigen Schlagzeilen gibt.

Ansicht auf einem 27-Inch-iMac:

sz

Ansicht auf einem 13-Inch-MacBook:

sz macbook

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Hier stand ein Artikel, der auf einer unwahren Behauptung des Weinhändlers Navinum beruhte. Deshalb wurde der Artikel offline genommen.


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SXSW 2015: Was man so Spaß nennt

by Thomas Knüwer on 23. März 2015

Es gehört zu den journalistischen Floskeln, dass ein Treffen von Menschen, die sich mit einem speziellen Thema besonders intensiv auseinandersetzen wirkt “wie eine andere Welt”. Solches ließe sich auch von der SXSW schreiben, der mit über 30.000 Teilnehmern größten Digitalkonferenz der Welt in Austin.

sxsw plakate

Am vergangenen Donnerstag kehrte ich von meine vierten Besuch dort zurück, doch würde ich das “wie eine andere Welt” für nicht richtig halten. Spätestens am Freitag war klar, dass das, was in Texas diskutiert wurde nicht “wie” eine andere Welt ist – es ist eine andere Welt.

Denn nur einen Tag nach meiner Rückkehr wurden in Deutschland Schüler in Klassenräumen mit zugezogenen Gardinen eingesperrt, Energieunternehmen warnten vor Stromlosigkeit und hysterische Medien vor zerstörten Handykameras. Hier das Schreiben der Mauritzschule in Münster an Eltern:

mauritzschule sonnenfinsternis(Bitte lesen Sie dazu auch den fantastischen Facebook-Post von Ranga Yogeshwar unten.)

Auf der SXSW hörte ich Diskussionen und Vorträge über das Ende körperlicher Behinderung, den Ansprüchen der jungen Teenager (Generation Z genannt), den Moonshot-Projekten von Google, vernetzten Autos oder Netzpolitik.

Die Welt der SXSW diskutiert die Zukunft und macht Lust auf Technik und Wissenschaft. In Deutschland dagegen macht man Angst – vor der Natur. Und währenddessen will Josef Kraus, der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes das Internet aus dem Unterricht halten: Man schütze unsere Kinder vor solchen Figuren.

Das ist nicht “wie eine andere Welt” – das ist ein anderer Planet.

Genau deshalb halte ich es für so wichtig, jedes Jahr zur SXSW zu fahren. Dort klammert man sich nicht an die Vergangenheit, sondern denkt über die Zukunft nach. Wer so etwas schreibt, sieht sich Gegenwind ausgesetzt. Denn über die SXSW gibt es in Deutschland ein paar Fehlwahrnehmungen:

1. “Hier bejubeln sich nur Euphoriker gegenseitig – die Bedenkenträger fehlen” [click to continue…]

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SXSW 2015: die Sache mit Uber

by Thomas Knüwer on 18. März 2015

Am Sonntag Abend stieg ich in den Toyota von Joe. Ein netter, blondbärtiger Typ Mitte 30, in Austin lebend und – Journalist. Über Internet und Green Tech schrieb er, ein wenig tut er das immer noch. Doch baut er gerade eine PR-Beratung für Startups im Bereich Umwelt auf, in der Region Austin ein wachsendes Betätigungsfeld für junge Unternehmen.

face forwardBis diese Beratung läuft, verdient er sich ein wenig was dazu – als Fahrer bei Uber.

In den Minuten, da die Meldung über das bundesweite Verbot des Fahrdienstes durch das Landgericht Frankfurt eintrifft, sitze ich noch – danke Cockpit – in Texas und bastele gerade an einem Fazit der SXSW 2015, der größten Digitalkonferenz der Welt.

Viermal habe ich hier den Dienst genutzt, der in Deutschland nun vorerst verboten ist: Taxi-artige Fahrten mit Nicht-Taxi-Fahrern.

Vorweg muss ich sagen: Ich bin bei dem, was in Deutschland Uber Pop und in den USA UberX heißt, bei keiner klaren Meinung. Denn ich kenne genug Freunde, bei denen ich eher ungern ins Auto steige. Würden die sich als Fahrer anmelden – es wäre eine gewisse Gefährdungslage für die Passagiere gegeben. Eine Prüfung für Menschen, die andere Menschen beruflich befördern klingt für mich zu 100 Prozent logisch und richtig. Und natürlich ist Uber als Unternehmen angesichts seiner fragwürdigen Managementkultur nicht Vertrauen erweckend.

In Deutschland ergab sich bisher keine Gelegenheit, den Dienst zu nutzen. Hier in Austin habe ich keine einzige negative Erfahrung gemacht. Mehr noch: Jede der Fahrten waren ein paar Minuten fröhliche Quatscherei mit Einheimischen. Und das zu einem sehr vernünftigen Preis (mit einer Ausnahme, hier aber gab es den angekündigten Preisanstieg wegen großer Nachfrage, aber es blieb keine andere Wahl…).

Kein einziger der Fahrer hier war knüselig oder introvertiert, außer von Joe wurde ich wurde gefahren von einem Ex-Soldaten, einem Immobilienmakler und einem Handwerker. Nur zweien von ihnen ging es um’s Geld, die anderen nannten Uber ein Hobby: Es mache einfach mehr Spaß, als Fernsehen gucken, gerade bei einer so internationalen Veranstaltung wie der SXSW.

Und die Wagen? Keine Limousinen, aber brave Fahrzeuge der unteren Mittelklasse. Vor allem: Alle so sauber, dass ich peinlich erröte, angesichts meines Wagens daheim, der dringend mal wieder ausgesaugt werden müsste.

Offizieller Fahr-Partner der SXSW aber ist ja nicht Uber – sondern Lyft, ein ähnlich geartetes System. Auf dem Podium verriet Lyft-Chef Logan Green (im Bild rechts), dass ein anderer Teil seines Dienstes besonders abhebt: Fahrgemeinschaften. Dabei sammelt ein Fahrer mehrere Fahrgäste entlang der Route ein. Dies ist noch günstiger für den Fahrgast, durch mehrere Passagiere aber lukrativer für den Fahrer. In San Francisco macht dieses Car Pooling schön über die Hälfte der Lyft-Fahrten aus.

logan green lyft sxsw

Sprich: Diese Unternehmen werden nicht einfach verschwinden. Die Frage ist nun, ob die Besitzstandswahrer der Taxi-Lobby sich dauerhaft durchsetzen können.

Denn seien wir ehrlich: Deutsche Taxis sind nur unwesentlich besser als die in anderen Ländern. Unverschämte, ortsunkundige Fahrer, rappelige Kisten mit ausgeschalteter Klimaanlage und dazu ein rücksichtsloser Fahrstil sind Alltag. Apps mit Bewertungssystem wie MyTaxi haben das zwischenzeitlich ein wenig zum Besseren verschoben, ich habe aber das Gefühl, irgendetwas funktioniert da nicht mehr: Über MyTaxi gebuchte Fahrten sind im Schnitt genauso (un)erfreulich wie die über Taxizentralen.

Inzwischen zeichnet sich ein klareres Bild ab, warum Dienste wie UberX/Pop, genauso aber AirBnB, nicht nur funktionieren, sondern Begeisterung hervorrufen. In dem Moment, da Menschen eine Dienstleistung mit Menschen verknüpft sehen, bilden sich emotionale Bindungen.

Klingt esoterisch. Ist es aber nicht. Dazu eine bemerkenswerte Statistik aus der großartigen “Time”-Geschichte über die Sharing-Economy: RelayRides ist eine Autovermietung, bei der jeder sein Auto zur Miete anbieten kann. Die Übergabe der Schlüssel erfolgt persönlich, Mieter und Vermieter treffen sich. RelayRides aber führte eine Automatisierungsmöglichkeit ein, ein kleines Gerät musste dafür in den Wagen eingebaut werden. Dann ließ sich das Auto per App öffnen. Ergebnis: Die Kundenzufriedenheit sank um 40%, die Beschwerden verfünffachten sich. Aus der sozialen Aktion des Auto-Teilens war die Übernahme einer Gerätschaft geworden, für die man zahlte.

Die Zusammenhänge in der Sharing-Economy sind also komplexer als der simple Tausch von Geld gegen Leistungen. Deshalb habe ich auch wenig Hoffnung, dass der noch dazu ökonomisch disfunktionale Taxi-Markt aufgebrochen wird. Denn das können Gerichte nicht – sie müssen sich an den gegebenen Gesetzen orientieren.

Wieder einmal also wäre der Gesetzgeber gefragt. Jene technophobe Bundesregierung also, die dabei ist den Wirtschaftsstandort Deutschland zu Schanden zu reiten. Man braucht nicht mal überdurchschnittlichen Pessimismus um anzunehmen, dass die Bundesregierung Merkel/Gabriel mit dieser Aufgabe intellektuell überfordert ist.

Und das ist schade. Denn die vergangene Woche hat mich in Sachen Uber im Kopf umparken lassen: Ich finde Uber X/Pop toll.

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