Mehr Rücksicht auf den Smartphone-Absatz

by Thomas Knüwer on 25. Februar 2015

“Ja, aber längst nicht alle haben ein Smartphone!”

Das ist so ein Satz, der schnell und gerne fällt, schreibt oder diskutiert man über den digitalen Standort Deutschland und kritisiert, dass die Bundesrepublik keine Rolle spielt im digitalen Zeitalter außer der des Bremsklotzes.

Diese Behauptung dient  als Rechtfertigung dafür eine auf digitale Förderung ausgerichtete Politik und ihre Maßnahmen abzulehnen. Sie impliziert, der Besitz von Smartphones sein das Privileg einer Minderheit, zumindest aber, dass eine substanzielle Menge von Bürgern sich auf Handys beschränkt die nur zum Telefonieren oder dem Spielen von “Snake” geeignet sind. Auf jene müsse man Rücksicht nehmen.

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Variationen jenes Satzes sind ebenfalls im Umlauf. Zum Beispiel “Alte Menschen sind nicht auf Facebook”, “Fernsehen über Datenleitung braucht keiner”, “Die Menschen sind doch chronisch überfordert” oder “Es gibt kaum Startups, die so viele Daten hin- und herschieben als dass eine Leitungsverteuerung als Folge einer Aufgabe der Netzneutralität ein Problem wäre”.

Diese Sätze sind Debatten-Krähenfüße. [click to continue…]

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“House of Cards” in der Sesamstraße

by Thomas Knüwer on 25. Februar 2015

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Entschuldigung, wie fantastisch ist das denn bitte?


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Jener Facebook-Post, von dem im Folgenden die Rede sein soll, war ein Versehen. Der in ihm eingepflegte Link sollte nicht auf Facebook gespielt werden. Ich habe auch keinen Grund, an dieser Behauptung zu zweifeln. Trotzdem ist dieser kleine, scheinbar unbedeutende Beitrag ein kleines Dokument der Medienwelt 2015, zeigt er doch sehr schön das Dilemma, vor dem klassische Medienhäuser in Zeiten der Digitalisierung mit dem Schwerpunkt Social Media stehen.

Jener Post, also, kam vom “Handelsblatt”. Die Wirtschaftszeitung verschiebt auf ihrer Homepage mehr und mehr ihrer Inhalte in Richtung Paid Content, wie so viele Verlage in diesen Tagen. Gleichzeitig betreibt sie aber eine Facebook-Seite mit aktuell 126.000 Likes. Damit ist sie nach einem Ranking von Statista auf Rang 6 der deutschen Zeitungen. Und praktisch jeder Redakteur betreibt inzwischen ein Twitter-Konto – häufig genug mit sehr gedämpfter Aktivität, was auf eine gewisse Zwangsverpflichtung hindeuten könnte.

Vergangene Woche also postete das “Handelsblatt” dies:

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Sie sehen es schon beim ersten Kommentar: Die Reportage über Jägermeister ist nicht frei zu lesen sondern liegt im Paid Content-Bereich. Und damit haben Nutzer so ihre Probleme. Zwar ist es durchaus möglich, Umsätze im Social Web zu generieren. Was die Nutzer aber nicht mögen ist, hinter’s Licht geführt zu werden. Genauso wirkt es aber, wenn ein Link ohne Hinweis auf Paid Content verweist.

Es ist eben Fluch und Segen von Social-Plattformen wie Facebook: Marken (und Medien) agieren im Newsstream auf Augenhöhe mit Bekannten, Freunden und Familie. Sie bewegen sich somit in einem sozialen Umfeld – und müssen sich sozialkonform verhalten. Doch was würden wir von einem Bekannten halten, der uns einen Teller mit Kuchen vor die Nase hält, “Willste probieren? Saulecker!”, sagt und wenn wir zugreifen, den Teller wegzieht und 2 Euro fordert? Eben.

Diesen Ärger bekamen auch andere Verlage schon zu spüren. Die “Braunschweiger Zeitung” musste sich beispielsweise unter jedem Facebook-Post harsche Kritik anhören, als sie dort Links auf Paid-Inhalte anführte. Zwischenzeitlich wies sie diese dann aus. Inzwischen tut sie dies nicht mehr. Gefühlt sinkt die Interaktion aber bei der Erwähnung von Bezahl-Inhalten.

Die unschöne Wahrheit ist: Menschen reichen deutlich seltener Links auf Inhalte herum, die ihre Kontakte im Social Web nicht lesen können. Intuitiv scheint dies als ebenso unhöflich und unsozial (um den Begriff asozial zu umgehen, obwohl er richtig wäre) wie die oben beschriebene Tellerreichung.

Auch auf Twitter sehen wir dies: Mir begegnen immer mehr Journalisten dort, die nur Links auf Artikel ihres Arbeitgebers umherstreuen. Besonders absurd sind dann Hinweise wie “Den Artikel morgen in unserer Zeitung” – gerade so, als ob sich der Leser morgen noch daran erinnert (mal abgesehen davon, dass auch Tweets durch die Kooperation mit Google wieder ein längeres Leben eingehaucht bekommen). Die Followerzahlen dieser Journalisten pendeln dann auch recht überschaubar im maximal mittleren, dreistelligen Bereich.

Hier zeigt sich das erste Dilemma der Verlage: Sie glauben noch immer, Paid Content sei ihre Rettung. Gleichzeitig aber ist Social Media der wichtigste Nachrichtenfilter unserer Zeit – und seine Bedeutung steigt durch den Bereich Messaging noch einmal an. Je mehr sich die Medienhäuser durch Paid Content also abschotten, desto mehr steigt die Bedeutung jener News-Anbieter, die sich gen Social Media orientieren wie die Huffington Post oder Buzzfeed. Klassische Medien schotten sich also freiwillig von potenziellen neuen Nutzern ab – sie sind nicht mehr relevant. Versuchen sie jedoch für Paid Content im Social Web zu werben, wird dies als nicht akzeptabel empfunden.

Doch es gibt ja noch ein zweites Dilemma. Schon bevor es den Begriff “Content Marketing” gab, lizenzierten viele Verlage ihre Inhalte weiter, zum Beispiel an Unternehmen, die damit ihre Intranets befüllten. Dieses Geschäft wächst noch, verstehen doch viele Unternehmen jene Vokabel “Content Marketing” als “sinnloses Befeuern von Verbrauchern mit irgendwelchen Inhalten”.

Nun lizenzieren allerdings auch Web-Anbieter jene Inhalte. Und wer zahlt, der kriegt – selbst wenn das Inhalte erstellende Medienhaus seinen Lesern Geld für einen Text abverlangt. Folge: Unter jenem Post des “Handelsblatts” tauchte flott ein Link auf. Zu Yahoo. Einem Lizenznehmer der Verlagsgruppe Handelsblatt. Und dort war jene Geschichte über Jägermeister frei zu lesen.

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Fun Fact: Von Yahoo ist dieser Artikel anscheinend gelöscht. Doch Premium-Inhalte des “Handelsblatts” werden trotzdem weiter verkauft. So ist diese Geschichte über die Sparkasse Ulm:

scala handelsblatthier bei Yahoo frei zu lesen.

Wie gesagt, jener Post oben ist eigentlich nicht weiter bedeutsam. Doch zeigt er eben im Zusammenhang, dass die meisten Verlage daran scheitern, sich in das wachsende Öko-System Internet sinnvoll und erfolgreich einzubringen. Sie wollen ihr Geschäft weiter so betreiben, wie sie dies immer taten. Und das wird nicht funktionieren.

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“Das ist doch eine Sekte hier!”, rief die Dame Anfang 50 und verließ mit ihrer Freundin fluchtartig den Trainingsraum.

Wer dies hörte, fiel fast lachend vom Standfahrrad. Denn irgendwie musste es ja auch so wirken. Das kleine Hinterhof-Fitnessstudio, in dem ich einige Jahre trainierte, hatte Spinning zu einem seiner Schwerpunkte erklärt. Und weil Studiochef Hans in gewissen Punkten zum Fanatismus neigte, hatte er den Spinning-Raum komplett verdunkelt, mit Lightshow und Stroboskop ausgestattet und drehte die basslastigen Boxen auf volle Leistung. Näherte sich die elektronische Musik dann ihrem Höhepunkt (bester Spinning-Song ever: “Sandstorm” von Darude) gingen wir zum mit lauten, endorphingetriebenen Jubelschreien zum Sprint über.

Das muss auf Spinning-Anfänger sehr abschreckend gewirkt haben. Und wie eine Sekte. Die beiden Damen sah das Studio nie wieder.

shutterstock_222584950Lewis Tse Pui Lung / Shutterstock.com

Was hier passierte, erleben viele Marken nun auf Facebook – und es ist eine der spannendsten Herausforderungen des Digital-Marketing: Wie können die Wünsche und Ansprüche von überzeugten Fans eines Produktes in Einklang gebracht werden denen jener Menschen, die noch überlegen, ob sie ein Produkt erwerben sollen, ohne eine der beiden Gruppen zu verlieren?

Die Lösung dieses Problems könnte das aktuelle Vorgehen von Barack Obama liefern. [click to continue…]

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Happy Birthday, Indiskretion Ehrensache (nachträglich)

by Thomas Knüwer on 10. Februar 2015

Huch, da hab ich doch glatt den Jahrestag verpennt… Denn 10 Jahre (und dann jetzt eben zwei Wochen) ist es her, als ich dies hier schrieb:

Wohin eine Silvesterparty und der Kulturpessimismus eines Mitt-Dreißigers führen können.

Sie kommt bestimmt, die Frage. Auf jeder Silvesterparty. Irgendwann, wenn mehr leere denn volle Weinflaschen den Raum füllen und die Fähigkeit zur klaren Sprache im alten Jahr verloren gegangen scheint.

In einem der Momente, in denen ein wenig Schweigen eintritt und jedem Gast eigentlich klar sein müsste, dass der Moment, da es am Schönsten war und man dementsprechend hätte gehen sollen, eine halbe Stunde zurück liegt.

Dann fällt sie, die Frage: “Uuuund… Welche Vorsätze hast Du fürs neue Jahr?”

Die Damen am Tisch haben es etwas leichter. “Ich will abnehmen/mehr Sport treiben” zieht immer. Für die Singles im Raum geht das Auffinden der ultimativen Lebensabschnittsbegleiter durch. Ich aber stotterte und wählte die langweiligste und dämlichste aller Varianten: “Och, Du, eigentlich keine.”

Am nächsten Tag packte mich die Reue. Schließlich ist das Neujahrsvorsatz doch eine hübsche Tradition. Und Traditionen gibt es immer weniger, da in der Bundesliga schon ein Team aus Wolfsburg (mal ganz ehrlich: Wer will den VFL Wolfsburg sehen? Den Zuschauerzahlen zufolge anscheinend nicht mal die Wolfsburger) mitkicken darf und die Tagesthemen demnächst um 22.15 ausgestrahlt werden. Selbst Bleigießen zu Silvester wird immer seltener (OK, man hat ohnehin nie erkannt, was die entstandenen Metallklumpen darstellen könnten).

Nun komme ich mir ziemlich alt vor, im Alter von 29 (zugegeben, zum sechsten Mal), über verlorene Traditionen zu jammern. Also verbinden wir doch Kulturkonservatismus mit Hightech-Hoffnungsträger.

Jawohl, mein Vorsatz für das Jahr 2005 lautet (mit etwas Verspätung vorgetragen): Ich will ein Blog starten und regelmäßig, möglichst täglich, bestücken. Drehen soll es sich um das Alltagsleben in Redaktionen und dem, was daraus entsteht: Zeitungen, Magazine, Radio- und Fernsehprogramme. Vor allem aber um das immer skurrilere Verhältnis von PR und Journalisten. (Das Wort “skurril” impliziert, dass dieser Bereich maßgeblich für den Unterhaltungswert sorgen soll.)

Der Name “Indiskretion Ehrensache” entstammt dem gleichnamigen Buch meines Lehr-Herrn Professor Ferdinand Simoneit, dem langjährigen Leiter der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Leider ist das lesenswerte Werk nur noch gebraucht zu bekommen.

Und nu ist Schluss mit Vorrede: Let’s blog!”

shutterstock geburtstag hunde katzenWas noch beim technisch immer schlimmer werdenden Blogg.de und unter der Flagge des “Handelsblatts” begann, ist seit 2009 und mit Beginn der Firmengründung von kpunktnull endlich richtig benutzbar. Seitdem sind 3.178 Artikel entstanden, 29.385 Kommentare sind zusammengekommen. Rein quantitativ ist es hier allerdings auch stiller geworden: So ist das halt, wenn man eine eigene Firma aufbaut.

Nach dem ersten Jahrzehnt aber einfach mal ein dickes Danke: fürs Mitlesen, Verlinken, Kommentieren, Debattieren, Loben und Streiten. Ein besonderer Dank geht an den ehemaligen Handelsblatt-Onlinechef Julius Endert, der heute ganz wundervolle Filme dreht: Er hat mich damals überredet, mit dem Bloggen anzufangen.

Auf die nächsten 10!

Foto: Eric Isselee/Shutterstock

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Das Stürmchen im Pesto-Glas ist klein und verdient definitiv nicht den Prolog “Shit”. Was sich aber in dieser Woche rund um den italienischen Pasta- und Pesto-Hersteller Bertolli unter den Schlagworten #pestogate und #dishstorm abspielt, ist ein schönes Lehrstück zum Thema Digitalmarketing.

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Angefangen hat alles mit einer kommentierenden Facebook-Seite. Die gehört zur Marke Bertolli, wird aber betrieben von der Hamburger Digital-PR-Agentur Orca van Loon. Sie kommentierte unter Facebook-Postings der Foodblogs Penne im Topf und Schöner Tag noch sowie unter einem Posting der Gruner+Jahr-Community Chefkoch.de in mittelauthentischem Plauderton und mit Verlinkung eines Rezeptes auf ihrer Homepage:

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Man sieht schon: Die Blogger finden das nicht so richtig toll. Womit wir bei der ersten Lehre wären:

Nur weil irgendwo Werbung möglich ist, gibt es keinen Grund, sie dort auch unbedingt zu platzieren.

Klingt irgendwie logisch. Doch weiß ich auch aus Gesprächen mit weniger digital-affinen Entscheidern, dass diese simple Erkenntnis noch nicht überall gereift ist. Vielmehr gibt es auch weiterhin Marketingverantwortliche die glauben, dass eine Facebook-Seite, die allein Werbebotschaften verbreitet, irgendeine Form von Attraktivität für Konsumenten ausstrahlt. Solche Seiten werden dann meist mit Werbung auf eine gewisse Likerzahl geschossen, niemand aber von Seiten des Unternehmens schaut ernsthaft auf die Reichweite der Postings.

Immerhin: Die Foodblogger reagierten kreativ. [click to continue…]

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Teamdiskussion

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Die SPD steht unter Sigmar Gabriel für manches, nicht aber für einen unüberwachten Bürger. Vielmehr ist ja gerade Gabriel bekannt als langjähriger Verfechter der Totalüberwachung aller Deutschen via Vorratsdatenspeicherung.

Auch Generalsekretärin Yasmin Fahimi steht anscheinend für diese Haltung, dass jede Form von Kommunikation öffentlich gemacht werden muss – zum Beispiel ein Schreiben, das ein Bürger über das Kontaktformular der Partei-Homepage einsendet. Ob ein solches ebenso unter das Fernmeldegeheimnis fällt wie eine E-Mail dürfen Juristen klären. Der allgemeine, menschliche Sachverstand könnte einem klar denkenden Menschen einflüstern: irgendwie schon.

Fahimi sieht das anders. Als gestern “Ich bin ein Star…”-Teilnehmer Walter Freiwald erzählte, er habe sich einst bei der SPD als Bundespräsident beworben, ließ Fahimi flott die entsprechenden Daten – nach 3,5 Jahren selbstverständlich noch immer gespeichert – durchsuchen. Und so protzt sie dann heute auf ihrer Facebook-Seite mit Freiwalds Bewerbung (Retusche von mir).

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Mehr noch: Anscheinend hat die SPD den nicht retuschierten Screenshot an Medien gegeben. So wird er bei Web.de veröffentlicht, woraufhin wir sehen: Freiwald hat der Speicherung seiner Daten widersprochen.

Es ist die eine Sache, ob Fahimi nun um Klicks und Aufmerksamkeit so verzweifelt bemüht ist, dass sie dieses Thema aufgreift. Eine andere aber ist die Veröffentlichung eines Textes, der unter dem Gefühl einer gewissen Vertraulichkeit vor fast 4 Jahren verfasst und in dem der Speicherung der Daten aktiv widersprochen wurde.

Herzlich Willkommen bei der digital inkompetenten Überwachungspartei SPD.

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Kognitive Dissonanz mit Gabor Steingart

by Thomas Knüwer on 20. Januar 2015

Eine kognitive Dissonanz bezeichnet laut Wikipedia “einen als unangenehm empfundenen Gefühlszustand, der dadurch entsteht, dass ein Mensch mehrere Kognitionen hat – Wahrnehmungen, Gedanken, Meinungen, Einstellungen, Wünsche oder Absichten –, die nicht miteinander vereinbar sind.”

Zum Meister im Hervorbringen kognitiver Dissonanzen hat sich in den vergangenen Monaten “Handelsblatt”-Jungherausgeber Gabor Steingart gewandelt. Nehmen wir zum Beispiel seine Rede anlässlich der Jubiläumsgala des Marketingclubs Düsseldorf. Er sagte: Wenn sie noch einen Redakteur treffen, den das nicht mitgerissen hat, dann hassen sie ihn nicht, sondern haben sie ihn lieb, zeigen sie Mitgefühl und Mitleid.” 

Steingart selbst ist weder auf Twitter noch pflegt er aktiv seine Homepage. Sein morgendlicher Zwischenruf, das Morning Briefing, ist zwar als Newsletter erhältlich, aber weder diskutierbar noch dürfen wir seine Prognosen nachverfolgen – denn nach einem Tag sind sie wieder verschwunden. Er scheint, seien wir ehrlich, eher unterdurchschnittlich mitgerissen.

Heute Morgen nun schreibt er (danke an Turi2 für den Hinweis) in jenem Morning Briefing folgendes:

“Die Gottheit, zu der viele Unternehmer beten, heißt Rabatt. Zeitungsverlage hoffen, mit Geldgeschenken Abonnenten zu ködern, Autohersteller versuchen, durch Preisnachlass Fahrzeuge loszuschlagen und auch die Möbelhäuser locken mit XXL-Rabatten. Das Ganze wirkt – aber anders als Viele glauben. In einer Studie, über die wir heute berichten, führen Rabatte zum Vertrauensverlust und zur Erosion von Marken. Der Kunde ist offenbar klüger als viele Unternehmer denken. Er weiß: Rabatt ist nur ein anderes Wort für Verzweiflung.
(Fettungen aus dem Original übernommen.)

“Recht hat er!”, möchte man ausrufen und “Guter Mann!”. Wer so nach vorne geht, dem kauft man doch gern ein Abo ab!

Wer das tut, der kann eine beliebige Person als Werber angeben. Diese beliebige Person bekommt dann eine Prämie von 275,- Euro – oder einen Saugroboter.

handelsblatt abo prämieOder ein Steckschlüsselset. Oder eine Herrenuhr.

handelsblatt abo prämie 3Oder eine Bluetooth-Tastatur. Oder eine Aral-Tankkarte. Oder einen Amazon-Gutschein.

handelsblatt abo prämie 4Greifen Sie also lieber schnell zu, liebe Leser. Diese Anbetung des Rabattgottes wird nämlich bald ein Ende haben.

Oder?

 

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Geschickte Insubordination zeichnet sich dadurch aus, dass der Insubordinierte sich über das Vorgehen nicht recht beschweren kann. So wie Hubert Burda (Foto: Medientage München) heute morgen.

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Focus Online nämlich berichtet auf eine Art über den Auftritt seines Verlegers bei der Hausmesse DLD, dass man dem Autor nur gratulieren kann: So geschickt mokiert sich nur selten ein Autor über seinen Geldgeber. Denn der Leser erfährt ja Erstaunliches über die Visionärsrolle des Offenburgers:

“Hubert Burda, der auf dem DLD 2015 mit dem Journalisten Dominik Wichmann über sein neuestes Buch ,Notizen zur digitalen Revolution’ sprach, erinnert sich an eine Zeit, als Twitter, E-Mail und Apps noch Zukunftsmusik waren. Dabei konnte Herr Burda viele dieser Entwicklungen im Vorfeld erahnen. Denn wer durch die Notizen zur digitalen Revolution blättert, dem wird schnell klar, wie früh Burda das Internet in seiner jetzigen Form vorhergesagt hat.

Bereits 1986 erkannte der Verleger, dass eine Revolution im Gange war: „Damals habe ich eine Zeitung mit Rupert Murdoch herausgegeben und gedacht: ‘Jetzt müssen wir herausfinden, was als nächstes passiert’,erinnert sich Burda.”

Das ist insofern bemerkenswert, als dass jene Zeitung – “Super” war ihr Titel – ja eine Boulevardzeitung für die Neuen Bundesländer war, die erst (je nach Rechnung) drei Jahre nach 1986 entstanden. Hat Herr Burda höchstselbst den eisernen Vorhang niedergerrissen? Jene “Super” war übrigens ein grandioser Misserfolg und wurde nach rund einem Jahr eingestellt. Damals – also 1992 – schrieb der “Spiegel”:

“Immer wieder hatte der Verleger in den vergangenen Wochen Gerüchte über gewaltige Verluste, schlechte Auflagenzahlen und die bevorstehende Super-Einstellung dementieren lassen. Noch in der August-Ausgabe mußte etwa das Wirtschaftsmagazin Capital eine harsche (nun für Burda eher peinliche) Gegendarstellung drucken.”

Diese Episoden erzählen sehr viel über Innovationen in deutschen Verlagen. Denn wenn sich Herr Burda (man beachte die Anrede, die bei Focus Online auf den Verleger beschränkt ist) schon seit so langer Zeit Gedanken darüber macht, was als nächstes kommt – warum kommt so wenig dabei herum? Noch dazu, wenn verleger alljährlich Hausherr ist für die zumindest nominell am prominentesten besetzte Digital-Konferenz der Nation, den DLD?

Das bloggte gestern auch der Videojournalist und Ex-Handelsblatt.com-Chefredakteur Julius Endert in seinem Blog:

“Ich frage mich langsam, wie man selbst eine solche Veranstaltung ins Leben rufen kann und in den ganzen Jahren ihres Bestehens so wenig lernt. Vielleicht haben die Verleger, Politiker und Investoren gedacht, dass es sich beim DLD um eine Unterhaltungsveranstaltung handelt, die sie im Grunde nicht betrifft. Vor ihren Augen hat sich die Welt verändert und sie haben es nicht bemerkt.”

Was bei Burda passierte, ist typisch für die Innovationskraft deutscher Verlager. Tatsächlich war der Konzern ja einmal ganz weit vorn dabei, hatte kundige Mitarbeiter (gerade im DLD-Team), die das Thema vorantrieben. Doch so vor fünf, sechs Jahren begann es zu grummeln. Wie auch in anderen Medienhäusern fühlten sich die Digitalen eher als Hofnarren: Sie durften gelegentlich vortanzen, bekamen ein Zückerchen und das war es dann auch. Gemacht wurde wenig (bis auf einige Investments, die nicht integriert wurden), verändert wurde nix. Ergebnis: Jene Digitalisten verließen das Unternehmen – und das Denken über die Zukunft blieb eine luftarme Floskel.

So geht das Land auf, Land ab. Echte Innovationen– egal ob digital oder kohlenstoffig – sind in deutschen Print-Konzernen sehr, sehr selten. Noch nicht einmal auf Produktebene entsteht viel neues, so ist der Großteil neuer Zeitschriften nur eine graduelle Kopie vorhandener Blätter.

Woran liegt das? Und wie ließe sich das ändern?

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Über die Feiertage las ich das neue Buch von Walter Isaacson, dem Steve-Jobs-Biographen und Chef des Aspen Institutes. “The Innovators”, heißt es und trägt den Untertitel: “How a Group of Inventors, Hackers, Geniuses, and Geeks Created the Digital Revolution”. 

Können Verlage etwas lernen von den innovativsten Köpfen der digitalen Zeit? Ich glaube schon. [click to continue…]

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