Vielleicht hätte das Schauspiel Köln irgendwo das Wort “Experiment” verwenden sollen. In den Vorankündigungen, den Pressemitteilungen, irgendwo.

Denn mit Experimenten ist es ja so: die allermeisten scheitern. Und gescheitert ist gestern “Supernerds – ein Überwachungsabend“, den das Kölner Theater mit dem WDR und der Autorin Angela Richter konzipierte.

Die Versprechen waren groß, mutmaßlich auch hochgeschossen von beteiligten Kommunikationsabteilungen. Zitat von der Homepage des Theaters: “…interaktive TV-Sendung, 2nd screen online Auftritt und Theaterstück zugleich. Das transmediale Projekt macht deutlich, was Observierung wirklich bedeutet. Den perfekten Einstieg bietet für alle, die am eigenen Leib spüren wollen, wie sich das anfühlt, das Suddenlife Gaming.” Schon in diesem Text verschwurbelt sich das Projekt, wie es sich dann auch im Saal verschwurbeln würde, denn tatsächlich sollte es doch wohl nicht darum gehen, weniger digital unterwegs Seienden einen Eindruck davon zu vermitteln, wie sich Suddenlife Gaming anfühlt – sondern wie es ist, überwacht zu werden.

IMG_9767

Gestern Abend, bei der Premiere, gab es gleich drei Versionen dieses Abends. Einerseits das, was man Theaterstück nennen könnte und vollständig nur für die Zuschauer im Saal zu sehen war (zu denen ich zählte), andererseits eine Sendung im WDR-Fernsehen, moderiert von Bettina Böttinger und Richard Gutjahr, andererseits eine Hörfunk-Übertragung auf WDR3. Das Interesse war zumindest auf Twitter sehr, sehr groß. Weshalb einige Wechselwirkungen zwischen TV-Sendung und Schauspiel nicht recht funktionieren wollten – die Server brachen zusammen.

Das wäre noch zu verkraften gewesen. Doch war es diese mediale Überfrachtung, die “Supernerds” so schwierig machte. Das Theaterstück lehnt sich an eine Richtung an, die von Kathrin Röggla populär gemacht wurde: Aus Interviews mit Personen einer spezifischen Gruppe kondensiert sie Zitate, die zu einer groben Handlung werden. Das klingt furchtbar verkopft, ist aber spannend und realitätsnah. Ihr Stück “Wir schlafen nicht” gehört zum spannendsten, was ich je im Theater gesehen habe.

Auch “Supernerds”-Autorin Angela Richter arbeitet so. Sie traf die NSA-Whistleblower dieser Welt, von Julien Assange bis Edward Snowden. Sie kommen auf der Bühne zu Wort, umgeben von einem nicht weiter erklärten Sammelsurium aus beweglichen Figuren: Eisbär, Tünnes, Schäl, Kreuzritter, zwei riesige Bilder von Karnevalswagen mit einer Merkel- und einer Putin-Karikatur. Das verbindende Element soll “die Reisende” darstellen, das Alter Ego von Angela Richter und fantastisch gespielt von Judith Rosmair. Sie macht sich auf den Weg zu den Whistleblowern, erzählt die Atmosphäre und das Drumherum. Die Informanten-Darsteller zitieren ihre Vorbilder. Nur: Passieren tut halt nichts, weshalb verkrampft Bewegung erzeugt werden muss, mal tanzen Reisende und Interviewter, mal muss Nebel verteilt werden, dann wieder schiebt das Ensemble irgendwelche der Requisiten-Figuren durchs Bild.

IMG_9766

Was fehlt: Handlung. Spannung. Gegensätze. [click to continue…]

{ 1 comment }

Es ist schon bemerkenswert, wie wenig es braucht, um ein Parlament zu überzeugen. Zum Beispiel davon, dass Netzneutralität eine Gefahr darstellt. Seit Monaten rennt Digital-Kommissar Günther Oettinger umher und schwäbelt nach, was ihm anscheinend die Telekom-Konzerne ins Poesiealbum geschrieben haben: dass selbstfahrende Autos verunglücken und Kranke sterben, würden alle Daten gleich behandelt.

Es braucht nur zwei Minuten des Nachdenkens, also, wenn man ein langsamer Denker ist, um zu erkennen, dass dies Unfug ist. Selbstfahrende Autos könnten dann ja zum Beispiel in Tunneln nicht funktionieren. Und glaubt wirklich jemand, dass Fernoperationen über handelsübliche Internetleitungen abgewickelt werden?

Und ganz nebenbei: Der Verlust von Netzneutralität wird das Internet teurer machen – und zwar gerade für jene Institutionen, die Sonderrechte bekommen sollen. Zum Beispiel Arztpraxen. Schon heute ist das Internet in Deutschland mit am teuersten in Europa:

Wenn sie viereinhalb Minuten Zeit haben, schauen Sie sich bitte dieses hervorragende Video an und spätestens dann realisieren Sie, für wie dumm Günther Oettinger Sie verkaufen will – oder wie blöd er selbst ist:


{ 4 comments }

Das widerliche “Westfalen-Blatt”

by Thomas Knüwer on 19. Mai 2015

Und dann ist man sprachlos. Weil es in Deutschland anno 2015 noch so einen homophoben Kackscheiß wie das “Westfalen-Blatt” gibt, das Lokalblättchen für Bielefeld.

Auf der Facebook-Seite der Zeitung rauschen derweil die negativen Kommentare rein – natürlich ohne Stellungnahme der Redaktion. Die vergräbt sich und hofft, dass es bald vorbei ist. Weder bezieht man Stellung pro der freien Mitarbeiterin, die diesen Mist verzapft hat, noch entschuldigt man sich. Von den Chefredakteuren Ulrich Windolph und Andre Best (weiß jemand, ob es ein Zufall ist, dass einer der Geschäftsführer den gleichen Nachnamen hat?) – kein Wort.

Man darf das feige finden.

Nachtrag: Inzwischen gibt es eine Stellungnahme des Verlags – besser wird die Sache dadurch aber nicht.

“Sollte die Einschätzung der Diplom-Psychologin Barbara Eggert Ihre Gefühle verletzt haben, so bedauern wir das außerordentlich. Wir bitten dafür ausdrücklich um Entschuldigung und versichern, dass uns nichts ferner lag als das. Wir haben Verständnis dafür, wenn beim Lesen insbesondere der kurzen Fassung der Kolumne »Guter Rat am Sonntag« der Verdacht der Homophobie entstehen konnte. Das WESTFALEN-BLATT weist aber zugleich den Vorwurf zurück, der Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit das Wort reden zu wollen. 

Sehr selbstkritisch müssen wir einräumen, dass in der Kolumne so formuliert wird, dass der Text Kritik geradezu herausfordert. Das ist unzweifelhaft eine gravierende journalistische Fehlleistung, die die Redaktion in vollem Umfang zu verantworten hat. Wenn die Rede davon ist, dass die Kinder »verwirrt werden« könnten, dann fehlt zwingend die Erklärung, woraus dies resultieren könnte – nämlich nicht aus dem Besuch einer Hochzeit zweier Männer an sich, sondern dadurch, dass den beiden Töchtern des Ratsuchenden bisher jegliche Aufklärung über Homosexualität fehlt. 

Diese Entscheidung der Eltern ist sicher für sich genommen diskussionswürdig. Wir halten sie mit Blick auf das Alter der Töchter – die Mädchen sind acht und sechs Jahre alt – allerdings durchaus für legitim. Selbstredend kann das jeder Erziehungsverantwortliche für sich selbst und seine Schutzbefohlenen natürlich anders sehen und handhaben. Diese Eltern aber haben für sich so entschieden, und auf dieser Entscheidung wiederum fußt der Rat unserer Autorin.

Barbara Eggert erklärt persönlich: »Hier geht es nicht um meine Weltanschauung oder einen gesellschaftlichen Konflikt, sondern um ein ganz privates, nicht repräsentatives Problem eines verunsicherten Vaters. Ich habe ihm geschrieben, dass seine Kinder vielleicht nicht liberal genug erzogen wurden und ihm geraten, ein offenes Gespräch mit seinem Bruder zu suchen, um seinen Standpunkt zu erklären. Ich bin der Meinung, dass man alle Menschen ernst nehmen und respektieren muss, auch die, und gerade die, die anders denken als man selbst, alles andere würde mir intolerant erscheinen.«

Geradezu absurd ist vor diesem Hintergrund der Verdacht, das WESTFALEN-BLATT empfehle »Kinder von Homosexuellen fernzuhalten«. Dem widerspricht schon das geschilderte Ausgangsszenario seitens des Familienvaters, wonach seine beiden Töchter in gutem Kontakt zu ihrem Onkel stehen. Auch ging es im vorliegenden Fall um eine ganz konkrete Lebenssituation und nicht um eine generelle Handlungsempfehlung. Diese steht uns weder zu noch würden wir sie uns anmaßen.

Ulrich Windolph, Redaktionsleiter WESTFALEN-BLATT”

{ 18 comments }

Nach längerer Denkpause ist das Digitale Quartett endlich so richtig zurück (unsere Show auf der re:publica ist ja immer etwas Besonderes).

Unsere Themen waren:

1. Facebook und die Medienhäuser: Was wurde nicht heftig diskutiert in den vergangenen Tagen. Sind Facebooks Instant Articles die Kapitulation des Journalismus vor der Übermacht des Social Networks? Oder eine spannende Möglichkeit für Verlage, ihren Content neu zu vermarkten?

esc bühne

2. Eurovision Song Contest: Am kommenden Wochenende steigt der ESC in Wien. Und da unsere neue Mitstreiterin Christiane Link aus dem  Pressezentrum des ESC sendete, nutzten wir die Gelegenheit, um ein wenig über den Hype, die europäische Einigkeit und Conchita Wurst zu sprechen.

 

 

{ 0 comments }

re:publica ist, was man draus macht #rp15

by Thomas Knüwer on 14. Mai 2015

Man kommt ja zu nix, in diesen Tagen. Nicht mal zum jährlichen Fazit der re:publica. Dabei waren es auch in diesem Jahr drei anregende, wundervolle und warmherzige Tage.

IMG_9639

Wenngleich mangelnde Veränderung gleich zweifach ein dominierendes Thema war. Da wären zum einen jene, die demonstrativ nicht kommen oder lautstark absagen. Das geht bereits länger so und nicht nur für mich wirken Tweets wie “Das Geld spar ich mir lieber” oder “Wer will da schon hin” angesichts einer wieder mal gestiegenen Besucherzahl – diesmal auf 7.000 – peinlich. “Nichtachtung ist die schlimmste Form der Strafe”, sagte mein journalistischer Lehr-Herr Ferdinand Simoneit immer – und vielleicht lernen einige bis zum kommenden Mai diesen Satz. Nicht hinfahren, ignorieren, schweigen.

IMG_9688Leider gab es in diesem Jahr zwei Menschen aus Digitalien (die ich beide sehr schätze), die so lautstark ihre Abstinenz verkündeten, dass es schmerzte (nein, nicht Sascha Lobo). Denn wenn als Begründung angeführt wird, dass auf der re:publica über ein Thema diskutiert wird, dem man selbst kritisch gegenübersteht, oder ein Redner oder eine Rednerin eine große Bühne zugewiesen bekommt, die man nicht mag, dann habe ich damit ein Problem. Denn würde dies von jemand anders so gesagt, würden diese Personen sofort von Zensurbegehren schreiben.

Und schließlich steht es ja jedem offen, die Agenda der rp zu verändern – mit eigenen Vortrags- und Panel-Ideen. Der Journalist Friedemann Karig ist ein Beispiel dafür: “Die Abschaffung der Wahrheit” ist einfach mal eine gute, interessante Idee, die Karig unterhaltsam vortrug:

Ein anderes Beispiel war Karyn Riegel, die über die Verbreitung von Food Trends sprach und anschließend zu einer Kostprobe von Tofu-Burgern mit Rezepten aus IBM’s Watson-Programm lud (leider ohne Kameras).

Oder Thomas Wiegold und Sascha Stoltenow, die mit trockenem Humor die digitale Kommunikation des Islamischen Staates mit Corporate Communication verglichen.

Mein persönlicher Höhepunkt: der 89-Jährige Zygmund Bauman zum Wandel der Privatsphäre zur Öffentlichkeit:

Es gibt keine andere Konferenz, die ein derart breites Themenspektrum abdeckt, von Quantenphysik über Inklusion, Journalismus in Afrika bis zur Reform des deutschen Gesundheitssystems. Dies haben wir ein klein wenig in unserem Digitalen Quartett abzubilden versucht:

Vielleicht verfing wegen dieser Vielfältigkeit das Oberthema nicht recht: “Finding Europe” klang bemerkenswert konkret. [click to continue…]

{ 5 comments }

Das Digitale Quartett 71: re:publica 2015 #rp15

by Thomas Knüwer on 10. Mai 2015

Ja, ja, es hat jetzt verdammt lange gedauert, bis wir mal wieder ein Digitales Quartett hinbekommen haben. Das hatte persönliche und ganz individuelle Gründe.

Doch wir möchten dieses kleine Hobby nicht aufgeben. Und deshalb haben wir diskutiert und geschraubt, bevor wir auf der re:publica (danke, dass Ihr uns wieder genommen habt) am vergangenen Mittwoch frisch gestartet sind.

IMG_9684

Zunächst einmal haben wir zwei neue Mitstreiter an Bord:

Christiane Link ist freie Journalistin, lebt in London und gelegentlich in Wien und arbeitet unter anderem für den epd. In Klein-Bloggersdorf zählt ihr Blog Behindertenparkplatz schon fast zum Urgestein.

Daniel Kröger ist Portfoliomanager beim Investmentunternehmen Acatis und auf Twitter als @eflation zu finden.

Zum anderen werden wir mit einem Zwei-Wochen-Takt starten um wieder reinzukommen. Die erste Show unserer neuen Staffel sehen Sie am 18. Mai um 21 Uhr. Derzeit planen wir uns mit dem Thema “Wandel von Nachrichten” zu beschäftigen. Sollten Ihnen interessante Gäste einfallen: Bitte in die Kommentare kommentieren.

Doch nun zur #rp15-Show. Wenn wir auf Bühnen zu Gast sein dürfen, bringt jeder anwesende Moderator ein Geschenk in Gestalt eines Überraschungsgastes mit. Ein anderer aus dem Team muss diesen dann raten und spontan interviewen.

IMG_9686

Und ohne zu übertreiben – das war diesmal eine tolle Gästeschar:

Richard Gutjahr brachte Eric Jarosinski mit, besser bekannt als @neinquarterly.

Christiane Link holte uns die wunderbare Bloggerin, Poetry Slammerin und künftigen TV-Star Ninia La Grande auf die Bühne.

Daniel Fiene servierte Laura Bender und ihr spannendes Projekt Crowd Story.

Na ja, und beim Heranangeln der Gäste kann es halt mal Momente der Panik geben. Zum Beispiel, wenn ein Angesprochener ein wenig zögert oder sich nicht meldet. Und wenn er das doch tut, hat man vielleicht schon jemand anders und möchte weder dem einen noch dem anderen absagen.

Deshalb gab es von mir zwei Präsente:

Tricia Wang ist Soziologin, berät Unternehmen unter anderem in Sachen Big Data und hielt einen sehr sehenswerten Vortrag am letzten #rp15-Tag:

Doch viel wichtiger: Sie ist Frauchen eines der süßesten Hunde des Word Wide Web – Elle the Dog.

Passend zum Bahnstreik konnte ich Christian Ginsig gewinnen – einen der Sprecher der Schweizer Bahn.

Und hier die vollständige Show zum Nachgucken:


{ 2 comments }

Das traurigste Interview meines Lebens führte ich mit einer bekannten amerikanischen Soul-Funk-Sängerin, die zwei Welthits in ihrer Karriere gelandet hat. Schon vor der Tür stand die Mitarbeiterin ihrer deutschen PR-Agentur, die mich kannte: “Thomas, wir haben ein Problem”, sagte sie. Und dass jene Sängerin nicht gut drauf sein. Ein Mitarbeiter des WDR habe das Interview abgebrochen und sie beschimpft, weil er das Gehörte nicht hätte brauchen können.

Tatsächlich war jene Sängerin geistig nicht zugegen. Sie hat eine Suizid-Versuch-Historie und ich weiß nicht, ob es ein Zuviel an Anti-Depressiva oder an Drogen war. Nur die erste Hälfte jedes Satzes war klar, dann wurde ihre Sprache undeutlich, ihre Gedanken schweiften ab, ihre Stimme klang wie die Karikatur eines Hippie-Mädchens. Es war unendlich deprimierend. Am Abend sah ich sie auf der Bühne beim Bonner Sommer Open Air auf der Museumsmeile. Sie stimmte a capella einen ihrer bekannteren Songs an, brach ab und sagte: “Not this time. They told me not to sing this one. Maybe next time.”

Robert_Downey_Jr_full_interview__star_walks_out_when_asked_about_past_-_YouTube

Zu lesen war von ihrem Zustand nichts und das ist natürlich auch besser so. Ganz viel, was in Interviews mit Stars, egal ob Musiker oder Schauspieler (bei Sportlern ist es ein wenig anders – sie nehmen deutlich seltener Drogen), passiert, findet nicht den Weg in die Öffentlichkeit. Denn diese Stars bewegen sich oft genug in einer besonderen Art der Realitätsverzerrung, abgeschirmt von normalen Menschen, ständig umhegt von einer Entourage, auf Promotiontouren durchgetaktet von ihren Presseleuten. Und dazu kommen eben oft noch Drogen weicherer und härterer Art.

Die meisten Journalisten gehen im Umgang mit solchen Stars Abkommen mit den PR’lern ein. Interviews sind eng getaktet, oft genug wird der Themenkreis der erlaubten Fragen vorgegeben. Immerhin: Je hochrangiger das Medium, desto lockerer diese Regelung: “Spiegel”-Abgeordnete dürften in der Regel mehr Frage-Freiheit bekommen als die Abgesandten von “Prisma” oder “Düsseldorfer Anzeiger”.

Ein anderer Deal ist schlicht die Übernahme angelieferten Materials – dies ist besonders beliebt bei Hörfunk und Fernsehen. Selbst die Öffentlich-Rechtlichen schnippeln in ihre Kultur-Shorties gern Pseudo-Interviews, die von den Produktionsfirmen der Streifen eingereicht werden und tun so, als hätten sie die Gespräche selbst geführt.

Dieses System funktioniert, ist irgendwie erklärbar und wird nicht weiter hinterfragt. Umso interessanter ist das, was vergangene Woche in England passiert: Robert Downey Jr. präsentierte sich nicht als Iron Interviewpartner, sondern brach ein Gespräche mit Channel 4-Mann Krishnan Guru-Murthy ab: [click to continue…]

{ 5 comments }

#roflcopter bittet um Spenden

by Thomas Knüwer on 23. April 2015

Vor rund zwei Jahren begann alles mit diesem Tweet meine Ex-Kollegen und Styleranking-Gründers Roland Schweins:

Roland verlor die Wette und musste Marathon-Staffel mit mir laufen. Daraus wurde eine Bloggerstaffel und dann eine kurzfristig organisierte Spendenaktion. Die machte uns sprachlos: Es kamen dank 61 Spendern 2.400 Euro zusammen für das Kinderhospiz Regenbogenland. Ganz nebenbei hatten wir sauviel Spaß, weshalb der Beschluss zur Wiederholung Formsache war. An diesem Sonntag also hebt #roflcopter zum zweiten Mal ab.

roflcopter D 2014

Unser Spendenzweck: Der Förderkreis krebskranke Kinder e.V. Stuttgart wurde 1982 von Eltern krebskranker Kinder gegründet. Finanziert wird der Verein fast ausschließlich über Spenden. Er hilft betroffenen Familien unbürokratisch und schnell: Mit finanziellen Hilfen, psychosozialen Projekten und ganz pragmatischen Maßnahmen. Mehr über Soforthilfe, Familienhaus, Prima Klima, Psychosoziales und weitere Unterstützung lest ihr in den konkreten Förderprojekten.

Allerdings: #roflcopter läuft diesmal ohne micht.

Denn die beste Ehefrau von allen hat mir zu Weihnachten meinen Traumlauf geschenkt: den London-Marathon. Und der startet ebenfalls am Sonntag. roflcopter

Der Staffel wird dies zeitmäßig sehr, sehr gut tun. Denn einspringen wird mit Thorsten Firlus ein Marathoni und Triathlet, der ungefähr doppelt so schnell läuft wie ich. Und er bloggt über Ausdauersport bei Mein Schweinehund und ich (Twitter: ThorstenFirlus). Thorsten läuft das dritte Teilstück vom Hofgarten bei den beleuchteten Bänken nach Pempelfort und Derendorf, durch das Zooviertel und über die Rethelstraße bis zum Wechselpunkt auf der Jacobistraße.

Eröffnen wird unsere Staffel Stephan Doerner vom Onlinejournalismus Blog (Twitter: Doener). Er läuft vom Rheinufer  Richtung Golzheim und Nordpark. Eine besondere Herausforderung: Die Steigung auf der Oberkasseler Brücke.

Stephan übergibt an Christian Kirchner vom Blog Menschen, Zahlen, Sensationen (Twitter: kirchnerchris), der durch das wunderschöne Oberkassel sprintet.  Erst in einer Nordschleife Richtung Vodafone-Hauptquartier, dann am Rhein entlang bis über die Luegallee und die Oberkasseler Brücke zurück in die Düsseldorfer City.

Nach Hause läuft das Ding wie schon vergangenes Jahr Roland Schweins von Passionpapa.de und styleranking (Twitter: Ornaldo15). Er selbst schreibt: “Bibbern, Zittern, Nägel kauen. Denn ich bin der Untrainierteste und somit im vergangenen Jahr auch zeitlich schwächste Läufer. Aber: Hier geht es um den Spaß – und um die Spendenhöhe! Das ist die Messlatte unserer Bloggerstaffel.”

roland schweins

Verfolgen Sie unseren Lauf unter dem Hashtag #roflcopter.

Außerdem werden wir ein wenig mit der Facebook-App Riff spielen, mit der sich Kettenvideos produzieren lassen. Wer am Sonntag ebenfalls irgendwo auf der Welt läuft, sei es Training, Staffel, Halb- oder ganzer Marathon ist herzliche eingeladen, sich anzuschließen. Irgendwann am Sonntag vormittag wird in der App unser Video auftauchen…

Bitte drücken Sie #rolfcopter die Daumen, dass alle gut ins Ziel gelangen – und spenden Sie (erst recht, weil eine Regenschlacht droht, die den #roflcopter selbstverständlich nicht bremsen wird)!

Danke.



{ 4 comments }

Die Wahrsager vom “Tagesspiegel”

by Thomas Knüwer on 22. April 2015

Es gehört zu den Unsitten des Onlinejournalismus, zu allem einen Liveticker machen zu wollen. Bei Sportereignissen – kein Thema. Doch bei viel zu vielen Ereignissen werden Ticker geschrieben, die vor allem beschreiben wie wenig bis gar nichts passiert. Dass jedoch wenig bis gar nichts passiert, ist häufig genug vorhersehbar, ohne dass für die Erkenntnis viel Gehirnschmalz nötig wäre.

tagesspiegel ticker

Solch ein Fall ist der heutige Bahnstreik. Reisende interessiert vor allem eines: Fährt mein Zug. Das erfahren sie auf der Seite der Bahn oder der lokalen Verkehrsbetriebe. Welchen Mehrwert könnte ein Liveticker also noch liefern? Der gelangweilte Leser erfährt von Touristen, die um Rat fragen, sieht langweilige Fotos von Ständern, die das Streikinfoplakätchen der Bahn hochhalten, gefolgt von anektdotischen Beobachtungen von Redakteuren auf dem Weg zur Arbeit: Mal ist eine Bahn voll, mal ist eine leer. Mehrwert für den Leser: Null.

Auch scheint es, dass Onlineredakteure selbst genervt sind ob der Tickerei. Zum Beispiel die von Tagesspiegel.de. Sie eröffneten ihre Tickerrei mit:

6.00 Uhr – Der Ring steht: Zunächst die wichtigste Nachricht: Die S-Bahn hat die wichtige Ringbahn eingestellt. Dabei sollte sie eigentlich eine Ersatzstrecke für den wegen Bauarbeiten gesperrte Nord-Süd-Verbindung zwischen Gesundbrunnen und Yorckstraße sein. Zudem fallen die Fahrten der Linien S 45, S 47, S 75, S 8 und S 85 aus… Auf den anderen Strecken versucht die S-Bahn, alle 20 Minuten zu fahren. Aber bei den bisherigen Streiks hat dies auch nicht immer geklappt.”

Der Ring steht – nicht immer hat bisher alles geklappt: Geht es noch spannender? Lesen wir weiter:

6.05 Uhr – Die U2 wird voll: Gerade noch hat Udo Lindenberg hier live den Sonderzug nach Pankow besungen, heute wird nicht mal seine Gitarre in den Waggon passen. Die U2, die normalerweise die gesamte Stadt durchkreuzt, ist sowieso gerade voll wegen des gesperrten Nord-Süd-Tunnels der S-Bahn und auch noch wegen Bauarbeiten zwischen Gleisdreieck und Wittenbergplatz unterbrochen. An diesem Mittwochmorgen nun erlebt sie einen rappalerappelrappelrappelvollen Berufsverkehr – denn auch die BVG fährt längst am Limit. Da fällt gar nicht mehr auf, dass zwischen Potsdamer Platz und Gleisdreieck die Züge nur alle zehn Minuten fahren.”

Ja, solch packenden Texte kann nur schreiben, wer knallhart am Geschehen ist. Wer seine Reporter rausschickt in die untergründige Kälte einer in Beton gegossenen Wirklichkeit.

Oder natürlich der, der Wahrsager beschäftigt.

Denn: Jene Texte waren bereits gestern um 23.20 online, wie mir ein Leser per Screenshot und E-Mail mit jenem Zeitstempel nachwies. Auch Online-Chef Markus Hesselmann bestätigte mir dies gerade via Twitter und entschuldigte sich.

Hören wir also endlich auf, Liveticker zu lesen: Sie sind der an den Haaren herbeigezogene Versuch, Aktualität und Nähe zu Themen zu simulieren, sie sind eine atemlose Journalismus-Simulation.


{ 2 comments }

Erinnern Sie sich noch an das Jahr 2010?

Manches aus diesem Jahr erinnert uns an das, was fünf Jahre später in Deutschland so los ist. So stellte die EU den griechischen Staatshaushalt unter ihre Kontrolle und spannt später den Rettungsschirm auf, die Demokraten verlieren in den USA die Mehrheit im Repräsentantenhaus und das Verfassungsgericht kippt die Vorratsdatenspeicherung.

Vor allem aber: Google führt Streetview in Deutschland ein. Besser: will es einführen.

Heute ist fast vergessen, was damals los war. Und der Dienst – ist längst Web-Allgemeingut. Doch die Bilder, die wir in Deutschland heute nutzen, sind alt. Das fällt auch in meinem Umfeld immer mehr Menschen auf, die nicht so digital-irre sind wie ich. “Google sollte mal wieder aktuelle Fotos machen”, sagte mir jüngst ein Freund. So sehen das laut einer repräsentativen Studie des Branchenverbandes Bitkom viele Deutsche: 80% der hiesigen Web-Verwender nutzen Google Streetview, zwei Drittel hätten gern aktuelle Bilder.

hofgarten streetview

Verständlich. Die Rampe, von der Google das Bild oben machte, existiert in Düsseldorf nicht mehr. Heute sähe das Bild so aus, wie auf dieser Illustration der Developer, der Firma, die dort den Kö-Bogen baute:

kö-bogen

“w&v” schreibt nun sogar, dass Kommunen vielseitige Einsatzbereiche von Straßenpanoramaaufnahmen erkennen würden, unter anderem bei Feuerwehr, Polizei, Verkehr, Mobilität und Touristik, und zitiert Franz-Reinhard Habbel vom Deutschen Städte- und Gemeindebund: “Wir sehen hier große Potenziale unsere Arbeit effizienter zu machen.”

Nur: Die wird es nicht geben – und ich kann das Google nicht verdenken. [click to continue…]


{ 30 comments }