Kleine Dienstmeldung: Wie es bei Wired weitergeht

by Thomas Knüwer on 27. Januar 2012

So, welche mutierte Phrase hol ich jetzt raus? “Gut Magazin will Weile haben”? “Was sich lange wehrt wird endlich Wired?”

Egal.

Bevor wir zu den News kommen erstmal: DANKE!

In den vergangenen Monaten haben unendlich viele Menschen gesagt, dass sie die Arbeit des Wired-Teams sehr geschätzt haben. Ich hatteeigentlich erwartet, dass es reichlich Gift geben würde. Das Gegenteil aber war der Fall – der Großteil war Wohlwollen und Bestätigung.

Für die Freunde gepfleger Social-Media-Statistik: Während des Zeitraums von Mitte Juni bis Mitte September gab es über 75 Blog-Artikel und rund 3000 Tweets zur Wired Deutschland. Über Facebook, Twitter und Blogs erreichten wir damit nach der Messung von Buzzrank 5,44 Millionen Bruttokontakte. 53% der Äußerungen waren dabei positiv, 28,6% neutral und 18,4% negativ (diese Einschätzung wurde übrigens von Hand vorgenommen).

Vor allem die Kommentare im Wired-Blog während der Solo-Kiosk-Phase waren umwerfend. Da liefen Käufer auf, die Wired oft gar nicht kannten, es per Zufall fanden und tatsächlich – was ich in diesem Ausmaß noch nie erlebt habe – den Mediensprung machten: Sie lasen im Editorial vom Blog und kommentierten dort. Das schönste Lob war sicherlich der Leser, der schrieb er habe nicht gewusst, für wie viele Dinge er sich interessiere. Und bei iTunes 225 Bewertungen mit einem Durchschnitt von 4,5 Sternen zu bekommen, da darf man schon ein wenig bollig werden vor Stolz.

Es hat zugegebenermaßen echt lange gedauert, bis zu einer neuen Wasserstandsmeldung. Aus Gründen. [click to continue…]

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Wer jemals bei einer Tageszeitung arbeitete, hat definitiv schon über ein Redaktionssystem geflucht. Dieses muss gar nicht so schlecht sein, aber irgendwo hakt es halt immer. Online machte die Sache nicht besser: Bis zu meinem Abschied beim Handelsblatt gab es kein System, das einerseits eine problemlose Produktion von Zeitungsseiten ermöglichte und andererseits ein entspanntes Publizieren der Inhalte im Netz.

Seitdem hat ein Redaktionssystem satte Marktanteile weltweit erobert. Es kommt aus dem Hause CCI und heißt Newsgate, was namenstechnisch schon in wenig witzig ist, denn es klingt ja nach Skandal. Wie gut Newsgate ist, vermag ich nicht zu sagen.

Weil gestern nun der Axel Springer Verlag verkündete, Newsgate in der Welt-Gruppe und bei der “Berliner Morgenpost” einzuführen, warf ich gerade einen Blick auf die Homepage von CCI, die recht schwirrwortig und unkonkret daher kommt  (Zitat: “Echtes Cross-Media-Publishing zeichnet sich durch das Anpassen an konstante Veränderungen im Konsumentenverhalten aus. Es dreht sich um das Einbinden von physischen und virtuellen Treffpunkten, in denen Personen erwarten, von kontinuierlichen und relevanten Inhalten gefunden zu werden.”).

Wer jedoch auf dieser Seite den Menüpunkt “Redaktionelles Print-Publishing” anklickt, der erhält:

Und das finde ich ziemlich lustig.

(Sollten CCI-Mitarbeiter hier mitlesen, es handelt sich um diesen Link, mutmaßlich ist der Umlaut das Problem.)

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Heute morgen ist im Bundestag etwas sehr schmunzeliges passiert, betitelt als “Kürschnergate”. Für all jene, die es noch nicht auf Twitter oder den Nachrichtenseiten mitbekommen haben, hier eine kleine Einführung:

Babette, die Mitarbeiterin einer Grünen-Abgeordneten, wollte ihre Kollegen bitten, ihr den Kürschner mitzubringen. Dabei handelt es sich um ein Handbuch mit Adressen, Daten und ähnlichem, das den Werkstätigen im Polit-Betrieb wohl in ihrem täglichen Schaffen unabdingbar erscheint. Dummerweise verschickte Babette diese Bitte an einen Verteiler, der sämtliche über 4000 Mitarbeiter des Bundestags enthält.

Erstaunlich war dann die Reaktion. Denn über Stunden gingen die Nationen-Verwalter recht kreativ mit der Sache um. ZDF.de schreibt:

“Fast zwei Stunden lang passiert nichts. Um 11.20 Uhr mailt dann ein Mitarbeiter des SPD-Abgeordneten Sönke Rix wieder an alle: Er schickt Babette und allen anderen einen Link zu ironischen Regeln für E-Mail-Versender und empfiehlt Punkt 20. Der trägt den Titel “Versenden Sie Mails an alle”. Daraufhin gibt es kein Halten mehr. Immer mehr Bundestagsmitarbeiter schreiben zurück. Einige wollen einfach nur aus dem Verteiler genommen werden, andere machen sich darüber lustig. “Ich grüße hiermit meine Mutti”, tippt einer und klickt auf allen antworten…

Das sei wie Speeddating für den Bundestag, sagt dort ein Mitarbeiter eines CDU-Abgeordneten. Man würde im Sekundentakt neue Leute kennenlernen. So schlägt ein Herr Siebert per Mail an alle vor, dass sich doch alle um 14 Uhr treffen könnten, um gemeinsam den neuen Kürschner abzuholen, ein anderer startet eine Verlosung unter allen eingegangenen Mails: Für die kreativste Massenmail würde er zwei Karten für das Berliner Handballteam “Füchse” verschenken.”


Wäre dies in der wilden Welt des World Wide Web so passiert, trüge des den Fachbegriff Mem (zur Definition bitte hier entlang). Solche Phänomene leben von ihrer Neuartigkeit. Sie müssen nicht herausragend spektakulär oder aufwendig gemacht sein. Das wichtigste: Sie überraschen einen Großteil ihrer Adressaten und bringen diesen zumindest zum Schmunzeln.

Nun ist diese Form des Mems nicht neu, vielmehr ist sie überkommen. Scherze vie E-Mail sind doch eher nostalgisch und erinnern uns an die Zeit vor zehn bis zwölf Jahren, als auch die letzten Büroameisen ein E-Mail-Postfach bekamen und die Großzahl der Unternehmen ihr Privatnutzungsverbot für die elektronische Post aufgaben. Längst sind Mems größtenteils abgewandert in Richtung Social Media, verbreiten sich via Facebook, Youtube und Twitter.

Tobt sich im Bundestag also eine Retro-Fraktion aus? Nein. Es ist eher die Überraschung, dass es jemand wagt (wenn auch unabsichtlich) eine Mail an alle zu verschicken. Und nachdem der erste darauf mit Witz reagierte, wenn auch einem typischen Bürowitz, brechen die Dämme. Überraschend ist sicherlich auch, dass die Haus-IT recht gelassen reagierte und nicht direkt jede weitere Mail unterband. Befeuert wurde das Kürschnergate durch die Möglichkeit, Menschen kennenzulernen. Mit über 4000 Mitarbeitern ist der Bundestag vergleichbar mit einer Konzernzentrale. Auch dort kennt nicht jeder jeden. Gleichzeitig wüsste man aber gern, wer der Typ oder die Typine ist, die man häufig auf dem Flur oder in der Kantine sieht. Oder wie der aussieht, dessen Name man im CC vieler Mails liest.

Viele Großunternehmen haben darauf mit Mitarbeiterverzeichnissen im Intranet reagiert. Diese werden meist nur als Telefonbücher genutzt – bis sie mit Bildern bestückt werden. In solch einem Moment passiert das, was auch Facebook einst erlebte. Die Nutzer klicken sich durch und verbinden Gesichter mit Namen und Positionen.

Heute im Bundestag machten sich einige institutionsweit bekannt: Indem sie eine jener witzigen Antworten schickten. Mutmaßlich haben viele der Mitarbeiter direkt mal in jenem Kürschner geguckt, wer denn so e-mail-schlagfertig war. Und prompt kam die Idee: Wir müssen uns treffen. Ob es dann um 14 tatsächlich einen Kürschnerabhol-Flashmob gab, habe ich bisher nirgends sehen können. Doch allein das Ansinnen zeigt: Wir Menschen wollen die anderen kennenlernen, die etwas mit uns gemein haben – zum Beispiel den Arbeitsplatz. Wir wollen sie treffen, mit ihnen kommunizieren und das nicht nur ernsthaft. Genau dies ist der Stoff, der Facebook, Twitter und all die anderen groß gemacht hat.

Und deshalb ist der Fazit des #kürschnergate für mich: Der Bundestag braucht kein Handbuch – er braucht ein Social Network im Intranet.

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Bekennenderweise gehöre ich einerseits zur Blase der Digital-Verrückten und bin andererseits der festen Meinung, dass Deutschland verdammt nochmal endlich begreifen muss, dass Wissen um Online und Medien und Technik künftig zur Grundausstattung gehören muss. Und dass die Ex-Technologienation da gewaltig zurückhängt.

Wann immer klassische Medien über diese Formen von Technik berichten, sind zwei Dinge absehbar:

1. Es ist von Gefahren und Risiken die Rede.
2. Jene, die eher Chancen als Risiken sehen, sind Wahnsinnige, Unheilsbringer, Nerds, Freaks, auf jeden Fall aber um Gottes Willen nicht ernstzunehmen.

Vor allem aber vermeiden sie es seit einem Jahrzehnt, die Medienkompetenz der Bürger anzuheben. Entweder sie tun so, als sei der gemeine Deutsche ein Internet-Analphabet. Dann wird gern mal wieder erklärt, Blogs seien Online-Tagebücher und als Quellen für ein Video wird “Internet” genannt. Oder sie ergehen sich in Angstmacherei.

Viel zu selten einmal aber versuchen deutsche Journalisten ganz unaufgeregt zu erklären, was sich da im Netz so tut, wie neue Dienste funktionieren und warum sich Menschen für sie begeistern (die großartige “Sendung mit dem Internet” ist ja leider nur im Düsseldorfer Lokalfunk zu hören).

Und nun: Gottschalk.

Seine erste “Gottschalk Live” war keine Offenbarung, keine Neuerfindung des Fernsehens, keine Revolution. Aber genau deshalb hat er das Zeug, mehr für die Medienkompetenz der Deutschen zu tun als der Großteil der Restmedien im vergangenen Jahrzehnt.

Seine Early-Night-Show besteht zunächst aus alt bekannten Elementen: eine Einleitung mit aktuellen Nachrichten leicht verwitzt, danach ein Studiogast. Bewusst will er die bedeutungschweren Themen umgehen, es soll leicht und locker bleiben, aber nicht komplett flach.

Vor allem aber versucht er sich in Interaktivität: Facebook wird eingebaut, es wird getwittert und gechattet. Nun ist Gottschalk ja schon ein paar Jahre im Geschäft und kennt sein Publikum. Er weiß: Mutmaßlich sind die Zuschauer einer ARD-Sendung um 19.20… nun ja… im graumelierten Alter. Und so integriert er Social Media nicht so selbstverständlich, wie es “The Voice of Germany” tut. Aber er hält das, was an Ich-erkläre-Euch-das-Netz nötig ist, auf einem erträglichen Niveau. Zitat: “Was ein Hashtag ist, erklär ich Ihnen später mal.”

Dahinter steckt, so scheint es, ein größerer Plan: Gottschalk will Medienkompetenz schaffen. Seine Zuschauer sollen lernen – und zwar mit ihm. Denn natürlich ist er selbst kein großer Web-Kenner. Das war in den vergangenen Wochen zu beobachten, wenn er auf Facebook und Twitter mit den Zusehern-in-spe kommuniziert. Die Freude darüber, dass er da was ins Internet schreibt und Menschen reagieren erinnerte mich an meine Mutter, als sie zum ersten Mal eine E-Mail schrieb – und eine Antwort bekam.

War diese erste Sendung also perfekt? Nein. Im Gegenteil. Für ein öffentlich-rechtliches Programm wirkte sie fast improvisiert. So gibt es bei “Gottschalk Live” keine langen Werbeblöcke, sondern Einzel-Spots. Das treiben dann vielleicht den Preis für einen 30-Sekünder nach oben und senkt die gesamte Werbezeit. Gleichzeitig zerhackt dies aber die Sendung. Und Gottschalk selbst hat es doch wirklich nicht nötig zu betonen, dass er die Stars kennt, dass Heidi Klum in seiner Sendung entdeckt wurde, dass er Nicolas Cage erst ein- und dann wieder auslädt. Das wirkt recht egomanisch.

Doch dies ist ja erstmal ein Anfang. Und er war nicht schlecht. Vielleicht werden wir Viel-Nutzer einmal Gottschalk danken, weil er einen Gegenpol geschaffen hat zu den Anfeindungen der Totholz-Redakteure. Weil es normal ist, das Internet gut zu finden, wenn Thomas Gottschalk es klasse findet.

Allein ein Hindernis sehe ich noch: Wird die Einschaltquote reichen um die Entscheidungsgremien der öffentlich-rechtlichen subventionierten Privatsenderanstalt ARD ruhig zu halten? Oder werden sie “Gottschalk Live” den Saft abdrehen, weil mit einer weiteren Daily Soap, einer Zoo-Reality-Show oder einem weiteren “Wer wird Millionär?”-Abklatsch mehr Werbegeld zu verdienen ist? Mindestens ein Jahr sollte man ihm geben – dann könnte etwas entstehen, das Deutschland tatsächlich bisher fehlt.

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In der Serie “Netzwert Reloaded” verfolge ich jeden Montag, was das Team von Handelsblatt Netzwert vor exakt 10 Jahren über das digitale Geschäft schrieb. Alle Netzwert-Reloaded Folgen finden Sie hier.

Ich glaube, ich muss Anfang Januar 2001 Urlaub gehabt haben. Oder aber einen Vollblackout (was ja nicht generell auszuschließen wäre). Jedenfalls eröffnete die Netzwert-Ausgabe vom 14.1.02 mit einem journalistischen Gehtgarnicht: einem Namenswitz.

“Ohne Schall und Rauch” war die Geschichte überschrieben, die sich um Martin Schallbruch drehte. Der Informatiker war frisch gekürter IT-Direktor des Bundesinnenministeriums unter Otto Schily und verfügte über einen eigenen Stab. Nicht schlecht für jemand, der zuvor drei Jahre als persönlicher Referent von Staatssekretärin Brigitte Zypries knechtete. Dass es überhaupt solch einen Posten gab, konnte eigentlich als aufmunterndes Zeichen für den digitalen Standort gewertet werden.

Allerdings gab es schon damals Kritik an seiner Ernennung, wie Burkhard Ewert damals schrieb:

“Ein Protestbrief kursierte im Ministerium, geschrieben von einem Referatsleiter, der das Profil der Stellenausschreibung als ,lächerlich’ kritisierte und monierte die Position sei Zypries’ Schützling zugeschanzt worden.”

Von anderer Seite gab es dagegen Begrüßungslob, sowohl vom IT-Chef des Wirtschaftsministeriums wie vom Branchenverband Bitkom. Es gab viel zu tun: Behörden sollten bei IT-Projekten besser kooperieren, sie sollten unabhängiger werden von Microsoft, die Sicherheit in der Regierungskommunikation sollte steigen, das Beschaffungswesen vereinfacht werden und natürlich sollte all dies zu Einsparungen führen.

Und wie hat er sich geschlagen? Gute Frage. Einerseits ist er heute noch am Ruder. Die “Computerwoche” hat ihn bei der Wahl zum CIO des Jahres 2011 in der Rubrik “Großunternehmen” auf Rang 7 platziert. Vor allem der neue Personalausweis lieferte dafür die Begründung. Andererseits blamiert sich Deutschland eben noch immer bei IT-Großprojekten. Und sollte er versucht haben, die digitale Kompetenz seiner Dienstherren auszubauen, so ist Schallbruch zumindest beim aktuellen Regenten Hans-Peter Friedrich krachend gescheitert.

Krachend daneben lag in jener Ausgabe unsere Westküstenkorrespondentin Sigrun Schubert. Ihr nämlich gefiel der iMac des Jahre 2002 – es handelte sich um jene weiße Kugel, aus der ein Bildschirm wie eine Sonnenblume herausragte, gar nicht:

“Ist es ein Rasierspiegel? Ein luftloser Fußball mit Schild in der Mitte? Ein Krakenbaby?… Am vergangenen Montag enthüllte Vorstandschef Steve Jobs etwas, was irgendwie an eine Ikea-Schreibtischlampe erinnert…”

Sie war nicht die einzige Journalistin, die sauer war. [click to continue…]

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Die QR-Parallel-Inspiration von Grabarz und Jung von Matt

by Thomas Knüwer on 20. Januar 2012

Kleiner Hinweis vorweg: Nein, das hier wird jetzt nicht das QR-Code-Blog, die Häufung ist purer Zufall!

Zwischen den Zentralen der beiden Hamburger Werbeagenturen Grabarz & Partner (Alter Wall 55) sowie Jung von Matt (Glashüttenstraße 79) liegen laut Google Maps 2,1 Kilometer. Das kann man als nah ansehen – oder als weit. Wir dürfen aber davon ausgehen, dass die klatschfreudige Branche darüber debattiert, ob die Entfernung reicht für Industriespionage oder ob in einem Szenecafé gelauscht wurde oder wo ansonsten die undichte Stelle sitzen kann.

Denn zeitgleich präsentierten die beiden Agenturen für ihre Kunden, die noch dazu aus der absolut gleichen Branche kommen, die haargenau gleiche Idee. Sowohl Volkswagen als auch Mercedes lassen ihre neuen Modelle – auf der einen Seite der Up, auf der anderen die neue A-Klasse – vollständig mit QR-Codes beklebt durch die Gegend fahren. Wer einen der Wagen, die als Erlkönige vermarktet werden, sieht und den Code einscannt, der kann gewinnen.

Das ist zunächst keine ganz blöde Idee. Schließlich ist das Fotografieren noch nicht offiziell auf dem Markt befindlicher Modelle extrem beliebt, in den entsprechenden Marken-Foren werden solche Bilder heiß diskutiert. Allerdings handelt es sich hier natürlich nicht um echte Erlkönige, denn so lang ist es ja nicht hin bis zur offiziellen Präsentation.

Wie aber kommt es nun zu einer solchen Deckungsgleichheit? Unwahrscheinlich dürfte sein, dass die eine Marke von den Aktivitäten der anderen erfahren hat. Was sollte das bringen? Eine solche Kampagne ist kein lustiges Ringelreihen, es geht darum möglichst viele Autos zu verkaufen. Und da wäre es Gift eine offensichtlich austauschbare Idee zu verwenden. Hätte eines der Unternehmen diese Idee mit einem vorhandenen Modell verbunden, so läge Arglistigkeit nahe.

Möglich wäre natürlich ein Mitarbeiter, der zwischen den Agenturen wechselte und die Idee vorschlug ohne zu erwähnen, dass diese bei seinem alten Arbeitgeber umgesetzt wird. Vielleicht war bei seinem Wechsel auch noch nicht sicher, ob der Kunde das Projekt umsetzt. Und ohne Namen zu nennen: Interessant ist sicherlich, dass im vergangenen Frühjahr der Teamleiter für den VW-Etat bei Grabarz ging – und als freier Berater für Jung von Matt zu arbeiten begann. Er dürfte wohl der erste sein, der heute einige Fragen beantworten muss.

Wobei sich die Frage stellt: Kann man so blöd sein? Und auch wenn ich hier ja häufig genug solch eine Frage mit “Ja” beantworte, so bin ich hier eher zögerlich. Tatsächlich liegt ja die Idee der mit QR-Code beklebten Neuwagen auf der Straße (Bitte beachten Sie diesen besonders schalen Wortwitz. Danke.). Sie ist nicht überbordend kreativ und sensationell innovativ. Sie ist halt ganz OK. Und ganz okaye Idee sind das, was die meisten Klassik-Werbeagenturen in Deutschland in Sachen Digital-Kampagnen beisteuern können.

Und so glaube ich nach aktuellem Wissensstand nicht an einen Skandal – sondern an einen sehr, sehr lustigen Zufall: Grabarz und Jung von Matt ist einfach nichts besseres eingefallen – das aber beiden gleichzeitig.

Foto: Mercedes

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Der gefährlichste QR-Code der Welt aus dem Hause Weltbild

by Thomas Knüwer on 19. Januar 2012

Die Indiskretion soll wirklich nicht zur QR-Code-Sammelstelle werden. Aber Andreas Wagner hat mich auf die vielleicht gefährlichsten QR-Codes der Welt aufmerksam gemacht. Sie stammen aus dem Hause Weltbild und vielleicht versucht dieses noch-kirchliche Haus, ein paar Seelen einzusammeln. Denn wer sie einscannt muss nicht nur ein in U-Bahn-Stationen funktionierendes Netz haben – sondern auch schnell genug scannen, bevor der nächste Zug kommt…


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Warum Sie wissen sollten, was Sopa ist

by Thomas Knüwer on 18. Januar 2012

In diesem Blog lesen viele mit, die ansonsten wenige Berührungspunkte mit den Extremdigitalen haben. Für all diejenigen ist dieser Artikel.

Denn diese Leser werden sich heute vielleicht wundern, warum zum Beispiel die englischsprachige Wikipedia heute eine schwarze Seite zeigt. Dies ist ein Protest gegen ein US-Gesetzesvorhaben, das einerseits europäische Seitenbetreiber tangiert – andererseits in seiner Absurdität kein rein amerikanisches Problem ist. Denn Europa ist keinen Deut besser.

Jener Stop Online Piracy Act (SOPA) und der Protect IP Act (PIPA) sind das Ergebnis des übergroßen Einflusses der Film-, Fernseh- und Musiklobby auf Politik. Vergessen wir nicht: Diese Branchen sind verglichen mit dem Maschinenbau, den Autokonzernen und anderen Industrien wenig bedeutend. Doch schaffen sie es in der Politik überdurchschnittlich Gehör zu finden – vielleicht, weil der gemeine Volksvertreter sich in der Nähe des Glamours fühlt.

Das Ziel von Sopa und Pipa: Internet-Zugangsanbieter, zum Beispiel die Telekom, sollen gezwungen werden, Inhalte proaktiv zu überwachen. Außerdem sollen Inhalte ohne juristisches Verfahren gesperrt werden. Diese sollen dann auch in Suchmaschinen nicht mehr angezeigt werden, eine Verlink wäre strafbar.

Das klingt – so man dem überkommenen Copyright-Gedanken anhängt – vielleicht auf den ersten Blick sogar ansatzweise vernünftig. Tatsächlich aber verbirgt sich dahinter chinesisch anmutende Zensur. Denn was im einen Land eine Rechtsverletzung ist, muss es im anderen nicht sein. Und ohnehin würde das ja kein Richter entscheiden – sondern der Internet-Anbieter auf Geheiß der Inhalte-Konzerne.

Klingt ja zunächst nur nach einen Google-Problem. Nur: Sopa und Pipa betreffen auch Social Networks. Wer also zum Beispiel auf Facebook einen Link zu einem Video weiterreicht, das in Deutschland vollkommen problemlos ist, von einem US-Musikkonzern aber fälschlicherweise als Raubkopie beanstandet wird, könnte damit rechnen, dass Facebook sein Profil löscht.

Schon heute gibt es ausreichend ungerechtfertigte Sperren. Erst jüngst berichtete Leo Laporte, Gründer des Web-Talk-TV Twit in seiner Sendung, dass Youtube ständig Episoden von ihm löscht – obwohl keine Rechtsverletzung vorliegt.

Die verrückten Amis, also mal wieder? Keineswegs. Auch in Europa gibt es ein ähnlich gestriges, verabscheuenswürdiges Konstrukt, das in der deutschen Politik eher einfach hingenommen wird: das Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA).

Auch Acta legt das Urteil darüber, was rechtens ist, in die Hände der Wirtschaft. Die Meinungsfreiheit wird kontrolliert von Konzernen – und der Widerstand deutscher “Netzpolitiker” (wer verdient überhaupt diesen Titel außerhalb der Piratenpartei?) nimmt dies größtenteils so hin – und die anderen interessieren sich ohnehin mehr für Straßenbau als für Zukunftstechnologien.

Weitere Ausführungen über Sopa, Pipa und Acta können Sie lesen bei der Digitalen Gesellschaft oder bei Joi Ito. Und ich würde mich freuen, wenn Sie sich mit diesem Thema beschäftigen und vielleicht gar eine E-Mail an Ihren Bundestagsabgeordneten schicken (ihn vielleicht gar anrufen) und ihm oder ihr mitteilen, dass es nicht akzeptabel ist, wenn die Wirtschaft ihr eigenes Recht spricht.


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Ich bin kein Freund von QR-Codes, das schrieb ich ja vor kurzem schon mal.

Eine Bestätigung dafür, warum das so ist, lieferte mir dieses Video. Denn tatsächlich hat jemand einen QR-Code auf die Bande eines Fußball-Hallenturniers gedruckt – vermutlich, weil dieses von Sport1 übertragen wurde. Und natürlich gibt es einen kleinen Kreis der Digital-Interessierten, die dann mal versuchen den Moment zu erhaschen, da die Kamera ruhig genug ist (was bei einem Hallenturnier ja nicht so oft der Fall ist). Generell aber fällt dies eher in die Rubrik: die unsinnigsten QR-Codes auf dem Globus.

Und nun die Überraschung: Da gibt es doch tatsächlich mal eine Verwendung dieser Technik, die ich pfiffig finde. Scandinavian Airlines gibt Sonderrabatte für qr-ende Paare. Und angeblich waren danach alle Flüge ausverkauft – wobei nicht verraten wird, wieviele das waren…


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Angry Nerds

by Thomas Knüwer on 17. Januar 2012


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