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	<title>Indiskretion Ehrensache</title>
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	<description>Das Blog von Thomas Knüwer</description>
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		<title>Das Internet sorgt für mehr Künstler, mehr Musik und mehr Filme</title>
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		<pubDate>Wed, 16 May 2012 12:40:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Knüwer</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Filmindustrie]]></category>
		<category><![CDATA[Künstlersozialkasse]]></category>
		<category><![CDATA[Musikindustrie]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Narrative]]></category>
		<category><![CDATA[Raubkopierer]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<div id="tweetbutton8808" class="tw_button" style="float:right;margin-left:10px;"><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fwww.indiskretionehrensache.de%2F2012%2F05%2Furheberrecht-internet%2F&amp;text=Das%20Internet%20sorgt%20f%C3%BCr%20mehr%20K%C3%BCnstler%2C%20mehr%20Musik%20und%20mehr%20Filme&amp;related=&amp;lang=en&amp;count=horizontal&amp;counturl=http%3A%2F%2Fwww.indiskretionehrensache.de%2F2012%2F05%2Furheberrecht-internet%2F" class="twitter-share-button"  style="width:55px;height:22px;background:transparent url('http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/plugins/wp-tweet-button/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;">Tweet</a></div><p></p><p>Heute Morgen war ich Gesprächsgast bei der Aufzeichnung des <a href="http://www.br-online.de/podcast/mp3-download/bayern2/mp3-download-podcast-dossier-politik.shtml" target="_blank">&#8220;Dossiers Politik&#8221;, dass BR2 am heutigen Abend ab 21.05 Uhr</a> senden wird. Das Thema: &#8220;Gratis in die Armut? Das Urheberrecht im Web-Zeitalter&#8221;.</p>
<p>Puh.</p>
<p><a href="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/der-arme-poet.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-8813" title="der arme poet" src="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/der-arme-poet.jpg" alt="" width="500" height="391" /></a></p>
<p>Im Vorgespräch gab es einen Moment, in dem wir über den letzten Part jener Sendung sprachen. Und in dem geht es um Lösungen. Für mich aber stellt sich vielmehr die Frage: Wie lautet eigentlich das Problem in Sachen Urheberrecht? Derzeit gibt es eine Kampagne von Verlagen &#8211; allen voran Axel Springer und die DVH Medienholding (&#8220;Die Zeit&#8221;, &#8220;Handelsblatt&#8221;) &#8211; mit dem Ziel das bestehende Urheberrecht abzuschaffen &#8211; durch eine massive Verschärfung. Dabei ist den Medienkonzernen jedes Mittel recht,<a href="http://www.indiskretionehrensache.de/2012/04/handelsblatt-oliver-stock-sven-prange/" target="_blank"> wie das &#8220;Handelsblatt&#8221; jüngst demonstrierte</a>.</p>
<p>Die Argumentationskette der Urheberrechts-Gegner lautet: Raubkopien sorgen für weniger Umsatz, weniger Umsatz sorgt für darbende Medienunternehmen, darbende Medienunternehmen sorgen für darbende Künstler, darbende Künstler sorgen dafür, dass weniger Musik, weniger Filme und weniger Bücher entstehen &#8211; und das bedeutet ein Austrocknen unserer Kultur.</p>
<p>Nur: Das wird durch Fakten nicht gedeckt. Vielmehr zeigt sich an handfesten Zahlen das genaue Gegenteil: Das Internet sorgt für mehr Kultur und mehr bezahlte Kulturschaffende.</p>
<p>Nehmen wir nur einmal die Zahl der selbstständigen bildenden Künstler in Deutschland:<span id="more-8808"></span></p>
<p><a href="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/sek38358.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-8810" title="sek38358" src="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/sek38358.jpg" alt="" width="500" height="341" /></a></p>
<p>Dazu muss gesagt werden: Die Sache mit den Raubkopien ist nicht brandneu. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Napster" target="_blank">Napster ging 1998 an den Start und erlebte seinen Höhepunkt im Jahr 2001</a> &#8211; das ist mehr als zehn Jahre her. Doch bis zum Jahr 2009 war offensichtlich keine Wirkung bei den Künstlern zu bemerken &#8211; ihre Zahl stieg in der oben gezeigten Rubrik sogar um 28 Prozent. Auch die Zahl der Versicherten in der Künstlersozialkasse steigt munter weiter, von 2000 bis 2010 ebenfalls um sagenhafte 55%:</p>
<p><a href="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/sek158767.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-8811" title="sek158767" src="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/sek158767.jpg" alt="" width="500" height="341" /></a></p>
<p>Wenn es also Künstlern in Deutschland so schlecht geht &#8211; warum entscheiden sich immer mehr Menschen für diesen Beruf? Und noch wichtiger: Warum geben nicht mehr auf? Sind dies alles Masochisten? Oder alles Irre?</p>
<p>Tatsächlich gibt es natürlich eine erhebliche Ungleichverteilung, wie diese Statistik der Bühnenkünstler zeigt (sollte jemand aber diese Einkommensklassen-Verteilung im Zeitablauf haben, würde ich mich über eine Meldung freuen):</p>
<p><a href="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/sek38477.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-8812" title="sek38477" src="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/sek38477.jpg" alt="" width="500" height="358" /></a></p>
<p>Doch ist dies wirklich neu? Tatsächlich war es schon immer so, und da nehme ich mal die Gespräche mit Schauspielern und Musikern, die ich in den 90ern beim Uniradio Münster führte, dass ein großer Teil dieser Künstler &#8220;für die Kunst lebte&#8221;. Sprich: Sie kamen so irgendwie über die Runden und hofften auf den Durchbruch. Dabei waren sie nicht mal unglücklich: Wer sich für diesen Beruf entscheidet weiß, dass es ein harter Weg ist.</p>
<p>Das zeigt auch eine <a href="http://www.pewinternet.org/Reports/2004/Artists-Musicians-and-the-Internet.aspx" target="_blank">Untersuchung des Pew Instituts aus dem Jahr 2004 unter 2.755 US-Musikern</a>. Schon damals gaben über drei Viertel an, einen Nebenjob für den Lebenserhalt zu benötigen. Immer gab es eben Künstler, die nicht ausreichend den Massengeschmack trafen um mit allein durch ihre Werke überleben zu können. Das ist natürlich schade &#8211; aber eben keine Folge des Internets, erinnern wir uns nur an diesen Herrn aus dem 19. Jahrhundert, den sie ganz oben sehen.</p>
<p>Nun ist die Zahl der Künstler, Schauspieler, Musiker und Autoren die eine Sache. Was aber ist mit deren Produktion? Die müsste doch, glauben wir den derzeit so hektischen Urhebern und Verwertern, doch zurückgegangen sein seit Napster 1998 das Licht der Welt erblickte? Zumindest aber dürfte sie nicht großartig gewachsen sein. Denn das ist ja die angebliche Grundangst, die durch die Kampagne getrieben wird: Ohne Verschärfung des Urheberrechts entstünde irgendwann keine Kultur mehr.</p>
<p>Nun hat sich genau das im Januar 2010 Felix Oberholzer-Glee von der Uni Harvard und Koleman Strumpf von der Uni Kansas angesehen. Sie untersuchten die Entwicklung der Musik- und Filmproduktion in den USA, dem Land dessen Kulturprodukte sicherlich als die meist raubkopierten weltweit angesehen werden dürfen. <a href="http://www.unc.edu/~cigar/papers/FileSharing_March2004.pdf" target="_blank">Ihre Zahlen zeigen ein diametral entgegengesetztes Bil</a>d. Während in den 90ern durchschnittlich 472 Filme pro Jahr in den amerikanischen Kinos kamen, waren es zwischen 2005 und 2009 578 &#8211; ein Plus von 22%. Noch dramatischer fällt die Statistik in Sachen Musik aus. Die Zahl der Musikalben steigt von 35.516 im Jahr 2000 auf 106.000 in 2008 &#8211; ein Zuwachs von 298%.</p>
<p>Wer behauptet, das Internet habe eine Auswirkung auf die Zahl der Künstler und ihrer Werke, der muss sich sagen lassen: Ja &#8211; das Internet sorgt für mehr Kunst, mehr Künstler, mehr Musik und mehr Filme.</p>


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		<title>Neue Narrative</title>
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		<pubDate>Tue, 15 May 2012 14:37:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Knüwer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<description><![CDATA[TweetEs sind die großartigsten Momente einer Konferenz, wenn ein Redner es schafft, einem als Zuhörer einen Gedanken ins Hirn zu pflanzen, der nicht mehr weg gehen will. Einen solchen Moment während der re-publica jüngst in Berlin lieferte Sascha Lobo. In seiner jährlichen Rede zur Nation Überraschungsrede forderte er &#8220;neue Narrative&#8221; in Sachen digitales Leben. Denn [...]


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			<content:encoded><![CDATA[<div id="tweetbutton8797" class="tw_button" style="float:right;margin-left:10px;"><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fwww.indiskretionehrensache.de%2F2012%2F05%2Fneue-narrative%2F&amp;text=Neue%20Narrative&amp;related=&amp;lang=en&amp;count=horizontal&amp;counturl=http%3A%2F%2Fwww.indiskretionehrensache.de%2F2012%2F05%2Fneue-narrative%2F" class="twitter-share-button"  style="width:55px;height:22px;background:transparent url('http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/plugins/wp-tweet-button/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;">Tweet</a></div><p></p><p>Es sind die großartigsten Momente einer Konferenz, wenn ein Redner es schafft, einem als Zuhörer einen Gedanken ins Hirn zu pflanzen, der nicht mehr weg gehen will. Einen solchen Moment während der re-publica jüngst in Berlin lieferte Sascha Lobo.</p>
<p>In seiner jährlichen <del>Rede zur Nation</del> Überraschungsrede forderte er &#8220;neue Narrative&#8221; in Sachen digitales Leben. Denn es kursierten so viele negative Narrative in Sachen Netz um her, häufig nur als &#8220;ultra-kurze Anekdoten&#8230; die jeder glaubt, weil sie irgendwie logisch klingen&#8221;. Und diese würden vor allem weitergetragen von den Netznichtnutzern. Diese Bevölkerungsgruppe schätzt Lobo auf 30 Millionen Deutsche und wenn es darum geht jene Idee des freien Internet zu erhalten, so müssten wir sehen, wie wir mit diesen dauerhaft klarkommen. Ich persönlich glaube, dass die Gruppe deutlich kleiner ist, dummerweise aber eine Menge Personen enthält, die in Politik, Wirtschaft und Medien einflussreiche Positionen besetzen.</p>
<p><iframe width="500" height="437" frameborder="0" scrolling="no" border="0" src="http://www.spiegel.de/video/video-1194155-embed.html#width=500&#038;color=000000&#038;bgcolor=ffffff"></iframe></p>
<p>Solche negativen Narrative sind zum Beispiel &#8220;Im Netz wollen alle alles umsonst&#8221; oder &#8220;Killerspiele machen Kinder zu Mördern&#8221;. Lobo glaubt nicht, und auch hier gebe ich ihm Recht, dass es reicht die falschen Narrative richtigzustellen. Stattdessen brauchen wir neue Narrative. Und diese müssen, so fürchte ich im Gegensatz zu Sascha, eine höhere Flugbahn nehmen als die derzeit kursierenden Erzählungen. Die neuen Narrative brauchen verstärkt die Untermauerung durch Studien und die Wissenschaft. Denn es sind eben wir, die diese neuen Narrative erzählen, wir die wir sowieso die Irren im Netz sind und deshalb nicht neutral. Das ist zwar Unsinn, denn die Freunde von Kampfbegriffen wie &#8220;Gratiskultur&#8221; oder &#8220;Geistiges Eigentum&#8221; sind ebenso unneutral wie wir &#8211; nur ist es eben bequemer, auf das Alte zu setzen, denn die Welt der Geistigeigentümler ist die bequemere, wenn man nicht von neuen Freiheiten begeistert ist. Neue Freiheiten sind eben auch immer anstrengend.</p>
<p>Aus diesem Grund also will ich versuchen in den kommenden Monaten häufiger solche Neuen Narrative aufzugreifen und hier im Blog zu erzählen (Hinweise sind natürlich gern gesehen). Und wenn das erträglich genug ist und Sie, die Leser, das nicht ganz doof finden &#8211; dann wird darauf vielleicht ein Vortrag bei der re-publica 2013.</p>


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		<title>Rundshow &#8211; das vielleicht größte TV-Experiment des Jahres</title>
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		<pubDate>Mon, 14 May 2012 14:17:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Knüwer</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Bayerischer Rundfunk]]></category>
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		<description><![CDATA[TweetMeine Fähigkeit, den Erfolg von TV-Sendungen vorherzusagen ist ja nun dokumentiert ausbaufähig: Ich hielt &#8220;Gottschalk Live&#8221; für einen Hoffnungsträger und senke hierfür mein Haupt in Scham. Zu sehr hatte ich die Dinosaurigkeit des Herren G. unterschätzt, der nur einfach eine Late-Night-Show am Vorabend durchziehen wollte statt als erster das digitale Leben ins Fernsehen zu integrieren. [...]


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="tweetbutton8789" class="tw_button" style="float:right;margin-left:10px;"><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fwww.indiskretionehrensache.de%2F2012%2F05%2Frundshow%2F&amp;text=Rundshow%20%26%238211%3B%20das%20vielleicht%20gr%C3%B6%C3%9Fte%20TV-Experiment%20des%20Jahres&amp;related=&amp;lang=en&amp;count=horizontal&amp;counturl=http%3A%2F%2Fwww.indiskretionehrensache.de%2F2012%2F05%2Frundshow%2F" class="twitter-share-button"  style="width:55px;height:22px;background:transparent url('http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/plugins/wp-tweet-button/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;">Tweet</a></div><p></p><p>Meine Fähigkeit, den Erfolg von TV-Sendungen vorherzusagen ist ja nun dokumentiert ausbaufähig: Ich hielt <a href="http://www.indiskretionehrensache.de/2012/01/gottschalk-live/" target="_blank">&#8220;Gottschalk Live&#8221; für einen Hoffnungsträger </a>und senke hierfür mein Haupt in Scham. Zu sehr hatte ich die Dinosaurigkeit des Herren G. unterschätzt, der nur einfach eine Late-Night-Show am Vorabend durchziehen wollte statt als erster das digitale Leben ins Fernsehen zu integrieren.</p>
<p><a href="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/rundshow.png"><img class="alignnone size-full wp-image-8791" title="rundshow" src="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/rundshow.png" alt="" width="500" height="350" /></a></p>
<p>Genau das, die Verschmelzung der digitalen Welt mit der Television, wollen derzeit einige. Selbst der &#8220;Tatort&#8221; musste gestern ohne Mörder auskommen &#8211; er darf nun im Netz gejagd werden. &#8220;The Voice of Germany&#8221; begleitete ihren Sangeswettstreit schon mit eigener App, häufig wurden Kandidaten nach ihrem Auftritt mit getweeteten Reaktionen konfrontiert. Überhaupt: Twitter. Wie schon in vielen anderen Ländern kristallisiert sich der Kurznachrichtendienst als am besten geeignete TV-Begleitung heraus und mit <a href="http://www.couchfunk.de/" target="_blank">Couchfunk</a> gibt es schon ein Startup, das sich auf genau diese Kombination von Glotze und Handy spezialisiert hat.</p>
<p>Heute Abend aber startet das ambitionierteste Fernseh-Projekt in Sachen Digital-Integration: <a href="http://blog.br.de/rundshow/" target="_blank">die Rundshow des Bayerischen Rundfunks</a>.<span id="more-8789"></span></p>
<p>Ja. &#8220;Innovation&#8221; und &#8220;Bayerischer Rundfunk&#8221; waren auch für mich bisher Begriffe die an diametral entgegengesetzten Seite des Medienspektrums standen. Doch der geschätzte Richard Gutjahr, der bisher die Alltags-Nachrichtensendung &#8220;Rundschau&#8221; mit-moderiert, hat seine Vorgesetzten überzeugen können. Und so startet nun heute um 23 Uhr ein bemerkenswertes Medienexperiment.</p>
<p><em>Hinweis: Gut, es könnte auch später werden. Denn zuvor spielen der Karlsruher SC und Jahn Regensburg die Frage aus, wer im kommenden Jahr die Ehre hat, beim SC Preußen Münster auflaufen zu dürfen &#8211; Verlängerung und Elfmeterschießen sind möglich. </em></p>
<p>Die Redaktion will tagesaktuell netzaffine Themen aufbereiten. Einerseits in gebauten Beiträgen, andererseits in Debatten und Interviews. Hier der Besuch der Rundshow bei der Facebook-Party von Horst Seehofer:</p>
<p><iframe width="500" height="284" src="http://www.youtube.com/embed/SoXMNq_i8FE" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Diese Debatten finden in einem Google-Hangout statt, der immer mal wieder zugeschaltet wird. Außerdem können sich Zuschauer via iPhone-App mit dem bescheidenen Titel <a href="http://itunes.apple.com/de/app/die-macht-die-app-zur-rundshow/id521087136?mt=8" target="_blank">&#8220;Die Macht&#8221; </a>beteiligen: Einerseits gibt es da Umfragen mit vorgefertigten Antworten (die bisher zu klischeehaft klingen), andererseits einen beständig einsetzbaren Daumen-hoch-oder-runter-Button, der im Studio in Form von Applaus oder Buh-Rufen Gehör findet. Schließlich können Zuschauer auf Fotos und Videos in der App hochladen. Die Redaktion wird diese zwar prüfen &#8211; für überraschende primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale reicht die Innovationsfreude des BR dann doch nicht -, die Moderatoren aber wissen nicht, was jeweils auf sie zukommt.</p>
<p><a href="http://blog.br.de/rundshow/2012/05/warum-wir-schon-gewonnen-haben/" target="_blank">Gutjahr beschreibt im Show-Blog das dann so:</a></p>
<p><em>&#8220;Wir haben Themen im Auge, die im klassischen Programm selten eine Chance haben. Wir haben Technologien und Workflows am Start, die im herkömmlichen TV-Sendebetrieb bislang nicht zum Einsatz kommen. Wir haben unsere Köpfe geöffnet, Dinge völlig neu zu entwickeln – oder aber auch beizubehalten, sofern uns dies als sinnvoll erschien. Bei diesem Projekt ging es nicht darum, das Fernsehen zu revolutionieren, vielmehr das Medium und seine Möglichkeiten in Kombination mit dem Web spielerisch weiterzudenken.&#8221;</em></p>
<p>Auch in Sachen Redaktionsarbeit ist das Team konsequent: Die Konferenzen werden tagsüber in einem Livestream und im Hangout übertragen, wer will kann reinschauen und mitreden. Man stelle sich das einmal bei der Produktion einer Zeitung vor.</p>
<p>Am vergangenen Freitag beobachtete ich eine Probe im Hangout und es war durchaus spannend. So ein wenig war es noch ADD-Fernsehen, denn rein aus der Seitensicht, die man im Hangout hat, wirkte das Hin und Her zwischen Beiträgen, Moderatoren und Hangout ein wenig hektisch. Ob da jemand, der nur TV schaut noch weiß, was gerade passiert? Das wird maßgeblich von der Spontanität der Moderatoren abhängen. Deshalb bin ich mir nicht sicher, ob es tatsächlich eine gute Idee ist, diese in den vier Wochen, die sich die Rundshow austoben darf, wöchentlich zu wechseln: Nach dem geschätzten Daniel Fiene in der ersten Woche folgt Sascha Lobo und dann Sandra Rieß. Ob eine Woche reicht um sich einzuspielen?</p>
<p>Beantworten lässt sich das sicher nicht nach dem heutigen Abend. Dieses Format ist so neu, dass es sich erst einspielen muss. &#8220;Warum wir schon gewonnen haben&#8221;, steht über dem Blog-Artikel. Die Tatsache, dass es die Rundshow vier Wochen lang probieren darf ist tatsächlich zunächst ein Sieg. Doch kennen wir die Freundlichkeit der weitesten Teile deutscher Feuilleton- und Medienredakteure klassischer Medien gegenüber diesen Internet-Typen. Und so sind Hohn und Spott selbst bei kleinen Pannen garantiert. </p>
<p>Und deshalb ist mein Rat &#8211; machen Sie sich selbst ein Bild. Für mich ist dies das definitiv das interessanteste TV-Experiment des Jahres. Und deshalb: toitoitoi!</p>
<p><em>Disclosure: Ich kenne einige der Beteiligten des Projektes gut bis sehr gut. </em></p>


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<li><a href='http://www.indiskretionehrensache.de/2005/04/Britisches-Experiment/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Britisches Experiment'>Britisches Experiment</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Netzwert Reloaded LXXIV: Schweine im Welt-Web</title>
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		<pubDate>Thu, 10 May 2012 17:30:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Knüwer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[TweetIn der Serie “Netzwert Reloaded” verfolge ich jede Woche, was das Team von Handelsblatt Netzwert vor exakt 10 Jahren über das digitale Geschäft schrieb. Alle Netzwert-Reloaded Folgen finden Sie hier. Zu den größten, unerfüllten Hoffnungen der bunten, wilden Dotcom-Jahre zählt die Umkehr von Marktverhältnissen durch B2B-Handelsplattformen. In etlichen Industrien wurde davon gesprochen, dass ein transparenterer und [...]


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			<content:encoded><![CDATA[<div id="tweetbutton8777" class="tw_button" style="float:right;margin-left:10px;"><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fwww.indiskretionehrensache.de%2F2012%2F05%2Fnetzwert-schweine-auktion%2F&amp;text=Netzwert%20Reloaded%20LXXIV%3A%20Schweine%20im%20Welt-Web&amp;related=&amp;lang=en&amp;count=horizontal&amp;counturl=http%3A%2F%2Fwww.indiskretionehrensache.de%2F2012%2F05%2Fnetzwert-schweine-auktion%2F" class="twitter-share-button"  style="width:55px;height:22px;background:transparent url('http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/plugins/wp-tweet-button/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;">Tweet</a></div><p></p><p><em>In der Serie “Netzwert Reloaded” verfolge ich jede Woche, was das Team von Handelsblatt Netzwert vor exakt 10 Jahren über das digitale Geschäft schrieb. </em><em>Alle <a href="http://www.indiskretionehrensache.de/tag/netzwert/" target="_blank">Netzwert-Reloaded Folgen finden Sie hier.</a></em></p>
<p><a href="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/nw173.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-8781" title="nw1" src="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/nw173.jpg" alt="" width="300" height="400" /></a>Zu den größten, unerfüllten Hoffnungen der bunten, wilden Dotcom-Jahre zählt die Umkehr von Marktverhältnissen durch B2B-Handelsplattformen. In etlichen Industrien wurde davon gesprochen, dass ein transparenterer und schnellerer Markt eine bisher unterlegene Seite stärker machen oder eine bisher überlegene noch besser stellen könnte. Ja, das widerspricht sich, doch die alleinige Tatsache, dass im Handel zwischen Unternehmen digitale Marktplätze errichtet werden konnten, sorgte für eine gewisse Goldgräberstimmung.</p>
<p>Viele dieser Träume haben sich nicht erfüllt. Es gab zu viele dieser Marktplätze, eine große Zahl von ihnen wurde betriebswirtschaftliche nicht seriös betrieben und außerdem hakte es oft im Vertrieb: strukturkonservative Unternehmen begegneten der neuen Technik mit Skepsis.</p>
<p>Eine der ungewöhnlichsten Handelsplattformen entstand damals auf <a href="http://www.schweine.net/" target="_blank">Schweine.net</a>: Dort handelten Schweinezüchter und Schlachtbetriebe grunzendes Vieh, Freitags um 14 Uhr passierte dies in einer Auktion, an der heute die Beschreibung &#8220;realtime&#8221; hinge. Dies hätte die herrschende Schweine-Ökonomie aushebeln können: Denn die Preisfindung war höchst intransparent, noch dazu hatten sich viele Landwirte vertraglich an bestimmte Genossenschaften gebunden. Die Schweinebörse sollte das ändern. <del>Was aus ihr geworden ist? Detlef Breuer, der damalige Geschäftsführer des Auktions-Veranstalters ISN (Interessengemeinschaft der Schweinehalter) <a href="http://www.agrarheute.com/isn-335160" target="_blank">verließ diesen 2010</a> &#8211; die Börse selbst scheint nicht mehr zu existieren.</del> Zumindest existiert sie noch (danke für den Leserhinweis an Alexander S.).</p>
<p>Jene Netzwert-Titelgeschichte vom 8.4.02 war zugleich der Auftakt einer Zusammenarbeit mit der Deutschen Welle. Die berichtete in ihrer TV-Sendung &#8220;Made in Germany&#8221; über E-Business-Themen eine Zeit lang in Kooperation mit dem &#8220;Handelsblatt&#8221;. Für das Netzwert-Team war das eine Entlastung: Denn die DW-Autoren lieferten eben auch Texte für&#8217;s Gedruckte &#8211; und die waren oft richtig gut. Ganz nebenbei senkte das natürlich auch die Redaktionskosten.</p>
<p>Noch so eine Idee, die in Deutschland nie recht Fuß fasste: Online-Streitschlichtung. In den USA mit ihren vielen Rechtsstreitigkeiten und teuren Prozessen war die Idee des E-Judges entstanden: Plattformen warben pensionierte Richter und Staatsanwälte an, streitende Bürger akzeptierten diese als Ombudsleute und zahlten 50 bis 150 Dollar, der Richterspruch wurde nach digitaler Anhörung per E-Mail zugestellt. In Deutschland startete solch ein Dienst im Juli 2001 unter dem Namen &#8220;Just Fair&#8221;, das Bundeswirtschaftsministerium spendierte eine Förderung von 1,4 Mill. Euro &#8211; zusätzlich zur Angel-Finanzierungsrunde. Heute verweist die <a href="http://www.justfair.de/" target="_blank">Homepage</a> nur noch auf den zuständigen Liquidator.</p>
<p>Überlebt hat dagegen Keynote Systems. Die Kalifornier sind aber auch eine Demonstration, wie sehr sich die Zeiten geändert haben. Denn über ihr damaliges Angebot würden viele heute schmunzeln: Keynote überwachte die Leistungsstärke von Web-Seiten. Schwächelt die eines Kunden unter der Last der Anfragen, wurde ihm 2002 noch eine SMS oder eine E-Mail zugestellt. Dabei war Keynote einer der wenigen Anbieter zu jener Zeit, die jene Leistungsmessung von außen vornahmen und somit das tatsächliche Erlebnis der Nutzer überwachten.</p>
<p><a href="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/nw266.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-8782" title="nw2" src="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/nw266.jpg" alt="" width="500" height="375" /></a></p>
<p>Doch auch Keynote wackelte: 1999 war die Firma an die Börse gegangen, der Kurs war am Erstverkaufstag von 10 auf 27 und später auf 163,75 Dollar geschossen. Im April 2002 lag er dann bei 9,30 Dollar &#8211; und dem Unternehmen gingen die Bar-Reserven aus. <a href="http://www.keynote.com/" target="_blank">Doch Keynote hat überlebt</a>. Der Kurs liegt heute bei knapp über 15 Dollar, eine Dividende wird gezahlt, 4 von 5 Analysten empfehlen den Kauf. Es ist eine jener stillen Survival-Geschichten der Dotcom-Zeit.</p>


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		<title>Onlinejournalismus bei Zapp</title>
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		<pubDate>Thu, 10 May 2012 09:37:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Knüwer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[TweetIm Rahmen der re-publica interviewte das NDR-Medienmagazin Zapp eine Reihe von Menschen zum Stand des Online-Journalismus in Deutschland, darunter auch mich. Die Beitrag können Sie unter diesem Link sehen. Das vollständige Gespräch mit mir gibt es dann hier. Ebenfalls sehr sehenswert (gerade in Zeiten des Kampagnenjournalismus von Medien wie &#8220;Handelsblatt&#8221; oder &#8220;Die Zeit&#8221; in Sachen [...]


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			<content:encoded><![CDATA[<div id="tweetbutton8771" class="tw_button" style="float:right;margin-left:10px;"><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fwww.indiskretionehrensache.de%2F2012%2F05%2Fzapp%2F&amp;text=Onlinejournalismus%20bei%20Zapp&amp;related=&amp;lang=en&amp;count=horizontal&amp;counturl=http%3A%2F%2Fwww.indiskretionehrensache.de%2F2012%2F05%2Fzapp%2F" class="twitter-share-button"  style="width:55px;height:22px;background:transparent url('http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/plugins/wp-tweet-button/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;">Tweet</a></div><p></p><p>Im Rahmen der re-publica interviewte das NDR-Medienmagazin Zapp eine Reihe von Menschen zum Stand des Online-Journalismus in Deutschland, darunter auch mich. Die Beitrag können <a href="http://www.ndr.de/ratgeber/netzwelt/onlinejournalismus101.html" target="_blank">Sie unter diesem Link sehen</a>. Das vollständige Gespräch mit mir <a href="http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/media/knuewer101.html" target="_blank">gibt es dann hier</a>.</p>
<p><a href="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/zapp-logo.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-8773" title="zapp logo" src="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/zapp-logo.jpg" alt="" width="192" height="144" /></a>Ebenfalls sehr sehenswert (gerade in Zeiten des Kampagnenjournalismus von Medien wie &#8220;Handelsblatt&#8221; oder &#8220;Die Zeit&#8221; in Sachen Urheberrecht und Leistungsschutzrecht) ist der Beitrag über die ungerechtfertigten Serienabmahnungen der Nachrichtenagenturen AFP und DAPD, <a href="http://www.ndr.de/ratgeber/netzwelt/abmahnungen103.html" target="_blank">den Sie hier finden.</a></p>


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		<title>Das Orakel Neelie Kroes</title>
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		<pubDate>Mon, 07 May 2012 11:43:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Knüwer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<description><![CDATA[TweetZu den Vorträgen, die mich noch Tage nach der re-publica 2012 grüben lassen, gehört sicher der Auftritt von EU-Digital-Kommissarin Neelie Kroes. Warum? Weil ich immer noch nicht einordnen kann, ob dies ein hoffnungsvoller Anfang war &#8211; oder der Versuch, die Zuhörer über den Tisch zu ziehen. Definitiv war ihr Auftritt erheblich begriffssicherer als all das, [...]


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			<content:encoded><![CDATA[<div id="tweetbutton8761" class="tw_button" style="float:right;margin-left:10px;"><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fwww.indiskretionehrensache.de%2F2012%2F05%2Fneelie-kroes%2F&amp;text=Das%20Orakel%20Neelie%20Kroes&amp;related=&amp;lang=en&amp;count=horizontal&amp;counturl=http%3A%2F%2Fwww.indiskretionehrensache.de%2F2012%2F05%2Fneelie-kroes%2F" class="twitter-share-button"  style="width:55px;height:22px;background:transparent url('http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/plugins/wp-tweet-button/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;">Tweet</a></div><p></p><p>Zu den Vorträgen, die mich noch Tage nach der re-publica 2012 grüben lassen, gehört sicher der Auftritt von EU-Digital-Kommissarin Neelie Kroes. Warum? Weil ich immer noch nicht einordnen kann, ob dies ein hoffnungsvoller Anfang war &#8211; oder der Versuch, die Zuhörer über den Tisch zu ziehen.</p>
<p><a href="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/neelie-kroes.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-8762" title="neelie kroes" src="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/neelie-kroes.jpg" alt="" width="300" height="372" /></a>Definitiv war ihr Auftritt erheblich begriffssicherer als all das, was in diesen Tagen von deutschen Politikern jedweder Couleur kommt, ihre offene Ablehnung von Acta traf ins Herz der Re-Publicaner. Und natürlich machen unerwartet politisch unkorrekte Witze die Niederländerin ebenso sympathischer wie der mehrmalige Aufruf, ihr Hinweise zu geben, was im Netz los ist: &#8220;Give me food for thought&#8221; &#8211; das würde ich gern auch mal von heimischen Volksvertretern hören.</p>
<p>Allein: Sollen wir ihr glauben? Denn da ist noch die andere Seite. Das zu häufige Betonen der eigenen Ruppigkeit war einen Tick zu sehr Positionierung als Rambo im Auftrag der Netz-Freiheit. Oder die Sache mit der Netzneutralität: Die sei wichtig, sagte Kroes. Auf Nachfrage, was sie aber unter diesem Begriff versteht, wurde es problematisch: &#8220;Der freie Zugang zum Internet unter Anerkennung der Tatsache, dass Bandbreiten begrenzt sind.&#8221; Was zwischen den Zeilen wohl heißt: Wenn ein Zugangsanbieter dann Geld für eine schnellere Durchleitung von Daten verlangt, ist das akzeptabel. Die Kunden, glaubt Kroes, würden dann zu dem Anbieter wechseln, der den aus ihrer Sicht besten Service bietet. Diese Laissez-faire-Haltung aber funktioniert nur auf transparenten, funktionierenden Märkten. Doch das Feld der Online-Zugänge ist einerseits intransparent, andererseits ein Oligopol.</p>
<p>Noch radikaler denkt Kroes gar in Sachen Verwertungsgesellschaften wie der Gema: Die seien überkommen: &#8220;Es geht ihnen nicht darum, die Künstler zu schützen. Dieses System ergibt keinen Sinn mehr.&#8221; Und: &#8220;Copyright muss ausgefüllt werden &#8211; aber nicht mit Technologien, die 10 Jahre alt sind.&#8221; Das würden vielleicht nicht einmal die Piraten so deutlich sagen.</p>
<p>Diesen Zwiespalt in Sachen Neelie Kroes empfindet anscheinend auch Markus Beckedahl von der Digitalen Gesellschaft, <a href="http://www.berliner-zeitung.de/medien/kroes-und-beckedahl-auf-der-re-publica-eu-kommissarin---acta-ist-erledigt-,10809188,15146678.html" target="_blank">wie im Interview mit der &#8220;Berliner Zeitung&#8221;</a> zu spüren ist. Einerseits könnte da ein Politikerin sein, die innovationsoffen ist, die sich kundig machen will, die eine kompetente Ansprechpartnerin ist. Andererseits könnte es aber auch sein, dass sie nur eine höchst geschickte Selbstverkäuferin ist, die ahnt mit welchen Floskeln aktive Netzmenschen zu schanghaien sind.</p>
<p><a href="http://commentneelie.eu/speech.php?sp=SPEECH/12/326" target="_blank">Den gesamten Vortrag gibt es hier zum Mitkommentieren</a>.</p>


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		<title>Viva la re-publica!</title>
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		<pubDate>Fri, 04 May 2012 18:21:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Knüwer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[TweetDies ist eine Abbitte. An Tanja und Johny Haeusler, an Markus Beckedahl, Andreas Gebhard, Clemens Lerche und das gesamte Team der re-publica. Im vergangenen Jahr bat ich, nachdem bekannt war, dass die Konferenz ihr angestammtes Terretorium um Kalkscheune und Friedrichstadtpalast verlassen würde, doch um Gottes Willen nicht in die Station zu ziehen, den ehemaligen Post-Bahnhof [...]


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<li><a href='http://www.indiskretionehrensache.de/2011/04/re-publica-11-vorempfunden/' rel='bookmark' title='Permanent Link: Re-Publica 11 &#8211; vorempfunden'>Re-Publica 11 &#8211; vorempfunden</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="tweetbutton8737" class="tw_button" style="float:right;margin-left:10px;"><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fwww.indiskretionehrensache.de%2F2012%2F05%2Fviva-la-re-publica%2F&amp;text=Viva%20la%20re-publica%21&amp;related=&amp;lang=en&amp;count=horizontal&amp;counturl=http%3A%2F%2Fwww.indiskretionehrensache.de%2F2012%2F05%2Fviva-la-re-publica%2F" class="twitter-share-button"  style="width:55px;height:22px;background:transparent url('http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/plugins/wp-tweet-button/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;">Tweet</a></div><p></p><p>Dies ist eine Abbitte.</p>
<p>An Tanja und Johny Haeusler, an Markus Beckedahl, Andreas Gebhard, Clemens Lerche und das gesamte Team der <a href="http://re-publica.de/" target="_blank">re-publica</a>.</p>
<p><a href="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/rp1.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-8743" title="rp1" src="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/rp1-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Im vergangenen Jahr bat ich, <a href="http://www.indiskretionehrensache.de/2011/04/re-publica-11/" target="_blank">nachdem bekannt war, dass die Konferenz ihr angestammtes Terretorium um Kalkscheune und Friedrichstadtpalast verlassen würde</a>, doch um Gottes Willen nicht in die Station zu ziehen, den ehemaligen Post-Bahnhof am Gleisdreieck. Die Verlagerung dorthin hat für mich die Next, eine Konferenz, die auf einem tollen Weg war, <a href="http://www.indiskretionehrensache.de/2010/05/next10-no-game-no-change/" target="_blank">gekillt</a>.</p>
<p>Heute nun neige ich mein Haupt voll Scham und gestehe: Ich habe mich geirrt. Aber so was von: Die drei Tage der re-publica 2012 haben den einstigen Klassentreff der Blogger in eine neue Umlaufbahn geschossen.</p>
<p><a href="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/rp21.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-8749" title="rp2" src="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/rp21.jpg" alt="" width="500" height="375" /></a></p>
<p>Vor sechs Jahren <a href="http://www.indiskretionehrensache.de/2007/04/re-publica-07-faz/" target="_blank">begann alles mit ein paar hundert Leuten, </a>es war ein Klassentreffen der aktiven Blogger in der flauschigen Kalkscheune. Viele trafen sich im Frühjahr 2007 das erste Mal persönlich, es war ein Untersichsein.</p>
<p>Und heute? Ist die re-publica mit über 4.000 Teilnehmern eine der größten Konferenzen in Deutschland (egal welchen Themenfeldes). Welche Bedeutung sie erlangt hat, machte <a href="http://technosociology.org/" target="_blank">Zeynep Tufekci</a> klar: Viele arabische Blogger, sagte die Dozentin der Uni North Carolina, hätten sich 2009 in Berlin kennengelernt. Die große Zahl an Vorträgen zu Ägypten oder Syrien zeigte die gewachsene Internationalität der re-publica.</p>
<p>Doch nicht die schlichte Größe macht die rp12 zu einem Ereignis, an das wir uns noch lang erinnern werden. Es war die unaufgeregte, reibungslose Organisation, für die ich tiefen, tiefen Respekt vor dem Team habe. Zum Beispiel die durchdachte Art der Sponsorenpräsentation, die sich der Angst vieler Besucher vor zu viel Kommerzialisierung unterordnete. Oder die grandiose Idee, bunte Plastikstühle in der Mitte des zentralen Marktplatzes anzuhäufen, die jeder in die Räume tragen konnte – wer sitzen wollte konnte auch sitzen. Am Morgen des zweiten Tages waren sie komplett über das Gelände verteilt.</p>
<p><a href="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/rp6.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-8748" title="rp6" src="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/rp6.jpg" alt="" width="500" height="375" /></a></p>
<p>Und dabei war es voll. Echt voll. <span id="more-8737"></span>Um 11 Uhr am ersten Morgen moderierte ich ein Podium zum Startup-Standort Deutschland – und fünf Minuten vor dem Start überlegten die Stage-Manager, die Türen zu schließen. So ging es weiter: Selbst Themen, die eher randinteressig wirkten lockten große Mengen Besucher an, vom Foodblogging bis zur Präsentation der neuen Hilfe-Community der Deutschen Telekom.</p>
<p>Selten aber war es dann so gefüllt, dass kein Hineinkommen mehr möglich war. Und das unterschied die re-publica von ihrem Vorläufer 2011. Damals gab es reichlich Ärger, weil die kleinen Räume der Kalkscheune nicht einmal ansatzweise ausreichten.</p>
<p><a href="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/rp52.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-8750" title="rp5" src="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/rp52.jpg" alt="" width="500" height="375" /></a></p>
<p>Überhaupt: Es gab keinen Ärger. Nicht über die Fülle, nicht über massiv schlechte Vorträge, „ich sehe hier nur glückliche Menschen“, sagte jemand. Nicht einmal das nicht funktionierende Wlan konnte die übliche Lästerei-Folklore in Gang setzen.</p>
<p>Im Gegensatz zur Next wissen die re-publica-Macher das riesige Areal zu bespielen. Saal-Hopping war problemlos möglich, die hölzernen Affenfelsen in der Mitte wurden ebenso wie der Vorplatz ein Ort zum Treffen, Quatschen und auch Arbeiten. Bei keiner der 5 re-publicas zuvor habe ich so wenige Vorträge und Diskussionen gehört – und nie zuvor habe ich mit so vielen Menschen geredet. Und: Nie zuvor war ich so entspannt. Es stellte sich bei vielen ein wunderbarer re-publica-Flow ein.</p>
<p><a href="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/rp81.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-8754" title="rp8" src="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/rp81.jpg" alt="" width="500" height="375" /></a></p>
<p>Dies wurde unterstützt vom Fehlen eines Dreh- und Angelpunktes. Der Friedrichstadtpalast war eben immer der Ort, wo man hingehen konnte, wo immer etwas interessantes lief. In der Station gibt es diese Form von Magnet nicht. Aber er war auch nicht nötig, denn wenn man gerade nicht wusste wohin, traf man immer jemand in der Mitte. Natürlich war ein Faktor dabei die Abgelegenheit der Station. Drumherum ist halt nicht alles schlecht, aber man hat nichts. Keinen Italiener fürs Mittagessen, keine Bar zum Absacken &#8211; das hielt die Besucher beisammen.</p>
<p>Geändert hat sich auch die Haltung der klassischen Medien. In den ersten fünf Jahren brillierten sie durch trollartige Schimpfarien (<a href="http://www.indiskretionehrensache.de/2011/04/re-publica-11-vorempfunden/" target="_blank">vergangenes Jahr habe ich die Best-of mal zu einer Handreichung zusammengeschrieben</a>). Nun versuchen sie, die re-publica zum uninteressanten Alltag zu erklären. Weil das Netz Normalität sei, sei das Treffen in Berlin eben langweilig. Gleichzeitig nutzen die digitalen Renegaten die Tage in Berlin um sich Material zu sammeln &#8211; kaum einer der bekannteren Menschen im Netz, der nicht mindestens drei Interviews geben musste.</p>
<p>Was fehlte? Ein neuer Star. So wie Gunter Dueck oder Peter Kruse, die vor ihren re-publica-Auftritten eher unbekannt waren und von denen hinterher alle sprachen. Und auch Muss-ich-sehen-Namen waren rar gesät. Steffen Seibert vielleicht, der mit seinem Charme den vollen Saal 1 zuflauschte. Aber insgesamt mangelte es an großen Namen. Hier wäre dem Team auch mal Mut zur Ironie zu wünschen. Wie interessant hätte ein Frank-Elstner-Interview zu seinen Twitter-Versuchen werden können?</p>
<p>Was auch fehlte: die Piraten. Vielleicht hatten die Organisatoren Angst, zu sehr als Piraten-Kongress abgetan zu werden. Doch ehrlich gesagt: Angesichts der aktuellen Situation in Deutschland wäre ein Panel zu diesem Thema Pflicht gewesen, in dem die Piraten und ihre vielen Kritiker in Digitalien aufeinander treffen.</p>
<p><a href="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/rp4.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-8751" title="rp4" src="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/rp4.jpg" alt="" width="500" height="375" /></a></p>
<p>Und noch etwas: Es gibt noch immer Areale der Internet-Nutzung, die auf der re-publica nicht stattfinden. Die Youtuber, zum Beispiel, die beginnen den Webvideo-Preis in Düsseldorf als ihren Treff zu entdecken; die Modeblogger waren in diesem Jahr auch nicht aktiv; die Weinblogger und Autoblogger fehlten ebenfalls. In jedem dieser Felder findet eine interne Vernetzung statt. Doch es wird nur gelingen, Themen wie das gemeinsame Eintreten für Rechte oder Refinanzierungsmodelle auf die Schiene zu bekommen, wenn sich die Interessenvertreter auch untereinander besser verstehen. Die re-publica wäre eine ideale Plattform dafür.</p>
<p><a href="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/rp7.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-8755" title="rp7" src="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/rp7.jpg" alt="" width="500" height="375" /></a></p>
<p>Doch dies ist kritisieren auf hohem Niveau. Die rp12 hat einen neuen Maßstab gesetzt. Sie ist endgültig der Nummer-1-Treffpunkt des aktiven, digitalen Deutschlands. Und das Klassentreffen? Das wird sich Stück für Stück verlagern in den Abend. Google lud zum zweiten Mal zum Empfang, andere Unternehmen werden desgleichen tun &#8211; und natürlich gibt es eigene Initiativen, ein Geek-Steak-Dinner gibt es auch schon und vielleicht vergrößern wir unser Foodblogger-Gutessen auch weiter.</p>
<p>Ich glaube aber auch, dass mit dem Umzug in die Station ein massiver Wandel einsetzen wird, weg von der Idee einer Konferenz und hin zu einem Festival. Wir werden in den kommenden Jahren viel mehr Aktivitäten auf diesem zentralen Marktplatz und draußen vor der Tür erleben, die Amsterdamer Picnic dürfte das Vorbild sein.</p>
<p>Und ich wage die Prognose: In weniger als fünf Jahren wird die re-publica eine fünfstellige Besucherzahl haben. Ihr Weg hat gerade erst begonnen.</p>
<p>Tanja, Johnny, Markus, Andreas, Clemens – danke. Ihr hattet Recht, das nächste Bier geht auf mich.</p>


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		<title>How I met my Leistungsschutzrecht</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Apr 2012 12:26:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Knüwer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Leistungsschutzrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Tweet&#8220;Papa, erzähl uns, wie Du Mama getroffen hast!“ „Aber das ist eine echt lange Geschichte!“ „Egal! Erzähl!“ „Na gut, ihr habt es so gewollt&#8230; Also, Kinder, damals in 2012 sah die Welt wirklich anders aus. Das Internet war bei den meisten Menschen schon Alltag. Aber es gab so viele ungelöste Fragen, vor Gericht zum Beispiel. Denn [...]


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</ol>]]></description>
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<p>„Aber das ist eine echt lange Geschichte!“</p>
<p>„Egal! Erzähl!“</p>
<p>„Na gut, ihr habt es so gewollt&#8230; Also, Kinder, damals in 2012 sah die Welt wirklich anders aus. Das Internet war bei den meisten Menschen schon Alltag. Aber es gab so viele ungelöste Fragen, vor Gericht zum Beispiel. Denn damals durfte man nicht einfach alles so kopieren, wie ihr das heute macht.“</p>
<p>„Echt? Aber das ist doch erst 18 Jahre her&#8230;“</p>
<p><a href="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/himym.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-8727" title="himym" src="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/himym.jpg" alt="" width="500" height="365" /></a></p>
<p>„Siehst Du? Das ging alles so furchtbar schnell. Für ältere Menschen waren Zeitungen damals noch wichtig, sie hatten richtig Einfluss..“</p>
<p>„Papa, was ist Zeitung? AU!“</p>
<p>„Hast Du in Geschichte nicht aufgepasst? Dieses Papierzeugs! AU!“</p>
<p>„HÖRT AUF EUCH ZU KNEIFEN! Also die Zeitungen wurden von Unternehmen gemacht, die nannte man Verlage. Die machten zwar Sachen im Internet, aber sie waren nicht so richtig gut darin. Eben nicht so wie euer Onkel Lars. Und deshalb wollten sie ein Gesetz namens Leistungsschutzrecht durchdrücken. Das sollte dafür sorgen, dass die Verlage  was von den Werbeeinnahmen von Google abhaben.“</p>
<p>„Warum? Das ist doch moonig ungerecht!“</p>
<p>„Die Verlage taten so, als seien die kleinen Schnippsel bei den Google-Suchanfragen von ihnen geklaute Inhalte. Wie gesagt: Damals durfte man noch nicht alles so kopieren.“</p>
<p>„Was hat das mit Mama und dir zu tun?“</p>
<p>„Kommt gleich. Über Monate wurde über so ein Gesetz schon geredet und niemand dachte, dass es kommt. Dann aber gab es den Text des geplanten Gesetzes in einem Blog namens Netzpolitik zu lesen. Das machte der Markus Beckedahl.“</p>
<p>„Der Digital-Minister? Moon!“</p>
<p>„Ja, der war damals schon ziemlich fit. Als das raus kam, gab es einen riesigen Aufschrei. Ich war zu der Zeit Student an der Uni und hatte mein erstes Blog gestartet.“</p>
<p>„Und an der Uni hast Du Mama&#8230;“</p>
<p>„Nein, ich hab doch gesagt, es ist eine lange Geschichte! Wir haben damals alle Buttons für unsere Seiten gebastelt, „Nicht meine Pressefreiheit“ und so. Alle bekannten Blogger und Youtuber haben gegen dieses Gesetz geschrieben und argumentiert. Aber diese Verlage waren halt ziemlich verzweifelt.“</p>
<p>„Weil keiner ihr Papier wollte?“</p>
<p>„So in der Art. Zumindest immer weniger“</p>
<p>„Warum sollte man das auch haben wollen?“</p>
<p>„Das ist noch mal eine andere Sache. Auf jeden Fall gab es damals noch so Verbände, das waren Zusammenschlüsse von Unternehmen, die versuchten Politiker zu beeinflussen.“</p>
<p>„Wie die Mafia?“</p>
<p>„Jetzt&#8230; nicht ganz so. Also nicht mit Waffen und Beton an den Füßen, eher mit Worten. Und der Chef von dem Zeitungsverband, Heinen hieß der, sagte man lasse sich nicht einschüchtern und außerdem habe man doch auf die Kritik reagiert. Zum Beispiel dürften Blogger ja weiter zitieren und man dürfe auch weiter als kleines Unternehmen Sachen aus dem Internet ausdrucken.“</p>
<p>„Wie jetzt? Die wollten das Ausdrucken verbieten?“</p>
<p>„Sie wollten Geld dafür haben. Diese Äußerung sorgte dann über Wochen für Witzfutter. Der CDU/CSU-Innenminister Friedrich&#8230;“</p>
<p>„Was ist CDU/CSU?“<span id="more-8725"></span></p>
<p>„Das waren die Vorläufer der Konservativ Demokratischen Allianz&#8230;. Also der Friedrich sagte, die ganze Kritik sei die Tyrannei der Masse. Puh, das war auch nicht schön. Denn es klang so als sei er gegen die Demokratie. Kurz darauf gab es dann die ersten Demos.“</p>
<p>„Und da hast du Mama&#8230;.“</p>
<p>„Nein! Sie hat aber auch demonstriert. Und wir waren sogar auf den gleichen Märschen, wie wir später festgestellt haben. Ich war damals total verschossen in eine junge Politikerin namens Alina – aber ich hab sie nur von weitem angehimmelt. Ihr kennt sie vielleicht, die war gestern in der Web-Show von Philipp Riederle als Expertin für Netz-Psychologie&#8230;“</p>
<p>„Ach die? Kein Wunder, dass Du da keine&#8230;“</p>
<p>„Pass auf, was Du sagst, junger Mann! Eure Mutter ist ja zwei Jahre älter als ich. Damals hatte sie gerade ihren ersten Job und nicht so viel Zeit. Die Politiker und Verleger bekamen also plötzlich Angst. Denn die bekanntesten Youtuber hatten ihre Zuschauer aufgerufen, demonstrieren zu gehen. Und deshalb waren da unheimlich viele Jugendliche auf der Straße.“</p>
<p>„Warum habt ihr denn nicht einfach eine Liquid Petition gestartet und das ins Parlament gebracht?“</p>
<p>„Gabs damals alles noch nicht, Kinder. Also, nach zwei Wochen taten die Politiker dann so, als würden sie etwas ändern. Dieses Leistungsschutzrecht wurde minimal abgeschwächt – aber letztlich ging es immer noch gegen Google. Außerdem hatten die Politiker Angst vor der Piratenpartei – das waren die, aus denen später die Die Liberale wurde.“</p>
<p>„Wieso hatten die Angst? Das sind doch Politiker wie die anderen auch – alles lahme Säcke.“</p>
<p><a href="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/deutschlandtrend.png"><img class="alignnone size-full wp-image-8729" title="deutschlandtrend" src="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/deutschlandtrend.png" alt="" width="500" height="424" /></a></p>
<p>„Damals nicht. Die waren halt schon irgendwie merkwürdig und unorganisiert – aber sie waren ehrlich. Und das unterschied sie von den anderen Parteien. Mit einem Mal gab es Prognosen, die ihnen 10 Prozent bei der Bundestagswahl vorhersagten, da brach das Zittern bei den anderen Parteien aus. Und deshalb beschlossen sie das Leistungsschutzrecht. Ärger gab es auch, weil das in der letzten Sitzung vor der Parlaments-Sommerpause passierte, irgendwann so gegen 23 Uhr. Da waren viele Abgeordnete schon gar nicht mehr da.“</p>
<p>„Aber was hat das mit diesen Piraten zu tun? Und warum sind die nicht bei dem Namen geblieben? Der ist doch knall moonig.“</p>
<p>„Der klang auf Dauer etwas unseriös. Na ja, die Verlage versuchten mit der Politik so zu tun als sei das Internet vor allem was Kriminelles und Merkwürdiges. Am liebsten hätten sie es wohl verboten.“</p>
<p>„Moonig.“</p>
<p>„Jissa. Fünf Minuten nach dem Beschluss brach der Lanz los. Es gab jede Menge Hack-Attacken auf die Homepages des Bundestags, der Parteien und des Axel-Springer Verlages. Der hatte das Thema besonders getrieben, damals war dieser Christoph Keese da am Werk&#8230;“</p>
<p>„Der von der FDP?“</p>
<p>„Genau. Die war ja so um 2018 pleite und nachdem Springer ihn feuerte, hat er die neu gegründet. Immerhin hat er ihren Stimmanteil auf 3 Prozent gesteigert – reden kann er ja.“</p>
<p>„Aber wo ist denn nun Mama?“</p>
<p>„Der ging es damals nicht gut. Ihr Arbeitgeber entließ Leute, aber sie war ja ohnehin so mies bezahlt, dass es sich nicht gelohnt hätte sie zu feuern. Sie musste immer mehr arbeiten und eigentlich wollte sie ja gute Arbeit machen – aber unter diesen Umständen&#8230; Doch wir kannten uns ja noch gar nicht. Damals nämlich war sie noch mit eurem Onkel Gronkh zusammen.“</p>
<p>„Stell Dir vor &#8211; Gronkh als unser Vater! Das wäre soooo coool!“</p>
<p>„Da habt ihr wohl Pech gehabt. Wieviel werdet ihr am Tag der Eröffnung meines Testaments sehen. Also, damals in 2013 sorgten diese Hack-Attacken dafür, dass die Partei-Seiten über Wochen nicht erreichbar waren. Die Seiten von Springer waren nur nen halben Tag weg, die hatten eine bessere Technik. Vor allem eine unseriöse Seite namens Bild.de wackelte nur kurz, genauso Welt.de &#8211; das ist die, die später Johnny Haeusler gekauft hat, als Springer sich auflöste. Am Tag nachdem das Leistungsschutzrecht beschlossen worden war gab es ein Droh-Video von Anonymous. Das war so ein lose Verbindung von Hackern. Und die kündigten an, alle Verlage zu attackieren. Das Video tauchte bei 4Chan auf, das war ne ziemlich wilde Seite auf der vor allem Jugendliche mit Hack-Wissen waren. Und die reagierten auf den Aufruf&#8230;“</p>
<p>„Und was passierte?“</p>
<p>„Innerhalb einer Woche wurde jede Verlags-Homepage in Deutschland attackiert. Und ich sagte ja schon: Diese Unternehmen waren ja nicht so gut im Internet. Da hat es einigen alles zerschossen. Und Anonymous ersetzte dann die Inhalte mit dem Satz ,Challenge Accepted’ – das war aus einer Fernsehserie&#8230;</p>
<p>„Ach, die in 2D, die Oma immer guckt&#8230; irgendwas mit Mother.“</p>
<p>„Genau. Es gab Zeitungen, die danach nie wieder eine Internet-Seite gestartet haben.“</p>
<p>„Lanz, echt lanz.“</p>
<p>„Doch so richtig gut war das eben auch nicht. Denn natürlich war das Hacking gegen das Gesetz. Und außerdem nutzte das vor allem die CDU, die war damals an der Macht, um neue Gesetze zur Überwachung des Internets zu fordern. Das wollten damals ziemlich viele, unter anderem gab es so ein Handelsabkommen namens Acta, durch das Online-Anbieter – die waren damals noch nicht staatlich – jede E-Mail und jedes Datenpaket hätten kontrollieren müssen.“</p>
<p>„Wie jetzt? Online-Anbieter?“</p>
<p>„Das war damals noch so ein richtiger Markt. Es gab die Telekom und 1&amp;1 und&#8230; ich weiß schon nicht mehr, wie die hießen. So um 2023 stellte man aber fest, dass die Preise absprachen und Daten von Firmen schneller durchleiteten, wenn die dafür zahlten. Diese Firmen bekamen eine riesige Bestechungsklage an den Hals, Youtube musste irgendwie so was um die hundert Millionen zahlen. Und der Staat enteignete eben die ganzen Netzbesitzer und zahlte ihnen Entschädigungen. Dann gründete er die Deutsche Netz AG, die der Udo Vetter jetzt leitet.“</p>
<p>„Aber was ist denn mit Mama?“</p>
<p>„Der ging es immer dreckiger. Sie saß nur noch im Büro, kam kaum raus und musste nach der Pfeife ihrer Chefs ganz oben tanzen. Ich hab doch gesagt: Es ist eine echt lange Geschichte. Denn als die Regierung diesem Acta-Abkommen zustimmen wollte, ging ja die nächste Welle los. Vielleicht habt ihr im Geschichtsunterricht vom Bloody Monday gehört&#8230;“</p>
<p>&#8220;Diese Demo in Berlin&#8230;“</p>
<p>„Die geriet völlig außer Kontrolle. Das war im Herbst 2013. Totales Chaos&#8230; Die Veranstalter und die Polizei hatten nicht mit so viel Beteiligung gerechnet, es waren über hunderttausend Leute. Die Polizei machte die Straßen immer enger, es wurde gedrängelt, es wurde aggressiv, irgendwann fing die Polizei an, Leute rauszugreifen und das wollten dann die anderen Demonstranten nicht, es flogen Steine, dann kam Tränengas&#8230; schlimm. Fünf Menschen starben damals, darunter drei Teenager.“</p>
<p><a href="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/istock-demo-polizei-tränengas.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-8731" title="istock demo polizei tränengas" src="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/istock-demo-polizei-tränengas.jpg" alt="" width="500" height="335" /></a></p>
<p>„Weil sie demonstrierten?“</p>
<p>„Genau. Und das zwei Wochen vor der Bundestagswahl. Dann ging die Sache so richtig ab. Die ganzen alten Medien schrieben nur von gewalttätigen Demonstranten. Aber natürlich gab es Videos die zeigten, wie aggressiv die Polizei war. Die haben wir Jüngeren dann unseren Eltern und Großeltern gezeigt, sehr viele indem sie die Links auf der Facebook-Wall der Eltern posteten. Viele der Eltern waren ja auf Facebook um zu gucken, was wir Sprösslinge da so trieben. Spätestens jetzt wollten sie dann mal darüber reden, wie das alles so zusammenhängt, das Urheberrecht und so. Ich hab damals mit eurer Oma auch lang geredet. Danach war sie so sauer auf die Verlage, dass sie ihre Zeitung, die hieß „Hannoversche Allgemeine“ gekündigt hat – und sie nie wieder in die Hand genommen hat.“</p>
<p>„Moonig! Hätte nicht gedacht, dass sie so revoluzzerisch drauf war&#8230;“</p>
<p>„War sie auch gar nicht. Aber ihr war das Internet ja auch wichtig geworden. Über Facebook bekam sie ja von meinem Leben und von dem eurer Tante Melanie viel mehr mit, als wenn wir nur telefoniert hätten. 2013 war dann ja Wahl. Und die Piraten sollten so um die 10% kriegen. Doch hatten die ihre Anhänger dazu aufgerufen, nicht bei Meinungsumfragen mitzumachen. Diesen Wahlabend werde ich nie vergessen. Je mehr Stimmen ausgezählt waren, desto mehr Prozente bekamen die Piraten. An dem Wochenende war auch der Webvideo-Award von eurem Onkel Markus. Und der hatte für den Sonntag noch eine Wahlparty organisiert, über 200 Leute waren geblieben. Mit jeder neuen Zahl wurde der Jubel lauter, am Ende hatten die Piraten 16 Prozent. Weil aber CDU und SPD je 25 bekamen, bildeten sie eine große Koalition unter der Führung von Angela Merkel.“</p>
<p>„Wo war Mama da?“</p>
<p>„Sie war im Krankenhaus. Damals hatte sie ihren ersten Hörsturz&#8230; Schlimm.“</p>
<p>„Geht das noch lang?“</p>
<p>„Kinder, ich hab gesagt, dass es eine lange Geschichte ist&#8230; Damals begann so ein komische, unruhige Zeit. Wegen dieses Leistungsschutzrechtes stellte Google seinen Nachrichtendienst ein. Das ließ die Zugriffszahlen der Zeitungsseiten nach unten krachen. Die meisten wollten jetzt ihre Artikel nur noch verkaufen, das hat aber nie richtig funktioniert. Google klagte also mit den Verbänden der IT-Industrie vor dem Bundesverfassungsgericht gegen das Leistungsschutzrecht. Die Verlage klagten gegen Google, weil das Abschalten des Newsdienstes ein Machtmissbrauch von Google gewesen sein soll.“</p>
<p>„Wie jetzt? Die wollten doch nicht, dass Google überhaupt da war&#8230;“</p>
<p>„Und nun merkten sie, dass Google ihnen eigentlich Leser gebracht hatte. Aber solche Prozesse dauern echt lang, zwei Jahre lang sich das hin. In der Zwischenzeit hatten sich viele Blogger zusammengetan und verlinkten keine Nachrichtenseiten mehr. Wenn sie die zitierten dann machten sie sie lächerlich. Welt.de zum Beispiel hieß ,Axels Kampfschrift&#8217; und die Rheinische Post, die war in Düsseldorf, nannten sie ,Dorfpostille&#8217;. Es entstanden jede Menge Blogs, die nur Fehler von Zeitungen nachrecherchierten – das war super unterhaltsam. Aber bei Teenagern stellte man fest, dass die überhaupt nichts mehr glaubten, was in Zeitungen stand oder im Fernsehen kam. Sympathischer wurden die Verlage auch nicht, als sie anfingen, kleine Blogs mit ein paar Anzeigen wegen des Leistungsschutzrechtes abzumahnen. Damals gründete dann der Udo Vetter auch seine Initiative zur Sicherung der Publikation im Internet.“</p>
<p>„Du schweifst echt ab&#8230;“</p>
<p>„Nein. Denn die Folge von alle dem war, dass viele wichtige Themen untergingen. Die Verlage versteckten die ja jetzt hinter Bezahlschranken im Netz – aber es zahlte keiner. Oder man sollte Zeitungen kaufen – machte auch keiner mehr. Und dazu gab es täglich mehrere Shitstorms zu Fehlrecherchen. Das war eine andere Zeit. Auch eure Mutter hat es mal getroffen als sie nen Fehler machte, da bekam sie einen Nervenzusammenbruch.“</p>
<p>„Das war, als sie im Krankenhaus war?“</p>
<p>„Genau. Sie lag sie in einem Zimmer mit eurer Tante Julia, mit der ich damals zusammen war.“</p>
<p>„Und so habt Ihr Euch kennengelernt?“</p>
<p>„Nein. Ich war damals auf Jobsuche und hatte zu viele Vorstellungsgespräche. Das hat sie mir auch übel genommen, kurz danach war Schluss. Na gut, also damals, 2014, merkten die Verlage, wie sie immer weniger Bedeutung hatten. Selbst wichtige Themen, die in Zeitungen standen, wurden einfach ignoriert. Niemand verlinkte auch noch auf ihre Seiten, so dass die auch immer weniger lasen. Also, die paar Seiten, die noch frei zugänglich waren. Das machte das Google-Ranking noch schlechter. Die Verlage aber glaubten, daran sei Google schuld – und eröffneten eine weitere Klage.“</p>
<p>„Sonst fiel ihnen nichts ein?“</p>
<p>„Nein. War in den 15 Jahren davor ja auch nicht der Fall gewesen. Viele Verlage erlebten aber das Ende dieser Prozesse gar nicht mehr. Allein 2014 wurden über 15 von ihnen verkauft, Axel Springer, die WAZ oder DuMont – die Namen müsst ihr alle nicht mehr kennen – kauften alles, was nicht schnell genug auf dem Baum war. Das konnten sie oft nur mit Bankkrediten. Sie hatten dann soviele Schulden, dass sie ein paar Jahre später in Konkurs gingen. Andere Zeitungen wurden von heute auf morgen eingestellt, darunter wirklich bekannte wie die „Frankfurter Rundschau“. All die Verlagsmitarbeiter und Journalisten landeten dann auf der Straße.“</p>
<p>„Das klingt echt wild&#8230;“</p>
<p>„War es so aber nicht. Es war mehr so ein dauerndes Gegrummel, das viele Menschen außerhalb der Verlagsbranche gar nicht mitbekamen – denn sie lasen ja deren Blätter nicht mehr. Stattdessen schoss Rivva nach oben.“</p>
<p>„Das Unternehmen von Onkel Holger?“</p>
<p>„Genau. Der war damals gerade freier Journalist nachdem sein Arbeitgeber, ein Magazin namens ,Focus&#8217; Ende 2014 eingestellt worden war. Erst später wurde er dann CEO von Rivva. Eigentlich war das ein automatisierter Dienst. Aber BMW gab das Geld um eine Redaktion aufzubauen. Und die schrieb aus vielen Nachrichtenquellen Artikel zusammen.“</p>
<p>&#8220;War das damals denn nicht verboten?“</p>
<p>„Na ja. Sie machten das geschickt und schrieben jedes Wort um. Aus Ablehnung der Zeitungen schrieben sie immer von ,wie in Zeitungen zu lesen ist’. Den Verlagen war das natürlich ein Dorn im Auge – und sie klagten. Aber sie verloren ziemlich schnell nachdem Rivva eine lange Liste von Zeitungsartikeln vorlegte, die ,wie im Internet zu sehen ist’ oder ,Blogs schreiben’ als Quelle nannte.“</p>
<p>„Moonig!“</p>
<p>„Das war damals echt schräg, was da ablief. Rivva wurde jedenfalls immer größer, weil es Artikel nicht auf mehrere Seiten verteilte und auch nur eine Anzeige pro Artikel zeigte. Anfang 2015 hat Rivva erstmals Gewinne gemacht. Und das löste eine Welle von neuen Blogs aus, gerade im lokalen Bereich. Zu der Zeit hab ich dann auch unser Stadtblog gegründet&#8230;“</p>
<p>„Unser?“</p>
<p>„Kinder, irgendwann gehört Euch das mal. So wie Johnny Haeusler seinen Kindern die Anteile an der re:publica übergeben hat &#8211; und ihr könnte euch vorstellen, dass so ein weltweites Netz von Konferenzen ein gutes Geschäft ist. Ihr werdet vielleicht mal unser Blog-Netz übernehme &#8211; also, wenn ihr nicht ständig eure Zeit mit diesen Dronenflug-Wettbewerben vertut&#8230;“</p>
<p>„Wann triffst du denn endlich Mama?“</p>
<p>„Bin gleich da. Das Zeitungssterben lief dann immer schneller. Denn auch die Anzeigenkunden merkten ja, was los war. Zudem erreichten sie über gedruckte Anzeigen nicht mehr so viele Menschen. Zum anderen liefen bei jeder schlechten Nachricht über sie, also auch Entlassungen oder Produktfehlschläge, Leute auf ihren Facebook-Profilen auf mit so Sprüchen wie ,Wer noch in Zeitungen wirbt muss ja sterben’. So in der Art halt. Wann immer so jemand so etwas postete, bekam er sofort Likes und Zustimmung. Deshalb zogen sich immer mehr Unternehmen aus der Print-Werbung zurück.“</p>
<p>„Mama war das Stichwort&#8230;“</p>
<p>„Gleich. 2016 kippte dann die Große Koalition. Bei den Neuwahlen Anfang 2017 wurden dann die Grünen und die Piraten gewählt. So richtig funktioniert hat das nicht, aber es war zumindest unterhaltsamer. Und Kanzlerin Borchert hielt Internet-Unternehmen und Blogs und so den Rücken frei. Die Prozesse verloren die Verlage dann Stück für Stück, die meisten hörten auf, Zeitungen und überhaupt Journalismus zu machen. Gut war das nicht, denn fünf, sechs Jahre lang waren die Nachrichten von ARD und ZDF noch das beste, was man so bekommen konnte – und die hatten nach dem Werbeverbot ja auch weniger Geld. 2021 wurde dann die letzte Tageszeitung eingestellt, es war die ,Frankfurter Allgemeine’.“</p>
<p>&#8220;PAPA!“</p>
<p>„Da hat ja eure Mutter als Redakteurin gearbeitet&#8230;“</p>
<p>„ENDLICH!“</p>
<p>„Als die Zeitung dichtmachte bin ich sofort nach Frankfurt um da einen Ableger unseres Blogs zu starten. Nachdem ich mir den ganzen Tag Büros angesehen habe, stand ich völlig platt am Main. Dann hörte ich ein Schluchzen und sah diese wunderschöne Frau am Geländer lehnen&#8230;</p>
<p>„Das war Mama!“</p>
<p>„Genau. Ich fragte, was los sei. Und sie erzählte mir, dass sie an dem Tag ihren Job losgeworden sei. Und dass sie nichts neues finden würde, denn sie habe halt nur Zeitungsjournalistin gelernt und nie etwas mit dem Internet gemacht habe. Jetzt könne sie sich wohl auf den Steinbrück VII-Satz einrichten. Ich nahm sie in den Arm, sagte ihr dass alles gut würde und dann sind wir etwas trinken gegangen. Und so habe ich eure Mutter getroffen.&#8221;</p>


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		<title>Draw Something: Lernen von den Montagsmalern</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Apr 2012 17:08:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Knüwer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Casual Gaming]]></category>
		<category><![CDATA[Draw Something]]></category>
		<category><![CDATA[Marketing]]></category>
		<category><![CDATA[OMGPop]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<div id="tweetbutton8711" class="tw_button" style="float:right;margin-left:10px;"><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fwww.indiskretionehrensache.de%2F2012%2F04%2Fdraw-something%2F&amp;text=Draw%20Something%3A%20Lernen%20von%20den%20Montagsmalern&amp;related=&amp;lang=en&amp;count=horizontal&amp;counturl=http%3A%2F%2Fwww.indiskretionehrensache.de%2F2012%2F04%2Fdraw-something%2F" class="twitter-share-button"  style="width:55px;height:22px;background:transparent url('http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/plugins/wp-tweet-button/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;">Tweet</a></div><p></p><p>„Montagsmaler“.</p>
<p>Das klingt so süß, so frankelstner und so siggihareiß.</p>
<p>Weshalb vielleicht mancher vor einigen Wochen die Meldungen nicht weiter beachtet hat über den<a href="http://www.taz.de/!91041/" target="_blank"> Kauf des Spieleproduzenten OMGPop durch den weitaus größeren Rivalen Zynga für 180 Millionen Dollar.</a> Was ist solch eine Summe schon verglichen mit einem 100 Mrd.-Börsengang von Facebook? Und dann noch dieses Spiel, das OMGPop so begehrt gemacht hat: „<a href="http://itunes.apple.com/de/app/draw-something-by-omgpop/id488627858?mt=8" target="_blank">Draw Something</a>“ – welch läppischer Titel und welch profanes Konzept, ein simples Montagsmaler-Duell.</p>
<p><a href="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/draw-something.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-8720" title="draw something" src="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/draw-something.jpg" alt="" width="300" height="400" /></a>Tatsächlich aber ist Draw Something ein fabelhaftes Lehrstück für all jene Marketing-Verantwortlichen die mit ihren billigen Autorennspielen oder „Gib Deinen Freunden einen Kuss“ bestenfalls lauwarme Resonanz erzeugen. Solche Spiele sind ja durchaus beliebt: Viele Entscheider sehen große Nutzerzahlen, bekommen Einladungen von Freunden zu Farmville oder Mafia Wars und schließlich legt ihnen der Assistent vielleicht noch <a href="http://www.emarketer.com/Article.aspx?R=1007537" target="_blank">Analysen zu Casual Gaming</a>, wie dieses Feld heißt, die zeigen, dass entspanntes Nebenbei-Spielen in weiten Teilen der Bevölkerung ein beliebter Zeitvertreib ist – bei Männern wie Frauen.</p>
<p>Draw Something ist auch so ein Casual Game. Eines mit einem Start wie keine Mobile App zuvor: 50 Millionen Downloads in 50 Tagen, 3000 Zeichnungen pro Sekunde – ein neuer Maßstab.<span id="more-8711"></span> „Wir glauben, es ist nicht nur das am schnellsten wachsende Handy-Spiel aller Zeiten&#8230; sondern auch eine der am schnellsten wachsenden Web-Sensationen, die wir je gesehen haben“, sagte Zynga in einem Statement beim Kauf. <a href="http://www.businessinsider.com/chart-of-the-day-words-with-friends-2012-3" target="_blank">Die täglichen aktiven Nutzer sind seit dem Kauf zwar anscheinend nach unten gegangen,</a> die monatlichen aber steigen weiter – wenn auch ein Übergang in ein exponenzielles Wachstum, also den Hockeystick, derzeit nicht erkennbar ist.</p>
<p>Für die zwei bis vier Menschen, die es noch nicht gespielt haben: Der Spieler sucht per E-Mail oder Facebook einen Gegner; dann wählt er aus drei vorgegebenen Begriffen einen und malt ihn (Spielverderber schreiben ihn einfach hin – ein homöopathisch zu nennender Spaß). Nimmt der Freund die Herausforderung an sieht er nicht das Bild sondern das Malen im Verlauf. Er sieht auch, wie viele Buchstaben das gesuchte Wort hat und bekommt eine begrenzte Zahl Buchstaben zur Auswahl. Hat der den Begriff richtig geraten bekommen beide je nach Schwierigkeitsgrad ein bis drei Punkte. Nächste Runde: nun malt der andere.</p>
<p>Was Draw Something auszeichnet ist die Erkenntnis, dass ein Spiel so leicht sein muss, dass selbst intelligente Toastbrote den Einstieg finden und vielfältig genug damit Vielspieler dabei bleiben. Dies erreicht Draw Something über die Begriffsauswahl. Selbst ein gut trainierter Pawlowscher Hund könnte „Cry“ zeichnen oder erraten. Bei &#8220;uppercut&#8221; wird’s schon schwerer. Stück für Stück scheint OMGPop die Herausforderung zu steigern, immer mehr Personen aus Zeitgeschehen und Popkultur tauchen auf: Kobe (Briant) zum Beispiel oder auch Kardashian.</p>
<p>Auch die Begrenzung der möglichen Worte durch vorgegebene Buchstaben hält Gelegenheitsspieler bei der Stange. Selbst wenn die Zeichnung des Freundes ein absurdes Gekritzel ist bildet der Versucht aus den Lettern ein vernünftiges Wort zu bilden den sekundären Reiz von Draw Something – ein Spiel im Spiel.</p>
<p>Der nächste wichtige Faktor ist das Gefühl des Echtzeit-Spielens. Die beiden Kontrahenten müssen nicht gleichzeitig online sein. Doch gibt ihnen das Spiel dabei zu sein in dem Moment, da der andere malt oder rät. Denn wir sehen eine Aufzeichnung der beiden Prozesse, sehen weggeworfene Bilder und falsch eingetippte Buchstaben, wir sind dabei.</p>
<p>Dann die errungenen Punkte. Sie lassen sich in zusätzliche Farben eintauschen, was man auch früh will – denn Grün wird nicht mitgeliefert, oder sie können eingesetzt werden um die vorgeschlagenen Begriffe durch andere zu ersetzen oder die Zahl der Buchstaben zum Lösen verringern.</p>
<p>Über all dem aber schwebt die Kreativität. Hier geht es nicht darum, aus vorgegebenen Bausteinen eine Farm zu bauen oder nur einen Gegner kurz zu schlagen. Die Möglichkeit, sich auch zeichnerisch zu verbessern hebt Draw Something vom Gros der Casual Games ab. Wer ein wenig dabei ist lernt von anderen, er wird mutiger und – tatsächlich – wird man immer besser.</p>
<p>Draw Something ist auf so vielen Ebenen gelungen, dass es unheimlich ist. Ich bin sicher, dass wir bald Nachahmer sehen werden, nicht nur im Bereich des Malens sondern genauso in Feldern wie Musik.</p>
<p>Man darf Draw Something schon ein wenig genial finden. Gut zu wissen, dass OMGPop zuvor fast nur Flops geliefert hat und fast schon pleite war. Und auch das ist eine der Lehren, die wir aus Draw Something ziehen können: Es ist sauschwer gute Casual Games zu entwickeln. Das mögen sich dann die Marketingverantwortlichen und Online-Agenturen in die Moleskines schreiben und bedenken wenn sie das 32.362. Autorennspiel mit hakeliger Steuerung auf Facebook starten, dass dann von 47 Menschen (darunter 32 Mitarbeiter) gespielt wird.</p>
<p>&nbsp;</p>


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		<title>Was die Initiative Urheberrecht will?</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Apr 2012 16:32:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Knüwer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Initiative Urheberrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Leistungsschutzrecht]]></category>
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<p><a href="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/initiative-urheberrecht.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-8714" title="initiative urheberrecht" src="http://www.indiskretionehrensache.de/wp-content/uploads/initiative-urheberrecht.jpg" alt="" width="500" height="295" /></a></p>
<p>(via <a href="http://twitter.com/#!/sixtus/status/195539202451054593" target="_blank">@sixtus</a>)</p>


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