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Vier Beobachtungen des gestrigen Tages im Herzen von Düsseldorf:

Im Taxi: Ungefragt erzählt der Fahrer, was ihn jüngst erzürnt hat. Ein Fahrgast habe einen Handschuh auf der Rückbank vergessen. Die Fahrt war über MyTaxi gebucht, also konnte er die Passagierin auf dem Handy erreichen. Danach jedoch gab es einen „Anschiss“ von MyTaxi – aufgrund der DSGVO habe er den Fahrgast nicht deshalb anrufen dürfen. Der Fahrer schimpft auf MyTaxi und die EU.

In der U-Bahn: Zwei Herren meines Alters, sie reden über jenes Schild der Metzgerei Walter, das sich über die DSGVO lustig macht.

Es fallen abfällige Worte über die EU.

Beim Optiker: An der Wand hängt ein Din A4-großes Schreiben, „Datenschutzgrundverordnung“ steht am Anfang. So viel Text steht darauf, dass die Schriftgröße klein ist und jeden Sehtest schlagen dürfte. Ob das nötig sei, wisse er nicht, sagt der Optiker. Aber innerhalb der Branche habe man dazu geraten. Eine ältere Kundin hört das, findet, so was lese doch keiner, schimpft auf die EU.

Am Abend: Eine Hausverwalterin erzählt. Ihr Beruf bewege sich wegen der DSGVO in einer Grauzone. Denn es gehöre ja explizit zu ihrem Beruf, Adressen weiterzugeben, zum Beispiel an Handwerker oder Heizungsableser. Ob dies nun so erlaubt sei, wäre vollkommen offen. Eigentlich müsste sie sich wohl bei jedem Kurzschluss vom Mieter die schriftliche Erlaubnis geben lassen, dessen Adresse an einen spezifischen Handwerker weiterzugeben. Das sei aber kaum möglich, denn sie müsste ja erst Angebote einholen und trotzdem schnell sein, Mieter aber seien teilweise über Tage nicht erreichbar nach einer Störungsmeldung. Das mit den Angeboten sei auch so ein Problem. Wenn sie mehrere Handwerker mit dem gleichen Text um einen Kostenvoranschlag bitte, könnte das schon als Massenanschreiben gelten. Dieses aber dürfe sie nicht an die Wohnadresse des Handwerkers schicken. Doch woher soll sie wissen, ob Privatwohnung und Firma sich – was häufig der Fall ist – im selben Haus befinden? Sie schimpft auf die EU.

All dies ist anekdotisch. Doch zumindest hier in Düsseldorf höre ich beim Reinlauschen in Gespräche bemerkenswert oft diesen Ärger über die Datenschutzgrundverordnung und ihren Erdenker, die Europäische Union. Niemals aber höre ich auch nur annähernd etwas wie Zustimmung, vielmehr im sanfteren Fall bitteren Witz und im schlimmeren wütende Tiraden auf die europäische Politik.

Könnte sein, dass die gesellschaftlichen Implikationen der DSGVO erheblich unterschätzt wurden? Ich frage mich, ob – besser: ich fürchte, dass – die DSGVO im Zusammenspiel mit dem EuGH-Urteil in Sachen Facebook-Pages und der im kommenden Jahr anstehenden E-Privacy-Verordnung zwei Dinge auslösen wird:

  1. Die Menschen beginnen, Datenschutz als Übel wahrzunehmen, der ihr Leben behindert.
  2. Die EU wird als Grund dieses Übels identifziert.
  3. Deshalb steigt die Ablehnung der EU.

Es klingt marktschreierisch, wenn für diese Entwicklung das Wort „Hass“ zu wählen. Ich halte diese Vokabel in ihrer Drastik aber nicht für komplett falsch, fielen einige der von mir mitgehörten Äußerungen doch durchaus in den Bereich hassartiger Formulierungen.

Ich fürchte, die Politik hat sich vielleicht eines gar nicht bewusst gemacht, dass die DSGVO eine Art weißer Elefant der Gesetzgebung ist: der seltene Fall eines Gesetzes, das ad-hoc eine unmittelbare Merkbarkeit im Alltag von Menschen und Wirtschaft entwickelt.

Nur einige Beispiele dafür: Jugendliche werden von Social Web-Plattformen geworfen, Läden hängen komische Sachen auf, ganz normale Dienstleistungen können nicht mehr erbracht werden, Blogs gehen offline, massenhafte E-Mails weisen auf neue Datenschutzbedingungen hin, Selbständige fühlen sich drangsaliert, Unternehmen bekommen Digitalprojekte nicht mehr umgesetzt, weil Rechts- und IT-Abteilung seit Monaten blockiert sind.

Ja, es reicht sogar bis in die Untiefen des Preußen Münster-Fanforums bei Westlin.de hinein (einer Tochter des Münsteraner Aschendorff-Verlags). Dort findet sich unter dem Hinweis der Redaktion auf die neuen Datenschutzbedingungen dies hier:

Und über all das reden die Menschen, übertreiben, untertreiben, kommentieren, sharen, verwandeln es in Memes. Dabei geht es darum, ob der Optiker etwas aufhängen muss und die Verwalterin weiter walten kann – es geht allein um die Wahrnehmung von Menschen, die nicht zu den Vieliminternetmachern oder zur Datenschutzfilterblase gehören. Und von denen sind offensichtlich viele sauer.

Mir fällt gerade kein Gesetz ein, dass eine solche Wirkung hat. Eine neue Steuer ist einmal im Jahr sichtbar, die berühmte Gurkenkrümmungsvorschrift gar nicht. Allein ein Diesel-Fahrverbot aufgrund der Feinstaubbelastung hätte eine vergleichbare, unmittelbare Wirkung – doch diese Fahrverbote werden seit langem diskutiert und dürften somit psychologisch besser vorbereitet sein.

Einschub: Die Befürworter der DSGVO weisen darauf hin, dass zwei Jahre Zeit waren, sich vorzubereiten. Das ist nur für Rechtspuristen richtig. Zum einen wurde der Text noch kurz vor Inkrafttreten in beachtenswerten Details verändert. Zum anderen bedeutet eine Verschärfung der Strafen eine gefühlte Rechtsänderung bei allen Nicht-Juristen. Und schließlich fand eine mediale Wahrnehmung des Themas erst sehr spät statt. Ironischerweise waren anscheinend auch Bundesministerien und sogar Landesdatenschützer nur unzureichend auf die DSGVO vorbereitet. 

Was die DSGVO den Menschen dagegen nicht bietet: einen direkt spürbaren Nutzen.

Die DSGVO: hohe Kosten – kein Gewinn

Ihre Daten sollen besser geschützt sein, doch wie sollen sie das mitbekommen?

Recht auf Vergessen – interessiert nur wenige, noch weniger Menschen werden es nutzen.

Aktualisierte Datenschutzbedingungen? Liest man genauso intensiv wie AGB, also gar nicht. Warum sollte man auch?

Retargeting soll verschwinden, also Onlinewerbung, die einem Produkte immer wieder anzeigt, die man einmal betrachtet hat (viele Menschen finden das unheimlich – aber trotzdem funktioniert Retargeting). Nur wieviele normale Bürger werden in diesen Tagen jubeln, dass sie diese Werbung nicht mehr sehen? Sehr wenige, weil es niemand außerhalb der Digitalinteressierten auffällt, wenn diese Werbeform verschwindet.

Sprich: Die DSGVO bringt Wirtschaft und Verbrauchern viele tatsächliche und gefühlte (nicht-monetäre) Kosten – aber keinen gleichsam fühlbaren Zugewinn.

Wer darüber mit Datenschutzverfechtern diskutiert, erlebt eine bemerkenswerte Negierung jedweder gesellschaftlicher Folgen. Das konnte ich in den vergangenen Tagen auf Twitter erleben. Kundige Menschen, die ich sehr schätze, entwickeln in diesen Tagen eine Debattenkultur, die sie in anderen Feldern brandmarken würden. Zum Beispiel wird eine Unterscheidung zwischen rechtlicher Sicht der Experten und gefühlter Realität der Bürger weggewischt. Wer nicht kapiere, wie gut die DSGVO sei, der sei halt nicht genug aufgeklärt hieß es. Gern wurde betont, dass man selbst die DSGVO-Möglichkeiten (zum Beispiel das Herunterladen der gespeicherten Daten) ganz toll fände. Ob der nicht mit Datenschutz oder Digitalthemen befasste Bürger sich auch dafür begeistert (was ich nicht glaube), scheint nicht von Interesse.

Eine vergleichbare Haltung konnte ich bei Jan Philipp Albrechts Gespräch mit Sascha Lobo im Rahmen von dessen Podcast ausmachen. Albrecht ist als Europaabgeordneter der Grünen einer der Väter der DSGVO. Die Debatte zwischen den beiden enthält zahlreiche, bemerkenswerte Momente. Zum Beispiel wenn Albrecht praktisch zum Rechtsbruch aufruft: Die Bürger sollten ruhig bleiben, denn die Datenschützer hätten doch ohnehin nicht genug Kapazitäten zur Kontrolle. Würde Albrecht auch zum Schnellfahren raten, da die Polizei nicht genug Radargeräte hat? Ständig mäandert er zwischen: „Es hat sich doch nichts geändert“ über „Das hat sich jetzt geändert“ bis zu „Jetzt müssen große Konzerne alles ändern“. Fehler, übrigens, gibt es in der DSGVO nicht, sie sind auch nicht vorgesehen – das lässt die Unfehlbarkeitsdoktrin der katholischen Kirche wie ein Stück Wackelpudding wirken.

Und wie wäre es zu beurteilen, wenn ein CDU-Europaabgeordneter mehrfach in einem Interview betonen würde, dass ein neues Gesetz einem bestimmten Lobbyisten der Autoindustrie nun Klagen gegen Umweltbehörden erleichtert würde? Ich ahne mal, das käme so mittelgut an und würde dessen Reputation in der Kategorie Unabhängigkeit schaden. Albrecht aber darf sich gleich mehrfach im Lobo-Podcast über die Klagen des Datenschutzlobbyisten Max Schremms freuen.

Hier gibt es die Debatte zum Nachhören:


Mich erinnert die Argumentation meiner Twitter-Diskutanten und auch von Albrecht an die Brexit-Gegner in Großbritannien im Vorfeld der Abstimmung. Ihnen habe es mangelte es an Kraft zur Vorstellung gemangelt, klagten hinterher viele, dass Menschen, die sich nur oberflächlich mit einem Thema befassen – und praktisch alle Menschen befassen sich nur oberflächlich mit den allermeisten Politikthemen – eine andere Realität fühlen, als sie selbst.

Am Ende warf man der Pro-EU-Kampagne Arroganz vor und gab ihr die Schuld am Abstimmungsverhalten der Briten.


Kommentare


xwolf 7. Juni 2018 um 21:57

Zu den drei oben genannten Punkten hab ich heute in einem Gespräch mit eGov-Mitarbeitern einer größeren Kommune noch einen weiteren Punkt feststellen können:
Es steigt der Verdruss gegenüber Datenschützer selbst. Denn diese (in diesem Fall sogar das Landesamt für Datenschutz) haben zum Teil bis heute noch keine Informationen zur Umsetzung versandt, geben keine Hilfestellung und keinen konstruktiven Rat.
Hilfe, zum Beispiel in Form von Datenschutzgeneratoren, findet man nur auf den Webseiten engagierter Juristen.

Wenn dann dieselben Datenschützer aber dafür Zeit haben, Konferenzen zu halten und markige Forderungen nach dem EuGH-Urteile aufzustellen, gleichzeitig behaupten, alle anderen hätten ja genug Zeit gehabt, ist das einfach nur unverschämt.

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Gerald 15. September 2018 um 10:05

Ist ja auch kein Wunder. Es gab ja damals auch viele die angefeindet wurden, weil sie das Gesetz einen Judenstern tragen zu müssen, durchsetzten. Wer jegliche Verantwortung ablegt, weil er sich des Rückhaltes durch eine wie auch immer agierende Regierung gewiss sein kann, wird stellvertretend für diese Regierung eben angefeindet. Finde ich im Gegensatz zu den Gesetzestexten der DSGVO, auch völlig verständlich.

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Tim 8. Juni 2018 um 8:32

Die DSGVO ist ja nur Teil eines umfassenden Trends in (fast) der gesamten westlichen Welt: der zunehmenden Verrechtlichung des ganzen Lebens. Eliten schreiben den Bürgern vor, wie die Welt zu sein hat.

Die Reaktion darauf als „Hass“ zu beschreiben, finde ich gut beobachtet.

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Rebecca 8. Juni 2018 um 8:43

Ich finde folgenden Blick auf die Misere bemerkenswert: vor welchem Hintergrund die Betroffenen agieren. Ich erlebe das gerade sehr intensiv live, da ich 3 Kanzleien mit unterschiedlichen Hintergründen beschäftige, mich durch den DSGVO Dschungel zu führen.

Zwei Hintergründe finde ich beachtenswert:

Da gibt es die Datenschutz-Kanzleien, deren Geschätszweck es ist, mit Datenschutz Geld zu machen. Aus dieser Richtung kommt der Tenor:“stellen sie alles ein, nur dann sind sie konform“. Hier wird mir vor allem Angst gemacht.

Dann gibt es die Unternehmensrechts-Kanzleien, die mit der Beratung von Unternehmen Geld machen. Hier kommen Lösungsansätze wie „setzen sie es unter diesen Bedingungen um“ und ich bekomme zumindest das Gefühl, dass meine Sorgen gelindert werden sollen.

Ich bin tatsächlich zutiefst entsetzt über dieses Gesetz und dessen Fahrlässigkeit. Es ist eindeutig, dass diese Rechtssprechung keinerlei Lösungen dafür vorsieht, wenn negative Auswirkungen auf das Leben der Menschen entstehen. Eine Folge aus der Anwendung der DSGVO ist aus meiner Sicht der Verlust von drei Momenten: der Meinungsfreiheit, die Zensur von kritischer Berichterstattung und die Zugangsbeschränkung auf Informationen. Und da liegt das Problem! Auf der einen Seiten will man Systeme regulieren, in denen diese 3 Punkte nicht eingeschränkt sein sollen. Regierungen wollen Facebook & Co. regulieren. Versuchen es über Geheimdienstgesetze an deren Daten zu kommen und scheinen irgendwie nicht zufrieden mit dem Ergebnis zu sein. Dann wird ein Gesetz erlassen, was das Erheben von Daten erschweren soll. Frei nach dem Motto, wenn wir die Daten nicht bekommen, dann dürft ihr sie auch nicht erheben.

Praktisch jeder Aspekt des Gesetzes ist zudem ad absurdum geführt, da jeglicher Datenverkehr gründsätzlich gegen den Sinn der DSGVO missbraucht wird. Dadurch, dass Geheimdienste an Einwahlknoten die Daten abfangen und Provider Daten ihrer Kunden speichern.

Ganz persönlich gesprochen, fühle ich mich verschaukelt. Es fällt mir schwer, die Verantwortlichen wie Albrecht ernst zu nehmen. Sie haben einseitig auf die Problematik geguckt und es vollständig versäumt, auf die Lebensrealität der Menschen einzugehen. Sie sind sogar soweit gegangen, die Menschen vor etwas zu schützen, was sie nicht als Bedrohung empfinden. Und nun im Gegenteil etwas installiert, was den Menschen schadet.

Das fürchterliche an der ganzen Misere ist, dass uns das noch Schlimmere noch beborsteht: das Upload-Filter Gesetz. Wenn Inhalte bspw. auf Urheberrechtsverstöße gefiltert werden sollen. Dann sind uns Menschen auch die Momente genommen, gehört werden zu können.

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Kiki 8. Juni 2018 um 8:58

Das deckt sich sehr mit meinen Beobachtungen zum Thema und zur Arroganz ganz besonders des genannten ‚Vaters‘ dieser Katastrophe.
Was komplett außen vor bleibt: Der Datenschutz, für den wir in den 80ern z.B. gegen die Volkszählung auf die Straße gegangen sind, war ein geforderter Abwehrmechanismus gegenüber dem Staat. Heute hat der Staat mehr oder weniger unbemerkt und v. A. ohne nennenswerte Gegenwehr der breiten Masse den Datenschutz der Bürger komplett ausgehebelt, der Scheinwerfer liegt aber auf Facebook und Google. Absurdes Theater ist das alles, mehr nicht. Und ja, ein Bärendienst an der EU, die wahrlich nicht perfekt ist, aber uns Jahrzehnte Frieden gebracht hat.

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Falk D. 8. Juni 2018 um 10:00

Wie hat die EU das geschafft, mit den Jahrzehnten Frieden? Ich meine, da es die EU erst seit 1992 gibt können es ja maximal 2,5 Jahrzehnte sein.

Jedoch fehlt mir an diesem Argument der Außenblick. Denn EU Staaten haben sich sehr wohl an Kriegen oder kriegerischen Handlungen, bzw. zu unprovozierten Angriffen auf souveräne Staaten beteiligt. In sofern fände ich nach nunmehr sieben Auslandseinsätzen mit der Waffe Deine Definition von Frieden sehr spannend.

Für den Frieden der europäischen Staaten untereinander hat sogar der Brüsseler Pakt und die Montanunion gereicht. Dafür hat es kein gesetzgebendes Bürokratenparadies gebraucht.

Der Frust an der EU bricht sich jetzt nur breitere Bahn. Vorhanden war er schon lange. Die Normung auf die kleinen Bananen aus den ehemaligen französischen Kolonien war noch zu EG-Zeiten m.E. der Anfang bei normalen Menschen.

Als Fachmann kann ich sagen, dass RoHS, also die Richtlinie, die Blei, Cadmium und Quecksilber in Geräten verbieten soll, elektrische Geräte weniger haltbar macht und solange Zinn verwendet wird, es keinen Sinn macht auf Blei zu verzichten.
Aber auch dort sind erstaunliche Lücken hineinlobbyiert worden.

Die EU-Ökodesignrichtlinie, die mit den am schwächsten durch eine Lobby geschützten Herstellern konventioneller Glühlampen als erstes ein einfaches Opfer wählte, war ungefähr der Tropfen, der bei vielen das Fass überlaufen ließ.

Damals gab es keinen brauchbaren Ersatz und wir kämpfen immer noch mit dem Quecksilber in dem Hausmüll aus den „Energiesparlampen“, deren CO2 Fußabdruck leider größer war als der von Glühlampen.

Haarföne, Wasserkocher, Staubsauger, Rasenmäher – bei den Wasserkochern, deren Wirkungsgrad fast bei 100% liegt und lag sprang mir persönlich der Draht aus der Mütze.

Am 14.9. tritt die EU-Waffenverordnung in Kraft und es ist wieder ein unhandliches Monster und dürfte jede Menge Richterrecht schaffen. Im Grunde bekommen wir nun das Kreuzprodukt aller Verbote in der EU.

Die Rechtsunsicherheit mit der Anscheinskriegswaffe ist wieder da, bei der eine Waffe nicht durch ihre Nutzung, sondern ihr Aussehen zu einem Gegenstand mit Besitz- und Umgangsverbot werden kann.

Besitz von Teilen, die man bis 1972 im Neckermann-Katalog bestellen konnte, ist nun mit Mindesthaftstrafen belegt und es betrifft durchaus auch einige Küchenmesser. Das mehrschüssige Seenotsignalgerät auf dem Boot sollte also beim Wiedereinreisen besser über Bord fallen.

Das ist nur *ein* Beispiel. Im Grunde sind die chilling effects von EU-Gesetzgebungen immer störender. Die Ökodesignrichtlinie hat bislang zu keiner Energie-Einsparung geführt.

Die Einweg-Plastik-Verordnung geht das größte Problem von Mikro-Partikeln aus Poly-Ethin in Kosmetika und Waschprodukten erstaunlich deutlich nicht an. Stattdessen wird mit Plastikmüll in den Meeren argumentiert, der zu 75% allein aus Xangtse und Ganges entstammt.
Aber es kommt nun eine Verordnung, die uns bei >94% Recyclingquote von Kunststoffen nun weniger haltbare Einwegartikel bringt, die also nicht nutzbar sind, wenn man sie braucht oder ungenutzt entsorgt werden müssen.

Sollte es also eine ernstgemeinte Kampagne für einen Dexit geben, hätte ich endlich mal wieder einen Grund zu einer Wahl zu gehen.

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Luna1987 14. Juni 2018 um 13:39

@Falk D. – gibt es Dich auf Facebook/Twitter/VK? Ich würde Dir unheimlich gerne folgen 🙂

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Keen 19. Juni 2018 um 0:06

Warte… Das heist das dem Teamspiel Airsoft (Nehme oft an Mil-Sim Spielen Teil) damit Europaweit ein Riegel vorgelegt werden kann? Da wir dort nunmal oft Lizensierte Produkte nutzen und einige teure Sammlerobjekte mit echten Waffenteilen der Originalwaffen gebaut werden… (Am berühmtesten dürfte Vimpel sein da es Original Waffen sind die mit einem 6mm Gassystem ausgerüstet werden.)

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ClaudiaBerlin 8. Juni 2018 um 9:17

Die Weiterungen sind noch viel drastischer, insbesondere für die vielen Unternehmen, die mittlerweile auf Werbung im Netz angewiesen sind.

Wenn bald überall komplexe Einverständniserklärungen angeklickt werden müssen, wird der Trend zu den Mega-Playern noch verstärkt: EINMAL bei Amazon einloggen und abnicken reicht, um auf die Angebote zigtausender Shops zuzugreifen- surfe ich dagegen von Shop zu Shop, ist der Nervgrad ständiger PopUps sehr viel höher!

Werbung wird es immer geben. Dass sie im Netz dank Profiling und Tracking „zielgenau“ geworden ist, ist im Grund ein Segen – wer will denn ernsthaft zurück in die Zeiten der Gießkannenwerbung? Diese können sich auch nur die Großen leisten, kleine und mittelständische Betriebe und Anbieter konnten nur deshalb mithalten, weil sie ihr Werbebudget zielgenau einsetzen konnten. Wenn das nun dank #DSGVO und Privacy-VO wegfällt, geht das nicht mehr.

Bzw. die einzige Möglichkeit, doch noch genaue Zielgruppen anzusprechen, wird Facebook sein – auch ein Imperium, in dem man mit wenig Klicks die Datenarie abhaken kann und dann seine Ruhe hat.

Ja, ich habe früher auch oft darüber gelästert, im Netz „verfolgt“ zu werden – aber seit ich mich intensiver damit und den Folgen eines Verbots befasse, hat sich meine Meinung geändert. Datenschutz sollte sich darauf beschränken, den Missbrauch von Daten zu verhindern, nicht deren sinnvolle Nutzung.

Niemand erleidet einen Schaden, wenn „passende“ Werbung angezeigt wird. Der „Gruselfaktor“ verdankt sich dem Misstrauen, was sonst noch alles womöglich mit den Daten passiert. Hier hätten die Regierenden und zuständigen Institutionen ansetzen müssen und durch geeignete Maßnahmen und Prozesse Vertrauen schaffen.

Derzeit versuchen einige deutsche Big Player, ein gemeinsames Login einzuführen, um Amazon et al etwas entgegen zu setzen – leider wieder ganz ohne Beteiligung der Politik, also gibt es gleich wieder konkurrierende Systeme und die Kleinen haben eh das Nachsehen.

Statt dessen ein „offenes Login“, dem jeder Anbieter, der die Voraussetzungen erfüllt, beitreten kann – das wäre vielleicht eine machbare Lösung. Kombiniert mit einem Zertifizierungsprozess für alle Teilnehmer, der die Daten verwendung prüft und quasi ANSTATT aller User hinschaut und garantiert, dass damit nicht Schindluder getrieben, sondern ausschließlich zielgenaue Werbung geschaltet wird.

Alles in allem geb ich dem Autor Recht: viel Schaden, kaum ein Nutzen!

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nk 8. Juni 2018 um 10:20

„Niemand erleidet einen Schaden, wenn „passende“ Werbung angezeigt wird.“

Sorry, aber das ist ja wohl eine ultrasteile These. Davon ganz ab, dass Profilbildung eben auch auf andere Weise genutzt werden kann (vom Weiterverkauf an Versicherungen bis zur erzwungenen staatlicher Verfolgung): Was personalisierte Werbung mit uns macht, ist doch noch gar nicht hinreichend erforscht. Von Psychose, Verfolgungswahn, Gruppendruck, Depression scheint mir da alles möglich zu sein. Und wir stehen erst ganz am Anfang: Es kommt Push-Werbung, Identitätswerbung im öffentlichen Raum, das Eindringen in unsere Wohnzimmer über IoT und die Alexas dieser Welt – jeder dämliche Pulsmesser wird irgendwann Teil der Werbewirtschaft sein. Ich sehe es nicht ein, als Eremit und Technikverweigerer meine Zukunft bestreiten zu müssen. Das Fass läuft schon längst über, wir wissen es nur noch nicht.

Wie wärs denn, wenn Unternehmen den Verbraucher als mündigen Bürger betrachten würden. Ein zufriedener Kunde kommt wieder hieß es mal. Wenn jetzt das Argument Konkurrenz und Wachstumsnotwendigkeit ist: prima, dann geht doch dieses Thema an. Aber auf dem richtigen Weg, nicht darüber, die Zitrone auszuquetschen, die Eure Produkte kaufen soll.

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nk 8. Juni 2018 um 10:27

PS: Passende Werbung ist doch sowieso eine Legende, die auf die wenigsten Unternehmen zutrifft. Schau ich mir die Geschäftswelt an, wird oft genug nicht mal analysiert, wer überhaupt die anzusprechende Kundengruppe ist. Statt dessen gibt es Dauerfeuer auf allen Kanälen. Kleiner Tipp: Demnächst startet die WM. Mal darauf achten, was für absurde Blüten die Werbung wieder treiben wird, die sich auf dieses Event beziehen. Plötzlich hat jedes Produkt Fußballbezug, es werden uns wieder „WM-Rabatte“ u.ä. „Kampagnen“ links und rechts um die Ohren gehauen. Von gezielter intelligenter (weil analysebasierter) Werbung keine Spur. KAUFEN! KAUFEN! KAUFEN UND SPAREN! So in etwa lässt sich Werbung in weiten Teilen zusammenfassen.

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ClaudiaBerlin 8. Juni 2018 um 11:04

@nk:
„, dass Profilbildung eben auch auf andere Weise genutzt werden kann “ – und genau DAS sollte ein durchgesetzter Datenschutz mit entsprechenden Maßnahmen (z.B. Zertifizierung, Monitoring…) verhindern! Du meinst, die Wirkung zielgerichteter Werbung sei nicht erforscht und vermutest deshalb mal so ins Blaue, dass es zu „Psychose, Verfolgungswahn, Gruppendruck, Depression“ kommen könne, wenn ich z.B. anschließend an eine Suche nach „Eisenpfanne“ entsprechende Angebote angezeigt bekomme statt „irgendwas“, was die breite Masse potenziell interessiert?

So kann man doch nicht im Ernst argumentieren! Ich bekomme auch keine Pushwerbung, denn die müsste ich ja irgendwo akzeptieren, wenn sie mir angeboten wird. Mache ich nie, also kommt auch nix. Es dringt auch niemand in mein Wohnzimmer ein, Alexa et al muss man sich aktiv kaufen!

Offenbar siehst du dich als „Technikverweigerer“, wenn du das NICHT tust, weil du nicht willst, dass dir Alexa die üblichen Profil-gestützten Amazon-Features anbietet – genau die aber sind es doch, die für viele Kunden das „Einkaufserlebnis“ dort reizvoll machen (ich kenne Alexa et al nicht aus eigener Erfahrung und nehme nur an, dass sie „irgendwie“ die Möglichkeiten ihres Datenfundus rüber bringen). Gäbe es eine Nachfrage nach simplen Interfaces ohne jede Verbindung zu Big Data – ja wären die nicht längst auf dem Markt?

Pulsmesser und dergleichen gibts übrigens auch ohne jede Netzverbindung. Man muss also kein Technikverweigerer sein, um sowas zu nutzen.

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nk 9. Juni 2018 um 12:06

Wenn DU mal die bequeme Ich-Position verlässt und ein paar Meter über den Tellerrand guckst, wirst Du merken, dass die Etablierung solcher Technik ein schleichender Prozess ist. Die Genration(en) nach uns sind längst mit bestimmten Techniken vertraut, gehen völlig selbstverständlich mit neuen Gerätetypen um und kaufen diese auch weniger kritisch. Zudem durchdringt IoT zunehmend unsere Haushalte, nur weil es (noch) Fitnesstracker etc. ohne Netzanbindung gibt und Haushalte ohne Smartmeter, ist das keine Garantie dass das zukünftig so bleibt und damit auch kein Argument, hier unbekümmert auf gestern zu verweisen. Marktentwicklung und gesetzliche Vorgaben könne uns hier sehr schnell überholen.

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Michael 8. Juni 2018 um 9:50

Auch wenn 60-Jährige auf Geburtstagen gern mit Smartphones herumspielen, sind die meisten Mitmenschen – auch Geschäftsführer und Journalisten – tief im Analogen verwurzelt. Frühjahrsputz im Schlafzimmer ist ok, aber auf dem Computer wird gern der Mief vergangener Jahre mitgeschleppt. Kontaktdaten aus 2005 sind keine Seltenheit – auch in Firmendatenbanken.
Nein, in der digitalen Welt sind Daten ein zentraler Bestandteil unseres Lebens. Wir sollten uns kümmern und der Staat muss uns dabei durch Regulierung unterstützen. Danke Jan Philipp Albrecht.

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nk 8. Juni 2018 um 10:05

Hm, wieder ein Beitrag, der zur Aufklärung des Verbrauchers hätte diesen können, was für Vorteile er aus der DSGVO ziehen kann. Statt dessen wird wieder die aktuelle EU-Gurkenverordnung-Grundgrummelhaltung unterfüttert, die vor allem von Menschen perpetuiert wird, die „ihre Bildung aus dem Fernsehen“ haben, wo auch nur das Stöhnen der darbenden Konzerne, dass alles so kompliziert sei, beleuchtet wird. Seit einer Woche in Kraft, noch nirgendwo umgesetzt und alle fragen nur „was hat mir das jetzt gebracht?“ Ich kann diese maulige, ungeduldige und stets undankbare Gesellschaft nicht verstehen. Bisschen wie der Sketch beim Leben des Brian (was haben die Römer je für uns getan?), nur nicht so lustig.

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Thomas Diehl 8. Juni 2018 um 14:16

Na da bin ich jetzt aber mal gespannt, was denn die Vorteile sind. Die einzige sichtbare Änderung ist bisher, dass die Cookie-Zustimmungsflächen jetzt belästigend groß geworden sind. Ja, ich bin im Internet, da gibt es Cookie, das muss mir nicht jede Website einzeln sagen.
Die Konzerne stöhnen übrigens nicht, die bewältigen das aus der kleinen Tasche. Es sind die Kleinunternehmer, die Blogger und Selbstständigen, die Nebenverdiener und Gründer, die jetzt vor einem finanziellen und/oder bürokratischen Aufwand stehen (von Rechtsunsicherheit ganz zu schweigen), den sie nicht bewältigen können. Und für was? Damit mir wieder Tamponwerbung angezeigt wird! Nein, was freu ich mich!

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nk 9. Juni 2018 um 12:30

Personalisierte Werbung kann ein Anbieter auch anders anbieten, indem er z.B. einen transparenten Werbeservice anbietet, bei dem ich auswähle, was ich (nicht) sehen will. Das kommt dann auch mit dem Pferdefuß eines Personenprofils, aber es war eine bewusste aktive Entscheidung von mir und ich kann abwägen, ob mir mein Ärger über Tamponwerbung (?) das wert ist.
Was die Blogger und KMUs anbelangt: Ohne das Faß jetzt zu weit aufzumachen: Jahrelang haben die Leute TM gedacht, für Ihr Online-Business reicht es, ein WordPress aufzusetzen und nie wieder anzufassen. Wenn irgendwas war, wurde das nächste Plugin installiert. Dass CMS komplexe Systeme sind und in Hinsicht auf Datensicherheit eine permanente tehnische Betreuung brauchen, fällt jetzt vielen auf die Füße. Datenschutz und Systemsicherheit sind unsichtbare Prozesse: Es läuft so lange alles gut (ohne irgendwas darin investieren zu müssen), bis der Unfall kommt (oder eben die gesetzliche Vorgabe). Dann darüber stöhnen, dass man sich jahrlang nicht damit befasst hat, finde ich schon einigermaßen anmaßend. Wenn ich ein Auto durch den öffentlichen Raum bewegen will, muss ich auch einen Führerschein machen, der mich Zeit, Aufwand und Geld kostet. Und bei nem Unfall habe ich auch bürokratischen Aufwand. Beim TÜV habe ich die technische Funktion des Autos prüfen zu lassen und in der Werkstatt oder mit eigenem Fachwissen müssen Defakte kostenpflichtig repariert werden. Dafür profitiere ich von Individualmobilität und andere i.d.R. davon, im öffentlichen Raum von mir nicht totgefahren zu werden. In freudiger Erwartung auf das Argument, dass es hier ja um Leib und Leben geht.. DONE.

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Thomas Diehl 10. Juni 2018 um 9:35

Da ich mangels Bedarf nie einen Führerschein gemacht habe, kann ich die Argumentation jetzt so gar nicht nachvollziehen. Letztes Mal, als ich nachgeschaut habe, war Autofahren anders als freie Meinungsäusserung auch noch kein Grundrecht.
Ich sage es mal so: In meinem Blog habe ich „Hausrecht“. Wer da hinkommt, hat sich dazu bewusst entschieden. Und wer sich auf ein Blog begibt, hat davon auszugehen, dass bestimmte Daten ausgetauscht werden, denn so funktioniert das Internet halt. Was ein einzelner Blog hat sind aber auch komplett wertlose Daten, deren nicht vorhandenes Missbrauchsrisiko in keiner Weise die Anforderungen des Datenschutzes rechtfertigt. „Jemand hat von einem Rechner aus, der IP XYZ trägt meine Site besucht und Artikel A und B gelesen“ ist weder ein persönliches Datum (was weiss ich, welche Person vor dem Computer mit der IP gesessen hat), noch kann es für irgendetwas missbraucht werden.
Das einzige, wozu diese Daten gebraucht werden können ist, diesen Personen passende Inhalte (Webrung oder redaktionell) einzuspielen und das sehe ich für alle Seiten als vorteilhaft an.
Aber wie wäre es mal damit, auf die Frage einzugehen: Also, was genau sind denn jetzt die tollen Errungenschaften der DSGVO? Auser, dass ich als Endverbraucher jetzt öfter mit Einverständniserklärungen für jeden Mist belästigt werde.

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Caroline 19. Juni 2018 um 8:51

Richtig, genau darum scheint es ja zu gehen. Es ist doch offensichtlich, dass die ganze Aktion nichts als eine große Farce ist. In Anbetracht dessen, dass wir alle durchsichtiger als ein Glas sind, und daran wird sich auch nichts ändern. Was für eine grandiose Pro-Forma Aktion, und alle lassen sich auch noch Angst machen. Ich finde es nur lächerlich.
Ich stoße bereits auf Websiten, die beim umswitchen von Webseite zu Webseite jedesmal das gleich Kästchen zum akzeptieren anzeigen – ich glaube, das macht kein Besucher lange mit. ((-:

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Philip 8. Juni 2018 um 11:47

Nun wird das Thema Datenschutz endlich einmal breit diskutiert, die Datenweitergabe reguliert. Mit Erstaunen musste ich feststellen, dass tumblr meine Daten mit 322 anderen Unternehmen und Diensten teilt oder dass der Facebook-Messenger unnötigerweise mein komplettes Telefonbuch ausliest. Eine gesetzliche Regelung war hier überfällig.

Argumentieren die Politiker betriebsblind und schulmeisterlich? Auf jeden Fall. Ist die Debatte ein bisschen hysterisch und das Datenschutz- und EU-bashing unfair? Schon auch.

Es ist schade, wenn am Schluss der Effekt übrig bleibt, dass man sich auf jeder Webseite entweder einloggen muss und ständig blind auf ein OK klickt. Es ist Zeit- und Geldvernichtung, alle Blogs im Netz mit den redundanten Auszügen der DSGVO zu ergänzen. In keinem anderen Land in Europa machen sich Seitenbetreiber so einen Kopf wie in Deutschland, das mag daran liegen, dass es nur hier das System der gebührenbewehrten Abmahnung gibt.

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Rebecca 8. Juni 2018 um 12:08

Verzeihung. Mit Erstaunen hast Du jetzt plötzlich festgestellt, dass der Facebook Messenger auf Dein Telefonbuch zugreift? Hast Du den Zwischendialog, der Dich darauf hinweist, übersehen?

Langsam wird mir klar, warum es Befürwörter dieses Gesetztes gibt: man braucht keine eigene Verantwortung mehr zu tragen und kann alles, womit man sich nicht beschäftigen will, auf andere schieben! Und weil das so sinnvoll ist, kann man sie auch direkt gleich abmahnen. Hier wurde auch von Psychose gesprochen, die zielgerichtete Werbung auslösen soll. Auch das erscheint mir plötzlich einleuchtend: kann heute scheinbar keiner mehr etwas aushalten, wo er eigenverantwortlich reagieren muss.

Sagenhaft.

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Tim 8. Juni 2018 um 12:29

Nun wird das Thema Datenschutz endlich einmal breit diskutiert, die Datenweitergabe reguliert … Eine gesetzliche Regelung war hier überfällig.

Nein, natürlich nicht, denn es gab sie seit Jahrzehnten: das Bundesdatenschutzgesetz.

Du scheinst Dich mit dem Thema noch nicht auseinandergesetzt zu haben, aber das BDSG war ein durchaus gutes Gesetz … das nur unter einem großen Manko litt: Es wurde nicht durchgesetzt.

Statt nun einfach dem BDSG Geltung zu verschaffen und die Behörden auf Trab zu bringen, haben die Politiker es sich wieder mal leicht gemacht und einfach ein neues Gesetz verabschiedet. Für die Kollateralschäden interessieren sie sich ja nicht.

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nk 9. Juni 2018 um 12:38

Das Bundesdatenschutzgesetz trug das Manko schon im Namen: Es war auf den Bund beschränkt. Eine einheitliche und „grenzübergreifende“ Regelung ist wie für viele Dinge in der globalisierten Welt einfach mal zeitgemäß und notwendig. Zudem tut sich erst jetzt der Hebel gegen die internationalen Konzerne auf. Seien wir doch mal ehrlich: dass die auf dem Papier alle in Irland sitzen, wo 30 Mitarbeiter der DS-Behörden die Belange von einer halben Millarde EU-Bürger beackern sollten, war doch nun ein schlechter Witz.

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Tim 10. Juni 2018 um 22:02

@ nk

Eine einheitliche und „grenzübergreifende“ Regelung ist wie für viele Dinge in der globalisierten Welt einfach mal zeitgemäß und notwendig.

Und zwar notwendig für wen? Richtig, für die großen Anbieter von IT-Leistungen, in der Regel amerikanische Unternehmen. Durch ein europaweit einheitliches Regelwerk sparen diese direkt Prozess-, Rechts- sowie technische Kosten und erhöhen gleichzeitig ihren Kontrahierungsvorteil. Je komplexer die Welt, desto besser für die Großen.

Gleichzeitig hat die EU der Welt damit das klare Signal gegeben, datengetriebene Geschäftsmodelle bitte in Zukunft in keinem Fall in Europa zu starten.

All dies wurde seit Jahren kritisch angemerkt, interessiert hat es die EU-Parlamentarier nicht die Bohne. Dafür gibt es im Wesentlichen drei Gründe:
– Sie haben i.d.R. gar nicht die nötige Sachkenntnis, komplexe Zusammenhänge zu bewerten, überlassen das wie alle Parlamentarier der Welt sowieso lieber ihren Partei- und/oder Fraktionsführungen.
– Sie interessieren sich nicht für die Folgen ihres Handelns, müssen ja auch selbst nicht darunter leiden. Was ihre Gesetze in 10 Jahren angerichtet haben werden, ist ihnen wurscht.
– Sie haben in ihrem parlamentarischen Alltag nur mit Lobbyisten großer Unternehmen zu tun, kennen deren Strukturen und Bedürfnisse. Schon Mittelstandsunternehmen finden auf EU- (oder auch Bundes-)ebene nicht statt, Kleinunternehmen schon gar nicht.

Folge: Wut und Hass.

Antworten

Swen denkt 8. Juni 2018 um 16:27

Ganz genau. Auch ich gehöre zu den Leute, die innerhalb von wenigen Monaten von einem EU-Befürworter zu einem EU-Gegner geworden sind.

Dabei ist das Problem nicht, dass mich Datenschutz stört. Aber es sieht wirklich so aus, als würde sich die EU grundsätzlich keine Gedanken über die ungewolten Resultate Gedanken machen.

Vor ein paar Tagen wurde in Hamburg (?) eine Strasse für Dieselfahrzeuge gesperrt. Klingt umweltschützerisch? Nur so lange man nicht weiss, dass die Autofahrer nun eben statt 500 Meter 2 Kilometer zurücklegen müssen. Genialer Streich!

Die DSGVO geht in genau diese Richtung. Statt unsere Daten besser zu schützen, fördert sie genau, dass die grossen Unternehmen noch stärker werden.

Ausserdem fördert die DSGVO, dass Daten nur noch in der EU gespeichert werden, auf die staatliche Behörden viel leichter Zugriff haben.

Aber das ist genau der Grund, wieso ich lieber über Wechat als über Whatsapp chatte: Im Zweifelsfall ist mir lieber, wenn der chinesische Geheimdienst meine Daten hat als der amerikanische. Denn mit China habe ich ganz einfach nix zu tun.

Antworten

SOE 12. Juni 2018 um 13:27

Das ist der erste Artikel von Ihnen bei dem ich mich frage, was Ihre Intention ist. Soll jetzt auch bei Gesetzen der „gefühlten Realität“ nachgegeben werden? Sollen Gesetze besser kommuniziert werden? Stimmen Sie den Gegnern der DSGVO zu, weil aus Ihrer Sicht die Mehrheit sowieso nicht für Datenschutz interessiert? Was sollen Sie mit dem Artikel sagen, ich verstehe es nicht.

Antworten

Thomas Knüwer 13. Juni 2018 um 14:26

Meine Artikel verfolgen nicht immer „Intentionen“ oder Absichten. Ich konstatiere einfach und freue mich, wenn Menschen mir ihre Meinung dazu in den Kommentaren hinterlassen.

Antworten

SOE 13. Juni 2018 um 18:52

Dann ist meine Meinung, dass es sich hierbei nicht um einen konstruktiven Beitrag handelt, da er verschiedenste Gesichtspunkte vermischt, ohne dass ansatzweise versucht wurde Zusammenhänge darzulegen. Von der Art wie die Menschen jetzt über die DSCO kommunizieren, geht es plötzlich um den Nutzen und „Gefühlte Wirklichkeiten“, wechselt dann zur Kommunikation der Verfechter und Ablehner und endet bei einem Vergleich mit dem Brexit.

Wenn Sie die Frage, welcher Intention oder Absicht dieser Artikel folgt, nicht beantworten möchte, ist das natürlich Ihr gutes Recht. Ich persönliche würde diese Abfolge von Aussagen dann jedoch eine Wutrede nennen. Im persönlichen Gespräch würde ich sagen: „Beruhige dich erstmal und dann sag bitte ganz langsam, worum es dir geht; was du mir mitteilen möchtest.“

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Tim 14. Juni 2018 um 9:38

@ SOE

Was ist denn eigentlich die Intention Deiner Frage?

Antworten

RainerWahnsinn 19. Juni 2018 um 5:16

@Tim: Ohne „?“ keine Frage
und Ich verstehe den Text von SOE komplett.

@Autor:Der gesamte Beitrag kommt mir wie ein „Ich gebe zum Thema etwas wieder was irgendwelche-Leute-dazu-sagen-und-wenn
es-mir-nicht-passt-ist-diese-andere-Meinung/Aussage-dumm“!

Entlarvt wird die Unfähigkeit zur sinnvollen und konstruktiven Interpretation alleine schon durch den Brexitvergleich.
Die Brexit-Befürworter haben nachweislich etliche Falschaussagen(z.B.England hat danach sofort mehr Geld) getätigt.Es war jedem der sich mit der Materie befasst klar,daß die EU mindestens wirtschaftlich mehr bringt als kostet.Über den Euro kann man diskutieren.

Anstatt konstruktiv zu erklären WARUM Otto-Normalbürger von den „plötzlichen“ Regelung in massen „erschlagen“ wird
(weil jede Seite sich die Bestätigung holt,alle auf einmal)und sich wundert warum das Thema nicht besser kommuniziert wird(warum lassen sich alle erst JETZT bestätigen,was wenig später sicher Gesetzeslage ist?)
Aber ob Ich jetzt einmal 20x bestätige,daß alles so bleiben kann wie vorher auch oder nicht kann ja nicht so das Problem sein.Außer man liest sich sowas durch,aber das hat vorher auch keiner
Warum gibt es keine Datenschützer ,die wirklich helfen können(alle im Urlaub??)
Wie konnten soviele Leute mit Daten Geld verdienen und jetzt nicht mehr und führen ihren Blog etc nicht mehr weiter,oder hat es andere Gründe?

P.S.: die total „personalisierte“ Werbung zeigt mir „ganz toll“ jedesmal 5 Produkte an.Toll und informativ sagen die einen.
Ich frag mich nur warum Ich NACH dem Kauf einer Trinkflasche 5 andere Modelle an Trinkflaschen kaufen sollte?
Es lebe der Adblocker^^

Paul 19. Juni 2018 um 1:03

@SOE
Ich denke, es war auch nicht die Absicht von Herrn Knüwer, einen „konstruktiven Beitrag“ zu verfassen, dem Sie wie an einem roten Faden zu einem einzigen klaren Ergebnis folgen können.
Ich finde es übrigens interessant, dass es immer wieder Menschen gibt, die ihr eigenes Unvermögen, einem Artikel oder einer Sammlung von Gedanken und Beobachtungen zu folgen, dadurch Ausdruck verleihen, indem sie dem Schreiber oder Erzähler unterstellen, dass er zu aufgeregt oder irgendwie unangemessen geschrieben / erzählt hätte („Beruhige dich erstmal…“). Jeder hat das gute Recht, einen Text, dem er nicht so wirklich einen Mehrwert für sich selbst abgewinnen kann, einfach mal kopfschüttelnd und unkommentiert weg zu klicken.
Ich fand den Artikel und auch die meisten Kommentare sehr unterhaltsam und hätte sie nicht weiter kommentiert.

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Frank Schoierer 19. Juni 2018 um 9:47

Schade dass Sie nicht verstanden haben, worum es dem Autor geht. Ich kann seine Positionen sehr gut nachvollziehen. Allerdings gehöre ich auch zu dem Personenkreis, dem die DSGVO Wochen Arbeitszeit gekostet hat, jeden Tag bürokratischen Aufwand beschert und erhebliche Kosten verursacht. Zudem lebt man mit der Ungewissheit, hat mal alles richtig umgesetzt, wann bekommt man die erste kostenpflichtige Abmahnung, Und weiterhin muss ich noch feststellen, das das Gesetz so schwammig ist, das sich wohl ständig Gerichte mit den Einzelheiten beschäftigen müssen. Als ob die nichts Besseres zu tun hätten. Und wer bezahlt es? Das kleine und mittelständische Unternehmen. Welchen Nutzen bringt es meinem Kunden? Keinen. Ich habe schon vorher keine Daten weitergegeben. Außer es war zur Ausübung des Geschäftszweckes notwendig. Das ich z.B. Daten eines Verkäufers an den Notar weiter gebe, ist doch logisch. Dafür braucht es keine Datenschutzerklärung. Die Zustimmung dazu gibt mir der Kunde doch schon, wenn er mich mit dem Verkauf einer Immobilie beauftragt. Eh man jetzt seine Arbeit machen kann, muss man erst 20 Formulare ausgefüllt und unterschrieben bekommen. Das ist einfach nur lächerlich und geht an der Realität vorbei. Und bitte bedenken Sie, das die DSGVO nicht die einzige Verordnung ist, die so viel bürokratischen Aufwand erfordert.
Der größte Teil der Befürworter der DSGVO ist von der Umsetzung nicht betroffen und hat auch gar keine Ahnung, was das für Auswirkung auf keine Betriebe, Freiberufler und Selbständige hat. Dabei könnte man Abhilfe schaffen. Zunächst könnte man die Anwendung der DSGVO auf bestimmte Branchen einschränken. Außerdem könnte man Erleicht6erungen für KMU’s schaffen. Das sieht die DSGVO sogar vor. Nur wird es in Deutschland nicht umgesetzt. Es fehlt der Wille der Politik dazu. Und dann könnte man sich der Abmahnindustrie zuwenden. Diese Abmahnerei gehört schlicht und ergreifend verboten. Wie wäre es mal mit einer Verordnung, das die staatlichen Organe für Recht und Gesetz sorgen? So jedenfalls schafft man statt Rechtssicherheit Rechtsunsicherheit. Das kann doch nicht ernsthaft der Sinn von Gesetzen sein oder? Allerdings hat es den Anschein, dass es so gewollt ist.

Antworten

Hans-Jürgen Stellbrink 18. Juni 2018 um 23:25

Wenn die Patienten zu uns in die Praxis kommen, müssen sie eine Einverständniserklärung mit der Datenverarbeitung unterschreiben. Da es nur noch elektronische Abrechnungen gibt, müssen wir einen Patienten, der sich weigert zu unterschreiben, bitten sich einen anderen Arzt zu suchen, da wir ihn nicht regulär behandeln können. Wo bitte ist da die Wahlmöglichkeit der Patienten? Man kann daran die Ahnungs- und Verantwortungslosigkeit unserer Politiker erkennen, die ihre Weltbegöückungsprojekte zum Nachteil aller durchdrücken. Das ist der wahre Grund für die Anti-EU-Stimmung.

Antworten

peja 19. Juni 2018 um 1:16

Der ganze Artikel ist in seiner Argumentation etwas zu kurz gesprungen. Eine interressante Interpretation fand ich bei Dirk Müller auch Mr.DAX genannt.
(Link von Thomas Knüwer gelöscht)

Antworten

Thomas Knüwer 19. Juni 2018 um 9:34

@peja: Dirk Müller ist keine seriöse Quelle. Der Herr war ein unbekannter Analyst, der nur wegen seines fotogenen Aussehens bekannt wurde. Jetzt hegt er Theorien am Rande der Verschwörung. Ich rate davon ab, ihm Glauben zu schenken und habe deshalb ihren Link gelöscht.

Antworten

Michael Gellner 19. Juni 2018 um 1:27

Da kann ich absolut mitgehen. Eigentlich bin ich ein großer EU-Anhänger, der privat und dienstlich viel reist.
Aber einige dieser überverkopften Regelungen treiben mich so langsam auch in die Denkzettel-Wählerei (und ich kann eigentlich NICHTS mit Plärrern und platten Vereinfachern angefangen).
Die Medizinprodukte-Richtlinie vom letzten Jahr führt dazu, dass selbst harmlose Fitness-Apps praktisch wie Herzschrittmacher zu testen sind oder eine gnadenlose Haftung ansteht – selbst für eine Gruppe Open-Source-Programmierer, wenn man das unglücklich beschreibt.
Auch die DSGVO erwürgt hier die ohnehin träge anlaufende Telemedizin. Ärzte, die seit einiger Zeit die Praxis schließen um diese „Hausaufgaben“ zu machen und nun eine Automaten zum Nummern ziehen aufhängen (kein Witz – es besteht die hier Sorge, dass man Patienten ja nun nicht mehr mit Namen aufrufen kann), werden es sich – bei diesen Risiken – nun dreimal überlegen, ob sie mehr online sein wollen. Da kann sich der Staat, die gerade erst genehmigten Anreizprämien natürlich in die Haare schmieren. Vor allem ältere Ärzte, die ohnehin nicht so Internet-affin sind, lassen sich doch jetzt noch weniger darauf ein. Eine Katastrophe insbesondere auf dem Land für ältere Menschen, die nicht mehr mobil sind und heute schon über 50km für einen Termin beim Facharzt fahren müssten. Hier wird buchständlich die IP-Adresse von Menschen höher priorisiert als die reale Gesundheit. Selbst in Notaufnahmen von Krankenhäusern wurde Angehörigen nicht mehr gesagt, wo ein eingelieferter Verwandter ist. Da hilft dann im Ernstfall auch die gleiche Blutgruppe nicht mehr.
… und schon bereitet eine weitere Fachgruppe auf EU-Ebene gerade die Upload-Filter in Rahmen eines neuen Urheberrechts vor. Auch hier sind die Ausblicke katastrophal und auch hier scheinen Einwände ignoriert zu werden.
Das kann es doch nicht sein. Vor allem möchte ich nicht in die nächste Rechtsunsicherheit geworfen werden.

Antworten

CommLan 19. Juni 2018 um 4:13

Irgendwie, ich finde die gesamte Debatte „Datenschutz“ einfach nur sinnfrei, dumm und lächerlich. Sie zeugt von absoluter Ahnungslosigkeit vom Fach und fehlendem Respekt gegenüber den Medien Computer und Internet.

Zur langen und breiten Erklärung und Darlegung dieser Meinung:

Wie soll denn dieser wundervolle, allseits beliebte Datenschutz bitte funktionieren ?
Es gibt immer die Hersteller, die teilweise an einem Gerät, das Zugang zum Internet hat, beteiligt sind und deshalb auch mit dem Gerät gekoppelt sind. Es gibt immer Backdoors.
Von manchen wissen wir, von manchen aber auch nicht. Manche sind offensichtlich und anerkannt – dem gegenüber manche aber merkwürdigerweise fragwürdig und inakzeptabel, die aber genauso ihre Daseinsberechtigung haben.
Wenn man es logisch betrachtet – es wäre dumm, keine Backdoor zu einem Gerät, das man hergestellt hat oder an dem man signifikant beteiligt war, zu haben.
Weil bestimmte Services, die den Nutzen dieser Geräte eben verbessern und optimieren, können nur so betrieben werden. Und ganz im Grunde betrachtet ist jede Dienstleistung, die auf einem Gerät erbracht wird, eine Backdoor, auf ihre ganz individuelle Art und Weise.

Selbst wenn man nun eine Software installiert, die die inakzeptablen Backdoors vermeintlich schließt – schon alleine die Hersteller dieser Software haben wieder eigene Backdoors um ihren Service bzw. ihre Dienstleistung zu optimieren.
Und nun gehen wir mal von dem unwahrscheinlichen Fall aus, ein Hersteller hat keine Backdoor und macht alles in den Augen des Ottonormal – Zerbrauchers richtig – es gibt auch noch Leute, die sich jenseits des Gesetzes bewegen, die immer so liebenswürdig als Hacker bezeichnet werden. Diese suchen sich ihren Weg und werden mit entsprechendem Willen und Geduld immer an ihr Ziel kommen, sofern es ihnen das wert ist. Und natürlich gibt es dann auch noch die bösen Geheimdienste, die ja alles ausspähen, die ihre Wege bereits haben.

Nur hier fehlen jetzt 2 logische Gedanken in dieser Welt.
Der erste wäre: warum speichern wir sensible Daten überhaupt auf unseren Geräten oder geben Dienstleistern Daten, mit denen Schindluder getrieben werden kann ? Wenn man dies schon auf eigener Seite unterbinden würde, gäbe es keinen Grund, dass wir Datenschutz betreiben müssten. Hier fällt der Blick auf den eingangs erwähnten, fehlenden Respekt gegenüber unseren Medien Computer und Internet. Eine Information, die ein Medium nicht erfasst hat, kann es auch nicht haben und nutzen. Wir tragen selbst die Verantwortung und müssen uns jederzeit darüber bewusst sein, was mit unseren Daten passieren kann oder möglich ist. Und wenn uns etwas an der Nutzbarkeit dieser Daten stört, dann können wir halt, z.B. einen Dienstleister halt nicht in Anspruch nehmen. Ganz einfach. Da trägt der Dienstleister in diesem Fall keine Verantwortung, sondern wir, bzw. der Nutzer selbst, der die Daten mitgeteilt hat.

Der zweite logische Gedanke ist, selbst wenn jemand drittes, unbefugtes unsere Daten nun hat, was kann dieser damit nun groß anfangen ? Ist es für einen großen Konzern wirklich interessant, dass Tante Helga Diabetes Typ 2 hat ?
Nicht wirklich. Was kann man mit dieser Information machen ? Erstmal ist Tante Helga ein Mensch von, sicherlich bald 8 Milliarden. Ein kleiner, zwar bedeutender, aber im rauschen der Massen gegenüber Konzernen untergehender Mensch.
Nun gibt es spezialisierte Konzerne, die Produkte anbieten wie Insulin, die gegen die Krankheit helfen.
Was ist nun daran so schlimm, eine Werbung zu sehen, die mir ein neues, Insulinhaltiges Produkt empfiehlt, was mir den Blick über den Tellerrand ermöglicht und sogar meinen Lebenszustand verbessern kann ?
Inwiefern ist das Datenmissbrauch, wenn ich das Internet, vor allem vorher selbst, BEWUSST (was die meisten Datenschützer UND AUCH USER im Nachhinein gerne vergessen), mit dieser Information, am besten noch gekoppelt mit einem eindeutig zur Identifizierung der Person beitragendem Account, gefüttert habe ?
Ich habe hier vorhin zudem in einem anderen Kommentar erfahren, dass man dann Psychosen oder Verfolgungswahn erleiden soll ? Ich kriege eine Psychose von Insulinwerbung oder Verfolgungswahn, weil diese Werbung wiederkehrend ist. Mein Gott, wie realistisch – nicht. Es ist lächerlich.
Wenn das passieren sollte, würde ich mir eher Sorgen um meine Allgemeinverfassung machen, als die Schuld aufs Internet und den Dienstleistern mit deren gespeicherten Profilen zu schieben.
Und mal für die, die der Meinung sind, dass man eine breite Produktpalette bewerben soll, die die gesamte Allgemeinheit interessiert: Erstmal müsste man dies wieder genauso statistisch über Profile erfassen (Um Verfälschungen zu vermeiden im Ergebnis), um diese Produkte sinnvoll ermitteln zu können. Ergo, plus minus null – das klappt ja schon mal super – dieses Umdenken lohnt ja wirklich… Zudem wäre dies Beschneidung und sogar indirekte Zensur gegenüber dem vorhandenem. Es ist so schon alles gut, wie es ist.

Der einzige, sinnvolle Weg, seine Daten zu schützen, wenn es denn unbedingt sein muss, wäre einfach den Netzwerkstecker zu ziehen / die Drahtlosverbindung zu trennen und zu deaktivieren. Einen anderen Weg, Daten wirklich sicher zu verbarrikadieren, gibt es nicht. Und wer etwas anderes behauptet, hat keine Ahnung und ist im Bestfall einfach nur dumm und naiv gegenüber den beiden schon erwähnten Medien.

Und hier kommen wir zum nächsten Problem – von einer Misere zur nächsten. Nun kommen Leute daher, die meinen, etwas wie Datenschutz wäre möglich und nötig. Also die eben als naiv und dumm bezeichneten, wenn man Tacheles redet und ehrlich ist.
Und diese Leute sind nun der Meinung, elementare und praktische Funktionen des Internets (was diese aber nicht wissen oder als solche nicht betrachten können), blockieren zu müssen – für illegal zu erklären – weil diese Leute in ihrem Wahn über Dinge entscheiden, von welchen diese nicht den blassesten Schimmer haben oder von welchen die Tragweite der Entscheidung entweder nicht beurteilt werden kann durch eben diese Personen oder nicht einmal daran gedacht wird, es zu beurteilen und zu durchdenken.
Es werden annahmen über bestimmte Prozesse erhoben, wie diese funktionieren könnten und unter fehlenden Aspekten sogar würden. Das diese einen ganz anderen Zweck erfüllen, ist irrelevant und kann nicht einmal argumentativ mithilfe der fehlenden Aspekte dargelegt werden.
Der Argumentierende wird als Stümper abgestempelt oder von bestimmten Gruppen als Systemkonform klassifiziert und bei entsprechender Wirksamkeit des verbalen Mediums des Argumentierenden im Bestfall noch ruhig gestellt bzw. mundtot gemacht.

Wenn das so weiter geht, wird UNSER (Im Sinne der Allgemeinheit) Internet über kurz oder lang nie wieder so funktionieren, wie wir es (in der Mehrheit) als angenehm und funktionierend bzw. praktisch empfunden haben. Es wird an allen Ecken und Enden beschnitten und von jeglicher, praktischer Nutzbarkeit entfernt. Wir katapultieren uns zurück in die Steinzeit, weil niemand mehr irgendwann Interesse daran haben wird, dieses Medium zu nutzen, weil es einfach nur noch umständlich ist bzw. wird und nervt.
Aber das wird man erst in 10 Jahren dann merken, wenn das Internet durchflutet ist mit den 3 Big Playern, die das überlebt haben und es keinerlei Abwechslung und Freiheit mehr gibt im Internet. Dann wird man merken, dass es ein Fehler war. Und gleich als Prognose – später wird sich dafür dann wieder niemand verantwortlich fühlen, die Verantwortung wird dann wieder hin und her geschoben – so wie es in der heutigen Gesellschaft schon manifestiert und üblich ist.

Für diejenigen, die sich an diesen Textblock wagen und Gegenargumente liefern wollen – ich lasse mich konstruktiv gerne eines Besseren belehren. Es handelt sich hier um meine persönliche Meinung, die nicht statisch ist und sich auf alle mir bewussten Aspekte bezieht. Die Argumente müssen aber einer gewissen Haltbarkeit und Logik entsprechen und meine Meinung bzw. meine untermauernden Argumente eindeutig widerlegen können.

Antworten

gandhi187 19. Juni 2018 um 11:44

Was erzählst du hier? Es gibt Backdoors.
Schalte man ein bisschen den Netstumbler ein, dann siehst du ja, welche Backdoors es gibt.. Vermutlich kommst du in deinem gesamten Netzwerk auf exakt null..

Antworten

CommLan 19. Juni 2018 um 16:37

@gandhi187
Wie soll ich mit einem Programm, das WAP – Points analysiert, bitte Backdoors finden ?

https://de.wikipedia.org/wiki/NetStumbler

Ich weiß ja nicht, ob es gleichnamige andere Programme gibt oder das eine Art, mir unbekannte, Redewendung darstellen soll, aber ich kann damit gerade recht wenig anfangen.

Zudem, es ist nicht gesagt, dass Backdoors unbedingt zu jeder Zeit voll offen stehen.
Es gibt Möglichkeiten, diese zeitlich zu beschränken, mit bestimmten abfolgen von Daten zu triggern oder vieles mehr, die Möglichkeiten sind vielfältig. Man braucht nur Fantasie und muss wissen, wie man es letztlich programmiert.
Selbst wenn man jetzt Programme wie NMap benutzt, wird man längst nicht alles finden können, was möglich ist (um z.B. nach offenen Ports zu suchen).

Eine Backdoor ist bei Herstellern effektiv alles, was irgendwie Zugriff auf ein Gerät ermöglicht, um z.B. bestimmte Daten zum Nutzungsverhalten zu erheben. Was anderes ist das nicht.
Effektiv kann man auch sagen, dass Programme / Geräte, die sich automatisch zum, ich nenne es jetzt mal Erschaffer, verbinden und regelmäßig Daten senden, ebenfalls eine Backdoor sind.
Laut Wikipedia soll es sich hierbei ja eher um einen Trojaner handeln, aber ich denke, dass Trojaner eher eine Untergruppe der Backdoors darstellen – da man ja auch mithilfe dieser Programme Daten erheben könnte und das im Sinne der Hersteller mit der Hauptsinn einer Backdoor ist.

https://de.wikipedia.org/wiki/Backdoor

Zudem kann man über Backdoors natürlich auch Patches einspielen, welche bestimmte Fehler beheben. Auch ein Hauptsinn dieses Werkzeuges. Kann man verharmlost auch Wartungszugang nennen.
Aber wer den Zugang kennt oder weiß, wie man ihn aktiviert, hat Vollzugriff, ohne Passwörter oder ähnliches. Und eben hier liegt dann das Risiko.

Deshalb der Gedanke – ich packe nur das auf meinen (Hardwaretechnisch mit dem Internet verbundenen) Rechner, wo es mich nicht stört, wenn es an dritte gehen würde (Oder wo es kein Drama darstellt).

Antworten

Alice 19. Juni 2018 um 10:39

Also ich muss schon zugeben, dass ich über die neue Datenschutzverordnung echt froh bin. Mich hat es tierisch genervt, dass google quasi immer wusste, was ich mache, wenn ich mich nicht ganz aufwendig durch reiehenweise Menüs geklickt habe, um alles per Hand zu verbieten. Auch Newsletter, die ich versehentlich aboniert habe, weil ich das vorgesetzte „Häckchen“ nicht aktiv rausgenommen habe.
Was leider nicht gut kommuniziert wurde: Die neue DSGVO schützt auch teilweise vpr Phisching, Identitätsklau und vorm eigenen Chef. Webseiten die massenweise Daten erheben, werden immer wieder gehackt. Dabei greifen die Kriniminellen alle Daten ab, die darin gespeichert sind. Das sind aber nicht nur Emaiadressen, an die man dan Erpressungstrojaner verschicken kann. Das konnten bisher auch Telefonnummern, Hausadressen etc. sein. Die werden dann hübsch bearbeitet und verkauft. Stellen sie sich vor, jemand zieht Wegedaten von Schulkinder aus dem Netz, bereitet diese auf und verschickt Sie dann an Pädophilenringe. Natürlich schützt die DSGVO nicht komplett vor solchen Sachen. Aber sie bitet zum ersten Mal eine Einschränkung und realen Möglichkeiten, gegen den Missbrauch der eigenen Daten vorzugehen. Die Sache mit der Aufklärung ist durchaus valide: die meisten Menschen sind einfach ganz normaler Bürger, die eben NICHT wie kriminielle denken und sich deswegen gar nicht bewusst sind, wie viel Schaden Amazon, Google, Otto, Facebook etc. anrichten können, wenn Sie massenweise personenbezogenen Daten unbegründet und unbefristet speichern. Je mehr unnötige Daten erhoben werden, desto mehr bieten sich Möglichkeiten für die Kriminellen da drausen, ihre Konto zu plündern, sie mit teuren Rufnummern anzurufen, oder aber Ihnen ganz persönlich zu schaden. Z.B. in den ich erfahre, dass Sie Pornoseiten besucht haben – zu einer Uhrzeit, an der Sie eigentlich arbeiten müssten. Und wenn ich jetzt ein Arsch bin, der nur und nur auf Krarriere aus ist, stecke ich das ihrem Chef und räume Sie aus dem Weg. Oder ich ruinieren Ihren ruf. Oder ich erpresse Sie damit. Oder, oder, oder. Und ja, auch der Metzger und Friseur sollten ein Gefühl dafür haben. Stellen Sie sich nur mal vor ihr, Arzt wäre Datenschutz egal und er würde am Stammtisch fröhlich ihrem Chef von ihrem Tumor erzählen, der jetzt behandelt werden muss. Fänden Sie das gut? Nun, die Schweigepflicht für Ärzte gibt es schon lange. Aber Amazon könnte Ihre Daten speichern und verkaufen und dann erfährt, dass sie in letzter Zeit eine Reihe von Produkten gekauft haben, die typosch für Krebspatienten sind. Vielleicht lohnt es sich ja, statt nur zu schimpfen (was in vielen Fällen sicher durchaus gerechtfertigt ist), sich doch mal damit zu beschäfitgen und sich zu fragen „was gibt es eigentlich, von dem ich auf keinen Fall will, dass es theoretisch jeder mit Zugang zum Darknet oder ausversehen, wenn er mir beim Onlineshopping über die Schulter sieht und die „kürzlicht von ihnen gekauften Produkte“ sieht, erfährt?

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Thomas Knüwer 19. Juni 2018 um 11:57

@Alice: Wie soll die DSGVO vor Phishing schützen? Weil Phisher sich an Gesetze halten? Die können munter weiter ihre Mails verschicken. Auch Hacking wird es weiter geben und genauso werden weiter Daten gesammelt. Wenn ein Hacker Daten abgreift, handelt es sich ja vor allem um Zugänge – und die brauchen wir weiterhin.

Insgesamt empfinde ich Ihren Kommentar ein wenig als: Hören wir auf Autos zu verkaufen, denn jemand kann andere Menschen damit totfahren.

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JOESE 19. Juni 2018 um 14:00

Sie sind digitaler Strategie-/Unternehmensberater. Es ist doch offensichtlich das Sie Ihre Einkommensquelle schützen müssen indem Sie gegen etwas Position beziehen das Ihr Einkommen schmälert, bzw. den gemeinen Bürger vor Ihren Maschen schützen soll. So handhaben es im übrigen auch die Zeitungen und die mit diesen verbundenen Privatsender.
Über all dort wo die Unternehmen drunter leiden würden wird massiv die Werbetrommel gerührt gegen die DSGVO. Also das Gewäsch von Ihnen als uneigenützigen Beitrag zu erklären, ist einfach nur Hohn und Augenwischerei!!!

Antworten

Thomas Knüwer 20. Juni 2018 um 8:41

@joese: Ja, ja, Berater, böse, will immer nur alle beeinflussen und Geld machen. Dieses Blog besteht seit 13 Jahren und begann unter dem Dach einer Medienmarke. Es dürfte klar sein, wofür ich stehe – und das ist Fortschrittsoptimismus. Diese Haltung ist das Gegenteil Ihres Kommentars. „Der Mensch muss vor der Maschine geschützt werden“ ist ludditisches Denken und nicht zeitgemäß. Maschinenstürmerei ist seit 200 Jahren die falsche Idee, wenn man gleichzeitig den Menschen ein besseres, gesünderes und angstfreieres Leben bescheren möchte – all das ist nämlich dank Technologie möglich geworden.

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Alice 20. Juni 2018 um 17:55

Zur DSGVO gehört ja auch, dass es mir leichter gemacht wird, zu sehen wer was speichert und vor allem es löschen zu lassen, wenn es nicht mehr gebraucht wird. Je weniger meine Daten rumliegen, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass Sie bei einem Hack mit abgegriffen werden. Oder um es mit Ihrem Bild zu sagen: Nur weil man das Autofahren wohl nie zu 100% sicher bekommen wird, ist es das doch kein Grund, auf ABS, Airbacks und Sicherheitsgurte zu verzichten, oder?

Antworten

I.Selge 19. Juni 2018 um 13:43

Wenn man nachvollzieht, welche Auswirkungen diese Datenschutzverordnung z.B. auf Schulen hat, dann können die Verfasser eigentlich nur absolute Umweltfeinde sein.
Z.B. für jeden Schüler einer 5. Klasse müssen 5 (sprich fünf) Blatt Papier!!! dafür ausgefüllt werden. Aber es gibt ja nicht nur 5. Klässler und nicht nur Deutschland in der EU–kann uns ja trösten, oder aber einfach ur ein paar Urwälder kosten!!!

Antworten

Robert 19. Juni 2018 um 15:02

Ich finde es gut, dass etwas gegen das willkürliche abgreifen von Daten unternommen wurde. Dass Unternehmen viel Geld mit der weitergabe von Daten verdienen ist nichts neues. Ich denke, dass jeder das Recht hat selbst zu bestimmen, wer welche Daten von einem bekommt. Wenn mich auf der Straße jemand wildfremdes nach meiner E-Mail Adresse fragt, werde ich ihm diese kaum geben. Warum soll ich dieses Recht gegenüber Unternehmen verlieren? Es war also höchste Zeit, dass Unternehmen wie Facebook Einhalt geboten wird. Allerdings finde ich auch, dass dieses Ziel nicht optimal umgesetzt ist. Meiner Meinung nach sind die Macher dieses Gesetzes etwas über das Ziel hinausgeschossen. Allerdings stelle ich es mir sehr schwer vor ein Gesetz zu machen, was keine Schlupflöcher offen lässt und nicht über das Ziel hinausschießt.

Für sehr dürftig halte ich die Informationspolitik zu diesem Thema. Hier sehe ich die Bundesregierung in der Pflicht deutlich mehr Aufklärungsarbeit zu leisten. Dieser Pflicht ist die Regierung eindeutig nicht nachgekommen. Dass es in der ein oder anderen Form ein sehr scharfes Datenschutzgesetz geben wird, ist schon hinreichend lange bekannt. Generelle Informationen hätten also schon vor längerer Zeit verbreitet werden können. Dass für den Endverbraucher und viele kleine und mittelständische Unternehmen diese Umstellung quasi über Nacht kam ist mir völlig unverständlich.

Die einzige Erklärung die mir dafür einfällit ist, dass von Seiten der Politik durch mangelhafte Informationen gezielt Stimmung gemacht werden soll. Dieses Modell hat sich bereits beim Atomausstieg bewährt. Auch da wurden wesentliche Informationen (z.B. unklare Rechtslage zur Brennelementesteuer oder mögliche Schadenersatzansprüche der Betreiber) nicht über die Massenmedien pupliziert.

Antworten

Thomas Knüwer 20. Juni 2018 um 12:18

@Robert: Leider gibt es in ihrem Kommentar ein paar Ungenauigkeiten.

– Der Verkauf von Daten ist kein tolles Geschäft. Der einzelne Datensatz ist nämlich kaum etwas wert. Womit Geld verdient wird, ist die Nutzung von Daten. Und damit sind wir bei einem der gedanklichen Grundprobleme der DSGVO. Die Politik versucht das Recht für dingliche Sachen auf Daten zu übertragen. Doch Daten kann ich eigentlich gar nicht verkaufen, schließlich existieren sie mehrfach.

– Es wäre schön, wenn der Bürger entscheiden dürfte, wie seine Daten genutzt werden. Genau das aber macht die DSGVO ja nicht. Sie geht davon aus, dass die Bürger nicht entscheidungsfähig sind – das gesamte Gesetz atmet den Geist eines paternalistischen Staates. Und der macht es den Bürgern eben schwer, ihre Daten zur Nutzung freizugeben.

– Auf der Straße gebe ich niemand wildfremden meine Mailadresse. Aber ich gebe sie jemand, der mir einen Nutzen bietet. Die Bürger sehen einen Nutzen in der Weitergabe von Daten, trotzdem wird ihnen die Weitergabe erschwert.

– Facebook: Das gesamte Gesetz ist von Facebook-Hass durchdrungen. Nur: Warum? Nüchtern betrachtet ist Facebook etwas Unfassbares: Es ist das wichtigste Kommunikationsmittel unserer Zeit – die Menschen empfinden also einen Nutzen bei der Verwendung. Facebook hat relativ wenig falsch gemacht, auch der angebliche Cambridge Analytica-Skandal beruhte ja nicht auf einem Fehlverhalten, sondern einer Fehlwahrnehmung. Was CA da absaugte, waren öffentlich zugängliche Daten. Diese öffentliche Zugänglichkeit wurde von vielen als Vorteilhaft empfunden, weil sie die Nutzung nützlicher Dienste erleichterte. Nun wird Facebook faktisch wegen einer Sache angegriffen: Es zeigt Nutzern Werbung an, die sie interessieren könnte. Dahinter steht eine antikapitalistische Haltung, die nicht die meine ist.

– Allein Informationspolitik wird es nicht richten können. Ein handwerklich gut geschriebenes Gesetz verwendet möglichst wenig unscharfe Rechtsbegriffe. Die DSGVO arbeitet an wesentlichen Stellen mit solchen Begriffen.

Antworten

GDPR-Lover 19. Juni 2018 um 19:28

Es ist war mehr als richtig einen strengen Datenschutz einzuführen: Ich bin heute viel eher geneigt, Formulare mit persönlichen Daten auszufüllen, weil ich weiß daß ein Mißbrauch für das Unternehmen sehr teuer werden kann. Damit bin ich am Drücker!
Wenn ich diese Diskussionen – zumeist gespickt von Halbwissen und Hören-Sagen z.B. in der Bahn mitverfolge dann fühle ich mich an die Zeit zurückversetzte, als das Rauchverbot in Gastronomie kam.
Was war das für ein Lamento, und ach die bösen Eliten Politiker blablabla … und niemand wird mehr ausgehen…unser soziales Miteinander is gefährdet …unermessliche Kosten werden auf die Gastwirtschaft zukommen.. alles ist ganz schlimm..

Klang damals wie heute GDPR/DSVGO .

Also als ich neulich in einer Bar war, in de geraucht wurde ..- Ich brauche das nicht mehr:-)

Antworten

Thomas Knüwer 20. Juni 2018 um 12:24

@GDPR-Lover: Ihr Name sagt es ja schon: Sie lieben das Gesetzt – und Liebe macht ja blind. Das Formularbeispiel zeugt davon. Sie füllen jetzt lieber ein Formular aus, weil sie „am Drücker“ sind? Sind sie nicht. Zusammen mit dem Formular bestätigen sie die Datenschutzregeln des Unternehmens, die durch die DSGVO noch länger und unverständlicher geworden sind. Wenn sie die nicht akzeptieren, dann werden sie die Leistung des Unternehmens nicht in Anspruch nehmen können: Glückwunsch. Wenn so der Drücker aussieht, dann sind Geiseln auch gegenüber ihren Entführern „am Drücker“.

Das Rauchverbot ist ein denkbar schlechtes Beispiel. Denn im Gegensatz zum Datenschutz hat ein Verbot des Rauchens nicht nur Auswirkungen auf eine Person, sondern auf mehrere. Auch ist die Wirkungsbreite des Gesetzes beschränkt auf Kneipe und Gäste. Und: Der Wirt muss nicht Rauchflecken entfernen, die in der Vergangenheit entstanden sind.

Sie merken schon: kein zielführender Vergleich.

Antworten

Charlz Bronzen 19. Juni 2018 um 21:53

Interessanter als den Blogbeitrag selbst finde ich die Kommentare. Wobei der Beitrag wohl nur diese zum Zweck hatte? Wir gehen immer noch von der Situation aus, die wir kennen, die wir heute haben. Die Industrie, die mit unseren Daten arbeitet, ist erst vor einigen Jahren so richtig in Schwung gekommen. Wer weiß denn, wohin sich das Ganze entwickeln würde, wenn es keine rechtlichen Rahmenbedingungen gäbe, die die Verbraucherrechte endlich mal klar darstellt und entsprechend sanktionieren würde? Sicher entstehen da heute Effekte, die nicht gewollt sind, die Kleinstunternehmen oder Vereine zwingen, sich von ihrer eigentlichen Arbeit weg mal mit solchen trockenen und unliebsamen Themen wie dem Datenschutz zu beschäftigen. Ja, das nervt, das bereitet Unsicherheit und (von einigen angestachelt … ohne hier bestimmte Anwaltskanzleien, IT-Dienstleister oder Blogschreiber zu nennen 😉 …). Aber war es nicht genauso, als man irgendwann damit anfing, die Urheberrechte bei Fotos im Internet durchzusetzen? Da war das Geschrei auch groß, kaum einer fand es gut, aber es war notwendig und hat sich ganz normal in unserem (Internet)Leben durchgesetzt.
Die meisten sehen nur ihr eigenes Handeln und finden nichts dabei, weil es nicht verwerflich ist. Dass sie dabei oft aber auch zum Datendealer werden, merken sie gar nicht. Webseiten zum Beispiel: Analyseprogramme registrieren alle Zugriffen und die dazugehörigen Daten ihrer Seitenbesucher. Diese daten werden nicht nur vom fleißigen Publisher oder Vereinsvorstand ausgewertet. Viel besser machen das diejenigen Firmen, die damit ihr Geld verdienen. Und so kommt es, dass ich als Internetnutzer zwar auf die Seite Kaninchenzuechter-aus-meinem-Dorf.de gehe, dabei aber ungewollt meine Nutzungsdaten an Google & Co ausliefere. Deswegen gibt es ja beispielsweise diese zwei-Klick-Methode, um die Facebook-Teilen-Funktion einzubetten. Weil FB eben jeden Seitenaufruf der Kaninchenzüchter registriert und ihren Personenprofilen zugeordnent hat. Auch bei den Profilen, deren Nutzer nie bei Facebook waren.
Um ein praktisches Beispiel zu nennen. Nehmen wir an, eine Firma, nennen wir sie mal Pearl-Agency nervt Sie immer wieder ungefragt mit ihrer Werbung, obwohl Sie dort seit Jahren nichts mehr gekauft haben und Ihr Account gelöscht ist. Auf die Bitte, alle Ihre Daten von den Firmenservern zu löschen, wird lapidar geantwortet, Ihre Daten seien nun DEAKTIVIERT. Nicht gelöscht. Und die Werbetirade geht trotzdem weiter. Nachdem Sie in vielen Mails und in sehr viel Zeit die Firma unmissverständlich aufgefordert haben, Ihre eigenen Daten zu löschen, ignoriert diese das trotzdem. Behauptet dann sogar per Brief, es sei nun wirklich alles gelöscht. Komischerweise erhalten Sie trotzdem ein halbes Jahr später wieder Post der Firma Pearl-Agency. Dabei wird sogar ein angeblich fälliger Betrag angemahnt, der längst geklärt war, weil das Produkt retourniert wurde. Erklärung der Hotline: Wir hatten vor kurzem einen Datenausfall und mussten alte Datensätze einspielen. (Datensätze, die über drei Jahre alt waren?)

Was soll man da als Nutzer noch machen? Die verscheißern einen, ohne mit der Wimper zu zucken und ich kann nur darauf vertrauen, dass die ernsthaft an einem fairen Umgang mit dem Kunden interessiert sind. Die bei Pearl-Agency jedenfalls nicht.
Kann jemand nachvollziehen, dass man froh ist, wenn irgendwann jemand solche Gesetze wie die DSGVO verbindlich macht, die mir dann eine Möglichkeit geben, mich gegen P.-A., FB, Ggle & Co zu wehren?
Als Webmaster eines gemeinnützigen Vereins habe ich mir auch die Haare gerauft, um die Schwachstellen in puncto Datensicherheit auf der Webseite zu analysieren. Aber ich weiß, dass es langfristig der richtige Weg ist. Bald wird das Thema umgesetzt sein, bald werden Unsicherheiten geklärt sein, bald wird klar werden, dass die Abmahnwellen gar nicht kommen können, weil der Gesetzgeber in weiser Voraussicht von vornherein dort einen Riegel vorgeschoben hat. Abmahnen dürfen nämlich nur tatsächlich Betroffene und wenn in ihren Rechten eingeschränkt, auch die Konkurrenten. Aber nicht die Anwälte, die eine neue zu melkende Kuh entdeckt haben. Die müssen in den meisten Fällen draußen bleiben.

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Charlz Bronzen 19. Juni 2018 um 22:02

PS. Im Übrigen: Wie die Genuss.Fleischerei WALTER darauf reagiert hat, ist doch auch kernig! Mit Humor macht man nie was falsch! Fast nie. Da lach auch ich mich schlapp und freue mich, dass es plötzlich so viele neue Witze auf der Welt gibt. 😉

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Manuel 20. Juni 2018 um 15:50

Aus Sicht der Konzerne läuft es eigentlich perfekt: Der Normalbürger beschwert sich über die DSGVO, obwohl diese geschaffen ist, ihm die Hoheit über seine Daten zu sichern.

Wie gut findet Ihr folgendes Szenario:
„Ich gebe Firma X meinen PC. Dazu haben wir vereinbart:
für folgenden Zweck: …(SW installieren, Malware entfernen, …),
für die Dauer von: … ,
Fa. X darf mein Eigentum für diesen Zweck auch weitergeben an folgende weitere / in folgenden sicheren Ländern: … (an Fa. Z in Russland) …,
Ich darf jederzeit Auskunft verlangen, wo mein PC ist, ihn ggf. zurückverlangen, die weitere Bearbeitung einschränken.“

Das klingt für mich normal, so mit ausgeliehenen/beigestellten Gütern umzugehen.

Bitte nun genauer hinschauen und statt „PC“ „Daten“ einsetzen (und die Grammatik adaptieren). Warum sollen Firmen mit meinen Daten anders umgehen als mit meinen Gütern? Nur weil es leicht kopierbar ist und (zumindest im Moment) nicht weh tut?!
Wenn die Bürger weiter so gegen ihre eigenen Rechte vorgehen, freue ich mich als Firma! Es ist nicht so einfach, auf diese „weichen Beistellungen“ Rücksicht zu nehmen. Und eigentlich ist es mir als Firma auch Wurscht, was mit dem Einzelnen im Schlimmfall passiert – hauptsache, der Rubel rollt 🙂 Meine nächste Chance ist die E-Privacy-Verordnung, da gibt`s noch mehr Nutzerdaten !!! Los, mault weiter!!!!

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Thomas Knüwer 20. Juni 2018 um 16:21

@Manuel: Ihre Argumentation enthält genau eines der grundlegenden Probleme der DSGVO: Daten sind kein Gegenstand. Denn einen PC gibt es einmal. Wenn ich meine Daten weitergebe, habe ich sie aber weiter inne. Wende ich das Recht für dingliche Sachen an, dürfte ich die Daten nicht mehr selbst haben. Das geht aber gar nicht. Deshalb ist ein Datensatz auch nur wenige Cent wert. Der Wert entsteht durch die NUTZUNG massenhafter Datensätze – dies ist in der DSGVO nicht mitgedacht.

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Günter 18. September 2018 um 10:49

Mich würde mal interessieren, ob diese DSGVO überhaupt mit dem Grundgesetz vereinbar ist? Ich habe da erhebliche Zweifel!
Für mich sieht es eher nach Kontrolle durch den Staat aus. Was bringt mir diese DSGVO in der Praxis?

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Günter 19. September 2018 um 13:01

Vielen Dank für die Antwort Teil I. Vielleicht sollte ich die 2. Frage ein wenig konkretisieren. Ich bin seit Anfang der 90iger, sowohl beruflich, als auch privat sehr häufig im Netz unterwegs, ebenfalls meine Kollegen u. Bekannte. Ich kenne keine einzige Peron persönlich, die irgendeinen Schaden davongetragen hat, in welcher form auch immer. Aber ich kenne mind. drei Personen persönlich bei den ins Haus eingebrochen wurde. Vielleicht kenne ich ja die falschen Leute. Aber wird da nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen? Ich hab mir mal den Spaß erlaubt auf einigen zufällig ausgewählten Seiten die Datenschutzerklärung anzuschauen. Da sind einige so verklausiliert das ein Abmahnanwalt sofort die Finger davon lassen würde, weil man möglicherweise Tage bräuchte, um in diesem Wust einen Fehler zu finden.

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Christina 23. November 2018 um 13:49

Ich bin in die neue Datenschutzverordnung ehrlich gesagt nicht richtig eingelesen, aber allein ihre Auswirkungen im kleinen einfachen Familien leben sind völlig absurd.
In unserem Kindergarten sind an den Jackenhacken alle Namen der Kinder entfernt worden, weil ebenfalls ein Bild des Kindes angebracht ist und dies dürfe im Zusammenhang nicht veröffentlicht werden.
Was soll dass? Dafür habe ich absolutes Unverständnis.
In der Grundschule hat unser großer kürzlich Plätzchen gebacken dabei durften keine Bilder gemacht werden. Ich finde das ziemlich übertrieben es geht doch um Erinnerungen an die Schulzeit. Das ist traurig dass es soweit ist dass wir in so was wie anonyme Welt steuern.

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