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Heute wählt Amerika. Egal, wie das Ergebnis ausfällt, gibt es etwas Gutes: Der dreckige Wahlkampf ist vorbei. Die Freundin einer Bekannten aus New York hat mir wirklich leid getan. Bei einem Kaffee erzählte sie von ihrer politischen Zwickmühle: Sie würde gerne wählen gehen am heutigen Dienstag – was sie von einem Großteil ihrer Mitbürger ja schon mal positiv abhebt. Nur: „Wen denn?“, fragte sie ratlos.

Konkret ging es um die Wahl zum State Comptroller, einer Art Finanzminister des Staats New York. Die Wähler dürfen sich entscheiden zwischen einem möglichen Kriminellen und einem höchst Unqualifizierten.

Zum einen wäre da Allan Hevesi, der gerade zugeben musste, einen Fahrer für seine Frau aus der Staatskasse bezahlt zu haben und dessen Ausgaben für Sicherheit ein mehrfaches des gleichen Budgets von Bürgermeister Michael Bloomberg betragen. Und dann gibt es da noch ein paar Affärchen.Insgesamt ist zu erwarten, dass er vor Gericht landen wird, mutmaßlich sogar vor einem Strafgericht.

Sein Gegenspieler, der Republikaner Christopher Callaghan, wird von der „New York Times“ als in „höchstem Maße unqualifiziert“ für den Comptroller-Posten bezeichnet. Trotzdem hat die „NYT“ ihn „endorsed“, was ungefähr einer Wahlempfehlung (die in den USA bei Zeitungen relativ normal ist) entspricht. Die „Times“ argumentiert schlicht, er könne sich die richtigen Berater leisten und werde deshalb keine allzu groben Fehler begehen.

Was für eine Wahl. Aber wer in der vergangenen Woche (zumindest in New York) den Fernseher anschaltete, dürfte als Europäer ohnehin geglaubt haben, die Seifenopern seien durch Werbeblöcke ersetzt worden. Kaum noch wurde für Produkte geworben, fast ausschließlich politische Spots reihten sich aneinander.

Ich war zum dritten Mal zu Wahlkampfzeiten in den USA – aber nie war es dreckiger. Munter wurden politische Gegner diffamiert, positive Spots ohne Attacken gab es fast nur von den ganz großen Namen zu sehen, Hillary Clinton und dem inzwischen unabhängigen Joe Liebermann. Eine Horrorauswahl gibt es bei Slate zu sehen.

Technisch immerhin demonstrieren die US-Volksvertreter, dass sie den Deutschen weit voraus sind. Blogs sind Normalität, fast alle Wahlspots sind auf Youtube zu finden. Und mancher experimentiert auch bei der Produktion der Filmchen mit neuen Technologien, so wie Ned Lamont, der sich in „Mr. Smith goes to Washington“ beamt – aber eher seine Unwählbarkeit mit solchen Clownereien demonstriert.


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