Müssen wir uns sorgen um Mathias Döpfner?

by Thomas Knüwer on 11. November 2010

Noch einmal muss ich mich hier lustig machen über Mathias Döpfner, den so wunderbar redenden Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG.

Denn er, der so eloquent und eindrucksvoll auftritt, hat ein Problem. Welches das genau ist, das kann wohl nur ein Psychologe herausfinden, vielleicht auch ein Pädagoge. Es könnte eine Adult Attention Deficit sein. Ein Stresssyndrom, das Vergesslichkeit hervorruft. Demenz, Schilddrüsenüberfunktion oder auch Creutzfeld-Jakob. Vielleicht aber auch nur mangelnde Allgemeinbildung.

(Foto: Medientage München)

Doch ist es erschreckend auffällig, wie häufig Döpfner in der jüngsten Zeit Dinge von sich gibt, die leicht widerlegbar und schlicht falsch sind.

Fall 1: Winnetou

Anlässlich der Münchener Medientage schilderte Döpfner in glühender Rede eine Szene aus “Winnetou 3”. Darin habe der weise Indianer beim Anblick einer Eisenbahn seinem Kumpel Old Shatterhand gesagt: “Nur wer sich dem Fortschritt nicht verweigert, wird überleben.”

Abgesehen davon, dass Winnetou natürlich am Ende in die ewigen Jagdgründe gleitet, gibt es diese Szene so nicht. Vielmehr geht es, wie Nice Bastard noch einmal nachgeschaut hat, früh im Film um Winnetous Reise in die Stadt. Und in diesem Zusammenhang fällt der Satz: „Winnetou hat an die Gefahren gedacht, aber er verschließt seine Augen nicht dem Fortschritt der neuen Zeit und er wird ihr entgegen gehen.“

Fall 2: Free

Im Interview mit dem “Handelsblatt” behauptete Döpfner zwischen den Zeilen, Chris Anderson habe in seinem Buch “Free” behauptet, journalistische Inhalte sollten per se verschenkt werden. Hier die Passage:

“Handelsblatt: Vor allem die Internet-Konzerne aus dem Silicon Valley, Google & Co., predigen noch immer die Umsonst-Kultur des World Wide Web als Errungenschaft der Zivilisation und als demokratischen Fortschritt.

Mein Kompliment: Diese Thesen haben einige sehr geschickt verbreitet. Im Gewand des Zeitgeistes und progressiver Visionen wurden knallharte Interessen auf Kosten der Medienindustrie durchgesetzt. Vorreiter waren Kevin Kelly, Chris Anderson mit seinem Buch “Free” und Jeff Jarvis, die sehr stark in diese Richtung argumentiert haben – zur Freude der Suchmaschinen. Die nämlich haben kein Interesse, für die Inhalte, die sie kopieren, aggregieren, ordnen und vor allem vermarkten, auch noch Geld zu bezahlen.”

Das stimmt nicht, wie Anderson im Interview mit Business Insider auch jüngst noch erläutert hat.

Fall 3: Google

In genau jener Passage im “Handelsblatt” spricht Döpfner von den Suchmaschinen, die kein Interesse haben, für Inhalte zu zahlen. Dies ist die Argumentation für das Leistungsschutzrecht. Nun schreibt der Axel-Springer-Lenker im Gegenzug aber in einem Beitrag in der “Neuen Zürcher Zeitung”: “Das Leistungsschutzrecht richtet sich nicht gegen Google.”

Fall 4: Mozart

Im gleichen “NZZ”-Artikel zieht Döpfner einen Vergleich zu Mozart:

“Mozart wurde verarmt vor der Stadt verscharrt, weil jeder seine Musik nutzen durfte, ohne zu zahlen. Unserer heutigen Hochkultur haben wir es zu verdanken, dass blinde und halb taube Genies wie Stevie Wonder ein Auskommen haben und sich auf ihre Kunst konzentrieren können, anstatt auf Marktplätzen zu betteln und im Blindenheim zu verkommen.”

Sehen wir mal davon ab, dass Döpfner damit implizit behauptet, blinde Menschen und halb taube Menschen würden in unserer Gesellschaft betteln oder in Blindenheimen verkommen.

Nein, kümmern wir uns lieber um Mozart. Für all jene, die es immer noch nicht wissen: Mozart ist nicht verarmt gestorben und seine Beerdigung entsprach der damaligen Norm. Er hat einfach sein Geld verprasst, davon hatte er aber ordentlich. Alles weitere zu diesem Thema finden Sie – free – bei Wikipedia, inklusive Verlinkung der Quellen.

So stellt sich die Frage: Müssen wir uns Sorgen machen um Mathias Döpfner? Ist er krank? Überlastet? Braucht er Ruhe?

Oder sollten wir ihm einfach nichts mehr glauben?

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