Diese Woche ist keine, um neue Freunde zu machen. Auf zwei Podien werde ich sitzen und einen Vortrag halten, immer geht es um den Medienwandel.
“Ich habe gehört, mit Thomas Knüwer zu diskutieren mache Spaß”, sagte mir heute Konstantin Neven DuMont nach einer Diskussion beim Medienausschuss der DIHK, “ich hatte keinen Spaß”.
Ziel erreicht.

Denn dies sind nicht die Zeiten, um Spaß zu haben. Es sind ernste Zeiten, gerade für klassische Medien, erst recht für Tageszeitungen. Es ist an der Zeit, klare Worte zu wählen und auszusprechen. Denn was die Verleger derzeit in Sachen Leistungsschutzrecht planen hat sein Fundament auf der Lüge, es gebe massenhaften Missbrauch von Urheberrecht im Internet. Doch den gibt es nicht. Es gibt Unternehmen, die machen Geld mit Zitaten und Links. Und es gibt Seiten, die ebenfalls zitieren – und Zitate sind nun mal eine der Grundlagen der Pressefreiheit.
Dass diese nun von Seiten der Verleger attackiert wird, ist für mich eklig und nicht vereinbar mit meinem Demokratieverständnis. Dazu empfehle ich auch die Analyse eines Vortrags des Juristen Matthias Schwarz bei Carta. Wären Zitate tatsächlich nicht mehr frei entzöge sich noch dazu die Presse selbst ihrer Kontrolle: Denn wie sollten ihr Fehler nachgewiesen werden, wenn diese nicht zitiert werden dürfen?
Die Verlage selbst sind komplett uneinsichtig ob der Wichtigkeit von Zitaten. Das bekam ich heute Morgen beim DIHK-Medienausschuss zu spüren.
Es ging heftig zur Sache, bewusst von mir auch so angestachelt. Dabei bewegten sich die Argumente der Gegenseite auf dem Niveau von “So sind halt Blogger -immer polemisch” und “Wir werden unserer Inhalte beraubt”. Dieser Raub ist für die Verlage unumstößlich – eine Öffnung des Denkens scheint mir nach dieser Veranstaltung nicht zu erwarten zu sein.
Erschreckend wieder einmal das technische Wissen der Verlagsabgeordneten. Rivva? Kannte keiner im Saal. Daylife? Fehlanzeige. Wenigstens einer hätte diese Aggregatorendienste doch kennen können. “Sie machen Ihre Hausaufgaben nicht”, warf ich den Anwesenden vor, was diese als Beleidigung begriffen – aber als ernste und harte Kritik gemeint war. Auch die spannende Geschichte des Heddesheim-Blogs mit inzwischen einer halben Million Seitenabrufen kannte kaum jemand.
Bemerkenswert auch die Haltung gegenüber Blogs: Sie hat sich leider seit dem Jahr 2005 nicht geändert. Das sind “die” – die Blogger, die nur polemisieren und nicht recherchieren. Und “wir” – die Herren des Qualitätsjournalismus. “Marktschreier im Netz”, sind Blogger für Konstantin Neven DuMont – ich hätte gedacht, wir wären endlich weiter. Wie verträgt sich das mit der fröhlich vorgetragenen Haltung von Peter Esser, Chef des Mittelbayerischen Verlags, sein Haus verfüge über 400 Bürgerjournalisten: “unsere freien Mitarbeiter”. Die bekämen unheimlich wenig Geld und verbrächten trotzdem ihre Abende bei Ratssitzungen & Co.? Und wie verträgt sich die klotzige Behauptung, man verdiene doch noch sattes Geld mit dem Krisenjammern?
Nach diesem Vormittag bin ich noch pessimistischer als zuvor, was die Zukunft der deutschen Zeitungsverlage. Den ersten von ihnen geht es dramatisch schlecht, alle leiden sie unter Auflageneinbruch und Anzeigenminus – doch kaum jemand ist bereit so dramatisch umzudenken, wie es die disruptive Technik Internet verlangen würde.
Das war kein Spaß, Herr DuMont? Es war eine Karnevalsveranstaltung gebenüber dem, was Sie in den kommenden Jahren erwarten wird.
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Besonders heuchlerisch finde ich Neven DuMonts ständiges Gewäsch über investigativen Journalismus. Angesichts der Tatsache, dass fast die komplette Kölner Presse in Hand von M. DuMont Schauberg liegt und dass es daher so gut wie keine kritische Presse in Köln gibt, die über evtl. Machenschaften bei MDS oder über Verstrickungen der DuMonts z.B. im Oppenheim-Esch-Fonds berichtet, ist es wirklich ein Witz, wenn sich Konstantin Neven DuMont hinstellt und sich als Retter des investigativen Journalismus aufspielt. Oder meint er: Investigativer Journalismus ja – aber nur jenseits der Kölner Stadtgrenzen?
@Udo Hinterwäldler: Im Jahr 1991 bin ich dem Verein “Investigative Reporters and Editors” in den USA beigetreten. Seitdem propagiere ich den Ausbau des investigativen Journalismus. Die Berliner Journalistin Beate Wedekind hat vor kurzem in einem Interview der Zeitschrift “Freitag” sogar behauptet, ich hätte eine Bürgerbewegung in Köln ins Leben gerufen. Das allgemeine “Feedback” auf meine Tätigkeiten ist in der Regel hervorragend. Ich gebe allerdings zu, dass es einzelne Wirtschaftsvertreter gibt, die nicht alle meine Aktionen bedingungslos goutieren. Meine Sendung “Klüngel in Köln” wurde von renommierten Journalisten als ausgewogen und differenziert kommentiert. Wie finden Sie denn dieses Video: http://www.ksta.de/portal/videos/index.php?bcpid=14193513001&bclid=16601883001&bctid=51364958001
Videos
@Knüwer: Bevor ich hier weitere rufschädigende Unterstellungen kommentiere, wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie diesen “Strang” zumindest technisch zusammenfassen würden.
Meine letzte Antwort war auf die “PREVIOUS COMMENTS” bezogen.
Zu den Kommentaren allgemein:
Nachdem ich über das Wort “rufschädigend” gestolpert bin, habe ich mir viele andere Kommentare durchgelesen und war über den Ton eher positiv überrascht.
Herr Neven DuMont,
http://www.indiskretionehrensache.de/2005/12/Die-Frage-des-Jahres-2006/
Zitat: “Geschlossene Internet-Dienste, das hat die Vergangenheit bewiesen, funktionieren nicht. Dies ist eine Frage der Alternativen: Erst wenn alle, aber auch wirklich alle, seriösen Nachrichtenquellen Geld für ihre Artikel verlangen würden, ginge das Modell auf. Zieht nur einer nicht mit, werden die Kunden zu ihm ausweichen.”
Vier Jahre ist das her.
Wenn der Ton etwas zu rauh gewesen sein sollte, sehe ich darin mittlerweile Frustration. Jemand anderes hatte es weiter oben schon angedeutet:
Wir brauchen und wollen hochqualitative Zeitungen und angeblich sollen wir sie bekommen.
Doch wenn
– man sie quasi dahin treten muss, dass über den Wandel diskutiert wird, weil die meisten sich mit Händen und Füßen wehren und lieber wieder an der Qualität sparen,
– die öffentliche Diskussion gefühlt bis jetzt immer auf Seite der Leser stattfand und von ihr ausging (mit Ausnahme Thomas Knüwers und sehr wenigen anderen)
– und jedes mal, wenn endlich diskutiert wird, es nur um eine neue Zwangsabgabe (Rohlinge, Drucker, ..) geht oder andere bürgerfeindliche Vorschläge kommen, dann ist irgendwann mal Schluss mit lustig. Vergebliche Liebesmüh.
Ich habe schon länger aufgegeben, dass Verlage auf den reichhaltigen Diskurs der online stattfindet eingehen. Das sehe ich auch bei vielen anderen Nutzern: es äußert sich inzwischen oft nicht mal mehr in bitterem Humor, sondern in resigniertem Abwinken, wenn wieder jemand den Begriff “Qualitätsjournalismus” bemüht.
Ich finde es toll, dass sie sich in die Kommentare hier begeben haben, aber die Diskussion zum Medienwandel läuft schon so lange und so unbefriedigend, dass sich das im Umgangston niederschlagen muss.
Wie gesagt, vier Jahre allein in diesem Weblog:
http://www.indiskretionehrensache.de/2006/01/Die-Zukunft-des-Online-Journalismus/
Ich wünsche ihnen viel Erfolg beim Aufholen auf den aktuellen Stand und hoffe sie können verstehen, wenn ihnen ein Vorschlag wie “12 Eur/Monat für Bezahlportal” bestenfalls Gähnen einbringt, oder Häme, oder auch Entladung von Wut über jahrelanges Ignorieren.
Lieber Herr Neven DuMont,
ich bin mir jetzt nicht sicher, was Sie mit “technisch zusammenfassen” meinen. Dies ist ein Blog, kein Forum, und sieht so aus, wie alle Blogs.
Auch kann ich nicht wirklich Rufschädigendes ausmachen. Ich kann Ihnen aber sagen, dass die Meinung zur Berichterstattung des “Kölner Stadtanzeigers” von in Köln lebenden Ex-Kollegen vom Handelsblatt (die allesamt aus tiefster Seele Kölner sind) geteilt wird.
In der Tat ist es aber doch, um wieder auf die Gesamtlage zu kommen, erschreckend, dass ich das, was ich 2006 schrieb in weiten Teilen heute noch so schreiben kann (danke für die Hinweise an kugev!).
Vier Jahre, keinen Schritt weiter. Vier Jahre – im Internet eine verdammt lange Zeit.
Lieber Herr Knüwer,
wir beginnen uns zu wiederholen (siehe oben).
Ich denke darüber nach, dass es für alles eine Zeit gibt. Jetzt kommt die große Zeit der Ingenieure. Was wird währenddessen aus den Philosophen?
Herzliche Grüße
Ich glaube, mit “technisch zusammenfassen” meinte der Herr Neven DuMont fleißiges Betätigen der Löschtaste.
Lieber Herr Knüwer,
was halten Sie von meinem neuesten Projekt, einer interessanten Begegnung zwischen Ingenieuren und Philosophen?
Lieber Herr Neven DuMont,
das mit den Wiederholungen ist allerdings auch dadurch bedingt, dass Sie Fragen gelegentlich dann doch mal, nun ja, ausweichen.
Philosophen? Prima. Nun ist ja diese Berufsbezeichnung nicht geschützt. Dehnen wir sich doch mal auf: Menschen, die sich über das Leben und die Gesellschaft Gedanken machen.
Dann haben wir da jemand wie Stephen Fry: http://www.indiskretionehrensache.de/2009/11/140conf-london-tiefpunkte/
Oder Paulo Coelho: http://www.indiskretionehrensache.de/2009/01/Paulo-Coelho-in-der-bel-étage/
Sie könnten sogar in die Zeitungen Ihres Hauses einen philosophischen Schreiber bringen. Der heißt Peter Glaser: http://blog.stuttgarter-zeitung.de/
Vielleicht lesen Sie mal seinen Vortrag von der vergangenen Re-Publica: http://blog.stuttgarter-zeitung.de/?p=7020
Und ich möchte auch behaupten, ein Buch wie Clay Shirkys “Here comes everybody” hat philosophische Ansätze.
Es gibt eine Menge Menschen, die sich über die Zukunft der Gesellschaft im digitalen Zeitalter Gedanken machen. Und sie suchen den Dialog. Im Netz. Das unterscheidet sie von deutschen Journalisten. Ist das nicht irgendwie erschreckend?
Übrigens findet dieser Diskurs auch ohne die deutschen Buchverlage statt, berichtete mir ein Literaturagent. Bücher über digitale Themen hätten bei Großverlagen keine Chance, denn es sei bekannt, dass die Buchhändler diese nicht prominent platzieren würden: “Die hassen das Internet.”
Eine solche Begegnung zwischen Denkern und Ingenieuren aber könnte durchaus interessant werden. Wie sollte dies ablaufen? Eine eigene Veranstaltung? Oder vielleicht ein Diskurs im Rahmen der Berliner Re-Publica?
Lieber Herr Knüwer,
das soll eine eigene Veranstaltung werden. Auf Facebook findet gerade eine Ideensammlung statt.
Sehr geehrter Herr Neven DuMont,
lassen Sie sich bei dieser Veranstaltung unbedingt von “TED” inspirieren (nicht dieses Telefon-Ding aus Wetten, dass…
): http://ted.com – einen sehr interessanten, inspirierenden Vortrag zum hier behandelten Thema hat Clay Shirky gehalten: http://www.ted.com/talks/lang/eng/clay_shirky_how_cellphones_twitter_facebook_can_make_history.html (in ähnlicher Form auch beim Deutschen Multimedia Kongress 2009). Die Konferenz hat mittlerweile diverse Ableger, das wäre sicherlich ein interessanter Anknüpfungspunkt.
Freundliche Grüße aus Münster
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