„Wams“ E-Mag: Ein großer Schritt für Springer – ein kleiner für den Rest der Welt
24. November 2009
Wie Verlage im Internet Geld verdienen? So wie bisher.
26. November 2009

Das war kein Spaß – und sollte keiner sein

Diese Woche ist keine, um neue Freunde zu machen. Auf zwei Podien werde ich sitzen und einen Vortrag halten, immer geht es um den Medienwandel.

„Ich habe gehört, mit Thomas Knüwer zu diskutieren mache Spaß“, sagte mir heute Konstantin Neven DuMont nach einer Diskussion beim Medienausschuss der DIHK, „ich hatte keinen Spaß“.

Ziel erreicht.

Denn dies sind nicht die Zeiten, um Spaß zu haben. Es sind ernste Zeiten, gerade für klassische Medien, erst recht für Tageszeitungen. Es ist an der Zeit, klare Worte zu wählen und auszusprechen. Denn was die Verleger derzeit in Sachen Leistungsschutzrecht planen hat sein Fundament auf der Lüge, es gebe massenhaften Missbrauch von Urheberrecht im Internet. Doch den gibt es nicht. Es gibt Unternehmen, die machen Geld mit Zitaten und Links. Und es gibt Seiten, die ebenfalls zitieren – und Zitate sind nun mal eine der Grundlagen der Pressefreiheit.

Dass diese nun von Seiten der Verleger attackiert wird, ist für mich eklig und nicht vereinbar mit meinem Demokratieverständnis. Dazu empfehle ich auch die Analyse eines Vortrags des Juristen Matthias Schwarz bei Carta. Wären Zitate tatsächlich nicht mehr frei entzöge sich noch dazu die Presse selbst ihrer Kontrolle: Denn wie sollten ihr Fehler nachgewiesen werden, wenn diese nicht zitiert werden dürfen?

Die Verlage selbst sind komplett uneinsichtig ob der Wichtigkeit von Zitaten. Das bekam ich heute Morgen beim DIHK-Medienausschuss zu spüren.

Es ging heftig zur Sache, bewusst von mir auch so angestachelt. Dabei bewegten sich die Argumente der Gegenseite auf dem Niveau von „So sind halt Blogger -immer polemisch“ und „Wir werden unserer Inhalte beraubt“. Dieser Raub ist für die Verlage unumstößlich – eine Öffnung des Denkens scheint mir nach dieser Veranstaltung nicht zu erwarten zu sein.

Erschreckend wieder einmal das technische Wissen der Verlagsabgeordneten. Rivva? Kannte keiner im Saal. Daylife? Fehlanzeige. Wenigstens einer hätte diese Aggregatorendienste doch kennen können. „Sie machen Ihre Hausaufgaben nicht“, warf ich den Anwesenden vor, was diese als Beleidigung begriffen – aber als ernste und harte Kritik gemeint war. Auch die spannende Geschichte des Heddesheim-Blogs mit inzwischen einer halben Million Seitenabrufen kannte kaum jemand.

Bemerkenswert auch die Haltung gegenüber Blogs: Sie hat sich leider seit dem Jahr 2005 nicht geändert. Das sind „die“ – die Blogger, die nur polemisieren und nicht recherchieren. Und „wir“ – die Herren des Qualitätsjournalismus. „Marktschreier im Netz“, sind Blogger für Konstantin Neven DuMont – ich hätte gedacht, wir wären endlich weiter. Wie verträgt sich das mit der fröhlich vorgetragenen Haltung von Peter Esser, Chef des Mittelbayerischen Verlags, sein Haus verfüge über 400 Bürgerjournalisten: „unsere freien Mitarbeiter“. Die bekämen unheimlich wenig Geld und verbrächten trotzdem ihre Abende bei Ratssitzungen & Co.? Und wie verträgt sich die klotzige Behauptung, man verdiene doch noch sattes Geld mit dem Krisenjammern?

Nach diesem Vormittag bin ich noch pessimistischer als zuvor, was die Zukunft der deutschen Zeitungsverlage. Den ersten von ihnen geht es dramatisch schlecht, alle leiden sie unter Auflageneinbruch und Anzeigenminus – doch kaum jemand ist bereit so dramatisch umzudenken, wie es die disruptive Technik Internet verlangen würde.

Das war kein Spaß, Herr DuMont? Es war eine Karnevalsveranstaltung gebenüber dem, was Sie in den kommenden Jahren erwarten wird.

Teile diesen Beitrag