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Wenn dieser Artikel online gegangen ist, werde ich meine Kreditkarte nehmen und sie freigeben für eine Spende an die Krautreporter. Ich werde dies ohne große Begeisterung und Vorfreude tun, eher achselzuckig und auch getrieben von Gruppendruck.

60 Euro will dieser Kreis von Journalisten um in Ruhe arbeiten zu können, etwas freier (angeblich sogar völlig losgelöst) von wirtschaftlichen Zwängen und Redaktionsdruck. Beteiligt sind einige Autoren, die ich hoch schätze wie Richard Gutjahr, Stefan Niggemeier oder Thomas Wiegold, und eine größere Zahl, deren Namen mir noch nie begegnet sind. Insgesamt 900.000 Euro wollen sie einsammeln um so jedem der Autoren 2.000 bis 2.500 Euro im Monat zahlen zu können. Eine Halbtagsstelle, sozusagen.

Krautreporter

Während der re:publica berichtete mir Alexander von Streit unter der Hand das erste Mal von der Idee und ich freute mich ernsthaft. Das könnte richtig geil werden, dachte ich, erst recht angesichts der mir bekannten Beteiligten. Da sind Menschen dabei, die für den Journalismus brennen und für ihre Themen. Die auch Bereiche abdecken, die zu den quantitative Orchideen der Berichterstattung gehören, qualitativ aber bedeutsam sind.

Dieses Projekt ist wichtig. Es würde zeigen, dass Journalisten, die sich selbst im Web ihren Ruf aufbauen, Menschen hinter sich versammeln können. Dass Autoren, die sich in Orchideen-Themen bohren ihre Leserschaft finden können, ohne dass sie bei Redaktionen betteln müssen.

Ja, die Krautreporter könnten einen Schritt in eine neue Medienkultur werden, weg von der Idee der Anzeigenfinanzierung oder Bezahlung, hin zu Honorierung im wahrsten Sinne des Wortes. Und natürlich ist es gesellschaftlich wünschenswert, wenn Journalisten ihr Zeitbudget von der Auftraggebersuche in Richtung Recherche umschichten können.

Sprich: Es wäre wundervoll, wenn die Krautreporter ein Jahr lang einfach mal machen könnten.

Nur… *DerAutordiesesTextesholttiefLuft*

Zu allen mir bekannten Krautreportern entstand der Erstkontakt im Internet. Sie haben mich mit ihren Blogs und Twittern begeistert, sogar für Themen, die mir zuvor eher egal waren – Thomas Wiegold und sein Augen Geradeaus ist ein Beispiel. Deshalb, war meine Erwartung, würden sie mich auch jetzt begeistern. Und wer mich begeistert, für den gebe ich (manchmal zu viel) Geld aus. Ich liebe Crowdfunding-Projekte und habe mich auch schon via Seedmatch an Startups beteiligt. Und dann fiebere ich mit, warte gespannt auf neue Updates oder das fertige Produkt, setze an zur inneren Becker-Faust bei jedem weiteren Schritt, so wie es bei LIFX der Fall war. Ich bin da anfällig.

Allein: Bei den Krautreportern brennt nichts.

Nichts an ihrem Projekt ist im aktuellen Zustand begeisternd, mitreißend oder wenigstens –nehmend. Zu Beginn beugten sie sich zu 100 Prozent den Gepflogenheiten des Print-Journalismus und arbeiteten mit Vorabgeschichten und Sperrfristen, gerade als ob das Internet nicht existierte. Sie unterwarfen sich jener Mediengattung, die sie selbst in ihrer Kommunikation als durch die Bank werbebeeinflusst diskreditieren.

Darüber diskutierten wir auch im Digitalen Quartett mit Richard Gutjahr:

Dann das Auftreten: Mit Interviewvideos stellen sich die Beteiligten vor. Die Filmchen wirken in ihrer Trägheit wie eine Parodie auf die Reportervideos, die von der „Zeit“ jüngst lanciert wurden (und die von den Freischreibern so treffend durch den Kakao gezogen wurden). Große Töne werden trotzdem gern genommen, so hat Thilo Jung das Gefühl, er sei der einzige Journalist in der Bundespressekonferenz, der noch Fragen aus Interesse stellt.

Tilo Jung, Krautreporter from Krautreporter on Vimeo.

Die Projekt-Homepage macht auf keinen der Autoren wirklich Lust. Ein Beispiel dafür ist Victoria Schneider: Sie arbeitet von Johannesburg aus für internationale Auftraggeber, am Anfang stand unter ihrem kurzen Portrait nur ihr unverlinkter Twitter-Name. Inzwischen hat sich das geändert, der Twitter-Name ist genauso verlinkt wie das wirklich spannende Projekt, an dem sie beteiligt ist: Unter Dirty Profits Exposed recherchieren junge Journalisten über afrikanische Minenkonzerne. Bermerkenswerterweise korellieren die Ergänzungen in Schneiders Krautreporter-Profil mit einem Kommentar, den ich im Blog von Daniel Fiene hinterließ. Sicher ein Zufall. Auch gibt es inzwischen einen Artikel, warum sie bei Krautreporter mitmacht. Doch der ist dann wieder nicht mit ihrem Profil verlinkt, Links zu anderen Texten sind in voller Länge im Text (was ja nun eher ungewöhnlich ist in dem Teil des WWW, den ich bevozugt besuche). Schneider ist kein Einzelfall. Eher hingeschlampt wirken die meisten Portraits, strahlen keine Leidenschaft für Themen aus.

Vielleicht war der Google Hangout symptomatisch, den der Medienjournalist Julian Heck mit den Krautreporter-Köpfen Alexander von Streit und Sebastian Esser führte. Gleich am Anfang sagt von Streit: „Alle Autoren stehen für bestimmte Expertise, Haltung und Herangehensweise.“


Ach, wirklich? Ich behaupte: Nein, tun sie nicht. Oder besser: Sie stehen vielleicht dafür – weiß aber kaum jemand. Ich würde sagen, ich konsumiere eine überdurchschnittliche Menge Journalismus. Doch trotzdem sagt mir mehr als die Hälfte der Krautreporter nichts oder wenig. Wenn das mir schon so geht, wie ist es dann bei Menschen, die keine Ex-Journalisten sind?

Denn es geht ja explizit nicht darum, mich zu begeistern oder Daniel Fiene oder andere Netz-Irre. Wir geben ja sowieso das Geld. Doch wir sind nicht genug: Ohne die Unterstützung der durchschnittlich Netz-Affinen wird es Krautreporter nicht geben – und diese Menschen müssen begeistert werden.

Jene Zielgruppe der weniger Digital-Verliebten wird schon schwer genug für den Namen zu gewinnen sein: Krautreporter. Verleiht es einem höheres Ansehen, „die Krautreporter zu unterstützen“? Oder klingt es nicht eher lächerlich? Für viele Menschen, behaupte ich, wäre es ein tolles Gefühl, eine Exklusivmeldung eines Portals, das sie mitfinanziert haben, in der „FAZ“ oder der Tagesschau zu sehen. Doch wie toll muss eine Meldung sein, bis eine dieser Institutionen eine Meldung „der Internet-Plattform Krautreporter“ zitiert? Schließlich werden Leser, die das Projekt nicht kennen, dessen Wertigkeit allein wegen des pseudo-lustigen Namens anzweifeln.

Fast scheint es, die Krautreporter würden auch überrascht vom Bedürfnis nach Kommunikation ihrer Geldgeber. Es gibt inzwischen ein Blog, doch das ist auf der Seite nur mit überdurchschnittlicher Sehstärke erkennbar. Verlinkt ist es als „Aktuelles“-Button unter den Videos sowie nach einigem Scrollen in einem petrolfarbenen Balken. In der vergangenen Woche verkündeten die Krautreporter, dass sie nun ihr Blog auf WordPress umgestellt hätten. Jetzt erst? Zumindest bei mir wäre es der erste Reflex, ein Blog auf diesem System aufzubauen.

Mich dünkt: Die Option auf Kommunikation mit den Geldgebern war weder vorgesehen noch ist sie jetzt wirklich erwünscht. Das demonstriert auch die Facebook-Seite der Aktion mit aktuell 10.000 Likern. Es gibt dort einige sehr aktive Kommentatoren. Die Krautreporter verweigern sich aber der inhaltlichen Diskussion. Allein die Frage, warum nur mit Kreditkarte bezahlt werden kann – auch das ein massiver Stockfehler, der heutzutage wirklich vermeidbar ist – wird regelmäßig beantwortet, natürlich mit dem immer gleichen Text (noch so was, was gemeinhin als Stockfehler gilt).

Dabei war abzusehen, dass zum Beispiel der geringe Anteil an Frauen und das völlige Fehlen von Journalisten mit Migrationshintergrund für Murren sorgen würde. Ich bin kein Freund der festen Frauenquote, aber 6 von 28 – das ist in den Zeiten paritätisch besetzter Diskussionspodien nicht akzeptabel. Das war wohl auch im Projektverlauf aufgefallen, bekam aber keine hohe Priorität. Erstaunlich ist dann, wie patzig Beteiligte ob des Themas reagieren – nachzulesen bei Frau Nuf.

„Mitglieder“ nennen die Krautreporter ihre Geldgeber. Vergangene Woche lag in meiner Post mein Mitgliedsausweis für den SC Preußen Münster. Die Leistungen, die ich dort für meine Jahresgebühr bekomme, sind klar geregelt und in leicht konsumierbaren Bullet Points im Schreiben aufgelistet.

Bei den Krautreportern ist das nicht so. Und das unterscheidet sie eben auch von den meisten Crowdfunding-Projekten. Auch auf Plattformen wie Kickstarter oder Startnext gibt es – abgesehen von 1-Dollar-Solidaritätsbeiträgen – klare Gegenleistungen, und seien es nur Spielereien wie handgeschriebene Dankeskarten.

Ganz nebenbei: Das Kreditkartenthema und viel Orga-Aufwand hätte sich natürlich umgehen lassen, hätten die Krautreporter den Weg auf eine existierende Crowdfunding-Plattform gewählt. Ach ja, warum gibt es keine Widgets, Banner oder Buttons, mit denen ich mich als Unterstützer outen kann, so wie es bei der re:publica seit Jahren Normalität ist?

Was also bekomme ich von denen, die den Onlinejournalismus reparieren wollen? Ich weiß es noch immer nicht. Die Artikel werden frei sein – und das finde ich gut. Man wird wohl kommentieren dürfen und nicht näher definierte Einblicke in die Recherche haben. Vielleicht gibt es noch Treffen oder Hangouts mit Krautreportern. Stefan Niggemeier verweist auf den US-Blogger Andrew Sullivan: „Es gibt aber übrigens auch bei Sullivan zusätzliche Goodies: Podcasts und laaaange Essays. Ähnliche Angebote wird es auch bei „Krautreporter“ geben.“

Ähnliche? ÄHNLICHE? Warum verraten die Krautreporter das nicht? Weil sie fürchten, jemand nimmt ihnen die Idee weg? Oder weil sie selbst noch gar nicht wissen, was sie machen wollen?

Das alles wirkt so larifarischeißegal, dass ich die Krautreporter am Kragen packen und durchschütteln möchte, damit sie vielleicht mal aufwachen. Ich will ihnen Koffeein oder weniger legale Drogen intravenös verabreichen in der Hoffnung, dass sie dann eine Dynamik entwickeln die über die eines sedierten Ay hinausreicht.

Das alles ist so schwammig, dass ich den Begriff Crowdfunding sogar für falsch halte. Tatsächlich geht es hier (nicht steuerrechtlich, aber gefühlt) – um eine Spende.

Das ist nicht so verwerflich, wie es klingt. Nur gilt eben auch bei Spenden, dass sie nicht fließen ohne Emotionen und ohne Kommunikation. Wer die Patenschaft für ein Kind in der Dritten Welt übernimmt, bekommt mal einen Brief, mal Fotos. Doch kann ich solches bei den Krautreportern erwarten, die im wichtigsten Moment ihres Vorhabens – der Geldsammelphase – schon wenig Lust an Kommunikation zeigen?

Es geht ja anders. Auch bei journalistischen Projekten. Vor einiger Zeit habe ich mich bei Substanz beteiligt. Unter diesem Namen wollen die beiden Wissenschaftsjournalisten Georg Dahm und Dennis Dilba ein digitales Magazin anschieben.

Über die Zeit hinweg hatte ich ständig das Gefühl, die beiden können nicht glauben, dass da Menschen sind, die ihre Idee unterstützen. Die einfach so Geld rüberschieben. Die beiden lassen mich mitleiden und –fiebern, ich freue mich wie Bolle auf die erste Ausgabe von Substanz. Zitat nach Ende der Finanzierungszeit: „Wir haben in den letzten Wochen so viel über Substanz geredet, dass manche schon befürchteten, wir würden niemals damit aufhören. Seit letzter Nacht aber ringen wir nach Worten. Zwei Tage vor Ende der Crowdfunding-Kampagne haben wir das Mindestziel von 30.000 Euro überschritten. Dass über 500 Menschen so an unsere Idee glauben, dass sie jetzt schon zahlende Leser werden, macht uns glücklich und dankbar. Weitere Sprachgirlanden überflüssig.“

Oder Christian Jakubetz. „Der 40-Jährige, der aus dem Golf stieg und verschwand“ heißt sein jüngstes Buchprojekt, eine Art „Generation Golf Reloaded“. Über eine Facebook-Page diskutierte er mit interessierten Leser-in-spe, auf Twitter und Facebook begeisterte er jene, die an ihm interessiert sind. Sein Blog kam dabei gar nicht groß zum Einsatz. Das heißt nicht, dass „Der 40-Jährige“ automatisch ein Bestseller wird – doch habe ich bei Jakubetz eben das Gefühl, dass er mit Verve für sein Projekt brennt, ich freute mich bei jedem Schritt mit ihm.

Wo ist der Grund, sich auf den Start von Krautreporter zu freuen? Ich vermag ihn nicht ausmachen. Auch kenne ich niemand, der dem ersten Tag des Online-Gehens entgegenfiebert. Mir scheint, die Mitmacher selbst sind blind gegenüber diesem Empathieproblem. Stefan Niggemeier zitiert in seinem Blogartikel zum Thema jenen US-Blogger Andrew Sullivan, der sich bei seinen Geldgeber bedankte mit den Worten: „You built that. And we’re incredibly grateful to live in it.“

Wann hat man Ähnliches von den Krautreportern gehört?

Zur Halbzeit der Geldsammlung ist das Scheitern wahrscheinlicher als die gelungene Finanzierung. Und das ist bitter. Denn wenn die Krautreporter scheitern, liefert das all jenen Ausreden, die glauben, Journalismus müsse sich nicht ändern. Dass all das, was digital ist, den Journalismus nicht verbessert, sondern nur aus Hirngespinsten besteht.

Die Krautreporter stehen, gerade weil bekannte Namen unter ihnen sind, eben auch in der Verantwortung: Wenn sie scheitern, dürfte es auf absehbare Zeit keine, zumindest aber weniger journalistische Projekte ohne Konzernbeteiligung geben. Und jedes dieser vielleicht entstehenden Projekte wird sich um die Ohren hauen lassen müssen, dass das mit den Krautreportern ja auch nicht funktioniert habe. Deshalb ärgere ich mich so sehr über die Luschigkeit der Krautreporter. „Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entzünden“, gehört zu den ausgelutschten Aphorismen-Kalender-Weisheiten. Das heißt aber nicht, dass dieser Satz nicht ein gehöriges Stück Wahrheit in sich trägt. Nur noch 14 Tage bleiben, um über 9.000 Spender zu finden.

Leider aber sind die Krautreporter in ihrem aktuellen Zustand dabei, ihre Chance genauso bräsig zu verbaseln wie die Piratenpartei die ihre in der Politik.

Verdammte Hacke, Krautreporter, begeistert Euch! Und anschließend endlich auch uns! Zeigt, wie sehr Ihr Euer eigenes Projekt wollt. Entzündet uns!

Und jetzt geh ich spenden.

Sie auch? Dann bitte hier entlang.

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Kommentare


Aliksandr Hasek 30. Mai 2014 um 12:20

„Insgesamt 900.000 Euro wollen sie einsammeln um so jedem der Autoren 2.000 bis 2.500 Euro im Monat zahlen zu können. Eine Halbtagsstelle, sozusagen.“

2500,- € für eine Halbtagsstelle? Wo, bei der FIFA, beim IOC, als Beamter in Monaco?

Da lassen sich ein paar Bonzenjournalisten ihr Gehalt crowdfunden, mehr nicht. Die retten gar nichts, außer ihren eigenen Arsch.

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Thomas Knüwer 30. Mai 2014 um 12:58

@Aliksandr Hasek: Es handelt sich hier auch um junge Journalisten, aber auch. Und aus meiner Sicht ist für freiberufliche Journalisten ab einem gewissen Erfahrungszeitraum ein Monatssalär von 4.000 bis 5.000 Euro nicht nur angemessen (verglichen mit anderen Berufen), sondern auch definitiv erreichbar.

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Hendrik 30. Mai 2014 um 12:21

Volle Zustimmung!
Auf mich wirkt das ganze Projekt schon hochnäsig, so schlafmützig wie es angegangen wird. Motto: Wir sind so gut, das verkauft sich von selbst. Also an mich schon mal nicht.

(Muß ich wissen, was „Stockfehler“ sind–ich kenne das nur aus der Eishockey-Berichterstattung. Oder müßtest du es erklären?)

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Thomas Knüwer 30. Mai 2014 um 12:55

@Hendrik: Exakt – es ist der leichte Fehler aus dem Eishockey gemeint.

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Carom 30. Mai 2014 um 12:36

Ihr Spendenangebot in allen Ehren: Die werden Sie nie auszahlen müssen. Dass krautreporter.de mit diesem „nur mal den Zeh ins laue Wasser halten“-Anlauf scheitern wird, ist angesichts des abebbenden Zulaufs jetzt schon absehbar.

Ich denke nicht, dass das Scheitern der Krautreporter das Ende der Kampagne sein muss – eventuell benötigen die Herren und Damen schlicht den Ar…tritt, um richtig in Schwung zu kommen. Eventuell waren ja auch die projektierten „Gehälter“ nicht ausreichend für Enthusiasmus in dieser ersten Runde, und mann will später nochmal eine Gehaltsklasse höher einsteigen??!!?

Nebenbei: Kompetente Zusammenfassung, zahlreiche Belege/Links, klare Haltung – guter Online-Journalismus von Ihnen, wer braucht da schon die Krautreporter? 😉

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Malte 30. Mai 2014 um 12:46

@Hendrik.

Siehe auch bei Wikipedia. Stockfehler kommt in der Tat aus der Hockey-Welt und wird (von mir) als technischer (gerne auch etwas unnötiger) Fehler verstanden.

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Michael 30. Mai 2014 um 13:41

Ja, das ganze scheint einfach deutlich zu früh online gegangen zu sein. Viel zu wenig Infos zu Beginn, zu viele offene Fragen. Es hätte einfach alles besser ausgearbeitet sein müssen.
Ich habe trotzdem unterstützt und hoffe, dass ihnen die Fehler nicht zum Verhängnis werden.

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Karsten Lohmeyer 30. Mai 2014 um 13:53

Lieber Thomas,

Du sprichst mir aus der Seele. Nichts würde ich mir lieber wünschen, als dass die Krautreporter erfolgreich sind. Denn ihr Erfolg oder auch ihr Scheitern wird meiner Meinung nach darüber entscheiden, ob andere Journalisten künftig ähnlich ambitionierte Projekte starten werden oder nicht. Ich habe also gleich zu Beginn gespendet und drücke den Krautis alle verfügbaren Daumen.

Aber es ist genauso, wie Du schreibst: Man hat das Gefühl, sie haben sich viel zu wenig Gedanken darüber gemacht, wie sie ihre tolle Idee eigentlich an den Mann oder die Frau bringen wollen. Das Problem, das Du ansprichst (und zu dem ich drüben bei LousyPennies auch schon Alexander von Streit befragt habe), scheint aber ein generelles Journalistenproblem zu sein: Wir brennen zwar für unsere Themen, aber uns selbst und unsere eigenen Projekte wirklich verkaufen können wir (oder die meisten von uns) nicht. Wir haben das einfach nicht gelernt und auch nie gewollt, weil wir immer dachten, die Story entscheidet und nicht das Bohei drumherum.

Vielleicht ist das die Lehre, die man aus einem Scheitern der Krautreporter ebenso ziehen sollte, wie aus einem knappen Erfolg: Es reicht nicht nur, ein guter Journalist zu sein, um guten Journalismus zu verkaufen.

Wenn wir für uns in Anspruch nehmen, ohne Verlagswesen auszukommen, müssen wir auch zumindest einige Fähigkeiten aus den Verlagsabteilungen in unsere Welt transferieren. Dazu gehört vor allem auch gutes Marketing beim Leser. Die „Verkaufe“ über eine Schlagzeile hinaus. Denn dem Leser ist unsere ganze Blasendiskussion um guten Journalismus herzlich egal. Er zahlt nur für etwas, was ihn wirklich begeistert.

Und da stimme ich Dir zu: Die Krautreporter haben das bisher – trotz einiger Nachbesserungen – nicht wirklich geschafft. Die Daumen drücke ich aber weiter, dass das Ding ein Erfolg wird und wir sehen, was diese exzellenten Kollegen auf der Pfanne haben.

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Kiki 30. Mai 2014 um 14:04

Schöner Artikel, der bei mir nur zu einem anderen Fazit führt: Ich werde kein Geld in die Hand nehmen, um diesen Trantüten die wundgesessenen Popos zu pudern. Da gibt es ganz andere crowdfunding Projekte, bei denen klar kommuniziert wird, was man später davon hat, wo begeistert getrommelt und geworben und gepfiffen wird für die eigene Sache, wo sich sichtlich mehr Mühe gegeben wird und ein Interesse, ein Brennen für die Sache spürbar wird, wo ich das Gefühl habe, hier sind Leute mit Ahnung von der Materie am Werk, wo ich nach den ersten zwei Minuten des Videos oder Textes schon die Kreditkarte zücke und sage “Oh, shut up and take my money already!“.

Gruppendruck kenne ich, das ist kein sehr erfolgreicher Ansatz bei mir, im Gegenteil.

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S.B. 30. Mai 2014 um 14:34

Woran ich mich besonders störe, ist diese Arroganz. Da wird behauptet, der klassische (online) Journalismus sei kaputt und jetzt kommen die Krautreporter und machen alles besser. Wohlgemerkt von Journalisten, die ansonsten natürlich noch weiterhin ihr Geld im „normalen“ Journalismus verdienen wollen. Tilo Jung sagt, man müsse ja eine Lüge eine Lüge nennen, wenn es eine solche ist. Und tut dabei so, als ob „klassische“ Journalisten das nie täten, weil sie alles korrupt und von Interessen beeinflusst wären. Würde mich mal interessieren, was ein Heribert Prantl dazu sagt. Deswegen: weniger pathetisches Geschwätzt, mehr ehrliche Begeisterung! Und dann: viel Glück und Erfolg!

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René Jacobi 30. Mai 2014 um 15:25

Leider haben die Krautreporter einen der urtypischen Fehler begangen.

Anstelle wirkliches Engagement zu zeigen, bereits in der Vorbereitung, wurde eine „grobe“ Idee präsentiert mit der man das Geld sammeln wollte.

Für mich war spätestens nach einem ZAPP Interview das Interesse an Krautreporter vorbei. Wenn da ein Projektteilnehmer sagt :“wir haben eine Idee, wissen aber auch noch nicht genau, wie wir das umsetzen“, dann sehe ich keinen Grund auch nur einen müden Euro zu investieren. Anstelle sich zu überlegen wie es gehen soll und Praxisbeispiele zu liefern, also wirkliche bereits mit dem Arbeiten anzufangen, wartet man auf das Geld. Weil ohne Geld macht man nichts.

Der Ansatz ist leider weit verbreitet. Wo ist die Risikobereitschaft? Natürlich kann es scheitern. Aber was verlieren die Damen und Herren, wenn es scheitert? Nichts.

Es erwartet ja niemand, dass Krautreporter jeden Tag 500 Artikel bereitstellen. Aber wenigstens von jedem Autor 2 wäre doch schon einmal etwas wert. So kaufe ich die Katze im Sack. Aber Hauptsache der Chefredakteur ist gleich am Anfang benannt.

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Mein Geld, meine Hoffnung für Krautreporter | 30. Mai 2014 um 15:37

[…] zur Debatte rund um Krautreporter bei Michalis Pantelouris, Thomas Knüwer, Daniel Fiene, Das Nuf – und natürlich auch hier und […]

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Armin 30. Mai 2014 um 15:53

Jeder noch so piefige oder jämmerliche Kleinstverlag kriegt eine digitale oder analoge Nullnummer hin, nur die ach-so-supertollen Digital-Journos nicht.
Boah.
Liegt wohl daran, dass die meisten dieser Supernasen in Berlin sitzen. Da könnt ihr auch alle bleiben – schön weit weg von meinem Geld.

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Franziska 30. Mai 2014 um 15:56

Journalistenkollegen, die seit Jahren auf die sogenannten etablierten Medien schimpfen und ihnen ständig und immer fehlende Innovationskraft, Langeweile und zu wenig Nähe zum Leser vorwerfen, hätte ich wirklich mehr zugetraut als dieses halbgare Konzept, was uns da als Crowdfunding-Projekt vor die Füße geworfen wurde. Das ist alles sehr sehr schade.

Dabei wäre besser machen soso einfach.

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JMK 30. Mai 2014 um 16:20

Ja, ja und ja. Der Launch ist komplett verunglückt, es fehlt die Begeisterung, ja es sind zu wenig Frauen dabei.
Und doch nein! Diese Trantütige, alles und jedes zu hinterfragen sich aber ohne Probleme, Billigpizza für 2 Euro/Tag reinzupfeifen (da weiß man was man hat), geht mir auf den Senkel.
Auch ich kenne nur die kleinste Anzahl der Protagonisten und bei einigen habe ich sogar Bauchschmerzen dafür Geld zu geben. Aber deshalb laufen solche Projekte in Deutschland auch so schlecht, weil alles auseinandergenommen und hinterfragt wird. Wer es sich leisten kann, hat im schlechtesten Fall 60 Euro für Texte von bekannten Journalisten ausgegeben. Ich kann mir schlechteres vorstellen.

P.S. Der Artikel von Frau Nuf und die Verweise auf Stefanowitsch sind schwer zu ertragen.

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Konstantin Neven DuMont 30. Mai 2014 um 16:34

Warum machen es die Kritiker nicht einfach selbst besser? P.S. Vielleicht kommen in den nächsten 14 Tagen ja noch ein paar Großspender um die Ecke. Dann würde es mit dem Start noch klappen.

Antworten

Andreas 30. Mai 2014 um 17:01

was mich abhält, zu überweisen: ich würde erst gern wissen, wieviel die autoren im Moment so verdienen, und wieviel sie mit Krautreporter dann im vergleich haben. nicht dass ich es ihnen nicht gönnen würde,aber man will natürlich wissen wie es läuft und nicht eine arbeitsbeschaffungsmaßnahme oder autorenkarrieren als selbstzweck finanzieren.

Warum genau diese 900.000? Legen die dann auch ihre Nebeneinkünfte offen? Und wäre es nicht einfacher, notfalls erstmal mit weniger autoren zu starten?

Ich glaube es wäre hilfreich, wenn das auf der seite etwas transparenter wäre.

Das habe ich denen auch schon geschrieben, aber sie hatten lt Autoresponder noch keine Zeit mir zu antworten wegen der vielen Mailanfragen.

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Cheval Alazán 30. Mai 2014 um 17:09

@JMK

Im schlechtesten Fall hat man 60€ für etwas ausgegeben was nie startet. Und im zweitschlechtesten Fall 60€ für Artikel, für die man sich bei anderen weigert nur 0,90€ zu geben.

Und wenn Sie den Artikel gelesen hätten, dann wuessten Sie dass Mr. Knüwer nicht alles hinterfragt sondern, wie ich auch, da steht und sagt „Was ist Krautreporter denn jetzt, was kann ich erwarten?“

Das ist doch das Problem!
Krautreporter bietet aktuell nicht mal ein Konzept, das man hinterfragen könnte.

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Arthur 30. Mai 2014 um 17:25

Mir ging es ganz genauso! Am Anfang dachte ich: „Oh, was für ne tolle Idee. Unabhängiger Journalismus, der diese Bezeichnung verdient – sowas MUSS man doch einfach unterstützen.“

Also ging ich auf die Seite, hab mir die Videos angesehen, etwas konsterniert die Lobhudeleien auf das eigene Crowdfunding-System namens KeineAhnungMehrWeilUnwichtig durchgelesen und die ganze Zeit nach dem eigentlichen Funken Begeisterung gesucht. Dieses „Seht her, SO wird es aussehen. DAS bieten wir Euch!”
Eine erste Leseprobe, ein Testaccount auf einer Preview-Seite, eine Vorschau auf einen gut recherchierten Artikel mit interaktiven Grafiken – irgendeine Art von Incentive.

Stattdessen fand ich viel Larifari, Seifenblasen und Selbstbeweihräucherung. Nicht falsch verstehen – wer gut ist, darf sich gern selbst auf die Schulter klopfen und das auch zeigen. Aber bei mir als durchschnittlichem Web-User klingelte es auf Anhieb vielleicht bei zwei oder drei der genannten Namen. Und da fällt es schwer, mal einfach so die Kreditkarte zu zücken.

Ich hab dann erstmal das Browserfenster geschlossen und ein, zwei, drei Nächte drüber geschlafen. Nochmal auf die Seite – gleiches Un-Erlebnis. Der Funke sprang nicht über. Mehr noch: Ich kam mir fast ein bisschen an der Nase herumgeführt vor. Statt ein „Wir glauben an uns. Wir legen los und zeigen Euch, was wir wirklich draufhaben – und wenn ihr das dann gut findet, DANN unterstützt uns!” war da dieses „Also, wir glauben ja schon an uns. Aber so einfach mal ins kalte Wasser hopsen? Nene, dafür sind wir zu deutsch – und Deutsche brauchen Rückversicherung für alles. Also unterstützt uns mal vorab, und sobald wir denken, dass es genug ist, DANN waten wir mal ganz vorsichtig rein ins Wasser…”
Diese Forderung, das Projekt für mindestens ein Jahr unterstützen zu müssen, ansonsten würde man gar nicht erst anfangen, stieß mir sehr sauer auf. Unternehmerisches Risiko sieht anders aus.

Bei meinem dritten Besuch auf der Website habe ich dann tatsächlich die Karte gezückt. Aber mir ging es ähnlich wie Thomas: Achselzuckend und ohne große Begeisterung – eher aus einem Gefühl der Verpflichtung heraus: „So was muss man halt unterstützen.“

Wie es aussieht (aktuell ca. 6000 Unterstützer, noch 14 Tage Zeit), wird das Projekt wohl scheitern. Und wenn es scheitert, dann nicht an der guten Idee, sondern an einer halbherzigen Umsetzung.

Schade drum.

Antworten

Andrea Kamphuis 30. Mai 2014 um 17:33

@Konstantin Neven DuMont: Ich weiß nicht, ob das mit den Großspendern hinhaut. Im Unterschied zu den meisten Crowdfunding-Plattformen zeigt der Balken bei den Krautreportern nämlich stur Unterstützerzahlen an und nicht den bereits zugesagten Betrag. Und das ist vielleicht gar nicht so dumm, denn je 60 Euro von 15.000 Leuten mögen mathematisch denselben Betrag ergeben wie je 60 Euro von 6000 Leuten plus ganz viel Geld von 5 Leuten. Aber die Unterstützerbasis muss halt breit genug sein, um eine Perspektive über das erste Jahr hinaus zu haben.
(Bin übrigens dabei, praktisch von Anfang an, vermisse aber ebenfalls den Funken.)

Antworten

Michael 30. Mai 2014 um 18:10

Findest Du auch schon immer die Haare in der Suppe, auch wenn selbige noch gar nicht serviert ist? Viele Zeilen Wichtigtuerei – mehr steht da oben nicht. Bye!

Antworten

JMK 30. Mai 2014 um 18:14

@Cheval Alazán
Wie Sie bestimmt wissen, werden die 60 Euro nur dann fällig falls das Projekt zustande kommt.

Und falls Sie meinen kurzen Text gelesen hätten, wüssten Sie auch, dass ich die Kritik verstehen kann, nur erscheint mir diese oftmals als nitpicking

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TL 30. Mai 2014 um 19:32

„Wow!“ war mein erster Gedanke vor zwei Wochen. „Oh no!“ ist jetzt mein letzter Gedanke dazu. Es tut weh, aber das Projekt ist doch schon tot. Es wird ein neues kommen (müssen!).

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mcbexx 30. Mai 2014 um 19:57

Tja, wenn man so überzeugt vom Konzept ist, dann wäre sowas wie eine Nullnummer sicherlich überzeugender als warme Worte.

So viel Vorleistung sollte man erbringen können, wenn man verkündet, den Onlinejournalismus revolutionieren zu wollen.

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Links oben: Finden wir uns selbst nicht so toll? | UNIVERSALCODE 30. Mai 2014 um 20:06

[…] 15.000 Unterstützer haben sich inzwischen angemeldet. Es mehrt sich allerdings auch die Kritik: Thomas Knüwer und Dirk von Gehlen haben sich zwar jetzt auch zu den Unterstützern gesellt, machen das aber nur […]

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ullrik 30. Mai 2014 um 21:17

Erst war ich begeistert. Nachdem ich herausfand, dass nur mit Kreditkarte bezahlt werden kann, ein wenig enttäuscht. Ich kenne auch nur eine Hand voll der Journalisten. Aber selbst für sie wäre ich bereit den Betrag zu zahlen, einfach nur, weil ich ihre Arbeit sehr schätze. Aber ihr wollt es nicht, denn ich habe keine Kreditkarte (die Online-Karten machen mir alle keinen wirklich seriösen Eindruck. Oder hat da jemand einen vertrauenswürdigen Anbieter entdeckt?).
Mittlerweile bin ich genervt. Warum wurde diese grandiose Idee so schlecht vorbereitet?

Antworten

Kalle 30. Mai 2014 um 22:36

„Exakt – es ist der leichte Fehler aus dem Eishockey gemeint.“

Leichter Fehler? Lediglich 30% der Deutschen besitzen eine Kreditkarte. Und was „aktive Nutzung“ betrifft, wird der Anteil (-> Gesamtbevölkerung) noch geringer sein. Aber rechnet man mal sehr großzügig hoch: Selbst wenn der Anteil an aktiven KK-Nutzern innerhalb der „Zielgruppe Krautreporter“ vielleicht bei 50% liegen sollte, dann bliebe immer noch die Hälfte an potenziellen Unterstützern außen vor…

Ein „Leichter Fehler“?

@Konstantin Neven DuMont
Die Rolle des „Großspenders, der das Projekt kurz vor knapp doch noch über die Ziellinie boxt“ ist noch vakant und wäre doch eigentlich genau ihre Liga. An Mitteln sollte es ja wohl kaum mangeln und Sie könnten damit auch den vielen tausend guten und klugen Ratschlägen zum Thema „Medienzukunft“ – mit denen Sie in den letzten 10 Jahren an beinahe jedem Ort im deutschsprachigen Internet auf sich aufmerksam machen konnten, endlich mal Taten folgen lassen…

Antworten

m 31. Mai 2014 um 6:52

Ja. Da ist überhaupt kein Schwung, keine Geschichte, kein Sex, nichts. Aber genau so stelle ich mir Journalisten vor. So habe ich sie die letzten im Großen und Ganzen Jahre erlebt. 🙂 Die Jungs brauchen da dringend Hilfe. Jemand, der Verkaufen kann. Aber nun, sie starten ja erst.

Den geringen Frauenanteil halte ich nicht für ein Problem. Im Gegenteil. Nach meiner Beobachtung ist die Arbeit von Journalistinnen oftmals von geringerer Qualität als die der Männer.

Antworten

Patrick 31. Mai 2014 um 7:00

Bist Du eigentlich in irgendeiner Phase des Projektes mal angesprochen worden, ob Du dabei sein willst?

Antworten

Thomas Knüwer 31. Mai 2014 um 7:07

@Patrick: Nein. Das wäre aber auch merkwürdig gewesen, da ich nur noch als Hobby schreibe.

Antworten

Kai Nechter 31. Mai 2014 um 9:55

Ich habe das Gefühl, dass der Bedarf an „Orchideethemen“ und einem „besseren“ Lifestyle-Magazin nicht so groß ist, wie der an zensurfreierer und objektiverer politischer Analyse es wäre. Leider findet sich in den Reporter-Portraits kaum politische Kompetenz, dafür offenbar das halbe arbeitslose Vanity-Fair-Team.

Antworten

Sebastian Esser 31. Mai 2014 um 10:37

Lieber Thomas,

ich hätte jetzt ganz viel zu erwidern und könnte mir Mühe geben, ein paar gedrechselte Vokabeln auszudenken und einige Deiner Formulierungen so zu zerkauen, dass sie sich am Ende möglichst lächerlich anhören. Wie man es eben so erwartet in einer dieser Medienbubbleblogrepliken, die ich schon lange nicht mehr lesen will und noch länger nicht mehr schreiben. Ich gebe zu, es juckt in den Fingern, aber ich habe lieber eine Nacht geschlafen und heute morgen noch weniger Lust, so etwas zu antworten. Denn ich ahne, dass Du es gut meinst. Wir Medienleute haben einfach eine sehr eigenwillige Art, so etwas auszudrücken. Dein Text hier oben klingt stellenweise geradezu wohlwollend.

Er ist also nicht auszuschließen, dass Du es gut meinst. Allein, er hilft uns nicht wirklich weiter – und das kann ich anhand unserer Unterstützerzahlen seit Deinem Post beweisen. Im Gegenteil: Die Erwartungen scheinen parallel zu unserem Fortschrittsbalken zu wachsen, und sie werden durch Texte wie Deinen immer höher. Diese Überhöhung des Projekts Krautreporter macht uns das Leben schwer. Die angebliche Verantwortung, von der Du spricht, lehne ich ab. Jeder, der von uns erwartet, dass wir den Journalismus retten oder es auch nur versuchen, soll sich bitte woanders umsehen. Wir wollen schlicht den Journalismus machen, von dem wir glauben, dass viele Leser ihn vermissen. Sollten wir nicht genügend Geld zusammenbekommen, werden es halt andere versuchen. Sicher gibt es einiges zu lernen aus unseren Fehlern.

Davon haben wir natürlich genug gemacht und Du hast leider Recht in vielen Punkten. Vom ersten Tag an haben wir versucht, dazuzulernen und die Kampagne schon mehrmals stark angepasst. Viele Freunde und Kollegen haben uns in den letzten Tagen wichtige Ratschläge gegeben und ihre Hilfe angeboten. Das ist eine tolle Erfahrung. Noch großartiger ist nur die Begeisterung, die uns die neuen Krautreporter-Mitglieder zu spüren geben, und der Enthusiasmus, mit der sie unsere Idee verbreiten. Das Konzept, für das wir aus beiden Ohren und weiteren Körperöffnungen Deiner Wahl brennen: Vier ausführliche, sorgfältige, möglichst multimediale Posts am Tag von tollen Autoren; eine Themenmischung aus Relevanz und journalistischer Unterhaltung; enge Zusammenarbeit und ständiger Austausch mit den Lesern; eine saubere, leicht zu bedienende, emotional gestaltete Seite ohne Werbung. Das wär doch was.

Was uns sehr weiterhilft, ist Deine Bereitschaft, 60 Euro darauf zu wetten, dass wir Dir ein Jahr lang etwas Neues bieten werden. Dass Du uns mit Deinem in Geld ausgedrückten Vertrauen ermöglichst, einen Ort im Internet zu schaffen, den es sich zu besuchen lohnt, wenn Facebook, Twitter, Blogs, Buzzfeed und SPON schon durchgelesen sind und das Hirn noch Hunger hat auf eine lange, ungewöhnliche Geschichte. Ein Ort, von dem Du weißt, dass Du ihn mitgeschaffen hast.

Dafür sechstausend Dank!

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Thomas Knüwer 31. Mai 2014 um 10:55

Lieber Sebastian,

danke, dass Du Dich zu Wort meldest. Deine erste Passage kann ich nicht nachvollziehen. Habe ich irgendwo Eure Formulierungen lächerlich gemacht? Ich denke nicht.

Ein Punkt aber reizt mich aber zu sehr zum Einspruch. Du schreibst, Artikel wie meiner trügen zu einer Überhöhung bei. Das bestreite ich vehement. An dieser Überhöhung habt Ihr von Anfang an gearbeitet (was ich überhaupt nicht kritisieren mag). Formulierungen wie die, dass der Onlinejournalismus kaputt sei und Ihr ihn reparieren wollt, sind nicht gerade von unselbstbewusstem Auftreten geprägt. Parallel gibt es einige Momente, die andere Journalisten grundsätzlich Kompetenz absprechen (auch hier sei leider das Video von Tilo Jung erwähnt).

Wenn Euch also diese Überhöhung das Leben schwer macht, so gibt es vor allem einen Schuldigen daran: Euch selbst.

Es ist auch toll, dass anscheinen so viele Menschen um Euch herum Begeisterung empfinden. Hier den Kommentaren, genauso aber auf Twitter und Facebook, finde ich in meiner persönlichen Filterblase keinen einzigen, der begeistert ist – aber viele, die das Projekt wichtig finden. Dies mag an meiner Hauptstadtferne liegen, ist aber sicherlich, Du selbst schreibst ja von der Medienbubble, eine anekdotisch interessante Beobachtung.

Ich persönlich bin auf eines gespannt: Wenn Eure Bereitschaft zur direkten Kommunikation jetzt schon als unbefriedigend empfunden wird – wie wird dies im Regelbetrieb aussehen?

Weiter viel Erfolg!

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Mimimi 31. Mai 2014 um 11:31

Eine punktgenauere Bestätigung für diesen Post als Sebastian Essers Entgegnung kann man sich ja kaum ausdenken! Die Krautreporter sind tatsächlich „blind gegenüber dem Empathieproblem“ – das sie selbst mit ihrer teilweise selbstgefälligen Art (obwohl ich die Mehrzahl der Beteiligten davon ausnehmen würde) erzeugt haben und weiter erzeugen. Wenn sie scheitern sollten, wird das ein Attest für die unter den Krautreportern sein, die sich offenbar so bequem eingerichtet haben in der in ihrer Bubble generierten Überzeugung von der eigenen Großartigkeit, dass sie auch nach einem zugewandten Hinweis wie diesem hier oben nicht merken, wie ungewöhnlich es tatsächlich ist, so viel Geld haben zu wollen, ohne dafür in Vorleistung zu gehen. Stichwort: Probeausgabe.
Ich fürchte, sie werden den beim „sedierten Ay“ bleiben – und auf den weißen Ritter hoffen. Das ist wirklich ärgerlich, denn die Idee ist gut. So gut, dass sie das eventuelle Scheitern dieses Anlaufs überleben wird.

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Arthur 31. Mai 2014 um 11:35

@ Sebastian Esser
Sie schreiben: „Jeder, der von uns erwartet, dass wir den Journalismus retten oder es auch nur versuchen, soll sich bitte woanders umsehen.“

Für mich steht das in direktem Widerspruch zu der Aussage – nein, zu dem *Versprechen* auf krautreporter.de: „Der Online-Journalismus ist kaputt. Wir kriegen das wieder hin.”

Ich bin gerade ehrlich erschüttert und fühle mich hintergangen. Als hätte man mir mit falschen Versprechungen ein Zeitschriften-Abo aufgeschwatzt (was genau betrachtet ja sogar zutrifft).

Ich ziehe hiermit meine Unterstützung für das Projekt zurück. Wie so oft hätte ich meinem Bauchgefühl trauen sollen. Nach der Art und Weise, wie Ihr dieses Projekt fast schon vorsätzlich in den Sand setzt, solltet Ihr Euch besser Kraut-und-Rüben-Reporter nennen.

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Sebastian Esser 31. Mai 2014 um 11:47

@Arthur: Das tut mir leid. Wir wollen eine Menge anders machen. Wir wollen unseren Journalismus von dem Druck befreien, den Online-Werbung verursacht mit vielen schlechten Nebenwirkungen. Wir wollen und die Zeit und den Platz nehmen, den Journalismus braucht. Wir wollen das Tempo verlangsamen und auf Recherche statt Meinung setzen. Und vieles mehr.
Aber wie bitte könnten wir den Journalismus retten? Wie sollten wir die Zeit, den Spiegel, die Süddeutsche, die FAZ, Deutschlandfunk und Tagesthemen ersetzen? Das wäre Größenwahn – und unser Projekt ist schon wahnsinnig genug.

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Arthur 31. Mai 2014 um 12:10

@ Sebastian
Aber das ist genau der Anspruch, den Ihr erhoben habt. 28 Journalisten, angetreten, um den Journalismus zu retten.

Und ganz ehrlich: 28 Journalisten können eine Menge bewegen. Denn Journalisten sind Meinungsbildner. Viel von dem, was Journalisten schreiben, wird von einer großen Menge mehr oder weniger unreflektiert übernommen. Daraus erwächst eine große Verantwortung: eine Verantwortung, die Wahrheit zu schreiben. Stefan hatte vor Jahren mit bildblog schon einen ersten Schritt dahin unternommen und vielen Journalisten, die dieser Verantwortung nicht (mehr) gerecht werden (oder wollten oder konnten), auf die Finger geklopft. Aber wer klopft Euch nun auf die Finger, wenn Ihr Euer Grundversprechen sozusagen über Bord werft?

Ihr habt die Messlatte selbst so hoch gelegt. Und nur deswegen haben auch über 6000 Menschen ihre Unterstützung zugesagt – weil sie es Euch zutrauen, diese Messlatte auch zu überschreiten.

Es erwartet von Euch niemand, die Zeit, den Spiegel, die Süddeutsche, die FAZ, Deutschlandfunk und Tagesthemen zu ersetzen. Aber wir erwarten von Euch, dass Ihr den Kollegen zeigt, dass Journalismus auch anders funktionieren kann – damit vielleicht der ein oder andere Kollege mal drüber nachdenkt, welchen Beruf er ursprünglich mal gewählt hatte. Ihr sollt nicht ersetzen, Ihr sollt ergänzen. Ihr sollt reparieren. Ihr sollt das Pflaster auf der Wunde sein.

Wir leben in einem Jahrzehnt, in dem die Controller die Macht haben. Herausragende Qualität interessiert keinen mehr – wichtig ist nur noch der ROI. Wenig Aufwand, viel damit rausholen. Ihr habt versprochen, das anders machen zu wollen. Dann macht es gefälligst auch.

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Alexander von Streit 31. Mai 2014 um 12:10

Hallo Thomas,
auch von mir erst einmal: Danke für deine Unterstützung von Krautreporter.
Wir wissen, dass wir einige Dinge bei unserer Kampagne bislang nicht optimal umgesetzt haben. Es ist ein großes Projekt und wir haben es nicht blauäugig gestartet. Wir haben im Verlauf der Vorbereitungen auch darüber diskutiert, ob wir noch einen längeren Vorlauf brauchen und ob es sinnvoll ist, später zu starten, dafür aber perfekter. Wir haben uns dagegen entschieden, weil die Energie bei allen im Team jetzt da war und man so etwas auch kaputtplanen kann. Wir haben es gewagt und uns mit dem Projekt naturgemäß weit aus dem Fenster gelehnt. Das liegt einfach am Thema und an der Größenordnung, die wir gewählt haben. Und das ist zwangsläufig die Konsequenz, wenn man sich entschließt, wirklich etwas zu machen – und nicht nur darüber zu reden.

Es ist erst einmal großartig, wie viel über Krautreporter diskutiert wird, positiv wie negativ. Und wir nehmen die Kritik an und sehen sie als Chance, das Projekt (und die Kampagne) zu verbessern. Dies ist in meinen Augen ein fließender Prozess. Auch du hast in deinem Text wichtige Punkte genannt, bei denen wir noch besser werden können und müssen. Wir arbeiten daran.

Wir haben einen Nerv getroffen und ich bin der festen Überzeugung, dass wir bereits jetzt einen wichtigen Pflock in die Erde gerammt haben. Krautreporter kann nicht die Lösung für alle Probleme im Journalismus sein, aber zeigen, dass es neue Wege gibt. Ich bin mir sicher: Das ist erst der Anfang. Und zwar mit oder ohne Krautreporter.

Krautreporter ist ein Projekt, das von viel Idealismus getragen wird. Es ist noch kein fertiges Produkt und unsere Kampagne kein Crowdfunding in ein Unternehmen, sondern in eine journalistische Idee. Wir sind begeistert, dass sich bereits über 6000 Menschen dazu entschlossen haben, diese Idee zu verwirklichen. Das ist wirklich großartig und wir nehmen die Verantwortung an, dieses Vertrauen nicht zu enttäuschen.

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Die Krautreporter und das Crowdfunding | Nils Müller 31. Mai 2014 um 13:56

[…] Knüwer fehlt dar­über hin­aus auch die Begeis­te­rung, das Bren­nen für das Pro­jekt, wel­ches die Macher in sei­nen Augen nicht in aus­rei­chen­dem Maße […]

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Thomas 31. Mai 2014 um 13:59

Was den Krautreportern entgegenschlägt, ist genau der Grund, aus dem ich manchmal meinen Hut nehmen und das Internet verlassen möchte. Mit welcher Selbstherrlichkeit da einem Experiment, das Vertrauensvorschuss verlangt, entgegengetreten wird… puh. Sorry, Ich weiß, das ist ein Klischee, aber dieses Fertigmachen neuer Idee, das IST eine deutsche Eigenart. Wie viel Perfektion verlangt ihr eigentlich von einem Projekt, das mit derart begrenzten Ressourcen startet, weil die Ressourcen erst durch das Crowdfunding aufgebaut werden müssen? Woher kommt diese irre Fixierung auf die negativen Aspekte dieses doch mutigen und meinetwegen auch fehlerbehafteten Experiments? Was könnte es für einen nachvollziehbaren Grund geben, das kaputt zu machen? Und von Journalisten wie Thomas Wiegold zu behaupten, man habe keine Lust, ihnen mit 2000 Euro (VOR Steuer, inkl 19 Prozent Mehrwertsteuer! was bleibt davon eigentlich übrig?) den wunden Arsch zu pudern – wer das behauptet, der hat, sorry, nicht mehr alle Tassen im Schrank. Oder hat sich Thomas Wiegolds Arbeit nie angesehen.

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Arthur 31. Mai 2014 um 15:46

Thomas, darf ich ehrlich sein? Bei Deinem Text geht mir grad die Hutschnur hoch.

Warum?

Nun, da ist diese Gruppe von Journalisten, von denen ich (als durchschnittlicher Internetuser ohne beruflichen Bezug zur Journalismus-Branche) die meisten gar nicht mal kenne. Die wenigen, die ich tatsächlich kenne, haben bei mir aber soviel Interesse geweckt, dass ich mir das Projekt Krautreporter näher angesehen und – trotz Bauchgrimmen – finanziell unterstützt hab. Woher das Bauchgrimmen kommt, hab ich ja nun schon erklärt. **Nicht** von der Idee. Niemand macht die Idee an sich fertig, wie Du unterstellst.

Mein Bauchgrimmen kommt von der fast schon überheblich und herablassend anmutenden Art, wie die Beteiligten das Projekt kommunizieren. Wohlgemerkt – es handelt sich bei den Krautreportern um teilweise mit Preisen ausgezeichnete Journalisten. Um Medienprofis, die laut eigener Aussage mit viel Engagement und Begeisterung einen komplett neuen Ansatz wagen wollen – und es nicht schaffen, diese Begeisterung in ihren Videos und Texten rüberzubringen. Stattdessen wirft man seine Namen in die Waagschale, lehnt sich zurück und echauffiert sich in diversen Blogs, wenn die Unterstützer „Butter bei die Fisch“ haben wollen.

Weißt Du, was ich mir gewünscht hätte? Ab dem Zeitpunkt der groß angekündigten Crowdfunding-Phase hätten die Krautreporter anfangen müssen, täglich einen Artikel zu bringen. Mit Multimedia-Inhalten, interaktiven Grafiken, guten Recherchen – also genau so, wie sie es uns vollmundig versprechen. Ein Test-Monat, sozusagen.

Ja, man nennt das „in Vorleistung gehen“. Ist doof, wird oftmals nicht honoriert und die Gefahr, dabei viel Arbeit in den Sand zu setzen, ist groß. Aber schau mal: Ein Monat, 28 Reporter – das ist pi mal Daumen **ein** Artikel pro Reporter während der ganzen Crowdfunding-Periode.

Wenn nicht mal soviel Risikobereitschaft da ist – wie soll ich dann davon ausgehen, dass da in drei, sechs oder neun Monaten noch das Feuer der Leidenschaft lodert? Immerhin wird von mir die Risikobereitschaft erwartet, auf gut Glück mal 60€ oder mehr in einen Pott zu werfen, ohne zu wissen, wieviel Gegenwert da ist. Und dann muss ich mir noch vorwerfen lassen, eine Idee „fertigmachen zu wollen“.

Nochmal: Ich find die Idee gut. Sehr gut sogar. Aber von Medienexperten erwarte ich einen professionelleren Ansatz. Und lasse mich nicht obendrein noch beleidigen (und ja, ich zieh’ mir diesen Schuh gerade bewusst an).

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5 Wünsche an Krautreproter | Die Trendblogger 31. Mai 2014 um 16:09

[…] (…), mangelndem Enthusiasmus”. Jede Menge also. Wie Thomas Knüwer (“Verdammte Hacke, Krautreporter, begeistert Euch!”) spricht auch Dirk von Gehlen von fehlender Begeisterung und fordert: “Macht endlich […]

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JMK 31. Mai 2014 um 17:21

Was Thomas sagt. Michalis Pantelouris nannte die bislang 6000 Unterstützer ein Riesenerfolg. Ich vermag es nicht zu beurteilen, doch scheint mir Deutschland ein heißes Pflaster für Journalismus.
Weil sich Kritik an allem möglichen festmacht, Zahlungssystem bis hin zur Frauenquote und mein Eindruck ist, das sind die vorgeschobenen Gründe sich eben nicht festzulegen.
Vielleicht ist der akutelle Journalismus gut genug für die Menschen da draußen, vielleicht geben sie lieber 60 Euro für Konsumgüter aus. Ich weiß es nicht.
Es gibt ein kleines Magazin, nennt sich Stadtaspekte (okay ein wenig akademischer Titel), die bislang zwei hervorragende Hefte veröffentlichten, mit toll geschriebenen Texten und dazu noch einer tollen Bildreadaktion (auch etwas, das es in Deutschland nicht mehr gibt) und haben nun Probleme das dritte Heft finanziert zu bekommen. Und wir reden hier nicht über hohe Beträge, zeigt aber auch die Mutlosigkeit der Anzeigenkunden, die wohl kongruent mit der Bevölkerung ist.
Es gibt noch so viele Geschichten da draußen die es wert sind, erzählt und aufgeschrieben zu werden. Dafür setze ich gerne einen Vertrauensvorschuss ein.

Antworten

Thomas 31. Mai 2014 um 17:29

@Arthur: Siehst du, diese Haltung verstehe ich einfach nicht. Wie viele Kommentare habe ich gelesen, in denen es hieß „für 60 Euro verlange ich…ich gebe meine 60 Euro nicht einfach her bevor…“ Wieso glaubt jeder, dass er, bevor er diesen *Riesenbetrag* abdrückt, erst mal eine Liste mit Forderungen stellen muss? Es sind verdammt noch mal nur 60 Euro, man kann sich schon durchringen, dafür einer echt wichtigen Intitiative die Chance zu geben. Man sieht, dass die Krautreporter auf Kritik reagieren und nachbessern. Wo ist da die Arroganz? Ich habe bei vielen, vielen Krautreporter-Kritikern das Gefühl, dass es sich einfach um Neid handelt. Um ein „Ich gönne es euch nicht“. Das finde ich sehr, sehr schade. Den an dieser kleinen Geisteshaltung scheitern hierzulande viele wichtige Dinge.

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Meilaender 31. Mai 2014 um 18:06

Danke für Deinen Text, Thomas. Ich hoffe auch, dass das mit dem Krautreportern etwas wird. Einfach, weil das ein gutes Signal wäre für ein Finanzierungsmodell für Journalismus. Ich bin da aber leider etwas skeptisch. Das wichtigste Alleinstellungsmerkmal, mit dem die Krautreporter werben, sind hintergründige und ausgeruht-recherchierte Text. Sicher gibt es die auf den aktuellen Online-Portalen nicht so häufig, aber es gibt die im Journalismus längst. Der Spiegel, die Zeit, Brand eins e.t.c. Und die kann ich auch online lesen…

Antworten

Arthur 31. Mai 2014 um 18:29

@ Thomas

Wo da die Arroganz ist? Nun, Du musst nur ein wenig hoch scrollen und die Einleitung von Sebastians erstes Posting lesen. Paraphrasiert steht da: „Ich könnte Deinen Text mit Leichtigkeit zerpflücken und Dich lächerlich machen, weil ich ja so gut bin. Aber das ist mir die Mühe gar nicht wert.“ *DAS* ist arrogant. Und diese Haltung – leicht von oben herab, aus dem Olymp der göttlichen Journalistenkreise – zieht sich durch fast alles, was ich von den (bzw. von einigen der) Krautreporter gelesen oder gesehen habe.

Und was die „Liste mit Forderungen“ angeht: Oha. Jetzt aber. Erst vor ein paar Tagen haben die Krautreporter doch selbst danach gefragt: „Was wollt Ihr?“ Sinngemäß… in der Umfrage lautete die Frage glaub ich „Was müssen wir tun, um Dich zu überzeugen, Mitglied zu werden?“ Und jetzt krieg ich’s unter die Nase gerieben, dass ich darauf antworte? Jetzt mal ehrlich… geht’s noch? Mal ganz davon abgesehen, dass ich deutlich formuliert hab, was ich mir *wünsche* – nicht, was ich fordere.

Noch einmal: Ich finde die Idee hinter dem Projekt klasse und ich hoffe wirklich, dass es funktioniert. Ich hatte meine Kreditkarte schon längst gezückt, bevor ich auch nur einen Funken Kritik geäußert habe (und im Gegensatz zu meiner Aussage oben werd ich wohl meine Unterstützung auch nicht zurückziehen – da hab ich wohl ein wenig überreagiert) – aber ich stör’ mich so an der herablassenden und halbherzigen Haltung einiger Krautreporter. Das hat nichts mit Neid meinerseits zu tun. Ich bin kein Journalist, kein Blogger – Himmel, ich bring kaum einen Absatz ohne Tipp- oder Grammatikfehler hin. Nein – Neid ist nicht der Grund für meine Kritik.

Aber wäre dies mein Projekt – Himmel, ich würde diese 4 Wochen kaum ein Auge zutun! Ich würde den Leuten *zeigen*, was ich liefern will. Ich würde jeden Tag einen Beispielartikel veröffentlichen. Oder ein Probelayout der Website auf den Tisch legen. Ich würde Videoschnipsel aus einem Interview zeigen, das ich gerade vorbereite. Ich würde teasern, was das Zeug hält. Ich würde die Leute mit der Nase drauf stoßen, was sie für ihren Beitrag bekommen.

Und stattdessen? Viel warme Luft. Kaum Substanz. Beschwerden darüber, was die Leute doch alles fordern für ihr Geld. Unglaublich! Und als „Arbeitsbeispiele“ werden uns alte Artikel serviert, die unter genau den Umständen entstanden sind, unter denen angeblich kein guter Journalismus mehr möglich sein soll. Aber wenn es solche Beiträge schon gibt – wofür soll ich dann noch Mitglied werden? Da fühl’ ich mich für dumm verkauft. *Das* ist die Arroganz, die ich meine.

„Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entzünden.“ – das hat Thomas Knüwer oben zitiert. Ich seh’ kein Feuer. Ich seh’ nicht mal Rauch… weil der Funke fehlt.

Und deswegen mecker ich jetzt so. Vielleicht fängt es nach etwas Reibung endlich an zu brennen.

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Pit Gottschalk 31. Mai 2014 um 18:54

Arthur, wer auch immer du bist: Ich bin ein Fan von dir. So ehrlich, so aufrichtig jemandem die Leviten zu lesen, der alles bestreitet, nur nicht seinen Lebensunterhalt, verdient Respekt. Ich gebe dir in jedem Punkt recht: Wer ein Projekt mit dem Anspruch startet, Best of Class zu sein, muss für sein Projekt brennen. Jeden Tag aufs Neue. Die Begeisterung ist lau. Und so ist die Reaktion: lau. Nicht schlecht, aber auch nicht gut. Zum modernen Journalismus gehört halt mehr, als nur Geschichten zu schreiben und multimedial zu pimpern. Stichwort: Entrepreneurial Journalism. Wer mir nicht glaubt, sollte halt Kara Swisher zuhören. Die sagt das gleiche und macht es vor. Und brennt jeden Tag aufs Neue. Und das, obwohl sie schon Geld verdient.

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Nicole 31. Mai 2014 um 19:47

Schließe mich Thomas Knüwer an. Uns unterscheidet nur die Reihenfolge: Ich habe (nur leicht skeptisch) gezahlt. Würde ich auch wieder machen. Ich gehe gerne in Vorleistung, meine Neugierde und der Glaube daran, dass was Gutes kommen kann, sind s mir wert. (60 Euro. Auf ein Jahr. Also echt.) Meine Zweifel sind indes gewachsen, weil ich den Umgang der Krautreporter mit Kritik nicht angemessen finde und die Argumentationslinie „Aber wir haben doch gar nicht behauptet, den Journalismus retten zu wollen“ – ähm: DOCH. Dumm gelaufen. Aber so pauschal sind die Kritiker ja gar nicht. Es gibt sehr genau benannte Punkte – auf dei aber kaum jemand eingeht. (Wie oben schon geschrieben, bei DAs Nuf sehr schön nachzulesen, und Tilo Jung hatte auch auf diesen Post nicht mehr zur Hand als den Hinweis auf seinen falsch geschriebenen Nachnamen. Aber ich würde ihn auch nicht als stellvertretend betrachten…) Dass Sebastian betont, in der Lage zu sein, die obige Argumentation zu zerpflücken, halte ich als Journalistin für eine Binse: Könnte er das nicht, wäre er schlecht im Job. Das eingangs zu betonen und so zu unterstreichen, dass er genau das nicht tut, finde ich als Stilmittel legitim. Aber: Jetzt in Diskussionen einzusteigen, ist leider ein bisschen spät. Allerdings wohl und hoffentlich nicht ZU spät. Ich möchte meine 60 Euro nicht zurück und drücke weiter die Daumen – fürs Projekt und für die Fähigkeit, Kritik auch anzunehmen.

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Arthur 1. Juni 2014 um 6:51

Naja, Arroganz als Stilmittel ist, wenn ich eigentlich etwas (nämlich mich und meine Idee) verkaufen will, „mit Verlaub, grad a bisserl dämlitsch.“

Den Marderschaden, den das Projekt erlitten hat, ist ja gerade die Distanz zwischen den Kraut-und-Rübenreportern auf der einen Seite und einer Heerschar von Internetusern, die mit ihren Geldscheinen wedeln und eigentlich gar nicht wissen, warum, auf der anderen.

Mag sein, dass die Fähigkeit, einen kritischen Beitrag zerpflücken zu können, Teil des Handwerks ist, das ein guter Journalist beherrschen muss. Der Drang, damit zu prahlen und andere vor den Kopf zu stoßen, ist aber definitiv *nicht* Teil dieses – oder eines anderen Handwerks: Das des Verkäufers. Und als solche müssen sich die Krautreporter jetzt endlich verstehen:
Ihr seid nicht mehr „nur“ Journalisten.
Ihr seid Verkäufer.
Verkäufer einer Idee, die – wenn sie denn greift – nicht weniger machen wird, als das heutige Verständnis des Online-Journalismus umzukrempeln.

Warum zum Teufel verkauft Ihr dann nicht? Warum kommt Ihr nicht endlich raus aus Eurer Comfort Zone? Warum muss ich fast darum betteln, dass Ihr mir Eure Idee nahebringt? Warum muss ich mich wie ein Bittsteller fühlen, wenn ich Euch unterstützen will? Warum muss ich mich dafür rechtfertigen, wenn ich Euch sagen will, woran es meiner Meinung nach hakt?

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Geld her oder wir töten dieses Medienbaby | Stützen der Gesellschaft 1. Juni 2014 um 7:11

[…] 900.000 Euro für ein Jahr Journalismus von 25 Autoren einzusammeln, zieht inzwischen doch erhebliche Kritik auf sich. Und zwar von Personen, die nicht gerade dafür bekannt sind, sich vorschnell […]

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Stefan 1. Juni 2014 um 11:39

Ich will auch nur einen kurzen, zusätzlichen Applaus unter den Beitrag setzen. Ich finde er hat genau die Mischung aus Wohlwollen, Enttäuschung und Unverständnis die ich auch mit mir herumschleppe seit ich „Mitglied“ bin (auch wenn sich das nur in der Kreditkartenabrechnung manifestieren wird was ich tatsächlich auch etwas schade finde. Aber die Idee zählt ja).
In den Kommentaren sieht mal jetzt viel von „Arroganz“ und natürlich von „x Euro, plus/vor/nach/ohne/mit Steuern“. Das halte ich, ohne mich genauer mit den einzelnen Beiträgen befasst zu haben, für den üblichen Kommentarsumpf aus Neid, Argumentelosigkeit und IchHauMalDraufWeilGehtJa. Ich zahle einen Betrag, ob da am ende 600 oder 600.000.000 Euro draus werden sollen – egal, wenn mich das Projekt überzeugt. Und das Projekt und seine Macher treten mit einer ziemlichen Überheblichkeit an, ok, ist ja auch ein schwergewichtiges Projekt. Sollen sie ruhig. Mich enttäuschen die fachlichen Fehler von Leuten die es besser wissen sollten, die Lieblosigkeit und die Tatsache, dass es bislang zu der Überheblichkeit kein für mich überzeugendes inhaltliches Gegengewicht gibt. Und, so habe ich Thomas verstanden, damit bin ich nicht der einzige. Beruhigend irgendwie.
Aber solche Projekte beruhen nunmal immer auf Vorschuss. Auch bei Fundings bei denen mir die Macher Tränen der Rührung in die Augen und schlaflose Nächte der Begeisterung in die Woche treiben kann Murks bei herauskommen. Ebenso kann hier etwas gutes bei herauskommen. Und wenn doch nicht – dann wird in einem Jahr abgerechnet.Bzw. eben nicht…

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Tim 1. Juni 2014 um 15:38

Ich fasse mal zusammen:
Leute kritisieren 28 journalismushungrige Journalisten dafür, daß sie nicht gut in Projektmanagement und Marketing sind.

Besser kann man nicht demonstrieren, warum es Netzinnovationen so schwer in Deutschland haben und noch lange haben werden.

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Thomas Knüwer 1. Juni 2014 um 15:58

@Tim: Nein, sie werden maßgeblich auch dafür kritisiert, dass sie keinen Hunger auf Journalismus ausstrahlen…

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Konstantin Neven DuMont 1. Juni 2014 um 15:40

@Kalle
Als ich Anfang der 90er Journalismus in Oregon studierte, habe ich mich bei den Investigative Reporters & Editors angemeldet. Die Treffen vor Ort waren faszinierend. Einmal saß ich mit circa 200 investigativen Journalisten in einem Raum. So etwas prägt einen sehr stark. Von 1995 bis 2010 versuchte ich M. DuMont Schauberg auf den rechten Weg zu bringen, siehe Link. http://www.fr-online.de/medien/editorial-wege-aus-der-krise,1473342,3053216.html

2011 wollte ich dann etwas ähnliches wie die Krautreporter auf den Markt bringen. Nachdem ich eine sechsstellige Summe verbrannt hatte, musste ich aufgrund von sechs Kindern allerdings einige Veränderungen vornehmen. Seitdem arbeite ich in den Bereichen sozialverträgliche Immobilien, Ökostrom und demnächst auch noch Bio-Restaurants.

Die Krautreporter wollte ich vom ersten Tag an unterstützen. Einfach weil ich glaube, dass wir neue, werbefreie Angebote brauchen. Erst wollte ich privat 42.000 EUR spenden. Man konnte mir aber keine Spendenquittung aushändigen. Dann meinte mein Steuerberater, dass die KNDM GmbH 150 Krautreporter-Mitgliedschaften verschenken könne, ohne dass das Finanzamt Probleme bereiten würde. Irgendwie krass, dass wir bislang die einzige Firma in Deutschland sind, die die Krautreporter unterstützt. Dabei ist doch gerade bei den unabhängigen Unternehmen ein großes Potenzial.

Wenn die 900.000 Euro diesmal nicht zusammenkommen, was ich bedauern würde, klappt’s halt beim nächsten Projekt.

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Konstantin Neven DuMont 1. Juni 2014 um 16:15

@Thomas Knüwer
Beim nächsten Projekt sollten dann Leute wie Sie, Sixtus oder Hündgen in irgendeine Art von Beirat, damit das Projekt dann auch vom Stapel fährt 🙂

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Thomas Knüwer 1. Juni 2014 um 16:17

@Konstantin Neven DuMont: Nö.

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Konstantin Neven DuMont 1. Juni 2014 um 16:28

@Thomas Knüwer
Alle sollten ihre Eitelkeiten jetzt einfach mal hintenanstellen. Wie soll denn sonst etwas verändert werden?

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Thomas Knüwer 1. Juni 2014 um 17:23

Das hat nichts mit Eitelkeit zu tun, sondern mit Zeit. Und davon lässt mir kpunktnull kaum welche.

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Tim 1. Juni 2014 um 17:56

@ Thomas Knüwer

Klar, Leute wie Thomas Wiegold, Thilo Jung oder Stefan Niggemeyer strahlen keinen Hunger auf Journalismus aus … Hilfe!

Ich finde diese Fokussierung auf Marketing (nichts anderes meint „Ausstrahlung“) nicht sachgerecht. Journalismus, der irgendwas ausstrahlt, statt etwas zu sein, kann mir gestohlen bleiben.

Leute, glaubt hier wirklich jemand, daß die Krautreporter nicht für ihren Journalismus brennen?

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Thomas Knüwer 2. Juni 2014 um 6:36

Habe ich das gesagt? Aber: außerhalb des Kreises von uns Digital-Irren sagen anderen Menschen diese Namen wenig bis nichts. Und diese Menschen müssen begeistert werden. So toll die Autoren auch sind: das Projekt strahlt keinen Hunger und keine Leidenschaft aus.

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Konstantin Neven DuMont 2. Juni 2014 um 8:26

Man hätte zuerst eine niedrigere Summe für eine Nullnummer sammeln sollen.

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Krautreporter – Online Journalismus über Crowdfunding finanziert › Webdesign und Kartographie 2. Juni 2014 um 10:08

[…] Krautreporter! Verdammte Hacke, begeistert Euch. (Thomas Knüwer auf indiskretionehrensache.de) […]

Antworten

Krautreporter? – Ja, verdammt! | Lesen :: Leben :: Lachen 2. Juni 2014 um 13:30

[…] Dirk von Gehlen “Mein Geld, meine Hoffnung für Krautreporter” oder auch Thomas Knüwer “Krautreporter! Verdammte Hacke, begeistert Euch!” hin. Aber letztlich sollte dann doch dieser Beitrag von Martin Weigert “Krautreporter: Über […]

Antworten

Peter 2. Juni 2014 um 17:24

Habe mir erstmals die Videos angesehen. Leute, ihr klingt wie älteste System-Print-Journalisten. Von oben herab, zwischen strotzender Arroganz und schwammiger Unfassbarkeit, alles im Vorfeld ewig zerredend statt einfach was auf die Bein zu stellen und den Leuten DANN zu sagen: Wollt ihr das? Dann zahlt jetzt dafür. Schade, aber die Chance scheint wohl den Bach runterzugehen. Und man muss sagen: möglicherweise durchaus zurecht.

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Krautreporter – Vorschau | Dobschat Rebooted 4. Juni 2014 um 9:15

[…] zum Start der Crowdfunding-Kampagne wären schön gewesen, mehr Frauen im Team, klar. Und ein bisschen mehr Begeisterung bzw. hätte die vorhandene Begeisterung wohl besser vermittelt werden […]

Antworten

Holmeor Kowa 4. Juni 2014 um 14:53

Eins verstehe ich nicht: kann man dieses Magazin nur lesen, wenn man „dazu“ gehört, zu diesem edlen Klub sozusagen? Also wenn man bezahlt? Wie aber will es dann aber in die Gesellschaft hineinwirken, oder soll es auch einzelne Teile geben, die öffentlich zugänglich sind? (Oder bezahlt man fürs Kommentierendürfen? Mir erschließt sich die Autorenliste nicht, da hat Knüwer recht. Neben webbekannten Namen gibt es auch gänzlich unbeschriebene Blätter. Wer etwa ist die Tochter von Enzensberger, den Papa kennen wir, und er läßt keine connection aus, um die Tochter zu bewerben – unerträglich, wie ich meine. Oder: Da wohnt jemand in L.A. und verspricht uns Inside-Kenntnisse aus dem famosen Silicon Valley – dies ist allerdings von L.A. genauso weit weg wie der Prenzlauer Berg und, und, und. Ganz verstehe ich gleichsam nicht die Idee mit der halben Stelle? Braucht man für guten Journalismus etwa diese am Ende doch zu Trägheit verleitende Hängematte? – Und: wird es, neben der ein bisschen nach selbsternannter Elite klingenden Autorenschar auch welche von außen geben? Also Gäste? Und schließlich: wer hat eigentlich diesen edlen Klub von Autoren zusammengestellt? Ist er hermetisch abgeriegelt? Klingt ales zusammen vielleicht polemisch, ist aber nicht so gemeint… 😉

Antworten

Thomas Knüwer 4. Juni 2014 um 14:58

Die Inhalte sind frei zugänglich. Steht aber auch da oben.

Antworten

Anne 5. Juni 2014 um 9:43

Wie unabhängig sind die Krautreporter eigentlich? Gibt es eine Liste mit ihren Nebentätigkeiten?

Antworten


Oliver 6. Juni 2014 um 12:33

@Anne: Soweit ich weiß, arbeitet einer für die Kanzlerin.

Antworten

Krakz 7. Juni 2014 um 11:13

a ich werde auch spenden
b arbeite auch in den Medien
c Bin mal ehrlich: Die Themen interessieren mich nicht, bin mehr für die leichte Muse
und jetzt:
Eine Crowfunding Campaign hat nicht nur was mir einem „ehrenvollen Anliegen“ zu tun, das ist auch eine PR-Technik. Und es ist typiche deutsche Besserwisser Arroganz darauf einfach zu schei..en. Das ganze Projekt zielt bisher auf das schlechte Gewissen der Medien-Beschäftigten ab: Da müsste man doch mal was machen. Also sucht euch mal einen PR Profi als Unterstützer – sonste twittert ihr immer nur die gleichen 3000 Twiter-Journos voll.

Liebe Kollegen: Ein Journalismus der sich zunächst an andere Journalisten richten, wird nie funktionieren.

Nur mal ein Beispiel: Nomen et Omen: Krautrock gab es, als ich zur Schule ging – jemand unter 35 und ohne feingeistiges Studium sagt das Naming Null. Wenn er Kriegsfilme guckt denkt er höchstens „WTF – die Krauts? Sind das jetzt Wehrmachts-Reporter?!?“ Was denkt ihr euch bei so was?

Ich wünsche euch, dass die Soldidarität der Kollegen euch an den Start bringt, aber um zu Fliegen braucht ihr ECHTE LESER

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Heiko Tammena 8. Juni 2014 um 18:41

Begeisterung und Dialog fehlt bei den Krautreportern… Stimmt, schade.

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Julia Probst 9. Juni 2014 um 18:51

Ein kleiner Einwurf von mir:

Ich finde das Projekt der Krautreporter toll und sinnvoll, aber eines macht mir doch Magenschmerzen:

Das Projekt will die ganze Vielfalt des Journalismus zeigen, aber wo sind Menschen mit Behinderungen im Team? Oder Menschen mit Migrationshintergrund bzw. Ausländer?

Diese Vielfalt fehlt mir, denn diese wird oft genug übergegangen. Auch zähle ich lediglich 6 Frauen im Team.

Es gibt doch noch soviel mehr da draußen…..auch für die Krautreporter.

Liebe Grüße

Julia Probst

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Die Krautreporter wollen den Journalismus neu erfinden 10. Juni 2014 um 8:33

[…] Thomas Knüwer findet die Idee der Krautreporter großartig: ein offener Online-Journalismus, der allein durch seine Mitglieder finanziert wird. Doch seine wesentliche Kritik betrifft die Attitüde der designierten Mitarbeiter. Da brenne nichts, da sei keine Begeisterung zu verspüren. Stattdessen würden teilweise große Worte verkündet, wie Tilo Jung, der in einem Werbevideo sagt, er habe manchmal das Gefühl, er sei der einzige, der auf einer Bundespressekonferenz noch Fragen aus Interesse stelle. Aber was die Krautreporter nun genau machen werden, sollten die 900.000 Euro zusammenkommen, das, kritisiert Knüwer, verraten sie nicht. Das sei eigentlich gar kein Crowdfunding, es gehe eher um das Einsammeln von Spenden für eine – gute – Idee. […]

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Krautreporter: Gescheitert an sich selbst | JakBlog 10. Juni 2014 um 9:53

[…] und nach Transparenz mehr oder weniger nur widerwillig nach. Selbst prominente Unterstützer wie Thomas Knüwer oder Dirk von Gehlen spendeten zwar, erklärten gleichzeitig aber auch, mit welchem Bauchgrimmen sie […]

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Krautreporter: Ich bin dabei. Trotzdem. » GrünDigital 11. Juni 2014 um 14:18

[…] an andere Stelle genannt: Die mangelnde Kommunikation darüber, was sie eigentlich genau tun wollen.Die etwas lieblose Präsentation. Der geringe Frauenanteil (6 von 28! Und das im Jahr […]

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Itzkovitchs Kanone » Kulturmagazin: ensuite 12. Juni 2014 um 5:08

[…] wurde hart kri­ti­siert (etwa hier) und lei­den­schaft­lich emp­foh­len (etwa hier). Tat­säch­lich hat das Pro­jekt ein paar […]

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Krautreporter Crowdfunding: Hoffen auf den eBay Effekt (Freshcast Special Edition) | Fresh van Root 12. Juni 2014 um 12:06

[…] Krautreporter! Verdammte Hacke, begeistert Euch! […]

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Warum ich die Krautreporter unterstütze, obwohl mich die Inhalte gar nicht interessieren – WeiterGen 13. Juni 2014 um 8:31

[…] und der fehlenden Begeisterung der Krautreporter selbst, bis zu Kritik am Bezahlsystem (hier, hier, hier und […]

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Funded by readers: online magazine starts herb Reporter – News Round | News Round 15. Juni 2014 um 17:12

[…] criticism of Thomas Knüwer […]

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Krautreporter: Ich bin dabei. Trotzdem. | Tabea Rößner 24. Juni 2014 um 13:52

[…] andere Stelle genannt: Die mangelnde Kommunikation darüber, was sie eigentlich genau tun wollen. Die etwas lieblose Präsentation. Der geringe Frauenanteil (6 von 28! Und das im Jahr […]

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extra becoz of Katholikentag – heute mit Ulbricht-Kathedrale | Cynigma 14. Februar 2015 um 0:20

[…] genervt von der offenkundlichen (echt?) Selbstbegeisterung der Schreiberlinge. Ich schliesse mich seiner Kritik zumindest dahingehend an, dass es hopefully kein Rohrkrepierer wird. Denn dann kriechen sie wieder […]

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One does not simply criticise Krautreporter 19. Juni 2015 um 10:51

[…] die Kritikpunkte zur Zeit des ersten Geldsammelns bestehen für mich exakt so weiter. Die Bugwelle, mit der die Krautreporter heranrauschten, war gewaltig. Dies sorgte schon damals für […]

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Was Mediendeutschland braucht, ist Perspective Daily 18. Januar 2016 um 18:31

[…] sehe ich hier zwei unterschiedliche Herangehensweisen, sowohl inhaltlich wie in der Tonalität. Während die Krautreporter mit einer großen Bugwelle in den Hafen rauschten, gibt sich Perspective Daily deutlich zurückgenommener. Und wirkt nicht auch jenes Video oben ganz […]

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Warum ich (noch?) nicht bei Perspective Daily mitgemacht habe | Laute irrt 14. Februar 2016 um 16:19

[…] Journalismus, wie herkömmliche Medien. Wer mehr über die Kritikpunkte lesen will: Da haben andere schon viel darüber […]

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