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gesche joost foto valeria mittelmannSonntag, im „Bericht aus Berlin„, wurde SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zu seinem Kompetenzteam befragt. Es sei doch überraschend, dass er Agenda-2010-Gegner Klaus Wiesehügel berufen habe, sagte Moderator Rainald Becker. Steinbrück meinte, es sei doch klar, dass ein Gewerkschafts-Schwergewicht in das Team gehöre.

Und: „Überraschend ist, dass ich mit Gesche Joost, eine junge Frau gefunden habe, die Netzpolitik macht.“

Hm.

Was genau ist daran jetzt überraschend?

Dass er eine junge Frau berufen hat?

Dass er eine Frau gefunden hat, die sich für dieses Internetzeugs interessiert, wo doch selbst ein Mann wie er es nur schafft, handgeschriebene Notizen auf seine Homepage stellen zu lassen?

Oder, dass ER eine Frau gefunden hat, noch dazu eine junge, die mit ihm arbeiten will?

Gesche Joost jedenfalls, zeigte sich überrascht von seiner Überraschung:

(Foto: Valeria Mittelmann)

Das ist eine durchaus sympathische Reaktion. Und so sympathisch kam Gesche Joost zunächst auch im Digitalen Quartett über. Ihre Erzählung, wie sie in das Kompetenzteam Steinbrücks kam und was dieses so macht – das war ein schöner Blick hinter die Kulissen des Wahlkampfs.

Aber.

Dann kamen die Sachthemen. Zu einigen hat Joost eine klare Meinung, zum Beispiel zu Prism oder dem Leistungsschutzrecht. Doch dann folgten Floskeln, die wütend machen. Gratiskultur, Urheberrecht, weil Künstler nicht von ihrer Arbeit leben können, Kinder im Internet schutzlos – all das, was für gewöhnlich Amtsträger wiederkäuen, die wenig über die digitale Gesellschaft reflektieren.

Ein wenig bizarr wurde ihre Volte in Sachen Urheberrecht, die flott beim Zustand der Zeitungsverlage landete. Qualitätsjournalismus müsse gefördert werden, Paywall-Modelle müssten her. Ob dann Bürger zahlen würden, schien egal. Gar nicht beantworten konnte Joost die Frage, was denn nun in diesem Markt eigentlich die Rolle der Politik sein soll. Auch, wenn sie gegen das Leistungsschutzrecht ist – sie nutzte alle Argumente, die Leistungsschutzrechtsbefürworter nutzen. Nur konnte sie auch nicht formulieren, was sie nun eigentlich haben möchte. Ernüchternd, um ehrlich zu sein.

Hier die Sendung zum Nachgucken:


Kommentare


J. S. 11. Juni 2013 um 16:33

Künstler müssen von ihrer Arbeit leben können? Ich war dann wohl nie ein Künstler, denn ich habe das Musizieren und Spielen von Songs nie als Arbeit empfunden. Ebenso wenig muss ein Künstler von seinen Werken leben können. Wenn man nur Spaß am Spielen hat, dann ist die Bezahlung unwichtig. Die war nie Thema. Und ich wage die Prognose, dass ein großer Teil der Musiker nicht von ihren Werken leben kann und dass ein Teil davon dies schlichtweg egal ist.

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Die Bundeskanzlerin der Maschinenstürmer 19. Juni 2013 um 15:09

[…] Es ist nur Neuland für technophobe Politiker, und eine Regierungschefin, die sich larmoyant einen Bundestages der Maschinenstürmer hält, der im Wochenrythmus Entscheidungen trifft, die Deutschlands Zukunft gefährden. Für eine Generation von Volksvertretern, die mit einem Engagement an Technikthemen herangeht, der die Null-Bock-Generation von Jugendlichen wie auf Speed befindliche Hyperaktive wirken lässt. Es wäre schön, stünde auf der anderen Seite der politischen Skala eine Alternative. Doch Peer Steinbrück ist genauso steinzeitlich gestimmt, seine Internet-Kompetenzbeauftragte Gesche Joost lieferte beim Digitalen Quartett nur Floskeln. […]

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#neuland · Die Bundeskanzlerin der Maschinenstürmer — Carta 19. Juni 2013 um 20:49

[…] Doch Peer Steinbrück ist genauso steinzeitlich gestimmt, seine Internet-Kompetenzbeauftragte Gesche Joost lieferte beim Digitalen Quartett nur […]

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Merkel und das #Neuland | blogdoch reloaded 20. Juni 2013 um 17:42

[…] geoutet, und sein weibliches Kompetenzteammitglied für Netzpolitik, Gesche Joost, schlug sich im Digitalen Quartett nicht so ganz überzeugend; mal davon abgesehen, daß es ja nicht mehr Schattenkabinett sondern Kompetenzteam heißt. Wer also […]

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Dix 27. Juni 2013 um 16:32

Ich glaube nicht, ob gegen oder für Agenda 2010, dass dies irgend etwas daran ändern würde, wenn sich Gewerkschaftsvertreter mit in die Politik einschalten. Sozialdemokratie wie Gewerkschaften gehören sicher zusammen, aber für mich stellen sie sich immer noch als sozialdemokratische Gewerkschaftsbürokratie dar, die auch nach einem möglichen Wahlsieg im September nichts an der Agenda ändern werden, ja sogar die Agenda 2020 mit tragen werden. Übrigens ist Steinbrück keine Alternative zu Merkel.

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