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Und jetzt her mit der Miete!

Solche Allmachtsfantasien à la Monopoly entwickelt man schnell beim Herumspielen mit Landlord. Gelegentlich begegnet einem ja so Ding in diesem Intermobilewebs-Geflecht, das den richtigen Denkansatz hat und – auch wenn es selbst vielleicht nicht der sensationellste Erfolg aller Zeiten wird – doch den Weg in die Zukunft weist. Für mich ist Landlord solch ein Ding.

Vergangene Woche tauchte das Spiel auf der Basis von Foursquare durch Frau Feli zum ersten Mal in meiner Twitter-Timeline auf – und es brauchte fünf Minuten zwischen Herunterladen und Coolfinden. Landlord ist ein auf Foursquare basierendes Monopoly mit real existierenden Orten. Grob gesagt kauft der Spieler Foursquare-Orte und kassiert dafür jedes Mal Miete, wenn jemand sich auf Foursquare an diesem Ort eincheckt.

Kleiner Einschub für die nicht-hypervernetzten: Bei Foursquare melden sich Nutzern auf ihrem Handy, unterstützt von der Satelliten-Navigation, an einem Ort an. Dies bekommen ihre Kontakte bei Foursquare selbst mitgeteilt, auf Wunsch aber auch alle, die mit ihnen bei Twitter oder Facebook verbunden sind. Wer am häufigsten an einem Ort eingecheckt hat, wird dessen “Mayor”. Außerdem können Abzeichen errungen werden, zum Beispiel für den, der sich mit 50 anderen Nutzern innerhalb einer Stunde am gleichen Ort anmeldet. Warum ich Foursquare toll finde, habe ich 2010 aufgeschrieben.

Schon vor zwei Jahren gab es den ersten Versuch aus Location Based Services, wie der Niederrheiner diese Kategorie nennt, Spiele zu generieren. MyTown war optisch toll, machte Spaß – und war nur in den USA nutzbar. Inzwischen ist es in zum komplizierteren MyTown 2 mutiert. Beim Digital-Festival SXSW präsentierte sich dann TapCity. Doch seit dem Sommer vergangenen Jahres gab es dafür kein Update mehr, mutmaßlich ist auch dieser Dienst wohl entschlafen. Auch Foursquaropoly scheiterte.

Grundsätzlich haben diese Spiele zwei Hürden: Einerseits müssen sie so einfach sein, dass auch Gelegenheitsnutzer sich schnell zurechtfinden – andererseits brauchen sie eine kritische Masse von Nutzern um Spaß zu bereiten.

Landlord umschifft diese beiden Klippen geschickt. In Sache Spielmechanik trägt es ganz klar Monopoly-Züge, weshalb sich die grundsätzliche Mechanik sofort erschließt. Vieles dabei ist durchdacht. So ergibt sich der Preis einer Immobilie aus der Zahl der Foursquare-Checkins. Gleichzeitig zahlt der Vermieter eine tägliche Instandhaltungsprämie, kann also auch mit einem Investment in die Miesen geraten. Folge: Das alte Monopoly-Prinzip „Alles kaufen, was nicht bei drei auf dem Baum ist“ funktioniert hier nicht mehr. Hier ein Erklärbärvideo:

Landlord App Promo from James Shrager on Vimeo.

Und eine kritische Masse? Braucht die App eigentlich nicht. Denn sie fußt auf Foursquare, nutzt sowohl dessen Orte also auch die Checkins.  Somit werden alle Nutzer von Foursquare auch Landlord-Spieler, ohne dass sie dies wissen. Keine Sorge, lieber Thilo Weichert: Landlord-Vermieter sehen nicht, wer ihnen die Miete reinspült, es geh allein um die Quantität der Checkins. Theoretisch also kann Landlord auch allein gespielt werden, so wie man Managementspiele am Computer alleine daddeln kann.

Das alles ist gut durchdacht, verbindet analoge und digitale Welt und macht viel Spaß. Mit seiner Konstruktion, die auf vorhandene Daten zurückgreift und vorhandenes Wissen in den Köpfen der Menschen nutzt ist es ein Vorbild für digitale Spiele.

Die Crux der Sache sei allerdings nicht verschwiegen. Anscheinend ist Landlord ein Projekt des Programmierers James Shrager. Zumindest scheint hinter dem Spiel keine Armada von Programmierern zu stecken. Entsprechend wackelt der Dienst häufig und fällt auch gern mal über Stunden aus. Immerhin kommuniziert Shrager das sehr offen und authentisch.

Ach, und übrigens, liebe Google-Mitarbeiter in Düsseldorf, Ihr könntet ruhig häufiger Foursquare nutzen. Schöne Grüße von Eurem Vermieter.


Kommentare


zuvielekoeche 11. Oktober 2012 um 20:52

Schade, das verbinden der App mit Foursquare hängt und die Internetseite funktioniert nicht… Kaum blogst du bricht da alles zusammen 🙂

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Links anne Ruhr (12.10.2012) » Pottblog 12. Oktober 2012 um 6:11

[…] Oh, Landlord, can I buy my Google Büro? (Indiskretion Ehrensache) – Thomas Knüwer beschreibt das neue auf Foursquare basierende Spiel Landlord. […]

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ths 12. Oktober 2012 um 16:03

wäre vielleicht nett gewesen, dazuzuschreiben, dass die App bisher nur für iphone verfügbar ist und noch nicht für Android.

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Paul Neuhaus 14. Oktober 2012 um 10:07

Der Link im Artikel zur App (Landlord) verlinkt auf die App „Landlord Poker“
Die gemeinte App „Landlord“ ist hier:
https://itunes.apple.com/de/app/landlord/id538115693

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Thomas Knüwer 14. Oktober 2012 um 16:24

Danke für den Hinweis – ist korrigiert!

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Wenn mir Daddeln Spaß macht – Landlordgame | horax schreibt hier 14. Oktober 2012 um 20:36

[…] ein Spiel, das auf Foursquare aufsetzt. Genauere Einzelheiten beschreiben sowohl Thomas Knüwer hier und der @moellus […]

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vera 16. Oktober 2012 um 10:16

Besonderen Dank für die Erklärung für (zwangsweise) nicht Hypervernetzte ,)

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gestalterhuette 16. Oktober 2012 um 12:25

Ein lustiger kleiner Dienst mit Unterhaltungswert. Für mich sehr chic da ich sowohl Monopoly als auch foursquare mag. Heute gab es ein Update mit Bugfixes zum Thema Server.

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Links anne Ruhr (31.10.2012) » Pottblog 31. Oktober 2012 um 7:23

[…] soll verkauft werden (Ruhr Nachrichten) – Also beim iPhone-Spiel Landlord (siehe auch Indiskretion Ehrensache) habe ich den Bahnhof Wattenscheid bereits […]

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