Liebes Google, bitte liste die deutschen Verleger aus

by Thomas Knüwer on 27. Juli 2012

Nun ist es raus: Axel Springers Vorstandschef Mathias Döpfner hat gelogen.

Am 14. September 2010 verfasste er einen Gastbeitrag für die “NZZ”, in dem zu lesen war:

“Das Leistungsschutzrecht richtet sich nicht gegen Google.”

Heute erklärt Heise nun, ein neuer Entwurf jenes Leistungsschutzgeld-Rechtes sei deutlich abgeschwächt gegenüber jener, die im Juni öffentlich wurde (als Teil eines Print-Verlags verlinke ich nicht auf Heise – Erklärung dazu hier). In diesem neuen Entwurf gibt es anscheinend die von nicht unerheblichem Wahnsinn durchdrungene Passage, das Öffentlichmachen von Verlagsinhalten sei rechtens – außer durch Suchmaschinen. Dabei wird der Begriff “systematisch” anscheinen mit “automatisch” gleichgesetzt.

Freunde gehobener Ironie kommen nicht umhin zu fragen, ob damit Verlage, die ihre eigenen Inhalte mit einer Suchfunktion versehen nicht Rechtsbruch begehen. Wer es ernster mit gesellschaftlichen Werten meint, kann dieses zeckengleiche Verhalten, dieses Saugen an einem Unternehmen, dass um Dimensionen innovativer ist als verstaubte, deutsche Papierdrucker, im Sinne einer funktionierenden Marktwirtschaft nur verachten. Oder Kai Biermann von Zeit Online zustimmen, der in einem Interview jüngst sagte:

“Da ist plötzlich ein Unternehmen, das Milliarden mit Werbung verdient, indem es dafür sorgt, dass auf seinen Seiten Werbung steht. Verlage sehen dieses Werbegeschäft als ihr klassisches Geschäft an. Sie haben Jahrzehnte oder Jahrhunderte lang Zeitungen produziert mit dem Ziel, Werbung zu verkaufen oder Werbeflächen anzubieten. Und dieses Modell bricht weg, durchs Internet, durch Google. Die Verlage wollen etwas von dem Geld haben, das ist der Ursprung.

Und jetzt gibt es ja das schöne Argument: „Google nutzt fremde Inhalte, nämlich die Inhalte der Verlage, und verdient damit Geld.“ Und da frage ich mich: Ja stimmt das denn? Was tut denn Google? Google ist nichts weiter, als ein Wegweiser. Google hängt, wenn man so will, ein Schild in den Straßenverkehr und sagt: Wer was Schönes beim Tagesspiegel lesen will, da entlang! Und neben dieses Schild pappt es noch eine Werbung. Mit dieser Werbung verdient es Geld. Menschen, die das Schild lesen, rennen zumTagesspiegel. Das heißt, die Verlage erhalten durch Google Aufmerksamkeit auf ihren Seiten. Das reicht ihnen aber nicht. Sie wollen etwas von dem Geld abhaben. Direkt. Nicht indirekt, indem sie die Aufmerksamkeit vermarkten, die sie dadurch mehr bekommen – und die sie selbstverständlich vermarkten.

Ist das nicht ein seltsames Konzept, zu sagen, da verdient jemand Geld mit einem Geschäftsmodell, das ich auch gern hätte? Wenn ich vom Geldverleihen leben will, mache ich doch eine Bank auf – statt andere Banken dafür zu verklagen, dass sie mit meinem Geld wieder Geld verdienen.”

Von Alkoholikern sagt man, sie kämen erst dann wirklich von ihrer Sucht weg, wenn sie einmal richtig abgestürzt seien. Wenn alle sozialen Kontakte zerstört sind, sie auf der Straße liegen, ohne Hoffnung, ohne Zukunft. Ich fürchte: Anders geht es bei Verlagen auch nicht mehr.

Und deshalb, liebe Verantwortliche bei Google, beugen Sie sich dem Leistungsschutzrecht vorab – und listen Sie sämtliche deutsche Verlage aus. Angesichts der traurigen Qualität vieler Online-Angebote von Verlagen wäre dies ein hinnehmbarer Schaden – und ohnehin glauben die Verantwortlichen ja, die Menschen strömten in Paid-Content-Modelle. Also, liebe Googler: Just do it!

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