Ein paar Menschen, die im Netz aktiv sind, behaupten noch immer, Grüne und SPD seien online-kundiger als CDU und FDP. Das liegt vielleicht daran, dass sie deren Parteibücher besitzen und vielleicht das Gefühl hätten, sie würden verlieren, gäben sie zu, dass rot-grün genauso digital analphabetisch geprägt ist wie schwarz-gelb.
Mit der Zustimmung zum Jugendmedienschutzstaatsvertrag dokumentierten heute die Grünen und die SPD in Nordrhein-Westfalen, dass ihnen sowohl die Zukunft der Jugend komplett egal ist wie die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Dieser Staatsvertrag ist ein in Hinterkämmerchen von Internetunkundigen wie dem rheinland-pfälzischen Staatssekretär Martin Stadelmaier erdachtes Stück Schwachsinn. Ein Dokument des Irrsinns in Deutschlands Politik.
Und warum stimmen SPD und Grüne zu? Wegen “parlamentarischer Zwänge”. Was für jämmerliche Gestalten.
Politik im Jahr 2010 ist keine Gestaltung mehr – sie ist ein Hindurchlavieren durch Zwänge. Sie ist kein Eintreten für eine Sache sondern ein Geschacher, das einen marokkanischen Teppichmarkt seriös erscheinen lässt.
Dieser Staatsvertrag ist keine Kleinigkeit. Er geht von der Idee aus, das Internet sei eine deutsche Sache. Man könne eine Alterskennzeichnung in das globalste aller Kommunikationsmedien einführen. Gerade so, als ob deutsche Jugendlich nur deutsche Seiten konsumierten, so wie es sich für deutsche Jugendliche zu gehören hat (den mitschwingenden Ton hören Sie schon recht, liebe Leser). Tatsächlich sprechen wir von der internationalsten, ja, globalsten aller Generationen der Menschheitsgeschichte. Und die muss nicht geschützt werden – das bekommt die prima selber hin. Also, im Internet, jetzt. Geschützt werden muss sie vor regelungswütigen Politikern, für die ein Browser weiterhin so alltäglich ist wie einst Siege für Tasmania Berlin in der Bundesliga.
Es gibt drei Zukunftstechnologien, die in den kommenden Jahrzehnten die weltweite Wirtschaft prägen werden: Biotechnologie, Umwelttechnologie und das Internet. In keinem der drei Felder mag Deutschland so recht mitspielen. Weil diese Technologien Veränderung bedeuten. Und Veränderung bedeutet Anstrengung. Und anstrengen mag sich niemand mehr, erst recht nicht in der Politik. Weil es ja schon so anstrengend ist, all diese langweiligen Bierzeltauftritte und das stete Ringen in geheimen Verhandlungsrunden. Und diese Runden braucht man doch, um vor US-Diplomaten zu strunzen. Deutschland baut lieber Autos. Und Straßen. Das kennt man seit Jahrzehnten.
“Vorsprung durch Technik” ist ein geflügeltes Wort in den USA, ein Satz, der nicht übersetzt werden muss. Wir können uns sicher sein: Das wird sich bald ändern. Deutschland macht sich mit Aktionen wie dem Jugendmedienschutzstaatsvertrag lächerlich.
Politik, so stöhnten einige beim Politcamp, sei das Bohren dicker Bretter. Tatsächlich ist es das Heißlaufen verbretterter Holzköpfe. Wer so ein Unding wie den Jugendmedienschutzstaatsvertrag durchwinkt, lebt nicht im 21. Jahrhundert.
Was soll man machen?
Ich meine: einfach nicht mehr wählen gehen.
Das ist die einzige Sprache, die Politiker verstehen. Rund um mich gibt es fast nur noch Menschen, die seit Jahren, gar Jahrzehnten das kleinere Übel wählen. Nein, da geht es nicht um Kompromisse. Es geht um Zähneknirschen. Um Eigentlich-kann-ich-mich-mit-keinem-auch-nur-ansatzweise-anfreunden.
Denn in ihrer Jugend hat man ihnen – auch das so eine Schutzmaßnahme – eingeredet, wenn sie nicht wählen gingen, kämen die Radikalen an die Macht. Tatsächlich sinkt die Wahlbeteiligung seit langem und nur in einigen dunklen Ecken machen die Extremrechten von sich reden. Das hat aber wenig mit der Wahlbeteiligung zu tun, sondern mit der wirtschaftlichen Lage der jeweiligen Region.
Es ist eine ehrbare Idee, mit den jeweiligen Abgeordneten zu sprechen, um sie eines Besseren zu belehren. Tatsächlich bewirkt das nichts. Ich habe es einmal versucht vor einigen Jahren. Von den Abgeordneten meines Wahlbezirks meldete sich auf eine E-Mail allein Gisela Piltz von der FDP. Sie hörte mir zu, doch selbst 12-Jährige Schüler hatten mehr Technikverstand mitgebracht als sie.
Diese Menschen, die Deutschland führen sollen, sind weit hinten dran. Die, die das Volk vertreten sollen, leben in einer anderen Welt. Vielleicht gibt es irgendwo in jeder Partei ein paar Junge, die tatsächlich etwas drauf haben. Aber sie werden nicht nach vorn kommen, wenn die da oben Wählerstimmen bekommen.
Geben wir also dem Nachwuchs eine Chance: Gehen wir nicht mehr wählen.

Alles richtig, aber was soll Nichtwählen bringen? Wenn nur 30 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgeben, werden trotzdem 100 % der Mandate verteilt.
Aber schlechte Wahlbeteiligung lässt Köpfe rollen. Ist zumindest meine Prognose.
Nicht wählen bringt auch nichts. Wie gesagt, keine Stimme kann oft eine Stimme für rechte Parteien sein… Wieso nicht Sonstige wählen? Gleicher Effekt, nur für “bessere” Parteien.
warum soll schlechte wahlbeteiligung köpfe rollen lassen? stört doch keinen von denen, die gewählt wurden oder sind. im gegenteil, je weniger wählen gehen, desto einfacher wird es, die wahl zu beeinflussen durch mobilmachung der eigenen leute.
Denke eher, dass auch eine geringe Wahlbeteiligung denen Wurst sein wird. Hauptsache sie werden gewählt. Klar, was sie sagen ist was andres, aber insgeheim ists total egal.
Is ja ne ganz tolle Idee. Und das Nichtwählen hat dann mehr Sinn als das Bequatschen seines Abgeordneten? Das Nichtwählen zwingt dann die taktierenden Ewig-Gestrigen dazu, sich zu informieren, sich endlich mal Meinungen zu bilden und sachlich zu entscheiden?
Ja, stimmt, ich vergass! In der Vergangenheit haben sich ja auch ganze Parlamente aufgelöst, Parteien neu orientiert und die Volksvertreter haben sich reihenweise aus Scham und Gram auf den Dachböden der Republik erhängt, weil die Wahlbeteiligung in den Keller ging.
Stimmt ja, so war das. Ich vergaß: Nichtwählen bringt’s voll!
Hä? Piratenpartei mal grad vergessen, oder wie?
Ich empfinde Politiker zunehmend als Täter.
wieso sollten die sich plötzlich mal über schlechte Wahlbeteiligung ärgern? Die sinkt doch schon seit Jahren. Wird der blöde Pöbel als halt als Politikverdrossen dargestellt.
Dass man aber eher Politiker-verdrossen ist, oder gegenüber der aktuell praktizierten Politik verdrossen ist und eh keinem mehr ein Versprechen glaubt, das wollen sie nicht checken und werden es auch bei 10% Wahlbeteiligung nicht kapieren.
klar, Thomas, Nichtwählen wird es regeln.
Mal ernsthaft und etwas zynisch: auch wenn alle (PolitikerInnen) bei sinkender Wahlbeteiligung ein schlechtes Gefühl haben und das auch öffentlich äußern – warum sollte irgendjemand in der Politik das zum Anlass nehmen, irgendwas zu ändern?
Wenn dir das Anliegen ernst ist, geh in eine Partei rein (und seiens die Piraten), oder mach’ ne BI auf – aber Nichtwählen hilft auf nicht.
So sehr ich die Wut in diesem Artikel, muss ich mich über die getroffene Konsequenz wundern. Nicht wählen gehen? Wo soll da die Lösung sein? Wenn wir alle nach diesem Credo handeln würden, können wir sicher gehen, dass die nächsten 20 Jahre nur Internetausdrucker regieren werden.
Mein Demokratieverständnis ist ein anderes (auch wenn es heute einmal mehr angekratzt wurde).
(Warum wurde eigentlich dieses gut gelesene Blog eigentlich nicht die Monate zuvor genutzt um über den JMStV zu berichten. Selbst versagt?)
Hallo Thomas,
zwar kann ich Deine Wut verstehen, aber ich glaube, dass wegbleiben von der Wahlurne falsch ist.
Wir sind angeblich inzwischen alles so gut vernetzt, gut ausgebildet und zum Teil mit Sicherheit auch mit ein paar Euro auf dem Konto.
Mach ich einen Denkfehler oder sind wir selbst zu fett und faul, wenn wir es nicht auf die Reihe bekommen würden:
a) für jedes Ressort genug Spezialisten auf die Beine zu stellen
b) genug Geld zu sammeln
c) uns nicht gegenseitig die Köpfe einzuschlagen, sondern konstruktiv miteinander umzugehen.
Jetzt schreit gleich einer “Piraten”, nur finde ich die haben sich inzwischen ein klein wenig selbst zermürbt.
Von fefe bis hier hör ich es schallen “Verräterpartei” usw. usf. nur hat jemand einen Plan Mutti, Westerwave, der grünen Eule und dem Gabriel mal dahin zu treten wohin die Sonne scheint?
Warum nicht tatsächlich doch das Kreuz bei Piraten, grauen Panthern und irgendeiner Bierzeltpartei machen? Vielleicht ist Chaos und Anarchie, dass was das Land wachrüttelt.
Hallo Thomas,
wenn dir die Piraten schon nicht liegen, obwohl du eigentlich in deren Kerbe argumentierst, wähle doch eine Kleinstpartei. http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_politischen_Parteien_in_Deutschland Da gibt es eine Liste der Parteien, für jedes noch so kleine Interesse ist was dabei. Oder gründe eine eigene Partei, oder schließe dich einer Partei an und verändere sie zu deinen Gunsten(die Piraten freuen sich über jeden der mitgestalten möchte zB), aber lass den Quatsch mit dem Nicht-Wählen. Das bringt niemanden vorwärts sondern stärkt nur die Parteien mit der unreflektierten Anhängerschaft. Eine fehlende Gegenstimme ist eine Stimme für die stärksten und erreicht das Gegenteil des gewünschten Effekts.
Schweigen ist _kein_ Protest!
Inhaltlich sehe ich das genau so. Ob Nichtwählen da was dran ändert erscheint mir aber zweifelhaft.
Um was geht es denn genau bei dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag und wieso hälst du ihn für so verwerflich? Ich frage aus reinem Interesse, da ich bisher in den Medien noch kaum etwas darüber gelesen habe, merkwürdigerweise.
Wie ja auch in den vergangenen Jahren zu beobachten. Wie viele Köpfe da nach den Wahlen gerollt sind…
Noch mal mit Nachdenken bitte: Was soll Nichtwählen bringen?
Ich teile ja deine Wut, aber Politik besteht auch aus etwas mehr als Netzpolitik. Womit ich nicht sagen will, dass unsere Parteien auf anderen Gebieten “wählbarer” wären. Allerdings bedeutet das-geringste-Übel nicht zu wählen eben auch, dem größeren Übel mehr Macht zu geben. So scheiße man das finden mag, Nichwählen ist einfach keine Lösung.
Ihre Ausbrüche schätze ich durchaus, lieber Thomas Knüwer. “Nicht wählen gehen” ist allerdings ein überaus dummer Vorschlag. Wie legitimiert ist eine Regierung, ob auf Landes- oder Bundesebene, wenn sie nur noch von einer Handvoll Wähler in variabler Prozenthöhe gewählt ist? Wichtiger noch: Wer und welche politischen Gruppierungen profitieren von dem, was der erste Kommentator schrieb – denn auch bei nur 30% Wahlbeteiligung werden 100% Mandate vergeben. “Nicht wählen gehen” lässt möglicherweise “Köpfe rollen”. Das Thema Demokratie ist damit am Ende. Keine erfreulichen Vorstellungen, die Ihr schräger Vorschlag auslöst. Sic tacuisses…..
Deutschland ist – wie viele andere Länder auch – deshalb undemokratisch, weil es Nichtwählen nicht als Wahl akzeptiert. Nicht abgegebene Stimmen werden nicht gezählt, und es gibt keine Mindestwahlbeteiligung, d.h. wenn nur noch ein einziger Trottel wählen geht, entscheidet dessen Stimme darüber, wer alle anderen, die ihre Einstellung durch Ausstieg aus den “Wahlmöglichkeiten” kundgetan haben, regieren soll. Es wird so getan, als ob Nichtwählen gleich Desinteresse ist. Ein gewaltiger Irrtum! Man muss dem System allerdings zu Gute halten, dass vor einigen Jahrzehnten auch noch niemand auf solche Gedanken gekommen wäre. Doch jetzt ist es so weit. Schon bei der letzten Bundestagswahl war bewusstes Nichtwählen kein Tabu mehr. Und allmählich wird es für immer mehr Leute zur einzigen Wahl, die mit dem eigenen Gewissen noch vereinbar ist. OK, es gibt kleinere Parteien, die vielleicht für manche gewissenskompatibel sind. Piraten, Violette … aber das ist keine Lösung des Gesamtproblems. Was wir brauchen, ist eine politische Umstrukturierung. Kein Lobbyismus mit vorgeschaltetem Medientheater mehr, sondern Problemlösung auf Kompetenzebene. Meine Hoffnung war im Vorfeld der Bundestagswahl 2009 gewesen, dass die Piraten sich als erste Kompetenzpartei definieren könnten. Aber wer sich in die Realität des Systems begibt, endet beim Pöstchenwettstreit und der Frage “wie werden wir eine Volkspartei, die zu allem was zu sagen hat?”.
Wahlkampfkostenerstattung für die Parteien gibt es nur für die absolute Anzahl der abgegebenen Stimmen.
Im Übrigen halte ich Nichtwählen für falsch. Man muss sich im Parteienspektrum halt eine Partei aussuchen, die so etwas wie den jmstv nicht unetrstützt.
Nich wählen gehen? Niemals. Wer unzufrieden ist soll eine der sonstigen (demokratischen) Parteien wählen.
“Wählen ist wie Zähneputzen, wenn man’s nicht tut, wird’s braun”.
Das ist eine Ansprache die so oft diskutiert wurde, dass man doch das für-und-wieder kennen MUSS! Wenn man sich mit keinen Werten, Programmen mehr identifizieren kann oder man meint, “der” Politik einen Denkzettel zu verpassen, dann hat man den Ansatz der relativen Verhältniswahl nicht verstanden.
Einzig was hilft: Stimmzettel ungültig machen. Einfach einen Smiley oder ähnlich draufmalen.
Genau den gleichen Gedanken hatte ich gestern auch, als in Hamburg plötzlich Bürgerschaftswahlen im Kalender auftauchten. Ich hab wirklich absolut keine Ahnung, wen ich da wählen soll – ich weiss nur eins: auf das kleinere Übel hab ich keinen Bock mehr!
Wie wäre das als Alternative: Hingehen und den Zettel durchstreichen! So hat man das in der DDR doch auch gemacht, oder?
Btw, es gibt auch schon ein Buch zum Thema:
http://www.amazon.de/Dont-Vote-Just-Encourages-Bastards/dp/0802119603/
Die Wahlbeteiligung sinkt Jahr um Jahr und nichts passiert.
Erst wenn die Wahlkampferstattung mit der Wahlbeteiligung sinkt, werden die Politiker aufwachen.
Traurig, aber wahr.
Durch Nichtwählen werden die linken und rechten Ränder gestärkt, lieber sollte man sich aktiv einmischen…
Ist das nicht schön das die Diskussion die These des Artikels bestätigt?
Nicht wählen und die Parteien teilen es sich auf
oder Wählen gehen und die Parteien tun was sie wollen
oder Sonstige wählen und die Parteien machen es unter sich aus.
Wer meint das er mit Wählen etwas ändert, kann es tun. Er kann ein genauso reines Gewissen haben wie Der der Sonstige wählt und der der Gar nicht wählt.
Es kommt immer aufs Gleiche raus.
Und das wird auch so bleiben, Politik ist korrupt, das weiss jeder der es wissen will und Menschen ändern sich nicht weil andere das wollen. Also müssen junge Leute in die Politik die aber schon keine Lust mehr haben.
Ein Teufelskreis.
So sehr ich in der Sache auch zustimme: Das Letzte, was digitale Analphabeten mit Parteibuch von mir bekommen, ist, dass ich den Mund halte. Meine Stimme ist mir heilig, ob in der Wahlkabine oder am Tresen um die Ecke. Dieses Recht lasse ich mir nicht durch drittklassige Politikdarsteller madig machen.
Man kanns nicht oft genug wiederholen:
Die Amis haben das Internet erfunden, die Deutschen regulieren es. Jeder das, was er am besten kann.
Würde ich gefragt, Deutschland auf den Punkt zu beschreiben: erbärmlich selbstherrlich, ignorant und destruktiv.
Jede noch so gute, innovative, problemlösende Idee fällt dem Peter-Prinzip zum Opfer. Ränge sind über, die Sache untergeordnet.
Made in Germany. Das Laben im Saft des Gestrigen.
Ja was machen wir denn heute. Autos, Maschinen, Voltaik, Windkraft (offenbar schon wieder zu fortschrittlich, ergo politisch ungewollt), Krieg und Kühlschränke. Wir können nur grobmotorisch.
Sehr schöner Beitrag, dem ich fast voll zustimme. Nur, mit Nichtwählen ist es nicht getan. Vielmehr muss ein Weg gefunden werden, bei dem wir Bürger selbst aktiv werden und die Politiker resp. Parteien in die Knie zwingen. Das System müsste sich letztlich so weit entwickeln, dass schon bald “parlamentarische Zwänge” nicht mehr greifen! Wir (drei Journalisten-Kollegen und meine Wenigkeit) selbst haben ein solches System entwickelt. Doch das Projekt würde uns rund 100.00 Euro kosten. Geld, das wir sicher nicht von der Politik zu erwarten haben. Schließlich würde es auch ein Stückweit “Kontrollverlust” für die Politiker bedeuten. Von wegen Volkssouveränität! Naja, bis wir irgendwie und irgendwann das Geld zusammen haben, werden wir vor allem eines noch machen müssen: Wählen gehen! Natürlich frei von “parlamentarischen Zwängen”…
Nichtwählen versuchen seit Beginn der Bundesrepublik immer mehr Leute. Und es wird immer schlimmer. Nicht Nichtwählen kann also was bringen, sondern was anderes wählen. Eigene – vernünftige – Parteien wählen, oder irgendwas satirisches wie DIE PARTEI oder APPD oder so. Und natürlich Proteste, Proteste, Proteste. Das macht einem Politiker Sorgen, aber doch keine Leute, die ihre still schweigende Zustimmung zu allem geben.
Und nächstes mal versuchen wir uns auch einmal am Recherchieren.
http://www.gruene-nrw.de/details/nachricht/entschliessungsantrag-zum-jmstv.html
Da wird über einen Tweet gelächelt, ohne diesen zu hinterfragen. Da wird ein ander Tweet als Zitat herumgereicht, der nicht einmal von den Grünen in NRW stammt (->Fake Acc.).
Nichtwähler sind der Parteipolitikers Lieblinge. Das sind doch eh nur die Wechselwähler und die ewig unzufriedenen. Die eigene Stammklientel geht – zumindest bei der CDU (und mindestens so lange wie die CDUler Rentnern Chauffeurdienste zu Wahllokalen anbieten) – und der Rest kommt nach der Sintflut.
@ Stefan Münz
Sehr schöner Gedanke. Einem Nichtwähler ist (bewußt oder unbewußt) egal, wer ins Parlament kommt. Wenn wir 30 % Nichtwähler haben, werden 30 % der Mandate zufällig an Bürger vergeben. Vielleicht kommt dann die eine oder andere Partei ins Grübeln.
Hm, fast hätten Sie mich überzeugt. Dennoch: Wutreaktionen sind ja manchmal ganz knackig, aber nicht wählen gehen halte ich für kontraproduktiv. Schon alleine weil man nicht ankreuzen kann “Ich bin kein hirnloser Idiot der ohne Grund nicht wählt, ihre Produktpalette sagt mir einfach nicht zu”.
Und tatsächlich haben Sie wohl die Piratenpartei vergessen
Und selbst wenn die einem nicht zusagt: Wer nicht wählt, verliert in meinen Augen das Recht, irgendetwas an der Politik zu kritisieren. Also entweder wählen oder selbst eine Partei gründen. Natürlich schaffen Sie mit einem Blog, das gelesen wird, auch eine Öffentlichkeit, und fördern politische Meinungsbildung.
Aber was mich stört ist: Wenn Politiker mit ihren Mehrheiten nicht ordentlich arbeiten können, sich nicht miteinander arrangieren können, dann ist dies ein Armutszeugnis. Aber man sollte als Volk doch immerhin noch die Wunschvorstellung formulieren, sonst kann ja beim besten Willen daraus niemand einen Auftrag ableiten.
Nichtwählen hat einen großen Nachteil: deine Wahlkampfkostenerstattung wird unter den Parteien verteilt. Da ist absichtliches Ungültig wählen, verbunden mit einer Kampagne fürs Ungültigwählen, besser. Wenn die Ungültigen die 5 % – Hürde knacken, dann wäre das ein großer Skandal.
[...] dem Titel “Deutschlands Parteien: unwählbar – eine Wutrede” lässt Knüwer – berechtigt – Dampf ab: Dieser Staatsvertrag ist ein in [...]
Logisch, Nichtwählen bringt die Politiker dazu, wieder vernünftige Politik zu machen. Und an Weihnachten kommt das Christkind.
Mal ernsthaft: Nichtwähler haben, außer dass sie nicht wählen gehen, nichts gemeinsam. Manche wählen aus Langeweile oder Zufriedenheit nicht, oder weil “wählen eh’ nichts bringt”, oder weil sie auf die nationale oder internationalistische Revolution warten, oder weil sie wissen, dass sie mit ihren 30k€ Parteispenden oder ihrem “Freundeskreis” wesentlich mehr beeinflussen können als mit ihrer Wahlstimme. Selbst wenn eine Gruppe von Politikern zum Schluss käme, dass es zuviele Nichtwähler gäbe, und dass sich etwas ändern müsse, um die Nichtwähler wieder zum wählen zu bewegen: wer soll die Richtung vorgeben, wohin die Reise gehen soll?
Wenn man unzufrieden ist mit dem parlamentarischen Gesamtangebot, so gibt’s drei Möglichkeiten:
a) die schlechteste (für Idioten): nicht wählen
b) die zweitbeste (für faule): Eine Kleinpartei wählen
c) die beste (für Leute, die es ernst meinen): In eine Partei eintreten, und für das kämpfen, was einem wichtig ist.
a) ist destruktiv hoch³; und man wählt das mit, was die anderen wählen, egal ob das CDU, NPD oder Biertrinkerpartei heißt.
b) ist Protest; allerdings der einzige, der als solcher noch wirksam ist.
wirklich effektiv ist aber nur c). Nur hat das die Konsequenz, dass man sich dann nicht mehr hinter seinem Stammtisch/Weblog/Twitteraccount verstecken kann und dort auf “die Politiker” und “Verräterparteien” schimpfen kann, sondern sich in der Sache bewähren muss.
Aber wieso soll man sich auf Sachdebatten herablassen, wenn man sowieso im Recht ist? “Dagegen sein” ist doch so viel cooler und einfacher. Nicht wahr, Herr Knüwer?
Ich stimme quasi jedem Deiner Worte zu – bis auf die von Dir gezogene Konsequenz. Was soll denn das mit dem Nicht-Wählen? Es gehten doch jetzt schon fast 40% (wie bei den Landtagswahlen NRW) nicht mehr wählen. Was soll das denn ändern? Was soll sich ändern, wenn 60%, wenn 80% politik- (besser: parteien-)-verdrossen sind?
Das Gegenteil wäre richtig. Geh wählen, aber wähl nicht die etablierten Parteien. Wenn Du dem Nachwuchs eine Chance geben willst, dann wähl doch ihn.
Ich wähle, um mir das Recht zu bewahren, mich beschweren zu dürfen. Wer nicht wählt, darf sich auch nicht über das Ergebnis beschweren und das wäre mir einfach zu langweilig, die ganze Legislaturperiode über still zu halten.
Aber bei der letzten Wahl habe ich auch gemerkt, dass es für mich eigentlich keinen Unterschied macht, wen ich wähle. Ich konnte noch nicht mal mehr ein kleineres Übel ausmachen. Selbst ihr, liebe Piraten seid für mich unwählbar. Wenn ich einen chaotischen Haufen ohne Konzept und Sachverstand wählen will, nehme ich lieber die SPD. Damit trage ich wenigstens zu einer starken Opposition bei.
Irgendwie macht mich die ganze Poltik richtig depressiv. Bei den Wikileaks veröffentlichungen geht es nur um den bösem Datenklau und das es veröffentlich wird. Wie der JmStV realisiert werden soll ist mir auch nicht klar. Das kann ja nur realisierbar sein, wenn dann alle ausländischen Angebote auch als 18 gekennzeichnet werden usw.
Nichwählen wäre nur eine alternative, wenn wirklich keiner wählt, bzw. die Wahlbeteiligung unter 10 % liegt, auch wenn dann trotzdem irgendeine Regierung zustande kommt. Aber Grüne und FDP als Alternative fallen ja auch weg, da die Datenschutz Internet usw. als erstes für Atomkraftwerke abschaffen oder Steuer Senken opfern, mal von der guten Frau Schnarrenberger abgesehen. Wenn die nicht wäre würde s ja noch schlimmer aussehen.
Wenn die Politik früher schon so technikfreindlich gewesen wäre, würde es sicher weder BMW noch Mercedes geben. Wer traut sich denn in Deutschland noch nen Dienst wie z.B. Twitter oder Google zu starten.
Aus “Offiziere” vonm Kurt Tucholsky (1920). “Der deutsche Offiziersstand ist seit dem 9. November ins Zivil gefallen, so wie Steine ins Wasser fallen. Die gehen dann unter. Es muß für die aktiven Offiziere und für die vielen Reserveoffiziere, denen die vier Jahre zum ersten Mal in ihrem Leben eine feste und glanzvolle Stellung mit gutem Auskommen geboten hatten, ein schwerer Schritt, ein schwerer Fall gewesen sein. Schwer deshalb, weil diese Männer mit ganz wenigen Ausnahmen von einer so stupenden Lebensunerfahrenheit sind, von einer solchen Naivität und einer Unberührtheit von den Dingen des Lebens, die sich außerhalb des Kasernenhofs und der Schreibstube abspielen, daß sie mit großen runden Augen in das Chaos starrten und sich darin nicht zurechtzufinden wußten. Hier war alles so ganz anders: der Rang an sich gilt nicht allzuviel, mit einer Schnauzerei ists meist nicht getan, das ›Menschenmaterial‹ ist nicht ohne weiteres verfügbar, man darf Leute und Wagen nicht stundenlang warten lassen, überall sind Schwierigkeiten und Hemmungen, und keiner steht stramm, keiner steht stramm . . . Ich habe seit dem 9. November mit vielen Offizieren, aktiven und anderen, die nun in Zivilstellungen waren, zu tun gehabt, und muß sagen: Eine solche merkwürdige Mischung von gutem und schlechtem Willen, sich ins Zivil hineinzufinden, eine solche Verbindung von einigen alten Preußentugenden und totaler Unfähigkeit, die eigene Zeit zu begreifen, ist mir noch nicht vorgekommen. Sie wollen – wenn auch nicht alle – aber sie können nicht. Sie wirken im großen und ganzen wie ein Spinnrocken in der bürgermeisterlichen guten Stube einer kleinen Stadt: überholt. Ganz nett anzusehen, aber überholt. Sie haben eine Art, die Dinge zu sehen und anzufassen, daß einen der kalte Schauder überläuft, und daß man immer wieder vor sich hinsagt: Also das hat einmal geführt! Also die waren einmal Leiter und Spitzen und haben über Geschicke bestimmen dürfen! Es muß doch ein merkwürdig einseitiges Spezialhandwerk sein, das militärische, denn was haben sie für Anschauungen, für Auffassungen, für Lebensaspekte! Und dabei waren sie doch in Flandern und in Palästina und in Finnland und in Polen . . . und nun sollte man doch meinen . . . Aber da ist nichts. Ein Horizont wie ein Schnapsglas.”
http://www.zeno.org/Literatur/M/Tucholsky,+Kurt/Werke/1920/Offiziere+%5B2%5D
Die Kritik von Thomas Knüwer teile ich, komme aber zu anderen Konsequenzen.
1. Es muss mehr Internetkompetenz in die Parlamente.
Zum Beispiel durch:
- Verjüngerung der Parlamente
- Amtszeitbegrenzung (spätestens nach 16 Jahren müssen alle wieder in die gesellschaftliche Realität “entlassen” werden)
- Die Möglichkeit von Kumulieren zugunsten von Fachmenschen nutzen.
- eigene Kandidatur bzw. Einmischung bei der Aufstellung der Kandidaten/innen
2. Das gleiche gilt auch für Parteien und Verbände / Gewerkschaften.
Bloggen und Twittern ist schön, aber noch laufen die realen Entscheidungen auf Sitzungen und in den Gremien ab.
Langweilig? Keine Lust drauf?
Stimmt leider oft!
Aber wer etwas verändern möchte, muss dort hin wo die Entscheidungen getroffen werden.
Oder wie EvH formuliert(sinngemäß, weil ich die Stelle gerade nicht finde): Wer einen Partner sucht, sollte öfter die eigene Wohnung verlassen. Sonst bleiben zur Auswahl der Pizzabote und die Zeugen Jehovas.
3. Wer nicht zu den unwissenden in den Parteien und Gewerkschaften geht, muss (leider!) damit Leben das sie Blödsinn beschließen werden.
Die Gründung einer Internetsekte hilft nicht wirklich weiter.
4. Und welche Partei wird ab morgen unterwandert?
Wann hat jemals eine niedrige Wahlbeteiligung Köpfe rollen lassen? Nur Ergebnisse haben so was bisher ausgelöst, aber noch nie schlechte Wahlbeteiligung!
Auf das kleinere Übel … Prost und auf eine Volkspartei die dann wieder von 90% gewählt wird. Wie hießen die nochmal? ah; SED…
Ich meine auch, dass Nichtwählen keine Alternative ist – das Politpack regt sich doch nur über “verlorene” Wahlen auf (als würde ihnen was gehören, was man ihnen weggenommen hat), aber nicht wirklich über Nichtwähler, das sagt schon sehr viel.
In Hamburg haben die Wähler beim bisher vergeigt habenden Klüngel aller Couleur eigentlich nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera. Ich ziehe daher ernsthaft in Betracht, “Die Partei” zu wählen – die wirken am kompetentesten (wirklich).
Einige haben es ja schon angerissen:
WER NICHT WÄHLEN GEHT, WÄHLT DIE BESTEHENDEN PARTEIEN.
Die freuen sich, wenn es weniger Gegenstimmen gibt und die eigenen Stimmen einen größeren Anteil haben.
Ich weiß nicht ob ungültig wählen wirklich was bringt, aber immerhin ist es noch eine echte Willensbekundung und mir damit sympathischer. Ich glaube, das katastrophal gute Abschneiden der FDP ging sicher auch auf das Konto der Nichtwähler. Wie viele Beweise brauchen wir denn noch, dass Nichtwählen kleine extreme Parteien fördert.
[...] JMStV III: Deutschlands unwählbare Parteien…Indiskretion Ehrensache [...]
geht Wählen aber Überlegt ganz genau !! ich mache Zeit Jahren ein Großen ( X ) auf den Zettel und das ist besser als nicht Wählen Zugehen.!! WER SAGT DEN !! Nichtwählen hat einen großen Nachteil: deine Wahlkampfkostenerstattung wird unter den Parteien verteilt. Da ist absichtliches Ungültig wählen, verbunden mit einer Kampagne fürs Ungültigwählen, besser. Wenn die Ungültigen die 5 % – Hürde knacken, dann wäre das ein großer Skandal.DAS DAS IST BLÖDSINN DEN WEN DU ÜNGÜLTIG MACHST WIRD AUCH KEINE PARTEI EIN EINZIGEN PROZENT BEKOMMEN WER ABER NICHT WÄHLEN GEHT VERSCHENCKT ES AN DIE GROßEN PARTEIEN !!! Den was die Politiker über uns denken !!!? das sind unsere bescheuerten Bundesbürger die glauben jeden Scheiß,die unsere Presse druckt ! mann kann das blöde Volk ausnehmen wie eine Weihnachtsgans und die jubeln,die finden das gut und Wählen uns immer wieder. Gut das sie es nicht wissen das alle Parteien zusammenarbeiten und nur dazu da sind das dumme Volk glauben zu lassen, alle vier Jahre eine Wahl alternative zu haben.Und wenn die mal Gesetze haben wollen , dann erschaffen wir einfach selber ein Problem wie z.B. beim Terrorismus,schieben das dann auf unsere gekaufte Presse auf andere und so können wir unsere Kriege rechtfertigen.Dann denken die,das sie diese Gesetze brauchen und wir können diese dan ganz einfach und mit Zustimmung durchsetzen. das nennt man – Problem – Reaktion – Lösung. Schön zu wissen von – Partei – Ja – Sagern – Umgeben zu sein das Erleichtert uns . das ist Tatsache so denken die über uns. Macht ein Großen X auf den Zettel und fertig keine Partei ist Wählbar. IHR MÜSST NOCH VIEL DAZU LERNEN WIE ES AUSSIEHT!!
[...] Deutschlands Parteien: unwählbar – eine Wutrede (Indiskretion Ehrensache) – Thomas Knüwer hält die Parteien, wegen der heftig kritisierten Entscheidung der Grünen in Nordrhein-Westfalen zum umstrittenen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV), für unwählbar. [...]