Thomas Wiegold verlässt den „Focus“
16. August 2010
Hilfe für Pakistan
18. August 2010

Google Streetview und die Einbrecher

In den fast 15 Jahren, die ich in Düsseldorf lebe, ist zweimal bei mir eingebrochen worden. Beim ersten Mal lebte ich in einem Normalo-Viertel namens Pempelfort, das zweite Mal im Zooviertel, einem spießigen Hort des Wirtschaftswundergeldes und dessen Erben.

Wenn solch ein Einbruch passiert, ensteht natürlicherweise beim Opfer des Verbrechens ein erhöhter Informationsbedarf. Wer bricht da überhaupt ein in Wohnungen und Häuser, die nicht unbedingt nach Juwelen und Rolex riechen? Wie kann man das verhindern? Und wie oft wird eigentlich eingebrochen in so einer Stadt wie Düsseldorf?

Die herbeigerufenen Polizeibeamten beantworten solche Fragen mit ausgesprochener Ruhe. Sie wissen ohnehin: Dem Opfer ist nicht mehr zu helfen. Die wenigsten Einbrüche werden aufgeklärt. Mehr noch: Es gibt absurde Geschichten rund um Einbrecher. Beim letzten Mal, zum Beispiel, machte ein besonders frecher Dieb die Runde in der Stadt. Er sei sehr kletterfreudig, berichtete der Polizist, „der kommt jede Dachrinne hoch“. Und er sei sehr selbstbewusst. So habe er einmal anderthalb Stunden probiert eine Balkontür zu öffnen, von der er wusste, dass über ihr eine Überwachungskamera hing. Mehr noch: Er kam in die Wohnung rein, verließ sie wieder – und winkte in die Kamera.

Die Angst vor Einbrüchen ist gerechtfertigt, weshalb zunächst einmal das Argument, Diebe könnten Google Streetview nutzen glaubwürdig erscheint – bis man fünf Minuten drüber nachdenkt. Obwohl: 30 Sekunden reichen auch.

Tatsächlich gibt es nämlich vor allem zwei Sorten von Einbrechern, so berichtete mir die Polizei in Düsseldorf bei diesen unschönen Gelegenheiten.

Die ersten sind die Beschaffungskriminellen. Sie wollen vor allem schnell rein in eine Wohnung oder ein Haus – und schnell wieder raus. Ihnen geht es dabei um Bargeld, Schmuck und Uhren. Unterhaltungselektronik oder ähnlich sperriges, beziehungsweise vom Mediamarkt-Preisverfall betroffenes Gut interessiert sie nicht. Diese Diebe suchen keine großen Villen auf – sie wissen, dass die besser gesichert sind. Sie treiben sich durch jene Normalo-Viertel und entscheiden teilweise spontan, wo etwas gehen könnte.

Die zweite Gruppe sind jene, die es auf besonders große Beute abgesehen haben. Es sind die, die das ausgeklügelte Warnsystem einer Millionärsvilla ausschalten können.

Keine dieser Gruppen aber hilft Streetview weiter. Denn die einen suchen nicht bestimmte, tolle Objekte – für sie ist wichtiger, dass niemand daheim ist. Oder wie die geschätzte Frau Feli es twitterte:

„“Man kann online sehen welches Haus man ausrauben will?“

„Ja, aber um zu wissen, dass die Bewohner nicht da sind, brauchst Du 4square.““

Nein, das Einbrecher-Argument bei Google Streetview ist hanebüchen. Dazu reicht es, sich selbst vorzustellen, wie es wäre, so als Einbrecher. Würden Sie sich auf Fotos unbekannten Datums, die theoretisch drei Jahre alt sein könnten, verlassen, um ihre Freiheit zu riskieren.

Wer glaubt, Google Streetview sei eine Einbrecherhilfe, der glaubt auch dass Einbrecher als Dienstkleidung rote Rollkragenpullover mit Nummer vorne drauf zur blauen Kappe tragen.

Foto: Shutterstock

Teile diesen Beitrag