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Der wichtigste Grund für eine schöne Vergangenheit ist ein schlechtes Gedächtnis.

Ich weiß nicht mehr, wer das mal gesagt hat (Hinweise in den Kommentaren erbeten). Die Verleihung der Goldenen Blogger aber ist für mich jedesmal der Beweis, dass dieser Satz wahr ist.

Denn jedes Jahr stelle ich mir vor, dass wir mit einer Gruppe von Siegern, Nominierten und anderen noch irgendwo etwas trinken gehen, den Abend ausklingen lassen, neue Kontakte knüpfen. Und jedes Jahr realisiere ich nach dem Ende unserer Show, dass es nicht dazu kommen wird, weil ich komplett platt bin.

Foto: Kny

Denn dieses Hobby namens „Goldene Blogger“, das mal als Witz auf dem Sofa von Franziska Bluhm mit Webcam auf dem Bügelbrett entstand, ist zwar weiterhin das Merkwürdigste, das in meinem Leben je passiert ist – gleichzeitig aber ein immens kräfteraubendes Unterfangen.

Auf die vergangenen 15 Monate traf dies besonders zu. Wir mussten uns eine neue Heimat für die Verleihung suchen – und fanden diese beim wundervollen, großartigen Team von Microsoft Berlin. Danke. Auch an unsere anderen Unterstützer Facebook, comdirect und GoDaddy.

Und dann war da noch das, was uns über Wochen beschäftigte.

In der Anmoderation habe ich es so formuliert:

„Das vergangene Jahr war für uns als Organisationsteam kein leichtes. Wir mussten uns mit Krankheiten beschäftigen, deren Existenz mancher abstreitet.  Wir mussten feststellen, dass selbst Menschen, die wir für vernünftig und rational hielten, sich nicht immer so verhalten. Und wir mussten erkennen: Wir können bei allem Willen nach Konsens es nicht immer allen recht machen.  Falls wir hierbei jemanden verletzt haben sollten, bitten wir um Entschuldigung. Wir können nur immer unser Bestes geben um Entscheidungen zu treffen, die der Haltung dieses Preises gerecht werden.“

Für all diese Anstrengungen wurden wir aber entschädigt – durch die spektakulär tollen Menschen, die wir kennenlernen durften.

Schon beim Empfang der Nominierten entstand jene Atmosphäre die uns als Veranstalter glücklich macht: Wildfremde Leute finden sofort einen Draht zueinander, weil sie Dinge im Internet tun, bloggen, instagrammen, podcasten oder youtuben.

Und wir freuen uns, wenn unsere kleine Veranstaltung diesen fantastischen AutorInnen, SprecherInen, Bild- und VideomacherInnen die Aufmerksamkeit beschert, die sie verdienen. Ein Beispiel: Am Montag, dem Tag unserer Gala, erschien das erste Buch der Notaufnahmeschwester, die im vorletzten Jahr für ihren Text „Ihr Lappen“ in der Kategorie „Blogartikel des Jahres“ siegte – und darüber einen wundervollen Text schrieb. 

Auch in diesem Jahr fanden wir unter den 2.000 Vorschlägen so viele interessante, lehrreiche und/oder unterhaltsame Blogs und Accounts. Oft genug zeigt sich dann, dass Menschen, die tolle Texte schreiben auch in persona spannende Typen sind. Das Brüderpaar Businesslion, zum Beispiel, Peggy Elfmann von „Alzheimer und wir“ oder das Team von Helicopter Hysterie ZWO. Ach, eigentlich waren alle oben auf der Bühne sympathisch, entspannt und oft sehr schlagfertig. Richtig gerockt hat das große Team des Podcast „FRÜF – Frauen reden über Fußball“ – sie brachten Stadionatmosphäre in den Saal.

Foto: Kny

Eine tolle Geschichte auch: Rezo wollte seine Fans nicht zum Abstimmen aufrufen, weil er den Volksverpetzer für preiswürdiger hielt. Die ebenfalls nominierte Samira El-Ouassil dagegen bat darum, für Volksverpetzer zu stimmen – weshalb die Faktenchecker den Preis mit deutlichem Abstand abräumten.  

Diese oben erwähnte Aufmerksamkeit gibt es nur, wenn auch Medienhäuser berichten. Und so geben Franzi, Daniel Fiene und meine Wenigkeit auch jede Menge Interviews. Dabei war es in diesem Jahr interessant, dass jede InterviewerIn auf den ich traf fragte „Was ist heutzutage eigentlich ein Blog?“

Foto: Tobias Block

Begründet wurde dies mit unseren Kanal-Kategorien, also Instagram, Twitter, Podcast und erstmals TikTok. Schon immer haben wir ja auch die Präsenzen auf Kanälen ausgezeichnet, nun fällt es auf? ist das die Hoffnung der Medien, dass diese Blogs nun endlich sterben? Oder nur die übliche Sucht nach „Das ist der neue Heißscheiß“? Ich habe keine Antwort.

Geändert hat sich allerdings etwas in Klein-Bloggersdorf. Während früher sehr viele Menschen Blogs ohne große Pläne aufmachten und so öffentlich Tagebuch führten, scheint das Eröffnen eines Weblogs heute mit klaren Zielen verbunden zu sein. Es gibt ein eindeutiges Thema, über das die Autorin oder der Autor schreiberisch nachdenken möchte und den Austausch sucht.

135 Minuten dauerte die Verleihung, am Ende sangen wir gemeinsam Alf Frommers „Über 7 Shitstorms werden geschehen“. Und anschließend war ich platt.

Sorry, für alle, mit denen ich nicht mehr geordnet reden konnte. Aber sie sind halt ein anstrengendes Hobby, diese Goldenen Blogger.

Foto: Eventpress

Ein Interview mit Thomas von den Volksverpetzern:

Und hier die Liste der Sieger:


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