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Viele Wortbilder gibt es rund um diese US-Wahl, keines davon ist schmeichelhaft. Wie jener Unfall, sei sie, bei dem man wisse, die Bilder würden grausam – aber man könne nicht wegschauen, sagen die einen. Die anderen nennen sie eine Seifenoper, andere eine griechische Tragöde oder die Real-Life-Version von „House of Cards“.

Vor allem schein völlig unverständlich, wie ein einigermaßen vernunftbegabter Homo Sapiens nur erwägen kann, seine Stimme Donald Trump zu geben. Andererseits: Selbst „Freitag“-Herausgeber Jakob Augstein fand in einer „Spiegel-Online-Kolumne „Argumente für Trump“, was zum einen an seiner Vernunftbegabtheit zweifeln lässt, andererseits zeigt, wie nah Links- und Rechtsaußen beieinander stehen.

Doch die USA sind eben ein anderes Land als Deutschland, sie sind ein Kontinent mit ganz anderer Besiedlung und Historie als Europa. Weshalb es sich lohnt, genauer hinzuschauen. Derzeit folge ich zwei Medienprojekten, die das herausragend gut tun, weshalb ich sie wärmstens empfehlen möchte:

„The United States of Anxiety“

United States of AnxietyIch kenne keinen Radiosender, der so gute Podcasts produziert wie die New Yorker Station WNYC. Eigentlich müsste so das Programm von DRadio Kultur oder das des Deutschlandfunks aussehen. Herausragende Reportageformate sind dabei, klassische gebaute Beiträge, Interview- und Musiksendungen. Ein Beispiel: die großartige Wirtschaftsshow Freakonomics Radio. Und natürlich stammt auch der großartigste aller Pocasts – Serial – aus diesem Stall.

Anlässlich der Wahl wollte WNYC jener Frage nachgehen, warum Trump so stark geworden ist. These: Weil so viele Menschen Angst haben, ihren aktuellen Status zu verlieren. Doch stimmt das? Am Beispiel von Long Island erzählt die Redaktion den Wandel der USA in den vergangenen Jahrzehnten und produziert faszinierenden Qualitätsjournalismus.

7 Folgen gibt es bisher, jede Woche kommt eine weitere hinzu – alle zu finden in den üblichen Podcast-Apps oder auf der Homepage von „The United States of Anxiety“. 

Hochkant

Viel Aufregung gab es um das öffentlich-rechtliche Jugendangebot Funk, das es ausschließlich auf Web-Plattformen gibt. Doch herausgekommen ist bemerkenswertes. So ist die Funk-App richtig gut gemacht und weitaus besser designed als der weiteste Teil von Rest-Mediendeutschland.

Auf Snapchat betreibt Funk den Nachrichtenaccount Hochkant. Der ist solide gemacht, für mich aber nicht herausragend.

Anlässlich der US-Wahl aber hat er Deutschlands beste snapchattende Journalistin auf US-Reise geschickt: die wunderbare Eva Schulz. Auf ihrem eigenen Account erntete Eva schon großes Lob für Snaps wie die Erklärung, warum Terrorismus in Brüssel und gerade in Molenbeek so ein Thema ist (und verdientermaßen war sie auf der Shortlist der Goldenen Blogger 2015 in der Rubrik Snapchat):

Wer nicht auf Snapchat ist, wird ihre Snaps wahrscheinlich auf ihrer Facebook-Page sehen können, wie diese erste Serie aus Philadelphia:

Für mich ist Eva die talentierteste deutsche Multimedia-Journalistin, weshalb ich ihr auch zutraue, ein erhellendes Licht auf die Frage zu werfen, warum Trump so weit kommen konnte. Hochkant ist zu finden unter diesem Snapcode:

Hochkant Snapcode

Und natürlich würde ich mich freuen über weitere Hinweise auf spannende Multimedia-Projekte rund um diese halloweenige Wahl.


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