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Intmag titel leseprobeAls ich vor einigen Jahren, nach einer gehörigen Pause, mal wieder auf der Cebit war, sprach mich ein Mitarbeiter von Siemens an: „Netzwert habe ich immer total gern gelesen – schade, dass es das nicht mehr gibt.“

Ich konnte ihm da nur zustimmen. Dann tatsächlich fehlt es in Deutschland an einem journalistischen Objekt, das Menschen informiert, die beruflich schwerpunktmäßig mit digitalen Themen befasst sind: „t3n“ und „Internet World Business“ machen einen guten Job, sind aber zu expertig angelegt;  „Horizont“ oder „w&v“ fokussieren sich auf Werbe-Themen, die Wirtschaftspresse berichtet zu flach und vor allem fortschrittspessimistisch, „Wired“ streift die Themen nur und erscheint in Deutschland auch weiterhin nur alle Jubelhalbjahre.

Gleichzeitig steigt derzeit die Zahl derjenigen, die in ihren Jobs mit diesen Feldern beschäftigt sind, sowohl in klassischen Unternehmen jeder Größe wie auch bei Dienstleistern und schließlich auch bei Startups.

Genau das sieht auch der WEKA-Verlag in München so. Er fragte mich, ob ich als Editor at Large Lust hätte genau solch ein Produkt zu konzipieren und zwar als Neustart der Traditionszeitschrift „Internet Magazin“ und auch nicht als „Testausgabe“ der halbjährliche Gelegenheitsmagazine folgen, sondern als richter Start. Ab dem 22.11. wird das „Internet Magazin“ also zum monatlichen Magazin der digitalen Wirtschaft mit Print-Ausgabe, Tablet-App und eigener Homepage sowie Social Media-Präsenzen.

Die ersten Ergebnisse dieser Arbeit haben wir heute im Rahmen eines Hangouts on Air vorgestellt:

Das IntMag richtet sich vor allem an drei Zielgruppen:

1. Digitalisten in „klassischen“ Unternehmen: Marketing-Verantwortliche, Produkt Manager, Betreuer von Recruiting-Seiten auf Facebook, Social Media Redakteure.

2. Deren Dienstleiter: Werbe-, Online- und PR-Agenturen sowie Unternehmensberatungen.

3. Startups: Wir wissen, dass diese andere Informationsbedürfnisse haben, als die beiden anderen Gruppen. Ich glaube aber, dass sie Interesse haben, von Nicht-Startups zu lernen. Eine solche Plattform, auf der beide Seiten zueinander finden (vielleicht analog zum US-Magazin „Fast Company“), gibt es bislang nicht.

Das gedruckte Magazin wird sich in sieben Bereiche teilen:

Log-In: Der entspannte, kleinteilige Einstieg, verbunden auch mit doppelseitigen Fotos – denn langweilig soll das IntMag nicht werden,

Idee: Kolumnen von interessanten Menschen mit ebenso interessanten Gedanken.

Titel: Berufliche Informationen brauchen Tiefe. Die Titelstrecke darf durchaus auch 15 bis 25 Seiten lang sein, verteilt auf mehrere Artikel. Es geht nicht nur darum ein Thema zu streifen, sondern es aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.

Now: Wie nutzen klassische Unternehmen digitale Technologien?

Talk: Ein langes Interview mit einer interessanten Person.

Next: Wie nutzen digitale Unternehmen digitale Technologien?

Log-Off: Der etwas unterhaltsamere Ausstieg mit Netzkultur, Gadgets und Memes. Und mit „140Zeichen“ – via Twitter geführte Interviews, bei denen jeder reingrätschen darf, der zu dieser Zeit online ist.

Generell wichtig ist es für uns, Geschichten verstärkt aus der Sicht von Fallstudien zu erzählen. Also: Lieber am Beispiel eines Unternehmens ein Thema erzählen als möglichst viele in einen Artikel zu packen um dann zu behaupten, es handele sich um einen heißen Trend. Wir glauben, dass dies professionellen Digitalisten mehr hilft, als nur Kleinigkeiten aus einzelnen Projekten zu streifen.

Das gedruckte Magazin wird es ab 22.11. geben, es wird aber nicht in jedem Kiosk ausliegen. Wer sicher gehen möchte, kann aber problemlos auf der Homepage www.intmag.de ordern. Zusätzlich wird eine Tablet-App erscheinen. Noch vor dem ersten Verkaufstag wird außerdem eine Homepage online gehen, die in kleinem Rahmen aus dem Themenfeld des Magazin gefüllt werden wird. Ich selbst werde bis Ende März an Bord bleiben.

Bereits jetzt aktiv sind aber die Facebook- und Twitter-Präsenzen:

Twitter: @intmag

Facebook: facebook.com/intmag

Die Strukturen des IntMag sind so flach, dass der Begriff „Strukturen“ verfehlt ist. Das Magazin wird gemacht von einem Redaktionsleiter, einem Layouter und mir. Ich glaube aber, dies ist in den Zeiten des Medienwandels die richtige Methode, ein neues Projekt anzugehen. Angelehnt ist sie an die Startup-Strategie des Bootstrapping, also des extremen Kürzens von Kosten um dann zu investieren, wenn das Geschäftsmodell tatsächlich anspringt.

Aus diesem Grund freuen wir uns auch über Angebote von freien Autoren.

Das „IntMag“ ist ein kleines Projekt, aber eines das mir am Herzen liegt. Denn ganz häufig, wenn ich Vorträge halte oder Konferenzen moderiere, fragen mich die Zuhörer, wo sie sich denn auf dem Laufenden halten können. Und so recht fällt mir nicht ein, was ich ihnen empfehlen könnte. Es wäre toll, könnten wir mit dem neuen „Internet Magazin“ diese Lücke stopfen.

Gelingt uns das, werden wir sicherlich noch mehr Verlage erleben, die diese (auch für Werbekunden) attraktive Zielgruppe erreichen werden wollen. Schließlich sollen laut Gartner Chief Marketing Officer 2017 über mehr IT-Budget verfügen als Chief Information Officer. Andererseits sind Digitalisten in Unternehmen häufig Gadget-liebende Geeks, für die Investitionen in Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik bedeutender Teil ihrer Lebensart sind (und die dafür viel Geld ausgeben). So ist das halt in der deutschen Verlagswelt – es muss immer erst einer vorgehen, damit andere sich trauen.

WEKA traut sich – und wir würden uns freuen, wenn Sie, liebe Indiskretion-Leser, uns auf diesem Weg begleiten.


Kommentare


m 17. September 2013 um 13:52

Datenautobahn?? o.O

Viel Glück!!1 🙂

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Detlef Borchers 17. September 2013 um 18:23

Die Vorgeschichte zur neuen Flachheit:

>http://www.newsroom.de/news/detail/$HVKWGQDLHNKO/pcgo_und_pc_magazin_betroffen_verlag_entlsst_komplette_redaktion

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Richard 18. September 2013 um 16:08

Tablet-App. Ich wette 100 Euro, des es sich dabei AUSSCHLIESSLICH um Apple-Tablets handeln wird. Oder um was mit Adobe-DRM. Käme mir auch nicht auf Android-Tablet. Und noch mehr Papier würde ich auch nicht verkraften.

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Thomas Knüwer 19. September 2013 um 9:34

@richard: Wohin möchten Sie das Geld überweisen? Reporter ohne Grenzen?

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Rainer Barg 18. September 2013 um 19:51

Ich dachte, Print sei tot? „Internet Magazin“ als Druckmagazin klingt ja sehr …. nun ja … 1.0.

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Thomas Knüwer 19. September 2013 um 9:37

@Rainer Barg: Nö. Print ist nicht tot – nur Tageszeitungen sterben. Wir haben von sehr digitalaffinen Menschen auch die klare Rückmeldung bekommen, dass sie gedruckte Magazine gerne lesen. Wichtig ist nur, dass sie die Auswahl haben, auch eine digitale Version zu bekommen.

Dieses Null oder Eins in Sachen digital und Kohlenstoff ist eine sehr deutsche Sicht der Dinge. Zu diesem Thema empfehle ich auch die Studie „Embracing Analog“ von J. Walter Thompson.

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Marcus Neuhardt 19. September 2013 um 13:22

Hallo herr Knüwer, tolle Sache. Ich wünsche gutes Gelingen.
Viele Grüße von der Düssel
Marcus Neuhardt

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Martin Schambeck 19. September 2013 um 14:22

Aus der Leseprobe lässt sich noch nicht wirklich absehen wohin die Reise geht. Die angerissenen Beiträge schwanken noch zwischen Beliebigkeit und thematischen Mäandern. Dem Anspruch des Magazins zukünftig „Pflichtlektüre“ in Deutschland für das Thema Digitale Wirtschaft zu sein und „aufschlauen“ zu wollen fehlt an einigen Stellen noch der Nachweis.
Muntere News-Seiten zu elektronischen Haushaltshelferlein wie Smart Drop gemixt mit etwas Personality oder einem „Zitat der Woche“ geben wenig Anlass etwas „ganz Neues“ in der Hand zu haben. Das beide Kolumnen einen Abgesang anstimmen geben dem Magazin-Entree einen leicht depressiven Geruch mit. Aber es lockt ja auf der nächsten Doppelseite ein strahlend großer Stern, der mir verspricht Insights zu erlangen. Mercedes als Dr. No nur ohne Bombe und dafür mit einer neuen Liebe im Gepäck. Ja, es hätte mich wirklich interessiert wie der Stuttgarter Autobauer sich in der Blogsphäre bewegt und kommuniziert. Doch was erfahre ich in der Zwischenüberschrift: „Blogger ticken anders“. Wow – da wäre ich wirklich nicht drauf gekommen. Dann geht es munter weiter knapp unter der Belanglosigkeitsschwelle. Immer dann wenn es spannend wird kommt der redaktionelle Schiri und pfeift den Vorteil gnadenlos ab. Beispiel: Messgrößen. Es ist schwierig belastbare Zahlen zur Wirksamkeit von Inhalten zu erhalten. Da drückt mich wirklich der Schuh, dazu würde ich gerne was lesen. Und Daimler hat eine Lösung gefunden? Alles was ich darüber erfahre ist der lapidare Satz: „Daimler selbst hat deshalb Instrumente entwickelt um diese Effekte messbar zu machen“. Hey, super das Daimler jetzt weiter ist. Nur was sind das für Instrumente, wie werden sie eingesetzt und was habe ich als Leser davon? Eine Antwort auf diese Fragen wäre für ein Magazin mit diesem großen Anspruch angemessen. Hier ist noch viel Luft nach oben. Da ich selbst nicht im e-commerce unterwegs bin kann ich zur Qualität der zweiten großen Story nichts sagen, dass überlasse ich den ec-Profis zu kommentieren. Zuletzt nur die Frage, was soll ich mit diesem „140 Zeichen“ Gemurkse. Twitter ist klasse. Ich nutze es gerne als Sprungbrett in Themen oder um interessanten Menschen zu folgen. Aber ich will mir doch nicht in kurzen Zeichenhäppchen die Welt erklären lassen – schon gar nicht von Amir Kassaei – unter Predigtformat macht er es doch normaler Weise nicht.
Ich habe die erste Ausgabe bestellt und werde auch sicher der zweiten/dritten Ausgabe eine Chance geben. Doch wenn das Internet Magazin die Qualifikation überstehen will um in die Gruppenphase zu kommen, müsst ihr euch steigern. Mehr Mut, mehr Tiefgang und mehr Überraschung wünsche ich mir.

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Julia Jenners 19. September 2013 um 16:41

Erstaunlich, wie negativ hier einige eine Leseprobe einschätzen, bei der jeder längere Artikel unvollständig ist. Deutsche Meckerei halt. Gerade die Kritik am Satz „Blogger ticken anders“ zeigt, dass hier einige meckern, weil sie meckern wollen. Denn es geht ja um die Absetzung von den Bewertungskriterien der Motorpresse bei Reichweitenverlust und dem Problem, das intern zu rechtfertigen. Aber so sind sie halt die Deutschen: Hauptsache was zu bekritteln haben.

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Ralph Schneider 20. September 2013 um 6:33

@Julia Jenners: Kritik = Meckern? Aber egal, Tatsache ist: wenn Sie Recht haben, muss sich Herr Knüwer die Kritik von Herrn Schambeck umso mehr zu Herzen nehmen, denn „die Deutschen“ sind nun mal seine Zielgruppe. Ich kann eigentlich nicht mitreden, denn ich habe die Leseprobe (noch) nicht angeschaut. Aber auch ich würde mich nur für etwas interessieren, das mir einen Mehrwert bietet, den ich mir nicht selbst im Web zusammensurfen kann. Die Idee ist jedenfalls schon mal gut, es kommt halt darauf an, ob die interviewten Persönlichkeiten wirklich etwas preisgeben.

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Thomas Knüwer 21. September 2013 um 16:22

@Ralph Schneider: „Die Deutschen“ sind nicht die Zielgruppe. Es sind alle Deutschsprecher, die beruflich mit digitalen Themen befasst sind. Dies ist kein endverbraucherorientiertes Magazin sondern ein B2B-Wirtschaftsblatt.

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Martin Schambeck 20. September 2013 um 8:08

@ Julia Jenners
Tja, der Umgang mit Kritik ist schon ein besonderer. Jetzt könnten schnell zurück Begriffe wie „Schmollecke“ oder „Dünnhäutigkeit“ fallen. Brauche ich nicht, will auch nicht.
Ich bin fest davon überzeugt, dass ehrliche Repliken besser genutzt werden können als Schönredner. In einer Welt in der Informationen inflationär angeboten werden bedarf es eines aussergewöhnlichen Angebotes, um gehört zu werden. Der Anspruch „Pflichtlektüre“ zeigt, wo die Redaktion hin will und ich wünsche ihr wirklich, dass sie das Ziel erreicht – denn ein Qualitätsangebot das sich vom ewigen Kommunikations-Bla-Bla abhebt tut bitter Not. So wie ich die Macher einschätze können sie meine Meinung durchaus gut aushalten, ohne sich zu grämen. Ob sie diese wertschätzen ist ihnen überlassen. Ich schlafe trotzdem ruhig, auch wenn ich mal eben in die „deutsche Meckerecke“ geschoben werde 😉

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Calvero 20. September 2013 um 9:57

Viel Erfolg! Für den Preis darf man aber besseres Papier erwarten, als das eklige, das WEKA bei vielen Titeln einsetzt.

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Thomas Knüwer 21. September 2013 um 16:20

Keine Sorge: Das Papier fühlt sich sehr gut an!

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Das IntMag – ein Magazin wird kommen 8. November 2013 um 17:44

[…] den vergangenen Wochen war hier in der Indiskretion wenig los. Das hatte einen Grund: Die Arbeit am Neustart des Internet Magazins hat einfach eine gehörige Menge Zeit, Kraft und Arbeit […]

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“Wie digitale Technik den Sport verändert” – Titelstory im Internet Magazin “IntMag” | Das SportWort 19. Dezember 2013 um 16:58

[…] Platz statt. Ende September kontaktierte mich Thomas Knüwer, Editor at Large vom neu aufgelegten “Internet Magazin IntMag”, mit der Anfrage, ob ich die Titelstrecke zum Thema “Wie digitale Technik den Sport […]

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Das 31. Oktober 2014 um 11:03

[…] selbst war ja Teil eines so aufgestellten Projektes, des “IntMag“. Gescheitert ist es leider an einem Verlag, für den sich jenes Strategiefenster schon […]

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