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Vielleicht begegnet Ihnen einmal Peter Klöppel. Gefühlt moderiert er seit 1972 bei RTL die Abendnachrichten und genauso lang wird er nicht müde auf öffentlichen Podien zu behaupten, RTL produziere Journalismus. Ob diese Äußerung inzwischen nur noch zynische Verhöhnung der Zuhörer sind oder durch Autosuggestion hervorgerufene Realitätsverdrängung, lässt sich schwer sagen.

Denn RTL produziert scheinjournalistische Beiträge wie den über die Computerspielmesse Gamescom. Die durch keinerlei Berufsethik, Moral oder gute Manieren verstörten Autoren zimmerten ein Ekelstück zusammen, für dass man sie bei nächster Gelegenheit bitte mit heißem Kaffee übergießen möchte, so das Anspucken einem doch zuwider ist:

Dabei ist RTL sicher nicht allein. Deutschlands Journalisten nutzen ja jede Gelegenheit jene Menschen, die digitale Technik verwenden zu beleidigen und mit Scheiße (kein anderes Wort passt hier) zu bewerfen.

Giga hat flott eine Replik gedreht, die leider noch viel zu höflich ausgefallen ist:

Ich aber frage mich: Was denken eigentlich die Volontäre der RTL-Journalistenschule, wenn sie so etwas sehen? Ist da Vorfreude auf die geilen Sachen, die möglich sind bei Radio Tele Luxemburg? Oder die bittere Erkenntnis von einem Unternehmen ausgebildet zu werden, das mit journalistischer Ethik so viel am Hut hat wie ein ein Fan von Borussia Dortmund mit Dietmar Hopp?

Nachtrag: RTL ist noch dazu zu blöd für Social Media. Das Video von Giga wird gelöscht – mit dem leicht zu vorhersagenden Streisand-Effekt: Dadurch spricht es sich erst so richtig herum und wird von zahlreichen Menschen erneut hochgeladen. Wie man als Medienunternehmen im Jahr 2011 noch so inkompetent reagieren kann ist schon bemerkenswert. Hier der Screenshot von Gigas Facebook-Seite:


Kommentare


Katja 25. August 2011 um 13:10

RTL-Redakteur entschuldigt sich für Gamer-Bericht. „Der sollte lustig werden.“ http://on.fb.me/pjNFoq (via @gamescologne)

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Till 25. August 2011 um 13:23

Hey,

Also ich muss sagen ich fand den RTL Bericht ganz Lustig. Bin selber Gamer. Es doch klar das es nicht so ist wie dargestellt. Ich bin trotzdem kein Freund von RTL.

Viel schlimmer ist das Giga sich auf das gleiche Niveau wie das von RTL runter lässt. Auch das die die anderen Mitarbeiter verarschen die mit dieser Produktion nichts zu tun haben ist nicht besser.

Die Erkenntnis die ich aus beiden Videos und den Kommentaren ziehen kann ist das viele Gamer einfach verdammt ignorant sind.

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teekay 25. August 2011 um 14:21

Nun koennen sich Gamer viral, online usw. ‚wehren‘, aber es zeigt sich einmal mehr wie Fernsehen (vorallem, aber nicht nur) bei privaten Sendern ausschliesslich darauf ausgerichtet zu sein scheint vermeintliche oder tatsaechliche ‚Randgruppen‘ zu stigmatisieren. Es geht bei RTL nicht, aber auch gar nicht um Informationen geschweige den Journalismus sondern fast nur noch um Empoerungsausloesung: Mein Gott, guck Dir mal diese Gamer/Messis/Ostberliner/Hartzler/Bauern/Singles an! Ich bin mir nicht sicher, ob Till mit seiner Aussage ‚es ist doch klar, dass es nicht so ist‘ wirklich recht hat, denn gefuehlten 90% der RTL-Zuschauer wuerde ich unterstellen, dass sie sich in einer Welt von Vorurteilen und Pauschalisierungen gut eingerichtet hat. Denn was ’scripted‘ ist und was nicht koennen viele nicht mehr unterscheiden. Die glauben, dass die Bilder echt sind und Computerspieler mit fettigen Haaren und leeren Pizzakartons in dunklen Raeumen sitzen.

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Till 25. August 2011 um 14:43

@teekay:

Hehe, ich gebe dich absolut recht.
Aber man muss bei den RTL Zuschauern etwas beachten: Interessiert denen überhaupt die Wahrheit? – NÖ.
RTL ist wie die BILD, Hauptsache einen Sensation.
Ausserdem kann mir das doch schnuppe egal sein die RTL und seine Zuschauer über Gamer ect. denken. Bei denen ist eh alles verloren 😉

Natürlich muss man jetzt sagen das ein Sender die Verantwortung hat korrekt und objektiv über etwas zu berichten, aber es muss auch das „einfache“ Volk unterhalten gehalten werden. Es gibt ja echt nichts mehr anständiges bei denen.

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Björn 25. August 2011 um 15:52

wie man so dämlich sein kann so einen bericht zu bringen wenn das mutterhaus via RTL interactive sich selbst im gaming-umfeld betätigt ist auch so eine frage die sich mir bei allem recht auf persönliche meinungsfreiheit stellt. bisken mehr umsicht wäre da allein aus ökonomischen gründen angebracht gewesen.

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Hackworth 25. August 2011 um 16:53

Was mir grade so auffällt: Hat RTL überhaupt einen Urheberrechtsanspruch, oder nicht nur einen Verwertungsanspruch? Immerhin ist ja der Redakteur bzw. der Kameramann der Urheber, er tritt halt als Angestellter von RTL alle Verwertungsansprüche ab.

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Bana lität 25. August 2011 um 19:31

Da sieht man mal die Banalität der durchgängigen Desinformation und Vorurteilsvermehrung. Auf Kosten von Minderheiten.
Auch finden sich daraus sicher wieder Gründe für Radiergummis, Überwachung, Leistungsschutz und Linksteuer (aka „Zitier-Abgabe“ über VG-Link).

Auch ist es ein gutes Beispiel (wenn auch vermutlich unabsichtlich) das man Sarkasmus (für welchen ich es nicht halte) klar markieren MUSS. Für Texte gilt das natürlich noch mehr.

Daraus könnte man eine Weile Satire-Sendungen (wie Giga aber auch andere Gruppen) machen und vor Messen, Parteitagen u.ä. äquivalente Berichte drehen.

Wer bezahlt, bestimmt die Musik. Ich glaube Wortvogel meinte mal in einem Blogeintrag, es wäre extrem unüblich wenn ein Schauspieler seinen aktuellen Kino-Film verreisst. Das Werbeverhalten, die „Making Ofs“ und Besuche bei Filmfesten, Wetten Das, Jay Leno und anderen Talkshows würden die eher kaum freiwillig machen.
Wichtiger wäre, das man 12-15 Monate nach Vertragseinde keine Schweigepflicht mehr hat. Aktuell bleibt die Wahrheit ewig unter der Decke. DSDS, Bauer sucht Frau, Supermodel, Mietnomaden usw. wären interessante Themen für Insider-Berichte. Auf die Schnelle fallen mir als Auspacker nur Wortvogel über seine Yellow-Press-Ausbildung(Praktikum ?), Klinsmann, Milli Vanilli, Tic Tac Toe, Beckenbauer und diese Woche Werner Lorant ein. Sowas bräuchte man viel mehr und nicht nur geheim. Dann kann man die bezahlten Aussagen der Anchors ignorieren.

Keiner wird gezwungen, es zu schauen. Leider gibts keine sinnvollen Alternativen, obwohl „jeder“ TV Internet hat. 40% haben kein Internet. 17 nur ISDN/Analog. Aber 40% könnten ja etwas sinniges schauen. 1080-fähige Kameras liegen unter 200 Euro. BBC hat Ein-Mann/Frau-Reporter ausgebildet. Die Markteintrittshürden sind nahe Null und es gibt sogar Länder mit Meinungsfreiheit und zum Parteitag und vielen Pressekonferenzen braucht man keine geheime Einladung vom Golfplatz. Rentner mit Langeweile gibt es genug um eine hinreichende Entkoppelung vom parteiischen TV-Establishment zu schaffen.
Ameisen oder Borg wirken nur, wenn sie einen Ameisenhügel bzw. Kollektiv bilden. Daran scheitern die Blogger und Doku-Filmer halt.

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Thomas 25. August 2011 um 20:03

@Björn:

Das ist eher ein Zeichen für redaktionelle Unabhängigkeit gegenüber dem Mutterkonzern… Von daher also ein gutes Zeichen! Dass diese Unabhängigkeit dann wiederum genutzt wird um so einen Schund zu produzieren steht auf einem ganz anderem Blatt…

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Der Ruhrpilot | Ruhrbarone 26. August 2011 um 6:55

[…] Medien: RTL – eine typisch deutsche Journalismus-Vortäuschung…Indiskretion Ehrensache  […]

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koyama 26. August 2011 um 10:09

der giga beitrag ist von rtl aus dem netz genohmen … weiss ja nicht ob das zur glaubwuerdigkeit dass das nur lustig gemeint war beitraegt.

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Thomas 26. August 2011 um 11:18

Der Beitrag von Explosiv ist unter aller Sau und an Peinlichkeit nicht zu überbieten. Diesen Blogbeitrag finde ich aber unpassend.
RTL Aktuell als Nachrichtenmarke und Peter Kloeppel als Moderator haben meiner Meinung nach nichts mit der MAGAZIN-Sendung Explosiv zu tun!? Vielleicht nicht tagesschau, aber allemal seriös. Und so erreicht RTL wenigstens ein paar Leute, die sonst gar keine Nachrichten schauen würden…

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Paul 26. August 2011 um 12:07

Ich könnte die Erregung hier möglicherweise nachvollziehen, wenn ich dieses „Randgruppen-Bashing“ und ein grundsätzliches „Unverständnis“ gegenüber dem Thema Gaming als typisch für die Berichterstattung der letzten Tage sehen würde.

Dem ist aber bei weitem nicht so. Mich persönlich hat in der Breite der Berichterstattung allein schon die senderübergreifende Standard-Anmoderation genervt, dass sich auf der Messe ein ach so wichtiger und boomender Wirtschaftszweig präsentiert. Mir hat das vielfältige platte Product Placement missfallen, das mit vielen Beiträgen einherging. Und mir ist vielfach eine völlig unreflektierte Anpreisung dieser „Trends und Produkte“ sauer aufgestoßen.

Das bisschen Häme des (zugegeben nicht so gelungenen) RTL-Features ist deshalb für mich eine eine willkommen Ausgleichsdosis zu dem Werbeblabla der Branche, das in den letzten Tagen massenhaft willfährig verbreitet wurde.

Aber natürlich muss ich zugeben, dass mein Eindruck nur auf einer zufälligen Stichprobe in meinem Wohnzimmer beruht und schon von daher keinen repräsentativen Anspruch hat.

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jfe 26. August 2011 um 16:48

Thomas Knüwer, den Verweis auf die RTL-Volontäre finde ich völlig absurd. Genauso absurd wäre die Frage nach den MDR-Volontären, wenn wieder Waldis WM-Club läuft. Oder die Frage nach den FAZ-Volontären bei der Video-Kolumne von Peter Richter. Oder oder oder. Überhaupt: Für Häme über den journalistischen Nachwuchs anderer Medienunternehmen sind Sie doch ein bisschen zu alt, oder? Auf mich wirkt Ihr Beitrag hysterisch, aber das war ja auch die gesamte Reaktion auf den RTL-Film. Mir kam es so vor, dass da einfach total viele „Menschen, die digitale Technik verwenden“ die Satire bewusst nicht erkennen wollten. Anders als hier: Denn jemanden mit heißem Kaffee zu übergießen endet meistens so: http://bit.ly/oHWQDG. Aber das war wohl auch Satire.

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zoom » Umleitung: Vom physikalischen Wissen religiöser Fundamentalisten bis zum Schützenwesen in Olpe « 27. August 2011 um 22:42

[…] RTL: produziert scheinjournalistische Beiträge wie den über die Computerspielmesse Gamescom … indiskretion […]

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FF 28. August 2011 um 19:07

Es gibt ein einziges Argument für Kloeppel. Er macht keine Werbung. Anders als „Journalisten“ wie Jauch, Beckmann und die Schmierwurst von Sat 1.

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Tim 29. August 2011 um 8:59

„Gefühlt seit 1972“ … Kann man auf diese dämliche Sprachkonstruktion nicht mal endlich verzichten? Sie taucht jeden Tag in gefühlten 10.000 Beiträgen auf …

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RTL, das Urheberrecht und die Zensur | Ekkemel Blog 29. August 2011 um 16:21

[…] über einen hauseigenen, journalistisch fragwürdigen Beitrag mit Hinweis über das Urheberrecht zu unterdrücken, ist dies keine Zensur. Und selbst wenn die Erfüllungsgehilfen des Senders (sei es nun die Social […]

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Frank Schenk 29. August 2011 um 17:02

Aus der Kategorie „There i fixed it“:

Youtube-Suchergebnisse für: rtl explosiv giga
Ungefähr 589 Ergebnisse

In: Auf Minderheiten rumprügeln
Out: Merken, daß die Minderheit garnicht mehr so „Minder“ ist

In: Pseudoreality-TV
Out: Investigativer Journalismus

In: Titten und Stammtischgenöle
Out: Fakten

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JazOmeter 4. September 2011 um 22:54

Ich verstehe die Aufregung nicht. RTL ist doch kein Nachrichtensender, sondern Trash-TV, die dürfen nicht nur so einen „Journalismus“ produziren, die müssen sogar! Würden die differenziert und ausgewogen berichten, würden doch reiheweise die Werbekunden abspringen und wer soll dann noch so tolle Sachen wie „ich bin ein Star-holt mich hier raus“ finanzieren?

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