Was Verlage von Getty Images lernen können

by Thomas Knüwer on 6. März 2014

Heute Nacht gab es eine kleine Medienrevolution. Um die zu begreifen, schauen Sie bitte auf das folgende Foto…

Tolles Bild, oder?

Es stammt aus der Datenbank von Getty Images, einem der besten, vielleicht dem besten Fotodienstleister der Welt. Laut The Verge ist es auf jeden Fall die größte derartige Datenbank. Und wer so tolle und aktuelle Bilder vermarktet, der darf dafür auch einen satten Preis aufrufen.

Somit ist Getty unerschwinglich für kleinere Seiten oder Blogs, die sich vielleicht gerade mal kleine Discount-Anbieter wie Shutterstock oder Istock leisten.

Bis jetzt: Denn nun hat sich Getty zu einem Zug entschlossen, der seine Bilder zu den beliebtesten bei kleinen Blogs machen könnte. 

Diese generelle Marktlage ist Getty offensichtlich klar. Blogger zahlen nicht Preise, die bis in den Bereich von mehreren hundert Euro gehen. Gleichzeitig dürfte auch Getty immer wieder auf raubkopierte Bilder gestoßen sein. Und häufig genug bekommen dann Blogger eine Abmahnung, die sich noch nie mit Bildrechten beschäftigt haben. Unwissenheit schützt zwar vor Strafe nicht, doch ist es eben eine Frage des Geschäftsgebarens, ob man diese Verstöße ahnden möchte oder nicht. Mal abgesehen davon, dass dies auch interne Ressourcen frisst.

Bei The Verge bin ich auf die Hammermeldung gestoßen, die manches im Blog-Bereich verändern könnte: Künftig kann ein großter Teil des Getty-Archivs in Web-Seiten eingebettet werden. Ähnlich wie Youtube Videos kann ein HTML-Code generiert werden, der das Foto sowie ein Wasserzeichen enthält. Dafür freigegebene Fotos enthalten im rechten unteren Eck auf Getty diese Icons:

gettyDiese Maßnahme zielt klar auf kleine Seiten. Spiegel Online und Co. werden keine Bilder mit Wasserzeichen einbinden, genauso wenig Firmen-Homepages. Gleichzeitig können sich die Kleinen eben keine Getty-Bilder leisten. So bucht der Bildervermarkter zunächst mal überall Eigenwerbung. Die Frage ist: Kommt da noch mehr? Vielleicht Werbeeinblendungen die, analog zu Youtube, nach wenigen Sekunden verschwinden? Damit hätten wahrscheinlich viele Blogs ebenfalls kein Problem.

Natürlich gibt es ein Risiko: Getty kann all das abstellen. Verfallen die Rechte an einem Foto, wird dieses einfach rausgenommen. Was dann aber über den Embedd-Code angezeigt wird, ist offen. Auch die Frage, welche Werbung, so dies kommen sollte, irgendwann angezeigt wird, weiß noch niemand.

Doch trotzdem: Daraus könnten auch Verlagskonzerne lernen. Warum nicht Textausschnitte genau so einbettbar machen? Oder noch viel interessanter: Warum nicht Infografiken? So würde die Marke weitergetragen, suchmaschinenoptimierende Links generiert, die Beziehungen zu Blogs gestärkt. Und die Option mit der Werbeeinblendung wäre ja auch noch da.

Ja, warum nicht?

Ach ja: das Leistungsschutzrecht. Damit blockieren die Verlage diese Möglichkeit und nehmen sich die Chance, zu agieren wie Getty.

Derweil ebnet Getty das Spielfeld im Nachrichtenbereich. Modeblogger, zum Beispiel, bekommen Zugriff auf aktuelle Trend- und Modeschau-Bilder:

Wer ein wenig Yellow Press spielen möchte, kann Prominente wie Axel Springer-Chef Mathias Döpfner samt Frau im Schlabberlook zeigen:


Und wenn die “Bunte” bei der Teenager-Tochter eines Prominenten demnächst mal wieder fragt, ob sie ein paar Pfunde zu viel hat, könnte sich dieser Prominente revanchieren:

Und deshalb ist die Entscheidung von Getty mehr als eine technische Änderung.

Zur Debatte über “kommerzielle Seiten” danke für den Hinweis auf diesen Artikel an Thomas Wiegold, dessen Blog Augen Geradeaus damit auch mal wieder wärmstens empfohlen sei.

Previous post:

Next post: