Das Digitale Quartett #42: Was wird aus der Zeitung?

by Thomas Knüwer on 12. August 2013

In unserer wöchentlichen Web-Talkshow “Das Digitale Quartett” versuchen wir reinrassige Medienthemen eher zu meiden. Wir alle im Team bloggen ja sehr viel darüber und haben den Eindruck, das meiste ist dann auch irgendwie aufgeschrieben.

Gestern Abend ging es trotzdem um Medien, denn wir hatten den Eindruck, dass die Debatte um die Zukunft (so es eine gibt, was ich ja nicht glaube) der Zeitungen neben der Realität des Überwachungsstaates (wozu wir bereits zwei Runden gesendet haben) das dominierende Digital-Thema dieser Tage ist. Dafür gab es hier in den Kommentaren einige Kritik, wobei sich die Kritiker widersprachen. Und auch die immense Reaktion auf Twitter deutet daraufhin, dass es noch einiges an Diskussionsbedarf gibt.

buster keaton zeitung

Unsere Gäste waren:

Mir bleiben zwei Dinge im Gedächtnis:

Zum einen wird es in zwei bis drei Wochen eine Auswertung der Debatte beim “Spiegel” geben – wir sind gespannt und haben Cord Schnibben zu einem weiteren Besuch im Digitalen Quartett eingeladen.

Zum anderen war da Marcus Schwarze. Wie auch sein Chefredakteur Christian Lindner wies der Online-Lenker der “Rhein-Zeitung” jedwede Kritik von sich. Alles ist gut und toll bei in Koblenz, man sei auf der Höhe der Zeit, Zeitungen sollten nicht immer so schlecht geredet werden und überhaupt hätten wir, die wir das Gegenteil für die Gesamtbranche behaupten, keinen Einblick in die Arbeit von Lokalzeitungen. Weder unser Einwand noch die Hinweise via Twitter bekamen bei dieser Haltung irgendein Gewicht.

Beispielhaft dafür stand die Veröffentlichung der Rhein-Pegelstände. Wir kamen darauf beim Vergleich der Online-Angebote ostdeutscher Lokalzeitungen in den Tagen der Oder-Flut im Vergleich zu dem, was US-Medienhäuser  rund um den Wirbelsturm Sandy aufsetzten. Hier Live-Ticker, da interaktive, ständig aktualisierte Grafiken. Schwarz sprang sofort hinein und erklärte: “Pegelstände – das machen wir seit 10 Jahren!”. Ja, aber – das sieht dann so aus:

Schnappschuss (2013-08-13 09.37.12)

Würde nun ein Anschwellen des Rheins drohen, fehlt jede Interpretation. Was bedeuten diese Graphen für den Bürger. Es fehlen Erklärungen und Erläuterungen, es fehlt der Kontext, der aus Daten Informationen und Nachrichten macht. Und selbst wenn jemand mit diesen Daten weiterarbeiten wollte, so erhält er es Download eine Txt-Datei, eine Excel-Tabelle wäre mutmaßlich sinnvoller (wobei programmierkundigere als ich dies gern widerlegen dürfen).

Den Höhepunkt der Begeisterung für die eigene Arbeit erreichte Schwarze dann auf die Frage, warum denn die Auflage der “Rhein-Zeitung” ebenfalls seit Jahren sinkt: “An und liegt das nicht.” Einen Moment hofften wir, #anunsliegtdasnicht würde zum Meme mutieren. Wenn es aber nicht an der scheinbar so tollen Arbeit der Redaktion liegt, dass die “RZ” in den Jahren 2008 bis 2012 ein Viertel ihres Einzelverkaufs und 9% ihrer Abos verloren hat – bedeutet das nicht logischerweise, dass die gedruckte Zeitung nicht zu retten ist?

Ehrlich, liebe “Rhein-Zeitung”ler: Ihr seid sympathisch, Ihr macht vieles richtig – aber diese Masche, jedwede Diskussion damit totzuschlagen, dass alles supidupi läuft, die ist nicht mehr erträglich. Ich kann das nicht mehr ernst nehmen und Euch damit auch nicht.

Holger Schmidt vom “Focus” hat in seinem privaten Blog seine Eindrücke zur Sendung ebenfalls aufgeschrieben – lesen können und sollten Sie dies unter diesem Link. 

So, und nun noch das Storify zur Sendung, zusammengestellt von Herrn Fiene:

 


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