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„As the newspaper business continued to bring up questions to which we have no answers,…“
Don Graham, bisheriger Eigentümer der „Washington Post“, in einer Mitteilung an die Mitarbeiter zum Verkauf an Jeff Bezos.

napoleonIn einer besseren Welt hätte der „Spiegel“ gestern einen Coup gelandet. Er hätte eine Titelgeschichte präsentiert, die einen Tag später brennend relevant gewesen wäre. Er hätte sie multimedial durchgespielt und so eine dringend notwendige, gesellschaftliche Debatte entfacht. Und so hätte das Magazin, selbst wirtschaftlich massiv im Abschwung, seine eigene Bedeutung für die Gesellschaft manifestiert.

In der realen Welt stiert vom „Spiegel“-Cover Napoleon anlässlich der Völkerschlacht, die sich erst in zwei Monaten jährt.

Die Geschichte, die Geschichte hätte schreiben können, befindet sich auf Seite 56 des aktuellen Hefts und ist acht Seiten lang, zwei weniger als Napoleon (einst hätte diese Länge nicht für den Titel gereicht, doch ist ja auch der „Spiegel“ dem Mythos der kurzen Aufmerksamkeitsspanne erlegen). Überschrieben ist sie mit „Breaking News“, verfasst wurde sie von Cordt Schnibben.

Sie handelt vom Niedergang der Tageszeitungen und was wäre das für ein Coup gewesen, wenn die Chefredaktion (oder das, was gerade in dieser Funktion agiert) sich nicht für den drölfsen Historenschinken als Titel entschieden hätte, sondern zur Abwechslung mal für ein gesellschaftlich relevantes Thema. Denn in der Nacht nach dem Erscheinen des Blattes zerfetzte die nächste Bombe das Scheinidyll der Zeitungsindustrie in Deutschland: Amazon-Gründer Jeff Bezos kauft die „Washington Post“.

Das Geschäft dokumentiert die ganze Hilflosigkeit der weltweiten Print-Verleger. Denn während Warren Buffett, der in den vergangenen Jahren mehrere Lokalzeitungsverlage übernahm, tatsächlich an eine Zukunft des Gedruckten glaubt, sieht Bezos dies diametral anders. Noch im vergangenen Jahr sagte er beim Interview mit einem Berliner Lokalblatt, dass er in 20 Jahren keine gedruckten Zeitungen mehr sehe und es zu spät sei, um Leser zum Kauf von Informationen zu bewegen.

Wir dürfen erwarten, dass Bezos das einzig Richtige macht: Er wird der „Washington Post“ eine Strategie verordnen, die das Abstellen der Druckmaschinen beinhaltet. Und das bedeutet: Die Zeitung stirbt. Denn ein digitales Nachrichtenangebot ist keine Zeitung (im Englischen enthält das Wort ja explizit den Begriff „Paper“: es funktioniert anders, es wird anders produziert, es wird anders refinanziert. Und es ist keineswegs so, dass sich nichts ändern muss oder wird, wie es die „Washington Post“ selbst noch am Tag vor dem Bezos-Deal schrieb (Artikel in diesem Zusammenhang sehr lesenswert).

Die Bedeutung dieser Übernahme wächst durch zwei Zusammenhänge. Zum einen war Warren Buffetts Fonds Berkshire Hathaway selbst mit 28 Prozent an der „Post“ beteiligt. Warum hat er selbst nicht die Zeitung übernommen?

Zum anderen ist Don Graham kein von der Digital-Welt abgekoppelter Verleger, wie so viele seiner Gegenstücke in Deutschland: Graham ist der Management-Mentor von – Mark Zuckerberg.

In seinem lesenswerten Buch „The Facebook Effect“ schildert David Kirkpatrick die Beziehung der beiden. Der Vater einer Studienfreundin Zuckerbergs stellte den Kontakt her. Graham war beeindruckt vom damals 20-Jährigen und wollte in Facebook investieren. Dabei war er bereit, Zuckerberg frei walten zu lassen. Doch Accel Partners bot deutlich mehr und Graham entließ Zuckerberg aus dem Investment-Versprechen. So wurde Graham zu Zucks „Management Idol“. Einige Tage beobachtete der Facebook-Gründer den Zeitungs-Chef um zu sehen, wie ein CEO arbeitet:

„Zuckerberg flew to Washington and spent four days with his mentor. He shadowed Graham for two days at headquarters, then flew with him up to New York to watch him make a presentation to financial analysts.“

Die Aktien der „Post“ waren geteilt in Börsenaktien und nicht handelbare Familienanteile. So wahrte Graham die Kontrolle über das Unternehmen – genau das variierte Zuckerberg indem er sich dauerhaft die Macht im Board von Facebook sicherte. Auch bei der Verpflichtung von COO Sheryl Sandberg war Graham beteiligt. Er hatte vor Zuckerberg versucht, die Managerin für seinen Konzern zu gewinnen – erfolglos. Im Laufe der Verhandlungen fragte erst Sandberg Graham, was er von Facebook halte – dann rief Zuckerberg Graham an, um zu hören was er zu Sandberg sagte.

Schließlich, 2009, holte Zuckerberg Don Graham sogar in das Board von Facebook.

Sprich: Der Ex-Herausgeber der „Washington Post“ hatte alle Möglichkeiten, sich für das Digitale Zeitalter aufzuschlauen – ganz ohne Silicon Valley-WG. Er hatte alle Zugänge, einer der mächtigsten Männer der Digital-Branche sieht ihn als seinen Lehr-Herren. Trotzdem gibt Graham nun resigniert zu, keine Antwort darauf zu haben, wie Zeitungen künftig überleben könnten. Das ist für jene ein Schlag auf den Schädel, die weiterhin nur an eine temporäre Krise glauben.

Vielleicht ist deshalb der „Spiegel“ gar nicht so traurig, Cordt Schnibbens Geschichte nicht auf den Titel gesetzt zu haben. Denn seien wir ehrlich: Sie ist schwach auf der Brust. Natürlich muss dem gemeinen „Spiegel“-Leser erst einmal erklärt werden, was los ist – denn er liest wahrscheinlich nicht ständig Medienblogs. So ist vieles, vieles langweilig und vorhersehbar (wenn man Medienblogs konsumiert) – ach, wäre es wenigstens schön und schwungvoll geschrieben.

Doch selbst dem in Mediendingen wenig bewanderten Leser wird auffallen, dass hier die oft so ätzende Bissigkeit des „Spiegel“ fehlt und wie Platitüden von Medienmachern unkommentiert wiedergegeben werden. Nehmen wir nur Wolfgang Krach, den stellvertretenden Chef der „Süddeutschen Zeitung“. Er „sieht den Wert der Tageszeitung in der exklusiven Nachricht, in der originellen Einordnung, in der eigenen Meinung und im ,Lesevergnügen, das heißt in der besonderen Art, einen Vorgang zu erzählen'“. Ja, nun. Wenn es das ist, was Zeitungen rettet – warum setzt er es nicht um? Warum macht er die „Süddeutsche“ nicht zum Leservergnügen? Oder, wenn sie es schon ist, warum ändert das nichts am Auflagenverfall?

Auch „FAZ“-Weltfremdheitsexperte Frank Schirrmacher darf unkommentiert Dinge sagen, die leicht zu hinterfragen sind. Er „sieht kurzfristig keine Probleme für seine Zeitung, die Rücklagen seien beruhigend groß“. Ich schreibe mal das, was Schnibben sich nicht traute: Was würde die „FAZ“ kommentieren, hätte dies ein Peter Löscher gesagt? Und natürlich darf Schirrmacher auf die bösen Googles schimpfen, weil die aus Daten Geld machen – niemand erwähnt, dass Verlage mit Adressen ihrer Leser Geld machen. Vielleicht bleibt die Erwähnung aus, weil die Mitglieder des Verbandes, zu dem auch der Spiegel Verlag gehört, laut eigener Aussage ohne die Nutzung dieser Adressdaten nicht überleben könnten, der Journalismus reicht dafür laut eigener Aussage nicht.

Oder jene Heimeligkeit, die den ländlichen Lokalzeitungen unterstellt wird. Dort sinken die Auflagen nicht so stark, alles ist gut – auch Schnibben übersieht, dass die ländlichen Verleger dazu neigen, ihre Redakteure, Volontäre und ihre Freien auszubeuten, wie es Christian Jakubetz sehr schön am Beispiel „Straubinger Tagblatt“ aufarbeitet.

washington postAch, es hätte ein wirklich gutes Stück werden können, hätte Schnibben den nötigen Dampf gehabt. Doch lässt er Schirrmacher auch durchgehen, dass dieser „zukünftig in unseren Redaktionen Journalisten haben“ möchte, „die programmieren können“. Bildet die „FAZ“ diese schon aus? Woher sollen die kommen? Ist dies nicht eines der üblichen Schirrmacher-Wolkenschlösser?

Typisch für die Zeitungsindustrie auch Lorenz Maroldt und Stephan-Andreas Casdorff, die Chefredakteure des „Tagesspiegel“. Sie machen sich laut „Spiegel“ Mut mit Sätzen wie: „Bill Gates habe mal gesagt, bereits 2000 werde es keine gedruckten Zeitungen mehr geben“. Nur: Das stimmt nicht. Auf meine Nachfrage per Mail antwortete Schnibben, er habe das Zitat mehrfach gehört, Print-Leute verwendeten es als Trost. Warum recherchiert er nicht nach, ob Gates dies tatsächlich gesagt hat? Gibt es eigentlich noch eine Dokumentationsabteilung beim „Spiegel“? Oder ist die abgebaut worden?

Ganz nebenbei: Dass Verlage heute werbefinanzierte Online-Nachrichtenangebote profitabel betreiben – bleibt in der Geschichte ebenfalls unerwähnt, obwohl dies doch ein sehr wichtiges Faktum ist.

Nun soll dieser Artikel ja Einstieg sein für eine Debatte. Reichlich getrommelt wurde da Ende vergangener Woche, eine Multistory sollte entwickelt werden. Den ersten Faux Pas lieferte die Redaktion dann gleich mal, indem Gastautoren, die für die Debatte gewonnen werden sollten, kein Honorar angeboten wurde. Auch ich war davon betroffen und mochte nicht schreiben. Mein Fall ist dabei aber zweitrangig, denn ich bin kein hauptberuflicher Journalist mehr. Aber: Einem freien Autoren wie Daniel Bröckerhoff kein Geld anzubieten – das ist eben eine Unverschämtheit. Inzwischen wird es ein Honorar geben, ich habe einen Text geliefert.

Die Produktion jenes Spezialteils beschreibt Meedia, als würde Bob Woodward noch einmal Watergate enthüllen:

„Das Multi-Team, zu dem unter anderem ein Art Director, Animationsgrafiker, Bewegtbildspezialisten, Bildredakteure und Social Media-Redakteure gehören, bespricht den Ablauf der Story-Bestandteile. Fragen stellen sich: Was soll über den QR-Code im Heft abrufbar sein? Was ist mit den Videos – wie lang, wo platzieren? Und wie wird die Darstellung des Online-Parts der Geschichte auf dem Smartphone aussehen? Was auf dem Tablet gut funktioniert, ist für ein Handy noch lange nicht passend. Je mehr Kanäle, desto mehr Abstimmungs- und Detailfragen ergeben sich, die über die Auswahl eines passenden Fotos von Frank Schirrmacher weit hinausgehen. Nicht zu vergessen die allgegenwärtige Sache mit der Technik.“

Doch was da herausgekommen ist, beim Multistory-Telling, das ist für die Ansprüche des „Spiegel“ traurig. Statt wirklich neue Wege zu gehen bleibt es bei Videos, die nur über die iPad-App zu erreichen sind – somit also für eine gesellschaftliche Debatte unerheblich sind, weil der Großteil der Interessierten sie nicht sehen kann. Und die Debatten-Artikel? Landen im Blog des „Spiegel“. Das Fortschrittlichste, was der „Spiegel“ im Jahr 2013 zustande bringt ist also – ein Medienblog. Der Print-Leser, übrigens, erfährt nichts von Multistorys. Er findet unter dem Artikel einen QR-Code und den kryptischens Link spiegel.de/app322013zeitung. Warum Verlage keine eigenen Linkverkürzer programmiert haben, ist ja das eine Rätsel – aber kann das Content Management-System im schmucken Neubau an der Ericusspitze nicht mal leicht einzutippende Deep Links auswerfen? Wer diesen Link eintippt landet – auf dem Blog.

Und diese Multimedialität – die hat ein erheblich kleineres Team unter Art Direktor Markus Rindermann bei „Wired Deutschland“ zuverlässig produziert ohne sich dabei vor Erregung in die Hosen zu machen.

Es wäre seit langem dringend nötig, diese Debatte über die Zukunft der Medien zu befeuern, unterschiedlichste Interessensgruppen dabei zusammenzubringen, Ideen zu entwickeln. Doch das wird keinen Erfolg haben, wenn Deutschlands ja irgendwie immer noch wichtigstes Magazin diese mit Instrumenten führt, die auf dem Stand von vor 10 Jahren sind. Und wenn er die nötige Debatte seinen wirtschaftlichen Interessen unterordnet (die Videos gibt es natürlich nur gegen Geld), zeigt das nur, wie wenig die Verlage bis zur vergangenen Woche begriffen haben.

In einer besseren Welt wäre der „Spiegel“ jetzt der Kulminationspunkt einer multimedialen, gesellschaftlichen Debatte.

In der realen Welt findet er genausowenig Antworten wie Don Graham – aber er hat auch nicht wirklich Lust, danach zu suchen.


Kommentare


Heiko Hebig 6. August 2013 um 17:47

„Warum Verlage keine eigenen Linkverkürzer programmiert haben, ist ja das eine Rätsel“… SpOn hat einen eignen Shortener – Beispiel http://spon.de/ad0e1

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Bernd 6. August 2013 um 18:03

Heute, gegen 18:00 Uhr, wurde dann auch auf Google+ der erste Artikel von Spiegel Online mit #tag2020 markiert. Unter spiegel.de/app322013zeitung wird das Netzwerk noch immer nicht gelistet, anscheinend ist das spärlich besetzte Social-Media-Team schon mit Facebook und Twitter und den erbetenen e-Mails überlastet.

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Thomas 6. August 2013 um 18:54

„Morgen ist ein neuer Tag“ sagte immer so schön Tom Buhrow zum Ende der Tagesthemen. Da interessieren viele Details von heute nicht mehr. Ich wünschte, die Medienblogger-Community würde mehr auf die Essentials der ganzen Zeitungs-Deals schauen. Da geht es aus meiner Sicht um was anderes: Die richtige Einstellung – http://www.mediadraufblick.de/?p=369. Und genau da ist das Spiegel-Special, zu dem ich auch einen Debattenbeitrag schreiben durfte, viel zu kleinteilig in der Betrachtung, wenn es um die Zukunft geht. Der Kunst und den Literaten sagt man ja immer voraus, der Gesellschaft meilenweit vorher zu sagen, was kommen wird. In dem Zusammenhang gibt es in der aktuellen Spiegel-Ausgabe auch ein Essay von Hans Magnus Enzensberger über Werbung. Lesen lohnt.

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Cordt schnibben 6. August 2013 um 19:56

Bevor ich auf das eingehe, was mir nicht gefällt: Respekt für die Intelligenz, das Wissen , die Verknüpfung. Wie auch schon in der Analyse des Springer-Deals zeigen Sie, wie man Medien und Medienunternehmen kritisieren muß. Dieser Springer-Text war Anlaß, Sie zu fragen, ob Sie sich an unserer Debatte beteiligen möchten. Ein Kollege von Spon sagte mir, nehmt den nicht, der haut euch sowieso in die Pfanne. Ein Grund mehr, Sie anzusprechen. In der Kritik des Spiegel gebe ich Ihnen in einigen Punkt recht, wir sind selbstkritisch genug. Über Napoleon kann man streiten, Sie können sich denken, wie ich das sehe. Auch was das Multimediale angeht, sind wir unzufrieden. Wir haben uns entschieden, ein Projekt vorzuziehen, das noch nicht ganz ausgereift war, zugunsten der journalistischen Entscheidung es jetzt zu machen, weil die Springer-Entscheidung es nötig machte. Am Ende dieser Multistory, also in drei Wochen, können Sie sich auf Spon anschauen, ob Sie das überzeugt. Es ist ein Experiment, eine Story zu erzählen, die auf fünf Medien jeweils unterschiedlich erzählt wird und Leser so einzubeziehen, dass Sie das Ergebnis dieser Geschichte mitbestimmen können Warum fragen Sie dazu nichts? Multi verstehen wir vollkommen anders als die Kollegen bei wired, multimedial erschöpft sich nicht in Videos und Animationen. Verschieden Medien und ihren Usern gerecht zu werden, das ist die Herausforderung von digitalem Journalismus. Haben Sie etwas mehr Geduld und etwas mehr Wohlwollen, wie es sich unter Kollegen gehört. Bisher haben sich über 800 Leute an der Debatte beteiligt, „Scheindebatte“ las ich gestern bei einer Bloggerin. Natürlich ist das für Leute wie Sie alles nicht neu, aber um Sie geht es auch nur insofern, dass Sie all das, was Sie im Kopf haben , Lesern nahebringen können, für die das neu ist. Auf Printkollegen hat mein Text , wenn Sie mir denn die Wahrheit sagen, gewirkt wie ein Schlag in die Fresse. Okay, Sie hätten gern noch einen Leberhaken hinterhergeschickt. Und zum Gates-Zitat, es gibt verschieden Quellen, mal soll er es 1990 gesagt haben, mal 1998 in Davos, ist egal, weil ich die Chefredakteure zitiere, er habe das gesagt, als Ausdruck dafür, dass sie sich so Mut machen.
Zum Schluß: Da ich im Laufe dieser Zeitungsdebatte näher mit Bloggern zu tun habe, wage ich eine gefährliche Verallgemeinerung, die ich noch mal schwer bereuen werde: Einige kommen mir vor wie Spiegel-Kollegen vor zwanzig Jahren, überzeugt davon, dass der Kollege unwissend ist ,stets verbergend, was er tatsächlich vor hat, und es deshalb darauf ankommt, ihm zu beweisen, dass er keine Ahnung hat und böse Absichten.

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Thomas Knüwer 7. August 2013 um 9:00

@Cordt Schnibben: Danke für diese Erklärungen. Und wo bekommt der Leser etwas davon mit? Wo wird ihm dieses Konzept erklärt? Gestern Mittag traf ich vier Redakteure mit Digital-Affinität – keiner hat begriffen, was da passiert. Meine Wired-Äußerung bezog sich auf die Produktion einer enriched App, denn genau das wurde da aus meiner Sicht von Meedia beschrieben.

In Sachen technische Unausgereiftheit dürfen Sie kein Gnade erwarten: Ich bin Ihr Leser. Und Leser geben entweder Geld oder Mitleid – aber nicht beides. Das ist in jedem Geschäft der Welt so. Und auch hier wieder: Wo haben Sie das erklärt?

Wenn Ihre Printkollegen das schon als Schlag betrachten, dann sind sie sogar noch weiter von der medialen Realität abgekoppelt, als ich befürchtet hatte. Erklärt aber manches.

Bill Gates hat diese Äußerung 1990 getätig? Bitte lassen Sie die Quelle recherchieren. Ernsthaft. Ich habe damals viel Zeit verbracht, um die 98er Aussage hart zu bekommen. Damals aber hat er dies definitv gesagt. Und das bedeutet: Gates wurde falsch zitiert. Und: Wer ihn so falsch zitiert, der hält ihn für doof genug, den Untergang von Zeitungen innerhalb von 2 Jahren zu prognostizieren. Tatsächlich ist dieses Zitat eines der Industry Myths, die sich wie einst Urban Myths, unrecherchiert verbreiten. In diese Kategorie fallen auch Begriffe wie „Gratiskultur“ oder der Satz „Kein Medium hat je ein anderes abgelöst“.

Dieser Vorwurf der Rechthaberei ist billig und totschlagend. Medienblogger beschäftigen sich intensiv und seit geraumer Zeit mit diesen Themen. Und sie sagen ihre Meinung. Sie können gern die jeweiligen Autoren argumentativ aushebeln. Tatsächlich aber ist es doch so, und das zeigt die Reaktion Ihrer Printkollegen, dass in deutschen Verlagshäusern in Sachen Digitaliät ein massives Kompetenzdefizit quer durch alle Abteilungen geht. Natürlich gibt es kundige Menschen auch dort. Doch sie sind in der Minderzahl und verlassen die Branche dann nach einigen Jahren auch schon mal höchst frustriert.

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Gerd Meissner 6. August 2013 um 21:39

So lange deutsche Medienblogger sich putzig auf den Rücken rollen, wenn sie von Typen wie Cordt Schnibben ein mageres Schweigegeld angeboten bekommen, wird das nix mit Innovation, Journalismus retten und so… Bin persoenlich immer wieder ueberrascht, wie oft sich einige Qualitaetsblogger – Anwesende gelegentlich eingeschlossen – immer noch an diesem Popanz abarbeiten, und wie selten sie sich ihrer eigenen Macht bewusst sind. Wenn jemand wie Schnibben sich zum Hausbloggen „herablaesst“, dann heisst das nach meinem Verstaendnis, dass die das in Hamburg sehr wohl verstanden haben, und dass da bei einigen jetzt die nackte Angst herrscht, dass ein, zwei Wirtschafts- oder Medien-Blogs zum Frontalangriff uebergehen koennten, indem sie zB mal bestimmte Spiegel-Praktiken oeffentlich unter die Lupe nehmen. Vom Rest der „Qualitaetspresse“ haben die ja nichts zu befuerchten, dafuer sorgt schon das Prinzip Hoffnung, moeglicherweise mal am Montag zitiert zu werden 😉

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Thomas Knüwer 7. August 2013 um 8:49

@Gerd Meissner: Ich weiß nicht, was Sie beobachten. Ich schreibe als Hobby für Geld. Der Spiegel hat zunächst ein Kostenloskultur-Angebot, das ich abgelehnt habe. Relativ zeitnah gab es dann ein Angebot, das sich finanziell im unteren Durchschnitt des aktuellen Marktpreises bewegt, mir aber ein überschaubares Maß an Arbeit machte – weshalb ich es annahm. Warum sollte ich das nicht tun? Ich bin Mitinhaber einer Firma mit Angestellten, also möchte ich gerne Geld verdienen, vielleicht ist das bei Ihnen anders.

Wie Sie diesem Text – und der Reaktion von Herrn Schnibben – entnehmen können, kann ich trotzdem kritisch über den Auftraggeber des Textes schreiben.

Oder habe ich Sie jetzt völlig missverstanden?

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egghat (@egghat) 6. August 2013 um 21:47

@Heiko Hebig:

So einen hat die FAZ auch. ABER leicht eintippbar ist anders … (IMHO)

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Detlef Borchers 6. August 2013 um 22:19

Ich vermisse die Möglichkeit, Gerd Meissner mit grün zu bewerten.

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Warum es keine Printmedien gibt und sie trotzdem nicht sterben « 132° 6. August 2013 um 23:57

[…] können Verlage diese fundamentalen Herausforderungen nicht aus eigener Kraft überwinden, oder nehmen es immer noch nicht ernst genug. Möglicherweise wird Jeff Bezos die Kreativität und den Mut haben, hier völlig neue Wege zu […]

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Links anne Ruhr (07.08.2013) » Pottblog 7. August 2013 um 5:25

[…] Zeitungskrise is breaking Spiegel (Indiskretion Ehrensache) – […]

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jensweinreich 7. August 2013 um 12:02

Es ist natürlich bemerkenswert, wenn sich ein SPIEGEL-Schlachtross wie Cordt Schnibben (er verkraftet den deftigen Begriff) auf die Suche begibt. Scheint ja nicht typisch zu sein für sein Blatt und die Heft-Redakteure dort. Ich habe seine Präsentation bei der Jahrestagung von Netzwerk Recherche online gesehen und fand nun einiges in der SPIEGEL-Geschichte wieder, aber das ist völlig ok.

Die elf Thesen finde ich wenig prickelnd und zu altbacken (war vielleicht eher so eine Nachricht an die Kollegen im eigenen Haus), sage das aber ohne Häme und Arroganz, die doch in der Szene jener, die als Digital Natives gelten, verbreitet ist. Schnibben hält das alles aus, in seiner sicheren Position ohnehin.

Ich habe zwei Anmerkungen, für viele sicher nebensächlich, für mich (natürlich) nicht:

Erstens habe ich mich seit ewiger Zeit mal wieder durch so ziemlich alle Kommentare auf www.spiegel.de durchgekämpft (die zum Schnibben-Blog) und sehe eine kolossal bessere Kommentarkultur (inhaltlich und formal) als im SpOn-Forum (heißt doch da Forum, oder?). So wie mir die Kommentarkultur in allen Blogs, die ich konsumiere und/oder wo ich mitdiskutiere, kolossal besser gefällt als auf den Webseiten der Qualitätsmedien. Wenn dann, wie im SPIEGEL-Blog, die Kommentare nicht auf mehrere Seiten verteilt sind (wie bei SpOn und Zeit etc pp), um die Klickzahlen zu befördern, ist das umso besser und macht schließlich in jeder Beziehung Lust und Spaß. So lässt sich diskutieren – und da haben Schnibben & Co und SpOn gleich mal einen Ansatzpunkt, was sie unbedingt ändern müssen.

Das bringt mich zur zweiten Anmerkung: Generell, das habe ich am Sonntag in Richtung Schnibben auch getwittert, hätte ich das Projekt als viel überzeugender und spannender und wirklich innovativ befunden, wäre die Debatte nicht zum Thema Tageszeitung eröffnet worden, sondern mit dieser Frage zum eigenen Haus:

„Brauchen wir noch den SPIEGEL, und wenn ja, welchen?“

Denn manchmal habe ich das Gefühl, zur Tageszeitung sei eigentlich alles gesagt. (Bis Bezos/WP hatte ich das Gefühl jedenfalls.)

Offenlegung: Das sage ich als regelmäßiger SpOn- und gelegentlicher SPIEGEL-Zuarbeiter.

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drLandarzt 7. August 2013 um 12:12

„Und Leser geben entweder Geld oder Mitleid – aber nicht beides.“
@thomas knuever: TAZ-leser sind da anders! 🙂

Zum Beitrag: Ich stimme in vielen Punkten überein. Es ist erschreckend, wie die Zeitungswelt so stümperhaft mit den neuen Medien umgeht. Unglaubliche Chancen eröffnen sich doch da. Anscheinend muss erst der Amazon Gründer kommen um der Verlagswelt zu zeigen wie die Zukunft aussieht?

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Daniel 7. August 2013 um 12:15

Ähnliche Gedanken hatte ich am Sonntag auch.

Nachdem ich morgens die diversen Beiträge rund um die (angeblich) beginnende „Multichanneldebatte“ im Netz gelesen hatte, schlenderte ich am Kiosk vorbei und dachte beim Anblick des Titelbilds, dass ich da irgendwas falsch verstanden hatte oder „die Debatte“ wohl erst im nächsten Heft startet.

Wie dem auch sei, ich habe den Spiegel dann brav erworben und den Artikel gelesen und bin auch maßlos enttäuscht, dass der Artikel in erster Linie mehr oder weniger unkommentiert viel Platz bot für das Selbstmitleid der Branche, und, was mich noch viel mehr stört, Unwahrheiten nicht klar als solche dargestellt wurden. Bestes Beispiel ist für mich Herr Schirrmacher, der behaupten darf, das Google mit den Inhalten der Verlage Geld verdiene, ohne dass diese Behauptung als Selbstbetrug entlarvt wird. Dieser Artikel wäre die beste Möglichkeit gewesen, auch den vielleicht nicht so netzaffinen Leser kompetent zu informieren, wie „der Stand der Dinge“ ist, aber diese Möglichkeit hat Herr Schnibben ausgelassen und stattdessen dem Selbstmitleid der Printbranche ziemlich unkommentiert viel Platz eingeräumt. Man hätte an dieser Stelle ganz klar herausarbeiten können, wo sich die Herr Schirrmacher und Co. irren bzw. ihre Leserschaft bewusst falsch oder einseitig informieren, Stichwort Leistungsschutzrecht. Auch das ist nicht geschehen. Traurig. Wenn das der Einstieg in eine Debatte sein soll, sehe ich viel Text, und wenig Debatte. Noch zudem sehe ich davon fast überhaupt nichts auf der SPON Titelseite….

@ Cordt Schnibben: wenn diese harmlosen Zeilen für ihre Kollegen „ein Schlag in die Fresse“ sind, dann sollten sie zügig dafür sorgen, diese hinter dem Mond hervorzuholen , ihnen den Glauben daran nehmen, der Nabel der Welt zu sein und ihnen einen Internetzugang verschaffen.

SPON hat IMHO die allerbesten Voraussetzungen dafür, langfristig im Internet „zu überleben“. Aber wenn ich dann die Aufbereitung der aktuellen „Multistory“ sehe, kommen mir Zweifel, ob der Verlag wirklich schon „in der neuen Welt“ angekommen ist. Noch mehr Zweifel kommen mir, wenn ich den Umgang mit dem Forum bzw. den Kommentaren sehe. Wohl jeder Verlag in Deutschland würde sich die Finger danach lecken, derart viele Mitglieder zu haben. Das ist eine riesige potentielle Kundschaft. Und Mitglieder in einem Forum sind IMHO oftmals mit Leib und Seele dabei und widmen ihren Kommentaren und den Antworten darauf eine große Aufmerksamkeit (und nehmen Werbung im Header nicht übel), von daher sind sie einem Forum und dessen Anbieter erstmal sehr verbunden.

Wenn ich mir dann anschaue, wie man auf SPON damit umgeht, fühle ich mich in die Steinzeit des Internets zurückversetzt: für nahezu jeden neuen Artikel gibt es einen Threat im Forum, obwohl es zum gleichen Thema schon drei andere Threats gibt…Wie wäre es mit nur einem Threat, z. B. zum Thema „Eurokrise“, in dem dann alle zugehörigen Artikel diskutiert werden?

Und ein Zensor, eine ominöse Hintergrundgestalt (genannt: der sysop), die entscheidet, ob/wann neue Threats eröffnet und Themen diskuktiert werden dürfen, die Pflicht, einen Titel für das Posting anzugeben und „Postingschluss um 22 Uhr“? Eine riesige vergebene Chance für die Gestaltung und den Erhalt einer großen „Fangemeinde“. Dabei gäbe es Lösungen, die nahezu nichts kosten und einfach zu realisieren wären…..

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Peter Wahle 7. August 2013 um 12:41

Die Aussage, dass Verlage werbefinanzierte Online-Angebote profitabel betreiben, wäre möglicherweise auch durch die Spiegel Dokumentation gegangen. Sie ist aber zumindest sehr irreführend.

Sie wollen ja einigen Insidern, die Ihnen vor Monaten bereits in Ihrem Blog (berechtigterweise) angedeutet haben, dass nicht alles Gold ist, was glänzt, keinen Glauben schenken. Insofern unterlasse ich einen weiteren Versuch. Dennoch heißt Gewinne machen noch nicht Geld verdienen, denn so weit ich es übersehe, hat keine der relevanten deutschen Onlinepublikationen bisher die Investitionen auch nur annährend eingefahren.

Zudem werden diese Gewinne häufig mit ähnlichen Praktiken erwirtschaftet, die Sie wiederum den Lokalzeitungen vorwerfen.

In erster Linie sind die Umsatzrenditen nicht annährend mit denen von Printobjekten zu vergleichen. Addieren Sie einfach die „Gewinne“ der Online Medien. Und finanzieren sie damit eine von den Bezahl-Medien unabhängige Nachrichtenagentur, deren Erzeugnisse dann abgekupfert werden können. (Dies ist ja ein weiteres Beispiel für eine schöne Quersubventionierung zwischen Print und Online, oder wie werden die Kosten der dpa noch mal aufgeteilt?).

Unschwer zu erkennen worauf ich hinauswill: Wenn die Print (Bezahl)-Medien sterben, haben die Online Medien bisherigen Zuschnitts ebenfalls ausgedient. Und da ist die Information, dass einige Online-Medien schwarze Zahlen schreiben nicht weiter relevant. und alles, was an der Häme über die sterbenden Medien so schön „perlt“, schmeckt dann seltsam schal.

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Thomas Knüwer 7. August 2013 um 13:21

@Peter Wahle: Meine lange Liste von profitablen Online-Angeboten gibt es unter diesem Link: https://www.indiskretionehrensache.de/2012/11/wie-verlage-im-internet-geld-verdienen-iii/

Zu Ihrer Kritik kann ich nur alte Argumente einwerfen.

1. Es geht zunächst um die Refinanzierung, also operativ schwarze Zahlen. Die werden quer durchs Land geschrieben. Sind die Renditen so hoch wie bei Print? Nein. Wären sie es müssten wir die ökonomische Theorie umschreiben. Zeitungen sind ein oligopolistischer, defekter Markt mit hohen Eintrittsbarrieren. Onlinenachrichten sind das Gegenteil – entsprechen sinken die Renditen. Die im Print-Geschäft früher erwirtschafteten Zahlen sind exorbitant und somit nicht normal. Medienunternehmen müssen sich auf einstellige Renditen einrichten. Dann, übrigens, können die freien Mitarbeiter auch besser bezahlt werden.

2. Die Behauptung, es werde irgendwas quergerechnet ist nichts anderes als Gerücht. Ich würde mich über Beweise freuen, denn die würde ich an die Staatsanwaltschaft weitergeben. Da es sich um veröffentlichte Bilanzen handelt, dürfen sie kein diametral falsche Bild vermitteln, das ist so Recht und Gesetz. Sprich: Wir reden über den Vorwurf eines Wirtschaftsvergehens. Tatsächlich ist dies einfach Blödsinn, schließlich schreiben auch verlagsunabhängige Online-Medien schwarze Zahlen. Und das nicht einige wenige, sondern eine lange Liste, die ständig länger wird.

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Jonas Hormann 7. August 2013 um 12:52

Schirrmacher „sieht kurzfristig keine Probleme für seine Zeitung, die Rücklagen seien beruhigend groß“ und Knüwer meint, diese Behauptung sei „leicht zu hinterfragen“. Der derzeit jüngste veröffentlichte Geschäftsbericht der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH stammt vom 8. Mai 2012. Die Gesellschaft hatte demzufolge zum Jahresende 2011 Rücklagen in Höhe von 119 Mio Euro. Die Umsatzerlöse lagen bei 276 Mio Euro. Die Rücklagen liegen also bei 43 Prozent der Einnahmen.

Daraus schließe ich: Die FAZ kann sinkende Einnahmen kurzfristig durch die Rücklagen decken. Die Aussage von Schirrmacher ist wahr.

Und was würde die “FAZ” kommentieren, hätte dies ein Peter Löscher gesagt? Siemens hatte 2012 Umsatzerlöse von 78 Milliarden Euro und Rücklagen von 0 Euro. Die Gewinne werden bei Siemens, anders als bei der FAZ, nicht in Rücklagen zurückgelegt, sondern ausgeschüttet oder investiert. Wenn Löscher behaupten würde, die Rücklagen seien „beruhigend groß“, würde die FAZ hoffentlich einen Blick in den Geschäftsbericht werfen. Eine Recherchetechnik, die man auch Knüwer empfehlen kann.

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Carom 7. August 2013 um 12:54

@Daniel:
Das meiste, was sie (und andere) zum Forum auf SPON sagen…
Aber: „SPON hat IMHO die allerbesten Voraussetzungen dafür, langfristig im Internet “zu überleben”.“ – das halte ich angesichts des Niveauverfalls von SPON für eine steile These – ich vermute: Bei gleichbleibender Sinkrate schlägt SPON in Kürze irgendwo zwischen welt.de und bild.de auf, und auf diesem niedrigen Level wird SPON dann mühelos von solchen mit Tiefpunkten bestens erfahrenen Redaktionen geschlagen. (Sorry, dass ich einen alten Witz hier so recycle.)
Will sagen: SPON hat nicht nur technische Probleme, sondern nähert sich in vielen Ressorts, vor allem im Panorama und beim Newsticker-Recycling, einem Angebot an, dass nicht attraktiv, sondern nur „eins von vielen“ ist- Überlebenchance zweifelhaft.
(Ausnahmen bestätigen die Regel: Wie SPON aktuell die Fahne beim NSA-Skandal hochhält, ist mir jederzeit ein Lob wert.)

Antworten

Daniel 7. August 2013 um 13:21

@ Carom

Über die Qualiät von SPON und die Annäherung an den Boulevard mag man genre streiten und diskutieren. Dazu habe ich grad keine Lust 😉

Was SPON IMHO sehr vielen anderen Seiten voraus hat, ist diese enorm große Leserschaft und deren Bereitschaft, auf den generierten Content in Form von Kommentaren bzw. Forenbeiträgen zu reagieren. Über die Qualität der da geleisteten Beiträge mag man durchaus streiten, wie von Stefan Niggemeier angedeutet. Das ändert IMHO aber nichts daran, dass der Umgang mit diesen Kommentaren und damit der Kundschaft, die Reichweite, Leserbindung und Werbeerlöse bringt, derzeit auf SPON scheinbar nicht erkannt und gepflegt wird und aus diesem Grund an das vorherige Jahrhundert erinnert. Das verstehe ich absolut nicht, da eine „kundenfreundlichere“ Lösung fast keinerlei Investment, sondern in erster Linie Umdenken (und ein wenig Mut) bedeuten würde.

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Irgendwas mit Medien Macher 7. August 2013 um 14:00

Schnibben erwähnt mehrfach einen Aspekt zu dem man vielleicht noch etwas sagen sollte. Kollegen – „wie es sich unter Kollegen gehört“.

Da ist er wieder, der alte, ständig eingeforderte Kadavergehorsam. Jene falsche Form von Solidarität, die zum Beispiel dafür sorgt, dass auch der letzte Schmierfink (nein, nicht Sie) noch seinen Mitgliedsausweis für einen Journalistenverband erhält. Qualitätsjournalismus sieht anders auch.

Noch immer ist, wie in alten Zeiten, eine Debatte, die sich der Kontrolle des aufsichtführenden Qualitätsjournalisten entzieht, unerwünscht. Egal, ob vom Leser (ganz schlimm, aber den ignoriert man ja traditionell) oder vom Kollegen (Nestbeschmutzer!) angestoßen. Ach, was waren das damals noch Zeiten, als man die volle Kontrolle über die Leserbriefe hatte und sich ansonsten an der Tränke im Journalistenclub gegenseitig der eigenen Wichtigkeit versicherte – „wie es sich unter Kollegen gehört“.

Die Zeiten sind vorbei. Die Leser haben sich geändert, das Medium ändert sich, einige Kollegen haben sich geändert. Jetzt ist es an den restlichen Journalisten sich zu ändern. Die Fähigkeit sich zu ändern wird bestimmen ob der Journalist mit der Zeitung untergeht oder es überlebt.

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Philip Engstrand 7. August 2013 um 14:01

@Jonas Hormann
Recherche?
Siemens weist im GJ2012 Rücklagen von ~7Mrd aus, und Finanzanlagen von 42Mrd.

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Peter Wahle 7. August 2013 um 16:06

zu 1: Auch der Online Markt hat hohe Eintrittskosten. Oder wie erklären Sie sich, dass die wichtigsten massenmedialen Online-Publikationen, insbesondere die, die schwarze Zahlen schreiben, allesamt größere Verlage in der Hinterhand haben?

zu 2.) Wenn sogenannte „veröffentlichte Bilanzen“ kein falsches Bild vermitteln dürfen, wie erklären Sie die in Konzernen übliche Praxis, Gewinne so zu verschieben, dass sie in Niedrigsteuerländern anfallen? Alleine die bekannten Tricks beispielsweise von Google müssten nach Ihrer Argumentation ja schon lange ein Fall für den Staatsanwalt sein. In Wahrheit gibt es große Bewertungsspielräume für die Verrechnungspreise zwischen Unternehmen. Und diese werden auch gerne ausgenutzt.

Die Verlage haben großes Interesse am Schönrechnen der Online-Unternehmungen. Zum einen sind die Investitionen in den Unternehmen lange Zeit sehr umstritten gewesen. Zum anderen ist der Kostendruck in den alten Unternehmensbereichen willkommen, zu stark wäre sonst das Begehr nach höherer Anteilnahme an den in der Tat sehr hohen Unternehmensgewinnen gewesen.

Weder 1.) noch 2.) waren aber der Kern meines obenstehenden Kommentars.

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Thomas Knüwer 7. August 2013 um 16:27

@Peter Wahle:
zu 1: Der Jahrzehnte lange Markenaufbau wirkt natürlich auch online. Aber in einigen Bereichen ist die Wichtigkeit klassischer Medien bereits erledigt. Für junge Modebegeisterte sind Les Mads und Style in Berlin zum Beispiel wichtiger als die Vogue. Diese Beispiele zeigen, dass die Markteintrittskosten im Extremfall bei Null sind.

zu 2: Bitte verwechseln Sie nicht deutsches Recht mit internationalem Recht. Die Verschiebung zwischen Ländergesellschaften ist etwas komplett anderes als im Fall von eindeutig deutschen Gesellschaften. Wobei Sie auch noch erklären müssten, warum sich Unternehmen reicher rechnen sollten, als sie sind. Auch Sie bleiben allein auf dem Niveau Gerüchteküche, ihre Argumentation ist, mit Verlaub, komplett wild. Warum sollte ein Management sich für Investitionen rechtfertigen müssen? Das ist völliger Unsinn.

Fakt ist: Onlinejournalismus lässt sich heute über Werbung refinanzieren.

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Gerd Meissner 7. August 2013 um 18:56

@ Thomas Knüwer: Voellig missverstanden ;-), haette ich klarer machen sollen. (Wenn sie ein Hobbyschreiber sind, bin ich ein Fluechtigkeitsschreiber. ‚tschuldigung.)

Die Passage mit dem „putzig auf den Ruecken rollen“ war nicht auf Sie gemuenzt, sondern auf den im Text erwaehnten Vorfall mit Blogger B.

Was das Zuviel an Ehrfurcht und Abarbeiten am Popanz „Spiegel“ betrifft, duerfen Sie sich von dem „Anwesende eingeschlossen“ ruhig angesprochen fuehlen.

Ich habe ja kuerzlich mal Stefan Niggemeier und Sie als Bespiele erwaehnt (siehe den Link unter meinem Comment-Namen), von denen ich persoenlich mehr erwartet haette.

Hier angefuehrt, weil wir beim Thema Bezahlen und Behandlung von (festen/freien) Mitarbeitern angefangen haben… ein Beispiel, das damit „on topic“ ist, wie ich hoffe:

Eine junge Praktikantin der Taz wird im Spiegel-„Hausblog“ an den Pranger genagelt, nachdem sie – professionell – darueber berichtet hatte, wie das Magazin mit seiner langjaehrigen, weltweit angesehenen Suedostasien-Korrespondentin Padma Rao umgesprungen ist, nachdem diese an Brustkrebs erkrankt war.

Ironischerweise wurde die Sache bekannt, kurz nachdem die Hamburger den angeblich unwuerdigen Arbeitsbedingungen bei global vertretenen US-Firmen eine grosse Geschichte gewidmet hatten.

In deutschen Medienblogs: Grabesstille. Verbaende: ebenso, aber das war fast zu erwarten.

Niemand ist der jungen (Ex-, was mich betrifft) Kollegin von der Taz zur Seite gesprungen oder hat die Geschichte weitergesponnen. Und diese Geschichte ist noch lange nicht „ausgeschrieben“ – einfach mal emailen oder zum Telefonhoerer greifen, Jungs und Maedels von der Medienblogger-Zunft.

Eine wahre Fundgrube, mit verifizierbaren Quellen und Dokumenten aus dem Spiegel. Poltische Links/Rechts-Schemata? Nicht anwendbar, fuerchte ich.

Mich persoenlich hat das nicht ueberrascht, weil ich’s so schon (full disclosure) von innen kannte.

Schnibben und Co. sind doch froh und dankbar, wenn sie in Kommentar-Threads wie hier noch ernst genommen werden, zum Thema „Hat der Print-Spiegel das Internet verstanden?“

Aus langjaehriger Erfahrung halte ich diese Auseinandersetzung inzwischen fuer einen voellig irrelevanten Nebenkriegsschauplatz.

Ein Blick in die betr., hier angesprochene Kommentarspalte bei Schnibben genuegt um zu sehen, dass da eine ganze Generation nicht mehr mitdiskutiert – der Zug hat den Bahnhof laengst verlassen, wie korrekt von Thomas Knuewer angesprochen.

Auf der anderen Seiten hat sich ausserhalb von Print (um das mal vom „Popanz“ in Hamburg weg zu bekommen) in Deutschland inzwischen zumindest im Ansatz genug (Recherche-) Kompetenz angesammelt, um die mehr grundsaetzliche Frage nach Interessenkonflikten, journalistischer Qualitaet, Recherche-Methoden, Motivationen, erfundenen Geschichten usw. in Deutschland ganz ohne Ehrfurcht neu zu stellen.

Ist doch merkwuerdig, dass Kluewer, Niggemeier und Co.,, wie’s die Professionalitaet gebietet (sogar, wie bei Thomas K., als „Hobbyschreiber“) in ihren Blogbeitraegen meistens/immer moegliche Interessenkonflikte offenlegen, waehrend man diese Form der „Disclosures“ in Magazinen und Printprodukten aus Hamburg, Frankfurt, Duesseldorf, Muenchen und Berlin selten bis gar nicht findet.

Und da koennte, muesste, sollte jede Menge offen gelegt werden, meine ich. Cordt Schnibben kann ja schon mal den Anfang machen…

Also, warum die Diskussions-Agenda von aussen setzen lassen, von dem „Print-Redaktionsbeauftragten fuer PR du jour“ aus Hamburg, heute heisst er Schnibben, gestern war’s Hoeges, und noch dazu zu einem Thema, dass auf diesem Blog inzwischen, lieber Thomas Knuewer, unter Ihrem eigenen „pay grade“ liegt?

Als Kommunikationsberater wissen Sie ja, was passiert, wenn man sich die Agenda von aussen vorschreiben laesst. Und bevor sie sich *den* Job aus Hamburg antragen lassen, reden Sie lieber vorher mal mit dem Ex-Kollegen NIggemeier.

Ein dankbarer Themen-und Recherche-Ansatz fuer Medienblogs koennte moeglicherweise darin bestehen, denke ich, an konkreten Beispielen einfach mal zu schauen, welche Publikationen (print oder digital) das ihnen entgegen gebrachte (mehr oder weniger) wirklich verdienen.

Wer Wasser predigt und dann beim Weinsaufen erwischt wird, ob das bei Arbeitsbedingungen, Datenschutz in der Doklumentation oder bei belegbaren Interessenkonflikten, der verliert ganz schnell den Print-Vertrauensbonus. Und keinen interessiert’s im Erfolgsfall (Anwesende ausgenommen), ob der/diejenige, der/die’s sauber recherchiert und taktisch/strategisch geschickt publiziert hat, dazu einen Blog benutzt hat.

Was den anderen Teil Ihrer Entgegnung betrifft, so habe ich persoenlich groessten Respekt vor jedem, der den Schritt vom (Wirtschafts-) Journalisten in die Wirtschafts-Praxis macht.

Sie haben’s geschaft, diejenigen, die diese alte Geschichte weiter drehen koennen, auf Ihrem Blog zu versammeln.

Als Jammer-Echokammer, wer da was in Hamburg oder ansderswo immer noch nicht begriffen hat, waere dieser Platz verschenkt.

Let’s move on.

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Peter Wahle 7. August 2013 um 18:56

Die Meinung, dass Unternehmen in der Kostenrechnung und bei der Bilanzierung keine Bewertungsspielräume haben, haben Sie exklusiv. Ich betonte aber schon weiter oben, dass ich sie nicht von etwas anderem überzeugen wollte. Ich weiß ja, wovon ich rede.

Wenn ich meine nationalen Gewinne ins Ausland verschieben kann, kann ich sie auch innerhalb Deutschlands verschieben, die Notwendigkeit der Trennung zwischen nationalen und internationalen Recht sehe ich hier nicht. Gute Gründe warum Verlage sich „reich rechnen“ nannte ich bereits. Und um Himmels Willen: Jedes Management der Welt muss getätigte Investitionen vor den Eigentümern rechtfertigen. Am besten geht das übrigens, indem man schwarze Zahlen schreibt.

Sie unterstellen mir eine „wirre“ Argumentation und bezeichnen meine Beiträge als „kompletten Unsinn“ , welche sich auf dem „Niveau Gerüchtküche“ bewegen. So etwas mag ich nicht. Deswegen müssen Sie nun ohne mich weiter spielen. Geht aber auch ziemlich schnell, dass man hier beschimpft wird.

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Thomas Knüwer 8. August 2013 um 10:00

@Peter Wahle: Entschuldigung, dass ich ausfallend wurde – aber das Immwiederkäuen der immer gleichen Argumente nervt.

Wo habe ich gesagt, dass es keine Bewertungsspielräume gebe? Natürlich gibt es die. Aber: Zwischen deutlich defizitär und angenehm profitabel klafft eine Lücke, die kein Bewertungsspielraum erlaubt. Noch dazu bezichtigen die Vertreter jener „Die ganze Branche fälscht ihre Bilanz“ ja sogar ein börsennotiertes Unternehmen der Lüge: die Tomorrow Focus AG. Die hat in ihrem heutigen Jahresbericht erklärt, dass Focus Online zum dritten Mal hintereinander ein Jahr profitabel abschließen wird. Das wäre eine fette Klage wert, würde es nicht stimmen.

Im zweiten Punkt vergleichen Sie Äpfel mit Birnen. Warum werden Gelder über Ländergrenzen hinweg verbucht? Um Steuern zu sparen. Bei dem von Ihnen vermuteten Verfahren aber gäbe es keine Steuereffekte – denn es handelte sich ja um innerdeutsche Buchungen.

Vor allem aber: Die Unternehmen könnten ja jede Diskussion sofort abstellen (und die meisten tun das ja auch), indem sie ihre Online-Töchter von der Veröffentlichungspflicht freistellen. Dann erstelle ich allein interne Bilanzen mit erheblich größeren Freiräumen und habe keine Probleme mit dem angeblichen Druck von Besitzern (die im Fall der allermeisten Verlage ja selbst im operativen Geschäft mitmischen – also sehr viel mehr mitbekommen als Aktionäre). Aus diesem Grund erfahren wir derzeit zum Beispiel auch nicht, dass zwei weitere der bekanntesten Medienmarken Deutschlands ihre Online-Ableger in den vergangenen 12 Monaten in die schwarzen Zahlen gebracht haben. Aus Quellenschutzgründen darf ich diese Namen leider nicht nennen.

Nein, sorry, ihre Argumentation ist getrieben von der Annahme, dass nicht sein darf, was Fakt ist: Online-Nachrichtenseiten lassen sich werbefinanziert refinanzieren. Und ganz nebenbei: Glauben Sie nicht, dass ich auch Quellen habe?

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Autor 8. August 2013 um 10:17

Etwas knapper und auf den Kern gebracht steht das auch in Helga Kleisny’s Blog:
http://www.kleisny.de/blogd/2013/08/braking-news-der-hilferuf-des-spiegels/

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Peter Wahle 8. August 2013 um 11:43

Die Entschuldigung nehme ich natürlich an.
Der Vollständigkeit halber möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass ich gar nicht gesagt habe, dass die Aussage falsch ist, dass Online-Nachrichtenangebote profitabel sein können. Nur dass sie irreführend ist. Alles weitere steht ja schon weiter oben.

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Daniel 8. August 2013 um 14:12

Mit jeder Minute, die man damit verbringt, die Entwicklung der weltbewegenden „Multichannelstory“ auf SPON zu verfolgen, wächst bei mir das Unwohlsein. Vielleicht liegt es am fortwährenden Kopfschütteln oder einfach nur am Ärger darüber, dass SPON grade ein Armutszeugnis in eigener Sache abliefert.

Das Thema ist auf SPON nahzu unsichtbar. Die guten Beiträge der „Gastautoren“, wie z. B. T. Knüwer, versanden im Nirgendwo. Es gibt einfach aufzufindende und prominent verlinkte zentrale Landingpage zu dem Themenkomplex. Und in den unzähligen Kommentaren findet sich gefühlt genau eine Spiegelmitarberin, die sich wahnsinning doll über all die Kommentare freut.

Großartige Mutlichannel-und-wir-zeigen-denen-mal-wie-es-geht-Debatte.

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Daniel 8. August 2013 um 14:14

bzgl. Landingpage meinte ich natürlich: es gibt keine

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Marcus Riecke 8. August 2013 um 16:16

Ich sehe nichts als Analogien zwischen dem, was jetzt seit über 10 Jahren mit Tageszeitungen und den Medien durch das Internet passiert, und dem, was den Universitäten durch das MOOC-Phänomen und Plattformen wie Coursera und iversity bevorsteht.

Antworten

Cordt schnibben 8. August 2013 um 22:22

@Daniel Landingpage gibt es. In den ersten Tagen wurden Debattenbeiträge jeweils einzeln und thematisch im oberen Teil der Homepage angekündigt. Jetzt über einen Kasten. Von dort landet man auf der Übersichtsseite. Jeder Beitrag wird zudem den über 200 000 Followern/Freunden von Spon / Spiegel per Tweet/ Post angekündigt. Im Nirgendwo versanden?
@Thomas Knüwer Wo wird dem Leser das erklärt? Am Anfang durch einen Blogbeitrag. Zudem: Neben jedem Beitrag steht, was wir da machen, Debatte, und am Ende fassen wir das zusammen in der Vision einer digitalen Tageszeitung. Sie haben Recht, Gnade kann man nicht erwarten von Lesern, es war auch nur an Sie gerichtet als Journalist, dem das Multimediale in der App nicht ausreichte. Uns auch nicht, und das lag an der Entscheidung, aus journalistischen Gründen ( Springer) das Projekt vorzuziehen. Schauen Sie doch mal in drei Wochen, ob Sie der Schluß des Projekts multimedial mehr überzeugt.

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Thomas Knüwer 9. August 2013 um 9:08

@Cord Schnibben: Dieser Begriff „Landing Page“ ist ja interpretierbar. Für mich aber ist dies keine Landing Page, weil sie nicht wirklich klar macht, was passieren soll. 3 Sätze als Erklärung? Verwirrung, ob dies ein Blog ist? Mal sind Kommentare erlaubt, mal nicht? Stattdessen ein Forum mit nur einem Thread, bei dem nie klar ist, was sich auf was bezieht und in dem Diskussionen nicht strukturiert werden? Kein angekündigtes Ende der Aktion?

Ehrlich: Das wäre 2003 super gewesen – jetzt sind wir 10 Jahre weiter. Für die Ansprüche des „Spiegel“ ist dies genau jener rückwärtsgewandte Dilletantismus, über den ich mich hier im Blog gerne aufrege.

Wie es anders gehen könnte?

1. In Print Story, die verschiedene Problemfelder aufreißt.

2. Online eine optisch ansprechende Seite, die alle Aktivitäten zusammenfasst. Neben dem Print-Artikel gibt es für jedes der in 1. genannten Felder eine multimediale Erläuterung der Zusammenhänge, plattformneutral aufgesetzt

3. Statt einer wilden Menge von Gastbeiträgen lieber zu jedem der Themenfelder ein Pro und Contra.

4. Meinungsäußerungen unter den jeweiligen Artikeln und Themenfelder, FB-, Twitter- und G+-Login sind neben dem Spon-Community-Login möglich.

5. Besonders interessante interessante Kommentare werden hervorgehoben und in die Berichterstattung integriert. Wer länger schreibt, wird ebenfalls als Gastautor eingeladen – egal, ob er Was mit Medien macht, oder nicht.

6. Auch über Plattformen wie Instagram, Vine oder Youtube wird um Beiträge gebeten. Dabei bereitet der „Spiegel“ selbst erste Ideen vor und bitte aktiv besondres populäre Nutzer dieser Plattformen honoriert als Gastautoren um Beiträge.

6. Eine tägliche Hangout-Liveshow fasst die Erkenntnisse des Tages zusammen.

7. Am Ende entsteht eine abgeschlossene, multimediale Dokumentation, die unter Creative Commons nutzbar ist, Möglichkeiten zur Einbettung inbegriffen.

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Daniel 10. August 2013 um 13:29

@ Cordt Schnibben (und hier und da Thomas Knüwer):

Mittlerweile hat man zujmindest eine Landingpage eingerichtet. Schön. Aber eine Landingpage ist für mich kein Allheilmittel, wie schon von Th. Knüwer beschrieben. Es geht IMHO um den grundsätzlichen Ansatz und das Denken dahinter.

SPON hat sich der „Debatte“, im Vergleich zur Wiedergabe von Agenturmeldungen, wohl deutlich umfangreicher gewidmet und dafür auch Geld investiert. Schön und gut. Eigentlich bietet das Thema und der SPON-Ansatz all das, was sich viele aktuellen Printkunden online wünschen (und für das sie wohhl zahlen würden): ein Thema, das losgelöst von tagesaktueller Hektik breit dargestellt und diskutiert wird.

Eigentlich eine Steilvorlage….Aber wenn man laut ausruft, dass man sich einem Thema intensiv widmen und es (Multichannel, hört hört) debattieren will, dann sollte man auch den Mut aufbringen, dass irgendwie prominent auf der Startseite kenntlich zu machen, und die Beiträge dazu z. B. nicht in irgendwelchen Untermenüs, sondern prominent im Header zu platzieren. So geht es sang- und klanglos unter. Stattdessen lese ich eine Eilmeldung (die ich ja so besonders liebe), dass jetzt doch tatsächlich ei nGericht das Insolvenzverfahren bzgl. Suhrkamp eröffnet hat. Welch wahnsinnge Neuigkeit, die einer Eilmdelung dringend bedurfte….

Ich bleibe dabei: SPON hat zwar sehr gute Voraussetzungen, auch online zu überleben, aber online ist man immer noch wirklich nicht angekommen. Das beweist nicht zuletzt das „Forum“, das eigentlich ein grandioses Mittel zur „Kundenbindung“ sein könnte, es aber nicht ist….

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Ausgeraschelt | G! gutjahrs blog 11. August 2013 um 11:08

[…] ich im Inneren des SPIEGEL versteckt auf eine Debatte über die Zukunft der Zeitung, die man, wie Thomas Knüwer anmerkt, durchaus auch auf den Titel hätte heben können (Konjunktiv), wäre dieser nicht schon durch eine […]

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Das Digitale Quartett #42: Was wird aus der Zeitung? 12. August 2013 um 9:18

[…] Cordt Schnibben, Edel-Felder beim “Spiegel”, der versucht im Nachrichtenmagazin eine multimediale Debatte über das Thema mit dem Hashtag #tag2020 einzuleiten. Leider erschien der Redaktion die Völkerschlacht von 1813 brennend wichtiger. […]

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Digitales Quartett #42: Was wird aus der Zeitung? | Medial Digital 17. August 2013 um 23:08

[…] in diesem Jahr der Ausverkauf der Zeitungen begonnen? Sind gedruckte Nachrichten am Ende ihres Produktionszyklus angelangt? Oder kann defizitären Medienmarken gar nicht Besseres passieren, als in die Hände von […]

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Horst 30. August 2013 um 13:33

Außerordentlich gut zusammengefasst. Wie lautet das alte, indianische (hoppla – First Nation) Stichwort? „Wenn du ein totes Pferd reitest, steig ab.“

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Jeder Satz ein Seufzer | Ralf Heimann 12. August 2014 um 13:59

[…] schon vor einem Jahr im Spiegel stand. Und wenn man seinen Text googelt, stößt man direkt auf die Replik von Thomas Knüwer, der fand, dass schon Schnibbens Text nicht so richtig viel Überraschendes zu bieten […]

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Jeder Satz ein Seufzer | Carta 16. August 2014 um 9:24

[…] einem Jahr im Spiegel stand. Und wenn man seinen Text googelt, stößt man direkt auf die Replik von Thomas Knüwer, der schon damals fand, dass auch Schnibbens Text nicht so richtig viel Überraschendes zu […]

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