Die Deutsche Telekom – immer hilfloser

by Thomas Knüwer on 23. Mai 2013

Langsam muss die Frage erlaubt sein, in welcher Welt die Deutsche Telekom lebt. Und welche Abgründe in Sachen unprofessioneller Kommunikation sie noch erreichen wird im Ringen um die Abschaffung der Netzneutralität.

Kurz nochmal zur Erklärung: Die Deutsche Telekom will künftig für Flatrates mehr Geld haben. Das an sich wäre ein wirtschaftlich unproblematisches Ansinnen, das aus meiner Sicht der Markt entscheiden dürfte. Doch will sie eben in eine Drosselungsgrenze von 75 Gigabyte (ab der ein Internetanschluss ohne Zuzahlung künftig praktisch nicht zu nutzen sein wird) jene Dienste nicht einrechnen, die von ihr selbst angeboten werden oder die sie dafür bezahlen. Genau das ist die Abschaffung der Netzneutralität, was nach meiner Meinung einem Frontalangriff auf den Wirtschafts- und Technologiestandort gleichkommt (dazu hatte ich hier auch schon geschrieben).

Die Telekom hat nun eine Lobbyseite online gestellt, um ihren Standpunkt zu erläutern. Nicht nur optisch erinnert sie an Seiten, wie wir sie seit 1998 nicht mehr existent glaubten. Denn auch das Weltbild der Telekom scheint irgendwann Ende des vergangenen Jahrtausends eingefroren zu sein. Was mit ihrer Drosselungsgrenze von 75 GB so anzufangen wäre, illustriert sie so:

drosselkom 75 gb

Zunächst beweist die Telekom hier natürlich, dass die Kostenkürzungsmaßnahmen in ihrem Haus so weit fortgeschritten sind, dass nicht einmal ein Grafikdesigner mehr aktiviert werden kann. René Obermanns Töchter könnten vermutlich Geschmackvolleres produzieren.

Vor allem aber gilt es – wie immer bei der Deutschen Telekom – das Kleingedruckte genauer zu beachten. Denn dies sind Monatswerte. Für eine Person. Schon die kann nicht als überdurchschnittlich digital aktiv angesehen werden. Schlägt man dies nun um auf eine vierköpfige Familie (was dankenswerterweise Martin Schmitt getan hat), wird die ganze Unverschämtheit der Telekom-PR offensichtlich:

drosselkom 75 gb familie

Sieht man diese Zahlen – die nicht einmal Dienste wie Skype beinhalten – wird klar, dass die prominent auf der Telekom-Seite platzierte Behauptung von Konzern-Deutschlandchef Niek Jan van Damme, sein Unternehmen wolle die Kosten für einen Großteil der Kunden stabil halten, entweder eine Lüge ist – oder Inkompetenz. Dazwischen gibt es nichts.

So geht das nicht weiter. Und es geht auch nicht weiter mit dem hohen Maß an Scheißegal-Haltung der Politik diesem Thema gegenüber. Und deshalb bitte ich Sie, die Online-Petition zu zeichnen, die eine gesetzliche Festschreibung der Netzneutralität fordert. Innerhalb kürzester Zeit hat diese die 30.000 Zeichner-Marke überschritten, aktuell liegt sie bei über 34.000 Unterstützern. Sprich: Es fehlen noch 16.000 Menschen, damit das Thema in einem Bundestagsausschuss debattiert werden muss.

Bitte klicken Sie hier und beteiligen Sie sich. Danke.

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