Die Gesellschaft für deutsche Sprache hört Worte, komische Worte

by Thomas Knüwer on 14. Dezember 2012

Jetzt mal ehrlich – Hand hoch: Wer hat schon mal den Begriff “Rettungsroutine” gehört?

Ja. Genau. Ich auch nicht.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat diesen Begriff zum “Wort des Jahres” ernannt. Die Begründung für diesen Titel lautet:

“Nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks, sondern seine Signifikanz bzw. Popularität stehen bei der Wahl im Vordergrund: Auf diese Weise stellen die Wörter eine sprachliche Jahreschronik dar, sind dabei jedoch mit keinerlei Wertung oder Empfehlung verbunden.”

Es darf sicher die Frage erlaubt sein, wieso die Popularität, nicht aber die Häufigkeit des Ausdrucks im Vordergrund stehen können. Signifikant für die vergangenen 12 Monate mag “Rettungsroutine” ja sein. Aber populär?

Auf den ersten fünf Trefferseiten bei Google taucht nur eine journalistische Meldung auf, die ihn erwähnt – ein “FAZ”-Artikel. Alle anderen Treffer bestehen aus der Meldung, dass die  Gesellschaft für deutsche Sprache “Rettungsroutine” zum Wort des Jahres erhob. Die Zahl der Suchen nach diesem Wort ist für Google Trends im Jahresverlauf zu gering um eine Grafik zu zeichnen. Und wer bei Online-Nachrichtenseiten nach Debatten rund um Rettungsroutine sucht, der findet bei der FAZ.net und Handelsblatt.com exakt einen Treffer im Jahr 2012, bei Zeit.de, Sueddeutsche.de und Spiegel Online keinen einzigen.

Sprich: Das “Wort des Jahres” der Gesellschaft für deutsche Sprache verwendet überhaupt niemand. Aber die Pressemitteilung der Verkündung werden sicher alle gern und brav übernehmen.

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