Sehr geehrte Frau Friedrichs,
wir kennen uns nicht. Sie sind eine ordentlich dekorierte Journalistin, ihre bisherige Arbeit ist mir bisher in Erwähnungen und Zitaten begegnet, es hat sich nicht ergeben, dass ich eines ihrer Bücher las. Gelesen/gehört habe ich aber einen Text, den sie für DRadio Kultur verfasst haben und der sich mit Facebook beschäftigt.
Eigentlich könnte man den links liegen lassen. Er ist undurchdacht, wütend und uninformiert, im Internet nennen wir solch einen Ausbruch “Rant”. Dummerweise aber legen Sie alle Hebel in mir um, wenn es darum geht die Probleme des Journalismus in Deutschland zu beschreiben. Und deshalb möchte ich einige Passagen Ihres Werkes näher betrachten.
Sie erlauben?
Eines Tages, behaupten Sie, fragte Ihr Geldautomat, ob er ihr Facebook-Freund sein dürfe. Das klingt so irgendwie mittellustig. Faktisch aber fragte Sie natürlich nicht Ihr Geldautomat, sondern Ihre Bank. Die fragt sie ständig irgendwelche Sachen am Geldautomat, bei mir war es gestern zum Beispiele “Sind Sie zufrieden mit uns?”. Banken nutzen die Wartezeit auf das Geld zur Kommunikation. Das kann man gut finden, muss man nicht. Weil es aber um Facebook geht, finden Sie es doof. Übrigens: Sie implizieren natürlich, Sie hätten am Geldautomat einen Like-Butten drücken können – ich behaupte: Das war nicht möglich.
Problem Nummer eins des Journalismus derzeit also: Verdrehung der Fakten.
Sie wollen nicht auf Facebook sein. Das ist überhaupt kein Problem. Man kann sich natürlich fragen – und dies tue ich hier im Blog ja häufig – ob nicht Journalisten ob Ihres Berufsstandes unabdingbar eine Technologie beherrschen müssen, die sich so schnell in unserer Gesellschaft verbreitet hat, wie keine andere in der Geschichte der Menschheit. Ich meine: ja. In der Journalistenschule haben wir deftige Witze darüber gemacht, dass Mitte der 90er nicht jeder Redakteur des “Tagesspiegel” über ein eigenes Telefon verfügte. Doch dies ist dann eine andere Debatte.
Widmen wir uns lieber Problem Nummer zwei des Journalismus: Wenn Journalisten etwas nicht mögen, wollen Sie, dass alle anderen es auch nicht mögen. Mehr noch: Sie verachten Menschen, die in einer Sache einen Nutzen finden, den Sie subjektiv für sich selbst nicht nachvollziehen können.
Sie, Frau Friedrichs, möchten zum Beispiel nicht mit einem Café befreundet sein, das Sie häufig besuchen. Ihr gutes Recht. Nur: Den allermeisten Menschen geht es anders. Wenn wir häufig ein Restaurant oder eine Bar aufsuchen, tun wir dies nicht aus Masochismus. Wir mögen den Laden. Mehr noch: Häufig entwickelt sich eine lockere Beziehung zwischen Stammgast und Stammpersonal. Und wir entwickeln Vorlieben: Wenn es in der “Brasserie Hülsmann” frische Pfifferlinge gibt, dann möchte ich das sofort wissen – denn die Saison ist ja nicht lang.
Auch bei anderen Produkten, die wir häufig konsumieren, lassen wir Menschen uns gern informieren. Wenn zum Beispiel der Berliner Modeladen “Firmament” die neue Laufkollektion von Gyakusou reinbekommt, möchte ich schnell informiert sein. Denn Gyakusou ist die einzige Laufbekleidung, die nicht aussieht, als sei man ohne Fallschirm über Legoland abgestürzt. Doch weil es eine japanische Marke ist, sind große Größen schnell ausverkauft – und tatsächlich sind die Sachen in Deutschland nur schwer zu bekommen. Ich freue mich also, wenn ich schnell informiert werde, ohne dass ich eine E-Mail bekommen, mein Handy klingelt oder ich Papier aus meinem zu kleinen Briefkasten dröseln muss.
Sie möchten solche eine Werbung nicht. Das ist OK. Nur: Auch hier nervt es Sie, ja, es macht Sie aggressiv, dass andere Menschen anders denken als Sie. Dies vermischt sich wieder mit Problem Nummer eins. Denn Sie schreiben:
“Absurde Anfragen wie diese häuften sich: Der Hersteller des Buggys, den ich für meinen Sohn kaufte, wollte mein Freund werden. Das Cafe, in dem ich mittags oft esse, auch. Mein Fußballverein sowieso. Es folgten: Mein Fernsehprogramm. Mein Radiosender. Sie alle baten mich, ihnen doch zu Facebook zu folgen.”
Das klingt nach sonnenbebrillten, halbseidenen Türstehern, die Sie anraunzen: “Wolle Freunde werde?” Tatsächlich aber dürften jene Unternehmen nur irgendwo das – zugegebenermaßen unterhübsche – Logo von Facebook auf Werbematerialien platziert haben, die es zuvor auch schon gab. Weshalb regen Sie sich darüber auf? Mir scheint: Weil Sie sich aufregen wollen.
Denn tatsächlich gab es ja humanoide Wesen, die Sie ansprachen: Ihre Freunde. “Was? Du bist nicht auf Facebook?”, wurden Sie gefragt. Das kann schnell nerven, stimmt. Aber: Sie schreiben, Sie hätten sich gerechtfertigt. Warum? Was haben Sie für Freunde, die nicht akzeptieren, wenn Sie sagen: “Nö, keinen Bock drauf.” Gleichzeitig aber: Was sind Sie für eine Journalistin, die nicht versucht, solch einer Massenfaszination nachzugehen?
Ich weiß nicht, ob Sie sich überhaupt mal auf Facebook versucht haben. Schnell stößt man dort auf Verschollene Menschen, Schulfreunde, Kommilitonen. Sie sind ja nun jünger, da gibt es noch nicht so viele Verschollene, zugegeben. Nein, zu denen muss man keinen Kontakt pflegen. Aber man kann. Und darf. Wenn man will. Viele Menschen freuen sich aber über Kontakte aus der Vergangenheit und das gemeinsame Erinnern. So hat mich jemand in eine Facebook-Gruppe namens “Du bist Sendener, wenn…” eingeladen. Über 1000 Mitglieder hat sie und die frischen ihre Kindheitserinnerungen an Senden, meinen Heimatort, auf. Vieles von dem, was da geschrieben wird, hatte ich längst vergessen, es ist ein Ort des nostalgischen Erinnerns.
Sie müssen da nicht mitmachen. Doch wir Menschen sind halt so. Was uns zum Problem Nummer drei des Journalismus bringt: Misanthropie.
Es scheint für deutsche Journalisten ein Zeichen der Schwäche zu sein, sich für etwas zu begeistern – erst recht für die Begeisterung anderer Menschen. Sie halten die Aussage Mark Zuckerbergs, Facebook erfülle eine soziale Mission für “Geschwätz”. Ich weiß nicht, wie sehr Sie sich mit Zuckerberg beschäftigt haben, ob Sie beispielsweise das fabelhafte Buch “Der Facebook-Effekt” von David Kirkpatrick gelesen haben. Danach, jedenfalls, fällt es schwer Ihre Behauptung aufrecht zu erhalten.
Dass über Facebook Massendemonstrationen gegen die Farc-Rebellen in Kolumbien organisiert wurden, dass der Dienst eine maßgebliche Rolle bei den Revolutionen in Nordafrika spielte, dass Menschen sich dort zu allerlei politischen und wirtschaftlichen Anliegen organisieren und sogar Einfluss auf eine schlechte TV-Liveübertragung nehmen – all dies ist für Sie, Frau Friedrichs, “Geschwätz”.
Warum? Weil Facebook Geld verdient. Und Unternehmen können nur schlecht sein, wenn sie Geld verdienen. Alles andere geht nicht. Dies ist Problem Nummer vier des deutschen Journalismus: Er ist wirtschaftsfeindlich. Mehr noch: Er ist wirtschaftsinkompetent.
Dafür liefern Sie ein dramatisches Beispiel. Denn Sie behaupten: Facebook verkauft Daten. Sie schreiben:
“Für ein Allerweltsprofil zahlen Adresshändler und Werbeunternehmen laut Schätzungen nicht mehr als einen Cent. Ein guter Datensatz aber kann einen halben Dollar bringen.
Facebook hat viele dieser guten Datensätze…
Dass Profile mit echten Namen auf dem Datenmarkt einfach mehr wert sind, erwähnte die Firma nicht…
Fassen wir also das längst Bekannte zusammen: Facebook ist ein Unternehmen, dass um jeden Preis an möglichst viele Daten kommen will. Das sie scannt und speichert und verkauft.”
Frau Friedrichs, ich behaupte: Sie haben keinerlei Informationen, nach denen Facebook Daten verkauft. Mehr noch: Ich behaupte, Sie haben in diesem Punkt nicht recherchiert.
Facebook, und genauso Google, verkauft keine Daten. Die Unternehmen wären schön blöd, wenn sie dies täten. Denn es ist ihr Geschäftsfundament, Daten NICHT zu verkaufen, sondern exklusiv zu nutzen um gezielte Werbung abzuzeigen. Diese gezielte Werbung kann man natürlich – Stichwort: Wirtschaftsfeindlichkeit – verwerflich finden. Nur, ohne Werbung funktioniert ein großer Teil der Wirtschaft eben nicht.
Diese Werbenutzung, Frau Friedrichs, ist vollkommen normal und hat nichts mit dem Internet zu tun. So dürfte Ihr Verlag eher nicht Anzeigen im “Kicker” für Ihre Bücher geschaltet haben, sondern eher, sagen wir, in der “FAZ”. Nun ist diese Werbeschaltung noch effizienter möglich, das klingt kalt und unnahbar, andererseits sorgen Unternehmen mit schwarzen Zahlen dafür, dass ihre Mitarbeiter Arbeit haben. Wir sind uns sich einig: Das ist nicht ganz so übel.
Wenn es um das Verkaufen von Daten geht, hätten Sie vielleicht einmal etwas über Deutschlands Medienhäuser schreiben können, die teils zu den größten Adressehändlern gehören. Doch an dieses Thema traut sich niemand heran, auch Sie nicht. Vielleicht würde dann die nächste Rezension eines Ihrer Bücher auch nicht so schön ausfallen. Verlage sind nachtragend, müssen Sie wissen.
Kommen wir aber zum nächsten Problem deutscher Journalisten: mangelnde Neugier.
Im hinteren Teil ihres Textes schreiben Sie:
“Warum um alles in der Welt sollte ich ihm (Mark Zuckerberg – d. Autor) meine Daten geben? Warum geben meine Freunde ihm ihre Daten?”
Tja, warum? Sie stellen eine Frage – und beantworten Sie nicht. Früher wäre diese Frage Ausgangspunkt zur Recherche gewesen. Eine ausgangsoffene Recherche, wohlgemerkt. Man hätte sich einfach mal angeschaut, vielleicht gar mitgemacht, als Journalist. Aber nicht, um das dann hinterher kaputtzuschreiben – sondern um eine Faszination nachzuvollziehen. Dabei geht es nicht darum, unkritisch zu sein – aber eben auch nicht darum, auf Teufel komm raus den Menschen etwas zu verleiden, was sie fasziniert. Solch eine Art des Journalismus kann ich Deutschland im Jahr 2012 praktisch überhaupt nicht mehr ausmachen. Wenn sich Menschen en masse für etwas begeistern, wird es grundsätzlich verlächerlicht und attackiert.
Kommen wir aber zum finalen Absatz Ihres Textes, sehr geehrte Frau Friedrich. Es ist die Passage, die nun mich endgültig wütend gemacht hat. Denn Sie schreiben:
“Meldungen der letzten Wochen allerdings lassen mich nun hoffen, dass der Spuk irgendwann vorüber sein könnte: In den USA ist die Zahl der Facebook-Nutzer in den vergangenen sechs Monaten erstmals leicht zurückgegangen. Im letzten Quartal machte die Firma über 150 Millionen Dollar Verlust und die anfangs gehypte Aktie ist seit Handelsbeginn um satte 40 Prozent abgerutscht. Ich würde mich freuen, wenn das der Anfang vom Ende wäre.”
Hier vermischen sich alle jene Probleme, die ich zuvor beschrieb. Denn dieser angebliche Niedergang der Nutzerzahlen beruht – und das haben viele Journalisten nicht hinterfragt – auf der selbst geschriebenen Software eines US-Analysten. Es kann sein, dass das richtig ist – aber wir wissen es nicht. Und ich gehe nicht davon aus, dass Sie jenen Analysten kontaktiert haben? Eine Debatte um den desatrösen Verlauf des Facebook-Kurses spare ich mir – denn dies impliziert, dass die Börse derzeit rational handelt (was sie nach meiner Meinung nicht tut). Doch gehört es eben auch zur selektiven Wahrnehmung, wenn man unerwähnt lässt, dass jener Quartalsverlust durch Ausgaben beim Börsengang entstand.
Alles egal, angesichts Ihres letzten Satzes: Sie wünschen Facebook den Tod.
Bitte? Sie wünschen rund 4.000 Menschen die Arbeitslosigkeit? Warum? Weil Facebook sie nervt? Selbst wenn Facebook Daten verkaufen würde: Wünschen Sie dann auch Deutschlands Verlagen den Tod?
Frau Friedrich, Sie schreiben/sprechen diesen Text für DRadio Kultur. Finanziert wurde Ihr Honorar durch Rundfunkgebühren. Diese werden eingetrieben durch die GEZ, eine Institution, bei der ich aus eigener Erfahrung von mafiösen Instrumenten berichten kann, und die selbst Adressen potenzieller Nichtzahler ankauft.
Was würden Sie sagen, wenn Sie hier lesen, dass ich mich freuen würde über den Anfang vom Ende des Deutschlandradios?
Vielleicht denken Sie darüber mal nach, bevor Sie das nächste mal einen so unreflektierten und unambitionierten Unsinn aufschreiben, wie Ihren Facebook-Text.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Knüwer

ich habe diesen offenen Brief gelesen und kann nur sagen:
So iss es !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Hallelujah!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Aber so ist das invielen Dingen..da wird missionaricher
Eifer entwickelt um jemandem zu überzeugen, das was er
/sie gut findet..schlecht bis scheißeoder gar böse ist.
Was soll das..die Meinung dieser Dame hat nun mal keine
Allgmeingültigkeit..und das denke ich mal ärgert diese Dame;-)))))
Aber “Gestatten:Elite” war ein super Buch.
Passt schon. Ich tippe mal, dass Frau Friedrichs einfach kein anderes Thema eingefallen ist. Ich fand ihren Radiobeitrag auch sehr ungenau, aber was soll es?
Das mit der Aktie sehe ich allerdings anders. Selbst als Hobbybroker empfand ich den Anfangswert als stark überzeichnet. Klassischer fall von ‘selber Schuld lieber Anleger’, aber das ist dann gerade ein Fall von einem funktionierendem Aktienhandel – ist selten genug dieser Tage.
Eines vorweg, ich bin kein Facebook-Nutzer. Ganz bewusst und aus guten Gründen nicht.
Besonders blöd finde ich es immer, will man mich für etwas gewinnen, politisch, gesellschaftlich, informativ, und schließt mich von vorn herein von z.B. Diskussionen aus, da ich eben nicht bei FacebookMitglied bin. Ich bin aus gutem Grund und nach kritischer Auseinandersetzung mit dem Phänomen Facebook absolut bewwusst kein “Mitglied”. Was ich aber im Netz merke ist die Ignorranz und ohne kritische Folgenabschätzung, mit der eben Facebook allerorten “gehyped” wird.
Zwei Beispiele (da gäbe es noch einige mehr):
Ich zahle GEZ-Gebühren und werde ständig in Sendungen im Fernsehen und im Radio für weitere Informationen mittlerweile auf Facebook verwiesen.
Besser also kann sich doch die Fantasielosigkeit der Verantwortlich kaum ausdrücken. Lieber einem Hype hinterherhecheln, als wirklich selbst mit guten Webseiten im Netz den offenen Dialog suchen. Ich fühle mich von den Sendern verarscht und ausgeschlossen.
Neulich gab es einen Aufruf zu einer Aktion und Demonstration zu einem aktuellen gesellschaftlich und politisch wichtigen Thema. Nur wenig echte Information im Netz, aber dafür sollte man sich auf Facebook einloggen um an primitivste Information über Ort und Zeitpunkt informieren zu dürfen. Die zugehörigen Seiten waren ncht “öffentlich”, wie ja durchaus zum reinen Anschauen durchaus möglich.
Das absurdeste ist daran, die Aktionen betrafen den Datenschutz und ähnlich sensible Themen. Gehts noch?
Mensch Herr Knüwer,
so richtig gut gelaunt sind Sie aber heute auch nicht. Und dass – laut Ihrem Zitat – Frau Friedrich dass mit ss nicht beherrscht, finde ich fast noch schlimmer.
Bis denn, Michael
Sie haben mich verloren? Was meinen Sie?
Zum Thema Aktie: Das, finde ich, trifft es sehr gut… http://www.businessinsider.com/dear-facebook-employees-heres-the-truth-about-your-stock-price-2012-8
@ Thomas Knüwer: Mir ist gerade aufgefallen, dass ich Sie gleich zweimal mit falschem Namen angesprochen habe (mir war bisher nur der “Krüger” bewusst). Das tut mir Leid, ich habe ein hundsmiserables Namensgedächtnis, mit Absicht hatte das wirklich nichts zu tun.
@adrian stampfli
“Ob der deutsche Journalismus “wirtschaftsfeindlich” ist ist eine interessante These, aber ich will sie hier nicht diskutieren, weil ihre Beantwortung viel mit der eigenen politischen Ausrichtung zu tun hat.”
Richtig, es ist am Ende des Tages eine Frage der politischen Ausrichtung. Dass Sie es dabei beruhen lassen und somit einen Freifahrtsschein (ala Religionsfreiheit) erstellen seh ich jedoch als problematisch an.
Die daran anschließende Frage ist doch vielmehr, ob eine politische Ausrichtung, die die auf wirtschaftliberalen Gedankengut beruht und an den “trickle-down”-Mechanismus glaubt, wirklich haltbar ist. Kurz: Ob eine Bejahung des Kapitalismus überhaupt haltbar ist. Und inwiefern man langwierig erkämpfte humanistische Ideale mit der Bejahung eben dieses Systems zu Grabe trägt,
Seinen eigenen STandpunkt mal auf Herz und Nieren überprüfen wäre angebracht – und nicht das Zurückziehen darauf, dass eine Meinung auf die politische Ausrichtung zurückgehe – und der damit verbundenen Implikation, dass an der politischen Ausrichtung nicht zu rütteln sei.
Wunderbar… ich könnt’ Sie – salopp gesagt – für diesen Brief knutschen. Ganz exzellent. So und nicht anders ist es. Viel Meckern über FB entsteht aus Unkenntnis und Desinteresse, sich näher damit zu beschäftigen. Das betrifft auch diese immer wieder kehrende Datensicherheits-Debatte. Wenn ich auf FB poste, dass ich Kondome mit Himbeergeschmack bevorzuge, dann darf ich mich auch nicht wundern, wenn es Menschen wissen, die es vielleicht eher nicht wissen sollten. Aber genau wie sie schreiben… wenn ich es bedacht und sinnvoll nutze, dann finde ich z.B. dort meine Heimatgruppe “Du bist in Darmstadt geboren, wenn…”. Ganz herrlich. Und ich habe wieder Kontakt zu meinem allerersten Freund. Der war aus meinem aktiven Freunde-pflegen-Umfeld völlig entschwunden und ist Dank FB wieder da.
Klar ist FB nicht ohne, aber wenn ich über die Ampel gehe, dann schaue ich ja auch, ob es Rot zeig und ob ein Auto kommt… Das Gehirn einzuschalten ist immer gut!
Ach ja… ich bin übrigens sehr froh, dass mein Lieblings-Restaurant mit mir befreundet ist, sonst hätte ich nämlich unlängst samt Besuch vor unerwartet geschlossenen Türen gestanden ;o)
Vielen Dank für diesen Beitrag! Ich bin gerade mal zwei Jahre älter als die Autorin und finde auch: Junge Journalistinnen und Journalisten – zu denen man ja gerne von den alten Hasen auch noch bis Mitte 40 gerechnet wird, ähnlich wie bei den “jungen Autoren” – müssen mit Facebook und anderen Netzwerken umgehen können. Denn auch hier ergeben sich Themen, sind unsere Leser und Hörer präsent, und man muss dafür noch nicht mal sehr viel recherchieren. Zu sagen: Ich will auch nicht auf Facebook ist meiner Meinung nach eine echt Missachtung von Nutzern, ihren Interessen und des Lokaljournalismus.
Frau Friedrichs Text passt aber zu “Gestatten: Elite”. Vollkommen blauäuig, naiv und über-wirtschaftskritisch geschrieben, im Stil von: Liebes Poesialbum, die Eliten sind gar keine heilsbringenden Weltverbesserer und wollen vor allem Geld verdienen. Geld!!!
[...] ConventionCamp gehen raus und das hier sollen unsere Kinder 2030 auch noch kennen. Diesen Kommentar vielleicht auch [...]
Ich bin selbst auch Journalist, und muss sagen: Auch wenn ich “schon” 47 Jahre alt bin, gibt mir dies keinen Freifahrtschein, alles nur aufgrund meiner Lebenserfahrung als doof zu empfinden.
Ich nutze Facebook, kann auch die Datenschutz-Bedenken vieler nachvollziehen, die Facebook ja auch durch eigenes Verhalten geschürt hat (auch das stand im “Facebook Effekt”). Allerdings beruht doch dieses “Igitt”-Gefühl Facebook gegenüber nach meinem Gefühl auch auf den Befürchtungen, dass etwas, das man schriftlich hinterlässt, einem später mal zum Nachteil gereichen kann. Diese Bedenken habe ich schon oft aus meinem Bekanntenkreis gehört und es ist auch für mich immer wieder eine Überlegung: “Was poste ich, was lasse ich lieber noch einen Tag im Kopf?” Dieser Effekt ist auch sehr gut im Buch beschrieben. Und so lesen sich auch viele “Happy-happy-Joy-Joy”-Profile im Netz.
Über alles gesehen bringt natürlich auch das Konzept der “Schenk-Ökonomie” einige Old-School-Content-Verkäufer ins Schwitzen, was einige Negativreaktionen in den Medien auch erklären könnte.
Die Reaktion von Thomas Knüwer kann ich insoweit nachvollziehen, dass ich es als Voraussetzung sehe, dass sich jemand über ein Thema umfassend ins Bild setzt, bevor er sich darüber verbreiten darf. Bloße Entrüstung reicht nicht.
Und wenn die neue Sparwut einiger Verlage Redaktionen so stark zusammenstreicht, dass sie keine Zeit mehr haben, sich mit Themen zu befassen, dann machen sie sich überflüssig. Mal ganz davon abgesehen, dass ich es nach den Tariffluchten der jüngsten Zeit, nach der allgemeinen Tendenz, Journalisten-Anfängern nur noch Prekariats-Almosen zu zahlen sowieso eher als ein Zeichen mangelnder Intelligenz (oder zu viel Idealismus) sehe, wenn heute ein junger Mensch “irgendwas mit Medien” machen will. Schade eigentlich. Es macht nämlich Spaß, Sachen auf den Grund zu gehen.
Warum kann ich das hier eigentlich nur lesen, wenn ich das StopSocial-Plugin meines Browsers deaktiviere?
Aber wahrscheinlich oute ich mich durch die Frage schon als unsozialer Unmensch, da ich die FB & Co.-Schnüffeleien nicht unterstütze …
“Wenn Journalisten etwas nicht mögen, wollen Sie, dass alle anderen es auch nicht mögen”
Ich denke das ist genau das Hauptproblem. Ich mag Facebook auch nicht, weil ich keine Lust habe soviele Daten preis zu geben. Für mich gilt einfach immer noch die (möglicherweise mittlerweile verstaubt wirkende) Losung: Über Daten, die ich nicht auf irgendeinem Weg veröffentliche, muss ich mir auch keine Gedanken machen, ob die irgendwann einmal schlecht für mich sein könnten, oder wer die zu gesicht bekommt.
Aber wenn irgendwer (nicht nur Journalisten) der Meinung ist, dass irgendwas schlecht ist, wird es niedergemacht.
Ich für meinen Teil boykottiere Facebook einfach dadurch, dass ich mich nicht anmelde. Wenn Freunde mich fragen, dann sage ich ebenso wie Frau Friedrich: “Nö, Kein Bock drauf!” und dann ist die Sache für mich und in der Regel auch für den Gesprächspartner erledigt.
Aber was den meisten Menschen fehlt ist einfach Respekt. Respekt vor anderen Menschen und Respekt für den Ideen und Meinungen anderer Menschen und das überall.
Toller Text!
hm…mit einigen sachen gehe ich nicht konform: u.a. der aussage, dass etwas, was eine journalistin in einem offensichtlichen kommentar aud dradio gesagt hat, sofort auf alle dt. journ. zu trifft und diese dann alle (!) als “der dt. journalismus” weltfremd, Fakten verdrehend, verachtend gegenüber andersdenkenden, nicht neugierig genug sind…sorry…das denke ich nicht…evtl. die erwähnte journ. ist das und evtl. auch einige überarbeitete redakteure bei der Zeitung mit den vier großen Buchstaben, aber längst nicht alle!
“Wenn sich Menschen en masse für etwas begeistern, wird es grundsätzlich verlächerlicht und attackiert.”
…außer vielleicht, es geht um Fußball.
Google und Facebook verkaufen keine Daten? Na du glaubst auch an das Gute. Selbstverständlich verkaufen sie Daten – Facbook und Google sind Unternehmen. Ihr ureigenes Interesse ist Wachstum und Gewinn, alle Interessen werden diesen beiden untergeordnet!
Zugegeben, noch sind die Daten aggregiert – aber Sie bieten Interessenscluster gegen Geld an und diese basieren auf deinen Daten. Der Dienst ist nicht kostenlos – die Währung sind persönliche Daten.
Schade, dass die Kritik nicht trifft. Ich ersetze mal Facebook durch etwas krasseres, um Ihnen Ihre widersinnige Argumentation zu verdeutlichen:
Erstens: Nur wer Kokain selbst nimmt, kann einen guten und kritischen Artikel über Kokain und die Folgen des Genusses schreiben. Ohne Kokaingenuss verbietet sich jedwede Aussage zu diesem Thema.
Zweitens: Kokainhandel kritisch zu hinterfragen verbietet sich schon deshalb, weil sich einige tausend Menschen damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Und denen soll man jetzt ihren schönen Job wegnehmen?
Wirklich eine sehr gute Argumentationslinie. Man kann Frau Friedrichs für diese Sätze gut kritisieren – Sie haben es leider nicht geschafft.
absolut hervorragend geschrieben! man muss facebook nicht mögen, aber dieser artikel ist fabelhaft!
Hallo Thomas…..kann mich deiner Meinung nur anschließen…und es wird Zeit mal aufzuräumen mit diesen unsinnigen Gerede über Gefährlichkeiten, nur weil man es persönlich für Fragwürdig hält.
Meinungsbildung ok…….aber durch den, ich zitiere “Tot….wünschen…..” einer Organisation schießt Frau Friedrichs nicht nur über das Ziel hinaus, sondern erzeugt für mich nur ihren persönlichen Rachefeldzug gegen alles was stört im Leben.
Das dürfen wir nicht zulassen…..schon unserer Kinder wegen die hier in ihrer späteren Jugend dann als ihre Bassis ihrer Kommunikation verwenden!
Vielleicht sollten wir mehr an Sie mal denken…..bevor wir Ihnen, Ihren frühen, wenn auch manchmal naiven drang nach kommunikation für immer zerstören.
liebe grüße Friedrich wie immer ohne seinen K
Nein, sie verkaufen keine Daten – auch nicht aggregiert. Sie nutzen die Daten um Werbung anzuzeigen. Das ist etwas substanziell anderes. Denn wenn Daten verkauft werden, hat der Nutzer keine Ahnung, wo sie landen. Dies ist zum Beispiel beim Datenhandel durch Ämter oder Verlage der Fall.
Ihr Vergleich ist Blödsinn, denn Kokainkonsum ist strafbar und gesundheitsschädlich. Vergleichen wir es lieber mit Fußball: Darf ein Nicht-Fußballer ein Spiel kritisieren? Natürlich. Aber wenn er erklärt, Mario Gomez hätte einen Elfmeter gepfiffen, ist klar: Der Autor hat keine Ahnung.
#hach
Ach ja… gemäß den Facebook-Nutzungsbedingungen und Richtlinien dürfen, bzw. können Facebook-Seiten für Banken, Cafes & Co. keine Freunde sein, denn dieses Feature steht nur Facebook-Profilen zur Verfügung. Kleinlich? In diesem Fall definitiv ja!
Hallo Herr Knüwer,
wenn Sie sich schon so aufregen: Wie wär’s mit einem offenen Brief an Manfred Spitzer. Der hasst nicht nur Facebook, sondern gleich das ganze Internet und alle Computer mit! Dennoch steht sein Buch “Digitale Demenz” auf Platz 2 der Spiegel-Bestsellerliste Sachbuch. Generations- oder Kulturproblem?
Dafür müsste ich das Buch lesen – und das ist derzeit ein Zeitproblem…
Julia Friedrichs hat nicht reagiert. Richtig? Wäre auch ein Statement.
Sehr geehrter Herr Knüwer,
Julia Friedrichs sieht Facebook sehr kritisch, Sie nicht. Warum haben Sie es nicht einfach dabei belassen? Jeder einzelne Vorwurf, den Sie Frau Friedrichs machen, trifft mit voller Wucht Sie selbst.
Mit freundlichen Grüßen,
T. Padberg
Ja, aber es braucht doch eben einen Skandal, wenn man eine hohe Auflage will.
All die alten Säcke, die Angst davor haben von der technologischen Entwicklung überrollt zu werden, freuen sich nun mal wenn man ihnen den Bauch pinselt, indem man ihnen Gründe liefert, weshalb alles, was die “Jugend” toll findet, sowieso schlecht ist.
Da kann man sich als verkorkster alter Konservativer bestätigt fühlen.
Denn mit Dingen die sowieso schlecht sind, braucht man sich schließlich auch nicht zu beschäftigen. Und das liest man gern!
Zwar ist für mich persönlich das Fratzenheft auch so überflüssig finde wie einen Kropf. Dennoch mag ich die perfide Logik hinter dieser Art Journalismus nicht, denn ich habe sie schon zu oft erlebt.
An einem Punkt hat der Brief aber unrecht: weshalb sollte Facebook KEINE Adressvermietung machen? Selbstverständlich behalten sie das Profil, mit dem sie die Zielgruppenanalyse machen. Aber den Zugang zu potentiellen Kunden verkaufen sie natürlich. Und wer sagt denn, dass Facebook die Aussage verweigert, wenn jemand Adressdaten selektiert haben möchte nach -sagen wir mal- Personen, welche zuvor homosexuelle Neigungen erwähnt haben?
Trotzdem hat die Kritik in einem grundsätzlichen Punkt recht. Es gibt ein gesundes Maß an Werbung und dann gibt es das, was wir heute erleben. Wir werden regelrecht zugemüllt. Die Wegwerfgesellschaft geht mir und vielen meiner Zeitgenossen gehörig auf den Zeiger.
Ich bin Konsumverweigerer und will weder japanische Laufschuhe und noch Pfifferlinge. Ich will nach einer 50h-Arbeitswoche einfach nur meine Ruhe und die ist verdammt schwer zu bekommen in einem Land mit 229 Einwohnern pro Quadratkilometer.
Man kann nicht einmal 5 Minuten ungestört auf eine Raufasertapete starren, ohne das irgendein Depp einem ungefragt was verkaufen will.
Es fehlt ein globales Robinson-Verzeichnis. Es fehlt die Möglichkeit sich bewusst ausklinken zu können aus dem Konsumrausch und nach einem stressigen Tag einfach nur Mensch zu sein. Für viele Menschen ist das Leben auch hektisch genug, ohne das ständig noch jemand was von dir will.
Ernsthaft: Die einzige Werbung, die ich freiwillig ertrage, ist wenn meine Frau aus dem Schlafzimmer lockt: “Schatz, komm ins Bett!”
Das könnte aber auch daran liegen, dass ich beruflich mit einer Marketingabteilung zu tun habe und die ganzen Tricks mitkriege, mit denen versucht wird, geltende Gesetze zu umgehen und Kunden hinters Licht zu führen. Man würde direkt nicht mehr ruhig schlafen können, wüsste man nicht um die geballte Inkompetenz, welche dort sitzt. “Wenn Sie DataMining machen wollen, dürfen Sie Ihr CallCenter nicht nach Novo Sibirsk auslagern und die Kundendaten am Telefon von russischen Studenten eintragen lassen. Aktuell sind 80% Ihrer Kunden unter 10 oder über 100 Jahre alt.” Fuck yeah! Sowas tut gut.
Super! Danke! Sie schreiben mir – selbst Journalistin beim öffentlich rechtlichen Rundfunk – aus dem Herzen. Viele (jüngere?) Journalisten nehmen sich selbst zu wichtig und vergessen dabei, ihre eigentliche Aufgabe: zu informieren und (neutral) zu berichten…