Bundestag und Deutschlandfunk zensieren kritischen Journalisten

by Thomas Knüwer on 10. August 2012

Kürzlich verweigerte Weißrussland Gesine Dornblüth ein Einreisevisum. Dornblüth ist Moskau-Korrespondentin und behauptet im Interview mit ihrem Arbeitgeber von sich selbst:

“Ich habe dort auch Regierungskritikern in der Provinz eine Stimme gegeben. Gut möglich, dass dies die Behörden geärgert hat.”

Sie sagt auch:

“Das Einreiseverbot passt in das Bild eines autoritären Staatsführers, der brutal gegen jede Form der Kritik vorgeht, ganz egal, ob sie von Oppositionspolitikern, Menschenrechtlern oder Journalisten kommt.”

Was würde Dornblüth oder die Intendanz des Deutschlandfunks zum Berufsverbot für einen Journalisten sagen? Dass dies noch besser in das eines autoritären Staates passt?

Einem Staat wie Deutschland? Mit einem Sender wie dem Deutschlandfunk?

Denn wenn Mitarbeiter der öffentlich-rechtlichen Anstalt sich von nun an über solche Zustände in anderen Ländern erhitzen, dürfen wir ihnen tiefe Verlogenheit vorwerfen. Der Deutschlandfunk selbst agiert nämlich nicht unähnlich dem Regime Lukaschenko in Weißrussland. Da recherchiert für sie ein freier Journalist und berichtet kritisch über einen relativ unwichtigen Bereich der deutschen Politik: dem Sport. Er ist einer der wenigen weltweit der sich reinkniet in Themen wie Verbandsbestechlichkeit und Doping. Es ist die Art von Journalismus, wie er unabdingbar für eine funktionierende Demokratie ist.

Sein Name: Jens Weinreich. Er ist hart, unbequem, bestens verdrahtet und recherchiert tief.

Somit passt er natürlich nicht in die Welt von Bundesinnenminister Friedrich. Der will derzeit die olympische Medaillenvorgabe an die Sportverbände – eine Information, die in Großbritannien in aller Selbstverständlichkeit öffentlich ist – auf Kosten des Steuerzahlers mit einer teuren Anwaltskanzlei geheim halten.

Früher wäre ein Jens Weinreich ein Stachel im Fleisch der Mächtigen gewesen. Einer, den man nicht mag, aber was soll man tun.

Heute – sorgt man für ein Berufsverbot im Deutschlandradio. 

Gesine Dornblüth sagt weiter über Weißrussland:

“Unabhängiger Journalismus in Weißrussland hat es äußerst schwer. Mindestens ein Kollege sitzt derzeit wegen angeblicher Verleumdung Lukaschenkos im Gefängnis. Kritische Journalisten werden eingeschüchtert und daran gehindert, ins Ausland zu reisen. Dazu kommt wirtschaftlicher Druck. Im vergangenen Jahr wurden zwei unabhängige Zeitungen aufgrund banaler Formfehler mit hohen Geldstrafen belegt. Manchmal werden ganze Ausgaben beschlagnahmt. Die Kollegen, die dort dennoch kritisch berichten, verdienen Respekt.”

Wenn sie es ernst meint, wird sie heute ihren Intendanten anrufen und ein paar deutliche Worte loswerden – oder kündigen.

 

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