DPA raubkopiert Inhalte von Gruner + Jahr – und andere Verlage zahlen dafür

by Thomas Knüwer on 19. Juli 2012

Glaubt man in diesen Tagen deutschen Verlagsmanagern, dann gibt es da draußen irgendwo ein Internet (eines, das nur sie empfangen) in dem ihre Inhalte in rauen Mengen raubkopiert werden. Nun, wir alle wissen, dass diese Verlagsmanager ein anderes Internet haben als wir. In unserem Netz, nämlich, sind es keine Blogger, die Inhalte raubkopieren – sondern Verlage wie Axel Springer. Ein Haus, das so laut wie kein anderes nach einem Leistungsschutzrecht schreit – bei dem aber das raubkopieren von Inhalten Alltag ist, wie wir kürzlich erst am Beispiel einer Fußball-Satire erleben durften (und wie wir es in den Fällen Plakat-Satire, Sarrazin-Interview und Kachelmann-Gespräch bereits kennen).

Tatsächlich aber gehört das raubkopieren journalistischer Inhalte zum Alltag der allermeisten Verlage – und anscheinend nun auch der Nachrichtenagentur DPA. Gestern fiel mir ein winziges, leicht zu übersehendes Beispiel dafür in die Hände wie sehr das Abschreiben voneinander inzwischen journalistischer Alltag in Deutschland ist.

Auf Focus Online fand ich die Meldung, dass eine Weinflasche per Kühlmanschette schneller kalt zu bekommen ist als im Eisfach.

Nicht uninteressant, wenn man Wein mag. Die Quelle aber für jene Meldung war der “essen & trinken”-Ableger “Für jeden Tag” aus dem Hause Gruner + Jahr. Hat Focus Online abgeschrieben? Nein – die DPA. Und so findet sich diese Meldung auch bei den Online-Ablegern von “Augsburger Allgemeine”, “Westfälischen Nachrichten”, Mitteldeutscher Zeitung” und “Schwäbische Zeitung”. Alle verwenden dabei das gleiche, von DPA mitglieferte Bild. Einen Linke auf “essen & trinken” setzt auch niemand – was verständlich ist, denn dort ist die Geschichte online nicht zu finden. Selbst wenn dies anders wäre, sollte man aber nicht mit einer Verlinkung rechnen.

Was also ist passiert? DPA schreibt eine winzige Meldung aus einem Magazin ab. Es ist keine hoch wichtige Recherche, keine Seiten lange Geschichte, die in der Agenturmeldung runtergedampft wird, es ist platte, kleine Lebenshilfe. Hätte ein Blogger dies getan, das Wehklagen wäre groß gewesen.

So aber ist es journalistischer Alltag (so man dies als Journalismus bezeichnen möchte) in Deutschland. Und für diese Agenturraubkopien wollen Deutschlands Verlage künftig nicht nur ein Leistungsschutzrecht – sondern auch noch Geld in Form einer Bezahlschranke.

In meinem Internet würden sich Verbraucher ob solcher Leistungen betrogen fühlen. Aber ich habe ja auch ein anderes Internet als Verlagsmanager.

(Warum Indiskretion Ehrensache nicht mehr auf Verlagsinhalte verlinkt, lesen Sie hier.)

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