“FAZ” und “Süddeutsche” gestehen: Unsere Artikel sind nicht lesenswert

by Thomas Knüwer on 24. Mai 2012

Heute geistert eine Klage der “Frankfurter Allgemeinen” und der “Süddeutschen Zeitung” durch die Mediendienste. Sie richtet sich gegen den Dienst Echobot, der mir zuvor noch nie bewusst begegnet ist.

Die Verlage werfen dem Dienst einerseits vor, ihre Logos ungerechtfertigterweise zu nutzen – was im Gesamtkontext lächerlich ist. Vor allem aber behaupten sie allen Ernstes, Echobot mache den Besuch ihrer Online-Auftritte unnötig.

Was tut Echobot? Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Der Dienst sammelt aus dem Netz Artikel zu einem gewünschten Thema. Diese werden kurz angerissen und verlinkt – als so eine Art Google News als PDF. Das sieht dann so aus:

Klickt man auf “Zum Artikel” landet man auf der entsprechenden Seite, zum Beispiel Meedia im unteren Fall.

Tja, und das soll Menschen davon abhalten auf FAZ.de oder Sueddeutsche.de zu gehen? Eine ähnliche Argumentation sehen wir ja auch bei Axel-Springer Chef-Lobbyist Christoph Keese, geht es um Google News.

Wir sollten uns dafür einfach mal bedanken. Denn ausnahmsweise sind die Verlage einfach mal ehrlich. Sie erkennen an, wie schlecht ihre Online-Auftritte sind. Denn wenn es reicht, mit diesen Winz-Passagen meinen Nachrichtenhunger zu stillen, dann ist dieser entweder sehr, sehr klein (was er nicht ist) – oder die angebotenen Artikel sind grauenhaft schlecht.

Mit ihrer Klage haben “FAZ” und “Süddeutsche Zeitung” uns einfach klar gesagt: Was sie im Internet veranstalten muss man wirklich nicht lesen.

Danke dafür.

Nachtrag vom 31.1.14: Es hat lange gedauert. Doch nun ist auch die “FAZ” eingeknickt. Der Verlag hat sich mit Echobot “geeinigt” – vor allem wohl, weil im Rechtsstreit keine Chance mehr auf einen Sieg bestand. Stattdessen arbeiten die Frankfurter – und das ist der einzig richtig Weg – mit Echobot zusammen.

Die vollständige Pressemitteilung verklausuliert das sehr hübsch:

“Die Karlsruher Echobot Media Technologies GmbH hat mit der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, nach einem Rechtsstreit in 2012, vereinbart, die Artikel der F.A.Z., der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und die Berichte von FAZ.NET in sein Leistungsangebot für Medienbeobachtung mit aufzunehmen.

Der Echobot Suchindex findet für Firmen und Agenturen automatisch alle aktuell relevanten Artikel und zeigt Treffer mit Quellen- und Reichweitenangaben in Form kurzer Textauszüge (sog. “Snippets”) an. Möchte der Kunde den Artikel im Volltext herunterladen oder in seinem Pressespiegel verwenden, kann er hierfür direkt einfache und rechtssichere Lizenzen erwerben.

“Wir freuen uns sehr, mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine der führenden deutschen Tageszeitungen in unser Angebot aufnehmen zu können. Wir ergänzen damit unser Beobachtungspektrum von Online, Print und Social Media und werden unsere Zusammenarbeit auch mit anderen namhaften Verlagshäusern weiterhin ausbauen”, so Echobot-Geschäftsführer Bastian Karweg.

Auch bei der F.A.Z. sieht man der Zusammenarbeit positiv entgegen:  „Das F.A.Z.-Archiv, der Content-Vermarkter der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, erschließt sich mit dieser Kooperation neue Kunden und einen weiteren Kanal zur Monetarisierung seiner Inhalte ” ergänzt Olivera Kipcic, Leiterin Verkauf Content und Nutzungsrechte im F.A.Z.-Archiv.”

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