Zeitungsverleger, ihr werdet den Kampf verlieren!

by Thomas Knüwer on 30. Januar 2012

Ein kleiner Hinweis. Der folgende Text ist nicht ernst gemeint. Er ist eine ironische Fingerübung. Sollte irgendein Paul Josef Raue oder ein Wolf Schneider (wer diese Anspielung nicht versteht – ich komme demnächst noch darauf zu sprechen) daraus zitieren und behaupten, dies sei meine Meinung, so behalte ich mir die Option körperlicher Gewalt offen. Außerdem sollten Sie diese Geschichte lesen, bevor Sie den folgenden Text lesen – weil sie ihn an sonsten nicht verstehen. Hier Teile als Video:

Obwohl… darauf kann ich mich nicht verlassen. Also kurz: Ansgar Heveling ist Hinterbänkler der CDU und hat einen Kommentar für das “Handelsblatt” geschrieben, in dem es um die Gesellschaft im digitalen Zeitalter geht. Dieser Text ist so absurd dumm, dass man sich eigentlich nur über ihn lustig machen kann. Deshalb habe ich ihn einfach umgeschrieben – und so viele Worte musste ich gar nicht austauschen…

Würde das “Handelsblatt” auch diesen Text abdrucken?

 

Zeitungsverleger, ihr werdet den Kampf verlieren!

Liebe „Verleger“, Tageszeitungen sind bald Geschichte. Die Zeit der „täglichen Nachrichtenschau“ geht vorbei – die Frage ist nur, wie groß die Schäden sind.

Die aktuellen Diskussionen über das Leistungsschutzrecht und die Diskussionen zur Pressefusionskontrolle verfügen über alle Elemente, um – endlich? – den lang erwarteten und von einigen vielleicht ersehnten „Clash of Civilizations“ zu provozieren. Es ist der Kampf zwischen der schönen alten, gedruckten Welt und dem realen Leben. Während die „print natives“ den realen Menschen zum Nerd erklären, vergessen sie dabei, dass es sich bei dieser Lebensform um die große Mehrheit der Menschen handelt. Auf Mehrheitsverhältnisse haben Revolutionen indessen nie wirklich Rücksicht genommen.

Die mediale Schlachtordnung der letzten Tage erweckt den Eindruck, wir seien im dritten Teil von „Der Herr der gedruckten Ringe“ angekommen, und der Endkampf um Mittelerde stehe bevor. Das ist die Gelegenheit, schon jetzt einen vorgezogenen Nachruf auf die Helden von Pressen und Lettern, die Kämpfer für A und Z zu formulieren. Denn, liebe „Verleger“: Ihr werdet den Kampf verlieren. Und das ist nicht die Offenbarung eines einsamen Apokalyptikers, es ist die Perspektive eines geschichtsbewussten Bürgers. Auch die gedruckte Gestrigkeit wird ihre Kinder entlassen. Und die Tageszeitung wird bald Geschichte sein. Es stellt sich nur die Frage, wie viel Redakteurs-Blut bis dahin vergossen wird.

Denn es ist Aufmerksamkeit geboten. Auch wenn die Tageszeitung als imaginäres Lebensgefühl einer verlorenen Generation schon bald Geschichte sein mag, so hat es allemal das Zeug zum Destruktiven. Wenn wir nicht wollen, dass sich nach dem Abzug der verlegerischen Horden und des Schlachtennebels nur noch die ruinenhaften Stümpfe unserer Gesellschaft in die Sonne recken und wir auf die verbrannte Erde unserer Kultur schauen müssen, dann heißt es, jetzt wachsam zu sein. Also, Bürger, auf zur Wacht! Es lohnt sich, unsere bürgerliche Gesellschaft auch im Netz zu verteidigen!

Diese bürgerliche Gesellschaft mit ihren Werten von Freiheit, Demokratie und Eigentum hat sich in mühevoller Arbeit aus den Barrikaden der Französischen Revolution heraus geformt – so entstand der Citoyen. Und genau dort, in den Gassen von Paris im Jahr 1789, wurde die Idee der freien Rede geboren. Welche Errungenschaft wider die geistige Leibeigenschaft des Ancien Régime! Endlich konnte man – unabhängig von Herkunft und Status – mit seines Geistes Schöpfung offen Rede führen etwas anfangen. Diese Idee der freien Rede sollte sich als Motor für Innovation und Entwicklung auf dem europäischen Kontinent erweisen. Eine Idee, deren Bewahrung auch im digitalen Zeitalter lohnt.

Sie ist durch das Netz in Gefahr. Nicht weil Bits und Bytes aus sich heraus wie kleine Pacmans an den Ideen und Idealen unserer bürgerlichen Gesellschaft knabbern würden. Nein, es sind die Verleger, die hinter den Maschinen sitzen und eine andere Gesellschaft wollen. Die die totale Freiheit apostrophieren und damit letztlich nur die “Überwachung zu Gunsten der Entertainment-Industrie”, wie es Thomas Knüwer (sorry für das Ego-Zitat) genannt hat, meinen. Es ist eine unheilige Allianz aus der „Inhalte-Mafia“ und kapitalschwachen Volksvertreter, die hier am Werk ist. Auch wenn sie sagen, sie seien die Guten – nur weil man sagt, man sei gut, ist man es noch lange nicht.

Nun haben BDZV und CDU in den letzten Tagen ihren starken Arm gezeigt. Doch BDZVlern und CDUlern dieser Welt, lasst euch zurufen: Auch wenn die CDU für einen Tag einen Kommentar im Handelsblatt bekomt und Christoph Keese twittert, ist das nicht das Ende des Wissens der Menschheit. Welche Hybris! Lasst euch gesagt sein: Das Wissen und vor allem die Weisheit der Welt liegen immer noch in den Köpfen der Menschen. Also, Bürger, geht auf die Barrikaden und zitiert Goethe, die Bibel oder auch Marx. Am besten von einem mobilen Endgerät!

Die fortschreitende Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft. Vieles wird einfacher. Auch dieser Text ist mit Hilfe der Errungenschaften der Digitalisierung entstanden. Und wir sollten uns zu wehren beginnen, wenn einzelne Menschen hinter den vielen Maschinen uns ihre Lebensentwürfe vorschreiben. Noch ist es dazu nicht zu spät.

Wir dürfen die Gestaltung der Zukunft nicht denen überlassen, die sich als  Bewahrer des Gestrigen verstehen und meinen, sie wüssten, was das Beste für die Masse Mensch vor den Maschinen sei. Christdemokraten sind jedenfalls dabei der schlechteste Ratgeber. Sie achten das freie Denken der anderen nicht, setzen ihr Tun nur für den eigenen Vorteil ein, sind darauf bedacht, jeden Posten zu errafen, den sie von Lobbyisten kriegen können. Und offensichtlich sind Narzissmus und Lobbyismus Zwillinge. Natürlich soll niemandem verboten werden, via Delegationsresie seine zweite Pubertät zu durchleben. Nur sollte man das nicht zum politischen Programm erheben. Jetzt haben wir noch die Zeit, diesem Treiben Einhalt zu gebieten. Wir brauchen den Citoyen, dem Werte wie Freiheit, Demokratie und Eigentum auch im Netz am Herzen liegen.”

Nachtrag: Bei Steve R. noch eine Version – diesmal mit der Politikgemeinde…

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