Startup-Gründer: Deutschlands ignorierte Zukunft (inkl. Verlosung)

by Thomas Knüwer on 30. August 2011

Geht es um Firmengründer, werden selbst bissigste Wirtschaftsjournalisten zu Kuschelkätzchen. Das sonst so aggressive “Manager Magazin”, zum Beispiel singt wagnerianische Lobeshymnen auf Deutsche wie Heinz-Horst Deichmann oder Hans-Peter Stihl in seiner Hall of Fame. Auch das “Handelsblatt” wählt die hässliche angelsächsische Vokabel für seine Ruhmeshalle des Mittelstands (Freunden ideenloser Flash-Grafiken sei übrigens das hier empfohlen) in der Menschen geehrt werden wie Albert Boehringer oder Carl Zeiss.

Diese Gründer aus der deutschen Historie werden in diesen Zeiten glorifiziert und als große Vorbilder inszeniert. Mit Recht. Es scheint, solche Persönlichkeiten gibt es heute nicht mehr. Und genau hier entpuppt sich der deutsche Wirtschaftsjournalismus als ewiggestriges und fortschrittsignorantes Historienkabinett.

Denn selten war mehr Gründung als heute. Nur: Es geht um das Internet. Und das Internet mag der Journalist nun mal nicht.

So entgeht praktisch allen Wirtschaftsmedien, was da in Berlin passiert. Die seit dem Zweiten Weltkrieg praktisch unternehmensfreie Hauptstadt ist eine der spannendsten Startup-Orte der Welt geworden. Noch vor zwei Jahren allerdings wurde die Branche dominiert von Copycats. Es war eine Art Sport möglichst schnell eine viel versprechende Geschäftsidee aus den USA zu übernehmen und zu adaptieren.

Das aber hat sich geändert.

Die Zahl originärer Idee steigt, internationale Investoren sind vor Ort, die ersten weltweit erfolgreichen Startups sprießen unbemerkt von der medialen Öffentlichkeit in Deutschland. Zum Beispiel gibt es die 6 Wunderkinder, die mit Wunderlist die momentan beste To-Do-App für das iPhone entworfen haben. Hier ihre eindrucksvolle Nutzerstatistik:

Oder das Meinungsportal Amen, über das dank Investor Ashton Kutcher auch Techcrunch schon berichtete. Und natürlich Wooga, die Nummer zwei unter den Facebook-Spiele-Anbietern. Wobei Wooga mit 100 Mitarbeitern und wöchentlich zwei Neuen eigentlich kein Startup mehr ist – sondern ein Mittelständler. Jüngst taten sich eine Reihe der Hauptstadt-Gründer zusammen und riefen auf, endlich gegen das Vorurteil “Alle nur Copycats” vorzugehen. Doch nicht nur in Berlin tut sich Spannendes. Ibo Evsan mit seinem Fliplife bekommt wenigstens ein wenig mediale Öffentlichkeit – doch damit ist er eine Ausnahme.

Denn Deutschland ergeht sich im “Früher war alles besser”. Das betrifft die Medien genauso wie Politiker, die nicht erkennen, dass Startups Arbeitsplätze mit Zukunft bedeuten. Und das betrifft genauso angestammte Manager, die sich nicht mit Gründern und Hall-of-Famern der Zukunft vernetzen.

Ob sich das so schnell ändern kann? Irgendwie muss es das. Denn es geht um Arbeitsplätze und um die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Derzeit können wir sehr, sehr gut Autos bauen. Nur die sind absehbar nicht mehr so fürchterlich toll gefragt wie einst. Wer von Zukunftstechnologien spricht und von Ingenieursmangel, der sollte anschließend beginnen, sich mit der neuen Generation der Technikgründer zu befassen und sie zu fördern.

Eine Gelegenheit dazu bietet – Achtung, jetzt kommt der werbliche Teil – die Startup-Konferenz Advance, die am 19. und 20. September in Köln stattfindet.

(Hinweis: Ich werde dort zwei Tage lang gegen Honorar der Moderator sein.)

Die Veranstalter haben für die Leser der Indiskretion zwei Freitickets zur Verfügung gestellt. Wer also nach Köln möchte, der schreibe in die Kommentare bitte sein aktuelle spannendstes deutsches Startup. Unter allen Kommentatoren werden die beiden Tickets einzeln verlost (Rechtsweg ausgeschlossen; Auslosung am 5.9.).

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