Die mangelnde Qualität der Online-Angebote

by Thomas Knüwer on 9. Juli 2010

Sprechen Verlagsmanager über ihre Produkte, so brüsten sie sich der Qualität, die sie liefern. Alles sei doch so toll. Und im Internet mögen die Öffentlich-Rechtlichen sich doch bitte zurückhalten um die funkelndbrilliantetolltolltolle Leistung der Zeitungshäuser nicht zu gefährden.

Man darf dieser Meinung sein – wenn man nicht genauer hinschaut. Tatsächlich ist die journalistischer Qualität vieler Online-Angebote geprägt von Schlampigkeit und Fehler produzierender Automatismen. Der Leser gewinnt den Eindruck, dass der größere Teil aller Artikel irgendwie online abgelaicht wird ohne, dass noch mal jemand draufschaut.

Hier nur einige Fälle aus der jüngsten Zeit. Zum Beispiel jene absurde Bildwiederholung des “Schwäbischen Tagblatt”. Jeden Tag lesen Iphone-Besitzer, die so dumm waren, für die Premium-Ausgabe der Springer-Anwendung “Mein Klub” Geld zu bezahlen unter jedem Artikel: “Hier geht’s zum Bundesliga-Forum!” – klicken lässt sich das nicht. Auch beim von mir so geschätzten “Guardian” ist das in dessen Iphone-App nicht anders. Welt Online lässt Agenturmeldungen automatisch einlaufen, so dass kryptischer Buchstabensalat auftaucht:

Und einen neuen Tiefpunkt lieferte heute die “Berliner Morgenpost”, wie Le Gourmand beobachtete: Unter einem Foto tauchten die Adresse, die Handy-Nummer und die Kontodaten des Fotografen auf. “Ein automatisch generierter Fehler” sei das gewesen, teilte mir die Axel-Springer-Pressestelle mit. Man habe sich beim Fotografen entschuldigt.

In Zeitungsredaktionen landen immer mal wieder Leserbriefe mit Abo-Kündigungen oder deren Androhung. Begründung: Es gebe zu viele Schreibfehler im Blatt. Das ist in vielen Redaktionen regelmäßiger Anlass für Standpauken der Chefredaktion.

Wenn in Print Rechtschreibfehler zum Abwandern einladen, was tun dann all die Schlampereien im Web? Richtig, die Leute klicken nicht mehr hin – oder sind schnell wieder weg. Und fragt man sie, erteilen sie vernichtende Urteile wie jüngst bei Der Westen.

Im Internet verdienen viele Verlage weniger Geld als in Print. Daran ist weniger das Internet Schuld oder eine herbei halluzinierte Gratiskultur – sondern zu einem gewichtigen Part die gelieferte Qualität.

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1 Bela 13. Juli 2010 um 11:35

Auch wenn ich dem Artikel sehr zustimme, muss ich doch einen Aspekte anwürgen: Die “Beschwerdebriefe” wegen Rechtschreibfehlern sind ein überbleibsel nostalgischer Deutschlehrer. Die Leser sollen sich nicht über das eine oder andere Fehlerchen aufregen, denn Formalien sind bei weitem nicht alles.

Zumal es meiner Meinung nach wichtiger wäre, sich über den Spin-Doctor-Anteil der Nachrichten aufzuregen, oder die fehlende Berichterstattung in bestimmten Bereichen, als über verschobene Kommas und Buchstabendreher. Da braucht der Chefredakteur dann auch nur den Rasierspiegel für die Standpauke.

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