Das Ende des Anschreiens

by Thomas Knüwer on 6. Mai 2010

Einer der wahrsten Sätze der modernen Medienwelt stammt von Gapingvoid:

if you talked to people like advertising

(Bild unter CC-Lizenz von Gapingvoid)

Das Internet verändert die Art und Weise, wie wir mit einander umgehen. Zum Beispiel entwickeln viele Menschen eine Aversion dagegen, hilflos angeschrien zu werden. So wie es eben Werbung häufig macht – Media Markt und Saturn sind da gute Beispiele.

“Aber Moment mal”, wird da mancher einwerfen, “die Leute schreien sich doch ständig im Internet an. Das ist doch alles ganz, ganz unflätig und ungehobelt.”

Und das stimmt. Mancher Ton im Netz ist daneben. Trotzdem ist die Situation hier anders. Denn sich gegenseitig anzuschreien ist etwas anderes, als auf einem Stuhl gefesselt und geknebelt beschrien zu werden. Man kann sich nicht wehren. Man wird wahnsinnig. Weil Schreien nichts angenehmes ist.

Künftig, davon bin ich überzeugt, gewinnen Unternehmen, die aufhören zu schreien und beginnen zu reden – nicht nur im Digitalen via Social Media. Nehmen wir nur den Smoothie-Hersteller Innocent.

Ein solches Produkt wäre einst sicher beworben worden mit “Der Schuss Gesundheit am Morgen”, “Alles Natur!” oder “Trink Dich schön!” beworben worden. Heute steht auf der Flasche schlicht “Obst zum Trinken”. Und auf der Rückseite wird gemenschelt:

Innocent smoothies Pusteblume klein“Die Powerpoint-Präsentation und der Innocent-Smoothie haben etwas gemeinsam: viele Buchstaben. Während sich jedoch die Buchstaben in einer Powerpoint-Präsentation zu Tode langweilen (merkt man ihnen sogar an, wenn man genau hinsieht), sind diese hier blendend gelaunt Die üble Laune grauer Powerpoint-Buchstaben rührt daher, dass sie gemeinsam mit billigen Keksen in sticken Räumen hausen. Und niemals Obst bekommen. Ein Glück also, dass es nicht nur Präsentationen gibt, sondern auch Smoothies, die man dazu genießen kann.”

Nein, wir lassen uns nicht mehr gerne anschreien, ohne dass wir zurückschreien können. Und das betrifft nicht nur Werbung, sondern auch die Medien. Wer sich fragt, warum das Fernsehen ein Problem haben soll, der betrachte bitte folgendes Video:

Television is a drug. from Beth Fulton on Vimeo. (Gefunden im Kraftfuttermischwerk.)

Und dann darf man sich auch noch fragen, wie es denn künftig um Werbung im Fernsehen bestellt ist.

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