Ich habe ein Problem: Soll ich Matthias Döpfner noch ernst nehmen, wenn er öffentlich etwas von sich gibt?
Einerseits sollte man das. Der Mann leitet das Haus Axel Springer. Das ist eine Funktion, die Respekt einfordert.
Andererseits äußert er einiges an Unsinn in diesen Tagen. So die Behauptung, es koste in den Verlagen “tausende von Arbeitsplätzen” wenn das Verkaufen von Iphone- Applikationen kein Erfolg werde.
Sicher, das ist vor allem eine von Grundschülern als politisch zu erkennende Äußerung im kindischen Kampf gegen eine Tagesschau-App. Wenn dem aber so ist, dann darf man eben nicht mehr ernst nehmen, was Döpfner so daher redet. Und das ist bitter. Denn nicht zahlungsunwillige Iphone-Nutzer, ARD oder ZDF kosten tausende von Verlagsarbeitsplätzen – sondern realitätsferne Medienmanager.
Und der Verlust dieser Arbeitsplätze ist ein zu ernstes Thema um ihn für billige Spielchen zu missbrauchen.
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Ich verstehe den Hintergedanken nicht, weshalb Springer et al sich so gegen die kostenlos App der ARD wehren. Glauben die wirklich, wenn sie das verhindern, dass dann die Leute das Bezahlangebot von z. B. Bild nehmen? – Das wäre sehr blauäugig. Und in der Tat würde ich mir als Springer Mitarbeiter große Sorgen machen, wenn das die Strategie der Führung ist.
Ganz meiner Meinung. Ich gestehe: ich bin öffentlich-rechtlich. Aber ich bin auch ein eigenständig denkender Mensch. Deshalb habe auch ich heute Nacht Herrn D. einen blogpost gewidmet. http://gutjahr.biz/blog/2009/12/von-apps-und-apparatschiks/
Die Presse versucht jede Art von kostenloser Konkurrenz zu verhindern. Sie merkt dabei nicht, dass sie es nicht verhindern kann. Weil am Ende immer irgendjemand da sein wird, der den Traffic einsammelt, der “übrig” bleibt, wenn alle anderen auf Pay umgeschaltet haben wird. Denn es ist nicht so, dass man über Werbung kein journalistisches Angebot finanzieren kann, es ist nur so, dass man über Werbung in Deutschland keine 159 Tageszeitungen im Netz finanzieren kann. Fünf oder zehn aber sehr wohl. Und darauf wird es hinauslaufen. 80% der Jounalisten werden ihren Job verlieren. Vielleicht 5% werden sich hinter eine Paywall flüchten können (auch weil sie so originären/speziellen/werthaltigen Content produzieren, dass man dafür bezahlt), der Rest wird bei Spiegel Online, FAZ oder ähnlichen Dickschiffen arbeiten und dort auch werbefinanziert überleben können (weil dort dann 90% der Werbegelder aufschlagen).
Wieso auf einmal das iPhone das einzige seeligmachende Produkt ist, verstehe ich sowieso nicht. Ich habe (bis auf den Finanzbereich) noch keine App gesehen, die ein Presseprodukt so aufbereitet, dass ich dafür zahlen würde. Das sieht doch eher nach massiver Verzweiflung bzw der letzten Hoffnung aus …
Offen gestanden: Ich kann den ganzen Zirkus um die Tagesschau-app überhaupt nicht nachvollziehen. Ich abonniere sie schon seit Monaten als Podcast, ein Format in dem sie schon seit mehreren Jahren verfügbar ist – ohne irgendeine Regung der Verleger (wissen sie, was das ist?). Es ärgert mich zwar, dass an allen Ecken und Enden GEZ-Gebühren verlangt werden, um diese dann auf jede erdenkliche Art und Weise aus dem Fenster zu pusten (mein Lieblingsbeispiel ist und bleibt der sonntägliche Tatort, den sich jeder um 21.45 Uhr, also just nachdem er im Ersten gerade zu Ende ist, direkt nochmal auf Einsfestival ansehen kann). Fakt ist aber: Die Tagesschau gehört zweifelsohne zu den subventionswürdigen Angeboten des Öffentlich-Rechtlichen. Fakt ist auch: Nicht die Qualität anderer Anbieter, sondern die eigene Qualität entscheidet darüber, ob Leser/nutzer bereit sind, Geld in die Hand zu nehmen. Es muss dies das Credo aller Verleger werden – sonst wird’s nix mit Paid Content!
“Der Mann leitet das Haus Axel Springer. Das ist eine Funktion, die Respekt einfordert.”
Wirklich? Ich hätte gedacht, dass jemand, der mitverantwortlich für die B-Zeitung ist, jede Form von Respektlosigkeit verdient hätte. Ansonsten würde ich keine Äußerung auf beiden Seiten besonders ernst nehmen. Das sind bloße Propagandaschlachten. Wobei es einen wichtigen Unterschied gibt: Wenn Verleger oder Zeitungen auf dem Kriegspfad Dinge veröffentlich, die mir nicht passen, kauf ich einfach deren Produkte nicht mehr. Wenn über öffentlich-rechtliche Kanäle Propaganda in eigner Sache geblasen wird, die mir missfällt, muss ich das hinnehmen und weiter finanzieren.
Richtig, hape, ich denke einen Schritt weiter:
Ich kenne keine Funktion auf der Welt, die von mir Respekt einfordern kann.
(1. Achtung, Anerkennung, Bewunderung, Hochachtung, Hochschätzung; (geh.): Ehrerbietung, Pietät, Wertschätzung; (bildungsspr.): Reverenz; (bayr., österr.): Anwert; (veraltend): Ästimation, Schätzung; (bildungsspr. veraltend): Distinktion.
2. Ehrfurcht, Scheu; (ugs. emotional verstärkend): Heidenrespekt.
© Duden – Das Synonymwörterbuch, 4. Aufl. Mannheim 2007 [CD-ROM])
Ich respektiere eine ganze Menge von Leuten.
Doch nur weil irgendwelche Leute eine Funktion ergattert haben, soll ich sie in deren Funktion respektieren? Fällt mir nicht im Traum ein, auch nicht 2010.
Das Merkwürdigste ist doch die Realitätsferne:
iPhone-Nutzer lesen doch nicht die “bild” oder
andere springer-”zeitungen”.
Die Appkäufer rekrutierten sich in erster Linie aus
Spinger-Mitarbeitern.
Wegen einer App zu jammern, deren Inhalte überwiegend auch als news.google-RSS-Feed oder vermutlich auch als RSS-Feed bei ARD oder PodCast usw. zu haben sind, ist armselig. Noch armseliger sind aber diejenigen (auch Presse) die nicht offen klarstellen, welche legalen kostenlosen Angebote es jetzt schon gibt. Viele Leute haben wohl doch noch kein Internet oder kennen Nachrichten-RSS-Feeds u.ä. Dinge nur vom Hörensagen.
Mit den tausenden Arbeitsplätzen hat er aber Recht:
Die EReader und IReader(Apple Tablett) und PDAs usw. werden viele Druckereien ziemlich alt aussehen lassen.
Das Herunterfahren von Papier-Print sollte heute schon geplant werden.
Die Inhalte kann man dann elektronisch beziehen und viel Holz und viel physischer Transport würde gespart.
Was auch gerne übersehen wird: 30 Euro kostet angeblich ein Welt-Abo pro Monat. Da sind 4-5 Euro für die 30-Tage-App schon sehr fair und angemessener als $1 für einen ITunes-Song. Und was kostet das handelsblatt bei Kindle ?
Und Apple hat im Gegensatz zu den anderen Systeme die einfach funktionieren und somit Ärger und Support-Kosten sparen.
Wenn ich DJV wäre, würde ich sowas selber organisieren. 1-5 Euro aufladen über alle Zahlungssysteme die es gibt und nicht zu viel Provision wollen und per Token/PIN/TAN/… Artikel oder Zeitschriften oder alte mehrteilige Reihen von Artikeln oder Heften online kaufen können. Gebühreneinheit ein Zehntel Euro-Cent.
Sowas wäre heutzutage trivial und günstig aufzusetzen und man könnte (wie T-Com bei “Liga Total”) manches altes Material noch mal verkaufen wenn man es effizient(=kostengünstig) aufsetzt.
Er hat halt einfach keine Ahnung
Der arme Mann, das gilt btw. auch für Diekmannchen.