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Seilfallen in der Mönckebergstraße

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Schreiben – das kann doch jeder. Recherchieren – auch. Reicht doch ein Anruf. So denkt mancher Verlagsmanager und wundert sich, warum die Produkte seines Hauses immer seltener gekauft werden. Verlage sind eine merkwürdige Unternehmenskonstruktion. Sie bedienen zwei unterschiedliche Märkte, die im Widerspruch zu einander stehen.

Da sind zum einen die Leser, die kritischen, unterhaltsamen, informativen, appetitlich aufgemachten Journalismus wollen, die Anzeigen aber bestenfalls als nötiges Übel hinnehmen.

Und da sind die Anzeigenkunden, die möglichst viele Leser haben möchten, aber bitte doch nicht zu viel Kritik, zu viel Negatives und über das eigene Haus doch bitteschön nur schöne Dinge.

Entsprechend sind Verlage aufgeteilt. Da gibt es den kaufmännischen Bereich, der Journalisten oft genug für schlecht angezogene Berufsherummäkeler ohne Kinderstube hält. Und die Redaktionen, die misstrauisch beäugen, was „der Verlag“ so treibt.

Seit Jahrzehnten, ja seit Jahrhunderten, finden diese Seiten kein Verständnis füreinander. Das war kein so großes Problem, so lange Zeitungen und Zeitschriften keine große Konkurrenz hatten. Nun aber ist der Kampf um Werbung härter geworden, der Kampf um Leser erst recht. Die Verlage stehen in der Schlacht mit zwei Truppenteilen, die einen Zangenangriff versuchen. Nur weiß die rechte Seite nicht, wie die linke vorgeht und umgekehrt. Sie sollen sich nicht vermischen – das wäre der Tod. Sie sollten sich aber verstehen und miteinander kommunizieren. Vor allem aber sollten sie voreinander Respekt haben

In diesem Sinne sei zitiert, was ich gerade bei Turi2 lese:
„In der Verlagsgruppe Bauer kursierte vor einiger Zeit ein Bonmot, das die Wertschätzung verdeutlichte, die das Zeitschriftenhaus Journalisten zuteil werden ließ. Wer Redakteure brauche, heiß es im Verlag, müsse nur ein Seil über die Hamburger Mönckebergstraße spannen. Passanten, die darüber stolperten, ließen sich problemlos in jeder Redaktion einsetzen.“
Kai-Hinrich Renner in „w&v“ vom 28. April 2006.

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