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Mein Herz schlägt schneller beim Blick aus dem Fenster des Narita Airports in Tokio. Da steht eine Maschine der japanischen Airline ANA – im Look von R2D2. Als „Star Wars“ Fan ein Traum, cool, Foto machen, weitergehen.

Auch in Deutschland fliegen ja enige, wenige Flugzeuge mit Marketing-Bemalung umher. Die Bekannteste, zumindest die am meisten fotografierte, dürfte der Eurowings-Flieger von Borussia Dortmund sein.Auch einen Haribo-Jet gibt es und gefühlt habe ich noch zwei, drei andere gesehen – ohne sagen zu können, welche Motive sie für wen durch die Gegend flogen.

Das Bemerkenswerte: Die Zeit dieses Marketing-Instrumentes scheint sich dem Ende entgegen zu neigen. Die Partnerschaft zwischen Eurowings und BVB endet wohl, die Dortmunder suchen eine neue Airline. Auch der Haribo-Flieger ist von uns gegangen, TUIFly startet jetzt noch für den Robinson-Club und den Fotobuch-Hersteller Cewe. 

Praktisch immer sorgen sie für Aufmerksamkeit und dienen als Fotomotiv. So ist die BVB-Maschine hunderte von Malen auf Instagram zu sehen, ständig wird sie zumindest von meinen Kontakten auf Facebook und Twitter gepostet, immer mit zu- oder abneigenden Kommentaren gegenüber dem Club versehen.

Abgesehen aber von dieser optischen Reichweite passiert nicht viel, Passagiere fliegen mit diesen Maschinen wie mit jeder anderen.

Dabei geht es auch anders. Das realisierte ich in Tokio. Denn als wir beim Gate ankommen stellt sich heraus: R2D2 wird uns nach Düsseldorf bringen.

Doch davon hat man ja aus den Erfahrungen heraus nicht mehr viel, man sitzt ja drinnen und kann nicht raus gucken auf die Lackierung.

Japaner aber streben nach Perfektion und deshalb begrüßt uns am Eingang des Flugzeugs: Yoda auf dem Arm einer Flugbegleiterin. Wer da nicht überrascht auflacht, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Innen aber geht es weiter. Die papierenen Kopfstützenschoner sind genauso im R2D2-Design gehalten, wie die Servieten und die Schürzen der Flugbegleiter.

Die Sicherheitshinweise werden gesprochen von… C3PO. Klar, R2 würden wir Menschen ja nur so mittelmäßig gut verstehen.

Dann der Pushback und es ertönt das Titelthema von Star Wars, während die Deckenbeleuchtung eine rot-weiß-blaue Lightshow abzieht.

Am Ende des Fluges dann die Verabschiedung von C3PO: „May the force be with you“.

Damit wir alle uns an diesen Flug erinnern – und welcher Star Wars-Fan unter den Passagieren würde das nicht ohnehin? – gibt es eine Postkarte und eine Plastikkarte als „Boarding Certificate“.

Ja, so lässt sich eben eine Kooperation auch spielen. Mit Liebe zum Detail, mit Augenzwinkern, mit Kreativität.

Damit setzt die ANA sich ab in einer Marketingwelt, in der es sehr viele Kooperationen zwischen Marken gibt, doch bei der die meisten aus dem Abdrucken eines Logos auf dem Produkt der anderen Seite besteht. Experiental Marketing ist derzeit angesacht und die ANA zeigt mit relativ überschaubaren Mitteln, wie Fluggästen nicht nur ein Moment der Freue bereitet wird, sondern ein Flug, den sie nicht vergessen.

Was wäre zum Beispiel, wenn in der BVB-Maschine gefragt würde, ob man den Club mag oder nicht? Und es entsprechend ein Goodie gäbe, das darauf Bezug nimmt? Was wäre, wenn Dortmunds Stadionsprecher in die Sicherheitshinweise eingebunden würde? Wenn es einen Gutschein mit Rabatt für den Fanshop gäbe?

So weitergedacht könnte Airplane-Marketing für viele Marken sinnvoll sein. Denn schnöde Werbung, die wird heute ausgeblendet. Ein Erlebnis, mit dem Verbraucher nicht rechnen, behalten sie aber im Kopf und erzählen es weiter. So wie jener Flug mit R2D2.


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