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Stellen Sie, liebe Leserinnen und Leser, sich bitte folgende Situation vor:

Sie sind in einem selbstfahrenden Auto unterwegs auf der A43 kurz vor Münster. Das Tempo ist hoch, denn eine Geschwindigkeitsbegrenzung gibt es dort nicht. Sie machen es sich gemütlich, lesen gerade auf ihrem Handy E-Mails oder sehen die tolle Amazon Prime-Serie „Homecoming“ mit Julia Roberts.

200 Meter von ihnen entfernt setzt zur gleichen Zeit der Besitzer eines alten Lanz Bulldog-Treckers sein Gefährt zurück, er will sich aufmachen zu einer Oldtimer-Show. Jener Lanz Bulldog fährt noch nicht autonom und ich brauche diese wilde Vorstellung nur, um die Folge des Zurücksetzens in die Geschichte einzubauen: Der Lanz erschüttert einen Mast, auf dem die lokale 5G-Funkantenne sitzt. Ob des Aufpralls stellt sie die Arbeit ein.

Was passiert nun mit Ihnen und ihrem selbststeuernden Gefährt, geneigte Lesende?

Klar, E-Mails kommen nicht mehr rein, Julia Roberts erstarrt zum Standbild.

Und das Aut0?

Glaubt man Angela Merkel, Telekom-CEO Timotheus Höttges oder vielen, vielen Journalisten, dann müsste es entweder bei vollem Tempo quietschend in die Bremsen gehen oder sich auf den Seitenstreifen stellen.

Denn: Ohne eine 5G-Verbindung ist ja kein autonomes Fahren möglich, behaupten sie.

Beispiel „Handelsblatt“ vom 30. August 2018. Dort heißt es in einem langen Artikel über den 5G-Standard:

„Ein naheliegendes Beispiel sind selbstfahrende Autos. Sie können ihr Potenzial erst entfalten, wenn sie in Echtzeit auf Veränderungen reagieren. Niemand würde Fahrzeuge auf deutschen Straßen zulassen, die nicht bremsen, wenn ein Kind vor den Wagen springt. Bislang arbeiten die Anbieter mit der WLAN-Technologie, mit Sensoren und Signalen von Satelliten. Aber BMW, Daimler und Volkswagen wie auch Toyota und andere hoffen auf 5G als neue Trägertechnologie für das autonome Fahren. Sie pochen daher auf den flächendeckenden Ausbau des neuen Mobilfunkstandards..

Erschließen die Netzanbieter nämlich nur die lukrativen Großstädte und Ballungsräume, wären Deutschlands ländliche Regionen vom autonomen Fahren ausgeschlossen…“

Die „FAZ“ dagegen berichtet über den Auftritt von Telekom-Chef Höttges beim DLD im Januar: „Die neue Mobilfunktechnologie 5G sieht er als künftiges Schatzkästlein für die gesamte Telekommunikationsbranche. Denn ohne 5G können wir uns die schöne neue Zukunft des Internets der Dinge oder der selbstfahrenden Autos abschminken, so Höttges‘ Fazit.“

Nachdem wir nun zu Beginn jene kleine Fantasia vom bösen Bulldog in unseren Köpfen komponiert haben: Sehen Sie unter diesen Umständen eine positive Zukunft für selbstfahrende Autos in Deutschland? Wird die teutonische Instanz Tüv tatsächlich Fahrzeuge zulassen, die auf eine Mobilfunkverbindung angewiesen sind, wenn diese jederzeit von einem Lanz Bulldog, einem knabberndem Mader, einem Wartungstechniker oder einen Blitzschlag gefährdet werden kann?

Natürlich nicht.

Selbstfahrende Autos brauchen kein 5G

5G als Voraussetzung für autonomes Fahren ist ein urbaner, besser ein politikaler oder medienaler Mythos. Selbstfahrende Autos kommen wunderbar ohne klar. Müssen sie auch. Denn welche Genehmigungsbehörde würde grünes Licht für sie geben, wenn es anders wäre? Die Gefahr wäre viel zu groß, dass mit einem Mal alle autonomen Fahrzeuge voll in die Eisen gingen, passierten sie ein Funkloch, was gleichzeitig die verbliebenden Non-Autonomen zu tollkö. Sicher an den Rand fahren geht ja nicht: Als autonome Fahrzeuge mit 5G-Basis können sie ohne 5 G ja nicht autonom sicher an den Rand fahren – der Mensch hinter dem Lenkrad (so es noch existiert) müsste in einer hundertstel Sekunde die Steuerung übernehmen und sich gleichzeitig einen Überblick über die Lage verschaffen: ein sicherer Weg in den Crash.

Wie funktioniert autonomes Fahren also? Allein über Sensoren und Kameras. Das ist heute schon so, bestätigt auch Elon Musk im hörenswerten Recode-Podcast:

„Well, the main challenge has been improving the neural net so that we can recognize all types of objects from all eight cameras. There are eight cameras: Three forward, two on each side, and one rear. The big challenge has been solving a wide range of corner cases. So if you have a —

Frage: These are things that just happen.

Yeah, the roads are pretty messy, so you could have, say, skid marks on the road that look like a line. Sometimes tar seams look like a line. Sometimes the lines are just painted wrong, for some reason. One of our biggest challenges, actually, with Drive on Navigation was dealing with forks and gores, where if a lane is splitting, you need to be confident that you’re going either left or right, not down the center. And the car will come to a halt at the first intersection.

Now we’re integrating stop signs, traffic lights, being able to do, say, hard right turns or hairpin bends and that kind of thing.

Frage: What about regulations? The regulatory environment right now? Because that’s gonna be part of it, or else building out infrastructure that will have sensors in roads or things like that? How do you look at that, or you’re just not even thinking about it?

Yeah, we’re not really thinking about it. We’re assuming that there won’t be —

Frage: You’re not assuming.

No. The car needs to drive better than a human driver using the same inputs as a human driver. Eyes are basically just cameras. All creatures on Earth navigate with cameras. A fish eagle can see a fish from far away and take into account the refractive index of the water, dive down and get the fish from far away. There’s no question that image-recognition neural nets and cameras, you can be superhuman at driving with just cameras.“

Fällt Ihnen was auf? 5G spielt nicht mal in den Fragen eine Rolle.

Natürlich gibt es einen theoretischen Zusammenhang zwischen 5G und autonomen Autos. Sensorenergebnisse jedes Autos könnten sehr schnell weitergegeben werden und so das Fahren noch sicherer und angenehmer machen. So könnte zum Beispiel bei Aquaplaning das erste durch eine Pfütze fahrende Auto alle anderen warnen, die daraufhin ihre Geschwindigkeit anpassen. Doch dringend nötig ist dies nicht. Denn autonome Fahrzeuge fahren ja nicht in so reduziertem, gar drängelndem Abstand wie wir ungeduldigen Menschen. Sie werden sich immer auf Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden PKW begeben. Selbst wenn letzterer abrupt stehenbleiben würde, käme es nur zu eine sehr starken Bremsung.

Manches ließe sich sogar mit vorhandener Technologie verwirklichen. Denn eine lokale Kommunikation ließe sich schneller und zuverlässiger umsetzen, würden Autos eine Art Kommunikations-WLan-Netz um sich herum aufbauen. Das sagt zum Beispiel Professor William Webb, der ehemalige Telekom-Regulierer Großbritanniens laut BBC:

„“Self-driving cars have to be completely safe and reliable without mobile coverage, and if this is possible, then why do they need mobile coverage at all?“ says Prof William Webb, a consultant and author of the book The 5G Myth: When vision decoupled from reality.

„I agree car-to-car communications would be sensible and enhance safety, but that communication is available now within Wi-Fi protocols or 4G.

„For car-to-car communications you don’t need a network – the cars connect directly to each other.““

Kommen wir zu einem weiteren medienalen Mythos: Der Glasfaserausbau wird weniger wichtig, weil wir ja 5G bekommen.

Unsere Imaginationsübung zu Beginn dieses Artikels war ja keine spektakulär herausfordernde, intellektuelle Verschränkung (hoffe ich jetzt mal für Sie). Sie hat auch (nochmal: hoffentlich) nicht allzu viel Zeit in Anspruch genommen. Ich bin sogar geneigt zu schreiben: Das Ergebnis war logisch und mit ungefähr 26 Sekunden Denken zu erreichen.

Genauso könnte man mit marginal mehr Aufwand – sagen wir 47,3 Sekunden Imagination – zur Erkenntnis gelangen, dass der neue Mobilfunkstandard 5G und die Abdeckung mit Glasfaser unmittelbar miteinander in Zusammenhang stehen.

Ohne Glasfaser kein 5G

Denn wo kommen denn jene Daten her, die von einem 5G-Mast verbreitet werden?

Viele glauben – und deshalb sind jene 21,3 Sekunden mehr Denkaufwand nötig –, dass sie wie bei einer Eimer-Löschkette von Funkmast zu Funkmast gereicht werden. Die Wahrheit jedoch ist: Funkmasten brauchen Glasfaseranbindung, um ihre Daten zu ziehen. Und da die 5G-Technologie eine geringere Funkreichweite als LTE hat, müssen die Masten enger beieinander stehen. Was bedeutet, die sie speisenden Leitungen müssen zu einem noch engeren Netz geflochten werden – und zwar bevor 5G angeboten werden kann.

Fast unverschämt wirken mit diesem Wissen Aussagen wie die von Internet-Staatssekretärin Dorothee Bär, dass die Infrastrukturdebatte sie langweile (im Gegensatz zu Flugtaxis anscheinend). Gegenüber der „Welt“ versuchte sie das klarzustellen und ritt sich nur weiter rein:

„Bitte nicht falsch verstehen: Wir brauchen auch Glasfaser für eine erfolgreiche Digitalisierung. Ich habe mit „es langweilt mich“ nur gemeint, dass das für mich nicht das Synonym für Digitalisierung ist. Glasfaser allein ist erst recht nicht entscheidend für die Frage, ob wir eine erfolgreiche Digitalnation werden. Das sind nur die Grundhausaufgaben.“

Das ist ungefähr so, als wenn ein Architekt erklärte, das Fundament sei nicht entscheidend für die Frage, ob sein Haus bewohnbar würde. Doch, Glasfaserleitungen sind ein (nicht DAS) Synonym für die Digitalisierung, weil ohne sie Digitalisierung nicht möglich sein wird.

Wie spannend solch eine Infrastrukturdebatte sein kann, zeigt ja die Vermischung unserer beiden Denkexperimente. Denn was lesen wir zum Beispiel heute bei der Tagesschau:

„Der bisherige Plan sieht vor, dass bis Ende 2022 die 5G-Technologie entlang der Autobahnen und an 5300 Kilometer Bundesstraßen verfügbar sein soll.“

Könnte es also sein, dass der Schwerpunkt des 5G-Ausbaus auf die Nähe zu Autobahnen gelegt wird, weil Politiker fälschlicherweise glauben, selbstfahrende Autos benötigten schnelle Datenverbindungen?

Nachtrag: Vielleicht sollten wir auch einfach die Hoffnung aufgeben. Denn die neue bayerische Digitalministerin Judith Gerlach sagt allen Ernstes: „Digitalisierung ist jetzt sicher nicht mein Spezialbereich, aber ein absolutes Zukunftsthema.“


Kommentare


Stephan Noller 16. November 2018 um 18:10

Ich kann das in dieser Pauschalität nicht teilen. Wir beschäftigen uns viel mit dem Thema und sind auch teilweise in Versuchs-Settings involviert, wo heute schon 5G getestet werden kann (dabei geht es z.T. auch konkret um aut. Fahren). Von daher kann ich sagen: es wird mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Rolle spielen beim autonomen Fahren von Autos, mit absoluter Sicherheit aber für alle möglichen anderen Varianten autonomen Fahrens, wie z.B. in der Logistik. Trotzdem wird es car2car geben mit anderen Techniken, klar. Aber 5G besticht durch zwei Eigenschaften, die es zu einer Schlüsseltechnologie für die Digitalisierung machen wird. 1) extrem niedrige Latenzen (deutlich geringer als Wifi) und 2) extrem hohe Service-Qualität durch slicing von Frequenzen.
Und zum Thema Masten: ja, die brauchen wohl Glasfaser. Aber Glasfaser auf dieser Ebene gibt es schon lange, das hat mit dem allg. Glasfaser-Ausbau nix zu tun.

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Titus von Unhold 16. November 2018 um 19:14

Eine Voraussetzung für autonomes Fahren wird es trotzdem nicht werden. Denn auch digitale Musterländer wie Norwegen bauen nur da ihre Mobilfunknetze aus, wo Menschen Leben oder Straßen stark befahren sind.

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Thomas Knüwer 19. November 2018 um 9:09

@Titus von Unhold: Nun ist aber die Starkbefahrenheit von Straßen nicht gekoppelt an die Wohndichte. Dies trifft sicher auf Großstädte und Ballungsräume wie das Ruhrgebiet zu. Wer die A1 zwischen Osnabrück und Bremen befährt, sieht aber schnell, dass die beiden Faktoren in weiten Teilen nicht korrelieren. Zur Situation in Norwegen kann ich wenig sagen. Allerdings lohnt sich vielleicht ein Blick auf die Region Hjelmeland, die 2013 ein Musterbezirk für den Glasfaserausbau war – obwohl in ihr nur 2.800 Menschen auf breiter Streuung lebten.

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Thomas Knüwer 19. November 2018 um 9:13

@Stephan Noller: Entscheidend scheint mir hier der Begriff „eine Rolle“ zu sein. Welche denn? Stellt man diese Frage, landet man schnell bei den von mir geschilderten Fällen wie der Aquaplaning-Warnung. Das ist sicher schön und gut und sicher. Doch verliert sie dramatisch an Bedeutung, wenn wir uns vorstellen wie eine Welt autonomer Fahrzeuge aussieht: Die Wagen werden auf Sicherheitsabstand gehen und somit weniger gefährdet sein als heute.

In Sachen Glasfaser schüttele ich ein wenig den Kopf. Schließlich befindet sich unser Büro im Herzen Düsseldorfs und in einer Region, in der über klassische Wege 16Mbit-Datenleitung das höchste der Gefühle sind. Ich zweifele sehr (und ich bin ja nicht der einzige), dass ein 5G-Netz damit zu betreiben wäre.

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Gerrit van Aaken 17. November 2018 um 9:09

Verrückte Idee, aber wäre es nicht wünschenswert und pragmatisch, dass die Autos nur ein Trojanisches Pferd für die 5G-Technologie ist? So nach dem Motto: „Mit Netflix und Podcasting kriegen wir das 5G-Netz nicht argumentiert, lass uns das irgendwie mit Autos verbinden, damit kriegt man in Deutschland alles durch!“

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Günther Lietz 17. November 2018 um 19:13

Na ja, da wird mit Scheinargumenten hantiert um „always on“ durchzusetzen; kennt man ja von Computer- und Videospielen.

„Diese Funktion kann nur auf einem Server verarbeitet werden, keinesfalls lokal.“

Und am Ende startet das Auto nicht, weil die Server down sind. lol

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Platero 21. November 2018 um 13:08

Passend dazu: https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Downloads/DE/Sachgebiete/Telekommunikation/Unternehmen_Institutionen/Marktregulierung/Massstaebe_Methoden/FttH_FttB_Ausbau/1&1_Stellungnahme_FTTH_Regulierung.pdf?__blob=publicationFile&v=2, Seite 7, erster Satz:

„5G spielt bei den hier relevanten Überlegungen keine wesentliche Rolle, da 5G aufgrund mangelnder tatsächlicher technischen Leistungsdaten kein Substitut für einen hochbandbreitigen Festnetzanschluss darstellt.“

Soweit 1und1. Die sollten es wissen.

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Kai Becker 22. November 2018 um 13:22

1&1 sagt in dem Abschnitt doch nur, dass 5G kein Substitut für den Festneztanschluss darstellt. Also man kann mit 5G die Glasfaserleitung nicht ersetzen. Und genau das wird auch vom Autor erläutert. Glasfaserleitungen sind notwendig für 5G Mobilfunkmaste. Und 5G hat eine sehr vielversprechende Zukunft, wenn man sich die Anwendungsbereiche mal genau anschaut (IoT)

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Platero 22. November 2018 um 14:47

Mein Kommentar war eine Ergänzung, kein Widerspruch. Ich teile die Ansicht des Autors.

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Wilhelm Schwerdtfeger 22. November 2018 um 2:46

Danke für die sehr anschauliche und gleichzeitig witzige Darstellung. Man kann nur hoffen, dass die Mitarbeiter in den Ministerien die Dinge besser verstehen.
Allerdings dürfte man auch von Fachministern oder CEO mehr Sachverstand erwarten. Bei Herrn Hötges könnte man allerdings auch Absicht vermuten.

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Rafael Goretzki 22. November 2018 um 9:00

Leider haben wir an den Führungspositionen eine etwas ältere Generation sitzen.
Ein 5G Standard ist definitiv nicht ausschlag gebend für autonomes fahren!
Die Daten von Kameras und Sensoren werden im Fahrzeug selbst sehr zügig, wenn nicht sogar in Echtzeit, verarbeitet.
Da wäre die Übertragung in’s Netz eine Geschwindigkeitsbremse!

Soviel ich weiß nutz Tesla, Nvidia Performance (Grafik)karten.
Irgendwie muss man ja die Unmengen an Daten übertragen, analysieren und zurücksenden.
Eine Interne Datenbank ist dort die Lösung!

5G ist nur eine erneute Ausrede um den Glasfaserbau nach hinten zu schieben.
Deutschland aka digitales Entwicklungsland.

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Timon Gölz 22. November 2018 um 12:41

Ganz viel Fremdschämen, wenn ich so höre was die Politiker über Technik sagen. Bitte sende diesen Artikels in das betreffende Staatsministerium. Grob kann mann wohl sagen, 5G ersetzt Fiber To The Home, aber es ersetzt nicht weiteren Ausbau von Glasfaser, die Daten müssen ja zu den Masten. Da werden Äpfel und Kartoffeln von der Politik und vielen andern in einen Topf geschmissen. Danke für den tollen Artikel.

5G im autonomne Aute wird in erster Linie dazu gebraucht, dass alle 5 Insassen in 4K je einen andern Video streamen können 😉 Aber nicht dass das Auto autonom sicher fährt.

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Pit 22. November 2018 um 16:44

Schöner Artikel und besonders informativ für Leute, die kein Englisch können (auch das soll es ja heute noch geben!)

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Hartmut Jaspert 23. November 2018 um 10:40

Hallo Herr Knüwer,
bevor jemals in diesem unserm Lande selbstfahrende Autos in Scenarien wie die geschilderten phantasiert werden kann, muss ein hieb- un stichfester Nachweis der Sicherheit nach den gesetzlichen Regeln geführt und verifiziert werden. Nach meinen beruflichen gemachten Erfahrungen in 42 Jahren sind dies mindestens 1: 1 000 000 als Untergrenze der Möglichkeit , dass im Gesamtsystem Auto ein Fehler auftritt mit lebensgefährlichen Konsequenzen. Dies nennt mann Qualifikation. Einen Plan zu dieser Qualifikation aufzustellen und genehmigen zu lassen, dauert n.m.E. 3 Jahre. Der Qualifikationsprozess und dessen Auswertung und Bewertung dauert doppelt solange. Ich bin mal gespannt, wann und wie die Autoindustrie diesen Nachweis führen wird.

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Hintz 23. November 2018 um 16:31

Wer will eigentlich Automomes Fahren? Ich auf keinen Fall.
Dafür gibt´s die öffentlichen. Wir sollten unseren (Ingenieurs-) Grips lieber für wichtige Dinge benutzen.

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Thomas Knüwer 26. November 2018 um 9:41

@Hintz: Ihre Antwort ist durchdrungen von der Negierung eines der wichtigsten Werte der Aufklärung – der Abstraktion vom Ich. Sie beziehen Ihre eigene Position auf alle anderen und behaupten deshalb, die ganze Welt teile Ihre Meinung. Gestatten Sie mir, dass ich dies intellektuell unterdurchschnittlich herausfordernd finde.

Nehmen wir nur einmal an, der gesamte Individualverkehr würde sich auf „die Öffentlichen“ verlagern. Dies würde unmittelbar zu einem Zusammenbruch des Zugsystems führen, das ja schon heute sowohl technisch wie kapazitär seine Leistungsgrenzen überschritten hat. Natürlich könnte man auf Busse setzen, doch diese bringen erhebliche Transport- und Bequemlichkeitsprobleme mit sich. Als jemand, der 1,95 lang und mit Rückenschmerzen geplagt ist, darf ich bekennen: Ich kann ohne Schmerzen keinen Bus fahren.

Aber überschreiten wir doch mal die Grenzen des Bekannten. Stellen wir uns eine Welt vor, in der wir uns weitestgehend mit autonomen E-PKW bewegen. Wir würden uns entspannt reinlümmeln, natürlich mit funktionierendem Wlan und der Option das Gefährt zu verdunkeln. Egal, ob Arbeit, Entspannung, Schlaf oder Sex – wir könnten die Zeit sinnvoll nutzen. Ordern können wir die Wagen, wann immer wir wollen. Unfälle gäbe es praktisch keine mehr, denn die Fahrzeuge sind auf Sicherheitsabstand und mit extremst schneller Reaktionszeit ausgestattet. Folge: Wir können Reisezeiten sehr exakt vorhersagen. Über die Folgen für das Gesundheitssystem, weil sich die Menschen nicht mehr über die Bahn aufregen, mag ich nicht spekulieren.

Wer ist dieser Vision gegenüber abgeneigt? Allein jene, die heute hinter dem Steuer nicht-autonomer Fahrzeuge sitzen (und die Minderheit der Petrol Heads).

Wenn Sie also aus ihrer eigenen Postion heraus debattierend annehmen, dass keiner Autonomes Fahren wünscht, dann erlauben Sie mir eine sehr emotionale Reaktion: Ich lache.

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