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Auch nach 10 Jahren ist der Morgen nach der re:publica ein trauriger. Das Bändchen liegt zerschnitten im Bad, die Tasche ist noch nicht ausgepackt, die Visitenkarten noch nicht eingescannt, es ist eine Mischung aus Melancholie und Kater, die sich ausbreitet.

Jenes Gefühl ist mal stärker und mal schwächer, in diesem Jahr aber besonders stark. Denn die zehnte Ausgabe von Deutschlands größter Digitalkonferenz war eine besonders gelungene. Denn rein subjektiv hatte ich das Gefühl, dass seit der ersten re:publica keine Ausgabe inhaltlich derart zeitgemäß war.

republica team rpten

Eine ganze Reihe von Themen schienen exakt auf den Mai 2016 zu passen, gerade so, als hätte man sich erst in der Vorwoche über die Grundzüge des Programms Gedanken gemacht: Hasskommentare im Netz, Rechtsradikale, Snapchat, Cargo-Kulte, Umgang mit der Flüchtlingskrise und natürlich als Höhepunkt der TTIP-Leak von Greenpeace – so viel schien exakt auf den Zeitpunkt zugeschnitten.

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Bei 17 Bühnen und drei Tagen ist es eigentlich nicht mehr möglich, die Konferenz zusammenzufassen ohne sehr subjektiv zu werden. Deshalb hier ein paar Gedanken zur #rpTEN:

1. Die Lügenpresse im Raum

Das Wort Lügenpresse selbst fiel selten, doch war es immens präsent. Jedoch nicht in Gestalt von AFD-Bashing, sondern in heftiger Medienkritik von unterschiedlichsten Seiten. Zum Beispiel von BGH-Richter Thomas Fischer. Für ihn ist Rechtsberichterstattung geprägt von Hysterie, Vereinfachung und Personalisierung. „Es scheint für Fachjouranlisten nicht möglich, den Unterschied zwischen Berufung und Revision auswendig zu lernen, obwohl das so schwer ist wie der Unterschied zwischen BMW und Mercedes“, ätzte er. Und dass dies keine Frage von „großem“ oder „kleinem“ Medium sei, mit dem Renommee einer Medienmarke steige die Ambition der Autoren, aber nicht deren Kompetenz.

Mads Pankow von der Zentralen Intelligenz Agentur stand für jene, die sich über Technikberichterstattung lustig machten. In Sachen Roboter und Arbeit sei die Meinung des Feuilletons klar: „Wir schaffen uns ab.“ Doch würden Maschinen eben nicht lernen und auch nicht antizipieren. Die so entstehenden Effizienzgewinne würden dann tatsächlich zu einer Gesellschaft führen, in der ein Großteil der Menschen keine Arbeit habe – diese aber wirtschaftlich auch nicht brauche. Dafür sei ein gesellschaftlicher Diskurs nötig, der weitaus komplexer ist als Roboterkriegsvisionen.

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Wirtschaftsdenker Gunter Dueck dagegen sah viele Cargo-Kulte in den Medien, bei denen symbolische Handlungen Erfolg bringen sollen (Wikipedia-Erläuterungen finden Sie hier). Er kritisierte reflexhafte Berichterstattung und die simpelste aller Methoden Berichterstattung zu erhalten: eine Studie produzieren, selbst wenn die wissenschaftlich nicht haltbar ist.

Dies sind nur zwei Beispiele für Medienkritik am Rande. Vielleicht ist die aber viel bitterer als ein ganzer Vortrag über den Zustand des Journalismus. Denn wäre noch jemand bereit, die Mängel des Journalismus über 30 oder 60 Minuten zu diskutieren, hätte dieser Redner noch Hoffnung, dass sich etwas ändern könnte.

2. Snapchat, Snapchat, Snapchat

Überall Snapchat. Bei Sascha Lobo, in einer Seitenkonferenz von Philipp Steuer, in zig Sessions, fiel zumindest der Name des Mobile-Dienstes. Ich verzeichnete im Lauf der #rpTEN ein Plus von 20 bis 30% der Zugriffe auf meine Snaps aus Berlin inklusive vieler neuer „Freunde“. Und auch bei unserem Digitalen Quartett – bei dem jeder Moderator einen mit den anderen nicht abgesprochenen Überraschungsgast mitbringt – waren zwei von fünf Interviewpartnern Snapchatter: „Bild“-Snapper Manuel Lorenz sowie Rechtsanwalt Thomas Schwenke, der juristische Themen mit einem Stoffpinguin erklärt. Twitter-Manager Rowan Barnett meinte zu Beginn, er müsse 62 Mal Twitter sagen, um das zu kompensieren:

Überrascht wurde ich von zahlreichen Lob-Snaps während der drei Tage. Die waren so schleimerisch, dass ich sie nicht ernst nehmen wollte. Bis ich dann die Snaps anderer re:publicaner sah (selbst von Medienmarken): Sie beschränkten sich zu sehr auf das „Ich zeige, dass ich da war“. Was fehlte: Inhalte.

Und genau hier liegt eine Marktlücke, glaube ich. Die zu füllen begonnen hat Youtuberin Franziska von Kempis, die seit der re:publica mit Obst und Gemüse Politik erklärt – schöne Idee.

Meine Dilettiererei habe ich unten nochmal eingebunden für Nicht-Snapchatter.

Digitales Quartett republica mit Franziska Bluhm, Daniel Fiene, Christiane Link, Thomas Knüwer und Rowan Barnett

Gleichzeitig lieferte Snapchat den Klassik-Medien Futter für ihre Dystopie. Denn nun werde Snapchat ja vom Jugendmedium zum Werbemedium, behaupteten die Autoren. Und das würde die Jungen vertreiben. Bei Zeit Online schrieb beispielsweise Patrick Beuth ironisch: „Sie sind hinter euch her! Sie kommen, um euch zu holen!“

Durch die Zeilen ließ er zwei Dinge durchschimmern, die falsch und gleichzeitig belustigend sind. Zitat: „Mit „sie“ meine ich alle, die Snapchat beruflich nutzen, und nicht, weil sie es wollen. Die Spaßbremsen. Die Uncoolen. Die euch schon Facebook versaut haben, zusammen mit euren Eltern.“

Zum einen deutet es daraufhin, dass Beuth sich nicht vorstellen kann, dass die Nutzung von Snapchat Spaß bereitet. Fun Fact: Macht es aber. Zum anderen jagt er einem überkommenen Jugendbild hinterher: Dem der Jugend, die sich von der älteren Generation abgrenzen will. Doch wer Jugendstudien konsultiert weiß, dass jene Abgrenzung nicht mehr so gewünscht ist, wie in den Teenagertagen von uns alten Säcken: Helikoptereltern, gemeinsame iTunes-Bibliotheken und Social Media haben die Lust auf Revolution gedämpft. Facebook ist für Jugendliche nicht „versaut“, sie nutzen es nur weniger, weil es andere Dienste gibt, die ihren Bedürfnissen näher kommen (und nur nochmal zur Sicherheit geschrieben: Facebook war nie für Jugendliche gedacht).

Vor allem bei Snapchat wird es aber schwer, Jugendliche zu vergraulen. Denn keine Plattform macht es schwerer, Nutzer zu finden und sich mit ihnen zu vernetzen (von Patrick Beuth kann ich zum Beispiel kein Snapchat-Profil ausmachen – obwohl er sicher eines hat, er schreibt ja drüber). Und keine andere Plattform hat so klare Trennungen zwischen Messenger und Veröffentlichungsfunktionen. Sprich: Derzeit würden Jugendliche wenig mitbekommen von diesen „Uncoolen“. Das mag sich vielleicht mal ändern, doch wie diese Änderungen aussehen könnten, das ist reine Spekulation.

3. Warum ich künftig Werbeblocker nutze

Erklärung in separatem Blog-Post in den kommenden Tagen.

4. Digitale Sweatshops

Vor rund 10 Jahren bekam Nike heftig Feuer unter den Hintern. Wieder einmal wurde der Konzern dafür kritisiert, dass seine Ware zu oft unter grausamen Bedingungen in der dritten und vierten Welt produziert wurde. Seitdem hat sich viel geändert. Zum Beispiel ist die Kritik an Primark deutlich leiser, obwohl deren Ware keineswegs menschenwürdiger hergestellt wird.

Schon bald dürften wir den Begriff  „Digitale Sweatshops“ bekommen. Denn was auf der re:publica zum Thema Commercial Content Moderation (CCM)vorgetragen wurde, erschreckte viele der Zuhörer. Denn es ist naiv zu glauben, dass all die gemeldeten Kommentare, Postings, Fotos oder Videos direkt von Mitarbeitern bei Facebook oder Youtube moderiert würden. Auch dafür gibt es Dienstleister, die in der ersten Stufe moderieren. Erst bei zweifelhaften Fällen landen die fragwürdigen Inhalte dann bei Mitarbeitern der Plattformen.

republica 2016 Affenfelsen rpTEN

Jene erste Stufe wandert immer weiter ab in Richtung Emerging Markets, allen voran zu den Philippinen. Dort entstehen Satellitenstädte mit den Ameisen der digitalen Wirtschaft – direkt neben den Schrottplätzen, auf denen unter schlimmsten Bedingungen Elektronikschrott verarbeitet wird. Der Autor und Künstler Moritz Riesewieck war vor Ort und hat mit Anbietern, Arbeitern und Aktivisten gesprochen (leider war sein Vortrag – wie zu oft bei Aktivisten – von zu viel Pathos getragen). Die Philippinen seien deshalb zum zentralen Ort der CCM geworden, weil sie so katholisch geprägt seien, behaupteten er und im Videointerview Vertreter der Moderationsarbeiter. Somit werde die digitale Tätigkeit des Schmutzwegschaffens als christlicher Dienst wahrgenommen.

Trotzdem litten aber auch die Moderatoren dort unter Symptomen, wie jene in den USA, erklärte Sarah T. Roberts, Professorin an der Uni Western Ontario: Depressionen, Schlaflosigkeit, Alkoholismus, Potenzverlust. Häufig wüssten auch gute Freunde der Betroffenen nicht, was los sei – denn die wollten nicht über das berichten, was sie täglich im Sekundentakt sehen.

Zwischen 1.000 und 3.000 Bilder würde jeder von ihnen sehen, der mit Bildmoderation betraut sei, ermittelte Roberts. Am schlimmsten seien dabei aktuell die Kriegsbilder aus Syrien. Dabei bilde sich eine problematische Situation: Denn jene Moderatoren sind meist junge Leute mit Uni-Abschluss – doch nun ohne Möglichkeit, die im Studium erworbenen Fähigkeiten einzusetzen. Mehr noch: Die Moderation verlaufe häufig nicht entlang dessen, was gesellschaftlich angemessen scheint, sondern entlang von Vorgaben, die dem Digitalkonzern dienlich seien. So nennt es Roberts auffällig, dass im Fall einer von ihr untersuchten Plattform Bilder aus Syrien online blieben, vergleichbar grausame des mexikanischen Drogenkriegs aber systematisch gelöscht würden. Dies decke sich mit den Interessen der US-Außenpolitik.

Gerade weil es sich hier um junge Akademiker handelt, könnte es bald Druck auf die Web-Konzerne geben. Denn sie können sich geschickter Gehör verschaffen als die Arbeiter in Textilfabriken von Bangladesch. Und ich glaube, das werden sie in den kommenden zwei bis drei Jahren auch tun. Haben Facebook, Google und Co. bis dahin keine besseren Moderationslösungen gefunden, droht die nächste Imagedelle gepaart mit einem Einschreiten der Politik.

5. Nahles mutig, Maas feige, Oettinger peinlich

Günther Oettinger ließ sich im Rahmen der Media Convention 30 Minuten zum Thema Netzneutralität interviewen. Dabei bewarb er sich auf den Stoiber-Transrapid-Gedächtnispreis. Im Sekundentakt warf er mit Buzzwords um sich, ein Zusammenhang war meist nicht erkennbar. „Sie müssen mir schon zutrauen, dass ich meinen Job mache“, murrte er – und erntete lautes Gelächter.

Ähnliches hatte ich bei Andrea Nahles befürchtet – doch es kam ganz anders. Sie lud zum „Townhall Meeting“, bei dem neben ihrem und dem Stuhl der Moderatorin vier weitere auf der Bühne stehen. Jeder aus dem Publikum durfte auf die Bühne und zwei, drei Fragen stellen: dazu gehört Mut. Und: Nahles machte eine gute Figur. Auch weiterhin stehe ich ihrer Politik eher kritisch gegenüber. Aber wie sie sich auf der re.publica präsentierte, so stelle ich mir Politikerauftritte vor. Respekt, Frau Nahles.

Genau diesen Mut hatten Justizminister Heiko Maas und Kanzleramtsminister Peter Altmaier nicht. Mehr noch: Sie luden zur „Aftershow“ der re:publica am Abschlusstag um 20 Uhr in der saarländischen Landesvertretung. Zu jener Zeit, da das traditionelle Abschlusssingen der Konferenz in Biertrinken und Party übergegangen ist. Das ist klug, wenn man überhaupt keinen Influencer oder Kritiker bei sich haben möchte. Tatsächlich aber ist es einfach feige.

6. Datteltäter

Drei junge Menschen betreten die riesige Stage 1 der #rpTEN. Und sie formieren sich zu diesem Bild:

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Dazu gehört Mut. Und den haben die Datteltäter. Das Kollektiv aus vier jungen Muslimen aus Deutschland (darunter einem Konvertiten) und einem „Quotenchristen“ zeigt auf Youtube eine Mischung aus Comedy und Poetry Slam – hinguckenswert.

7. Und sonst so?

Wieder einmal ist die re:publica gewachsen. Im hinteren Bereich gibt es nun einen partytauglichen Außenbereich, davor ein Networking-Areal. Beides wurde ganz gut angenommen, doch irgendwie ist der Eingangshof noch immer der Ort to be. Wundervoll gelungen dagegen ist ein neuer Seitenflügel in großartigem Abbruch-Industrie-Ambiente. Hier gab es Ausstellungsflächen zu kleineren Themen wie Fashion-Tech, aber auch viel zum Thema Virtual Reality.

Überhaupt: Atmosphäre. Es zeichnet die re:publica weiterhin aus, dass man ständig Fotos machen möchte. Weil alles so toll aussieht. Weil es so viele Details gibt. Jedes Jahr entsteht eine neue, kleine Welt.

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8. Nix zu kritisieren?

Doch. Der fragwürdige Adblockeranbieter Eyeo als Sponsor ist nicht re:publica-konform.

Und: Zum ersten Mal gab es Streetfood-Stände. Das ist eigentlich der richtige Weg. Nur: Wenn das der Qualitätsstand Berliner Streetfood-Anbieter ist, dann sind wir im Rheinland Welten voraus. Ehrlich gesagt, fand ich nichts davon lecker und habe die gegrillten Hühnerbrüste mit Chipotle-Soße vermisst.

9. Auf nach Dublin

Die Überraschung der Eröffnung war die nächste re:publica. Die findet am 20. Oktober in Dublin statt, ein erster Versuch, internationale Gewässer zu testen. Nach den ersten Reaktionen ahne ich, dass man von Seiten des Organisationsteams eher unterschätzt, wie viele Besucher des Berliner Klassentreffens diesen Klassenausflug mitmachen wollen – denn eine ganze Menge der Besucher hegen große Vorfreude auf einen Trip nach Irland.

10. Snapchat-Reportagen

Hier meine drei Tage als Snaps auf Youtube:




Kommentare


Jens 7. Mai 2016 um 21:19

Beim 1. Thema fehlen als Beispiele die Hauptkritikpunkte Ukraine-Konflikt und Syrien (Griechenland, TTIP, Gewerkschaften …).

Genau das, das Fehlen dieser politischen Propagandathemen, ist in mehrfacher Hinsicht das Problem.

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Netz-TV 7. Mai 2016 um 22:02

Ich kann diese Einschätzung nicht teilen. Im Gegenteil. Bei Sascha Lobos Vortrag wartete ich die meiste Zeit auf nette Pfleger, die ihn vorsichtig von der Bühne führen- und das war symbolhaft für die ganze Veranstaltung. Nicht weil die Macher ihr Handwerk nicht verstehen oder sonst irgendwie jemand etwas falsch macht. Sondern weil das wichtigste zeitgemäße Thema zwar hier und da gesehen, aber aus Angst vor Erkenntnis so weit wie möglich verschwiegen wird. „The Age of Trotzdem“ findet nicht statt- die Zeit des „Internets“ und der „Webgemeinde“ ist abgelaufen. Stattdessen beginnt das Zeitalter der künstlichen Intelligenz in den Cloudzentren, das Internet wird wieder zum dummen Kabel dazwischen degradiert und die Webgemeinde, die aktuelle Euphorie zum Thema Snapchat ist ein schönes Beispiel, wird zu schlafenden Zombies in Kabinen, die die Cloud-Matrix mit ihrer Energie versorgen.
Das wäre das Thema der Zukunft. Das wäre zeitgemäß. Statt dessen versicherten sich alle gegenseitig wie toll sie doch seien und über die Zukunft entscheiden andere.

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Michael 8. Mai 2016 um 7:29

Kann mich Netz-TV nur anschließen. Die Vorträge werden von Jahr zu Jahr langweiliger, immer das selbe eitle Mediengesülze. Sascha Lobo habe ich bis vor ca. einem Jahr noch für einen originalen Kopf gehalten. Diesmal war er nur noch ein Schatten seiner selbst. Auch der von mir geschätzte Gunter Dueck weiß zunehmend weniger, was er vor sich hin brabbelt. Auch die kleineren Vorträge haben an Brisanz und Charme verloren. Die Veranstaltung verliert für Beobachter wohl auch deswegen an Attraktivität, weil das Internet nichts Neues mehr ist, also schlicht normal wird.
Insofern trifft es auch Jens im ersten Comment. Das Internet wird zu sehr als reines, quasi leeres Medium besprochen und zuwenig anhand konkreter inhaltlicher Beispiele.

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Thomas Knüwer 8. Mai 2016 um 13:26

@Michael & @Netz-TV: Warum die Beschränkung auf die Redner auf Stage 1? Das lässt in mir, bei allem Respekt, die Frage aufkommen, ob ihr nur vor dem Spiegel Online-Stream gesesssen habt. Sorry.

Wie bei jeder großen Konferenz gilt auch hier: Die großen Namen auf der großen Bühne sollten man nur als Beimischung betrachten. Die spannendsten Vorträge und Diskussionen finden in den kleineren Räumen statt. Solltet Ihr auf der reTEN gewesen sein: Welche kleineren Panels habt ihr besucht? Waren die auch schlecht? Ich jedenfalls habe etwas über Landwirtschaft gelernt, über die Zukunft der Arbeit Denkanstöße bekommen und von spannenden Health-Tech-Projekten gehört.

Dieses Gejaule über das böse Business finde ich, was keinen überraschen kann, lächerlich. In zu weiten Teilen Deutschlands ist Geld verdienen noch immer verpönt. Dabei brauchen wir Social Entrepreneurs – und davon gab es auf der re:publica eine ganze Reihe.

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Dirk 8. Mai 2016 um 8:29

Die re:publica TEN war nicht schlecht, aber auch nicht furchtbar gut. Letztes Jahr konnte man mit Hasselhoff auf der Bühne die CeBITisierung schon erahnen. Zum Jubiläum war sie dann endgültig da. Leute die aus Spaß und purem Interesse auf die Konferenz fahren, trafen an vielen Ecken auf handfeste berufliche Ambitionen. Lobo hat damals im Friedrichstadtpalast noch über die sechs Business Tickets gescherzt, die verkauft wurden. Dieses Jahr waren nicht nur die Hälfte der Leute zum ersten Mal da, die meisten davon hatten vermutlich auch direkt ihr Business im Koffer. (der Grund, der mich von der Media Convention weitestgehend fern gehalten hat)

Auf einem Chaos Communication Congress wird einem zur Eröffnung ausdrücklich ein „leave your damn business at home“ entgegengebracht. Haltung ist richtig und wichtig für ein Community Event.

Die re:publica ist cool und die großen digitalen Themen werden kritisch diskutiert. So wirkt die Konferenz und aus diesem Grunde kommen wir auch alle jedes Jahr nach Berlin. Leider ist das mittlerweile etwas zur Show geworden und inhaltlich verwässert. Auf ein Panel zur digitalen Selbstverteidigung kamen drei Sessions um Snapchat zu verstehen.

Lasst wieder mehr die Nerds auf die Bühnen. Menschen die etwas verstanden haben und was verändern wollen. Es gibt diese Sessions nach wie vor, weshalb ich wohl auch nächstes Jahr wieder kommen werde. Aber die Durchkommerzialisierung hat einen faden Beigeschmack.

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Dirk 8. Mai 2016 um 21:01

Stichwort Geld verdienen. Seitens re:publica hat man die Situation offenbar auch erkannt:

„In den vergangenen Tagen tauchte vereinzelt Unmut über die Kennzeichnung einzelner Partner, über ihre Produkte, Inhalte, Werbemittel oder Präsentationen während der rpTEN auf. […] Für die kommenden Ausgaben der re:publica werden wir daher einen „Code of Conduct“ für die Zusammenarbeit mit Sponsoren und Partnern entwickeln.“ – https://re-publica.de/16/news/bunteste-groesste-und-zehnteste-republica-vorbei

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Adrian 9. Mai 2016 um 4:47

Was ich richtig derbe finde: im von Dirk geposteten Artikel zum Thema Code of Conduct steht: „hierzu stellen wir fest“. Das Fahrgastrechteformular der Bahn liest sich weniger verknöchert als dieser Text. (Keine Kritik an der RP selbst – nur an der defensiven und teilweise inhaltsfreien Wortwahl…)

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Somaro 20. Mai 2016 um 15:24

Ich war nicht auf der RePublica und habe Ihren Artikel gelesen um ein weiteres Urteil zu hören. Aber wenn ich mir Ihre Bewertung des Snapchat-Artikel in der FAZ durchlese, frage ich mich, ob Ihrer Bewertung zu trauen ist.
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So schreiben Sie: „Zum einen deutet es daraufhin, dass Beuth sich nicht vorstellen kann, dass die Nutzung von Snapchat Spaß bereitet.“
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Das Beuth dies weder andeutet noch so formuliert, dass man es gar nicht implizieren kann, scheint Ihnen dabei gar nicht aufzufallen. Beuth spricht explizit von denen, die Snapchat aus einem beruflichen Zwang nutzen und „nicht weil sie es wollen“. Und ich weiss nicht, wie Sie das sehen, Mr Knüwer, aber für mich schließen sich erzwungene Nutzung und Spaß haben gegenseitig aus.
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Ebenso denke ich, dass Sie in dem Absatz zu sehr auf den Nebenteil „Eltern“ fixieren, wo es in dem gesamten Artikel von Beuth (wie auch in dem Absatz) primär um die Unternehmen und das Marketing geht.
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An dritter Stelle frage ich mich, warum Sie immer wieder betonen müssen, wofür Facebook aus Ihrer Sicht gedacht war. Wofür eine Produkt entwickelt wird, spielt für den Kunden keine Rolle. Und wenn das Produkt anders genutzt wird, als gedacht und diese Nutzung durch Externe dann gestört werden, ist das Produkt aus Sicht des Kunden „versaut“. Völlig unabhängig davon, ob die Nutzung durch Externe bei Entwicklung des Produkts gedacht war oder nicht.
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Wie gesagt, zu den anderen Punkten des Artikels kann ich nichts sagen, weil ich nicht dabei, aber ich werde den Eindruck nicht los, dass Sie an mancher Stelle dann doch Zusammenhänge und Deutungen herstellen, die sich aus dem eigentlichen Inhalt nicht ergeben.

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Thomas Knüwer 21. Mai 2016 um 11:01

@Somaro: Wie stehen mehrfach auf unterschiedlichen Seiten. Natürlich sind Zwang und Freude nicht zwingend Gegensätze. So müssen Mitarbeiter in Werbeagenturen häufig zwingend Apple-Geräte nutzen – und tun das mit Freude. Es gibt Firmen bei denen eine Dienstwagenmarke vorgeschrieben ist – muss man diese Marke deshalb hassen?

Es ist auch weiterhin nötig zu betonen, dass Facebook nie für Jugendliche gedacht war, so lange Medien behaupten, dass dem so sei. Denn natürlich ist im Rahmen einer langfristigen Strategie erheblich, ob ich eine Zielgruppe, die ich erreicht habe, bedienen will – oder eben nicht.

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