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Es klingt zu schön, um wahr zu sein: Wasser in Wein verwandeln soll die „Miracle Machine“. Ganz einfach solle das gehen, versprachen die Macher des formschönen Zylinders Anfang März, mit dem „ersten erschwinglichen Weinherstellungsgerät“ der Welt. Preis: 499 US-Dollar.

Nötig zur Produktion seien nur Wasser wenige Ingredienzien, die im Onlineshop bestellbar sein würden. Nach drei Tagen sei der Wein trinkfertig, noch dazu in verschiedenen Varianten wie Cabernet Sauvignon oder Merlot. Zur Finanzierung wolle man bald eine Kickstarter-Kampagne starten.

The Miracle Machine from The Miracle Machine on Vimeo.

Hinter der Miracle Maschine stecken zwei bekannte Namen der Weinbranche: Der Brite Philip James gründete die Wein-Community Snooth und den Online-Weinhändler Lot18, Kevin Boyer arbeitete ebenfalls für Lot18 und ist heute Chef von  CustomVine, einem Produzenten individueller Weine für Unternehmen.

Warum sollte man diesen beiden erfahrenen Machern der Traubenverarbeitung nicht glauben? Noch dazu, wenn sie ihr Projekt mit einer dekorativen, gut gemachten Homepage vorstellen?

„Diese Maschine verwandelt Wasser in Wein“, schrieb Mashable. „Jesus konnte es, und sie jetzt auch“, schrieb das Magazin „Time„. Von den USA aus sprang das Thema nach Europa. So versprach das britische Boulevardblatt „Daily Mail“: „Von Jesus inspirierte Maschine verwandelt ihr Leitungswasser in Fusel für nur 1,20 Pfund pro Flasche“. Auch deutsche Medien sprangen auf: „Weinmachine für die Küche“ meldete das Magazin „Chip„. N24 berichtete, der Münchener „Merkur“ und die „BZ„.

Tja, warum sollte man James und Boyer nicht glauben?

Vielleicht, weil es zu schön klingt, um wahr zu sein?

Tatsächlich existiert die Miracle Maschine nicht. Sie soll nur Aufmerksamkeit lenken auf die Wohltätigkeitsorganisation der beiden Macher, deren Name das Gegenteil dessen ist, was die Miracle Machine tun sollte: „Wine to Water„. Die kleine Hilfsorganisation will die Wasserversorgung in armen Regionen sichern, zum Beispiel mit dem Bau oder der Reparatur von Brunnen oder dem Aufbau von Regenwasserfiltersystemen. Die Einnamen von Wine to Water liegen unter einer Million Dollar pro Jahr, doch wird das Unterfangen unterstützt von der PR-Agentur MSL Group – und sie entwarf die Idee für die Miracle-Machine-Kampagne.

The True Miracle from The Miracle Machine on Vimeo.

„Es war Irrsinn, wie groß das Ganze wurde und wie schnell es sich verbreitete“, sagte James gegenüber dem amerikanischen Rundfunknetz NPR, das als erstes Medium die Täuschung vermeldete. Die Reaktion in zahlreichen Tech-Blogs dürfte Wine to Water so viel Aufmerksamkeit sichern wie nie zuvor.

Allein: Deutsche Medien, die über das Projekt berichteten, korrigieren ihre Artikel nicht. Wer heute auf die oben verlinkten Seiten stößt, findet kein Wort über den Hoax. Noch bitterer wird es für die „Computer Bild“. Sie schrieb noch am Sonntag, als die US-Blogs bereits die Fälschung öffentlich gemacht hatten und auf der Homepage der Miracle Machine die Enthüllung der Fälschung veröffentlicht worden war: „Mit der Miracle Machine stellen Sie Ihren eigenen Wein her. Nur drei Tage dauert es, bis aus Leitungswasser – und ein, zwei Zutaten – ein edler Tropfen entsteht.“ Korrigiert wurde dies auch drei Tage später noch nicht.


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