Skip to main content

netzgemüseIm Februar vergangenen Jahres hielt ich einen Vortrag in Erlangen. Dort organisiert die Stadt für ihre Bürger lobenswerterweise eine exzellent besetzte Vortragsreihe zum digitalen Zeitalter.

Damals schrieb ich:

„Da saßen viele Lehrer, politische Vertreter der Stadt und interessierte Bürger. Ein Satz jedoch, der vor allem hinterher an den Stehtischen fiel, war: „Wir haben genug.“ Genug von der negativen Berichterstattung über das Internet, genug vom ständigen Runtermachen und vom Glauben, man könne das Internet irgendwie abschalten. Lehrer berichteten, sie wollten viel mehr machen, würden aber von den Behörden ausgebremst. Ein Vertreter der Polizei erzählte von einer Erlangener Teenager-Truppe, die auf Youtube schon ein paar tausend Abonennten mit ihren Witz-Videos erreiche. Und der Jugendbeauftragte der Stadt meinte beim Blick auf die geöffneten Tabs in meinem Browser, das Thema Acta interessiere ihn besonders.“

Sowohl in der Fragerunde als auch beim Bier hinterher fragten mich eine Reihe Eltern: „Wo können wir uns denn informieren? Gibt es empfehlenswerte Bücher?“ Ich zuckte mit den Achseln. Mir war kein Werk bekannt, dass in fortschrittsoptimistischer Herangehensweise Erziehungsberechtigten Leitlinien an die Hand gibt, wie sie die Medienkompetenz des Nachwuchses stärken können.

Seit dem Ende vergangenen Jahres aber gibt es solch ein Werk und es sei hiermit ausdrücklich empfohlen: „Netzgemüse“.

Geschrieben hat es ein in der Web-Welt bekanntes Paar, Tanja und Johnny Haeusler, Gründer des Spreeblick und Deutschlands größter Web-Konferenz, der re:publica. Vor allem aber sind sie Eltern zweier Söhne – erleben also direkt mit, was Jugendliche mit all diesen digitalen Medien so anstellen.

Herausgekommen ist kein brachial seriöses Handbuch. Die Haeuslers berichten unterhaltsam und mit einem satten Schuss Ironie aus dem eigenen Familienalltag und dem befreundeter Erziehungsberechtigten. Aus Anekdoten leiten sie Handlungsoptionen ab, nie werden sie dabei aber oberlehrerhaft, nie geben Sie vor, Musterlösungen parat zu haben. Nur in einem Punkt sind sie sich sicher: Verbieten hilft nicht. Stattdessen setzen die Haeuslers auf Vertrauen in die Urteilskraft der Kinder selbst.

Zugegeben: Für Vielvernetzte sind weite Teile des Buchs bekannt. Wie Youtube funktioniert, was bei Facebook geht und was nicht – das wird eben erklärt für Eltern, die gerade nicht das Internet zu ihrem Alltag zählen. Die Abzocker-Tricks im Handy-Bereich aber waren auch für mich teilweise neu.

Würde ich noch einmal einen Vortrag in Erlangen halten – ich würde dieses Buch direkt am Anfang empfehlen. So wie ich dies derzeit bei allen Freunden tue, die Kindern im Teenageralter oder knapp darunter haben. Denn etwas besseres als „Netzgemüse“ kenne ich in diesem Feld nicht.

Wer erstmal in einige der Thesen reinhören möchte, kann das auch beim Digitalen Quartett. In unserer 12. Ausgabe waren die Haeuslers zu Gast:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von rcm-de.amazon.de zu laden.

Inhalt laden

Hinweis: Ich erhielt das Buch als Rezensionsexemplar. 


Kommentare


Netzteile: 12 Linktipps vom Dienstag.Februar 2013 › Jens Nähler 5. Februar 2013 um 10:56

[…] https://www.indiskretionehrensache.de/2013/02/netzgemuese/ […]

Antworten

Lila 7. Februar 2013 um 13:52

Klingt sehr, sehr gut. Kriegt Muddi zum Geburtstag 🙂
Danke für den Tipp!

Antworten

Kris 28. März 2013 um 11:23

Ich habe das Buch an eine Familie verschenkt, deren Kinder 10 und 12 Jahre alt sind.
Die Eltern sind eher zurückhaltende Internetnutzer.
Die Kinder nahmen das Buch sofort in die Hand, lasen den Klappentext und meinten:
„Da steht drin, was ihr uns alles erlauben sollt“.

Danke für die Rezension und Danke den Autoren.

Antworten

Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*