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In der Serie “Netzwert Reloaded” verfolge ich jede Woche, was das Team von Handelsblatt Netzwert vor exakt 10 Jahren über das digitale Geschäft schrieb. Alle Netzwert-Reloaded Folgen finden Sie hier.

Sklave. Nur ein Wort wirft der Beamer auf die Wand der Nokia-Zentrale. Dann betreibt Nomura-Analyst Keith Woolcock, was in Helsinki als Blasphemie gilt: „Stellen Sie sich vor, Sie sind ein römischer Galeeren-Sklave und vorne steht jemand, der die Peitsche schwingt. Sie sind Microsofts Sklaven. Gewöhnen Sie sich dran.“ Die Nokia-Manager schweigen. Keine Fragen. Abgang.

So begann die Netzwert-Titelgeschichte vom 17.6.2002 – und fast könnte man diesen Einstieg für prophetisch halten. Allerdings war die Aussage Woolcocks gemünzt auf eine ganze andere Marktsituation. Damals war Nokia noch der mächtigste Handy-Hersteller der Welt: Weltweiter Marktanteil: 35%. Marge: 20%. Allerdings ging die Angst um, dass der Handy-Markt sich so entwickeln könnte, wie der für PC. Dort wurde Microsoft mit Windows zum bestimmenden Faktor – und es wurde egal, auf welcher Hardware das Betriebssystem lief.

Nokia hatte gehofft das Reiche Gates aus dem Markt halten zu können. 1998 hatte Bill Gates Nokia-Chef Jorma Ollila vorgeschlagen, gemeinsam ein Betriebssystem zu entwickeln. Ollila lehnte ab und glaubte, damit sei die Sache erledigt. Doch Microsoft machte weiter, Samsung wurde der Kooperationspartner. Doch in jenem Sommer vor 10 Jahren hatte das Projekt mächtig Verzug. Die Finnen dagegen hatten auf das Konsortium Symbian gesetzt. Die bürokratischen Strukturen aber sorgten für Abgänge hochrangiger Mitarbeiter, auch hier hing der Zeitplan.

Im Jahr 2011 wurde Nokia tatsächlich der Sklave Microsofts. Unter dem Ex-Microsoft-Manager Stephen Elop verschrieb sich der Handy-Konzern ganz dem MS-Betriebssystem. Doch es ist eben aktuell kein Sieg der Redmonder: Weil in der Zwischenzeit ein tot geglaubter Konkurrent namens Apple aufgetaucht ist, der das gesamte Handy-Geschäft revolutioniert hat.

Die Vorhersage der Zukunft ist im digitalen Zeitalter eben schwieriges Geschäft. Das gilt sogar für kluge Köpfe wie Martin Varsavsky. Der Argentinier und Wahl-Spanier ist heute einer der angesehensten Startup-Investoren Europas. Im Jahr 2002 war er noch Präsident des Breitband-Anbieters Jazztel. 42 war er damals und hatte schon einen bunten Lebenslauf hinter sich, der 6 Firmengründungen und den 181,7 Mill. Euro schweren Verkauf seines Web-Portals Ya.com an die Deutsche Telekom enthielt.

Doch nun war er in Schwierigkeiten. Hochzinsanleihen in Höhe von 676 Mill. Euro konnte Jazztel nicht mehr tilgen, erst durch die Umwandlung in Aktien konnte eine Pleite verhindert werden. Doch dadurch sank Varsavskys Anteil an der Firma von 20 auf 2%. Verdient hatte Jazztel zu diesem Zeitpunkt noch keinen Euro. Trotzdem glaubte Varsavsky an den Erfolg des Geschäftsmodells Breitband – und seine Begründung zeigt, wie sehr auch Experten die exponentielle Entwicklung digitaler Technologie unterschätzen können:

„Irgendwann wird man kapieren, dass das Handy als Internetzugang zu langsam und zu teuer ist. Die Leute haben sich von den Mobilfunkkonzernen hinters Licht führen lassen.“

Geradezu revolutionäres tat sich im deutschen Fernsehen, genau – man mag es kaum glauben – bei Super RTL. Die Kölner TV-Produktionsfirma GUM produzierte eine 26-teilige Kinderserie namens „Drachenfels“. Es war die erste live digitalisierte TV-Produktion in Deutschland: Die Schauspieler spielten in Drachenkostümen, der Computer verwandelte sie in Animationen. Um das möglich zu machen hatte GUM sogar einen eigenen Rechner erbaut, der zwischenzeitlich als der schnellste der Welt galt. Wie das so aussah zeigte die dank des Moderators etwas skurril wirkende Sendung von Computertrend.tv:

Gum existiert auch heute noch. Doch das letzte Projekt wird für das Jahr 2006 gelistet – es war die Animation des WM-Co-Maskottchens Pille.


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