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Heutzutage kann man sich ja vieles vorstellen. Da muss man nicht dabei sein. Auch nicht als Reporter des ZDF im Moment der Wahlniederlage der FDP.

Blöd, dass dort die Spaßpartei „Die Partei“ zugegen war – und das desaströse Ergebnis der Liberalen bejubelte. Entweder mochte ZDF-Mann Nils Schneider dies nicht erwähnen – oder er war gerade noch mal ein Mettbrötchen futtern. Und so entstand der wohl absurdeste TV-Beitrag des Jahres, einer der in seiner Realitätsnähe an die verwirrten Kommunikatoren stürzender Regime erinnert:

Wenn das ZDF immer so arbeitet, könnte es noch viel mehr Geld für die Champions League-Übertragungen sparen: Denn Korrespondenten sind dann nicht mehr nötig.

Aber überhaupt war der gestrige Abend ja einer, der die Absurdität des Berliner Polit-Zirkus deutlich machte. Vor 18 Uhr schaltete die ARD zu allen Wahl-Feiern der Parteien. Und pünktlich 5 Sekunden nach dem Live-Sein jubelte die Masse – offensichtlich auf Kommando – los. Gut, kann sein, dass alle Fans von Hannover 96 oder des FC Bayern waren. Die wahrscheinlichere Variante aber ist: Das Wahlvolk da draußen sollte glauben, dass schon vor 18 Uhr die Stimmung naturbekokst ist. Peinlich. Nicht anders dann die Berliner Runde: Wie eine atonale 12-Ton-Kapelle in der Kajüte des Titanic-Kapitäns redeten die Vertreter der Ex-Großparteien durcheinander, vermieden aber tunlichst den eigentlichen Sieger der Wahl zu nennen: die Piraten.

Nachtrag: Matthias Schindler macht mich via Twitter darauf aufmerksam, dass der verzögerte Jubel auf die Zeitdifferenz zwischen Ausstrahlung im TV und dem Beamer liegt. Die Parteimitglieder sind also vergleichbar mit Live-Zuschauern beim „Musikantenstadl“ – sie wedeln euphorisiert, weil sie endlich mal im Fernsehen sein dürfen.


Kommentare


RSS-Reader-Roundup | 19. September 2011 | Bastian Dietz 19. September 2011 um 7:00

[…] Imaginationsjournalismus beim ZDF […]

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Felix (@UprightBassist, @betterUIcoding) [Mobile] 19. September 2011 um 7:08

Absurd und ohne Kenntnis der Umstände nicht mal witzig, bloß verstörend — „wieso jubeln die denn dann?“
Falls die Absicht war, der FDP zu helfen, ist das gründlich fehlgeschlagen; wenn es aber Unkenntnis war, einfach nur peinlich: fragt man halt nach, bis das geklärt ist, oder sagt dazu, dass es derzeit keine Erklärung für den offenkundigen Jubel gibt…
Am wahrscheinlichsten finde ich, dass die Videoaufnahme von einem anderen Mitarbeiter gemacht wurde und keinerlei Kommunikation stattfand.

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vera 19. September 2011 um 7:20

Es war ja nicht nur dieser Beitrag. Die Aussagen über die Piraten waren insgesamt, hm, nicht von hoher Qualität. Selten Journalisten so schwimmen gesehen.

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Daniel Florian 19. September 2011 um 7:51

Ich verstehe die Aufregung um den ZDF-Beitrag nicht. Der Kommentar des Journalisten fasste die Reaktionen der FDP doch richtig zusammen. Klar, es gibt einen „mismatch“ zwischen dem Gesagten und den Bildern von Jubel und Konfetti – allerdings kamen diese nur aus einer Ecke, da liegt es schon nahe, dass die Veranstaltung gecrasht wurde. Ich bezweifle aber – mit Verlaub – dass jeder Scherz der PARTEI die volle Aufmerksamkeit der Medien verdient. An gestrigen Abend ging es schließlich um mehr als die lustigen Ideen von Martin Sonneborn …

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Bätschman 19. September 2011 um 7:57

Hätte man unter jedes Bild einen Text (z.B. Bauchbinde o.ä.) gelegt, wäre schnell klar geworden, dass die Kamera bei einer anderen Partei ist. Ich glaube auch eher, dass einfach die Zusammenlegung der Bilder durch die Regie unglücklich war. ZDF-Mann Nils hat vermutlich angefangen zu reden als die Übertragung bei ihm anfing und konnte nicht wissen, dass die Regie einen Split-Screen ohne Erklärung macht. Zum Inhalt des gesagt möchte ich an dieser Stelle keine Aussage machen.
Beim „Jubeln“ wäre mir aber auch als erstes eingefallen, dass gerade die Jungen einfach jubeln, weil sie im TV sind. Hat sich auch an den Übertagungen aus dem Piraten-Büro gezeigt. Viele junge Menschen drängten sich hinter dem Reporter ins Bild und machen selber Photos von der TV-Kamera. Sowas gibt bei den anderen Parteien selten 🙂

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Tim Koch 19. September 2011 um 8:27

Die waren aber nicht „bei einer anderen Partei“. Die PARTEI war einfach nur bei der FDP. Hätte man den Beitrag ein paar Sekunden länger laufen lassen, hätte man gesehen, dass der Mann vorne (der am Ende gerade etwas aus Stoff herausholt) in Banner entrollt, auf dem „Die PARTEI“ zu lesen ist. Die ARD hat es übrigens länger laufen lassen (man sah also das Banner) und es wurde auch gesagt, dass die Stimmung schlecht war und man in den Bildern Leute der PARTEI sieht, die sich auf die Wahlparty eingeschlichen haben und jubeln.

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c.sydow 19. September 2011 um 13:10

Der ZDF-Mann Nils Schneider war vermutlich kein Mettbrötchen essen sondern einfach auf einer anderen Veranstaltung als die PARTEI. Schneider war, wie auch in der Bauchbinde nachzulesen ist, auf der FDP-Wahlparty im Abgeordnetenhaus, die PARTEI-Leute crashten aber die FDP-Party in der FDP-Zentrale im Thomas-Dehler-Haus. Auch von einem gebührenfinanzierten Journalisten ist es zuviel verlangt mitzubekommen, was auf einer Veranstaltung passiert, die zwei Kilometer entfernt stattfindet. Sein Pech war, dass die Bildregie wohl selbst durcheinander kam und so entstand wohl die Text-Bild-Schere. Herrn Schneider kann man das aber kaum zum Vorwurf machen.

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Tim Koch 19. September 2011 um 16:06

Hier der Beitrag der ARD:
http://www.youtube.com/watch?v=CKPsMphLQxQ

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DampfLog » Warum die Berliner FDP jubelt, wenn sie verliert – Thomas Knüwer lüftet das Geheimnis vom Lerchenberg 19. September 2011 um 16:20

[…] Knüwer hat die Sache auf seinem Blog aufgeklärt: Unter das traurige FDP-Völkchen hatten sich Anhänger der Spaßtruppe der […]

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Ringo 19. September 2011 um 16:51

Der Beitrag erweckt aber den Eindruck, dass der Reporter an der gleichen Stelle sei. Von dem her ist es schon sehr ungeschickt, die Situation 2 Kilometer weiter im Abgeordnetenhaus zu moderieren, während die Bilder der offiziellen Wahlparty laufen.

Die Aktion war übirgens ein Gemeinschaftsprojekt von die Partei und der hedonistischen Internationale. Meines Wissens sind das zwei unabhängige Projekte.

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Peter 19. September 2011 um 22:18

Deswegen haben wir ja ARD UND ZDF, damit wenigstens einer seinen Job richtig macht. So ist es übrigens immer im Öffentlich-Rechtlichen Universum. Das ist inzwischen so umfangreich, dass irgendeiner immer gut gearbeitet hat. Und bezahlen müssen alle, selbst die, die auf die Verblödungsmaschine Fernsehen gern verzichten. Wirklich frei, diese freie Welt.

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DieterM 20. September 2011 um 11:04

Finde es wirklich schade, wie in den Medien über die Piraten berichtet wird… Von wegen sie haben gar keinen Plan von Politik.
Mich wunderts imme wieder, wie manche Politik ganz einfach Ihre Position wechseln können. Heute noch Innenminister, morgen Finanzminister und übermorgen Gesundheitsminister.

Die kennen sich ja alle bestimmt bestens aus, wenn sie ihr Amt antreten…

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Fred Grimm 20. September 2011 um 13:15

„Nicht anders dann die Berliner Runde: Wie eine atonale 12-Ton-Kapelle in der Kajüte des Titanic-Kapitäns redeten die Vertreter der Ex-Großparteien durcheinander, vermieden aber tunlichst den eigentlichen Sieger der Wahl zu nennen: die Piraten.“ ????? Sagte Frau Lemke von Grünen da nicht laut und deutlich, dass eigentlich die Piraten in der Runde sitzen müssten statt der CSU? war laut und deutlich zu hören. Austeilen ist ja ganz gut, aber stimmen sollte es schon…

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