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Der Fußball ist eine bemerkenswerte Scheinwelt. Einerseits scheint er groß und schillernd zu sein, immer vollgestopft mit Geld und perfekt organisiert. Und so sieht er sich auch gern. Tatsächlich aber ist er bevölkert von wenig kompetenten Geschäftsführern mit gestrigem Denken und einer steten Weltfremdheit.

Eine Zeit lang schrieb ich über die Krise von Borussia Dortmund für das Handelsblatt. Selten habe ich so viele Intrigen erlebt, selten so viele Menschen in führenden Positionen, die nicht mal ansatzweise wussten, wie das, worüber sie entschieden, überhaupt funktionierte. Das war nicht immer bösartig: Es gab eben viele, die mit blinder Leidenschaft nach vorne preschten. Nur: Blinde Leidenschaft beinhaltet eben Blind-Sein.

Gestern reichte Katharina Borchert via Facebook ein Interview herum, das genau diese Blindheit ausstrahlt. Rolf Dittrich, PR- und Pressechef von Schalke 04 sprach mit dem Medienhandbuch Sport über seinen Club und digitales Marketing, vor allem Social Media. Oder besser: dessen Nicht-Vorhandensein im Staate Blau-Weiß.

Nun arbeite ich für die Deutsche Eishockey-Liga DEL. Stellen wir also mal die Aussgen Dittrichs gegenüber den Zahlen (die es hier zum ersten Mal zu sehen gibt) und Aussagen, die die DEL aus Social Media zieht. Die DEL, übrigens, ist die fanstärkste deutsche Sportliga auf Facebook.

Was Dittrich sagt, klingt wie aus dem Jahr 2000. Was zum Beispiel die Zahl der Follower bei Twitter oder die Zahl der Fans bei Facebook bedeuten, das wisse er nicht. Ob Dittrich sich auch darüber wundert, das Zeitungsleser ungleich Zeitungsverkäufe sind? Und wie vergleicht er das mit TV-Zuschauern und Radiohörern? Das muss er ja: Die Reichweite klassischer Medien bestimmt deren Einfluss. Und ein Follower bei Twitter ist eben ein potenzieller Leser, genauso wie ein Facebook-Fan.

Dittrich hat keine Lust auf solche Gedanken. Für ihn ist die Welt klar: Schalke gibt vor, die Fans haben zu schlucken. Zitat:

„Wieso kann sich ein Nutzer dann nicht auf der Homepage des FC Schalke 04 anmelden und den Newsletter abonnieren? Dort erhält er ebenso viele Informationen, und das sogar exklusiver. Bislang haben sich dort 30.000 Menschen angemeldet.“

Ja, wieso kann er das nicht? Vielleicht weil er keine Lust auf E-Mails hat? Weil die eine Pest sind? Weil er nicht steuern kann, wann er Informationen bekommt? Und weil er vielleicht mit anderen über die Informationen reden möchte?

Es gebe doch Foren, meint der Schalker, dort redeten die Leute schon: „Facebook kann da nicht urplötzlich das Maß aller Dinge sein.“

Dies Aussage impliziert vor allem eines: Der Fan als diskutierende Einheit wird von den Vereinen als nicht interessant betrachtet. Denn es ist ja nicht so, dass diese Foren von Vereinen kommen oder gar unter deren Beteiligung laufen. Sie werden häufig von Fans betrieben oder aber von lokalen Medienhäusern. Unter Club-Managern gibt es sogar eine Art Regel: Betreibe bloß kein eigenes Forum.

Das ist sogar die richtig: In Foren werden häufig Pseudonyme verwendet. Und dort wo Pseudonyme im Spiel sind, geht es heftig zu. Entweder die Verwalter dieser Seiten lassen das zu – oder haben viel Arbeit mit Community Management zu tun. Dieser Aufwand wäre für einen Verein zu hoch.

Denn eines darf man auch bei Schalke nicht vergessen: Deutsche Profi-Sport-Vereinsunternehmen sind relativ kleine Einheiten. Sie sind häufig unterbesetzt verglichen mit dem, was nötig wäre. Deshalb kommen sie oft so unprofessionell daher.

Im Ausland läuft das anders. Dort wird dem Aufbau einer professionellen Management-Struktur mehr Bedeutung zugerechnet als in Deutschland. Deutlich wurde das kürzlich beim Kongress The World After Advertising. Dort sprach der Real-Madrid-Marketeer Oscar Ugaz. Er bewegte sich auf einen Niveau, wie ich es nur aus den USA kenne, zum Beispiel von der Football-Liga NFL:

Reals Strategie unterscheidet sich diametral von der Schalkes: „Wir gehen dahin, wo die Fans sind.“ Die Fans auf Facebook seien wichtig, „weil wir sie erreichen können“. In zwei Jahren könnten es, bleiben die Wachstumsraten, 20 Millionen Facebook-Unterstützer sein. Die Digital-Strategie von Real hier nochmal als Zeichnung von der geschätzten Anna Lena Schiller:

Schalke dagegen ärgert sich offensichtlich über die Anhänger, die nicht brav auf die Club-Homepage kommen und den Newsletter abonnieren. Das Problem des Internets sei, meint Dittrich, dass „unkontrolliert Nachrichten herausgeschossen werden.“

Zwischen den Zeilen vermeine ich durchzulesen, dass Dittrich den Fehler macht, den viele Digital-Skeptiker begehen. Sie sehen ihre überholten Erfahrungen mit dem Web als maßgeblich für die Zukunft an.

Das betrifft vor allem Foren. Es herrscht der Glaube vor, jener sehr ruppige Kommunikationsstil sei das einzige, was herauskommt, wenn man Fans die Chance zur Äußerung lässt. Tatsächlich ist das falsch. Pseudonyme laden ein, die Grenzen der Höflichkeit hinter sich zu lassen. Bei Social Networks sind die meisten Menschen mit ihrem eigenen Namen unterwegs – und entsprechend ändert sich ihre Kommunikation. Das ist wie im Stadion: Kann ich in einer Gruppe untertauchen, benehme ich mich anders als wenn offensichtlich ist, wer ich bin.

Schauen wir uns mal an, was die Deutsche Eishockey-Liga so macht (nochmal Disclosure: Ich war bei der Umsetzung dieser Ideen beratend tätig.).

Die nackten Zahlen:

StudiVZ: 2554 Fans
SchuelerVZ:  4138 Fans

Das klingt nicht nach viel – spiegelt aber die sinkende Bedeutung der VZ-Netzwerke wider. Die Fan-Aktivität ist sehr ordentlich. Bemerkenswert: Auf beiden Plattformen machen Bejubelung des eigenen Teams oder Beleidigung des Gegners den Hauptteil der Äußerungen aus. Aber: Bei SchuelerVZ ist der Anteil durchdachter Meinungsäußerungen höher als bei StudiVZ.

Twitter:
@DELNews: 655 Follower
@DELOffice: 488 Follower

Die Zahlen sind nicht zufriedenstellen. Andererseits ist der Aufwand überschaubar. DELNews ist ein automatisierter Feed der Nachrichten von der Homepage, DELOffice vermarktet diese Geschichte offensiver. Aber: Twitter lässt sich nutzen. Während der Eishockey-WM vermarktete die DEL Restkontingente ihrer WM-Karten über diesen Weg – ein voller Erfolg.

In den Bereich besonderer Innovationen fällt außerdem das recht neue Managerspiel, das über einen Dienstleister aufgesetzt wurde. Fans können dabei eine Mannschaft auch echten Spielern zusammenstellen, deren reale Leistungen liefern die Punkte für das Spiel. Dieses Managerspiel gibt es auch als Mobile App. Zusätzlich gibt es auch eine Iphone-App der Liga selbst.

Das wichtigste Instrument aber ist Facebook. Die Fan-Seite dort ist seit dem ersten Tag gewachsen, dieses Wachstum schwächt sich nur in der Sommerpause ab. Aktuell zählt die Seite 18.171 Fans, 13.632 davon waren im vergangenen Monat in irgendeiner Form aktiv.

50 Reaktionen lockt jede Nachricht mindestens hervor, häufig geht es in den dreistelligen Bereich. Dabei dient die Facebook-Seite als Nachrichtenverteiler und interaktives Magazin. Links werden weitergerreicht, Fans verteilen sie und diskutieren darüber. Jede Nachricht der DEL taucht in den Nachrichtenströmen von über 40.000 Nutzern auf.

Das Kommunikationsniveau ist mehr als OK, meistens sind die Diskussionen Frotzeleien zwischen Fans – praktisch immer im Rahmen. Liga-kritische Nachrichten werden dabei zugelassen, solange sie nicht andere Personen auf der Seite beleidigen. Ja, diese Kritik muss man sich halt anhören.

Aus den Wochenverläufen der Aktivität lässt sich schließen, dass unter den Fans viele Stadionbesucher zu finden sind. Denn an Spieltagen nimmt die Aktivität deutlich ab, am Tag nach Spielen steigt sie signifikant an. Wir können davon ausgehen, dass die Facebook-Fans zur Hardcore-Zielgruppe gehören.

Die Links befeuern die Homepage der DEL, die stark nachrichtengetrieben ist. Großer Beliebtheit erfreut sich dabei die von Spielern geschriebene Kolumne Tacheles. Als sie einige Zeit ausblieb gab es auf allen Social-Web-Plattformen harsche Kritik. Ebenfalls gern gesehen: Videos. Sie entstehen auf einfachstem Niveau – mit einer Flip-Kamera in der Hand von Ligen-Sprecher Alexander Morel. Kein Schnitt, keine Postproduction.

75% der Facebook-Fans sind Männer – das entpricht ungefähr dem Verhältnis im Stadion. Alterstechnisch sind die Facebook-Fans ein wenig jünger:

84% der Fans stammen aus Deutschland. 16% sind ein signifikanter Auslands-Anteil, finde ich. Rund 500 Fans hat die DEL zum Beispiel in den USA. Hier könnte es sich um Ex-Spieler und auch um Spielerberater handeln.

Interessant ist die Regionenverteilung in Deutschland. Denn vorne sind München und Frankfurt. Zum Ende der vergangenen Saison war Frankfurt noch die Nummer eins – doch die Lions konnten die Liga wirtschaftlich nicht halten. An Platz zwei lag schon München. Nun gibt es keinen automatischen Auf- und Abstieg in der DEL. Die Zahl der Fans aus dieser Region signalisierte aber, dass der DEL-Kandidat München zumindest schon mal ein gewisses Interesse der Anhänger mitbringt. Nun ist München die Nummer-eins-Facebook-Stadt – und der EHC die Sensation der Saison.

Trotzdem: Da ginge noch weit mehr. Was aber gerne übersehen wird: Die Zentrale der Deutschen Eishockey-Liga ist ein Klein-Unternehmen. Die Kapazitäten sind sehr begrenzt, trotzdem passiert da eine ganze Menge.

Weit mehr, als beim Fußball. Der läuft, so glaube ich, Stück für Stück in ein Problem hinein. Die Funktionäre bekommen nicht mehr mit, was ihre Fanbasis denkt. Man glaubt, es sei alles in Ordnung weil der beste Spieler nach Abpfiff mit der Fankurve das Humba macht. Ich aber glaube die Ultra-Bewegung, die sich als Gralshüter der Club-Historie sieht, ist nur ein Anfang der Enfremdung der Anhänger von den Vereinen.

Beginnen die Geschäftsführungen nicht endlich mit den treuesten Fans zu kommunizieren, werden die erst ihr eigenes Ding machen – in dieser Phase sind wir jetzt. Dann wird es immer gewalttätiger werden – Ansätze sehen wir in unteren Ligen. Und schließlich folgt die Abkehr mit sinkender Stimmung. Das Ergebnis sind amerikanische Zustände. Sprich: Stille.

Daran arbeitet vor allem die Bundesliga ohnehin schon. Die ersten drei Ligen sollen ein abgeschlossenes Biotop werden, in das nur noch finanzstarke Clubs – was praktisch bedeutet: von einem Mäzen gestützte Vereine – Einlass finden. Immer kleiner wird das Nadelöhr Richtung Dritte Liga, es wird verstopft mit Zweitvertretungen der großen Vereine. Diese Strategie mag niemand offen zugeben, sie ist aber offensichtlich. Ein Beispiel dafür ist die jüngst beschlossene Reform der Regionalligen.

Final werden wir Eintrittspreise wie in den USA erleben und eine ebensolche Stimmung. Zweimal war ich beim Super Bowl, dem Football-Endspiel, jedes normale Bundesligaspiel hat mehr Fan-Atmosphäre als das größte Eintages-Sportereignis der Welt.

Den wahrsten Text über die Entwicklung des Fußballs fand ich kürzlich im Fan-Forum des von mir geliebten SC Preußen Münster auf der Plattform Westline. Geschrieben hat ihn Ivan Ergic, Ex-Spieler des FC Basel für die „Basler Zeitung“ – und er sei jedem zur Lektüre empfohlen. Titel: „Spieler werden zum Produkt, Fans zu Konsumenten“.

Social Media ist dabei nicht das Allheilmittel. Aber es ist ein Instrument, ein Weg, der die Entfremdung des Sportmanagements von den Anhängern lindern kann. Mit überschaubarem Mitteleinsatz und spannenden Resultaten.

Man muss es nur einfach mal probieren (wollen).


Kommentare


Philipp 14. Januar 2011 um 16:07

Da hat sich aber inzwischen Einiges getan… Seit Spätherbst ist Schalke auf Facebook ziemlich aktiv: http://www.facebook.com/S04

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Thomas Knüwer 14. Januar 2011 um 16:12

Danke für den Hinweis. Das war ja dann ein schneller Sinneswandel. Ich hab das oben ergänzt.

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axel 14. Januar 2011 um 16:37

Nehmen wir an ich bin Eishockeyfan in Deutschland. Mir bleiben ja fast keine anderen Wege als FB, Twitter usw um an Informationen zu kommen. In „klassischen Medien“ ist die DEL mittlerweile so gut wie nicht mehr vorhanden. Keine Free-TV Übertragung (lassen wir die 5? Eurosport-Spiele mal weg), keine Airtime im Radio, höchstens mal ’ne halbe Seite in der Regionalzeitung. Kein Wunder, dass sich die Fans auf Angebote im Netz stürzen.
Der dt. Profi-Fußball ist den anderen Sportarten so weit weggelaufen, dass die Entscheider schlicht das Wachstumspotential, dass sich -auch international- durch eine stärkere, professionelle Nutzung der von Dir beschriebenen Kanäle, übersieht. Sei es aus Faulheit oder Ignoranz.

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Sebastian 14. Januar 2011 um 17:01

Auch wenn ich als BVB-Fan natürlich erstmal gegen Schalke bin, muss ich in diesem Fall sagen, dass so einige Sportvereine das Potenzial von Social Media nicht mal ansatzweise nutzen. Mein Verein, der BVB, war da auch keine Ausnahme. Und nun ist der BVB seit kurzem richtig aktiv bei Facebook und hat mittlerweile 134.000 Fans. Wenn 134.000 (fast) jede deiner Mitteilungen sehen, dann ist das eine Zahl, die kein Marketing-Verantwortlicher klein reden kann.

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blogundweiss.de 14. Januar 2011 um 17:02

Die Information, dass Schalke nun (offiziell) auf Facebook vertreten sei, ist FALSCH.

Wie man der Kontakt-Email auf der Info-Seite (http://www.facebook.com/S04#!/S04?v=info) entnehmen kann, muss es sich um eine dritte Person handeln. Ich bezweifle stark, dass der Verein dafür eine Google-Mail-Adresse verwenden würde.

MfG,

TobiTatze von BlogundWeiss.de

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Julia Heuel 14. Januar 2011 um 17:37

unglaublich aber wahr: es gibt immer noch genügend unternehmen, vereine und auch stiftungen, die aktivitäten im social web ablehnen. dabei kann diese ablehnung unterschiedliche ursachen haben. oft ist es die befürchtung, den erfolg von social media aktivitäten nicht messen zu können. weitere informationen dazu unter:http://socialmedia.kkandk.de/2011/01/14/reporting-von-social-media-aktivitaten/

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doing business on facebook » Facebookbiz Abendschau: Business Models, Finanzdienstleister, Schalke 04, Newspaper & Burda 14. Januar 2011 um 18:06

[…] Indiskretion Ehrensache: Social Media und Sport – DEL vs Schalke 04 […]

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mberghoefer 14. Januar 2011 um 20:39

da der Kommentar im Artikel jetzt geändert wurde auf „nicht klar, ob es sich um eine offizielle Clubseite handelt“, hier mal der Hinweis, dass „TobiTatze“ sehr richtig liegt mit seiner Ansicht. Im offiziellen Forum des S04 äußert der Betreiber selbst heute, dass der FC Schalke 04 bislang nicht auf Facebook aktiv ist.

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Olaf Marx 14. Januar 2011 um 21:39

Am meisten erschreckt mich, dass es in Deutschland Unternehmen gibt, die sich so intensiv mit Social Media beschäftigen, dass sie in der Lage snd, die Regionenverteilung ihrer Facebook-Fans auszuwerten…

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Fundstücke vom 15.01.2011 « daniel rehn – digitales & reales 15. Januar 2011 um 12:55

[…] Social Media und Sport: DEL vs. Schalke 04 Meine Lieblingskombination, behandelt von Thomas Knüwer, der sich eine Menge Gedanken zum Thema macht (u.a. auch, weil er die Deutsche Eishockey Liga – kurz DEL – berät). Aufhänger dafür ist unter anderem auch das durchaus umstrittene Interview von Rolf Dittrich, dem PR- und Pressechef des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04, der sich im Oktober (Zeitpunkt des Interviews) nicht sehr aufgeschlossen zeigte, was die neuen Medien betrifft. Ein sehr lesenswerter Beitrag, den man sich, sofern man sich auch nur ein bisschen für Sport interessiert, nicht entgehen lassen sollte. […]

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der sportmanager 15. Januar 2011 um 16:05

Vielen Dank für diesen überaus gelungenen Artikel! Als jemand, der sich grade für die Schnittmengen zwischen Social Media und dem Sport begeistert bin ich natürlich hin und weg von den Einsichten, die durch Facebook-Insights der DEL geliefert werden.

Ich weiß von anderen Ligen, dass diese gehütet werden wie ein Staatsgeheimnis erster Güte. Trotzdem muss man allen Ligen gratulieren, wenn sie es schaffen – ohne einen Sportler der „für“ sie spielt – spannende Inhalte wie z.B. die Beko BBL zu kreieren.

Mein Erstaunen war auch sehr groß, als ich das Interview im Oktober 2010 gelesen habe. Aber trotzdem Klubs wie Barcelona, Real Madrid, ManU oder der LFC den Fußball-Bundesligisten um Meilen voraus sind, denke ich das wir mit ein wenig Geduld und auch Zeit – denn genau diese braucht eine ausgeklügelte Strategie im Gegensatz zum „trndy“ sein wollen und „mal ne Facebook-Seite einrichten“ – können wir mit Sicherheit die eine oder andere Überraschung in der Bundesliga erleben.

Gleichzeitig bietet Social Media aber auch den in der öffentlichen Wahrnehmung hinter der Bundesliga bleibenden Sportarten mit ihren Ligen, Verbänden und Vereinen die Chance diesen Abstand aus den klassischen Medien zumindest in der digitalen Welt zu verkürzen.

Noch einmal besten Dank für einen spannenden Post. Mehr davon 😉

Grüße
Jonathan

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Jan-Kristian Jessen 15. Januar 2011 um 23:10

TobiTatze liegt richtig, die Schalke-Fanpage wird von zwei Schalke-Fans betrieben, mit denen ich für einen Artikel (erscheint voraussichtlich Ende nächster Woche) zu den FB-Auftritten der Fußball-Bundesligisten in Kontakt stehe.

Ich habe für meine Recherche mit Herrn Dittrich telefoniert. In diesem Telefonat (Dezember) hat er seine Aussagen so noch einmal bestätigt.

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Raphael Brinkert 16. Januar 2011 um 7:24

Lieber Thomas,

danke für den interessanten Artikel. In der Tat handelt es sich bei der Fanpage des FC Schalke 04 auf Facebook um eine Fanpage, die von mir und einem Freund seit Oktober diesen Jahres betrieben wird. Aus Leidenschaft und Verbundenheit zum S04.

Über eben jene Seite haben wir im Dezember auch die Unterschriften-Aktion „Wir für Manu“ gestartet, über die mehrfach national berichtet wurde. Sozusagen als Social Media Projekt, welches beweisen sollte, dass man aus Facebook heraus eine Bewegung starten kann.

Mit besten Grüßen
Raphael Brinkert

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Sascha Pallenberg 16. Januar 2011 um 19:57

Das hat Methode Thomas. Die Obrigkeit in GE verwehrt sich gegen all die Ausreisser und unkontrollierten Kommentare. Das Forum auf Schalke ist ja inzwischen auch dicht und „Teil“ der Schalker Homepage geworden. Alles muss schoen unter Kontrolle bleiben, damit bloss keiner mitbekommt, wie gross die „kleine Gruppe“ inzwischen ist.

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_Flin_ 17. Januar 2011 um 11:55

Die Analyse, dass der Aufstieg in die 3.Liga ein „Nadelöhr“ sei, das von zweiten Mannschaften „verstopft“ würde, kann ich so nicht nachvollziehen.

Im Augenblick sieht es doch eher so aus, als wäre die 3.Liga eine Profiliga, in der die 2.Mannschaften der Profiklubs kaum noch mithalten können, selbst wenn es sich um den FCB handelt. Die zweiten Mannschaften belegen in Liga 3 die beiden letzten Plätze, die „erfolgreichste“ Reservetruppe ist der VFB, mit 2 Punkten Abstand zu den Abstiegsrängen.

Die Regionalligareform samt 3.Liga hat nicht zu einer Schwemme von 2ten Mannschaften in der Regionalliga geführt. Die zweiten Mannschaften waren bereits vorher in Regionalliga und Oberligen zahlreich vertreten. Unterm Strich hat sich nichts Wesentliches geändert.

Auf der anderen Seite steht die erfolgreiche Jugendarbeit des DFB. Die engen Vorgaben für die Profiklubs sorgen für eine hervorragende Ausbildung der Jugendspieler, so dass eine Vielzahl von 2ten Mannschaften auch in der Regionalliga auf hohem Niveau mit U-23 Spielern mithalten kann. Somit sind 24 von 54 Clubs in den Regionalligen U-23 Mannschaften der Profiklubs.

Das kann man jetzt gut oder schlecht finden. Die Alternative (wie eine eigene Spielserie der Reserven) wäre allerdings nicht, dass stattdessen zugkräftige Traditionsklubs mit breiter Fanbasis in der Regionalliga spielen würden, sondern Dorfklubs mit wenigen Anhängern, was unterm Strich aufs Gleiche rauskommen würde. Für den Nachwuchs bedeutete es allerdings weniger Praxis auf hohem Niveau. Und die Nachrücker wären Vereine wie der FC Ismaning, FSV Erlangen-Bruck, Germania Windeck oder SSVg Velbert. Mit RWE als Traditionsklub-Spitzenreiter ist die NRW-Liga eine Ausnahme. In den meisten anderen Oberligen stehen irgendwelche unbekannten Dorfvereine an der Spitze. Ob die in der Regionalliga sind oder eine U23 eines Profiklubs, was machts für einen Unterschied!?

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Thomas Knüwer 17. Januar 2011 um 12:24

@Flin: Doch, das ist so. Mit der Regionalliga-Reform wird es ja die gleiche Zahl von Aufstiegsplätzen für mehr Mannschaften geben. Nicht einmal der Meister der Regionalliga wird dann nach oben kommen.

Die Regionalligen sind voll mit Zweitmannschaften. Im Westen sind es derzeit 10 von 18. Das bedeutet für die anderen 8 Teams: 10 Heimspiele ohne Gästefans und mit deutlich gesenktem Interesse der Heimfans.
Das bedeutet eine massive wirtschaftliche Schwächung.

Und außerdem bedeutet dies 20 Spiele bei denen man nicht weiß, welchen Gegner man bekommt. Mal spielen Top-Stars mit, mal A-Jugendliche.
Sportlich also ist der Wettbewerb nicht fair.

Das Argument Spielpraxis ist natürlich Humbug. Denn wieviele Spieler rücken tatsächlich hoch? Ein Bruchteil. Ihre Erfahrung mit Atmosphäre besteht im Kicken unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Würden Fußball-Funktionäre kreativ denken, würden sie Förderlizenzen ähnlich dem Eishockey und Basketball einführen.

Genauso wie sie kleine Oberligisten anführen, ginge es auch anders. Denn in der Oberliga spielen auch Clubs wie Mannheim, Zwickau oder Siegen. Und selbst die von ihnen als Dorfvereine titulierten Clubs haben mehr Zuschauer als Schalke II, Gladbach II oder Bayern II.

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_Flin_ 17. Januar 2011 um 13:45

Nun ja, als 60er Fan und Ismaninger guck ich natürlich nur vor die Haustür, da hat 1860 II immerhin einen Zuschauerschnitt von 1440 pro Spiel. Ist zugegebenermaßen auch das Extrembeispiel. Aber, was will man machen, 60 ist nunmal der geilste Club der Welt 😉

Der FC Ismaning hatte 320 Zuschauer.

Die gleichen Befürchtungen in Bezug auf Dominanz der zweiten Mannschaften gab es auch schon bei der Schaffung der Dritten Liga. Diese Befürchtungen haben sich bisher nicht bewahrheitet. Auf der anderen Seite ist schon der Schritt von der Oberliga in die Regionalliga für kleinere Vereine (Beispiel Großbardorf) nur schwer zu stemmen. Das liegt aber nicht an den zweiten Mannschaften der Proficlubs, sondern an den harten Vorgaben des DFB für die Regionalliga.

Und die Regionalliga-Reform soll doch so vonstatten gehen, dass maximal 7 2.Mannschaften in einer Regionalliga spielen. Deswegen verstehe ich Ihre Kritik nur bedingt, da doch gerade der Punkt der übermäßigen Anzahl an U23-Teams behoben werden soll.

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ubremer 17. Januar 2011 um 16:38

Zur Bestätigung, dass in Blogs durchaus ein Tonfall weg von Pöbel und Tiraden möglich ist, verweise ich auf unsere Blog www.immerhertha.de , den der Kollege Stolpe und ich seit vergangenem August täglich betreiben. Ob mit Nicknames oder unter Klarnamen: Es wird kontrovers diskutiert, aber auch skurril, anarchistisch, mit erheblichem Fachwissen – und selbstironisch.
Im übrigen freuen wir uns, dass immerhertha.de bei Facebook 500 gerade heute die Grenze von 500 Usern überschritten hat, denen unsere Seite gefällt.
Im übrigen: Das, was Medien schwer fällt, mit den Kunden zu kommunizieren, (weil es Jahrzehnte anders gelaufen ist), warum soll es Profivereinen anders gehen? Die veränderten Kommunikationsformen sind ein Lernprozeß, der bei manchen Vereinen, Ligen etwas schneller geht, bei anderen hingegen . . . 😉

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Hans 18. Januar 2011 um 2:12

So ist das halt hier auf Schalke. Das hier der Marketingchef einen Totalausfall zeigt passt auch nur zu gut zum sonstigen trantütigen Auftreten bei allen IT-Fragen. Schon als Außenstehender bekommt man leicht mit, daß die ganze IT-Fraktion rund um den Abteilungschef H. ein Trauerspiel sein muß. Wie schon oben erwähnt, versucht man alles unter Kontrolle zu bringen wie z.B. das Forum. Was man davon hat war gut beim letzten (aber nicht dem ersten) Datensicherheitsskandal zu sehen, als jede Menge Nutzerdaten „abhanden“ kamen.

Dieser ganze ach so tolle „1000-Freunde-Club“ ist technisch gesehen schlechtes Handwerk. Genauso dass jedes Jahr beim Kartenvorverkauf die Server zusammenbrechen. Aber vielleicht ist das auch Kalkül, denn die Karten gehen so oder so weg, was interessiert das den Verein schon, wenn die eigenen Fans da mehrere Stunden wie blöde den Browser immer wieder neu aufmachen müssen. Mehr Zugriffe würde der Server wahrscheinlich nicht verkraften, da machts dann auch nichts, dass dieser – anders als der Webserver (wobei der auch bei einer Klitsche zu sein scheint) – nicht in einem richtigen RZ sondern offenbar in der Geschäftsstelle steht (siehe IP von www2.tickets-aufschalke.de).

Übrigens gibt es auch einen Twitter-Account der die News von der Homepage tweetet. Der ist aber auch nicht vom Verein…

Ein Trauerspiel halt. Ganz vorne dabei ist man nur, wenn es darum geht den Fan finanziell auszupressen und dabei eher miesen Service zu bieten.

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ring2 19. Januar 2011 um 18:28

Du ahnst es schon, es geht um den kleinen Sportverein in der großen Stadt. Was ich hier besonders finde, ist, dass der Fanprotest beim letzten Heimspiel, den die Hamburger Morgenpost als „größten Fanprotest aller Zeiten“ beschrieb, offen, via Foren, Blogs, Twitter und Facebook vorbereitet wurde, allein der Verein hat das nicht ernst nehmen wollen – oder können, weil die Erfahrung fehlt, was aus digital sich organisierenden Fans werden kann. Am Wochenende wurde dann das ganze Millerntor „ROT“ – und da hatten sie es begriffen (hoffe ich immer noch;)

http://stpauli.nu/?p=1784

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Jan-Kristian Jessen 25. Januar 2011 um 11:42

Etwas später als geplant ist der Artikel zur Kommunikation der Bundesliga-Vereine auf Facebook online gegangen:

http://www.pr-fundsachen.de/2011/01/25/fans-raus-die-fusball-bundesliga-und-facebook-i/

„Nürnberg lässt gravierende Beleidigungen in seiner Timeline stehen, und Gladbach möchte sogar Fans rausschmeißen – die Bundesliga-Vereine und Facebook sind noch nicht die besten Freunde. Was häufig fehlt, sind ein strategischer Ansatz und Antworten auf Fragen der Fans.“

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Fans raus! – Teil II – PR-Fundsachen 27. Januar 2011 um 16:07

[…] Knüwer von Indiskretion Ehrensache entgegnet dem: “Ja, wieso kann er das nicht? Vielleicht weil er keine Lust auf E-Mails hat? Weil die eine […]

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Krisenkommunikation auf Facebook: Felix Magath auf Facebook | Marketing Social Media 10. Februar 2011 um 20:56

[…] war mir einen Blogbeitrag wert. Ein sehr interessanter Schachzug von Schalke bzw. Magath – bis vor kurzem gab es ja noch nicht einmal eine Schalke 04 Facebook Fanpage und Social Media war nicht wirklich ein Thema auf Schalke. Nun hat also auch der Coach […]

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Heinrich Heine 10. Februar 2011 um 23:22

Was bringt es, wenn die DEL so professionel bei den neuen Medien ala Facebook, Twitter & co aufgestellt ist und damit ohnehin nur die Leute erreicht, die sich ohnehin schon sehr für Eishockey interessieren bzw. Fans sind? Dadurch bedient man doch nur die kleine „Kundschaft“ die noch übrig geblieben ist.
Es für die DEL kein Weg daran vorbei, man muss wieder ins TV und zwar ins FREE-TV! Die Einahmen von SKY sind sicher wichtig und richtig, aber neue Zuschauer gewinnt die DEL dadurch nicht. Wenn ARD/ZDF Eishockey schon warum auch immer boykottieren, müsste es wenigstens ein wöchentliches Magazin bei SPORT1 oder vielleicht bei den Dritten geben. Wie soll ich sonst als vielleicht lediglich „Eish.-Interessierter“ auf den Sport aufmerksam werden? Vielleicht die Berichterstattung auch etwas mit der NHL kombinieren, schließlich spielen auch Deutsche da. Über NBA-Dirk Nowitzki hat der eigentlich traditonell in Deutschland unbekannte Basketball eine riesen Popularität und Plattform in den Medien.
Auch eine bessere Aussendarstellung und Zusammenarbeit der Vereine mit der jeweiligen Lokalpresse ist nötig, man muss versuchen ein wenig Euphorie in der Region zu entfachen. Und die Liga, Vereine, und DEB müssen an die Schulen gehen, die Kinder die nicht Fussball spielen wollen zum Eishockey bringen. Der alt-Herren-Club DFB hat das schon ganz gut vorgemacht.

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Christian K. 11. Februar 2011 um 9:37

Liest der Magath hier mit? Der Clip heute früh im ARD Morgenmagazin war jedenfalls sensationell. „So, jetzt melde ich mich hier mal bei Fäisbuk an und were gleich mal was boosten!“

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Auswärtssieg! » Facebook, Felix, FCS04 11. Februar 2011 um 16:45

[…] führte das zu etwas Irritation, die sich dann noch deutlich erhöhte als im Januar ein Blog-Artikel über Social-Media und Sport erschien, in dem die Haltung der Verantwortlichen des FC Schalke 04 ziemlich hart kritisiert wurde. […]

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Sport und Social Media: New Jersey Devils starten War Room 23. Februar 2011 um 9:47

[…] Spaltung zwischen Deutschland und dem Rest der Welt voranschreitet, das zeigt das Video unten. Der FC Schalke will mit dem ganze Zeugs nichts zu tun haben, während sein Maestro Felix Magath eine sehr klug geführt Facebook-Page sein eigen nennt – […]

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Facebook – der Kommentar-Retter 3. März 2011 um 19:23

[…] zu. Ein höchst spannendes Experiment. Und ich glaube: Es wird gelingen. Darauf deuten auch die Erfahrungen der Deutschen Eishockey-Liga mit ihrer Facebook-Seite hin. Wird noch weiter geflucht? Ja, klar. Aber nicht in einem Ausmaß, dass die Kommunikation […]

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blog.rhein-zeitung.de » Blog Archive » Ein Moment mit einem Sommermärchen-Star: Wann entdeckt der DFB das Web? 24. März 2011 um 23:33

[…] Fall “Hartplatzhelden“. Auch Thomas Knüwer hat schon auf die Defizite des Fußballs in Sachen Social Media hingewiesen. Und in dieser Woche hatte ich mit einem anderen Star des Sommermärchen-Films zu tun: […]

Antworten

Die Facebook-Herausforderung 4. Mai 2011 um 17:25

[…] der Fans. Und das ist ein Fehler. Zum einen, weil Facebook-Statistiken ja weit detaillierter sind (mehr dazu auch hier). Sie lassen sich von den Administratoren der Seiten ja sogar als Excel-Datei […]

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kpunktnull wird Business-Partner der DEG Metro Stars 2. November 2015 um 14:11

[…] Die Deutsche Eishockey-Liga DEL war der erste Kunde von kpunktnull (einige Zahlen zum Erfolg im Social Web können Sie hier nachlesen). […]

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