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Vor einiger Zeit protokollierte der geschätzte Ex-Kollege Hans-Peter Siebenhaar, Medien-Fachmann des „Handelsblatts“, das Wehklagen deutscher TV-Manager. Sie sahen keine Qualität auf der TV-Messe LA Screenings:

„“Ich habe den Eindruck, dass es an Kreativität mangelt“, sagte ZDF-Programmchef Thomas Bellut dem Handelsblatt. Wolf Bauer, Chef des deutschen Film- und TV-Produzenten Ufa, rügt: „Mit der in Los Angeles angebotenen Ware kann ein Sender kein Profil und kein Image kreieren.““

Das ist merkwürdig. Denn die Wahrnehmung der US-Serien-Gucker hier zu Lande ist eher das Gegenteil: Schon seit Jahren wurden amerikanische Shows nicht mehr so heiß diskutiert wie derzeit. Nehmen wir nur „Mad Men„. Wer noch immer nicht davon gehört hat: Es ist für viele eine der großartigsten TV-Serien seit Jahren. Eine Werbeagentur in New York steht für den Wandel der Gesellschaft in den 60er Jahren – Ausstattung, Dialoge, Schauspieler: alles vom allerallerfeinsten. Hier ein sehr schöner Zusammenschnitt über die Mad Women:


In den USA ist jüngst die vierte Staffel gestartet, „Mad Men“ gehört längst zum popkulturellen Kanon. Mehr noch: In der Mode sorgt die Serie sogar für ein Revival der 60er, wie unter anderem Prada dokumentierte.

Wo, fragen Sie vielleicht jetzt, kann der Deutsche denn diese großartige, anspruchsvolle Unterhaltung erblicken?

Nirgends, es sei denn, er ist tief drin in den Spartenkanälen. Fox zeigte die ersten Staffeln seit vergangenem Sommer. Ab Herbst nun erbarmt sich das ZDF – auf seinem Winzkanal Neo. Mit Verlaub: erbärmlich.

Andererseits aber auch ein Zeichen. Gerade das deutsche Fernsehen – aber alle Sender in Nationen außerhalb des englischsprachigen Raumes genauso – laufen immer stärker auf ein Problem zu. Der Einkauf amerikanischer Serien bringt ihnen nichts mehr. Das liegt nicht am Desinteresse der Zuschauer – sondern an den Strukturen der Medien. Tatsächlich sind Serien wie „Mad Men“ der Anfang vom Ende des klassischen Fernsehens.

Dabei gilt natürlich zu beachten, dass deutsche Sender eine erstaunliches Gespür dafür bewiesen, anspruchsvolle US-Serien zu ignorieren oder kaputt zu senden.

Beispiel „West Wing“: Sieben Jahre lang schilderte die Serie die politische Arbeit im US-Präsidentenbüro. Packend, schnell, spannend, unterhaltsam. Deutsche Ausstrahlung: zwei Jahre nach Einstellung der Serie auf Fox.

Beispiel „The Wire“: Als die Serie 2008 zu Ende ging entschuldigte sich das „Time“-Magazin bei den Machern dafür, dass es zu spät entdeckte, welche Qualität die Produktion mitbrachte. In Deutschland war sie zu sehen… ach ja, auf Fox.

Beispiel „Friends“: Die stilprägende Comedy-Serie mänderte munter durch das Reich Pro7-Sat1. Mal mittags, mal nachts, Folgen wurden ziellos durcheinander geworfen. Erst am Ende fasst sich irgendein Programmmacher ein Herz – und „Friends“ wurde ein Erfolg.

Beispiel „Sopranos“: Das ZDF setzte die faszinierende Mafia-Serie auf einen für eine nicht-jugendliche Zielgruppe tollen Termin, erst am Samstag spät abends, dann am Sonntag spät abends. Dann versuchte es Kabel1 – nicht gerade ein Hort der Qualitätsware. Letztlich liefen nur bei Premiere alle Staffeln.

Das sind nur einige Beispiele. Die deutsche TV-Struktur steht der Qualität im Wege. In den USA kann ein Qualitätsprodukt ein Senderimage verändern, so wie „Mad Men“ das von AMC. Der Grund: In Nordamerika ist Pay-TV die Regel, nicht die Ausnahme. Im deutschen System aber schielt jeder Sender, der einen Zugang zu freien Kabelnetzen oder terrestrischen Frequenzen hat auf die Einschaltquote als Ganzes. Jeder möchte ein großer Sender sein um einen möglichst großen Batzen Werbung zu bekommen. Experimente sind da tabu, nur ganz selten wagt einer der Sender trotz schwacher Quoten an einem Format festzuhalten, an das er glaubt.

Das Pay-TV-System dagegen liefert eine Grundfinanzierung, die Experimente leichter macht. Auch die Zwischenfinanzierung hochwertiger Eigenware: Die muss sich nicht direkt 1:1 rechnen, das Finanzpolster erlaubt ein Ausharren in der Hoffnung auf Einnahmen durch Weitervermarktungsoptionen wie DVD.

Es gibt ein weiteres Problem. US-Serien werden immer komplexer und anspruchsvoller, sowohl im Volumen ihrer Erzählungen wie in den Verschachtelungen mit aktuellen Ereignissen und der Popkultur. Schauen Sie sich mal eine Folge „Der Alte“ an und schreiben hinterher die Handlung auf – und dann wiederholen Sie das Experiment mit einer Folge „24“.

Und das ist erst der Anfang. Denn nun folgt „Transmedia Storytelling„. Eine TV-Serie wird künftig nicht mehr nur eine TV-Serie sein. Sie ist gleichzeitig ein Comicheft, ein Videospiel, eine Flut von Internet-Seiten. Was möglich ist, zeigte „Heroes“: Die Serie um Menschen, die unverhofft zu Superkräften kommen, fand während ihrer US-Ausstrahlung multimedial statt. Da konnten Fans über mögliche neue Superkräfte bestimmen, die Comic-Hefte auf dem Bildschirm waren tatsächlich zu haben, wer eine beiläufig in der Handlung auftauchende Telefonnummer wählte, landete tatsächlich bei einem Anrufbeantworter jener Firma, die in der Handlung auftauchte. Und natürlich hatte die schon eine Homepage. Auch die BBC versucht sich schon in diesem Feld, ihr Science-Fiction-Dauerbrenner „Dr. Who“ bekommt verstärkt Videospiel-Ableger.

Erstaunlich übrigens, dass sich die so bieder scheinende „Lindenstraße“ tatsächlich in diesem Feld versucht. Der Urlaub der Zenkers wurde per Blog weitererzählt – eine kleine Idee, aber eine hübsche.

Auch weiterhin kann jedermann die TV-Serie ohne die multimedialen Anhängsel verstehen. Aber die echten Fans bekommen weit mehr geboten, sie tauchen in ein komplettes Universum ein. Das geht genauso bei Büchern, Kinofilmen oder Musik (wie die faszinierende Umsetzung des Gorillaz-Albums „Plastic Beach“ zeigt).

Nur: Die Fans in Deutschland, die können das in Sachen Fernsehen eben nicht. Denn selbst als sich RTLII „Heroes“ erbarmte, hing der Sender ein Jahr hinter den USA zurück. Dort diskutierten Fans schon den Beginn der dritte Staffel, als in Deutschland die zweite lief. Das funktioniert vielleicht in der ersten Staffel, denn es gibt ja noch keine Fans – dann aber nicht mehr. Die besonders Interessierten wenden sich ab. Sie suchen sich auf Web-Plattformen die aktuellen Versionen, sie wollen mitreden. Somit bleiben nur noch die weniger Gebannten – und die wandern bei komplexen Handlungen eher ab.

Die Folgen dessen, was da gerade passiert, werden viele Sender erst in Jahren spüren. Eine ganze Generation junger Medienaffiner verabschiedet sich von ihnen. Nur Live-Events, Thrash-Formate wie „GNTM“ oder Sport sind sie noch zu gewinnen. Und deutsche Serien? Können größtenteils nicht mal ansatzweise mithalten. Allein schon ihre Ausstattung atmet den Moder des Komödienstadels. Nehmen wir nur die von Kritikern durchaus gelobte „Danni Lowinski“: was für eine Ansammlung billiger Papp-Kulissen.

Mit dem Absinken der Kaufbereitschaft europäischer Sender wird den Produzenten in Übersee eine Entscheidung leichter fallen: Sie werden anfangen, ihre Ware direkt zu vermarkten. Und: Sie werden damit Erfolg haben. Sehnsüchtig warten viele schon jetzt darauf, dass die US-TV-Plattform Hulu ihre Tore für Europäer öffnet. Derzeit sorgt die Geocodierung noch dafür, dass Tricks nötig sind, um Hulu zu nutzen. An diesem Wochenende machte ein neuer die Runde.

Das Wegbröcklen der jungen Zielgruppe hat dann wieder handfeste Auswirkungen auf die deutschen Sender. Denn dies ist ja gleichzeitig die liebste Werbezielgruppe. Weniger Werbeeinnahmen lässt dann aber die Qualität der Eigenproduktion wieder sinken – eine Totdesspiral setzt ein.

Man darf vermuten: Es wird noch ein gepflegtes Sendersterben geben. Das liegt, wie gesagt, noch Jahre entfernt. Ich halte es aber für unausweichlich. Das Ironische daran: Es ist eine steigende Qualität, die das bewirken wird.


Kommentare


elcario 3. August 2010 um 10:15

Endlich bringt es mal jemand auf den Punkt! Würde es hier in Deutschland HBO geben, ich wäre bereit dafür zu zahlen, denn das Fernseherlebnis ist einzigartig! Selbst die „billig“ Comedy auf CBS (TBBT, HIMYM) ist um Längen besser als alles, was im deutschen Fernsehen so läuft. Einen habe ich noch: Die Serie Veronica Mars war ein Riesenerfolg in den USA und hatte auch hier viele Fans, wurde vom ZDF aber auch Samstagnacht ausgestrahlt, wenn nicht gerade etwas anderes kam. Wenn man so mit einer Serie umgeht, ist der Misserfolg vorprogrammiert.

Mein Fazit: Sollen die deutschen Sender doch sterben, besser heute als Morgen.

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Till 3. August 2010 um 10:26

WORD!

Ich bin Serienjunkie und ich brauche es 😉
Ich muss dir in allen Punkten zustimmen. Es ist echt bitter zusehen das Deutschland Serientechnisch gesehen so weit hinten liegt.

Anfang des Jahren habe ich gehofft das es besser wird. Denn:
Lost war im deutsche iTunes Store erhältlich ( direkt nach der Ausstrahlung ) und wenige Wochen Später gab es die Folgen auch schon in Deutsch, wenn auch nur im PayTV.Mich verwundert es nicht das die Zahlen und das Interesse an illegalen Downloads von Serien inzwischen so angestiegen sind.
Die Zeit der Ausstrahlung ist natürlich ein Faktum welches meiner Meinung gravierend ist. Aber auch das Leben der Serie wird nicht transportiert. Das Drumherum, Events ect. Die Serien gehen einfach aus Mangel an Interesse der Sender Unter.
Anfangs war mir die Synchronisation von Film und Serien immer schnuppe, bis ich angefangen habe die Serien im Originalen zu sehen.
Emotionen und Wortwitzen ist nach der Syncro. passe. Leider.

Nun ja, gleich läuft ja meine lieblings Promi-Casting-Show auf RTL 😉 😛

Grüße Till

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Till 3. August 2010 um 10:30

WORD!

Ich bin Serienjunkie und ich brauche es 😉
Ich muss dir in allen Punkten zustimmen. Es ist echt bitter zusehen das Deutschland Serientechnisch gesehen so weit hinten liegt.

Anfang des Jahren habe ich gehofft das es besser wird. Denn:
Lost war im deutsche iTunes Store erhältlich ( direkt nach der Ausstrahlung ) und wenige Wochen Später gab es die Folgen auch schon in Deutsch, wenn auch nur im PayTV.Mich verwundert es nicht das die Zahlen und das Interesse an illegalen Downloads von Serien inzwischen so angestiegen sind.
Die Zeit der Ausstrahlung ist natürlich ein Faktum welches meiner Meinung gravierend ist. Aber auch das Leben der Serie wird nicht transportiert. Das Drumherum, Events ect. Die Serien gehen einfach aus Mangel an Interesse der Sender Unter.
Anfangs war mir die Synchronisation von Film und Serien immer schnuppe, bis ich angefangen habe die Serien im Originalen zu sehen.
Emotionen und Wortwitzen ist nach der Syncro. passe. Leider.
Im Original Ton hat die Serie einfach einen ganz anderen Scharm.

Nun ja, gleich läuft ja meine lieblings Promi-Casting-Show auf RTL 😉 😛

Grüße Till

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Thilo Specht 3. August 2010 um 10:30

Prima auf den Punkt gebracht – das Qualitäts-Dilemma gibt es ja nicht erst seit gestern. Es wird jedoch verstärkt durch die technologische Entwicklung:

Broadcasting braucht in 5 Jahren kein Mensch mehr. On-Demand wird zum Standard. Auch bei uns. Die Frage ist nur, wer daran verdient. Die GEZ hoffentlich nicht mehr, weil sich die Produktionsfirmen und Vermarkter selbst zu helfen wissen.

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Spielkind 3. August 2010 um 10:30

Das ist mir alles ein bißchen zu einfach. Ich bin auch ein Riesenfan amerikanischer Serien und natürlich ist es teilweise ein Trauerspiel, was das ZDF beispielsweise mit den Sopranos veranstaltet hat, aber es gibt eben doch noch ein paar andere Faktoren:

Nicht jede Serie funktioniert zum Beispiel auch in Deutschland. Beispiel „West Wing“. Das ist für mich die beste Fernsehserie aller Zeiten, aber wer sich nicht relativ gut mit dem amerikanischen Politsystem auskennt, wird zumindest mit den ersten drei, vier Staffeln (danach wird die Dramaturgie etwas „großflächiger“) streckenweise nicht viel anfangen können.

Hinzu kommt, dass viele Serien (West Wing, aber auch The Wire und besonders Mad Men) einfach sehr von ihrer Sprache leben. Das kann man nicht übersetzen, ohne was kaputtzumachen, und das wissen auch die Verantwortlichen bei den Sendern.

Und: Am Ende war noch nie eine dieser richtig anspruchsvollen Serien in Deutschland so richtig erfolgreich im Sinne von „Durchbruch“ – auch nicht „Lost“ oder „24“. Wohlgemerkt nur bei der TV-Ausstrahlung, auf DVD sind die Verkäufe ja immer sehr ordentlich. Das liegt natürlich an der Ausstrahlungspolitik, aber „24“ wurde von RTL2 über die Jahre eigentlich in jeder denkbaren Variante (vier Folgen pro Tag, zwei pro Tag, drei pro Woche…) gezeigt – ohne je so richtig erfolgreich gewesen zu sein. Gleiches gilt übrigens auch für seltene gute deutsche Serien-Produktionen wie „Türkisch für Anfänger“ oder „KDD“. Deutsche Hardcore-Serien-Gucker nutzen iTunes, illegale Internet-Möglichkeiten oder DVDs. Im Fernsehen erfolgreich ist dagegen eher Herzschmerz- oder Krimi-Dutzendware (wie „Gilmore Girls“, „Gossip Girl“, „CSI“ oder, alles überragend, „House“). An diese Umstände hat sich der Markt einfach angepasst.

Und @elcario: „Veronica Mars“ ist eine tolle Serie und wurde vom ZDF wirklich dumm zersendet, aber ein Riesenerfolg in den USA war das nicht. Sonst wäre die nicht nach zwei Staffeln zu CW abgewandert (die amerikanische Antwort auf RTLII) und dann nach einer weiteren Staffel abgesetzt worden – die Quoten waren einfach immer schlecht.

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Wigan Salazar 3. August 2010 um 10:35

Auf den Punkt getroffen. Freut mich auch, dass mal das unzivilisierte Durcheinandersenden der Staffeln thematisiert wird – deutsche Programmmacher scheinen keinen Sinn dafür zu haben, dass Serien einen Rhythmus und auch eine Erzählstruktur haben. Ich denke aber, dass die Sender noch eine Chance hätten, auch wenn die Serien ein Jahr später kommen – wichtig wäre nur, dass sie auch im Original ausgestrahlt werden. Gab es früher nicht mal so was wie den Zweikanalton? Was ist eigentlich aus dem geworden?

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OlafKolbrueck 3. August 2010 um 10:37

Vielleicht suchen sich die Sender auch nur die falsche Serien aus.
Zur ARD Vorabendserie “Eine für alle: Frauen könnens besser …” hatte Lilli Lemcke einen Blog lillisblog.de und es gab gefakte Xing-Profile, die dann gelöscht wurden sowie eine Unternehmensseite zum Arbeitgeber in der Sendung.

Die virale Verlängerung fiktiver TV-Elemente ins Web probte auch das ZDF mit “Ein Mann, ein Fjord!” und Hape Kerkeling. Das war aber leider nur Anschubhilfe für die Ausstrahlung. Alles ein wenig zu brav. Details zur Fjord-Nummer hier: http://off-the-record.de/2009/01/14/hape-kerkeling-macht-viral-wirbel-fuer-das-zdf-und-ein-mann-ein-fjord/

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Postdramatiker – Postdramatik und Transmedia storytelling 3. August 2010 um 10:43

[…] einem Posting von Thomas Knüwer (hier) bin ich über das enorm interessante Konzept von “Transmedia storytelling” gestolpert. […]

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Alphager 3. August 2010 um 10:45

Kann mir jemand den Reiz von Mad Men erklären? Ich habe die erste Folge der ersten Staffel gesehen und bin einfach nur abgeschreckt vom Rassismus und der Frauenfeindlichkeit. Natürlich war das in den 60er Jahren so, aber das tue ich mir nicht als spaßige Serie, sondern als Doku an.

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CHR 3. August 2010 um 11:02

Prinzipiell ist der Gedankengang überzeugend. Die auch von mir wahrgenommene Schere zwischen den Ansprüchen und Kriterien deutscher Fernsehmacher und – manager und dem Verhalten jüngerer Zuschauerschichten erscheint gewaltig. Besonders stört mich die nahezu selbstkritikbefreite Anmaßung, zu wissen, was das deutsche Publikum wünsche, wobei sich immer deutlicher zeigt, das dies ein Gedankenkonstrukt der Manager ist, dem immer klarer die demographische Grundlage entzogen wird.

Grundsätzlich muss aber auch noch beobachtet werden, ob die komplexen Qualitätsformate in den USA sich in serieller Form mit ausgefeilter Dramaturgie halten können. Kürzlich gab es ein interessantes Interview mit J.J. Abrams (Alias, Lost, Fringe) – ich glaube, im Rahmen der ComicCon, in dem er auch auf die Gefahren dieser aufwendigen Produktionen hinweist, die letztlich auch in den USA von den Sendern und den Produktmanagern toleriert wurden, allerdings aufgrund erheblicher Probleme nie als der Königsweg angesehen wurden. Stichworte sind Lock-in-Effekte, die sich auch schön an Lost in den USA beschreiben lassen: Großartige Quoten in der ersten Staffel, die in den folgenden auch absackten, was auf die Komplexität zurückgeführt werden kann. Die treuen Zuschauer waren zunehmend verwirrt von den Strängen und verabschiedeten sich mitunter, neue Zuschauer konnten nur kaum gewonnen werden, je komplexer und umfangreicher die Serie war, da ein nahtloser Einstieg nicht ohne das Vorwissen um bisher Geschehenes möglich war. Ebenfalls verweist er auf Quotenerfolge von klassischen Serien mit auserzählter Handlung in jeder Folge wie etwa bei The Mentalist, welche erhebliche Vorteile aus wirtschaftlicher Sicht haben und zugleich gute und bessere Quoten als die hier verhandelten Qualitätsformate haben. Man wird aber auch CSI und Klone dazurechnen können, Leverage, Castle etc.

Es lässt sich, darauf will ich hinaus, derzeit noch nicht absehen, ob sich diese Qualität auch im US-Fernsehen dauerhaft fortsetzen lässt. Es gibt Ausreißer nach oben und nach unten (s.u.). Allerdings könnte man die Chancen auch noch einmal nach Pay- und Free-TV in den USA unterscheiden, wie Thomas andeutet.

@elcario : Woran selbst bemisst sich hier die Bewertung des Erfolgs von VM, der gar riesig gewesen sein soll? An den Quoten gemessen war VM in den USA nie ein Erfolg, was letztlich in der dritten Staffel zu erheblichen Konzessionen der Macher der Serie führte (Wechsel der Erzählform) und den harten Kern treuer Zuschauer irritierte, aber die Serie auch nicht zum Quotenerfolg machte, weshalb sie auf einem Cliffhanger nach der dritten Staffel abgesetzt wurde. Erfolgreich war VM aber bei den Geeks (vergleichbar aus der Ferne mit dem Erfolg von Chuck in dieser Sparte, mit derzeit aber anderem Quotenerfolg)

Weitere Beispiele für interessante Serien mit fortlaufender Erzählform, die es aber auch in den USA nur unter gewissen Aspekten geschafft haben: True Blood (3 Staffeln bisher, erfolgreiche Quoten und steigend), Dexter (5 Staffeln, erfolgreich), Alias (5 Staffeln, vier Staffeln sehr erfolgreich, allerdings schon älter), Dollhouse (2 Staffeln, abruptes Ende), Battlestar Galactica (4 Staffeln), Terminator: The Sarah Connor Chronicles (2. Staffeln, abruptes Ende), Firefly (11 Folgen gesendet, 14 produziert, schneller, sagenumwobener Serientod mit künstlicher Lebenserhaltung in einem abschließenden Kinofilm).

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Balkonschlaefer 3. August 2010 um 11:08

Na das klingt doch richtig gut. Sollen die ganzen deutschen TV-Sender doch sterben. Also ich hab kein Problem damit, und das, obwohl ich bis vor fünf, sechs Jahren zur Stammzielgruppe von ProSieben und Co gehörte.

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Martin Weigert 3. August 2010 um 11:14

Sehr schöne Analyse! Ich bin an und für sich kein Serienfan, aber Mad Man hat es mir mittlerweile auch sehr angetan.

Allerdings halte ich es für fast ausgeschlossen, dass Serien wie diese aus Deutschland kommen. Egal was passiert. Die Sucht der Amerikaner nach Unterhaltung ist in dieser Form in Europa einfach nicht gegeben, gleiches gilt für das Marktvolumen. Eine andere Mentalität und Kultur kommt noch hinzu.

Und letztlich bringt die US-Affinität für bewegte Inhalte ja nicht nur Positives mit sich – wenn man bedenkt, was dem Zuschauer dort zur Unterhaltung vorgesetzt wird http://www.youtube.com/watch?v=ua-OqYZC1DA

Insofern gilt es wohl einfach, den Zustand zu akzeptieren, sich aus der Masse der US-Produktionen die Leckerbissen herauszufischen und dem hiesigen TV beim Abrutschen in die Bedeutungslosigkeit zuzuschauen. Dann verschwinden auch Synchronisierungen und die Deutschen sind endlich gezwungen, frühzeitig ein Gefühl für die englische Sprache zu entwickeln.

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_Flin_ 3. August 2010 um 11:35

Man kann bei dieser Thematik auch noch „Seinfeld“ anführen, das sich auf Pro7 nachts um halb eins wiederfand. Wer soll das da denn sehen? Andere Beispiele sind die britischen Serien „The IT Crowd“, das nur auf Comedy Central läuft oder die Serie „Spaced“ von und mit Simon Pegg, die es nie ins deutsche Fernsehen geschafft hat. Stattdessen gibt’s bei uns so Bringer wie „Lotta in Love“. Warum auch gute Sachen kaufen, wenn man stattdessen auch schlechte kopieren kann. Man könnte ja eine Zielgruppe erschließen, die ein anderer Sender nicht längst schon hat.

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Jeff Kelly 3. August 2010 um 13:02

Man blendet natürlich gerne aus, dass auch in den USA Serien wie Mad Men Perlen in einer See an Mist sind.

Das Tagesprogramm amerikanischer Sender besteht eben nicht nur aus West Wing und Mad Men sondern auch aus Daily Soaps, Daytime Talkshows, Reality und Talkformaten, meist unterster Schublade.

Selbst „Unterschichten“-TV gestählte deutsche Seher würden an einem Tag Fox News oder dem Programm der „Big 4“ schier verzweifeln.

Für jedes Lost gibt es eben auch 10 Jerry Springer, Maurys und Rivaldos und 25 Telenovelas und Soaps des Formats „The Young and the Restless“.

Interessanterweise haben nämlich auch die „Big 4“ der USA die gleichen Probleme der deutschen werbefinanzierten Sender, schwindendes Publikum, schrumpfende Werbeeinnahmen und ein qualitativ abnehmendes Niveau. Die amerikanischen seher „verabschiedenen“ sich nämlich aus dem werbefinanzierten Programm ber Timeshift und Festplattenrekorder.

Pay-TV bei Abo-Preisen von gerne mal $120 für Kabelanschluß oder Satellit als „Die Regel“ zu bezeichnen halte ich übrigens genauso gewagt.

AMC, HBO, USA, Showtime und Co gehören nämlich zum kostenpflichtigen „Premium-Cable“ Angebot, das in der Regel nur wenige buchen. Im „Basic-Cable“ findet sich dann streckenweise der gleiche Mist wie bei Netcologne, Kabel Deutschland und Co auch.

Das TV-Geschäft in den USA und Europa hat mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede.

Mal so ein paar Zahlen:
58% aller Americaner haben ein „Basic-Cable“ Abo, was in etwa preislich auf dem gleichen Niveau liegt wie ein Kabel Deutschland Abo ($20 – $30 für alle FTA Stationen), das enthält lediglich alle „Must Carry“ Stationen was sich auf Lokalsender, die 4 grossen Networks CBS, NBC, ABC und Fox und ein paar Spartenkanäle beschränkt.

Die von ihnen angesprochenen Kanäle verteilen sich dann auf Premiumpakete, die mehr kosten, und HBO, Starz, Showtime und Co. die eigene Abo-Gebühren verlangen. Ein Premiumpaket des größten Kabelanbieters Comcast z.B. kostet $85 und da ist noch kein HBO, Showtime und Co. enthalten.

USA als größter Kabelsender kommt „gerade mal“ auf 3,5 Millionen Zuschauer was im Vergleich zu den bis zu 22 Millionen die CBS an einem Primetime-Abend einschalten geradezu lächerlich ist. AMC als Produzent von „Mad Men“ taucht unter den Top7 Kabelsendern noch nicht einmal auf und bringt es auf insgesamt 5(!) eigenproduzierte Sendungen (darunter das exzellente „Breaking Bad“), damit bestreitet ProSieben-Sat1 nicht mal einen einzelnen Vormittag.

Der Unterschied zu Deutschland liegt eben nicht nur im Programm sondern wo die Rechte liegen und wie die Gewinne erzielt werden.

USA braucht durch die Mischfinanzierung aus Werbung und Abo-Gebühren nicht mehr als 3,5 Millionen Zuschauer um solche Serien zu refinanzieren und zusätzlich erzielen sie auch noch Einnahmen aus Lizensierung der Serien ins In- und Ausland und der Zweitverwertung auf DVD.

Seinfeld hat z.B. 2,7 Milliarden (ja richtig) alleine durch die Zweitverwertung im Inland (Syndication) eingespielt und Syndicationverträge bringen tweilweise bis zu $800.000 pro Folge einer Hitshow ein. Auslandsverwertung und DVD nicht eingerechnet.

Die US-Sender refinanzieren sich nicht alleine durch Werbung sondern direkt durch die eigenproduzierten Inhalte und deren „Qualität“. Eine Einnahmequelle die den deutschen Sendern nicht offen steht.

Deshalb gibt es auch keinen großen Konflikt zwischen der Einnahmeseite und der Programmseite. Die Sender verdienen auch durch ihre Inhalte (auch die werbefinanzierten) nicht nur über Fernsehwerbung.

Die deutschen Sender verdienen ausschliesslich über Werbung, sie würden auch ein Testbild senden, wenn 10 Millionen zusehen würden und sich Werbung verkaufen liesse, sie erzielen kaum „Mehrwert“ aus eigenproduzierten Formaten, weil die Zweit- und Drittverwertung fast vollständig wegfällt und sie keine Abomodelle fahren können. Außerdem weil sie fast nichts selbst produzieren sondern nur „Abspielstationen“ für die Inhalte anderer sind.

Ganz so wie viele deutsche Presseerzeugnisse.

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Peter 3. August 2010 um 13:03

Interessante Analyse, deren Ergebnis ich aber nicht teile. Denn es bricht nicht die „ganze junge Zielgruppe“ weg, sondern allenfalls der gebildete und online-affine Teil davon. Der will und kann die Serien ohnehin zum größten Teil im Original sehen – was hierzulande ja immer noch nicht möglich ist!

Was also vor den Fernsehschirmen bleibt ist das „Prekariat“, die Bildungsfernen. Das führt dann nicht zu einem Untergang des Fernsehens sondern verstärkt eine Entwicklung, die es ohnehin schon seit Jahren zu beobachten gibt, nämlich den Qualitätsverlust des Programms.

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Nerddeutschland 3. August 2010 um 13:26

WORD

Und dabei ist MadMen noch nicht mal unbedingt das komplexeste
MegaMovie,das ist noch durchaus tv-tauglich.

Titel wie Sopranos, The Wire und The Shield spannen hier noch einen größeren Bogen.

Unabhängig davon, dass Sendeplätze/Zeit im deutschen TV unglücklich
gewählt werden,ist es aber auch schwierig diese richtig zu platzieren:
Die meisten dieser „Serien“ sind ja gar nicht fürs TV entwickelt worden.
HBO und Co. senden zwar, aber die TV-Ausstrahlung stellt eigentlich nur
ein Snippet dar, einen Teaser: im Fokus des Verwertungskette dieser MegaMovies steht nicht mehr TV, sondern der Verkauf der DVDs/BlueRays.
Story, Dramaturgie und Charakterentwicklung zielen doch darauf ab, sich die Boxen zu kaufen, und diese am Stück zu schauen, wie einen überlangen Film.
Das macht es für die deutschen TV-Sender dann nicht einfacher, diese Shows auch vermarkten zu können: es sind ja gar keine „Serien“ mehr.

Einen lesenswerten Beitrag zu dem Thema hat übrigens auch Ulf Poschardt jüngst verfasst:
http://mobil.welt.de/article.do?id=die-welt%2Fdebatte%2Farticle8755647%2FDr-House-wuerde-in-der-Praxis-Buelowbogen-gefeuert

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teekay 3. August 2010 um 14:11

Jeff Katz‘ Analyse ist sehr wichtig, denn so einfach kann man Maerkte nicht vergleichen. Aehnlich wie im Internet oder sonstwo in den Medien sind 95% des Angebotes Schrott und dann muss man sehen, wie man fuer die 5% bezahlt. In Nordamerika gibt es mehr Angebote, d.h. aber auch quantitative gesehene viel, viel mehr Schrott. Aber der Beitrag ist wichtig, weil er ein fundamentaleres Problem aufwirft: Wie soll denn Fernsehen, ob gebuehrenfinanziert oder anders, jungen, ‚coolen‘ medienaffinen Leuten ein Angebot bieten? In dem man Serien synchronisiert, mit Werbung vollhaut und an einem Sendeplatz versteckt, wo ich jede Woche suchen muss? Mann, da habe ich doch laengst die DVD-Staffel beim Amazon gekauft, bin flexibel und bekomme noch ein paar Extras. Ich kenne auch Freunde die sich ganze Staffeln und aktuelle Folgen aus dem Internet saugen, was natuerlich verboten ist…was ich sagen will: Selbst wenn das ZDF Mad Men promotet, an einem guten Sendeplatz ausstrahlt usw dann ist das fuer einen Grossteil der Zielgruppe ein alter Hut. Bis ‚Fernsehen 1.0‘ einen Trend bringt ist er fuer 50% der Zielgruppe nicht mehr relevant. Man koennte natuerlich experimentieren. Untertitel statt Synchronisation, schnellere Ausstrahlung und richtig Werbung und ploetzlich spricht man eben ueber The Wire und Mad Men auch in Deutschland…aber so trantuetig wie die oeffentlich-rechtlichen sind und so gewinn-fixiert wie es z.B. Pro7Sat1 ist wird eben billig ein Doku-Drama produziert oder eine Volksmusiksendung fuer Menschen ueber 50…

Antworten

Sebs 3. August 2010 um 14:17

Ganz nett geschrieben aber komplett den Faktor ignoriert das viele User auch ohne Hulu die Serien schon sehen können. Die werden nämlich in die Illegalität abgedrückt. Wer an einer Serie zeitnah teilnehmen will die hierzulande nicht oder nur schwer zugänglich vermarktet wird, der weicht auf p2p downloadseiten und co. aus.
Wenn das Fernsehen nicht nachzieht oder meint das die User im Pull-Zeitalter darauf warten das 2 Jahre vergehen bis sich mal erbarmt wird, dann liegt da jemand falsch. Ich würde das als digitalen Mundraub bezeichnen, einfach nur aus dem Umstand der künstlichen Verknappung resultierend, nicht dem 0 Eur Preis. Schlimm genug das in den Holzmedien oft erst über Dinge berichtet wird die hier ankommen und nicht darüber was JETZT gerade passiert. 😉

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Jeff Kelly 3. August 2010 um 16:22

Das Internet ist der große Disintermediator.

Es werden keine oder nur noch wenige „Zwischenhändler“ mehr benötigt, da ich als Anbieter – unterstützt durch weltweite Logistik – direkt in Kontakt mit meinen Kunden treten kann.

Das ist Bad News für zwei Arten von Geschäftsmodellen:

1. Die die nur als Zwischenhändler auftreten
2. Die die keine Erfahrung oder keine Lust haben sich direkt mit dem Endkunden auseinanderzusetzen.

Die deutschen Medien, egal ob Radio, TV oder Presse, egal ob ÖR oder Privat fallen zu großen Teilen unter 1.

Warum soll ich mir eine Lokalzeitung kaufen, wenn ich die Infos auch direkt von Reuters AP und Co bekomme. Warum soll ich ein vorselektiertes Angebot eines Senders nutzen, wenn ich mir die Inhalte auch direkt ansehen kann.

Nimmt man die zugekauften und lediglich abgespielten Inhalte aus deutschen Medien raus bleibt fast nichts mehr übrig.

Es gibt nur deshalb tausende verschiedene deutsche Fernseh- und Radiosender und Zeitungen, weil der Zugang zur Ressource Nachricht oder Unterhaltung durch natürliche Monopole lokal begrenzt war. Man verkaufte Knappheit.

Jetzt wo das natürliche Monopol durchs Internet faktisch weggefallen ist haben alle die ein Problem, die Inhalte lediglich widerkäuen, da immer mehr Kunden die Inhalte direkt beim Erzeuger kaufen, der beliebig viele Kunden direkt bedienen kann, da die Notwendigkeit den Inhalt auf ein physisches Medium zu bannen weggefallen ist.

Ein deutscher Privatsender verkauft dir Inhalte von UK- und US-Produzenten die du vor dem Internet gar nicht hättest auf anderem Wege beziehen können (die fehlende Synchronisation ist eine weitere Hürde, ein weiteres natürliches Monopol) und gibt dir noch nicht mal die Wahl aus dem gesamten „Sortiment“ sondern nur aus einer Teilmenge von der er glaubt sie verkaufe sich gut.

Das funktioniert heute einfach nicht mehr. In dem Moment wo ich die Inhalte legal bei BBC, Hulu und Co. beziehen kann bin ich jedenfalls fürs deutsche Privatfernsehen weitestgehend verloren. es ist ja heute schon so, dass ich die offizielle UK- oder US-DVD schon lange durch habe bevor sich ein deutscher Sender nur dazu entschlossen hat die Serie überhaupt möglicherweise mal zu zeigen. Die Möglichkeiten die sich auf illegalem Wege bieten möchte ich da schon mal aussen vor lassen.

Tatsache ist auch. Es gibt kein legales Angebot das es auch nur zu 10% mit PirateBay und Co. aufnehmen kann. Ich meine damit noch nicht mal den Preis sondern eher das Angebot am ehesten aber kommen da noch Hulu + Netflix dran. Gäbe es die in DE es gäbe für fast alle Privatsender keine Existenzgrundlage mehr.

Antworten

Gunther 3. August 2010 um 20:37

Eigentlich kann ich alles in dem Artikel und auch in den Kommentaren so unterschreiben. Warum sollte ich lange warten bis ich eine schlecht snychronisierte Version des Originals zu Gesicht bekomme und dann noch irgendwann um 23 Uhr? Vor einigen Wochen habe ich bei Family Guy ja einen regelrechten Schock gekriegt, als ich die deutschen Stimmen zum ersten Mal gehört habe. In diesem Punkt können die deutschen Sender einfach nicht mehr mithalten.

Wie einige schon gemeint haben: die einzige Möglichkeit bestünde auch meines erachtens darin, die Originale mit Untertitel spätestens ein paar Tage danach in Deutschland zu senden. Doch ich bezweifle, dass das allein schon wegen der komplexen rechtlichen Situation einfach so mal ginge. Auch wäre das wahrscheinlich wie Perlen vor die Säue werfen. Auch wenn ich es nur ungern so zugeben oder so aussprechen möchte, aber Peter (#14) hat schon irgendwie recht, dass heutzutage am ehesten die Bildungsfernen Schichten noch regelmäßig deutsches Fernsehen schauen. Es würde die Senderpolitik in jedem Fall erklären. Und mit englisch ist das sicher so eine Sache.

Was bliebe also sonst noch? Eigenproduktion. Aber hier sind wir wieder bei dem gleichen Problem: Perlen vor die Säue und andere Strukturen. Wenn nicht Marktstrukturen dann mindestens Produktionsstrukturen. Ich habe vor einigen Jahren ein interessantes Buch gelesen, in welchem ein US-Produzent die Unterschiede deutlich gemacht hat. Soweit ich mich erinnern kann war einer, dass in den USA ganze Teams unter Hochdruck an neuen Episoden schreiben, während in D meistens jemand alleine in seinem Kämmerchen sitzt. Ob das heute auch so ist kann ich nicht sagen. Es müsste sich aber sicher eine Menge ändern, auch in den Köpfen der Entscheider.

Was mir aber gerade so auffällt: Eigentlich sind die ÖRs doch perfekt für mutige Experimente und neue Ansätze geeignet. Die müssen sich nicht um Geld kümmern und eigentlich auch nicht um Einschaltquoten. Aber nein, lieber werden die Milliarden für irgendein Blödsinn versendet. Es ist ein Jammertal.

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mz 4. August 2010 um 5:34

Als derzeit in den USA lebender Deutscher kann ich den meisten Kommentaren hier durchaus beipflichten, aber würde bei aller Kritik bitten, eine Sache doch nicht durcheinanderzubringen:
In den USA gibt es aufgrund der Beliebtheit des Mediums Fernsehen (nicht mit Deutschland/Europa vergleichbar) schlichtweg einen viel größeren Markt – und der produziert eben auch ab und an sehr hochwertige Formate.
Allerdings ist das durchschnittliche TV-Programm, wenn man von den Premiumsendern einmal absieht, keinesfalls auch nur im Ansatz besser als das deutsche Privatfernsehen. Die Mehrzahl der Werbeeinnahmen wird auch nicht durch hochwertigen Inhalt, sondern durch Shows a la „Bachelorette“ generiert.
Dem hat man in Deutschland zumindest die niveautechnisch und inhaltlich (aller Kritik zum Trotz) immer noch deutlich gehobeneren öffentlich-rechtlichen Programme entgegenzusetzen.

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Marc 4. August 2010 um 8:49

Beim ZDF wurde Veronice Mars echt beispielhaft zersendet. Erst „immer“ Samstags mittags (wenn nicht Tour de France, Präsident Bush oder der Papst kamen), dann Mittwoch nachts und schließlich in der Nacht von Freitag auf Samstag. Wenn Kerner nicht überzog oder ein Special für einen verstorbenen Künstler dazwischenkam.

Und nachher hieß es dann beim Sender, dass die Sendung deswegen nach hinten geschoben wurde, weil sie beim Zuschauer keine Akzeptanz fand. Klar, wenn er nicht weiß wann sie kommt.

So gut die Serie auch war, „Veronica Mars“ hatte recht oft Plots, denen man aufmerksam folgen musste, weil ein kleines Detail die Spur war. Ich vermute, dass war bei der Art von Serie einigen Zuschauern (auch in den USA) zu anstrengend.

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Das Ende des Fernsehens, wie wir es kennen — CARTA 4. August 2010 um 13:52

[…] 04.08.2010 | Thomas Knüwer beobachtet die Veränderung des Fernsehverhaltens und den Umbruch im Serienmarkt – US-Serien werden multimedial und immer anspruchsvoller und komplexer, werden in Deutschland nur mit großer Verzögerung und in Spartenkanälen gezeigt – und stellt fest: Die deutsche TV-Struktur steht der Qualität im Wege. In den USA kann ein Qualitätsprodukt ein Senderimage verändern, so wie “Mad Men” das von AMC. Der Grund: In Nordamerika ist Pay-TV die Regel, nicht die Ausnahme. Im deutschen System aber schielt jeder Sender, der einen Zugang zu freien Kabelnetzen oder terrestrischen Frequenzen hat auf die Einschaltquote als Ganzes. Jeder möchte ein großer Sender sein um einen möglichst großen Batzen Werbung zu bekommen. Experimente sind da tabu, nur ganz selten wagt einer der Sender trotz schwacher Quoten an einem Format festzuhalten, an das er glaubt. […]

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Crackpille 4. August 2010 um 17:11

Hinzu kommt wohl auch eine neue Kultur des „Bewegte-Bilder-Guckens“. Man schaut entweder, um eine bestimmte Zeit (20:15 bis Bett) totzuschlagen. Oder man guckt aus Interesse.

Im letzteren Fall ist es aber unsäglich nervig, an die Ausstrahlungszeiten der Sender gebunden zu sein, bei Abwesenheit die Aufnahme zu programmieren o.ä. oder darauf zu warten, dass der Film / die Serie / die Episode die man sehen will, mal läuft.

Wenn man aus Interesse schaut, dann geht nichts über gezielten Konsum. Einen langen Tag Southpark schauen geht nicht mit Fernsehen. Aber es geht per Internet – völlig legal – auf southpark.com / southpark.de.

Im Alternativlos-Podcast von Frank und fefe habe ich zB heute vom Film „Charlie Wilsons War“ gehört. Soll ich warten, bis der mal im Fernsehen läuft?

Fernsehen ist wie gefüttert werden. Internet ist wie Essengehen mit Speisekarte und der Option zum Selbstkochen.

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marcus 4. August 2010 um 17:17

Die Kommentare von Jeff Kelly treffen ins Schwarze. Mad Men, The Wire, The Sopranos und viele gute hierzulande hochgejubelten Serien liefen in den USA fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Dies wurde bei den Emmys so kritisiert, dass dort Serien mit Preisen überhäuft werden, die die wenigsten gucken können, weil sie sie sich nicht leisten können.
Die meisten US-Amerikaner gucken Grey’s, American Idol, Desp. Housewives. Die Kritik, das es nur noch Crime und Arztserien zum Erfolg schaffen, hält auch in den USA an.
Das vor ein paar Jahren beschworene Goldene Zeitalter der TV-Serien wurde mit dem Writer’s Strike eigenhändig beendet.
Ansonsten empfehle ich Modern Family. Das könnte sogar in Deutschland funktionieren, weil ich nicht jede Woche gucken muss.

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jot*be’s soup 4. August 2010 um 19:51

„[…] In Nordamerika ist Pay-TV die Regel, nicht die Ausnahme. Im deutschen S…“…

[…] In Nordamerika ist Pay-TV die Regel, nicht die Ausnahme. Im deutschen System aber schielt jeder Sender, der einen Zugang zu freien Kabelnetzen oder terrestrischen Frequenzen hat auf die Einschaltquote als Ganzes. Jeder möchte ein großer Sender se…

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Die wunderbare Welt von Isotopp 4. August 2010 um 22:01

links for 2010-08-04…

Kulturkampf – Streit um das Leistungsschutzrecht für Presseverlage Jörg Heidrich ist der Justitiar des Heise Verlages. In „Kulturkampf: Streit um das Leistungsschutzrecht für Presseverlage“ gibt er eine Einfü…

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Ark 5. August 2010 um 15:29

Von den öffentlich rechtlichen erwarte ich nix mehr!

Bitte kein Missverständnis: ohne die öffentlich rechtlichen würden wir an RTL, Kabel1, Pro7, usw verdummen – weil das intelligenteste was gesendet wurde in den letzten Jahren war die Wahl 2009, mehr gibt es nicht.

Wo ich bei Veronica Mars oder auch andere Serien-(Versuchen) die Hände über den Kopf zusammengeschlagen habe..wer sieht sich das regelmäßig an ?? Bei Pro7 passt das ganz gut, da schaue ich regelmäßig meine Serien , weil ich weiss.. „ah, heute ich montag…20.15 uhr – ok“ -aber der Rest….wenn Sky weniger Teuer wäre würde ichs wieder abbonieren – da kann ich mir Sendungen wirklich auf den Spatenkanälen anschauen.

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Beate Geibel 5. August 2010 um 22:47

DANKE ! Dein Artikel spricht mir aus der Seele.

Ich hab bereits vor 6 Jahren aufgehört deutsches Fernsehen zu schauen, einzige Ausnahmen „NEUES AUS DER ANSTALT, ARTE TRACKS UND FUSSBALL. Ich kann und will mich mit diesem unterirdischen Niveau nicht mehr beschäftigen.

Wenn die deutsches TV Sender Serien einkaufen, dann erst Jahre später und in den meisten Fällen mit einer katastrophalen Synch, von der Stimmenauswahl gar nicht erst zu reden ! Die wirklich außergewöhnlichen Serien laufen hier erst gar nicht.

ZDF Neo hat die richtige Idee, macht aber so ziemlich alles falsch was man nur falsch machen kann. Weiss eigentlich überhaupt jemand, das es diesen Sender überhaupt gibt und wenn ja, w er zu finden ist?.
Dann kaufen sie schon solch einen Diamanten wie Mad Men ein, gibts dazu irgendwelche Werbung, machen sie virale Kampagnen, gibts Plakate??? Fehlanzeige. Ging schon bei 30 Rock schön nach hinten los, richtig schad wäre es allerdings um Mad Men.

Das schlechte Beispiel der Musikbranche und deren Fehler müsste den TV Machern hierzulande doch eigentlich Warnung genug gewesen sein, aber nein, sie machen genau die gleichen Fehler noch einmal.

Niemand wird Musik im Netz kaufen, wer hat denn schon Interesse an MP3´s, das wird nicht passieren und wenn doch, das bleibts ein Nischenmarkt, der keinerlei Einfluss auf die Charts nehmen wird.
Das war wohlgemerkt zu Beginn der 2000der Jahre. Ohne den Ipod wäre die Musikbranche schon pleite… Ich arbeite in dieser Branche seit 30 Jahren und hab deren Niedergang sehr genau beobachtet.
Es gab bereits von Anfang an eine Nachfrage, nur wurde die via Downloadangeboten eben gar nicht erst bedient, was haben die Leute gemacht, sie haben sich die Musik aus dem Netz gezogen. Das Internet und seine Möglichkeiten, wurden negiert und ignoriert. bis es fast zu spät war.

Und nun passiert genau das Gleiche in der TV und Film Branche. Wo bleiben die Angebote der Sender zeitgleich mit USA und UK in englischer Sprache, Fehlanzeige (HULU plant jetzt ein Streaming Angebot so weit ich informiert bin) oder aber in Paketen wie bei Sky versteckt, die keinen Sinn machen. Filme kommen zum Teil erst 6-8 Monate später ins deutsche Kino und haben, wie auch im TV, oft eine peinlich schlechte Synch.

Seit Jahren gibt es bereits Seiten im Netz, auf denen man jede beliebige Serie/Kinofilm als Stream anschauen kann, wann immer und wo immer man will. Am Anfang war die Qualität hundsmiserabel inzwischen oft HD. Ohne diese Seiten würde ich viele grossartige Serien nicht kennen, würde nicht über sie schreiben, würde ich keine DVD Boxen kaufen oder sie nicht empfehlen.

Ich habe damals alle TV Sender in den USA und UK angeschrieben und gefragt, welche Bezahl-Streamingangebote sie für Europa haben, geantwortet hat nur Showtime, daß sie an einem Konzept arbeiten, weil sie sehr viele Anfragen diesbezüglich haben, vor allem aus Deutschland. Der Emailverkehr ist inzwischen 3 Jahre alt… passiert ist nichts.

Kein Angebot, genau das gleiche Szenario wie damals bei den MP3´s, ergo, die Leute schauen umsonst als Stream im Netz.

Ich bin jemand, der gerne für gut gemachte Kunst zahlt, egal ob für Bücher, Songs, Filme und Serien, weil ich das als respektvoll gegenüber dem jeweiligen Künstler empfinde, wenn mir aber keine adäquaten Angebote gemacht werden, dann sucht man sich eben andere Wege.

YOU CAN´T STOP THE SIGNAL, sagte Joss Whedon und er hat recht.

Da rennt eine ganze Branche mit offenen Augen vor eine Wand und denkt aber immer noch, sie hätte es im Griff, lächerlich. Sie hocken in ihren Elfenbeintürmchen und denken ernsthaft, sie könnten ihren Konsumenten immer noch vorschreiben, was, wann und wie sie Fernsehen und Kinofilme zu schauen hätten. Kopf schüttel, das ist völlig realitätsfremd.

Wenn ich mir anschaue, wie brillant in UK, USA fürs TV produziert wird, dann empfinde ich das, was hierzulande passiert, erbärmlich.

Im TV-Spielfilm Bereich sind das Beispiele wie „Temple Grandin“, „Going Postal“, „Alice 2009“ oder „Red Riding“.
Im Serien Bereich, z.B. FIREFLY, Breaking Bad, Dexter, Nurse Jackie, Treme, Sherlock, The IT Crowd, Glee, Gravity, Misfits, Damages, True Blood, Mad Men, House, Always sunny in Philadelphia, Torchwood, Deadwood, Lost, Arrested Development, The Wire, Beeing Human, The Fixer, Black Books, Afterlife, Pushing Daisies, Dirt, Weeds, Better Off Ted, Rubicon etc.
Selbst die kommerziellen Serien wie Bones, Heroes, Prison Break, HIMYM, Leverage, White Collar, Greys Anatomy, sind um Lichtjahre besser als der Mist der bei uns läuft. Stromberg, Dr. Psycho und im Angesicht des Verbrechens mit Abstrichen mal ausgenommen…

Ich habe vor einigen Wochen im Hollywood Reporter einen Artikel gelesen, da gings um die Einkäufer der großen europäischen TV Sender, denen die neuen Serien aus den USA vorgestellt wurden. Zitiert wurde der PRO 7 Einkäufer, der doch allen Ernstes meinte, der deutsche Fernsehzuschauer wolle nur leichte Kost, nichts Komplexes, möglichst einfach, ohne Ecken und Kanten, alles was schwieriger sprich anspruchsvoller wäre, würde beim deutschen Publikum nicht ankommen.

Da ist mir dann doch die Hutschnur geplatzt.

Was bildet sich dieser Mensch eigentlich ein ???

Ich fand diese Aussage so was von unverschämt und zynisch, das ich echt sauer wurde und erst mal dem Hollywood Reporter geschrieben hab. Danach hab ich den Artikel auf meiner Facebook Seite gepostet und diverse Freunde von mir, die ebenfalls seit Jahren aufgegeben haben, deutsches TV zu schauen, haben ebenfalls dazu etwas geschrieben. Danach haben wir alle Pro7 angeschrieben und sie gefragt, was sich dieser sogenannte Experte denn eigentlich denkt. Natürlich was auch sonst, keine Antwort.

Antwort kam aber hingegen vom Hollywood Reporter, der unsere Mails sehr spannend fand und meinte, das zeichne ja ein völlig anderes Bild von dem was der deutsche TV Konsument denn nun wirklich bevorzugt. In der Tat !

Besonders absurd finde ich, das die Markenartikeler, die auf Sendern wie Pro7 gerne Ihre Premiumprodukte verkaufen wollen, eigentlich dafür gar keine Grundlage mehr haben, denn der intellektuelle Teil unserer Gesellschaft (oft auch mit guten Gehältern versehen) hat sich bereits seit Jahren ins Netz verabschiedet, das Klientel, was die Markenartikler gerne ansprechen würden, ist bei Pro7 gar nicht mehr vertreten.

Und wenn man dann noch bedenkt, das durch Joss Whedons „DR. HORRIBLES SING-A-LONG BLOG die komplette Entertainment Industrie ad absurdum geführt wurde, dann ist das, was hierzulande im TV veranstaltet wird, umso unverständlicher.

Whedons übrigens grandioses Online Musical haben mehr als 10 Mio Leute gesehen (es war NUR online anschauebar, es wurde nur über drei webseiten getriggert, es gab keine kommerzielle Werbung) und obwohl es auch frei verfügbar war, haben die Leute sich entschieden, es bei Itunes zu kaufen, was dazu geführt hat, das es über Wochen Platz 1 der Itunes-Downloadcharts war in USA, UK, Canada, Frankreich, Australien und Neuseeland.

Ein weiterer Beweis dafür, das Menschen sehr wohl bereit sind für clever gemachtes, humorvolles Entertainment mit Anspruch zu BEZAHLEN.

Mich macht das traurig, wenn ich sehen wozu das einstige Land der Dichter und Denker verkommt.

Die Herrschaften unserer Politik machens vor, aussitzen, nur ja keine Veränderungen, keine Risiken eingehen, es soll lieber alles so bleiben, so wie es immer (früher) war und die Wirtschaft, vor allem die Medienlandschaft wie Zeitungen, Magazine, Radio, Kino und TV rennt blind hinterher. Das es so aber nicht langfristig weitergehen wird, wird den Herrschaften irgendwann auffallen und dann verliert auch diese Branche, genau wie die Musikbranche 40% ihres Umsatzes und 50% der Mitarbeiter.

Ich kann da einfach nur immer wieder mit dem Kopf schütteln ob so viel Dummheit, Ego und Besitzstandswahrungs-Mentalität…

Schliessen möchte ich mit einem Satz aus Joss Whedon´s Dankesrede (EMMY für Dr. Horribles Sing-A-Long-Blog):

„THE GREATEST EXPRESSION OF REBELLION IS JOY !“

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Prospero 6. August 2010 um 4:11

Ich glaube eher – abgesehen mal davon, dass sich amerikanischer und deutscher Markt nicht so vergleichen lassen – dass Deutschland ein Land der „Einzelfolgenseher“ ist. „Derrick“ oder „Der Alte“ sind halt Formate, in denen in 45 Minuten eine Handlung auserzählt wird und die über Jahre hinweg erfolgreich waren. Allenfalls sind mal Zweiteiler oder Vierteiler gemacht worden – aber komplexe Fernsehserien mit einer durchgehenden Handlung haben doch hier in Deutschland nie eine Chance gehabt. (Wer jetzt einwendet: „Aber Akte X damals oder Stargate“ – der möge sich bitte mal die ersten Staffeln anschauen. Bei „Akte X“ gabs erst langsam nach und nach eine Mythologie, ebenso bei „Stargate“ – in den ersten Staffeln fast alles Einzelfolgen… Von „Deep Space Nine“ mal abgesehen. Und „Babylon 5“ war bei Pro7 ja auch ein Beispiel dafür wie man eine Serie schön gepflegt verheizt…)

Klar sind auch bei den US-Serien Sachen dabei, bei denen ich mich frage, wer die erfunden hat – „Ghosthunters International“? Eine Raketenwürmer-Serie? (Doch, doch, gabs. Echt.) Andererseits: Wenn wir Deutschen was Innovatives machen drehen wir „West Wing“ nach und heraus kommt dann sowas wie „Kanzleramt“. (Von diversen Versuchen andere Formate zu übertragen schweigen wir besser mal…)

Klar, „Türkisch für Anfänger“ oder „Danni Koslowski“ oder der hochgelobte „Kriminaldauerdienst“ – der ja dann bei ARTE unter ferner liefen auslief – sind Beweise dafür, dass es auch annähernd gute Serien gibt. Bestreite ich auch gar nicht. Aber gerade der „Kriminaldauerdienst“ beweist ja eigentlich, dass wir Deutschen halt Einzelfolgenseher sind. Und „Türkisch für Anfänger“ lief ebenso wie andere gute Serien wann? Jeden Wochentag im Vormittagsprogramm der ARD. Anstatt einmal in der Woche an einem guten Platz am Abend. Schade, falsches Timing…

Immerhin zeigt ARTE ab und an ja mal Erbarmen – sowas wie „Jekyll“ oder „The Tudors“ oder eine seltsame Serie aus den 60gern läuft da ja doch ab und an. 🙂
Wobei ich mir sicher bin dass „The Big Bang Theory“ auch irgendwann bei Pro7 landen wird – vermutlich spätabends. Nach Mitternacht. Vorneweg läuft dann bestimmt eine Wiederholung von der Nanny. Ach nee, moment, die läuft ja momentan en bloc bei SuperRTL…
Ad Astra

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Oelsen 6. August 2010 um 17:07

Erstaunlich, dass es sogar das Schweizer Fernsehen (SRG) schafft, dem deutschen Trend zu folgen. Wenigstens senden die im Zweikanalton. Auch hier: Delikatessen o.ä. gibt es fast nicht mehr und vieles wird zu spät ausgestrahlt. Wenigstens ist die Volksmusik hierzulande noch echte Volksmusik und kein Millionenmarkt…

Und wehe, wenn einer denkt, dass das im Artikel beschriebene insgesamt gut ist; die Leute werden nicht einfach so vom TV weggehen. Realityshows egal welcher Machart fesseln eine gewisse „gesetzte“ Bevölkerungsschicht und die 50 herum und die sind genauso zahlungskräftig wie die Jungen (die langsam aber sich immer weniger Arbeit finden…). Solche „Volker und Britta bauen ihr Haus um“ Sendungen haben eine Abwechslung und Belehrung eingebaut, die halt einfach die Teile der Bevölkerung ansprechen, die keinen intensiven Netzkontakt hat(te). Wer sich schon einmal Hyperdrive oder Carnivale angeguckt hat, schämt sich nur noch fremd für die DACH-Sender. Aber um das zu erkennen braucht halt eben zwei Eigenschaften: Man muss an das Material rankommen und man muss Englisch können. Ratet mal, wer so in der Bevölkerung diese Bedingungen erfüllt…

Deshalb unterschreibe auch ich diesen Artikel und die meisten Kommentare. So, und jetzt gehe ich Futurama äh, lesen. *hust*.

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Ute 15. August 2010 um 13:15

Ein weiteres Beispiel ist die wunderbare Serie“Hercule Poirot“mit David Suchet, die sich in unserem Freundeskreis großer Beliebtheit erfreut – warum läuft das nicht im deutschen TV??? http://de.wikipedia.org/wiki/Agatha_Christie%E2%80%99s_Poirot

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Armes deutsches Fernsehen « Meine (un)maßgebliche Meinung! 15. August 2010 um 16:01

[…] Mad Men kill the old men: das Ende des Fernsehens, wie wir es kennen. […]

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jochen 17. August 2010 um 10:42

Deutsches Fernsehen ist für mich nur noch ein Hintergrundmedium, wie es früher nur Radio war. Live-Sport ist fast der einzige Content, der noch zieht. Serien guckt doch jeder, der es einmal getan hat, lieber im Original – und lieber nicht erst 2 Jahre später.

Aber hier in Deutschland hat man ja Übung darin, an alten Strukturen festzuhalten. Daher ist das Sendersterben wohl unausweichlich. Und berechtigt.

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result blog » Blog Archiv » Transmediales Erzählen: Von dem Wagnis der Grenzüberschreitung 17. August 2010 um 12:50

[…] Lässt man nämlich den internationalen Blick schweifen, stellt man fest, dass solche Format-Grenzgänge in den USA längst etabliert sind. Vieles, was in Deutschland brandheiß zu sein scheint, hat dort längst Betriebstemperatur erreicht. Formate wie Mad Man oder Heroes werden hierzulande zwar von den Kritikern aus Journaille, Blogs etc. weit in den Himmel gelobt. Aber warum bitte dümpelt eine Serie wie Mad Man im Pay-TV bzw. auf ZDFneo herum?! Zu recht munierte das u.a. Thomas Knüwer in seinem Beitrag „Mad Men kill the old men: das Ende des Fernsehens, wie wir es kennen“ auf seinem Blog Indiskretion Ehrensache. […]

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E-Culture Fair, Dortmund: schlecht vermarktete Gehirnflutung 26. August 2010 um 17:24

[…] Schließlich präsentierte Peter De Maego von Potemkino noch ein Projekt im frühen Stadium. “The Artists” ist eine TV-Serie, in der es um fünf gestohlene Kunstwerke aus fünf Museen rund um den Globus geht. Sie alle verschwinden am gleichen Tag – und das auch in der Realität (na gut, in der Realität werden sie nur eingelagert). Und dann dürfen die Zuschauer miträtseln und so die Handlung auch verändern – Cross Media Storytelling ist eben der heißeste Scheiß im internationalen TV-Geschäft. […]

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Ein Loblied auf die Öffentlich-Rechtlichen « …Und So Zeug 17. November 2010 um 22:45

[…] oder parteipolitische Chefpostenbesetzungen beschäftigen. Die Kritik ist selten ausgewogen und differenziert, die Verlockung des Staatsfunk-Bashings einfach zu […]

Antworten

US-Kultserie „Mad Men“: Eine Werbeagentur als Gesellschafts-Seismograph | ambuzzador 9. August 2011 um 13:37

[…] Ehrensache“-Blogger Thomas Knüwer sieht in Serien wie Mad Men sogar den „Anfang vom Ende des klassischen Fernsehens.“ Doch während in Deutschland die TV-Struktur „der Qualität im Wege stehe“, weil jeder Sender […]

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Harald Leinweber 16. Februar 2012 um 15:17

Guten Tag!

Ich fand das noch viel schlimmer: Die Serie wurde von Anfang an zu unregelmäßigen Terminen ausgestrahlt, fiel dauernd wegen Sportübertragungen aus und wurde schließlich in der Nacht von Freitag auf Samstag, ca. 2 Uhr, versendet – zu der Zeit haben junge Menschen ja nichts anderes zu tun als fernzusehen.

Es fällt mir schwer, dahinter nur Ungeschicklichkeit zu sehen und nicht bösen Willen – irgendwer hatte die Serie gekauft, aber die für die Platzierung zuständigen Gewaltigen wollten sie nicht.

Und wenn ich mir betrachte, welche der in den letzten Jahren gesendeten interessanten Serien aus den USA (und Großbritannien) im öffentlich-rechtlichen TV liefen und welche im Kommerzfernsehen, dann wird mir angst und bange. Denn dann wird deutlich, dass im ö.-r. völlige Ratlosigkeit, enorme Ahnungslosigkeit und totales Desinteresse herrschen – die können es nicht.

Insofern begrüße ich den Tenor dieses Artikels und halte auch das offensichtlich rege Interesse daran (was die Kommentare zeigen) für sehr bezeichnend. Das haben ARD und ZDF total verschlafen.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit

Harald Leinweber

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