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Herzlich Willkommen bei Völlerei & Leberschmerz!

Umami Flatbread im Noma Kopenhagen.

Am vergangenen Wochenende war ich in Kopenhagen um zu essen. Natürlich wäre diese wundervolle Stadt auch sonst einen Besuch wert, doch war der alleinige Auslöser dieser viertägigen Reise eine Restaurantreservierung.

Natürlich würde nicht jedes aufrechte, gutbürgerliche Lokal solch einen Aufwand rechtfertigen. Doch hatten wir eben einen Tisch im „Noma„, dem Anfang des Jahres nach zwei Jahren Pause wieder geöffneten Zentrum der neuen nordischen Küche.

Innenarchitektionisch eines der vielleicht schönsten Restaurants der Welt: das Noma in Kopenhagne.

Es gibt viele Menschen, die einen für dachschadig halten, erzähle ich von solchen Trips. „Erst eine Menge Geld für die Reise ausgeben und dann unheimlich viel Geld für einen Abend im Restaurant?“, fragen sie und dann „seid ihr bescheuert?“

Die Antwort auf diese Frage ist eindeutig:

Ja.

Doch verlassen wir Menschen die Ebene des Rationalen, wenn uns ein Feld unseres Lebens begeistert, fasziniert, mitreißt. Die einen reisen Fußballclubs hinterher, die anderen sammeln Antiquitäten, die nächsten kaufen jedes noch so absurde Gadget.

Und das ist nicht bescheuert oder Geldverschwendung oder dumm. Erst wenn ein Mensch für etwas so viel Leidenschaft empfindet, dass er darüber bloggen könnte, ist sein Leben erfüllt.

Eine meiner Leidenschaften ist eben das Essen, weshalb es auch ein Blog namens Gotorio gibt. Dort ist in den vergangenen zwei Jahre allerdings fast nichts passiert. Das hing vor allem mit der Squarespace zusammen, der technischen Plattform, die wir einst wählten (Details für Technikfreunde: Squarespace hat einen Versionswechsel vorgenommen, bei dem man von Hand jedes Foto hätte übertragen müssen – deshalb sind wir bei der alten Version geblieben und die macht einfach keinen Spaß mehr. Wenn jemand Abhilfe schaffen kann, gibt es eine Einladung zu hochwertigem Essen.)

Die Faszination für Essen und Trinken ist allerdings nicht erkaltet. Auch wirkt sie ja gar nicht so dachschadig wie noch zum Start von Gotorio vor über 10 Jahren.

Summer-Ceviche im Noma: Fava-Bohnen, Erdbeeren und Radischen in einem Sud aus weißen Johannisbeeren.

Ernährung ist ein Metatrend. Millennials denken weitaus mehr darüber nach, was sie essen und trinken, als meine Generation in jungem Alter. Ich bin absolut kein Freund von Veganismus, doch ist die steigende Zahl von Anhängern dieser Ernährungsweise genau diesem Nachdenken geschuldet.

Köche sind derweil zu Stars geworden. Und das nicht nur in einer älteren Klientel. Der Sohn von Freunden macht kommendes Jahr Abitur, war noch nie in einem Sternerestaurant, hat aber auf Netflix „Chefs Table“ gesehen. Sein Wunsch zum Schulabschluss: zum ersten Mal in ein Sternerestaurant gehen.

Dort wird er sicher tun, was so viele egal welcher Altersklasse machen: Sein Essen fotografieren und auf Instagram posten. Ist das blöd? Oder ist es nicht eine Anerkennung dessen, was da auf dem Teller liegt? Fotografieren und erst recht das Teilen im Social Web ist eine Respektsbekundung gegenüber dem, was auf dem Bild zu sehen ist.

Hinzu kommt, dass ich vor zwei Jahre Mitglied des Ess-Clubs Youdinner geworden bin. Durch seine Macher habe ich unheimlich viel über die Zusammenhänge der Gastronomie mitbekommen, einem faszinierenden System in dem man spannenden Charakteren begegnet (womit wir wieder bei „Chefs Table“ wären).

Dieser Metratrend ist mehr als ein von Medien gemachtes Phänomen. Denn was ist menschlicher als Essen? Nahrungsaufnahme ist für jeden unabdingbar. Deshalb ist unser Körper derart eingerichtet, dass wir Essen und Trinken als Genuss empfinden können.

Aber ich komme ins schreibschwafeln, wobei Sie, geschätzte Leserinnen und Leser, schon merken: Mich fasziniert dieser gesamte Themenkomplex.

Die offene Küche des Noma Kopenhagen.

Damit bin ich nicht allein. Carmen Hillebrand, die ehemalige Social Media-Verantwortliche der Metro und nun freie Beraterin, geht es nicht anders. Sie lebt ihre Leidenschaft auf Barcamps aus, wo sie das legendäre „Betreute Trinken“ anbietet, auf ihrem Blog Tanz auf der Tomate, in Craft Beer-Brauereien und im eigenen Schrebergarten.

Oder Lee Greene. Die Beraterin (Disclosure: auch für meine Firma kpunktnull tätig) leitete schon ein Weingut in der Toskana und gründete ein Food-Startup in Chicago.

Schon länger gärte zwischen uns die Idee, einen Podcast zu Essen, Trinken und dem ganzen anderen Rest zu produzieren. Was fehlte: ein Produzent. Dann begegnete uns Franz Schuier, ein Medien-Ninja mit Liebe zu Essen und Reisen, der schon immer mal einen Podcast produzieren wollte.

Und deshalb freuen wir uns sehr, heute die Testausgabe von „Völlerei & Leberschmerz“ präsentieren zu dürfen.

Ab Herbst wollen wir ein- bis zweimal monatlich über Essen und Trinken reden, wollen uns Interviewpartner einladen, Restaurants testen und die Hörer mitnehmen ins Gemüsebeet, die eigene Küche, Weingüter und Hochgastronomie. Wichtig ist uns dabei: Es sollen nicht nur ein paar Leute um ein Mikro sitzen und reden – davon gibt es schon sehr viele Podcasts. Wir wollen auch immer versuchen, mit der Akustik zu spielen.

In unserem Prototypen hören Sie, wie wir über die Kombination von Champagner und Munster-Käse reden, ein Lakritzpulver probieren, das 2-Sterne-Restaurant „The Jane“ testen und das wundervolle Food-Startup KochDichTürkisch besuchen, mit dem wir über türkische Küche und Türken in Deutschland sprechen.

Bevor Sie nun hoffentlich hier unten klicken (Logo und Social Media-Präsenzen folgen in Kürze) noch der Hinweis: Sollten Sie Mitarbeiter eines Unternehmens sein oder eines kennen, das unser Projekt mit einer Werbeschaltung unterstützen möchte – wir würden uns sehr freuen!

Nun aber herzlich Willkommen bei Völlerei & Loberschmerz: Anregungen, Lob und Kritik sind in den Kommentaren gern gesehen!

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