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ZDF: Wirtschaft? Nein, danke, kein Bedarf.

Dies ist der Geld-Teil der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Nein, nicht der vom Frühjahr 1999 – sondern der vom 2. Februar 2014:

fas internet aktien

„Reich werden mit Internetaktien“. Dazu BOOM, BANG und das FÜLLENSIESICHDIETASCHEN fiel wahrscheinlich nur der Ästhetik zum Opfer.

Nun bin ich überhaupt kein Freund davon, Web-Unternehmen an der Börse zu verdammen. Tatsächlich kann man mit ihnen gutes Geld verdienen. Doch sind sie eben ein riskantes bis hochriskantes Investment, so wie die Anteile anderer Unternehmen aus nicht-gefestigten Märkten, zum Beispiel Biotech oder Emerging Markets.

Der Artikel mischt dann bunt alles durcheinander: Apple wird zum Internet-Unternehmen und vor allem wird der Bereich Mobile munter in dieses Segment geworfen. Klar, gegen Ende werden noch kurz EM-TV und AOL gestreift. Doch insgesamt bejubelt der Text Internetaktien in einer unreflektierten Art, die man seit 2002 für ausgestorben hielt.

Für mich ist das symptomatisch: Es fehlt in Deutschland massiv an gutem Wirtschaftsjournalismus außerhalb der Branchenberichterstattung für Profis. Ich sehe derzeit kaum eine Redaktion, die systematisch versucht, Wirtschaft ohne Thesen und Zuspitzungen jenen zu erklären, die keine Wirtschaftsexperten sind. Dieser Erklärmangel ist nicht neu. Neu ist aus meiner Sich jedoch, dass Publikatoren außerhalb der Wirtschaftsmedien mit Mitteln des Boulevard Berichterstattung über Märkte und Unternehmen betreiben.

Dabei wächst die Bedeutung der Wirtschaft. Zum Beispiel steigt die Notwendigkeit der privaten Altersvorsorge, während das Handeln von Unternehmen mehr als früher Gesellschaft und Politik beeinflusst – gerade durch die Digitalisierung unserer Welt.

Erklären aber mag das anscheinend kaum noch jemand. Als Testat dieser These nehme ich auch eine Stellenausschreibung des ZDF, auf die ich über das Blog von Christian Jakubetz aufmerksam wurde.

Die Sendeanstalt sucht neue Volontäre und setzt dabei recht merkwürdige Bewerbungsbedingungen (hier nachzulesen):

  • abgeschlossenes Hochschulstudium mit Diplom- und/oder Masterabschluss bzw. Staatsexamen in folgenden Fachrichtungen:

                                            – Naturwissenschaften

                                            – Netzkompetenz/angewandte Informatik

                                            – Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Medienmanagement

                                            – Rechtswissenschaften (2. Staatsexamen)

Fehlt da nicht was?

Journalismus- und Kommunikationsstudiengänge, zum Beispiel. Darüber ließe sich nun in der medieninternen Debatte streiten.

Mir persönlich fehlt aber noch etwas: Wirtschaft. Das ZDF sucht weder Volks- noch Betriebswirte. Menschen also, die im Studium gelernt haben, globale, ökonomische Zusammenhänge zu analysieren; die eine Bilanz lesen können; die verstehen, wie sich ein Aktienkurs bildet; wie eine Logistikkette funktioniert.

Stattdessen bevorzugt: Theaterwissenschaftler, Biologen und Volljuristen. Nichts gegen diese ehrbaren Studienabschlüsse. Doch sind die Redaktionen des ZDF tatsächlich so sehr auf der Suche nach neuen Wissenschaftsredakteuren, Feuilletonbeitragsproduzenten und (ich vermute daher kommt die Liebe zur Jura) Verbraucherjournalisten?

48 Stunden brauchte die Presseabteilung des ZDF, bis sie auf eine Anfrage meinerseits eine Antwort hatte. Sie lautet:

„… das Kontingent der im ZDF auszubildenden Redaktionsvolontärinnen und -volontäre ist in aller Regel begrenzt. Im Vordergrund der Kandidatenauswahl für das kommende ZDF-Volontariat steht die Bedarfsorientierung. Vor diesem Hintergrund wurden die entsprechenden Voraussetzungen definiert.

Im Verlauf der Ausbildung erhalten die Volontärinnen und Volontäre praktisch und theoretisch das journalistische Handwerkszeug, das sie befähigt als Redakteurin oder Redakteur für Fernsehen und Online, für aktuelle, wissenschaftliche, kulturelle, unterhaltende und fiktionale Programme zu arbeiten.“

Bedarfsorientierung. Verständlich. Womit wir nun konstatieren können: Das ZDF sieht keinen Bedarf an mehr Wirtschaftsberichterstattung. 

Ich persönlich sehe das genau anders.

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