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Das Digitale Quartett #35: Gesche Joost

gesche joost foto valeria mittelmannSonntag, im „Bericht aus Berlin„, wurde SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zu seinem Kompetenzteam befragt. Es sei doch überraschend, dass er Agenda-2010-Gegner Klaus Wiesehügel berufen habe, sagte Moderator Rainald Becker. Steinbrück meinte, es sei doch klar, dass ein Gewerkschafts-Schwergewicht in das Team gehöre.

Und: „Überraschend ist, dass ich mit Gesche Joost, eine junge Frau gefunden habe, die Netzpolitik macht.“

Hm.

Was genau ist daran jetzt überraschend?

Dass er eine junge Frau berufen hat?

Dass er eine Frau gefunden hat, die sich für dieses Internetzeugs interessiert, wo doch selbst ein Mann wie er es nur schafft, handgeschriebene Notizen auf seine Homepage stellen zu lassen?

Oder, dass ER eine Frau gefunden hat, noch dazu eine junge, die mit ihm arbeiten will?

Gesche Joost jedenfalls, zeigte sich überrascht von seiner Überraschung:

(Foto: Valeria Mittelmann)

Das ist eine durchaus sympathische Reaktion. Und so sympathisch kam Gesche Joost zunächst auch im Digitalen Quartett über. Ihre Erzählung, wie sie in das Kompetenzteam Steinbrücks kam und was dieses so macht – das war ein schöner Blick hinter die Kulissen des Wahlkampfs.

Aber.

Dann kamen die Sachthemen. Zu einigen hat Joost eine klare Meinung, zum Beispiel zu Prism oder dem Leistungsschutzrecht. Doch dann folgten Floskeln, die wütend machen. Gratiskultur, Urheberrecht, weil Künstler nicht von ihrer Arbeit leben können, Kinder im Internet schutzlos – all das, was für gewöhnlich Amtsträger wiederkäuen, die wenig über die digitale Gesellschaft reflektieren.

Ein wenig bizarr wurde ihre Volte in Sachen Urheberrecht, die flott beim Zustand der Zeitungsverlage landete. Qualitätsjournalismus müsse gefördert werden, Paywall-Modelle müssten her. Ob dann Bürger zahlen würden, schien egal. Gar nicht beantworten konnte Joost die Frage, was denn nun in diesem Markt eigentlich die Rolle der Politik sein soll. Auch, wenn sie gegen das Leistungsschutzrecht ist – sie nutzte alle Argumente, die Leistungsschutzrechtsbefürworter nutzen. Nur konnte sie auch nicht formulieren, was sie nun eigentlich haben möchte. Ernüchternd, um ehrlich zu sein.

Hier die Sendung zum Nachgucken:

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