Die QR-Parallel-Inspiration von Grabarz und Jung von Matt

by Thomas Knüwer on 20. Januar 2012

Kleiner Hinweis vorweg: Nein, das hier wird jetzt nicht das QR-Code-Blog, die Häufung ist purer Zufall!

Zwischen den Zentralen der beiden Hamburger Werbeagenturen Grabarz & Partner (Alter Wall 55) sowie Jung von Matt (Glashüttenstraße 79) liegen laut Google Maps 2,1 Kilometer. Das kann man als nah ansehen – oder als weit. Wir dürfen aber davon ausgehen, dass die klatschfreudige Branche darüber debattiert, ob die Entfernung reicht für Industriespionage oder ob in einem Szenecafé gelauscht wurde oder wo ansonsten die undichte Stelle sitzen kann.

Denn zeitgleich präsentierten die beiden Agenturen für ihre Kunden, die noch dazu aus der absolut gleichen Branche kommen, die haargenau gleiche Idee. Sowohl Volkswagen als auch Mercedes lassen ihre neuen Modelle – auf der einen Seite der Up, auf der anderen die neue A-Klasse – vollständig mit QR-Codes beklebt durch die Gegend fahren. Wer einen der Wagen, die als Erlkönige vermarktet werden, sieht und den Code einscannt, der kann gewinnen.

Das ist zunächst keine ganz blöde Idee. Schließlich ist das Fotografieren noch nicht offiziell auf dem Markt befindlicher Modelle extrem beliebt, in den entsprechenden Marken-Foren werden solche Bilder heiß diskutiert. Allerdings handelt es sich hier natürlich nicht um echte Erlkönige, denn so lang ist es ja nicht hin bis zur offiziellen Präsentation.

Wie aber kommt es nun zu einer solchen Deckungsgleichheit? Unwahrscheinlich dürfte sein, dass die eine Marke von den Aktivitäten der anderen erfahren hat. Was sollte das bringen? Eine solche Kampagne ist kein lustiges Ringelreihen, es geht darum möglichst viele Autos zu verkaufen. Und da wäre es Gift eine offensichtlich austauschbare Idee zu verwenden. Hätte eines der Unternehmen diese Idee mit einem vorhandenen Modell verbunden, so läge Arglistigkeit nahe.

Möglich wäre natürlich ein Mitarbeiter, der zwischen den Agenturen wechselte und die Idee vorschlug ohne zu erwähnen, dass diese bei seinem alten Arbeitgeber umgesetzt wird. Vielleicht war bei seinem Wechsel auch noch nicht sicher, ob der Kunde das Projekt umsetzt. Und ohne Namen zu nennen: Interessant ist sicherlich, dass im vergangenen Frühjahr der Teamleiter für den VW-Etat bei Grabarz ging – und als freier Berater für Jung von Matt zu arbeiten begann. Er dürfte wohl der erste sein, der heute einige Fragen beantworten muss.

Wobei sich die Frage stellt: Kann man so blöd sein? Und auch wenn ich hier ja häufig genug solch eine Frage mit “Ja” beantworte, so bin ich hier eher zögerlich. Tatsächlich liegt ja die Idee der mit QR-Code beklebten Neuwagen auf der Straße (Bitte beachten Sie diesen besonders schalen Wortwitz. Danke.). Sie ist nicht überbordend kreativ und sensationell innovativ. Sie ist halt ganz OK. Und ganz okaye Idee sind das, was die meisten Klassik-Werbeagenturen in Deutschland in Sachen Digital-Kampagnen beisteuern können.

Und so glaube ich nach aktuellem Wissensstand nicht an einen Skandal – sondern an einen sehr, sehr lustigen Zufall: Grabarz und Jung von Matt ist einfach nichts besseres eingefallen – das aber beiden gleichzeitig.

Foto: Mercedes

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