Blackberry stirbt

by Thomas Knüwer on 12. Oktober 2011

Wenn Sie Lust haben, einer Technik beim Sterben zuzusehen, so folgen Sie diesem Link. Er führt sie zur Twitter-Suche nach dem Begriff Blackberry. Und was sie dort sehen ist Wut, Verzweiflung und daraus erwachsender Zynismus.

Seit nunmehr drei Tagen ist das Blackberry-System aus dem Hause RIM weitestgehend nicht mehr funktionabel. Das dürfte vor allem Privatanwender betreffen, vielleicht auch Selbstständige aber wohl kaum Großkonzerne mit eigenen Servern. Doch die werden ebenfalls ein Problem bekommen – und zwar ein Großes.

Nachtrag: Nicht nur in den Komentaren unten sondern auch per Mail haben sich eine Reihe Mitarbeiter, darunter IT-Verantwortliche, von größeren Unternehmen gemeldet. Meine Annahme, sie seien nicht betroffen ist offensichtlich falsch. Was die Sache natürlich zur Katastrophe für Research in Motion macht. Denn E-Mails sind systemrelevant – und somit dürften sich derzeit viele, viele Großkunden damit beschäftigen, wie der Mail-Verkehr zuverlässiger zu gestalten ist – und Blackberrys dürften dabei nicht in der Planung vorkommen.


(Quelle: @luna)

Zuvor jedoch sehen wir ein Unternehmen in Kommunikationsstarre. Die Presseseite von RIM listet derzeit keine offizielle Mitteilung, dort herrscht Normalbetrieb. Über Social Media werden bürokratisch klingende Meldungen ausgegeben, die an die Deutsche Bahn nach drei Stunden Verspätung klingen: “Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten.” Bei Facebook finden sich darunter innerhalb von nur einer Stunde rund 1200 Kommentare – die meisten davon negativ.

Die alle zu besänftigen ist praktisch unmöglich. Denn wer seine versprochene Produktleistung über einen längeren Zeitraum – und beim Empfang von E-Mails sind drei Tage eine verflucht lange Zeit – nicht erbringt, der hat keine Entschuldigungen. Doch könnte die Wirkung ein wenig gedämpft werden, träte das Management nach vorn, würde vielleicht per ehrlicher Videobotschaft Bedauern ausdrücken, vielleicht irgendeine Form von Kompensation versprechen.

So aber bleibt nur die Wut. So wie Starbucks-Fans auf Facebook einfach ihren Lieblings-Latte auf die Fanpage rufen, so tun dies nun Blackberry-Fans mit den mobilen Endgeräten der Konkurrenz.

RIM steckt mitten in einem perfekten Sturm. 

Denn schon das vergangene Quartal war ja ein Komplett-Desaster. 1,5 Millionen Geräte weniger verkaufte das Unternehmen gegenüber dem Vorjahr. Doch noch immer hat der Blackberry viele Fans. Einerseits in Unternehmen – doch die stecken in den weitesten Teilen der Welt in der Krise und investieren logischerweise weniger. Und dann gibt es noch eine junge, weniger zahlungskräftige Klientel. Und die liest nun allerorten von Verkaufsrekorden des iPhone.

Quelle: @Evil-Dumbledore)

Die einen, die Privatnutzer, wollen nicht tagelang auf funktionierende Smartphones verzichten. Die anderen, die Unternehmen, wollen es nicht. Es ist nicht überzogen dramatisch zu behaupten: Derzeit stirbt RIM. Nicht von heute auf morgen – aber es wird schnell gehen. Denn in den Unternehmen verlieren die Fürsprecher des Blackberry mit jeder Stunde jedes Argument. Wenn selbst der Hersteller es nicht schafft, einen funktionierenden Service zu gewährleisten – wie will es dann die Firmen-IT?

RIM wird weitere Verkaufsverluste erleiden. Und dann Probleme haben, zu überleben. Kein kundiger Konzern-IT’ler wird sich erst dann mit den Folgen für seinen Arbeitgeber beschäftigen. Dies wird früher passieren. Jetzt. In der Phase, da ohnehin weniger investiert wird. Spätestens, wenn es mit der Wirtschaft dann wieder aufwärts geht, wird Research in Motion das Zeitliche segnen – denn die Order werden ausbleiben, während die Konkurrenz florieren wird.

Blackberry stirbt. Jetzt gerade.

Nachtrag vom 13.10.: Tag 4 und endlich eine ansatzweise menschliche Äußerung. RIM-Gründer Mike Lazaridis liest vom Teleprompter ab. Doch wann das System wieder voll läuft mag er nicht versprechen:

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