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Wenn Sie Lust haben, einer Technik beim Sterben zuzusehen, so folgen Sie diesem Link. Er führt sie zur Twitter-Suche nach dem Begriff Blackberry. Und was sie dort sehen ist Wut, Verzweiflung und daraus erwachsender Zynismus.

Seit nunmehr drei Tagen ist das Blackberry-System aus dem Hause RIM weitestgehend nicht mehr funktionabel. Das dürfte vor allem Privatanwender betreffen, vielleicht auch Selbstständige aber wohl kaum Großkonzerne mit eigenen Servern. Doch die werden ebenfalls ein Problem bekommen – und zwar ein Großes.

Nachtrag: Nicht nur in den Komentaren unten sondern auch per Mail haben sich eine Reihe Mitarbeiter, darunter IT-Verantwortliche, von größeren Unternehmen gemeldet. Meine Annahme, sie seien nicht betroffen ist offensichtlich falsch. Was die Sache natürlich zur Katastrophe für Research in Motion macht. Denn E-Mails sind systemrelevant – und somit dürften sich derzeit viele, viele Großkunden damit beschäftigen, wie der Mail-Verkehr zuverlässiger zu gestalten ist – und Blackberrys dürften dabei nicht in der Planung vorkommen.


(Quelle: @luna)

Zuvor jedoch sehen wir ein Unternehmen in Kommunikationsstarre. Die Presseseite von RIM listet derzeit keine offizielle Mitteilung, dort herrscht Normalbetrieb. Über Social Media werden bürokratisch klingende Meldungen ausgegeben, die an die Deutsche Bahn nach drei Stunden Verspätung klingen: „Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten.“ Bei Facebook finden sich darunter innerhalb von nur einer Stunde rund 1200 Kommentare – die meisten davon negativ.

Die alle zu besänftigen ist praktisch unmöglich. Denn wer seine versprochene Produktleistung über einen längeren Zeitraum – und beim Empfang von E-Mails sind drei Tage eine verflucht lange Zeit – nicht erbringt, der hat keine Entschuldigungen. Doch könnte die Wirkung ein wenig gedämpft werden, träte das Management nach vorn, würde vielleicht per ehrlicher Videobotschaft Bedauern ausdrücken, vielleicht irgendeine Form von Kompensation versprechen.

So aber bleibt nur die Wut. So wie Starbucks-Fans auf Facebook einfach ihren Lieblings-Latte auf die Fanpage rufen, so tun dies nun Blackberry-Fans mit den mobilen Endgeräten der Konkurrenz.

RIM steckt mitten in einem perfekten Sturm. 

Denn schon das vergangene Quartal war ja ein Komplett-Desaster. 1,5 Millionen Geräte weniger verkaufte das Unternehmen gegenüber dem Vorjahr. Doch noch immer hat der Blackberry viele Fans. Einerseits in Unternehmen – doch die stecken in den weitesten Teilen der Welt in der Krise und investieren logischerweise weniger. Und dann gibt es noch eine junge, weniger zahlungskräftige Klientel. Und die liest nun allerorten von Verkaufsrekorden des iPhone.

Quelle: @Evil-Dumbledore)

Die einen, die Privatnutzer, wollen nicht tagelang auf funktionierende Smartphones verzichten. Die anderen, die Unternehmen, wollen es nicht. Es ist nicht überzogen dramatisch zu behaupten: Derzeit stirbt RIM. Nicht von heute auf morgen – aber es wird schnell gehen. Denn in den Unternehmen verlieren die Fürsprecher des Blackberry mit jeder Stunde jedes Argument. Wenn selbst der Hersteller es nicht schafft, einen funktionierenden Service zu gewährleisten – wie will es dann die Firmen-IT?

RIM wird weitere Verkaufsverluste erleiden. Und dann Probleme haben, zu überleben. Kein kundiger Konzern-IT’ler wird sich erst dann mit den Folgen für seinen Arbeitgeber beschäftigen. Dies wird früher passieren. Jetzt. In der Phase, da ohnehin weniger investiert wird. Spätestens, wenn es mit der Wirtschaft dann wieder aufwärts geht, wird Research in Motion das Zeitliche segnen – denn die Order werden ausbleiben, während die Konkurrenz florieren wird.

Blackberry stirbt. Jetzt gerade.

Nachtrag vom 13.10.: Tag 4 und endlich eine ansatzweise menschliche Äußerung. RIM-Gründer Mike Lazaridis liest vom Teleprompter ab. Doch wann das System wieder voll läuft mag er nicht versprechen:


Kommentare


Mona_lisa 12. Oktober 2011 um 18:03

Das Problem scheint nicht nur auf Privatanwender beschränkt; ich bekam heute in der Firma (etwa 30.000 MA) die Info, die auch an alle anderen Blackberry-Nutzer ging, dass man momentan Probleme mit RIM habe. Genaueres wurde nicht genannt, aber es klang auch nicht, als hätte man eine baldige Lösung parat. Wenn sich RIM allerdings weiterhin totstellen sollte, werden wir wohl schneller iphones bekommen als wir dachten. 🙂

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Armin 12. Oktober 2011 um 18:10

Sehr gruendlich scheinst Du auf der RIM Presseseite aber nicht nachgesehen zu haben. Dieses habe ich in ungefaehr 5 Sekunden gefunden:

http://www.rim.com/newsroom/service-update.shtml

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FK 12. Oktober 2011 um 18:24

Richtig, die Kommunikation ist das Problem. Ich bin admin für ein kleines Unternehmen, der Chef hat nen BB, die anderen alle Androidhandys. Die Androiden kosten weniger, können mehr, brauchen keine Ominöse BB-Zusatzoption im T-mobile verrtrag und funktionieren einwandfrei, sowie der BB bislang. Jetzt ist der BB tot, die androiden nicht. In der nächsten Smartphonekaufrunde werde ich wohl ein „Wissen sie damals, als der Blackberry offline war als Sie nach China mussten“ in die Runde werfen, um mir in Zukunft diese zu administrierende Extrawurst vom Bein zu schaffen.
Doch apropos kommunikation: Ich folge BB natürlich nciht bei Twitter oder FB und habe heute 2 stunden lang an dem blöden Gerät rumgebastelt da ich von einer Fehlfunktion ausging bis ich in der PAuse bei Heise zufällig was von den Problemen las.
RIM, eine email, eine verdammte oldschool email an die betroffenen konten hätte gereicht um mir und vielen anderen 2 Stunden dumme bastelei zu sparen.

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Gregor 12. Oktober 2011 um 21:30

Da voreilige Todesanzeigen im IT-Bereich einfach zu verlockend zu seien scheinen, ist mal wieder an der Zeit für einen Lesetipp: The tragic death of practically everything.

Mfg

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Der Ruhrpilot | Ruhrbarone 13. Oktober 2011 um 6:46

[…] Mobilfunk: Blackberry stirbt…Indiskretion Ehrensache […]

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Paul 13. Oktober 2011 um 8:57

Gregor, you made my day!

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Armin 13. Oktober 2011 um 14:17

„Und die liest nun allerorten von Verkaufsrekorden des iPhone“

Und inzwischen auch von diversen Problemen beim iOS5 upgrade:

http://www.bbc.co.uk/news/technology-15288003

Kommt dann bald der Artikel dass Apple am Sterben ist? Wer will denn solchen wackeligen Krams haben wo Apple auch nicht auf die Probleme antwortet?

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Thomas Knüwer 13. Oktober 2011 um 14:21

@Armin: Der Unterschied ist: Das iPhone funktioniert auch ohne iOS-Update wunderbar. Der Blackberry aber hat seine Kernfunktionalität ohne E-Mail verloren.

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Konjunkturforscher wissen nicht, wie Menschen ticken: Nachwort zum Herbstgutachten | Ich sag mal 13. Oktober 2011 um 16:19

[…] An den Rekordumsätzen und Gewinnen, die Apple selbst nach dem Ausbruch der Lehman-Krise erzielte (und wer strategische Fehler macht und Innovationsschübe verpennt, stürzt halt ab: Beispiel Blackbe…), erkennt man, wie falsch die Ökonometrie funktioniert – übrigens auch der […]

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Armin 13. Oktober 2011 um 19:33

@Thomas: Nicht wenn es waehrend des Updates zum Brick geworden ist. Dann kann es noch weniger als ein Blackberry….

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Blackberry stirbt – auf Twitter 13. Oktober 2011 um 20:24

[…] weiterlesen empfehle ich den Artikel  von Thomas Knüwer auf indiskretionehrensache.de der mit noch mehr Fakten […]

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Daniel 14. Oktober 2011 um 12:16

Man darf dabei allerdings nicht vergessen, dass RIM ein riesiger Konzern mit finanziellen Möglichkeiten und kreativen Köpfen ist. Nach diesem Fiasko dürfte es sicherlich ein Umdenken geben und möglicherweise gibt es in einiger Zeit neue innovative RIM-Smart-Phones.
Abschreiben würde ich das Unternehmen daher noch nicht.
Und wirklich schlecht sind Blackberrys nicht, zumindest mehr am Puls der Zeit als Geräte von Nokia.

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jaipur 15. Oktober 2011 um 2:05

ob die blackberries auch bald mit windows phone laufen *g* ?

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